11.07.2008 von Alex Needham
Wie muss man sich Ihren Arbeitsplatz vorstellen?
Bei mir zu Hause ist es zu unordentlich, Kleider liegen rum, Unterhosen und so weiter, ausserdem habe ich keinen Fernseher und keinen Internetzugang, deshalb arbeite ich im Coffee-Shop.
Im Coffee-Shop?
Ja, im Coffee Bean auf dem Sunset Boulevard Ecke Fairfax. Ich habe meinen Kapuzen-Pullover an und den Kopfhörer auf. Ich höre ständig Musik. Ich sitze immer in derselben Ecke. Da bin ich Tag und Nacht. Das ist Teil meines Mythos – Perez ist immer da. Ich bin der Truman Capote von heute.
Truman Capote! Glauben Sie echt, was Sie machen, das ist Journalismus?
Absolut. Aber in erster Linie würde ich mich nicht Journalist nennen, sondern Entertainer. Meine Website hat bis zu fünf Millionen Besucher pro Tag. Sie könnte sprachlich gewandter sein, wenn ich dazu Zeit hätte, aber ich haue so viele Blogs wie möglich raus, so schnell wie möglich. Deshalb gibt es da auch so viele Druckfehler – ist mir scheissegal.
Finden Sie es moralisch vertretbar, brandgefährlichen Klatsch zu verbreiten?
Klar. Was ich schreibe, stimmt. Alles ist wahr. Meine Glaubwürdigkeit hat sich inzwischen in den Mainstream-Medien etabliert. Ich war der Erste, der die Affäre von Jake Gyllenhaal und Reece Witherspoon aufgedeckt hat. Kurz darauf nahmen «People» und «Us Weekly» die Story auf. Ich bin aggressiv auf der Jagd nach Schlagzeilen, ausserdem habe ich exklusive Quellen.
Moment, haben Sie nicht mal behauptet, Jake Gyllenhaal sei schwul?
Ich habe nur gesagt, könnte gut sein, dass er schwul ist. Wobei, was ist der Unterschied? Ich weiss nicht hundert Prozent, dass er schwul ist.
Immerhin hatte er ein Verhältnis mit Penelope Cruz.
Na und? Ich habe mal mit einem Typen rumgemacht, der war mit einer extrem prominenten Frau liiert.
Name?
Den spar ich mir für meine Memoiren auf.
Sie haben Stars wie Lance Bass geoutet, den ehemaligen Sänger der Boygroup ’N Sync. Ist Ihnen bewusst, dass so was Karrieren ruinieren kann?
Ich bin kaltblütig und grausam. Ich finde Schwulsein kein Problem. Ich bin definitiv der Meinung, dass es der Karriere nicht schadet, wenn sich einer zu seiner Homosexualität bekennt. Ich glaube nicht an Diskriminierung. Ich bin für Gleichbehandlung. Ob ich nun über das heimliche Verhältnis von Lance Bass zu seinem Freund Reichen berichte oder ob «People» über das heimliche Verhältnis von Jessica Simpson zu John Maher schreibt – wo ist da der Unterschied?
Perez Hilton schreibt auf www.perezhilton.com, «Hollywoods meistgehasster Website»
Alex Needham ist Kulturredaktor des britischen «Guardian».