Da haben wir das Geschenk

Noch zwei Mal schlafen. Und Sie haben noch keine Geschenke gekauft, geben Sies zu. «Das Magazin» hilft Ihnen.

23.12.2007 von Max Küng

Wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sich an diesem Wochenende keine Gedanken über Weihnachtsgeschenke machen, kann das nur drei Gründe haben.
Erster Grund: Sie haben schon alle Geschenke zusammen. Sie haben (kaum war die letzte Weihnacht vorbei, die erhaltenen Geschenke auf Ebay wieder zu Geld gemacht) geplant und gehandelt, und nun sind Sie aus dem Schneider, können sich entspannt der Programmierung Ihres Harddiscrecorders für die Zeit zwischen Weihnacht und Neujahr widmen. Das ist bemerkens- und bewundernswert, allerdings auch ein bisschen streberhaft – und Sie gehören damit wohl zu einer absoluten Minderheit.
Zweiter Grund: Sie haben irgendwann beschlossen, dem Konsum zu entsagen und machen gar keine Geschenke mehr. Das ist zwar die einfachste und vor allem auch billigste Lösung, aber irgendwie auch ein bisschen unromantisch und langweilig. Denn das Schenken ist auch ein Stück Kultur und gehört gerade für die Kinder (und die Kinder in uns) zum Schatz der elementaren Erfahrungen, positiven wie auch negativen. Ich beispielsweise kann mich sehr gut daran erinnern, wie ich mir als Knirps ein «ferngesteuertes Auto» wünschte. Und ich war einigermassen überrascht, dass die Person, von der ich es mir wünschte, bedenkenlos einwilligte, dies zu schenken. Ich hatte konkrete Vorstellungen unter dem Begriff «ferngesteuertes Auto». Ich wollte einen dackelgrossen Dünen-Buggy von Graupner mit Benzinmotor und mehrkanaliger Funkfernbedienung, der schneller lief als ein Töffli. Als ich das Paket in Empfang nahm, kam es mir verdächtig klein und leicht vor. Und ich hielt die Tränen zurück, als ich es aus dem Geschenkpapierkleid befreit hatte. Das «ferngesteuerte Auto» war eine kleine batteriebetriebene Karre aus Plastik, die an einem Gummikabel hing, an dessen anderen Ende ein kleines Steuerrädchen war. Der Schenker sass noch in der weihnachtlich geschmückten Stube, als ich mich in mein Zimmer zurückzog, um dort das «ferngesteuerte Auto» mit meinen kleinen Füssen in hundert Stücke zu treten. Oh, ich hätte es gerne in tausend Stücke getreten, aber dafür war das Geschenk einfach zu klein.
Dritter Grund: Sie haben sich bisher einfach noch überhaupt keine Gedanken über Geschenke gemacht (oder nur entfernt) und denken, die Sache am Montag anzugehen. Dann allerdings haben Sie ein Problem. Respektive deren viele. Und Sie laufen Gefahr, aus purer Verzweiflung Verzweiflungstaten zu begehen und Dinge zu kaufen, die sonst niemand kaufen würde, den letzten Ramsch. Eventuell gar zu abartig teuren Preisen.
Es könnte sein, dass Sie in Ihrer Verzweiflung zu Zeitschriften mit Geschenktipps greifen, um sich leiten zu lassen. Oh ja, die waren voll damit in letzter Zeit. Die «Schweizer Illustrierte» etwa empfahl als Geschenk für Männer nebst kubanischen Cigarren und kanadischen Holzfällerhemden aus flauschiger Baumwolle auch Fell-Moonboots von Gucci. Kostenpunkt: 1830 Franken. Fell-Moonboots, das ist schon starker ästhetischer Tobak. Und mit den Moonboots läge man auch weit über dem durchschnittlichen Betrag, den man in unserem Land für Weihnachtsgeschenke ausgibt. Eine Beratungsfirma hat nämlich herausgefunden, dass wir im Schnitt 307 Franken auf den Kopf hauen (pro Kopf für alle Geschenke). Im Rahmen, wenigstens preislich, liegt, was die Frauenzeitschrift «Amica» empfiehlt: eine «Kamasutra-Tee-Box mit integrierter Spieluhr von Mariage Frères» (50 Euro). Teurer aber wirds dann bei der Rolex aus Gelbgold (26 780 Euro). Für den Herrn wiederum schlägt die «Vogue» eine Golftasche von Tom Ford (12 200 Dollar) vor sowie für die Dame ein siebenteiliges Gartenset samt Schürze mit Prada-Logo für 765 Euro. Oder wie wäre es mit einer Uhr aus dem Hause Jacob & Co., Modell «Quentin», einer ziemlich hässlichen Uhr übrigens, die 375 000 Euro kostet? Und warum sind die Dinge häufig je teurer, je hässlicher sie sind? Hat das mit dem Geschmack der Reichen zu tun? Respektive mit dem Geschmack der Armen? Respektive: Erkennt man daran, dass man ein armer Schlucker ist, weil einem die teuren Sachen hässlich erscheinen?
Also. Sollten Sie noch Geschenke brauchen, sollten Sie noch auf die Jagd gehen, dann passen Sie auf! Handeln Sie klug. Behalten Sie einen kühlen Kopf. Wir wünschen Ihnen viel Glück.
Und weil genug nie genug ist, haben wir auch noch ein paar Tipps für Sie parat. Wir wollen uns ja nicht vorwerfen lassen, wir hätten nicht versucht, Ihnen zu helfen. Wir haben Geschenke für den jungen Herrn ausgesucht. Die junge Dame. Die reifere Dame. Den reiferen Herrn. Und ein paar Sachen darunter sind auch wirklich empfehlenswert. Denn eine kleine Kettensäge beispielsweise, wer hätte die nicht gerne?

Was schenkt man dem reiferen Herrn?

Nichts ist schwieriger, als einem nicht mehr ganz so jungen, aber dennoch rüstigen Manne etwas zu schenken, denn erstens hat er schon alles mindestens einmal gehabt in seinem Leben und zweitens will er nichts mehr. Am einfachsten wäre sicherlich, nichts zu schenken, aber nichts ist keine Option für den angehenden Opa, deshalb könnte neues Werkzeug eine Lösung sein.
In den Händen von Ueli Maurer: die handliche Kettensäge zum Brennholzstückeln oder zur gründlichen Grundstückspflege aus dem Hause Stihl, Modell MS 170 (3,9 Kilo, 1,8 PS, 299 Franken).
Weitere Geschenkideen, von rechts nach links (mehr oder weniger): ein reich gefüllter Korb mit Leckereien aus dem französischsprachigen Gebiet der Schweiz (von Welschland, Zürich). Ideal zum Schreiben von Liebsbriefen, Gedichten: Füllfederhalter von Caran d’Ache aus Massivgold (22 165 Franken). Darunter der dunkel gebeizte Hocker aus massiver Birke von den Basler Architekten Herzog & de Meuron (1615 Franken, Vitra). Auch zum Notfeuern geeignet ist das Rentier aus Birkenrinde (265 Franken, Blumen Krämer, Zürich). Ein Stück Design aus Frankreich: der dreibeinige Hocker von Charlotte Perriand (um die 4000 Franken, G27, Zürich). Preis (und Zweck) auf Anfrage: das Objekt von Natanel Gluska hinter Maurers Standbein (www.natanelgluska.com). Für das kleine Budget und zweifelsohne originell, wenn auch ein bisschen speziell: original Schweizer Militärgummistiefel (30 Franken, von Bambus, Zürich). Für den gehobenen Schieber: Jassset in edler Holzbox (227 Franken, von Landolt Arbenz). Schafbettfläschli Nici (39.90, Franz Carl Weber). Filzstiefel Zdar (369 Franken, VMC Zürich). Die beiden bemalten Tiere (Hahn und Kuh) sind Kunstobjekte von Paul Cartier (Preis auf Anfrage).

Was schenkt man einer älteren Dame?

Ja, was denn? Vielleicht einen Besuch beim feinen Italiener (Ristorante Napoli da Gerardo, Zürich)? Dort jedenfalls sitzt unser Model Stephanie Glaser auf diesem Bild, mit Klunkern (von Türler Uhren & Juwelen) an Fingern und Handgelenk. Klunker sollte man einer älteren Dame aber nur schenken, wenn man selbst ein älterer Herr ist. Handelt es sich bei der fraglichen Dame um das Grosi oder das Gotti, so greift man auf Preiswerteres zurück.
Auf der Bank links: Das Bild mit den vier Katzen drauf ist ein mit Glitter überarbeiteter Druck von Karen Kilimnik und heisst «Surf & Turf, Belgian Cats on the Northern Coast of Belgium» (Auflage 80 Stück, Edition Patrick Frey, 1900 Franken). Das reich geschmückte Miniatur-Christbäumchen dahinter kostet 1200 Franken (Beltrame). Auf der Bank rechts: Die Handtasche aus Baumrinde ist von Brigitte Böhler (bei Nuances, Preis auf Anfrage). Das silberfarbene Plaid aus Kunstpelz gibt es bei Knuchel & Kahl Interieur SA, Zürich (665 Franken). Pumps von Stefi Talmann (489 Franken).
Auf dem Tisch: Fasan von Alfred von Escher, Artisan en Comestible, Zürich (im Federkleid, noch nicht ausgenommen, 30 Franken das Stück). Vierarmiger Kerzenleuchter (2380 Franken, Artiana, Zürich). Die silberne Etagere mit den Weihnachtsguetsli von Sprüngli kostet 288 Franken. Salz- und Pfefferstreuer 68 Franken (alles von Nuances, Zürich).
Das knabbrige Hexenhaus aus Lebkuchen kostet 168 Franken (Teuscher), der Regenschirm mit Silbergriff und Dach mit Blumenmotiv ist von Le Parapluie am Rennweg, Zürich (225 Franken), der hinter allem hängende Schinken ist ein drei Jahre gelagerter echter ­Pata Negra (um 3000 Franken, Globus).

Was schenkt man einer jungen Frau?

Es wäre so einfach, eine junge Frau glücklich zu machen an Weihnachten. Oh, was gäbe es nicht für gute Geschenkideen. Uhren, kleine und grosse. Schmuck für Ohr und Hand. Ein schmuckes öko-Auto für das gute Gefühl. Ein schönes Kleid. ­Eine Reise in ein fernes Land oder ein schönes Hotel in der Nähe, zum Beispiel im Engadin. Ein Haustier (Schlange? Hase? Beides?). Ein Gutschein für zehn Jahre Klimakompensation. Oder Kunst. Denn Kunst kommt immer gut.
Doch was ist passiert? Oh weh, welche Bescherung. Auf dem Titelblatt waren die Päckli noch zu und die Freude war gross. Was, ja was nur in aller Welt wäre wohl in den bunten Päckli drin? Und jetzt: nichts als Handstaubsauger für Sabrina Knechtli, die Zweitplatzierte der letzten Miss-Schweiz-Wahlen. So gemein. Zum Heulen. Immerhin sind die Dinger saumässig saugstark und, nun ja, sehen aus wie, tja, etwas ziemlich Modernes (Dyson DC 16 Root 6, Akku mit 21,6 V Lithium-Ionen-Batterie, 249 Franken).
Sabrina Knechtli trägt ein Kleid von Fayazi (1050 Franken), Stilettos von ­Zoro (430 Franken) und Ohrringe von LK ­Jewellery (250 Franken, alles von ­Zoro, Zürich).

Und was bekommt der junge Herr?

Man sieht hier den beliebten TV-Moderator Sven Epiney im Smoking, an der Leine Esel Gabi. Warum die grosse Weihnachtskugel den armen Weihnachtsmann erschlug? Warum der Mann in der roten Kutte sein Leben lassen musste? Wir werden es nie erfahren.
Von links nach rechts: Teetopf (450 Franken) und -krug (250 Franken) der Keramikerin Cornelia Trösch (www.corneliatroesch.ch). Lebensmittelthermometer mit Infrarot-Scan-Technologie für den ambitionierten Hobbykoch von Raytek (Modell FoodPro Plus, zirka 230 Franken). Englische Picknickdecke (Manufactum, 175 Franken). Die rote Vase heisst Squeeze und wurde von Lena Bergström für Orrefors entworfen (308 Franken, www.holmsweetholm.ch). DVD-Box «24», 6. Staffel, englischsprachig, Ländercode 2 (129.90 Franken, Laserzone). Klare Flüssigkeit, klare Gedanken: eine von nur 100 Flaschen Zibartenschnaps (Wildpflaume) aus der Brennerei Stählemühle am Bodensee (5 dl, 40 Euro, www.staehlemuehle.de). Jahrgangs-Champagner Dom Pérignon (7 dl, 155 Franken). Mondphasenchronograf mit goldener Lünette aus der Zürcher Werkstätte von Maurice de Mauriac (um die 7000 Franken). Wenn der Gürtel im Januar enger geschnallt werden muss: Schnalle mit goldener Krone drauf (689 Franken, VMC Zürich). Kraft durch Saft: Orangen-/Zitronensqueezer der dänischen Designerin Britt Villadsen. Auch sehr schön, vor allem schön scharf: japanisches Messer aus gefaltetem Stahl (250 Franken, beides Limited Stock, Zürich). Happy Drinking Bird (20 Franken). Der Löwe und das Säuli aus Leder sind beste britische Handwerkskunst (um 750 Franken, www.elastique.ch).
Für Feinde der Materie und Freunde der guten Tat/Idee empfehlen wir ­eine Spende für die Hilfsaktion Esel in Not (www.eselinnot.ch).

Weihnachten bei der Opposition: Ueli Maurer | Bild: Dan Cermak
Weihnachten bei der Opposition: Ueli Maurer | Bild: Dan Cermak
Nicht nur im Herbst zeitlos: Stephanie Glaser | Bild: Dan Cermak
Nicht nur im Herbst zeitlos: Stephanie Glaser | Bild: Dan Cermak
Vom Pech verfolgt: Vize-Miss-Schweiz Sabrina Knechtli | Bild: Dan Cermak
Vom Pech verfolgt: Vize-Miss-Schweiz Sabrina Knechtli | Bild: Dan Cermak
I bi de Epiney, de Sven - im ganzen Land bekannt. | Bild: Dan Cermak
I bi de Epiney, de Sven - im ganzen Land bekannt. | Bild: Dan Cermak

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