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Arthur Schnitzler, graue Socken und mein «Ich»

Ich habe eine Identitätskrise, und das wegen meiner Socken. Das kam so. Es ist nicht leicht, aber doch schön in unserer individualisierten, pluralisierten Welt. Es ist nicht leicht, weil nichts mehr fix ist und alles fliessend. Was hat denn noch normative Macht? Wer sagt, was das richtige, das gute Leben ist? Früher war es die [...]

Immer diese Beichten

Ich ärgere mich ein bisschen. Wirklich. Dass ich nicht selber auf die Idee gekommen bin. All die Texte. All die Wörter. Die Buchstaben. Das Ringen um eine Idee, um einen Gedanken. Allein, mit sich selber, eingeschlossen in sich selbst. Und dann kommt da eine Siebzehnjährige und macht vor,wies auch funktionieren kann: einfach abschreiben. Und hoffen, [...]

Jubelgeste gesucht

Ich finde die Olympischen Winterspiele etwas seltsam. Mit Skifahren kann ich noch einigermassen etwas anfangen. Vor allem, weil ich die Geräuschkulisse mag. Dieses Ratschen der Ski, die Kuhglocken. Hat etwas Sonntagnachmittägliches. Ein Feuerchen brennt im Cheminée, abends gibts Braten. Wobei ich auch beim Skifahren mangels Interesse gewisse Bildungslücken habe. Zum Beispiel ist mir nicht ganz [...]

Verzweifeltes Gefühlswürgen

Ich spazierte neulich an einem Designer-Secondhandladen vorbei, und da standen wunderschöne Dior-Pumps im Schaufenster. Ich probierte sie an. Sie passten perfekt.Ich untersuchte sie, sie waren zweifellos echt. Ich ging nach Hause und wollte wissen, aus welcher Kollektion sie stammen, wie viel sie ursprünglich gekostet haben, wer sie zu welchem Anlass schon getragen hat, solche Sachen. [...]

Für Sie haben wir hier nichts

So siehts aus: Ich bin nicht reich, aber auch nicht arm. Ich bin so: okay. Komme klar. Kann mir auch mal was leisten. Was Teureres. Was nicht wirklich sein müsste. Was man auch billiger kriegen könnte, wenn das Logo nicht wäre. Solche Sachen. Ein bisschen demonstrativer Konsum. Aber eigentlich mehr, um mir selbst zu demonstrieren: [...]

Ich brauche neue alte Freunde

Ich habe eine Lücke festgestellt in meinem Bekanntenkreis. Der ist sonst demografisch recht breitgefächert. Ich kenne Leute mit Kindern und Leute ohne Kinder. Gläubige, Atheisten, Esoteriker. Leute vom Land und Leute von der Stadt. Ausländer, Schweizer. Ich kenne Professoren und Schulabbrecher. Hippies und Banker. Ich kenne Swinger, Pornosüchtige und Prüde. Vegetarier, Fette, Orthorektische. Reiche und [...]

Männer auf verlorenem Posten

Alle zwei Monate oder so ruft mich mal jemand an. Apropos: Kennen Sie eigentlich Phantom-Klingeln? Leute, die sich aus heiterem Himmel an die Brust, an die Oberschenkel, an den Hintern fassen, irgendwann ihr Handy finden und feststellen, dass gar nichts war? Oder Frauen, die an ihrer Handtasche lauschen? Mir scheint, das ist die nächste grosse [...]

Bye-Bye Tiger

Da dachte ich schon, dass die Tiger-Woods-Sache langsam abklingt. Es war ja absehbar. Auch die schönsten Zeiten finden irgendwann ihr Ende. Und es war wirklich eine schöne Zeit. Es war eine Zeit der gemeinschaftlichen Empörung. Eine Zeit, in der wir zusammengerückt sind, um uns lustvoll das Maul zu zerreissen. Diese Affäre Woods, sie kam gerade [...]

Toughe Frauen, schwer beschädigt

Neulich stellte in einer Diskussionsrunde über Feminismus, beziehungsweise über dessen Neuerfindung, beziehungsweise über das Imageproblem dieses Begriffs, beziehungsweise über die Notwendigkeit von Feminismus heute, beziehungsweise über -ismen allgemein, beziehungsweise über Zwölfjährige, die rumlaufen wie Nutten, da also stellte ein Mann die Frage, warum eigentlich so viele «emanzipierte», sprich «starke» Frauen auf Machos stehen, und mit [...]

Wir wollen Lebensweisheiten

Neulich unterhielt ich mich mit Böckli. Über andere Menschen, darauf läufts ja meistens hinaus. Oder es fängt damit an. Oder man kommt irgendwann dahin. Jedenfalls erzählte er von einem Kurs, in dem eine der Teilnehmerinnen ständig lachte. Eine sogenannte Aufgestellte. Nach dem Kurs, so erzählte er, unterhielt er sich mit einer anderen Kursteilnehmerin über diese [...]

WAS ICH MAG

Hotels. Sex in Hotels. Alles, was mit der Familie Mann zu tun hat. Grosse, runde, breite Fingernägel. Überraschenden Besuch. Das Wort yeah. Das Wort Eiskrem. Wikipedia. An der Sonne Bier trinken und lesen. The Sopranos. Auf ihm rumliegen. Männer, die nach Waschmittel riechen. Frauen, die nach Sonnencreme riechen. Ikea-Möbel zusammenbauen. Arme, die an den Schultern hängen und nicht am Körper anliegen. Arme, die sich leicht verjüngen vor dem Bizeps. Haare. Das Geräusch von Rasenmähern. Die Fraktalität suchen. Columbo am Sonntagabend. Meinen Hintern. Rennen. Alte, die faule Sprüche machen. Voller Tank. Hässliche kleine Köter. Furor. Zusammen rumhängen. Heisere Stimmen. Kosenamen. Schnüerlischrift schreiben. Tasten aller Art. Menschen, die in der Öffentlichkeit weinen. Bei Schnapsseitenzahlen aufhören zu lesen. Die Wärme von Papier. Das Audiosignal am Flughafen Düsseldorf. Mamis Aprikosenkonfitüre. Zutraulichkeit.

WAS ICH NICHT MAG

Telefonieren. Menschen, die von sich sagen, ihre schlechteste Eigenschaft sei Ungeduld. Am Bauchnabel berührt werden. Messerklinge auf Serviette, Zähne an Karton, frisch geschnittene Fingernägel an Stoff. Mitleid empfinden. Joggen. Konstanter Wind. Wenn es in Toiletten nur so ein Föndings hat. Briefkasten leeren. Menschen mit Prinzipien. Der Geruch von Äpfeln. Langsame Leute. Wenn Kinder Bananen essen. Urlaubsfotos. Die Geräusche von Billetautomaten. Finger im Arsch. Falsch verstanden werden und es nicht ändern können. Jeden Morgen: Wimperntusche auftragen, niesen, alles verschmiert. Antworten müssen. Entscheiden müssen. Wenns nicht so läuft, wie ich es will. Natürliche Häufungen kleiner Einheiten. Scheisslaune und nicht mehr rausfinden. Menschenmassen. Aufwachen und der Fernseher läuft. Obsessive Gedanken.