Die CVP

In ihrem Stammland ist die CVP keine Partei, sondern ein Gefühl. Ein Gefühl, dem jede Mitte recht ist.

10.10.2007 von Christoph Fellmann

Ein kühler, regnerischer Abend liegt über den Matten und den Häusern, als die Gemeinde Ennetmoos am 27. Juni 2007 den Mitbürger Paul Matter ehrt, der nur Stunden zuvor zum höchsten Mann des Standes Nidwalden aufgestiegen und folgedessen in geschmückter Kutsche vom Ratssaal des Parlamentes zurück in jenes Dorf verbracht worden ist, wo er einst die Politik gelernt hatte. Ein langer Menschenzug marschiert von den Gratisparkplätzen, auf die man sogar im Hauptort neidisch ist, vorbei an der Kirche und schlüpft in den geräumigen Bauch der Mehrzweckhalle, wo die Turnerringe von der Decke baumeln und die Turnerriege, die Blasmusik und die Feuerwehr in vier Stunden die langen Tische, das Rednerpult, die Blumen und alles andere hergerichtet haben.

Bald sitzen vierhundert Leute vor dem gemischten Salat mit Mais, Rüebli, Randen, grünem Blattzeug und einem Tomatenschnitz. Sie nippen am Tessiner Merlot, während es in der Küche der Vater des Nidwaldner CVP-Präsidenten ist, der in den gewaltigen Pfannen schon den Pilzrisotto umrührt. Paul Matter ist erst der zweite CVP-Mann aus Ennetmoos, der das höchste Amt im Kanton erklommen hat. Ein Bauer von einem der Hänge, die das Moos säumen, das der 2000-Seelen-Gemeinde ihren Namen gegeben hat. Ein typischer Ennetmooser, möchte man sagen, denn diese Gemeinde ist kein Dorf, sie besteht aus zwei Weilern, ein paar neueren Wohnsiedlungen, einem Steinbruch und vor allem aus vielen Bauernhöfen.

«Paul hat so viel gemacht, er hat es verdient», sagt eine Frau, die am ersten Tisch sitzt, mit dem Brot die Salatsauce aufwischt und dann mit dem befeuchteten Finger die aufs Tischplastik gefallenen Brosamen auftupft. Frau von Matt, nennen wir sie so, machte für die CVP Ennetmoos die Kasse und sass im Schulrat, ihre Familie ist weit verzweigt in der Partei und in den ämtern. Sie will nicht, dass ihr Name notiert wird; sie habe ihren Beitrag geleistet, und wer nicht mehr im Amt sei, gehöre in die Anonymität. Frau von Matt zeigt auf die Bühne, wo in diesem Moment die Oberrüti-Buebe jodeln: «Bi eis z ännetmoos isch halt eppis los / Tiend halt zäme ha, drum gfallts allne da / Jo-lu-jo-lu-jui.» Die Vereine seien für die Politik hier entscheidend, sagt Frau von Matt. Erstens kommen die Jungen so nicht auf Abwege. Und zweitens, wenn sie sich bewähren, sich gut ins Blasmusikkorps einfügen oder die Kasse recht machen, dann kann man sie anrufen, wenn sich im Parteivorstand oder im Kirchenrat eine Vakanz auftut.

Am Anfang ist der Verein

Paul Matter war sechzehn Jahre im Gemeinderat, davon elf als Gemeindepräsident, und er sass neun Jahre im Landrat, dem Nidwaldner Kantonsparlament, bevor seine politische Karriere am 27. Juni ihren Höhepunkt erreichte. «Ja, wie hat das angefangen», fragt er später beim Kaffee. «Indem man sich in den Jugendvereinen engagiert hat. Da wurde der Bürger auf einen aufmerksam, und so hat das begonnen sich zu ergeben.» Matter war in der Jungmannschaft, spielte im Dorftheater, war Zugchef in der Feuerwehr, Präsident bei den Schützen. Als 1975 die CVP Ennetmoos gegründet wurde, wurde er, ohne dass man ihn gefragt hätte, in den Vorstand gewählt. «Aus den Vereinen weiss man, wie einer denkt», sagt er. «Und ob er macht, was er machen muss, wenn er einen Auftrag fasst.»

Auf der Bühne kündigt der Conférencier die vier Kontrabässe und zweiundzwanzig Schwyzerörgeli des Volksmusikvereins an. 1999 hatte Paul Matter geholfen, ihn zu gründen. Der Verein boomt, und, aber ja, es habe eine Handvoll vielversprechender junger Leute dabei, sagt Frau von Matt, die sich in diesen Dingen auskennt. Wer genauer hinschaut zwischen all den Handorgeln, erkennt Köpfe, die im Takt mitgehen, mit Frisuren wie die von Doris Leuthard oder Reto Nause.

Welt ohne Parteien

Die CVP war 1975 die erste Partei in Ennetmoos. Hätte das Dorf damals nicht einen seiner Bürger in die Kantonsregierung portieren wollen, es hätte auch weiterhin keine Partei gebraucht – und die CVP wäre wohl wie die FDP erst 1981 gegründet worden, als der Kanton Nidwalden die Proporzwahl einführte und die Parteien wichtiger wurden. Erst letztes Jahr kam die SVP dazu, und eine linke Partei gibt es in Ennetmoos bis heute nicht. Bei den letzten kantonalen Wahlen gewann die SVP 2006 auf Anhieb über 20 Prozent der Stimmen. Die absolute Mehrheit der CVP aber war mit 56 Prozent immer noch solid. In allen Räten und Kommissionen stellt sie weiterhin die grosse Mehrheit.

«Es brauchte früher keine Parteien», erklärt Frau von Matt. «Aber das heisst nicht, dass wir in Ennetmoos nicht schon damals zur CVP gehörten. Wir wussten es einfach noch nicht.»

Man könnte sagen, die Vorherrschaft der CVP habe sich in Nidwalden aus der katholisch-bäuerlichen Struktur der Dörfer gewissermassen natürlich ergeben. Ein Stammland, eben. Leo Odermatt, der Gesundheits- und Sozialdirektor des Halbkantons, erinnert sich noch gut an diese katholisch-konservative Welt, in der er in Ennetmoos aufwuchs. Noch war Nidwalden weder durch eine Auto- noch durch eine direkte Eisenbahn an Luzern und damit ans Mittelland angeschlossen. «Ennetmoos war eine eher retardierte Gemeinde», sagt Odermatt, geboren 1948. «Das hatte den Vorteil, dass ich noch Einblick hatte in eine Welt, die sich seit 1900 kaum verändert hatte; ja, ich habe in dieser Welt gebadet: Jeden Abend den Rosenkranz gebetet, und wenn wir aus dem Haus gingen, zeichnete uns die Mutter mit Weihwasser das Kreuz auf die Stirn. Diese Welt war ein Kontinuum, in das man mit der Geburt eintrat, und in dem alles eins und richtig war.»

In dieser Welt habe es keine Politik im heutigen Sinne gebraucht, sagt Odermatt, und darum auch keine Parteien. «Klar, es fielen in der Gemeinde Aufgaben an, und die wurden mit diesem typisch katholischen Fatalismus entgegengenommen. Politik bedeutete, dass jene Männer diese Aufgaben übernahmen, die dazu fähig waren.» Die ämter waren also nicht erstrebenswert, man trat sie aus Pflichtgefühl an. Und so kamen Männer in die Räte, die im Dorf einen gewissen Leistungsausweis hatten, die lesen und schreiben konnten; Männer, die nicht zu den Streitlustigen oder den Seltsamen gehörten, sondern zu denen, die mit allen reden konnten.

Dieses Selbstverständnis führte automatisch zu einer Konsens-, man könnte sagen: zu einer CVP-Politik. Odermatt: «Auseinandersetzungen gab es keine – wo alles gleich bleibt, gibt es nichts auseinanderzusetzen.» Der junge Ennetmooser selber aber studierte bald in St. Gallen und sah, wie brüchig und uneins die Welt in Wahrheit war. Die Zeit, da sein Leben einem Katechismus folgte, war abgelaufen. Als er nach Nidwalden zurückkam, schloss er sich im Kampf gegen ein Atomendlager im Wellenberg dem jungen, linksgrünen Demokratischen Nidwalden (DN) an. Dort gilt er bis heute, wie selbst seine Gegner bestätigen, als resistent gegen jede Ideologie.

Gesucht: Bürdenträger

Auf den Festtischen reihen sich jetzt die Teller mit dem Saltimbocca, dem Pilzrisotto und der Garnitur (Peterli und Tomatenschnitz). Paul Matters Teller steht unberührt da. Der Landratspräsident nimmt auf der Bühne eine lange Polonaise von Geschenken entgegen, von der Gemeinde, von der Regierung, von den Fraktionen. Vom Bauernverband und dem Bäuerinnenverein.

«Und wer ist das jetzt?», fragt Herr von Matt.

«Die Leute von der Kehrichtverwertung», sagt Frau von Matt.

Sie stecken in Abfallsäcken, werfen Papierfetzchen in den Saal und über den Geehrten, der ihr Chef ist, sie musizieren und reimen: «Ei Wunsch schriibid miär diär uf dä Block: / Bitte käi längi Sitzigä meh, churz und knapp, wienä Minirock.»

«Ganz verreckt», sagt Frau von Matt, als sich der Pulverdampf gelegt hat, lacht und wischt sich die Schultern von den Fetzchen sauber. Am Regierungstisch zupft Leo Odermatt an seinem Schnauz. Die Turnerinnen und Blasmusikanten räumen die Teller ab, darunter auch Rös Barmettler-Blumenthal, Präsidentin der CVP Ennetmoos, und Valérie Progin Aschwanden, Aktuarin, die zwar keine Turnerin ist, der Einladung der Präsidentin, im Service zu helfen, aber gern gefolgt ist.

Valérie Progin ist vor fünf Jahren nach Ennetmoos gezogen und hat sich sogleich bei der CVP angemeldet. Als Lehrerin und Mutter von zwei kleinen Kindern, die bald in die Schule kommen, sei sie von politischen Entscheiden abhängig, sagt sie. Gefällt es ihr hier?

«Nun, Ennetmoos ist nicht besonders schön. Aber als junge Familie lebt man hier gut.»

Ich meinte die Feier.

«Ach so. Eine sehr bodenständige Feier, die gut zu Paul passt.»

Und auch schon ein bisschen Wahlkampf der CVP?

«Sie meinen für die nationalen Wahlen? Nein, nein. Das machen wir hier nicht. Das macht die Kantonalpartei.»

Keine Standaktion, keine Flugblätter?

«Nein.»

Was sagt die Parteizentrale dazu?

«Wissen Sie, die CVP Schweiz ist weit weg. Natürlich erhalten wir die Mailings von Reto Nause und tun sie in den Ordner. Aber ich zum Beispiel fühle mich nicht verpflichtet, nationalen Wahlkampf zu machen.»

Was macht dann die CVP Ennetmoos?

«Unsere Arbeit besteht vor allem darin, für die diversen ämter Leute zu finden. Wenn es gelingt, Leute zu mobilisieren, die sogar gewillt sind, ein Amt unter dem Mantel der Partei anzutreten, umso besser. Aber das ist nicht unbedingt nötig.»

Man könnte also sagen: Es gibt in Ennetmoos eine bestimmte Bürde von Arbeiten, und Aufgabe der Partei ist es, die richtigen Leute zur Bürde zu bringen.

«Ja, im Prinzip ist das genau so.»

Setzt die Partei auch eigene Themen?

«Das wird eher nicht gemacht. Es ist so, wie Sie es gesagt haben: Da ist die Arbeit, und es geht darum, dafür die Leute zu finden.»

Und das machen alle Parteien so?

«Ja. Die Unterschiede sind sehr klein. In welcher Partei man ist, hängt oft auch davon ab, von welcher man zuerst angefragt wird. In Ennetmoos scheint es viel wichtiger zu sein, dass die alteingesessenen Familien in den Räten vertreten sind. Die Einheimischen gehen ziemlich geschlossen wählen. Sie wählen Einheimische, egal, von welcher Partei.»

Nidwalden ist heute ein moderner Kanton, ganz der ökonomischen Effizienz verpflichtet. Seine Dörfer gehören längst zur erweiterten Agglomeration von Luzern, und der politische Streit ist im Kantonsparlament bisweilen genauso hart und unversöhnlich wie überall. Auch die CVP bildet nicht mehr die alte Welt ab – in Ennetmoos sitzen heute mehrere Frauen und Zugezogene im Vorstand der Partei. Und doch hat sich an der Politik in den Dörfern erstaunlich wenig verändert. Trotz den besseren Verkehrswegen, trotz den Hunderten von Zuzügern seit den Siebzigerjahren, trotz der SVP. Die alte Welt ist versunken, ihr politischer Geist schwebt noch immer über dem katholisch-konservativ getränkten Moos: Politik wird weiterhin als die Bürgerpflicht der dazu Fähigen verstanden. Die Parteien sind Vereine, die sich mit den anderen Vereinen vernetzen, um die Fähigen aus den Vereins- in die Parteivorstände und in die ämter zu holen, wozu es Sitzungen und lange Gespräche braucht.

Die CVP ist in diesem Sinn ein altehrwürdiger, stattlicher Verein. Wie der Turnverein, die Feuerwehr, die Schützen, die Blasmusik oder das «Junge Ennetmoos», das in den Siebzigerjahren aus der katholischen Jungmannschaft und der Jungfrauenkongregation hervorgegangen ist. Sie ist Teil eines dörflichen Netzwerks, dazu da, jenen Köpfen die Fäden in die Hand zu geben, die dem Dorf als fähig aufgefallen sind. Was an der Landratspräsidentenfeier also wie politische Folklore aussieht, ist genau dies nicht. Es ist der Kern der politischen Arbeit im Dorf: Hier zeigen sich, versteckt hinter Trachten und den Koloraturen der Jodellieder, die zukünftigen Gemeinderäte und Schulrätinnen der Bevölkerung. Schon Gottfried Keller hat im «Grünen Heinrich» über die geschrieben, die «von der Menge geboren» wurden: «Mit grossen Augen beschaut sich erst die Menge den Einzelnen, der ihr etwas vorsagen will. (…) Dieser denke aber nicht, ihr Meister zu sein; denn vor ihm sind andere da gewesen, nach ihm werden andere kommen.» Politik, die als Unterhaltung auftritt.

Streit muss nicht sein

Das sieht auch Peter Scheuber so, der träf und manchmal anzüglich durch den Abend führt. Seit Jahren arbeitet er für die Gemeinde und den Kanton, im Winterdienst, als stellvertretender Brunnenmeister, als Nachtwächter in der Asylunterkunft. Hauptberuflich ist er Bauer und seit fünf Jahren Gemeindepräsident der CVP, jüngster Spross der politischen Dynastie Scheuber. Aktivschütze, Vizekommandant der Feuerwehr, Rechnungsrevisor der Mitrailleurenvereinigung Unterwalden, Mitglied im Fischerverein, bei den Nidwaldner Jagdhornbläser und im kantonalen Patentjägerverein, Ehrenmitglied im bäuerlichen Dienstbotenverein.

«Die CVP kam und sagte, sie sähen mich als Gemeindepräsidenten. Wissen Sie, ich kannte die Gemeinde sehr gut. Ich dachte, moll, das wäre noch eine Herausforderung.»

Sie waren vorher nicht in der Partei.

«Nein, ich war kein Politiker. Aber ich bin der Meinung, es solle ein Auftrag an jeden Bürger sein, sich einmal in seinem Leben für die öffentlichkeit zu betätigen. Es gibt so viele Dinge in einer Gemeinde, die erledigt sein müssen.»

Sie hätten auch einer anderen Partei zugesagt.  ‘

«Ich stehe zur CVP, aber ja, das hätte ich wohl getan. Mit der Partei hatte meine Zusage recht wenig zu tun, Priorität hat für mich die ganze Gemeinde.»

Eine Konsens- und Sachpolitik wie früher, als es keine Parteien gab.

«Ja. Im Gemeinderat habe ich Sachpolitik zugunsten der Gemeinde und der Bevölkerung zu machen. Und es ist bei uns nicht so, dass die Parteien laufend Aufstände machen.»

Auch nicht die SVP?

«Nein, die hat sich sehr gut akklimatisiert.»

An den Gemeindeversammlungen wird nicht diskutiert?

«Nicht im Sinn des Rituals, dass jede Partei zu jedem Geschäft Stellung nehmen muss. Es sind meist direkt Betroffene, Landeigentümer zum Beispiel, die sich zu Geschäften äussern. Wenn man sie aber rechtzeitig einbindet, wenn man im Gemeinderat ein Projekt aufgleist, halten sich die Probleme in Grenzen. Verstehen Sie, dann fühlt sich niemand übergangen.»

Kommt es oft vor, dass die Ennetmooser Parteien eine politische Initiative starten, eine Idee lancieren?

«Davon wüsste ich jetzt nichts.»

Was müsste ich tun, wenn ich nach Ennetmoos zöge und die Ambition hätte, Ihr Nachfolger als Gemeindepräsident zu werden?

«Am besten treten Sie in die Feuerwehr ein. Auch der Schützen- und der Turnverein sind immer nützlich. Wenn Ihr Name dann auf der Liste auftaucht, weiss man, wer Sie sind.»

Es gibt in Ennetmoos keine Parteienprogramme, und wenn es nach der CVP geht, soll es auch keine Wahlkämpfe mehr geben. «Wir wollen uns besser absprechen», sagt Gemeindepräsident Peter Scheuber. Zu oft spielten die Parteien in der Vergangenheit gute Leute gegeneinander aus, worauf die Unterlegenen nie wieder etwas mit der Politik zu tun haben wollten. Auch in Ennetmoos fehlt es an Leuten, die bereit sind, ein Amt zu übernehmen.

«Fir immär so wiärd sey»

Und so erfindet sich in Ennetmoos die CVP im Geist des alten Stammlandes neu. Sieht ihre vornehmste Aufgabe darin, junge, fähige Köpfe in die Politik zu schleusen, egal, ob diese in die Partei eintreten möchten oder doch lieber nicht. Die Leute, die so nach oben, oder besser: in die Mitte kommen, sie müssen nicht besonders mutig und originell sein. Besser fleissig und solid. Es sind keine Menschen, die Mühe haben, sich den Spielregeln zu unterwerfen. Sie verkörpern die gemeinsame Sache und das System, und sie wissen, dass sie genau das zu seinen schillerndsten Repräsentanten macht. So strebt in einem Dorf wie Ennetmoos alles in die Mitte, wo man am ehesten glaubt, das gemeinsame Wohl aufzufinden.

«Die CVP hat hier nie gelernt, dass Politik auch Streit bedeuten kann», hat Leo Odermatt gesagt. Dass sie darum so schlecht auf die SVP vorbereitet gewesen sei, stimmt aber nur, wenn man auf die Schweiz oder den Kanton blickt. In Ennetmoos hat die SVP in der letzten Schlacht an der Urne zwar jede fünfte Stimme gewonnen. Wo ihre Leute aber politisieren wie senkrechte Konsens-Demokraten, hat, wie es aussieht, die CVP den Krieg gewonnen.

Das Echo folgt noch vor dem Dessert. Der Jodlerklub Echo vom Wiesenberg formiert sich. Die Hände fahren heim in die Hosentaschen, und die Männer singen zuerst den schönen «Alpbodejuiz» und dann den Hit «Ewigi Liäbi». «Ich ha dich gärn, ich bruichä dich / Ich bi sichtig nach diär / Doch Garantie chan ich diär käini gäh / Dass äs fir immär so wiärd sey.» Frau von Matt strahlt, als das Lied verebbt.

Frau von Matt, können Sie sich Ennetmoos ohne die CVP vorstellen?

«Nein, das ist nicht möglich.»

Herr von Matt schickt einen Jauchzer ins Rauschen der Lüftung, und Landratspräsident Matter stellt sich ans Rednerpult. Er dankt und sagt, wie schön es sei, dass man in der Gemeinde so eindrücklich getragen sei. Dann wird das Dessert gebracht. Cassata mit Rahmhäubchen und einem Blatt Pfefferminze.

CVP, das spürt man: grosser Empfang in Ennetmoos NW. | Bild: Fabian Biasio
CVP, das spürt man: grosser Empfang in Ennetmoos NW. | Bild: Fabian Biasio
Der sehr Geehrte: Landratspräsident Paul Matter (links) im Gespräch | Bild: Fabian Biasio
Der sehr Geehrte: Landratspräsident Paul Matter (links) im Gespräch | Bild: Fabian Biasio
Ton im Ton: Die Blasmusik Ennetmoos vor dem Auftritt | Bild: Fabian Biasio
Ton im Ton: Die Blasmusik Ennetmoos vor dem Auftritt | Bild: Fabian Biasio

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