02.10.2009 von Max Küng , 5 Kommentare
Man kann keine besseren Freunde haben im Herbst als die Bäume. Doch lese ich ein Blatt vom Boden auf, dann habe ich keine Ahnung, von welchem Baum es gefallen ist. Ich dachte, ich könne eine Eiche wohl von einer Eibe unterscheiden. Bis ich kürzlich vor einem schönen, grossen Baum stand und sagte: «Ein Ahorn, fantastisch.» Dann entdeckte ich ein Schildchen. Darauf stand: «Quercus —— Eiche». Seit Kindheit treibe ich mich in den Wäldern herum, denn die Wälder sind die grossartigsten Spielplätze. Doch gelernt habe ich scheinbar nichts. Das soll sich nun ändern.
In der Buchhandlung decke ich mich mit Baumbestimmungsbüchern ein. Ich denke: Für die Buchhandlungen mussten viele Bäume ihr Leben lassen, damit man aus ihnen Papier herstellt, aus dem man Bücher über Bäume macht. Das hölzerne Regal ist sattgefüllt: von schmalsten Fibeln bis zu bombastigen Bildbänden. Es geht um Mythen und Mirakel, Geschichten und Geheimnisse, Magie und Majestäten. Der Baum, er scheint die Leute zu beschäftigen.
Oh ja, der Baum, er ist überall. Er ist unser ältester Gefährte, und wäre ich geschichtsorientiert oder fanatisch oder beides gar, dann würde ich aufschreien und einfordern: «Es gibt die Steinzeit, die Bronzezeit, die Eisenzeit — schreibt die Geschichtsbücher um: Gebt uns endlich eine offizielle Baumzeit.» Denn was wären wir ohne den Baum. Wir hätten keine Keule gehabt, um Mammuts zu erschlagen. Wäre der Blitz nicht in einen Baum gefahren und hätte ihn brennen lassen, wäre so nicht das Feuer geboren worden, wir würden noch immer schlottern und das Fleisch roh fressen. Wir hätten keine Dächer über dem Kopf, weil wir keine Balken hätten, und es hätte keine Eroberung der Meere gegeben, wo wüchsen die Äpfel und wo die Birnen? Und natürlich wären wir erstickt, denn vor allem ist der Baum der, der uns atmen lässt. Wir sollten also irgendwie recht dankbar sein.
Unter einer Buche liege ich, am Rand der Stadt. Sehr zufrieden mit mir, denn anhand des eben gekauften Baumbestimmungsbuches hatte ich den Baum eindeutig identifiziert. Es ist eine Rotbuche, lateinisch: Fagus sylvatica. Zehnmal sage ich den Namen vor mich hin. Ich weiss nun: neunzehn Prozent aller Laubbäume in der Schweiz sind Rotbuchen. Ich weiss auch: Die Blätter sind elliptisch, in der Jugend fein bewimpert. Die Rinde ist glatt und grau, das Holz hart und schwer. Und was ich auch noch weiss: Das Wort «Buchstabe» leitet sich von «Buchenholzstab» ab (hat mit den Runen zu tun, den Germanen, ist lange her). Ein erster Erfolg.
Ich stelle mir vor, wie es gewesen wäre, wenn ich als junger Mann Bescheid gewusst hätte über den Wald, in den ich mit Frauen ging: Ich hätte ihnen beiläufig alles erklären können. Ich denke, sie hätten mich sehr geliebt.
Im Urwald
Unter der Buche liegend, schliesse ich die Augen, und es klingt, als falle ein Regen, aber es sind keine Tropfen, die aus der hohen Höhe herunterfallen, denn der Himmel ist weit und von einem makellosen Blau. Es ist der Wind, der in den Baum fährt und die Nüsschen fallen lässt, von den hohen Ästen stürzen sie auf die Äste darunter, und noch mehr Nüsse lösen sich, eine feine Kaskade.
Ich beschliesse, die privaten Studien voranzutreiben, mehr Bäume und Wälder zu besuchen.
«Dicht» ist das erste Wort, das einem einfällt, wenn man den Bödmerenwald im Muotatal betritt. Das Glück dieses Waldes war es, dass er auf gar garstigem, weil karstigem Grund wächst — für die Bauern war eine Nutzung schlicht unmöglich: nur Rillen und Furchen, und zudem liegt unter dem unwegsamen Wald die Höhle, die lange als die längste der Welt galt: das gigantisch tiefe Hölloch. Der Bödmerenwald ist einer der seltenen Urwälder in der Schweiz.
Urwald heisst nichts anderes, als dass sich der Mensch den Wald nie zunutze machte, sondern dieser sich selbst überlassen wurde. Es sind wohl mitunter die schönsten Flecken des ganzen Landes. Man mag sich streiten, welcher der Allerschönste ist. Manche sagen, das kleine Urwald-Reservat hinter dem Bergsturzsee bei Derborence im Wallis sei eine Landschaft ohnegleichen. Andere nennen den Sihlwald vor den Toren Zürichs, wo seit Mitte der Achtzigerjahre kein Holz mehr geschlagen wird.
Im Bödmerenwald betritt man ein komplexes Gemälde aus Grüntönen, graue Baumleichen liegen quer über den Weg, bequem aber kann man unter ihnen durchschreiten. Es ist ein Fichtenwald, vereinzelt findet man auch Föhren und Birken. Der Urwald ist die Heimat seltener Pflanzen und Tiere. Die Forscher fanden vierzig Arten von Flechten und dreihundert Arten von Pilzen — darunter neun Arten, die man in der Schweiz erstmals überhaupt fand, etwa den Nadelstreubecherling (Arpinia inops). Mit meinem Bestimmungsbuch also verbringe ich sehr viel Zeit im Bödmerenwald, auf den Knien, den Kopf nahe am Grund, einen Pilz studierend, der aus einem vom Alter und Wind Gefällten wächst, der langsam vor sich hinfault, während über mir die Fichten in den Himmel wachsen, lang hängt die Bartflechte von ihren Ästen, und weit herum leuchten Farne im Sonnenlicht, das den Wald zu einer Kathedrale macht — es muss einem einfach der Film «Jurassic Park» in den Sinn kommen und das knackige Geräusch eines zubeissenden Fleischfressdinosauriers. Für einen Moment bekomme ich fast so etwas wie Angst, und mir fällt die Geschichte von Peter Z. ein.
Peter Z. ging vor zwei Jahren in den Wald, um auf einen Hochsitz zu steigen, es war ein Fichtenwald in der Nähe von Göttingen. Auf dem Hochsitz sass er und wartete. Er ass nichts, trank kaum, sass einfach auf seinem Hochsitz, starrte in den Wald, schrieb seine Gedanken und Gefühle in ein A5-Notizbuch und wartete, bis das Leben immer mehr aus seinem Körper wich, bis er schliesslich starb, verhungert, verdurstet, sein Leib durch Flüssigkeitsmangel und Kälte als Mumie liegen blieb. Ein Jäger fand die Mumie Peter Z. auf dem Rücken liegend, die Beine angewinkelt, die Hände hinter dem Kopf verschränkt, so als würde er ein kurzes Nickerchen machen. Ein ähnlicher Fall trug sich auch in Japan zu, vor Jahren. Der Regisseur Peter Liechti hat daraus einen Film gemacht: «The Sound of Insects». Er läuft zurzeit in den Kinos. Ein Kritiker im Radio sagte: So viel Wald habe es im Kino seit Tarkowskis «Stalker» nicht mehr gegeben.
Als ich weitergehe, kommt mir ein Mann entgegen, mit wirrem Haar und der Kleidung entsprechend der Kaste der Hippies zuzuordnen. Er hat seine Arme ausgebreitet, so wie ein kleines Kind, das Flugzeug spielt. Seine Augen sind gross wie Wagenräder. Er geht an mir vorbei. Nach ein paar Schritten hält er an und dreht sich um. Er schreit: «IST ES NICHT WUNDERBAR, IM WALD? IST ES NICHT HERRLICH?» Dann schreitet er laut lachend weiter, um hinter einem Felsen zu verschwinden, und auch das Lachen verklingt. Der Wald, er schluckt es.
«Danke, Wald», murmle ich, und dann glaube ich einen wegen des Fehlens von Rot im Gefieder gut vom Buntspecht zu unterscheidenden seltenen und auf der roten Liste stehenden Dreizehenspecht zu sehen, der an einer Fichte klebt und Käferlarven sucht. Er sagt: «Güg.»
Der alte Knacker
Der älteste Baum der Schweiz ist eine Lärche, und sie steht an einem Ort, von dem man nichts wissen darf. In den Achtzigerjahren entdeckte ihn ein Forstingenieur namens Christoph Leuthold. Ich rufe ihn an und frage, wo der Baum steht. Der alte Baum, sagt der alte Leuthold, er braucht Ruhe, und wenn er etwas nicht gebrauchen kann, dann ist es ein Baumtourismus. Er ist gebrechlich. Er ist labil. Aber nach einem langen Gespräch und nach dem hochheiligen Versprechen meinerseits, niemandem zu verraten, wo der Baum steht, rückt Herr Leuthold mit der Information heraus.
Steil geht der Weg den Hang hinauf, irgendwo im Wallis. Herr Leuthold hat genau beschrieben, wie ich den Baum finden kann. Es sind präzise Anweisungen. Auf der Karte habe ich sie eingezeichnet — sie sieht nun aus wie eine Schatzkarte. Es ist der erste Herbsttag, alle Insekten, die noch leben, scheinen unterwegs zu sein, und hinter dem nächsten Berg besucht genau in diesem Moment der russische Präsident Dmitri Medwedew das Suworow-Denkmal, das an die Kampfhandlungen des Koalitionskrieges zwischen den russischen Truppen und jenen Napoleons erinnert, die vor zweihundertzehn Jahren in der Schöllenenschlucht sich die Köpfe einschlugen. Zweihundertzehn Jahre. Was ist das schon? Damals war die Lärche, die ich suche, schon ein alter Knacker, ein mächtiges Wesen mit über tausend Jahren auf dem Buckel.
Die Angaben von Herrn Christoph Leuthold sind präzise, und genau unterhalb der 1660er-Höhenkurve stehe ich vor dem Methusalem. Ein knorriger Kerl. Knorriger noch als die Einheimischen im Tal, die ich kurz zuvor grüsste und die nichts sagten, nur schauten mit offenem Mund und halb geschlossenen Augen. Ein Hagebuttenstrauch mit roten Früchten wächst aus dem muskulösen Wurzelwerk, in dem ein Fuchs seinen Bau eingerichtet hat, ein junger Trieb der Lärche spriesst schon gross wie zwei Mann. Der runzlige, harzige Hauptstamm ist überwachsen von Flechten und Moos, schroff und versehrt, als käme der Baum aus einer aufreibenden Schlacht. Irgendwo hatte ich gelesen, dass Forscher auf einem fingernagelgrossen Flecken sechsundzwanzig Moosarten bestimmen konnten. Lange betrachte ich das weiche Moos und denke, in meinem nächsten Leben möchte ich Bryologe werden: Moosforscher.
1500 Jahre alt soll der Baum sein. Das ist Leutholds Schätzung. Es gibt Forscher, die dies bezweifeln. Wo Experten sind, da ist auch der Streit. Aber Leuthold ist sich sicher, dass der Baum so alt ist, wenn nicht gar älter. Hinweise sind benachbarte Bäume, die man auf achthundert Jahre Alter bestimmen konnte und die nur halb so dick sind wie der alte. Es gibt vielleicht im ganzen Alpenraum kein älteres Wesen.
Der Hexer
Herr Leuthold sagte am Telefon, ich solle in den Baum klettern, er biete genug Platz, und eine Stunde sitzen. Der Baum würde einem Unglaubliches zuraunen. Tatsächlich ist der Baum innen hohl, weit hinauf, Löcher von vor Jahrhunderten ausgefaulten Ästen sind wie Fenster. Die Lärche bietet gut Platz zum Verweilen. Doch ich hocke lieber neben dem Baum und sauge die Luft ein, die riecht wie Parfüm, bloss besser. Keine Menschenseele kommt vorbei. Aus dem Tal dringt Kuhglockengebimmel; eine Motorsäge singt irgendwo ihr mühsames Lied, das für Bäume ein schreckliches sein muss; in einem Seitental böllert das Militär, Serienfeuer; der Glacier-Express, klein und langsam wie eine Modelleisenbahn, tut einen schrillen Pfiff; ein Postauto hupt fern und schwach aus der Ouvertüre von Rossinis «Willhelm Tell»: «Tü-ta-tooooo» — ja, wir sind in der Schweiz, unüberhörbar.
Bald würden sich die feinen Nadeln der Lärchen verfärben, würden golden sein und den Wald wirken lassen, als stünde er in Flammen. Zusammen mit den von den Herbstblättern des Heidelbeerstrauches roten Rücken der Berge ist das fast zu viel der Schönheit, und wenn der Himmel dann noch in perfektem Blau sich spannt, dann ist es purer Postkartenkitsch. Aber Postkartenkitsch ist wunderbar, wenn er echt ist und man mittendrin steht.
«Mein lieber alter Baum», sage ich und tätschle seinen mächtigen, hohlen Stamm, «ich habe Hunger. Machs gut. Bleib wie du bist.»
Im Wirtshaus gibt es Wild. Als ich frage, woher das Wild komme, weil ich keinen importierten Tschernobyl-Zuchthirsch essen möchte, da sagt die Serviertochter mit östlicher Zunge: «Wohärr?» Dann fährt sie den Arm aus und die Hand und den Zeigefinger und weist hinauf, dort, wo ich eben noch stand, bei der alten Lärche. «Da. Aus Wald.»
Die Liebe zu Bäumen kann sehr weit gehen. Die Liebe zu Bäumen kann gar auch durch den Magen gehen. Zum Beispiel bei Stefan Wiesner, der «Hexer» genannt wird. Der Hexer lebt in Escholzmatt im Wilden Westen von Luzern, dem Entlebuch, wo die voralpine Faltung der Landschaft furchige Täler geschaffen hat, wo Bäche Krächen in die Höger-Landschaft geschnitten haben, Krächen, die bewaldet wirken wie behaarte Teile eines Riesen und so manches Wäldchen an eine Achselhöhle erinnern lässt, oder an eine Scham in der Manier von Courbets obszönem Gemälde «L’Origine du monde».
Wiesner ist der Chef vom Rössli, was einerseits eine Dorfbeiz ist, andrerseits auch ein Gourmetrestaurant mit 17-«Gault Millau»-Punkten.
Es ist Abend. Der Hexer steht in der Gaststube, die Gesichter der Gäste sind ihm zugewandt. Ganz in Schwarz steht er da, mächtiger Silberschmuck hängt ihm um den Hals, und mit feiner, fast schüchterner Stimme kündigt der Mocken von einem Mann mit Oberarmen wie Jungtannen so dick an, was es zu Essen gibt. «Das Menü, das ich euch heute Abend serviere, das heisst ‹Der Gesang der Bäume›. Es ist ein Sechsgänger.» Jeder Gang ist einem anderen Baum gewidmet.
Die Punkte und seinen Namen hat Wiesner erhalten, weil er anders kocht als die anderen, weil er geräucherte Schneeflockensuppe serviert und den Fisch mit Ameisensäure mariniert. Und weil er stark mit der Landschaft verbunden ist, aus der er kommt. Was er serviert, das kommt aus der Region. Und vieles davon hat er selber gefunden. Im Wald.
Mit Wacholdernadeln mariniert er eine Entenbrust. Aus Douglastannennadeln macht er Glace, den Lammjus kocht er mit Haselnussholz. Kartoffelküchlein paniert er mit dem fein geriebenen Kern einer tausendjährigen Lärche. Bei Wiesner isst man den Wald. Man isst die Bäume. Das hat durchaus eine magische Dimension.
Später wird er sagen, dass er sich eben ein neues Küchengerät angeschafft habe: eine Motorsäge. Seine Augen glänzen dabei vor Freude.
Ein Kassettli habe ich zusammengestellt, mit lauter Liedern über Bäume, das mich begleiten soll auf den Reisen zu den Bäumen. Nun wird der Baum nicht so oft besungen wie die Rose, aber manchmal doch. Es läuft «Trees» von Pulp, als ich bei Bad Ragaz von der Autobahn abfahre, um auf der Strasse durch das Taminatal kräftig Gebrauch vom Lenkrad zu machen. «Trees», singt der Sänger, «those useless trees produce the air that I am breathing. Yeah, the trees, those useless trees; they never said that you were leaving.» Es geht in dem Lied natürlich um Liebe, um ein Herz, das in einen Stamm geritzt wurde, einst, und nun nach all den Jahren kaum mehr wiederzuerkennen ist, so wie die Liebe selbst.
Ein Strässchen schlängelt sich links am gestauten Gigerwaldsee vorbei, dem grössten See des Kantons St. Gallen, in dem Millionen Kubikmeter milchig azurgrünes Wasser auf die schwindelhohe Mauer drücken. Auf der Staumauer stehen ein paar Menschen mit Goretex-Jacken und machen grosse Augen: Eine KMU hatte die Idee, zwecks Teambildung die Angestellten abzuseilen — unter der Mauer wartet dann Bier und Grill. «Oje», sagt noch eine, bevor sie sich an einem dünnen Seil in die Tiefe fallen lässt.
Die Strasse ist eng, und Löcher wurden in den Stein gehauen, grobe Tunnel, Stollen, bis man endlich ganz hinten angekommen ist, in Sankt Martin, wo einst die Walser wohnten, bevor es auch ihnen im Winter zu kalt wurde. Ein Parkplatz, ein paar Häuser, und nach der Brücke über die Tamina steht eine Tafel von einem Apfelmostproduzenten. Sie weist den Weg zur dicksten Fichte der ganzen weiten Welt. Marschzeit vierzig Minuten. Erst geht es ins Tal des Tellerbachs, wo vor nicht langer Zeit eine Lawine herunterkam und die Gaststube von Sankt Martin mit Schnee stopfte, dann links hinein, vorbei an einem wunderbaren Exemplar der Gattung des exhibitionistischen Bergahorns, der den Herbst nicht erwarten kann und als Erster hier die Blätter von sich wirft, gelb schon und rot, höher und höher über Wurzelwerk auf den Stockboden, wo auf einer lichten Ebene graue Rindviecher äsen und umgattert drei Holzkreuze stehen, die das «Friedhöfli der Freien Walser» markieren. Ein Fuchs schleicht vorbei. Bleibt stehen. Schaut. Schleicht weiter. Noch ein paar Schritte, dann stehe ich vor, bald unter der dicksten Fichte der Welt, denn so steht es geschrieben, obwohl es nicht stimmt. Es stimmte bis vor zwei Jahren, bis der passionierte Strahler Senn Franz von Göschenen auf einem seiner Streifzüge in seinen Wäldern eine noch dickere entdeckte. Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft rückte sofort an und vermass den Baum von Göschenen, so wie sie schon den Baum im Calfeisental vermessen hatte, nach allen Regeln der Kunst, und es hiess: ja, noch dicker, nämlich 5,88 Meter Umfang. Ja, noch höher, nämlich 41,5 Meter. Ja, noch mehr Volumen.
Aber man kann annehmen, dass irgendwo in unseren Wäldern eine Fichte steht, die noch dicker ist, noch höher, noch älter. So dachte man im Calfeisental: Ist doch egal. Ausserdem hat man es ja schon angeschrieben. Und wer würde dies schon abändern wollen in «Die zweitdickste Fichte der Welt»?
Weit unten sehe ich den Gigerwaldsee mit den Teamgeistmenschen. Mir ist es ganz wohl hier oben, ohne Teamgeist, ganz alleine, unter dem Baum, der mir ein Dach ist, jetzt, da der Regen einsetzt, ganz fein zuerst, dann stärker und stärker, bis es ein rechter Regen ist und der See verschwindet wie bald die ganze Sicht, sodass auch die Rindviecher unter die Bäume kommen. Wir sehen uns an und haben uns nichts zu sagen, aber das ist in Ordnung so.
PS: Mein Lieblingsbaum übrigens ist nicht besonders hoch, er ist nicht besonders dick, und er ist auch sonst nicht aussergewöhnlich. Er steht in der Nähe eines giftgrünen Teichs in jenem Teil Graubündens, in dem man Italienisch spricht und die besten Würste der Welt wurstet. Der Baum steht nicht alleine, seine Freunde sind da, und ein Ameisenhügel türmt sich auf, ein Fels wurde so hingelegt, als habe sich das jemand gut überlegt, Moos bedeckt ihn grösstenteils. Die Szenerie ist so perfekt arrangiert, dass ich denke: Hätte ich sie so hinbekommen müssen, ich hätte länger gehabt, als die Natur dazu hatte. Bis vor Kurzem wusste ich nicht einmal, was für ein Baum es ist. Nun weiss ich es. Aber es spielt gar keine Rolle, denn er ist mein Lieblingsbaum, und das hat seine Gründe; besuche ich ihn, dann immer ohne Absicht. Ich sitze unter seinen Ästen, lehne mich an den Stamm und schaue in den Wald. Ich sehe weit und tief. Es ist, als blicke ich in mich hinein.
Restaurant rössli, Hauptstrasse 111, 6182 Escholzmatt, Telefon 041 486 12 41
Ein empfehlenswertes Buch: «die schönsten Wälder der Schweiz» von Heinz Staffelbach, Werd-Verlag, Zürich

Im Bödmerenwald im Muotatal spürt man, dass unter dem Grund das Hölloch liegt. | Raphael Hefti

Dies ist der älteste Baum des ganzen Landes und vielleicht des gesamten Alpenraumes. Er steht an einem Ort, von dem man nichts wissen soll. Es ist eine Lärche, 1500 Jahre alt, mindestens, und knorriger noch als die Einheimischen im Tal. | Raphael Hefti

Seit Mitte der Achtzigerjahre wird im Sihlwald vor den Toren Zürichs kein Holz mehr geschlagen. Der Naturwald ist der grösste Mischwald des ganzen Mittellandes. | Raphael Hefti

Die Linde von Linn, einer der imposantesten und mächtigsten Bäume der Schweiz, gepflanzt vor über dreihundert Jahren auf einem Massengrab von Pestleichen. | Raphael Hefti

Moose, Farne, Pilze: Der Baum ist selten allein. | Raphael Hefti


Der Bödmerenwald ist einer der seltenen Urwälder der Schweiz. | Raphael Hefti
Eine Stunde Zugfahrt von Hauptstadt mit B zu Hauptstadt mit Z. Dawischen Geschriebenes von Bäumen, dass mir laut rauslachen lässt; italienisches, dass mir die Sprache verschlägt; und Leben und Sterben, dass mich weinen lässt. Bleibt nur noch das versöhnliche Ciaociaociao, wohl ein Zufall (?!), auf der Seite danach. Gutes Magazin, voll und ganz!
IMHO mit Abstand das beste Lied über Bäume: Guided by Voices – I am a Tree”
[...] DER HERBSTZEITLOSE – Die Geschichte von einem der auszog, um die Bäume lieben zu lernen. Oh ja, der Baum, er ist überall. Er ist unser ältester Gefährte, und wäre ich geschichtsorientiert oder fanatisch oder beides gar, dann würde ich aufschreien und einfordern: «Es gibt die Steinzeit, die Bronzezeit, die Eisenzeit — schreibt die Geschichtsbücher um: Gebt uns endlich eine offizielle Baumzeit.» Denn was wären wir ohne den Baum. [...]
[...] fotografiert. Gerde passend erschien am 2. Oktober im «Magazin» die Titelgeschichte von Max Küng Der Herbstzeitlose. Die Geschichte von einem der auszog, um die Bäume lieben zu lernen. Und in einem Buch über Zen las ich das Zitat: Eine alte Föhre predigt Weisheit, und Ein wilder [...]
I don’t guess that each student in the world has a passion of expository essay performing! Nevertheless, persons ,which don’t have writing skillfulness have to take help of famous paper writing service and enjoy a result.