Alles halb so wild mit den Deutschen

Die SVP hetzt mit ihren journalistischen Wahlhelfern gegen Deutsche. Und erschafft je länger, je mehr einen Konflikt, den es so nicht gibt. Wie sieht der Alltag etwa in einem Zürcher Spital wirklich aus?

05.02.2010 von Anuschka Roshani , 21 Kommentare

Sie schnappen uns die tollen Jobs weg, die Wohnungen, die Männer. Sie bitten beim Bäcker nicht höflich um ein Gipfeli, sie bellen quer durch den Raum «Ich krieg ein Brötchen!». Sie nehmen uns nicht ernst, aber unsere Gastfreundschaft in Anspruch. Sie sprechen unsere Sprache nicht, dafür ihre umso lauter. Sie ziehen nicht in die Schweiz, sie annektieren sie; sie können gar nicht anders, historisch bedingt. Und sie holen ihresgleichen nach, denn je mehr Deutsche da sind, desto weniger bleiben übrig, an die sie sich gewöhnen müssen.
So sieht es aus, das Zusammenleben von Deutschen und Schweizern in der Deutschschweiz — wenn man SVP-Vertretern wie Christoph Mörgeli und ihren Brüdern im Geiste, Journalisten wie den «Weltwoche»-Chefs Markus Somm und Roger Köppel glaubt. Kein Miteinander, nirgends. Nein, ein einziges Gegeneinander, ein Hauen und Stechen, und als Hauptwaffe — oft genug als Totschlagkeule — die Sprache.
Also müssen die schlimmsten Schlachtfelder dort sein, wo sie sich in enormer Zahl tummeln: in den Spitälern. Rund 16 000 Angestellte im Schweizer Gesundheitswesen stammen: aus Deutschland. Also muss da, wo es Tag für Tag um Frakturen und Prellungen des Alltags geht, auch der Ort grösster Verwundung von Schweizern durch Deutsche sein.
So zogen wir aus, das Fürchten zu lernen. Ins Zürcher Stadtspital Triemli. In einigen Abteilungen ist knapp ein Viertel des Personals deutsch. Im Gepäck hatten wir einen Haufen Bilder: deutsche Oberärzte, welche Krankenschwestern auf gut Deutsch zusammenscheissen; Chefs aus Stuttgart oder Hamburg, die auch bei den engsten Mitarbeitern auf die Gott-in-Weiss-Anrede «Herr Professor» bestehen; verschüchterte ältere Patienten aus dem Thurgau oder Bündnerland, dem zackigen Hochdeutsch auf dem OP-Tisch ausgeliefert wie dem Skalpell und den grellen Scheinwerfern.
Und dann: nichts. Wohin wir auch kommen, wird abgewinkt — das sei ein reines Medienthema. Genau wie die Schweinegrippe. Diesen Satz hören wir immer wieder, von Deutschen, vor allem aber von Schweizern. Es gäbe kein Problem, keinen Konflikt, zumindest keinen, der durch die Nationalität bedingt sei, sagt unter anderem Daniel Passweg, stellvertretender Chefarzt der Maternité, gebürtiger Bieler.
Die Herkunft eines Arztes oder ¬einer Pflegerin spiele keine Rolle. Weder würden sich die deutschen Kollegen absondern noch würden sie ausgeschlossen. Es gibt in den Wohnhäusern des Triemli kein Deutschen-Nest, es gibt keinen Deutschen-Stammtisch, keine deutsche Ärzte-Fussballmannschaft, die gegen ein Schweizer Team antritt. Vielleicht weil der Krankenhausalltag zu sehr von existenziellen Notwendigkeiten geprägt ist — geht es um Leben und Tod, ist die Frage danach, wo einer geboren wurde, eine luxuriöse.
Das heisst nicht, dass nicht schon manchem in der Kantine schlagartig aufgegangen ist, dass er am Tisch der einzige Schweizer unter lauter Deutschen ist. Sobald aber die Verblüffung dem Nachdenken weicht, fällt jedem wieder ein, dass es ohne die deutschen Kollegen gar nicht gehen würde — zu gross ist der Personalmangel. Das kann Oswald Oelz nur bestätigen. Oelz war von 1991 bis 2006 Chefarzt am Triemli. «Während meiner Zeit gab es nicht ein Problem zwischen Schweizern und Deutschen», sagt Oelz, «das Thema wird hochgeschaukelt.» Ausserdem seien Krankenhäuser seit jeher sehr international besetzt.
René Alpiger, Leiter der Pflege der Triemli-Intensivstationen, kann auf Anhieb nicht mal sagen, wer deutsch ist, wer Spanier, wer Schweizer. «So normal ist das.» Trotzdem hat er kürzlich einen internen Newsletter verfasst, in dem steht: «Im Rahmen der multikulturellen Zusammensetzung unseres IS-Teams sowie der Führungshaltung des Stadtspitals Triemli sind ausländerfeindliche Sprüche oder Handlungen sowie rassistische Bemerkungen nicht tolerierbar.»

Schweiz-Knigge
Warum dann das? «Die Deutschen sind wieder ein Thema. Weil die Medien uns Steinbrück, Fussball, SVP-Parolen auftischen, diskutieren wir das halt auch. Oder es fällt mal ein Spruch», sagt Alpiger. Ein solcher Spruch — mit dem Tenor: Hauptsache, das deutsche Fussballteam verliert den Match, egal, wer gewinnt — war eine flapsige Bemerkung zu viel für eine deutsche Kollegin, sie beschwerte sich.
Auch Barbara Moll, Leiterin der Interdisziplinären Pflege und seit 1987 in der Schweiz, kennt solche Sprüche — von ihrem Schweizer Ehemann, einem Gynäkologen. Wenn sie ein paar Tage zu Hause verbracht hat, in Wiesbaden, sagt er schon mal: «Nimm den deutschen Chef raus!»
Am Anfang war sie gekränkt, inzwischen denkt sie sich, dass er einfach sehr empfindlich auf Kraftausdrücke reagiert und sich ein paar davon wohl beim Heimatausflug in ihren Wortschatz zurückgeschlichen haben. Und sicher, das sei ja bekannt, ist die Kommunikation von Deutschen oft direkter als die der Schweizer. Aber deswegen Verständigungsschwierigkeiten? Unsinn, ob Mundart oder Hochdeutsch, es bleibe doch die gleiche Sprache, und jeder Deutsche bemühe sich um Rücksicht: Das distanzlose «Tschüss» zum Beispiel würden sich alle sofort abgewöhnen.
Ein Grossteil der hiesigen Deutschen hat ein geschärftes Bewusstsein dafür, wie schnell man unabsichtlich durch Worte und Verhalten anecken kann. Hat eine ausgeprägte Bereitschaft, sich anzupassen. Auch Professor Matthias Becker, seit anderthalb Jahren Chef der Triemli-Augenklinik, hat seinen selbst zusammengestellten Schweiz-Knigge stets im Hinterkopf: «Es gibt viele Momente, wo ich denke, halt, Stopp, sonst bist du der böse Deutsche!»

Diffuse Bedrohung
Dabei hat sich noch nie ein Patient von ihm darüber beklagt, von einem Deutschen behandelt zu werden, fast alle sprechen völlig selbstverständlich Dialekt mit ihm, und den Patienten wie den Kollegen sei das Wichtigste, dass der Arzt seine Sache gut macht. Dennoch schob Becker kürzlich das unwirsche Benehmen eines jungen Patienten auf sein Deutschsein. Später stellte sich heraus, dass sich der Mann bei den Schweizer Kollegen nicht weniger rüde aufgeführt hatte. Da wurde Becker klar, dass seine Sensibilität gegenüber dem Thema auch zu Fehlinterpretationen führen kann.
In der Tat ist es lächerlich, die Integ¬rationsprobleme von Deutschen mit sorgenvollen Mienen zu erörtern. Mag sein, dass sich der eine oder andere Schweizer wirklich diffus bedroht fühlt — zum ersten Mal könnte ein Mittelständler dem Glauben verfallen, durch den Zuzug von Ausländern gefährdet zu sein. Er könnte fürchten, seine Privilegien durch den Neuen aus Deutschland zu verlieren. Doch liegt solch eine latente Angst nicht viel eher darin begründet, dass die bürgerliche Mitte in der Schweiz insgesamt an Land verliert?
Nichtsdestotrotz wird etwa in Fernsehsendungen wie dem «Zischtigsclub» das vermeintliche Problem in erregter Runde verhandelt. Wo aber sind sie genau, die grossen Eingliederungsschwierigkeiten? Lungern Deutsche arbeitslos auf der Strasse herum, dealen sie, fallen sie durch Gewalt und Verwahrlosung auf?
Natürlich gibt es Mentalitätsunter¬schiede zwischen Deutschen und Deutschschweizern, aber die gibt es auch zwischen Bernern und Zürchern. Natürlich sind unter den deutschen Chefärzten auch arrogante Säcke, und natürlich hat man dann die Neigung, denjenigen nicht bloss als arroganten Sack, sondern als arroganten deutschen Sack wahrzunehmen.
Alles richtig, aber was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? Das Problem oder das Gefühl, ein Problem zu haben oder irgendwann irgendwie eines bekommen zu können?
Es kann doch kein Zufall sein, dass sich jemand wie Christina Springer länger gefragt hat, ob sie sich das wirklich antun muss: sich derartig wenig willkommen zu fühlen. Bei ihrer Ausbildung standen der Fachärztin aus Heidelberg genug andere Stellen offen, und sie überlegte im vergangenen Sommer hin und her, ob sie das Angebot aus Zürich annehmen sollte. In deutschen Zeitungen und Magazinen hatte sie immer wieder gelesen, dass Deutsche in der Schweiz alles andere als gern gesehen seien, sogar verhasst. Letztlich entschied sie sich dafür, weil ihr Freunde in der Schweiz bestätigten, dass «in Wahrheit alles halb so wild» sei.
Sonderbar, dass es Medienberichten heute noch gelingt, die Leute nervös zu machen. In einer Zeit, in der niemand mehr auf die Idee käme, die Wirklichkeit mit einem Flimmerbild zu verwechseln. Niemand mehr den Satz «Es steht in der Zeitung» als Beweismittel anführt. Jeder weiss, Medienbilder sind so naturidentisch wie das Erdbeerjoghurt mit der Erdbeere — ohne Geschmacksverstärker läuft gar nichts. Ohne Spektakel. Leise Töne im Fernsehen sind nun mal wenig unterhaltsam.
Und obwohl wir das alles wissen, haben es Zeitung und Fernsehen geschafft, gewollt oder nicht, mit dem Lamento über Deutsche nicht nur Quote, sondern auch Stimmung zu machen. Ein Feindbild aufzubauen, das im Konfliktfall mit der Wirklichkeit in Deckung gebracht wird.
Ute, eine Pflegerin aus Stuttgart, erzählt, dass sie früher, im Spital in Langenthal, Zeitungsartikel anonym ins Fach ge¬legt bekam, in denen alle Deutschen über einen Kamm geschoren wurden. An Nachschub war kein Mangel, in jeder dritten Ausgabe von «20 Minuten» findet sich etwas. Das Elend nahm erst mit ihrem Wechsel nach Zürich vor einem Jahr ein Ende.

Deutschland-Klischees
Bei keiner anderen Nationalität, keiner anderen Volksgruppe würde man sich so ein Schubladendenken zugestehen — unvorstellbar, dass im französischen öffentlich-rechtlichen Fernsehen stundenlang über den Anpassungswillen etwa der Italiener debattiert wird. Jeder seriöse Journalist würde sich diskreditieren, wenn er Hochrechnungen vom Einzelnen auf einen Nationalcharakter anstellen würde. Das Ressentiment gegen die Deutschen dagegen darf man scheinbar öffentlich pflegen, selbst als sogenannter Intellektueller, denn sie haben ihre Popularität mit dem Dritten Reich auf Generationen hinweg verspielt. Und dann hinterher, wie Mörgeli, die Empörung der Professoren damit zu legitimieren, dass die SVP wohl «einen Nerv getroffen» haben müsse, als sie «deutschen Filz» an Schweizer Universitäten anprangerte — dieser Missbrauch der Historie grenzt an Perfidie.
Dabei haben die Deutschen durchaus aus ihrer Geschichte gelernt: Die allermeisten von ihnen — insbesondere jene, die ins Ausland ziehen, ob auf Dauer oder nur als Tourist — vergegenwärtigen sich die nationalsozialistische Vergangenheit wieder und wieder. Denn sie werden ja auch — zum Glück — ständig daran erinnert. Sie kennen die Schlagzeilen aus britischen Zeitungen, die «Blitzkrieg der Ballermänner» titelten. Sie kennen sämtliche Klischees vom ewig motzenden Kasernenhof-Deutschen. Und versuchen daher im vorauseilenden Gehorsam, hässliche Erwartungen zu unterlaufen.
Über all dem haben sie aber auch die Einsicht gewonnen, dass man — wenn man sich in seiner Argumentation auf die Geschichte beruft — besonders vorsichtig sein muss, keine Lunte zu legen. Wie war das damals, als die Weimarer Republik und damit die deutsche Mitte zusammenbrach? Welchen Deutschen interessierte es vor 1933, welcher seiner Nachbarn «halb- oder vierteljüdisch» war? Welcher normale Bürger hatte sich zuvor jemals über eine Absurdität wie den von den Nazis definierten «jüdischen Charakter» Gedanken gemacht?
Die traurige Wahrheit ist: Sie fingen an, daran zu glauben. Warum — darüber denken Historiker, Soziologen, Psychoanalytiker seit Jahrzehnten nach. Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass es nicht in einem «deutschen Wesen» begründet ist. Etwas — vielleicht die allgemein menschliche Tendenz, sich zu vergleichen und sein mögliches Unglück vom Glück eines anderen abhängig zu machen — war geschürt worden, so lange, bis es sich in ganzer Schrecklichkeit offenbarte.
Ist es da nicht wohltuend zu sehen, wie unbeeindruckt die Schweizer und Deutschen am Triemli bleiben? Wie unaufgeregt sie miteinander umgehen?
Vor einem Jahr stand das Sommerfest der Intensivstation unter dem Motto «Oktoberfest», man amüsierte sich miteinander bei bayrischem Bier, Brezeln und Weisswürsten.
Dieses Mal soll der Anlass indisch werden.

Anuschka Roshani ist «Magazin»-Redaktorin.
Der Illustrator Paul Davis lebt in London.
bigorange@btconnect.com

Illustration von Paul Davis
Illustration von Paul Davis

Die Diskussion

21 Reaktionen

  1. Stefan

    Vor zwei Jahren kritisierte der Tagi wochenlang deutsche Professoren am Uni-Spital. Insbesondere Prof. Alexander Knuth wurde immer wieder namentlich erwähnt und als Beispiel für den typisch deutschen Führungsstil (hierarchiegläubig, arrogant, intrigant etc.) angeführt. Jetzt wird frech das Gegenteil behauptet. Die Glaubwürdigkeit des Tagi ist am Nullpunkt angelangt.

  2. WONDERFULDK

    Riecht schwer nach gekauftem Propaganda-Artikel. Frag mich, wieviel Economiesuisse dem Tagi für diesen Abdruck bezahlt hat. Ein Friede-Freude-Eierkuchen Propagandaartikel.
    Sorry – will not change my views!

  3. Skeptiker

    Mich nervt an der ewigen Ausländerdiskussion, dass fast niemand „Top-down“ denkt.
    Erstens gibt es auf der Welt fast genau 1000x so viele Ausländer wie Schweizer.
    Zweitens wollen wir weit überdurchschnittlich sein; Weltspitze in Forschung, Wissenschaft, Wirtschaft und Technik.
    Drittens sind alle diese Bereiche längst globalisiert.
    Da viertens nicht alle Schweizer konkurrenzlose Genies in den genannten Disziplinen sind, können wir:
    Entweder weiterhin selbstgefällig so tun, als seien wir die Weltmeister in allen Bereichen, und nicht darüber nachdenken, woher der Wohlstand kommt, den die Schweiz im letzten Jahrhundert aufgebaut hat, oder uns endlich einmal mit positiven Werten profilieren! Der Dümmste müsste verstehen, dass wir „das Ausland“ brauchen.

    Man verstehe mich recht. Ich bin zwar erst in der vierten Generation Schweizer, kann also nicht mit Vorfahren von Morgarten prahlen. Die Schweiz ist für mich das beste Land, ich liebe es und wohne gerne hier.
    Aber es widert mich an, dass wir Waffen an Problemländer exportieren und zugleich mit Henri Dunant prahlen,
    oder dass wir die teilweise guten Leistungen der Banken beschmutzen, indem wir Gelder von Mobutu, Duvalier & Co. verwalten,
    oder dass wir darüber jammern, dass wir von Gaddhaffi an der Nase herumgeführt werden, als ob es nicht seit Jahren sonnenklar war, das dort eben keine Rechtssicherheit besteht.

    Die Schweiz hat so viele Pluspunkte: Wir bewältigen bei hoher Bevölkerungsdichte ein friedliches Zusammenleben, haben einen fast perfekten ÖV, gute Ausbildung der Handwerker, allerdings deutlich zu wenig Hochschulabsolventen, kaum Integrationsprobleme wie etwa in Berlin-Kreuzberg.

    Wieso in aller Welt ist es denn der Regierung nicht möglich, international die Schweiz als ein Land mit guten Ethik-Standards, mit hoher Zuverlässigkeit, mit grösster Rechtssicherheit darzustellen?
    Als ein Land das man respektieren kann und sogar mag? Wo die Regierung das Recht und die Moral bewusst in ein gutes Gleichgewicht stellt?

    Seit dem 2. Weltkrieg wird das Ansehen der Schweiz durch unsere Selbstgefälligkeit und Trägheit, durch rückwärtsgewandte Sturheit und Wischi-Waschi-Politik systematisch heruntergewirtschaftet! Die Schweizerische Volksverängstigungspartei spielt da ein extrem schädliches Lied und zerstört aktiv ein gesundes und entspanntes Verhältnis zum Ausland. Lasst uns konstruktiv vorwärts schauen und die echten Probleme anpacken!

  4. senftleben

    Das ist wohl das Primitivste, dass man unter Journalismus finden kann. Da wird als Aufmacher für den Artikel bei Tagi Online ein Szenenfoto aus dem Film “Marathon Man” gewählt, das einen deutschen KZ Arzt zeigt, der im Film munter foltert. Wenn man nicht mehr weiter weiss, dann kann man wenigstens beruhigt in der Klischee-Kiste kramen, und da ist bei hoher interlektueller Leistung der Deutsche als übelster Nazi noch immer in der Schweiz gefragt.
    Genau das ist das Bild, dass der Arbeit deutscher Ärzte in Schweizern Spitälern entspricht.
    Herzlichen Dank, die Message ist angekommen, bleibt nur zu hoffen, dass es es noch einen letzten Funken von Anstand in diesem nicht mehr ernst zu nehmenden Land gibt.

  5. blackrabbit

    Die Pulsnahme im Triemli wäre ein interessantes Stück Journalismus, aber leider ist man versucht, einen Artikel mit einem “Böser-Mörgeli, böse Weltwoche!”-Einstieg letztendlich doch nur in die endlose Reihe der bis zum Überdruss durchexerzierten Anti-SVP-Empörungspamphlete einzuordnen, mit welchen man seit den Neunzigern des letzten Jahrtausends pausenlos beglückt wird.

    Wie Stefan oben richtig anmerkte ist die mediale Schlagseite gegen alles Deutsche weder neu noch eine Erfindung der Weltwoche; diesen Schuh dürfen sich die zwei grossen Verlage hierzulande schon selber anziehen. Das aktuelle Aufflammen des Themas ist eben doch dem Umstand geschuldet, dass gewisse Professoren auf das belanglose lokale Inserätli der Stadtzürcher SVP wie Schulbuben reagiert und es somit enorm aufgewertet haben. Dies festzustellen ist keineswegs perfid, denn von hochgebildeten Leuten in dieser Lohnstufe muss man nach all diesen vielen Jahren einfach erwarten dürfen, dass sie wissen, wie der Mechanismus erfolgreicher SVP-Kampagnen jeweils funktioniert. Was hat man sich da in der Studierstube gedacht ? “Wir werden die SVP auf dem Gebiet bekämpfen, wo sie besonders schwach ist: Bei den Inseraten!”??? Bloss um dann – und das war die wirklich grosse Enttäuschung – einen Text zu produzieren, welcher ebenso gut von zwei pickligen Teenagern der Antifa Hinterunterdorf hätte formuliert werden können (”Empör! Empör! Rassismus!”).

    Dass die Schweiz bei der Massenauswanderung deutscher Leistungsträger aus ihrer Heimat erfolgreich mitabschöpfen kann, das empfinde ich übrigens als grosses Glück. Diese Leute sind für uns – keineswegs auf die wirtschaftliche Ebene beschränkt – in Zukunft wohl weit wertvoller als alles Schwarzgeld, welches noch in irgendwelchen Banktresoren gebunkert ist.

  6. senftleben

    Welch ein Wunder! Da hat man doch noch gerade beim Tagi Online die Kurve gekriegt und die Darstellung des KZ-Arztes mit einer lächelnden Blondinen über Nacht ausgetauscht. Typisch ist und bleibt, dass so Vieles klammheimlich korrigiert wird, ohne ein Wort des Bedauerns oder gar der Entschuldigung. Das ist der aufrechte Schweizer Gang!

  7. Grammatic

    Alles halb so wild mit den Deutschen… oder d e m Deutschen?
    Zitat: “Der von SVP und Medien erschaffene Konflikt gibt es nicht.” (sic)
    Kann da jemand der Akkusativ nicht? Oder lässt sich im Unterbewusstsein gar ein Widerstand gegen deutsche Regeln (alle, auch grammatikalische!) ausmachen?

  8. Marcel Zufferey

    Nein, das Problem sind zeifellos nicht die Deutschen, sondern die Art und Weise, wie uns die Personenfreizügigkeit angedreht wurde: Mit Drohungen, Fehlinformationen und falschen Versprechungen. Hier liegt der Hund begraben. Sowohl Economiesuisse, als auch der Bundesrat, der Arbeitgeberverband, Avenir Suisse, Peter Spuhler u.v.a.m. wussten ganz genau, was sie taten. Die Folgen baden wir nun alle aus- mit unverhältnismässig steigenden Mietzinsen (+17 Prozent im Grossraum Zürich / in einzelnen Quartieren der Stadt sogar bis zu 40 Prozent), förmlich explodierenden Immobilienpreisen (im Zürichseegebiet +26 Prozent alleine in den letzten 5 Jahren), übervollen S-Bahnen zu allen denkbaren und undenkbaren Zeiten, verstopften Strassen in der Innenstadt etc. etc. Dass ich unzählige Bekannte habe, die davon berichten, dass ihre Arbeitgeber (worunter auch börsenkotierte Industriekonzerne gehören) vorzugsweise billige Arbeitskräfte aus dem Ausland einstellen (nein, nicht Fachkräftemangel!) ist wohl auch kein Zufall…

    Wir wurden, zumindest was die negativen externen Effekte der Personenfreizügigkeit anbelangt, von Wirtschaft und Politik nach Strich und Faden verarscht.

  9. Le_Urmel

    Es scheint mir ein typisches Zürcher Problem zu sein. In Basel regt sich kaum jemand über die Deutschen auf, es gibt genug Wohnungen und als Grenzstadt wurde in der Industrie auch fast immer der Tarif entlohnt. Was die explodierende Mieten in Zürich angehen, sollte man sich die Mietenexplosin in London, Moskau und New York anschauen. Alle In-Städte und -Quatiere litten unter diesen Preisen. Zürich hat jedenfalls etwas dagegen getan als es gegen das Pauschalsteuerabkommen gestimmt hat. In gewissen Gegenden werde die Preise wieder fallen.

  10. Helveticus

    @Marcel Zufferey
    Auch durch die ewige (bewusste?) Wiederholung irgendwelcher Behauptungen werden diese nicht wahrer.
    Tatsache ist, dass das Durchschnittseinkommen der Deutschen in der Schweiz höher ist als das der Schweizer (5k CHF/Jahr, wenn ich mich nicht irre). Da von Lohndumping zu reden ist völliger Unfug. Dazu ist die Arbeitslosenquote der Deutschen in der Schweiz niedriger. Eventuell “auf Kosten” der Schweizer, dazu weiss ich leider nichts.

    Natürlich gibt es immer Missbrauch, immer Ausnutzung von Schlupflöchern und selbstverständlich findet im Bereich der Niedrig- und Niedrigstqualifizierten eine brutale Verdrängung statt. Jeder Arbeitgeber in diesem Bereich versucht, billige Sklaven durch noch billigere zu ersetzen. Aber GERADE in diesem Bereich finden sich sehr wenige deutsche Arbeitnehmer.

    Sie sollten sich klar darüber sein, dass die Personenfreizügigkeit – trotz der eben genannten Mängel – sicherstellt, dass hochqualifizierte Ausländer IN und FÜR die Schweiz arbeiten. Das ist sehr viel besser als wenn sie es AUSSERHALB und GEGEN die Schweiz tun. Die Welt dreht sich weiter und es ist zunehmend egal, wer wo arbeitet. Dabei geht ein Stück Nationalität verloren, keine Frage. Aber lieber in national gemischtem Wohlstand leben denn als stolzer Schweizer Kühe melken. Für andere mag das so nicht gelten, aber vermutlich haben die dann einfach nicht nachgedacht.

    Was die Mieten betrifft – schauen Sie sich doch mal in den Metropolen der Welt, vor allem in denen mit einem grossen oder meinetwegen auch aufgeblähten Finanzsektor an – überall dasselbe Phänomen. Daran sind sicher auch die Deutschen schuld, oder?

    @senftleben
    Glaube ich nicht. Zu so einem perfiden Einfall sind die Schreiberlinge des Tagi Online gar nicht fähig. Da hat garantiert der Stift im Bilderarchiv nach “deutscher Arzt” gesucht und dann in völliger Ahnungslosigkeit das Bild online gestellt. Aber man hat beim Tagi Online nicht den Mut, so einen Fehler zu korrigieren UND dazu zu stehen. Also husch-husch unter der Teppich kehren…..

  11. Ninon

    Der Artikel von Anuschka Roshani ist von einer unsäglichen Seichtheit und bar jeder Recherche. Es wäre jetzt gewiss billig, ihr zu unterstellen, dass es ihr als Deutscher an einer gewissen Distanz zum Thema fehlt. Ganz sicher aber fehlt es ihr an Bewusstsein für Problematiken, die gerade bei der Kommunikation mit Patienten alltäglich sind.

    Ein Patient, der einen Schlaganfall erlitten hat, ist häufig nur noch fähig, sich in seiner Muttersprache, respektive in seiner Kindheitssprache, in vorliegenden Fällen also auf Schweizerdeutsch, auszudrücken.

    Dasselbe gilt beispielsweise auch für Kinder oder für Menschen, die in seelisch schlechtester Verfassung sind. In Kliniken für Akutpsychiatrie, wo Menschen hinkommen, die unter schwersten Depressionen leiden und Suizidversuche unternommen haben, die psychotisch oder drogenabhängig sind, ist es ein alltägliches Problem, dass die Schweizerdeutsch sprechenden Patienten nicht befähigt sind hochdeutsch zu sprechen respektive zu verstehen und umgekehrt die Psychiater Mühe haben, einen Schweizerdeutsch sprechenden Patienten zu verstehen. Es erschwert nicht nur die Behandlung, sonder zuerst auch mal den Einstieg in die Therapie enorm, wenn ein Mensch, der in einer seelischen Notlage ist, plötzlich einem halben Dutzend hochdeutsch sprechende Ärzte gegenüber steht und sich mit ihnen nicht verständigen kann.

    Oder nehmen wir einen älteren Bergbauern, der seinen Lebtag nie Hochdeutsch sprach und im Spital auf einen Arzt trifft, der seinen Dialekt nicht versteht. Alles nur halb so wild? Man muss weder SVP-Wähler noch Weltwoche-Leser sein, um zu erkennen, dass bezüglich der Arzt-Patient-Kommunikation enorme Schwierigkeit bestehen – ein wenig Einfühlungsvermögen würde schon reichen.

    Ich bin sehr enttäuscht über die Qualität Ihres Artikels.

    Hier ein paar Hinweise zur Sprachproblematik – aus Sicht von deutschen Ärzten:

    http://www.thieme.de/viamedici/weiterbildung/interessantes/schweiz.html

  12. a200000

    RE Helveticus:
    Das ich nicht lache, das Märchen von den hochqualifizierten Deutschen ist ein Schnee von Gestern, aber fast so gut wie „Des Kaisers neue Kleider“. Erstens, es sind vielleicht 5% Wissenschaftler die weltweit die Forschung und Innovation vorantreiben, für den Rest braucht die Schweiz keine Deutsche, und diese Spitzenkräfte konnten die Firmen auch vor der Personenfreizügigkeit anwerben. Inzwischen haben wir über 200000 Deutsche hier und nur kleine Kinder glauben dass die Mehrheit hochqualifiziert ist und in die obige Kategorie fällt. Übrigens, die Qualifikation der deutschen Handwerker (keine Hilfskräfte) habe ich beim Bau meiner Wohnung erleben dürfen, kurz gesagt, beide Hände Links.
    Der angebliche ständig wachsende Bedarf an qualifizierten Kräften kommt in erster Linie von den weltweit, durch die gigantische Schulden verursachten, Überkapazitäten in fast allen Sektoren. Wenn die Kreditblase platzt, bleiben sie in unserem Sozialnetz hängen.
    Zweitens, dieser Satz
    „Aber lieber in national gemischtem Wohlstand leben denn als stolzer Schweizer Kühe melken“ , ist an Dummheit kaum zu überbieten, offensichtlich ist Ihnen entgangen, das die Schweizer auch ohne die jetzige Masseneinwanderung aus Deutschland weit besseren Wohlstand aufgebaut haben als es die Deutschen je haben werden. Und, die Globalisierung, zumindest für Europa, keine Garantie des Wohlstands ist sondern umgekehrt, die Niveaulierung des Wohlstands gegen unten. Outsourcing lässt grüssen.
    Drittens, die Behauptungen. dass das Durchschnittseinkommen der Deutschen in der Schweiz höher ist als das der Schweizer und von Lohndumping zu reden völliger Unfug ist, werden durch Wiederholung auch nicht wahrer.

  13. Marcel Zufferey

    @Helveticus: Natürlich muss man sich nicht auskennen, wenn man über den Arbeitsmarkt spricht, wie Ihr Votum beweist (das durchschnittliche Monatseinkommen [brutto] lag 2006 bei gut 5′700 Franken). Zudem bin ich weit davon entfernt, von Lohndumping zu sprechen- von diesem von den Befürwortern der Personenfreizügigkeit hochgezogenen, potemkinischen Dorf lasse ich mich nicht ablenken. Lohndumping ist tatsächlich ein Randphänomen- dermassen viel und dermassen lautstark dikutiert, dass man schon fast in Versuchung kommt, zu vergessen, dass dafür das Lohnniveau insgesamt unter Druck gerät, was auch in einzelne Studien der CS nicht bestritten worden ist (CS Economic Research). Klarer und vor allem deutlicher drückte sich da schon Rudolf Strahm aus, der in einer Kolumne der Berner Zeitung („Kampf der Raben“, Rudolph Strahm, Berner Zeitung, 17.01.2009) ganz offen und unumwunden davon gesprochen hat, dass mit der Öffnung des schweizer Arbeitsmarktes vor allem die Löhne zwischen 5000 und 8000 Franken unter Druck geraten werden- womit gut 70 Prozent aller Einkommen in der Schweiz gemeint sind. Eine Ausweitung des Angebotes zieht immer sinkende Preise nach sich, das ist ein ehernes Gesetz der “freien” Marktwirtschaft. Natürlich ist nicht nur die Ausweitung des Arbeitsmarktes daran schuld, dass die Löhne in der Schweiz seit gut 20 Jahren weitgehend stagnieren, das ist mir auch klar. Doch die Einführung der Personenfreizügigkeit wird in diesem Lande schlussendlich zu einer Anpassung an die europäischen Verhältnisse führen, sprich: Die Arbeitslosenquote wird steiler ansteigen und die Fragmentarisierung des Arbeitsmarktes Richtung atypischer Beschäftigungsverhältnisse wird weiter zügig voranschreiten.

    Zudem möchte ich Sie darauf hinweisen, dass ich in meinem Kommentar weiter oben alles andere als versucht habe, “den Deutschen” die ganze Schuld an diesen Entwicklungen in die Schuhe zu schieben, Zitat: “Nein, das Problem sind zeifellos nicht die Deutschen, sondern die Art und Weise, wie uns die Personenfreizügigkeit angedreht wurde: Mit Drohungen, Fehlinformationen und falschen Versprechungen.”

    Bevor Sie eine x-beliebige Projektionsfläche für Ihre falschen Assoziationen suchen, sollten Sie die Texte, die sie kritisieren, zuerst einmal genau lesen.

  14. Helveticus

    @Marcel Zufferey

    zur Kenntnis genommen. Aber Sie widersprechen sich dann zumindest implizit: Zum einen postulieren Sie, es seien “nicht die Deutschen”, zum anderen beklagen die Wohnungszustände in ZH (Auf diesen Teil habe ich mich bei meiner Bemerkung bezogen, was Ihnen wohl nicht entgangen ist) und die sind tatsächlich zum einem Teil den deutschen Zuwanderern anzulasten). Wenn Sie also keine Assoziationen wünschen, müssen Sie sich klarer ausdrücken.
    Aber wenn Sie schon mit Volkswirtschaft kommen wollen: Natürlich führt eine Erweiterung des Angebotes zu sinkenden Preisen. Aber die Schweiz ist nicht (mehr) isoliert von der Welt. Wenn Sie hier im Land das Angebot künstlich knapp halten wollen, sucht sich der Markt eben andere Plätze. Dann verlegen grosse Firmen ihren Sitz einfach in andere Länder. Die Deutschen haben dieses zweifelhafte Kunststück auch fertig gebracht. Die ehemalige Automobil-Supermacht wollte billiger fertigen, die Gewerkschaften und Arbeitnehmer wollten das nicht. Also werden “deutsche Autos” jetzt eben im ehemaligen Ostblock oder sonstwo gefertigt. Dafür sind die Deutschen jetzt arbeitslos.
    Was haben Sie mit der Isolation dann erreicht? Ganz einfach, statt “weniger” haben sie dann “gar nichts mehr”.

    Aber ganz im Ernst gefragt: Glauben Sie wirklich, dass es in der Schweiz anders wäre, wenn es die Personenfreizügigkeit nicht gäbe? Glauben Sie wirklich, dass wir noch immer auf einer isolierten Insel der Glückseligkeit leben, welche keinerlei Verbindung zum Zustand der Weltwirtschaft hat? Glauben Sie wirklich, dass wir weiterhin in Saus und Braus leben können, während die ganze (Wirtschafts-)Welt in einer Rezession steckt?
    Genau das will uns ein Teil der schweizer Politik erzählen und ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung glaubt diese Lügen.

    Ja, die Schweiz hat schon bessere Zeiten gesehen. Deutschland auch. Und der Rest der Welt ebenso. Die goldenen Zeiten sind vorbei und sie kommen vermutlich nicht so schnell zurück. Mit Isolierung und dem Glauben, alles besser als die anderen zu können, wird man auch in der Schweiz Schiffbruch erleiden.

  15. Skeptiker

    @HELVETICUS: Genau. Das Problem sehe ich in dieser betonierten, selbstgefälligen Rückschau. Aber die Welt ist globalisiert und dynamisch. Wer stehen bleibt wird bestraft. Der Schweizerische Musterknabe ist zum “Ugly Swiss” verkommen.
    Die Traditionalisten sind nach vorne blind und taub, verbreiten Angst statt Mut und Zuversicht, damit wir uns selbstwusst als offenes, anständiges Land positionieren; diese Schweiz gibt es ja auch!
    Angst war nie ein guter Ratgeber.
    Die Mediokratie lässt grüssen.

  16. Rekapitulation « sauschwabe

    [...] Gesundheitsmetier. Der trotz einer gewissen Oberflächlichkeit lesenswerte Artikel mit dem Titel “Alles halb so wild mit den Deutschen” von Anuschka Roshani ist hier in der Gänze zu finden, der Kernabsatz nun im Zitat. “Es kann [...]

  17. Marcel Zufferey

    @Helveticus: Vieleicht habe ich mich missverständlich oder zuwenig klar ausgedrückt: Ich bin nicht per se gegen die Personenfreizügigkeit, sondern lediglich gegen die Art und Weise, wie sie seinerzeit dem einfachen Volk angedreht worden ist: Geradezu so, als ob sie allen Beteiligten nur Vorteile bringen würde- doch dem ist nachweislich nicht so. Der brutale Verdrängungskampf am unteren Ende der Lohn- und Qualifikationsskala, wie Sie es nennen, findet ja nicht erst seit gestern statt, sondern schon seit Beginn der Neunzigerjahre.

    Natürlich ist es immer einfach, aus der Perspektive der Gewinner die derzeitigen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt zu beurteilen. Genauso einfach ist es, hochtrabend vom “Prinzip der schöpferischen Zerstörung” (Joseph A. Schumpeter) zu sprechen (als Erklärungsansatz für den volkswirtschaftlichen Wandlungsprozess, dem auch unser Land seit den Siebzigerjahren ausgesetzt ist), wenn man sich nicht selber im Wendekreis der drohenden Zerstörung befindet. Sobald man einmal in den Sog der sozialen Abwärtsspirale gezogen woren ist- und diese wird zunehmend auch für Teile des Mittelstandes zur Bedrohung- sieht die Welt plötzlich ganz anders aus.

    Ich denke, man sollte die Stimmen der Verlierer nicht marginalisieren- sondern ihnen im Gegenteil mehr Beachtung schenken. Sonst rächt sich das auf einmal, wie wir alleine bei der Annahme der Minarettinitiative gesehen haben. Menschen, die unter Druck geraten, sind eine leichte Beute für Demagogen… weil sie nicht nur politischer, sondern auch radikaler werden können.

  18. Peter Aufenast

    Schmunzelnd habe ich den Artikel von Anuschka Roshani konsumiert. Der Schlagzeile: „Alles halb so schlimm mit den Deutschen!“, kann ich voll zustimmen. Einige sich etwas überschätzende Schreihälse aus den obersten Etagen in der SVP Hirarchie und ihre Sympathisanten haben, nehme ich mal an, etwas weniger geschmunzelt. „Gälled si, Herr Professor Mörgeli!“

    Über den Alltag in einem Zürcher Spital kann ich nichts sagen. Ich nehme allerdings an, er wird sich nicht viel anders präsentieren als der Alltag in einem Berner Spital. In unserem Unispital “Insel”, habe ich eine hervorragende Arzt- und Pflege-Betreuung, vorwiegend durch ausländisches Personal genossen. Mir ist kein einziger Patient bekannt, der sich beklagt hätte. Und in den Aufenthaltsräumen, in den Cafeterias und im Restaurant hört man einiges, manchmal auch was hinter den Kulissen passiert. Der Betrieb ohne die bestens ausgebildeten und nicht nur bei den Patienten beliebten ausländischen Fachkräfte, vorwiegend Deutsche, würde glatt zusammenbrechen.

    Dasselbe gilt nicht nur für Pflegeberufe. Betroffen sind auch unzählige Unternehmen in der Maschinen- Elektro- und Fernmeldeindustrie. Ich erinnere mich noch gut an die manchmal etwas treuherzigen Aussagen interessierter Schweizer Bewerber auf die intern und extern ausgeschriebenen anspruchsvollen Jobs: Ich habe Familie, Freunde Freundin, Sport, Politik, Musik, kulturelle Interessen — und kann für eine zeitintensive Weiterbildung mit Lehrstoff büffeln, in meiner Freizeit, Abends und am Wochenende, nicht auf viele für mich ebenfalls wichtige Tätigkeiten verzichten. Und das obwohl die nicht ganz billigen Kurse und die entsprechenden Sprachaufenthalte vom Arbeitgeber bezahlt wurden.

    Die gleichen Mitarbeiter haben sich dann beklagt, wenn Ausländer, vorwiegend bestens ausgebildete Deutsche mit der Bereitschaft, viel Zeit in eine permanente Weiterbildung zu investieren und auch bereit, trotz Familie, mehrere kürzere bis längere Geschäftsreisen pro Jahr rund um die Kugel zu unternehmen, bevorzugt wurden.

    Und Sprüche,aus welchen Gründen auch immer, von frustrierten Schweizern, die die Schweiz immer noch als den Nabel unseres Planeten sehen: Wenn das so weitergeht, sitzen in Kürze nur noch Ausländer als Chefs in den Abteilungen, Ressorts, bis hinauf in die Geschäftsleitungen und bestqualifizierte Schweizer haben das Nachsehen sind heute an der Tagesordnung. Das habe ich als heutiger Rentner schon während meinen beruflichen Tätigkeiten vor Jahren zu hören bekommen. Ist zwar irgendwie verständlich, wenn man die immer noch bei vielen lieben Schweizern vorherrschende Meinung vertritt: Wir sind global gesehen — DIE BESTEN!!

    Ich habe volles Verständnis für Mitarbeiter, egal auf welcher Hierarchiestufe, die auf eine Karriere mit entsprechendem Salär und Staus verzichten. Aber man darf sich dann auch nicht beklagen, wenn Ausländer, gleich welcher Nationalität, Hautfarbe und Religion bei Beförderungen bevorzugt werden weil sie dem Anforderungsprofil besser entsprechen.

    Zum Glück spielt das Anforderungsprofil bei unseren Bundesräten eine eher untergeordnete Rolle. Aber das ist eine andere Geschichte!

  19. cbolfing

    Lieber Skeptiker

    Du sprichst mir von der Seele. Gratuliation, selten so einen treffen Post gelesen wie Deiner!

  20. mario f salomon

    @MARCEL ZUFFEREY genau das ärgert mich ebenso! Die PFZ wurde uns, um es wörtlich zu sagen, wie auf dem türkischen Markt angedreht. Genauso wie man uns nun die Senkung der BVG Umwandlungssätze schmackhaft machen will mit viel viel Propaganda. Nichts glaube ich mehr! Letzte woche war im TAGI zu lesen das der Bundesrat nicht mehr über die Ventil-Klausel nachdenkt und auch nicht neue Bedingungen zum PFZ aushandeln will. Passt, oder?

  21. Superstacker

    Ich habe mich lange gewundert, weshalb Christoph Mörgeli auf die einfachsten Mechanismen des Nationalismus hereinfallen kann. Bis ich gemerkt habe, dass er sie nicht unbedingt glauben muss, um sie zu zu propagieren. Abgrenzung gegen andere war schon immer ein wichtiger Teil der nationalen Identität. Mörgeli sowie die Weltwoche weiss dass und kreiert immer wieder neue wirre Ideen, mit welchem Ziel, ist mir nicht ersichtlich.

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