09.10.2009 von Michèle Roten , 8 Kommentare
Ich wohne jetzt mit dem Bock zusammen. Ich habe noch nie mit meinem Freund zusammengewohnt. So toll es ist, ich mache mir auch ganz schön Sorgen. Blöde Sorgen. Plötzlich werden Sachen, die nur peripher mit mir, so wie ich mich kenne, zu tun haben oder Sachen, die mir gar nicht wichtig sind, zu Sorgen. Klischierte blöde Frauenzeitschriften-Sorgen. Ich mache mir Gedanken darüber, wie die Abende sein werden, an denen ich einfach nur allein zu Hause sitzen und Nägel lackieren und dann das eine oder andere Paar Hosen, das ich nie trage, anprobieren und wieder den ganzen Nagellack ruinieren und fluchen (oder weinen, je nach Hormonhaushalt) und noch mal neu lackieren und dann beim Rausfiguretlen der Zigi den Lack gleich noch mal ruinieren und später zehn- bis zwölfmal mit einem Buch vor dem Fernseher einnicken und mit niemandem sprechen will. Ich mache mir Gedanken darüber, wie ungehemmt ich noch Telefongespräche mit Stella führen kann, die natürlich völlig anders sind, aber wahrscheinlich genau so klingen, wie sich Männer stereotypifikationierte Frauentelefongespräche vorstellen. Was ist mit Blähungen in einer Beziehung mit gemeinsamer Wohnung? Ich weiss nicht, ob ich weiterhin versuchen soll, einigermassen passabel auszusehen, wenn mich der Bock sieht, ob ich das eigentlich schaffen würde in dieser Häufigkeit, und ob das überhaupt richtig ist im Sinne einer fortschrittlichen Partnerschaft, oder ob ich einfach mich selber sein soll, ich, mich, mein, mir, mit all den Übeln, nimm mich, wie ich bin, oder lass es sein. (Aber bitte lass es nicht sein. Bitte nimm mich. Und lieb mich! Bitte! Danke.) Wie blöd kommt man sich vor, wenn man an einem Samstag aufwacht um sieben Uhr morgens und der andere ist noch nicht zu Hause? Macht man sich Sorgen, ruft man die Polizei? Freut man sich für den anderen, dass der so viel Spass hat? Wer hat Spass bis morgens um sieben, ohne dass da jemand ist, der einen reizt? Ruft man den anderen an und sagt: Jetzt komm mal nach Hause, du Nutte? Liegt man stundenlang wach und fragt sich all diese Sachen? Pennt man einfach weiter, weil es ist ja egal? Ist es gut, wenn es egal ist? Hat Woody Allen, der ja immer recht hat, auch recht, wenn er sagt, das Geheimnis einer guten Beziehung sind getrennte Wohnungen? Will man noch zusammen in die Ferien, wenn man sich eh schon täglich sieht?
Früher hätte ich jede Frau mit solchen Sorgen schlimm angepflaumt. Hätte ihr gesagt: Scheiss drauf! Menschen! Wir sind Menschen! Menschen sind ekelig und komisch, das ist einfach so! Aber jetzt, jetzt sitz ich da mit genau diesen blöden Weibersorgen. Und find mich blöd deswegen. Ich persönlich hätte überhaupt keine Lust, mit mir zusammenzuwohnen. Aber das lass ich jetzt mal seine Sorge sein.
Nach 2 Jahren zusammenwohnen mit meinem eigenen Bock und den genau gleichen Sorgen im Vorfeld das Fazit: Es kommt genau so. Allenfalls noch schlimmer. Um-7-Uhr-nicht-zu-hHause-sein-und-SMS-mit-du-Nutte-schreiben-Nächte sind in letzter Zeit gottseidank seltener geworden… Und sonst: ich würde nicht mehr ausziehen. Wieso eigentlich? Anscheinend sind die positiven Aspekte nicht wahrnehmbar, aber vorhanden.
Haha! Sie sind sowas von am Allerwertesten.
Aber gut, sie klettern mit über dreissig Jahren endlich mal eine Stufe nach oben auf der Reifeleiter. Huh, ich freu mich ja!
Dass Du ihn “Bock” nennst, fand ich schon immer ziemlich übel. Passen tuts auf jeden Fall nicht.
Spiessig geworden, die Roten. Oder wars schon immer. Billige Provokationen sinds nur. Es gäbe wohl wichtigeres zu schreiben, aber es ist halt nur noch ein Lifestyle-Magazin. Meienberg würde sich im Grab umdrehen, wenn er das Niveau hier drinnen sehen würde. Niveaulose Zeitungen werden sterben.
den freund bock zu nennen ist total in ordnung. besser als hasi oder käfer! und sorgen sind sowas von menschlich. mit spiessig sein hat das gar nichts zu tun. freue mich jetzt noch mehr auf die lesung morgen im kofmehl!
Hormonspiegel? Oder vielleicht Mondsüchtig? Haben Sie diese Story letzten Sonntag geschrieben? No Panic on Titanic es gibt auch Vorteile des Zusammensein. Heute ist ja Kuscheltag!
Da stand die Klischeekiste beim Schreiben sperrangelweit offen.
Der letzte Satz entschädigt. Einwenig. Immerhin.
oh mann sind eigentlich alle neidisch auf miss universum? ooooooh, sie steigt auf ihrer reifeleiter, ohhh sie ist so spiessig, buuuuuhuuuuu