27.11.2009 von Guido Mingels , 31 Kommentare
Ohne hygge kann der Däne nicht atmen, nicht glücklich sein, nicht leben. Wer Dänemark verstehen will, muss es begreifen lernen, dieses Gefühl. «Es ist schwer zu erklären, aber es ist überall», sagt Anne, die Mutter. Und stellt einen dampfenden Schmorbraten auf den Tisch. Das Kerzenlicht auf dem Fenstersims dort drüben sei äusserst hygge, das Festtagsgeschirr aus der königlich-dänischen Porzellanmanufaktur sei auch irgendwie hygge. Thea, die jüngere Tochter, zehnjährig, sagt, hygge, das sei für sie dann, wenn sie mit ihrer Schwester Marie vor dem Fernseher liege, es genügend Kekse gebe und die Eltern ausser Haus wären. Die Mutter sagt, dass das Essen, für das wir hier zusammengekommen sind, ein klarer Fall von hygge sei. Henrik, der Vater, ein Genossenschafts-Funktionär, überlegt und widerspricht. Hygge sei eigentlich nur mit guten Freunden möglich, und, «nichts für ungut, aber wir haben uns ja grade erst kennengelernt». Das stimmt. Ich habe mich von der Familie Wewer-Thamdrup einladen lassen, um zu erfahren, was hygge ist. Um zu lernen, was Dänemark zusammenhält. Vielleicht später am Abend, sagt Henrik, wenn wir etwas Zeit miteinander verbracht haben werden, könnte die Sache noch richtig hyggelig werden.
Alle Augen sind jetzt auf Kopenhagen gerichtet, wo ab dem 7. Dezember am Uno-Klimagipfel wieder einmal der Planet gerettet werden soll, und wer sonst sollte der Welt den Weg in die Zukunft weisen, wenn nicht die Dänen? Nach der «World Map of Happiness» der Universität Leicester, einer Weltkarte des Glücks, lebt in Dänemark das glücklichste aller Völker, und die Hauptstadt, Kopenhagen, bietet nach verschiedenen Erhebungen die welthöchste Lebensqualität. Die Dänen zahlen mehr als 50 Prozent Steuern, und sie tun es gern, denn ihr Vollkasko-Staat gibt ihnen dafür Sicherheit, bezahlt ihre Gesundheit, garantiert ihnen Arbeit, und tagsüber nimmt er den Paaren fast gratis die Kinder ab. Die letzten dreissig Jahre brachten dem Land 80 Prozent Wirtschaftswachstum, aber keinen Anstieg des Energieverbrauchs, Dänemark ist ein Öko-Musterschüler. Im jährlichen «World Competitiveness Report» des Weltwirtschaftsforums, der die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit von Nationen misst, belegen die Dänen regelmässig einen Spitzenplatz. Nirgendwo auf der Welt, so legen Forschungen der Universität Aarhus nahe, gibt es mehr Vertrauen in der Gesellschaft: 75 Prozent der Dänen vertrauen ihrem Staat und den Behörden, 80 Prozent vertrauen ihren Mitmenschen, 90 Prozent der Justiz, 95 Prozent der Polizei. Man kann in manchen Quartieren Kopenhagens Kinderwagen mit schlafenden Babys vor den Läden stehen sehen, während die Mütter oder — genauso wahrscheinlich — die Väter ihre Einkäufe erledigen.
Aber in Nørrebro schiessen sie aufeinander.
Und Jennifer findet die dänische Sprache fies.
Und Peter will nur nützliche Migranten.
Und Ahmed sagt, in seinem Viertel sei ein Krieg der Rassen im Gang.
Und Jon glaubt, der Staat sei besser als die Familie.
Und Henrik sagt, Dänemark sei eine Gemeinschaft von Gleichen.
Und Signe darf ihren chilenischen Ehemann nicht ins Land bringen.
Wer zum ersten Mal nach Kopenhagen reist, dem wird ein Mangel auffallen. Irgendetwas fehlt in dieser 1,2-Millionen-Metropole, und man kommt zuerst nicht drauf, was es ist. An allen Zebrastreifen in der Innenstadt zählen Digitalanzeigen die Sekunden rückwärts bis zur nächsten Grünphase, 9, 8, 7, 6, 5, kein Auto weit und breit, doch die Dänen bleiben gehorsam am Strassenrand stehen, keiner bricht aus. Es ist der Lärm. Das urbane Grundrauschen fehlt. Stille herrscht in dieser flunderflachen Stadt am Meer, geräuschlos schwärmen die Hundertschaften von Fahrrädern durch die Strassen, eine Million Kilometer, so wurde errechnet, radelt die Bevölkerung jeden Tag, 43 Prozent der Kopenhagener benutzen das Velo täglich, Weltrekord. Alles funktioniert, reibungsfrei, die neu eingeweihte Metro fährt unbemannt. Der Himmel zeigt heute noch einmal ein tiefreines Blau, die Tauben auf dem blitzsauberen Rathausplatz scheinen sich artig das Scheissen zu verkneifen, und selbst die Blätter, die jetzt von den Bäumen fallen, richten keine Unordnung an, sondern lassen sich höflich zu beiden Seiten der langen Allee nieder, die durch den Stadt-Friedhof führt. Hier, irgendwo, liegen Sören Kierkegaard und Hans Christian Andersen, dänisches Weltkulturerbe. 4, 3, 2, 1, endlich Grün, die Dänen gehen ihren Weg.
Früh übt sich: Jon
Als ich gegenüber einem Taxifahrer die Schönheiten der Stadt rühme, die makellosen historischen Bürgerhäuser bis zum Horizont, die goldenen Kirchtürme über den Dächern, den strahlenden Palast von Königin Margarethe II., die geschmackvoll gewählte moderne Stararchitektur am Wasser, nimmt der das Kompliment persönlich und sagt: «Thank you very much, Sir.» Vielen herzlichen Dank, mein Herr. Dies ist seine Stadt, er ist als Bürger Teil davon, wer Kopenhagen preist, lobt auch ihn.
«Alles, was Dänemark ausmacht, beginnt hier», sagt Jon Fogt, Manager der Kindertagesstätte Kastelsgården im Stadtteil Østerbro. Er ist schwer zu verstehen, denn Jesper, Emma, August, Kasper und wie sie alle heissen, hüpfen in der riesigen Garderobe von einem Podest auf eine grosse Matratze hinunter, immer wieder; Ziel ist, dabei so laut wie möglich zu schreien. Die Kinder kommen gerade vom Mittagessen, «100 Prozent Bio-Food», betont Jon, die Köchin hat Ernährungswissenschaft studiert. Ein Vater im Tarnanzug kommt vorbei, der sich als Tue Haekkerup vorstellt, Berufsoffizier in der dänischen Armee, er gibt seinen vierjährigen Sohn Carl ab, ausnahmsweise erst am Nachmittag, «sonst ist er jeden Tag von 8 bis 16 Uhr hier». Eine Mutter mit Namen Nanna von Cotta-Schønberg, E-Commerce-Leiterin einer Modefirma, holt ihre beiden Töchter ab, Frida, 5, und Sara, 3, doch die Kleine weigert sich, ihre Gummistiefel anzuziehen. Nanna hat schon davon gehört, dass sich in anderen Ländern der Staat nicht verantwortlich fühlt für die Kinderbetreuung, und sie versteht das nicht. «Wie soll das denn gehen? Wie arbeiten denn bei euch die Mütter?»
Sieben von zehn Däninnen haben Vollzeitstellen. Die Frauen stellen 48 Prozent der gesamten Arbeitskraft im Land. Es gibt kaum noch Hausfrauen in Dänemark. 52 Wochen lang bezahlt der Staat Elternurlaub, 18 für die Mutter, zwei für den Vater, 32 weitere zur freien Verfügung. 96 Prozent aller dänischen Kinder im Vorschulalter besuchen eine der dicht gestreuten Tagesstätten. Ein Betreuungsplatz für ein Kind — frei nutzbar an fünf Tagen pro Woche von 7 bis 17 Uhr — kostet den symbolischen Betrag von 350 Franken. Pro Monat.
In Jons Büro haben sich zwei Knirpse beim Fangenspiel hinter dem Schreibtisch versteckt, ein Mädchen mit Prinzessinnenkrone stürmt herein, findet die beiden sofort. Jon erklärt nun dem Besucher die dänische Pädagogik und hebt dabei Zeigefinger und Augenbrauen: Dieser Ort sei keine Betreuungs-, sondern eine Erziehungsinstitution. «Man muss sie packen, wenn sie ganz klein sind.» Für die Integration von Migrantenkindern etwa komme die Schule viel zu spät. Der Lehrplan umfasst Ziele in den Bereichen Sprache, Kultur, Natur, Körperbeherrschung und Sozialkompetenz, auch für Einjährige. «Früher war die Familie die Basis der Gesellschaft», sagt Jon, «jetzt ist es der Kindergarten.» Familien, sagt Jon, könnten auseinandergehen, könnten zerbrechen, tun es auch, massenhaft. Familien seien nicht verlässlich. Der Staat schon.
Henrik und der Stamm der Dänen
Der Staat. Der Staat ist alles in Dänemark. Der Staat gibt, der Staat nimmt. Der Staat regelt den Arbeitsmarkt, indem er Entlassenen das Einkommen garantiert und ihnen eine neue Aufgabe zuweist, dafür herrscht Hire & Fire nach Belieben, jeder fünfte Däne wechselt jährlich einmal den Job. Das System heisst «Flexicurity», Sicherheit für die Arbeitnehmer bei maximaler Flexibilität für die Arbeitgeber, eine Art Kommunismus von Rechts. Und nirgends weiss der Staat mehr über seine Bürger als in diesem Land, wo Datenschutz kein Thema ist. Im Centrale Personenregister, kurz CPR, sind die Ergebnisse einer permanenten Volkszählung gespeichert, hier verzeichnet der Staat Adresswechsel, Bankkonten, Jahreslöhne, Telefonnummern, Konfession, Hochzeitsdaten, Krankengeschichten, Kinderzahlen. Kaum jemand stört sich daran, denn, eben: Man vertraut einander.
«Bei uns», sagt der dänische Soziologe Henrik Dahl, «kann man sich unter ‹zu viel Staat› und ‹zu wenig Staat› nichts vorstellen. Der Däne macht keinen Unterschied zwischen Staat und Gesellschaft. Die Gesellschaft ist der Staat. L’état, c’est nous.»
Die Geschäfte am Strøget, der Haupteinkaufsstrasse, sind mit weiss besprühten Tannenzweigen und goldenem Tand geschmückt, in allen Gaststätten brennen Kerzen, man könnte hier prima ein tschechisches Märchen verfilmen. «Wir Dänen sind verrückt nach Weihnachten», sagt Anne. Nie, sagt ihr Mann beim Familien-Abendessen, nie sei Kopenhagen hyggeliger, nie aber wohl auch abweisender für Nichtzugehörige als in der Vorweihnachtszeit, und die beginnt in diesem Land schon Ende September. «Weihnachten ist superhygge», ruft Marie, 12, die ältere Tochter. Es gibt nur zwei Jahreszeiten in Dänemark, zwei Aggregatzustände, hell oder dunkel, blauer oder grauer Himmel, Sonne oder Regen. Und jetzt, da die dunkle Saison sich ankündigt, rücken die Dänen noch enger zusammen, Firmen feiern Firmenfeste, Vereine feiern Vereinsfeste, Familien feiern Familienfeste, «mehrmals pro Woche muss man irgendwohin», sagt Henrik. Die Leute richten ihre Häuser und Wohnungen her, kaufen Schmuckwerk und Krimskrams, kein Volk der Welt, weiss Anne, Architektin von Beruf, gibt mehr Geld für Inneneinrichtung und Dekor aus. Als Tannenbaumzierde ist auch der Dannebrog beliebt, die dänische Nationalflagge, weisses Kreuz auf rotem Grund, allgegenwärtiges Symbol in den Strassen. «Dänen lieben Dänemark eben», sagt Anne.
«Wir sind sind nicht bloss eine Gesellschaft, wir sind ein Stamm.» Das sagt Henrik Dahl, einer der prononciertesten Intellektuellen des Landes. Zuerst einmal verbittet er sich das «Mr. Dahl». Es gibt kein Sie in Dänemark, jeder ist mit jedem per Du, weil keiner über dem anderen steht, und tritt etwa der frühere dänische Premier und jetzige Nato-Sekretär Anders Fogh Rasmussen am Fernsehen auf, so wird er vom Moderator nicht anders als mit Anders angesprochen. Henrik also trägt auf den Autorenfotos in seinen Büchern wild wuchernde Locken und einen planlos spriessenden Bart, doch kürzlich, erklärt er, habe er seinen Haarwuchs vom Friseur etwas zähmen lassen müssen, weil seine Frau ihn darauf hinwies, «dass ich den Leuten nicht dauernd vom Stamm der Dänen erzählen und dabei wie ein Wikinger aussehen kann».
Dann holt er weit aus.
Bis vor ein paar Hundert Jahren war Dänemark ein Imperium, ganz Skandinavien stand unter dänischer Vorherrschaft. Doch die Dänen verloren Krieg um Krieg und Stück um Stück ihres Hoheitsgebietes, und jedes Mal machte sich eine Minorität davon, erst die Lappen, dann die Schweden, dann die Norweger, schliesslich die Deutschen von Schleswig und Holstein, bis nur noch die Dänen übrig blieben, geschlagen und verarmt, zurückgedrängt auf einen nördlichen Wurmfortsatz des europäischen Kontinents und auf ein paar Inseln. Nun war man unter seinesgleichen. «Eine ethnisch vollkommen homogene Gruppe», sagt Henrik, «umgeben von alten Feinden.» Also entwickelte sich Dänemark künftig nach innen. Das Wir-Gefühl wuchs, die Solidarität, die innere Kohäsion. «Dänemark ist keine Demokratie», sagt Henrik, «sondern eine Ethnokratie», eine sich selbst verwaltende Ethnie, eine Gemeinschaft von Gleichen, mit geteilten Werten. Fester Bestandteil der Volkspsychologie ist der Begriff «Janteloven», das «Gesetz von Jante», einem fiktiven Ort aus einem Dreissigerjahre-Roman des dänisch-norwegischen Autors Aksel Sandemose. Die Leute von Jante haben sich zehn soziale Gebote gegeben, die sowohl das Miteinander wie auch den Umgang mit Neuankömmlingen regeln:
1. Du sollst nicht glauben, dass du etwas bist.
2. Du sollst nicht glauben, dass du genauso viel bist wie wir.
3. Du sollst nicht glauben, dass du klüger bist als wir.
4. Du sollst dir nicht einbilden, dass du besser bist als wir.
5. Du sollst nicht glauben, dass du mehr weisst als wir.
6. Du sollst nicht glauben, dass du mehr bist als wir.
7. Du sollst nicht glauben, dass du zu etwas taugst.
8. Du sollst nicht über uns lachen.
9. Du sollst nicht glauben, dass sich irgendjemand um dich kümmert.
10. Du sollst nicht glauben, dass du uns etwas beibringen kannst.
Diese Direktiven gelten heute ironisch als heimliche Verfassung des egalitären Dänemark, «doch die moderne Migration», sagt Henrik, «bedroht in den Augen vieler Dänen unsere historisch gewachsene Einheit, unsere Identität». Die liberal-konservative Rechtsregierung, die seit 2001 an der Macht ist, hat Dänemark eines der strengsten Einwanderungsgesetze der Welt gegeben. Den Soziologen erinnert die Zuwanderungspraxis in seinem Land an den Mafia-Film «Der Pate», genauer an die Eröffnungsszene, in welcher Clan-Chef Don Corleone Bittsteller empfängt, die ihn um Gefallen ersuchen, um finanzielle Unterstützung oder um einen kleinen Vergeltungsmord. «Corleone sagt den Leuten, ‹wenn ich das für dich tun soll, musst du einer von uns werden›. Verstehen Sie? Er will kein Geld, er will keinen Gegendienst. Er sagt nur: Du musst auf unsere Seite wechseln, unser Denken annehmen, unseren Codex. Und so machen wir es in Dänemark mit den Ausländern. Wer in Dänemark leben will, muss ein Däne werden.»
Und muss Dänisch lernen.
David mag Hühnchen
Am Hejrevej 26, im 3. Stock des Sprachcenters, das Sprogcenter heisst, ein Zweckbau mit schief hängenden Storen, klebt ein Poster an der Wand, worauf man lesen kann, dass Dänemark die älteste Monarchie der Welt ist, und dass Königin Margarethe in direkter Linie von Gorm dem Alten abstammt, Gorm den Gamle, gestorben anno 958, erster Regent des Landes. Im Zimmer F12 sitzen Neu-Dänen aus Mexiko, Bulgarien, Pakistan, Polen, China, den USA, Nigeria und Italien, der Unterricht ist drei Jahre lang gratis, offeriert vom Staat für alle Immigranten. Lehrerin Mette Møller zeichnet eine Kuh an die Wand. Eine Kuh heisst en ko, zwei Kühe sind to køer. Den Hund ausführen heisst lufte hund, wobei der Kehlkopfverschlusslaut in hu’nd besonders zu beachten ist. Mette ordnet Übungen zu zweit an. Jennifer fragt David: Magst du Hühnchen? Der sagt: Jeg kan godt lide kylling, denn er mag Hühnchen.
In der Pause spielen David Amosu und Jennifer Robinson Tischfussball. Jennifer ist Kalifornierin, die Wirtschaftsfachfrau kam vor drei Jahren mit einem Stipendium ins Land, jetzt möchte sie eine Green Card, und dafür benötigt sie den Kurs. «Dänisch ist eine fiese Sprache», beklagt sie sich gut gelaunt, alles hänge von Aussprache und Rhythmus ab. «Du kannst hier einen Big Mac mit den exakt richtigen Worten bestellen, wenn der Rhythmus nicht stimmt, verstehen sie dich nicht.» David, ein Nigerianer, ausgebildeter Buchhalter, findet, Dänisch klinge immer so, «als hätte man grad eine Socke im Mund».
Er wird sich damit anfreunden müssen. David hat eine vorläufige Aufenthaltserlaubnis erhalten, weil er mit einer Dänin verheiratet ist, doch wie bei allen Nicht-EU-Immigranten, die durch Hochzeit oder Familiennachzug ins Land kommen, haben die Behörden mit ihm einen sogenannten Integrationsvertrag abgeschlossen. Er beinhaltet, wie David aufsagt, «einen individuellen Plan, um mich möglichst schnell zu einem aktiven Mitglied der dänischen Gesellschaft zu machen». Dazu gehören Dänisch-Kenntnisse. Zwar sprechen fast alle Dänen fliessend Englisch, «aber sie tun es nicht gern», sagt David. Alle drei Monate wird überprüft, ob er seinen Zielen näherkommt. Um eine dauerhafte Aufenthaltsbewilligung zu erhalten, muss er mindestens zweieinhalb Jahre lang eine Vollzeitanstellung gehabt haben, er muss einen Integrationstest bestehen, und er muss den Dänisch-für-Fortgeschrittene-Kurs «Prøve i Dansk 2»abgelegt haben. «Das schaff ich schon», macht David sich Mut, er will bleiben, ein Leben lang, denn Dänemark, sagt er, «ist einfach das beste Land der Welt.»
Der Eintrittspreis muss hoch sein: Peter
Vor einem Kiosk beim neubarocken Parlamentsgebäude, dem Folketinget, wörtlich «Ding des Volkes», hängen die Schlagzeilen des Tages, und alle Affichen zeigen denselben bärtigen Mann mit Sonnenbrille. So würde ein Kind einen Terroristen zeichnen, wenn es wüsste, was ein Terrorist ist. «Das ist der Mann, der uns töten will», titelt das Revolverblatt «B.T.». Kopenhagens Medien sind in Aufruhr, an diesem Tag im Oktober wurde bekannt, dass in Chicago unlängst zwei Männer mit arabischen Namen verhaftet worden sind, die nachweislich Anschläge auf die «Jyllands-Posten» planten, jener Zeitung, die 2005 durch die Publikation von Karikaturen des Propheten Mohammed den Zorn der muslimischen Welt entfacht und Dänemark in eine internationale diplomatische Krise gestürzt hatte. In den Strassen von Beirut und Islamabad brannte der Dannebrog. Einer der Verhafteten war in diesem Jahr zweimal in die dänische Hauptstadt gereist und hatte mit einer Videokamera mögliche Ziele gefilmt.
Solche Neuigkeiten sind das politische Kapital von Peter Skaarup, dem stellvertretenden Vorsitzenden der rechtsnationalen Dänischen Volkspartei, Danske Folkeparti, die der Mitte-rechts-Regierung von Ministerpräsident Lars Loekke Rasmussen zu ihren dünnen Mehrheiten verhilft. Die Folkeparti ist Königsmacherin, wer an die Macht will, muss mit ihr ins Bett. Nach einem endlosen Gang durch das labyrinthische Regierungsgebäude finde ich Peter in seinem geräumigen Büro, er hat alte Stiche dänischer Landschaften an der Wand hängen und ein Poster seiner Parteichefin Pia Kjærsgaard. Auf das Foto blickend, verweist Skaarup mit Stolz auf den hohen Anteil an Frauen im dänischen Parlament, «auch da sind wir führend». Seine Chefin, Pia, war es, die nach 9/11 sagte, von einem «Kampf der Zivilisationen» zwischen West und Ost könne keine Rede sein, denn es gebe nur eine Zivilisation, die den Namen verdient, «und das ist die unsrige». Ein Parteikollege hatte den Islam als Pest in Europa bezeichnet, ein anderer als Krebsgeschwür.
In Dänemark sagt man, was man denkt. Peter Skaarup nun, kumpelhafter Typ, angenehme Stimme, gilt zwar auch als Scharfmacher, hat aber bessere rhetorische Manieren. «Gewisse Kulturen», sagt er, «sind mit der dänischen einfach schwer vereinbar.» Er zählt die problematischen Regionen an seinen Fingern ab: Pakistan, Irak, Palästina, die ländliche Türkei und so weiter. «Diese Männer wollen zum Beispiel ihre Frauen nicht arbeiten lassen, und das lassen wir nicht zu.» Dänemark pflege eine selektive Migrationspolitik, «wir wollen gut ausgebildete Leute aus der EU oder auch aus Indien», den anderen aber, die einfach nur ein besseres Leben suchen, helfe man lieber an Ort und Stelle. «Dänemark ist ein Luxus-Wohlfahrtsstaat», sagt Peter, «der Eintrittspreis muss hoch sein.» Zum Abschied sagt er, seine Partei verfolge mit Interesse die Anti-Minarett-Debatte in der Schweiz. Die Folkeparti hat möglicherweise das Vorbild geliefert zur Schweizer Plakatkampagne, als sie 2007 Anzeigen schaltete gegen den Bau der ersten Moschee in Dänemark. Als Sujet verwendete man eine Fotomontage der Blauen Moschee in Istanbul mit zwei Säbeln auf der Kuppel.
Die Fäuste geballt: Khalid und Ahmed
13 Schiessereien hat Khalid Alsubeihi allein in seiner Strasse gezählt in diesem Jahr. «Die Rantzausgade ist die gefährlichste Strasse Kopenhagens», sagt er, Sozialarbeiter, ein Mann wie ein Schrank, Thai-Boxer seit 25 Jahren, geboren in einem palästinensischen Flüchtlingslager in Jordanien. In seinem Quartier Nørrebro ist seit August 2008, als vor einer Pizzeria 25 Schüsse auf eine Gruppe von Ausländern abgegeben wurden, ein Bandenkrieg im Gang, fast jede Woche fallen Schüsse, sechs Tote gab es bisher und zahlreiche Verletzte, immer sind es Gefechte zwischen den Rockern der Hell’s Angels und Gruppen jugendlicher Migranten. Anfänglich, sagt Khalid, ging es um Territorialkämpfe im Drogengeschäft, das sich über die ganze Stadt ausgebreitet hatte, nachdem die Behörden den Rauschgifthandel im legendären Kopenhagener Hippie-Freistaat «Christiania» unterbunden hatten — inzwischen aber «geht es nur noch um Rache. Um Rache für die Rache für die Rache.»
Dort drüben bei dem Internetcafé, erzählt er, hat vor rund einem Jahr ein Hell’s Angel abgedrückt, während zwei von Khalids Söhnen auf dem Gehsteig vis-à-vis von der Schule nach Hause kamen. Darauf ist er mit seiner Familie weggezogen aus dem Quartier, in dem er sein Leben verbracht hat, und in dem der Jugendtreff und Thai-Box-Club «Nørre-Bronx» steht, den Khalid leitet. Dass der Name, den er sich ausgedacht hat, einmal so passend sein würde, konnte er ja nicht wissen. Das Nørrebro ist eigentlich Kopenhagens entspanntestes Viertel, hier liegen die Studenten mit Wollmützen auf dem Kopf in den abgeschabten Sofas der vielen Cafés und schlürfen Chai Latte, es sieht aus wie im New Yorker East Village. Tagsüber tut es das immer noch. Nachts sind jetzt lokale Selbstschutzgruppen von Migranten unterwegs, man kontrolliert bestimmte Kreuzungen, filzt Passanten. Die Hell’s Angels nützen die Stimmung und geben sich vaterländisch, sie haben verlauten lassen, dass sie im Interesse der Sicherheit einen «Kampf gegen den Terrorismus der Einwanderer» führen.
Ein Freund von Khalid kommt vorbei, «nenn mich Ahmed», sinkt in einen Stuhl. Ahmed war früher Mitglied einer Gang, jetzt hilft er Khalid dabei, die fünfzehnjährigen Jungs im Quartier mittels Thai-Boxen zu zähmen. Ahmed hat die Gewohnheit, seine Argumente mit einem Schlag seiner rechten Faust in die linke Hand zu untermalen. «Das ist kein Drogenkrieg», sagt Ahmed, «es ist ein Krieg der Rassen. Weisse gegen Muslime.» Der Mann hat eine Wut im Bauch. «Die wollen, dass wir werden wie sie. Mit einem Bier in der einen Hand und einer Rotwurst in der anderen. Am liebsten hätten sie uns blond. Und unsere Frauen wollen sie zu Huren machen.» Es folgt ein Exkurs über die Gleichberechtigung im Islam, die dort schon vor Jahrhunderten eingeführt worden sei, etwa, indem Frauen ihr eigenes Geld besitzen dürfen. Nächstes Thema, jetzt zählt Ahmed die vielen wichtigen Posten auf, die in Dänemark von Juden besetzt seien, Faustschlag bei jedem Namen. Schliesslich schaltet sich der tunesische Wirt des Kaffeehauses ein, in dem wir sitzen, «Ahmed, erzähl keinen Unsinn», sagt er, «willst du lieber nach Palästina zurück?». Der Streit wird noch lauter und geht auf Arabisch weiter. Ziemlich unhyggelige Stimmung.
Khalid seufzt und leert seinen Tee. Alle seien ein wenig nervös derzeit. Letzten Monat hat einer der Bosse der Hell’s Angels einen Schuss ins Bein abbekommen, seither fürchtet man in der ganzen Nachbarschaft den Gegenschlag.
Signe, heimatlos
Um ihr Paradies zu bewahren, verstossen die Dänen manchmal auch ihre eigenen Leute. «Als wir heirateten, wusste ich, das wird schwierig. Ich kannte ja die Gesetze.» Signe Fribo, 23 Jahre alt, Studentin der Anthropologie, sagt, sie müsse sich immer wieder daran erinnern, dass Dänemark ja auch andere Seiten habe, grossartige Seiten. Dass diese Bürokraten, die es ihr, einer gebürtigen Dänin, verbieten, gemeinsam mit ihrem chilenischen Ehemann in Dänemark zu leben, ja nur einen kleinen Teil dieser Gesellschaft ausmachen. Dass die Dänen im Allgemeinen ganz anders sind, offen, tolerant, gastfreundlich.
Signe hat ihren Mann José, einen Architekten, vor zwei Jahren in einem Backpacker-Hotel in Neuseeland kennengelernt. Sie blieb gleich einen Monat da, dann reisten die beiden gemeinsam nach Thailand weiter, zum Tauchen, kurze Zeit später verbrachte sie ein halbes Jahr in seiner Heimat Chile. Sie heirateten in Kopenhagen, dann suchten sie sich eine Wohnung auf der anderen Seite der Øresund-Brücke, in Malmö, Schweden. Signe fährt nun jeden Tag zweimal die vierzig Zugminuten über die Grenze, übers Meer, um an die Uni zu kommen. «Malmö ist auch sehr schön», sagt Signe. Die Liebe von Signe und José verstösst gegen zwei Paragrafen des Migrationsgesetzes, das die dänische Regierung 2002 verabschiedet hat, offiziell, um Zwangsehen zu verhindern. Erstens, beide Partner einer «Misch-Ehe» müssen bei der Hochzeit mindestens 24 Jahre alt sein, Signe war 22, José 26. Zweitens, die gemeinsame Bindung an Dänemark muss grösser sein als diejenige an irgendein anderes Land. Signe und José haben aber mehr gemeinsame Zeit in Chile verbracht als in Dänemark, die Bindung an Dänemark ist demnach rein rechnerisch schwächer. Also muss José draussen bleiben.
Es gibt Hunderte dieser Geschichten, Hunderte falsch verheirateter Dänen und Däninnen, die mit ihren ausländischen Partnern in Malmö leben. Das Netzwerk «Heirat ohne Grenzen», dem auch Signe angehört, organisiert einmal im Monat einen netten Abend, «es kommen immer rund zwanzig Paare, alle bringen was zu essen mit». Und dann, sagt Signe, wird gemeinsam stundenlang über Dänemark geflucht. Das hilft.
Wäre sie José bloss ein wenig später begegnet, sagt Signe. Nur ein Jahr danach hätte vieles anders sein können. Das sogenannte Metock-Urteil am Europäischen Gerichtshof in Luxemburg nämlich, das 2008 vier mit EU-Bürgerinnen verheirateten Afrikanern freies Aufenthaltsrecht in Irland einräumte, hat in der Zwischenzeit eine Lücke gerissen in die dänische Verteidigung. EU-Recht geht über nationales Recht, der Fall hat für die ganze Union neue Standards definiert. «Wenn wir jetzt klagen würden, kämen wir wohl durch», sagt Signe. Aber inzwischen will sie nicht mehr. Ihr Mann hat sich in Malmö etabliert, hat einen Job gefunden, er lernt Schwedisch. Wenn sie ihr Studium beendet hat, will sie ihr Land ganz verlassen. Dänemark hat Signe Fribo verloren.
Hygge mit sich selbst
«Gemütlichkeit!», ruft endlich Anne, die Mutter. Das ist es. Das wäre eine mögliche Bedeutung von hygge. Aber das sei nur ein Teil dieses Zustands, widerspricht Henrik, der Vater. Wirklich übersetzen lasse es sich nicht. Freundschaft gehört auch dazu. Wärme. Heimat, sowieso. Beisammensein. Unter-sich-sein. Als die Kinder ausser Hörweite sind, sagt Henrik, als Slang gebraucht heisse hygge auch vögeln. Man könne auch mit sich alleine hygger. Das sei dann Onanie.
Beim Abschied nehmen mir Anne und Henrik das Versprechen ab, wieder zu kommen. Ein einziger Abend, das könne nicht genügen, um Dänemark zu verstehen.
Draussen: nirgends mehr Licht. Die Dänen schlafen unter einer Decke, aus pechschwarzer Nacht.
Tre Dadlar sind ein Fotografen-Duo aus Stockholm. Sie arbeiten regelmässig für «Das Magazin».
mail@tredadlar.com

Ihr Mann ist unerwünscht im Land: Signe Fribo. | Tre Dadlar

Bild von Tre Dadlar

Mehr Lebensqualität ist nirgends: Kopenhagen. Blick von der Langebro-Brücke. | Jan SØndergaard

Die Familie Wewer-Thamdrup hats hyggelig. | Tre Dadlar

«Gewisse Kulturen sind mit der dänischen schwer vereinbar»: Peter Skaarup von der rechtsnationalen Folkeparti. | Tre Dadlar

«Dänemark ist keine Demokratie, sondern eine Ethnokratie»: der Soziologe Henrik Dahl. | Tre Dadlar

Sie haben gut lachen. Vater Staat wirds schon richten mit der Zukunft. | Tre Dadlar

Kopenhagen radelt 1 Million Kilometer pro Tag. | Jan SØndergaard
[...] Wer sich für die Stadt, in der ich grade lebe, interessiert, wer wissen will was "hygge" ist und wer meine Meinung über diese Stadt wissen will (also teilweise stimmen nicht mit allen überein), sollte diesen Artikel lesen : Lies mich! [...]
10 KÖNIGLICH-DÄNISCHE GRUNDSÄTZE…
Ich bin vor sechs Jahren bescheiden, neugierig und lernwillig nach Dänemark gekommen. Jetzt bin ich auf dem Wege raus (rrrrraus!) und, lieber Guido Mingels, ich danke Ihnen für Ihre Reportage!
“Du sollst nicht glauben, dass du… etwas bist – genauso viel bist wie wir – klüger bist als wir – mehr weisst als wir – uns etwas beibringen kannst…” Es ist praktisch unmöglich, sich als normaler, nichtdänischer Mensch an solche Grundsätze zu halten, weil hier eine unsagbar dümmliche Schläfrigkeit über dem Land liegt; man wird unweigerlich nervös! Etwas grob ausgedrückt: jeder Einwanderer ist an sich “klüger, besser, wissender, tauglicher”… “Flädli-Suppe”! Dänemark hat für mich die Würze und den Gehalt einer Flädli-Suppe, und zwar einer nicht-aufgepeppten – also ohne frischen Liebstöckel aus dem Küchengarten. So interessant ist es hier! Die Dänen finden sich selbst und ihr Land aber “dejlig” – was in etwa wunderbar, herrlich bedeutet…
Natürlich hat es eine Weile gedauert, bis ich – vorerst sehr an meinen Wahrnehmungen zweifelnd – die Gewissheit hatte, dass sowohl das Jante-Gesetz, als auch die Hohlheit in den allermeisten dänischen Köpfen Tatsachen sind. Man glaubt es einfach nicht! Kontakt und Gespräche mit anderen Nicht-Däninnen und Nicht-Dänen (Leute aus der Schweiz, Deutschland, Österreich, Japan, Iran, Irak, Afghanistan, Rumänien, Algerien) liessen mich aufatmen: wir empfinden es alle in etwas gleich, das Leben hier. Mit meiner Wahrnehmung ist alles in Ordnung.
“Du sollst nicht glauben, dass sich irgendjemand um dich kümmert.”… Ja, sie strengen sich richtig an, sich nicht zu kümmern! Und auch da: man glaubt es einfach sehr lange nicht: dass diese absolute Kälte und Gnadenlosigkeit im gesamten dänischen Volk sitzt!! Aber es ist so, sowohl im Alltag, als auch auf höchster staatlicher Ebene.
Und sie scheissen dir in den Garten, pissen dir grinsend ans Bein, oder spucken dir auf die Jacke. Falls du nichts sagst, oder höchstens “he, was war das, was soll das heissen?”, dann antworten sie:” häääähähähä, war doch nur zum Spass, hhhähähä, so ist es eben bei uns!!” Falls du aber – mit der Zeit, mit den Jahren – gekränkt reagierst, mit Emotionen, falls du dich wehrst, dann wehe dir…!
als ich diese 10 gebote gelesen habe, dachte ich zuerst, ich verstünde hier etwas falsch und ich müsste mehr fantasie bei der interpretation walten lassen. aber umso mehr ich darüber nachdachte, umso abschreckender und abscheulich fand ich diese: wie kann man nur dem eigenen volk sagen, dass man ‘ein Nichts’ sei (…zu glauben, du seist etwas). welche gesellschaft kann sich weiterentwickeln (durch innovation und verbesserung), wenn man dem einzelnen sagt, dass er dumm sei und nicht glauben soll, er wisse etwas besser oder mehr als die gesellschaft ?!
ich frage mich aber auch, wieso denn ein typ wie dieser ahmed trotz der strengen migrationsgesetze im land bleiben darf, wo er doch ganz offensichtlich nicht dir grundlegendsten werte mit den dänen teilt und er es schon seeehr fortschrittlich findet, wenn frauen ihr eigenes geld besitzen dürfe. mein gott; solches gedankengut zur gleichberechtigung möchte ich auch in der schweiz nicht. nein danke!
aber das mit dem integrationsvertrag finde ich eine super sache,das müsste auch in der schweiz eingeführt werden. jeder willige ausländer (der ein interesse oder grund nachweisen kann) soll seine chance bekommen….aber wieder gehen müssen, wenn er sich nicht mit den hiessigen wertvorstellungen identifizieren kann, welche unsere gesellschaft zum funktionieren bringt.
Iraker! Afghanen! werft die Daenen raus!
@rosa: meinst du, das kümmert einen Dänen,wenn er nicht mehr in diesen ’schönen’ ländern leben dürfte? ich glaube das interesse ist eher umgekehrt…
Solange es Dummschwätzer wie diesen Ahmed gibt, wird dieses Land als Modell einer möglichen Zukunft des postdemokratischen Kontrollstaates stehen. Lässt sich eigentlich einfach extrapolieren, aus den Ereignissen der letzten Jahre. Dann wird es richtig „hyggelig“.
Oder wieso wird dieses Wochendende über etwas abgestimmt, worüber nicht abgesimmt werden dürfte oder sollte?
@Die Federn: Wer sich keine mühe gibt, die Dänen kennenzulernen und kein Interesse zeigt, sie zu verstehen (zitat: “…Hohlheit in den allermeisten dänischen Köpfen Tatsachen sind” !!!), kann nicht erwarten, umarmt zu werden. Ich lebe seit 2 Jahren hier und Kälte und Gnadenlosigkeit sind etwa das Letzte was ich über die Dänen sagen würde.
@alle anderen: Jante-lov stammt von diesen Geboten, was es heute aber wirklich bedeutet in Dänemark ist, dass man nicht meinen sollte, man sei besser als jemand anderes. Sprich: CEO oder Putzfrau, scheissegal. Und auch dieser Grundsatz wird von einigen kritisch hinterfragt. von den 10 geboten habe ich jedenfalls noch nie gehört und ich kenne keinen einzigen Dänen der an sowas glauben würde.
oh, fast hätt ichs vergessen, @die federn, offenbar hast du auch den dänischen Humor überhaupt nicht verstanden! Sehr schade, denn im Gegensatz zu uns Schweizern können die Dänen auch sehr gut über sich selbst lachen.
@Kathrina… Liebe Kathrina, reg Dich nicht auf, aber bitte unterstelle mir auch nicht Dinge, über die Du nicht Bescheid weisst: “@Die Federn: Wer sich keine mühe gibt, die Dänen kennenzulernen und kein Interesse zeigt, sie zu verstehen (…)” Mit freundlichen Grüssen / med venlige hilsner – DIE FEDERN
@allgemein… Mein erster Beitrag hier ist nicht eine Predigt über “richtig oder falsch”, im Grunde auch kein Startschuss zu einer Diskussion (ich weiss, ich weiss, die Rubrik hier heisst DISKUSSION…! Aber ich war von “Die Dänen und die Andern” so entzückt, dass ich sogleich reagieren musste!), – mein Text ist meine Antwort auf Guido Mingels’ Reportage.
Der Bericht ist meiner Ansicht nach ein wenig irreführend im Bezug auf “Misch-Ehen”.
Soweit ich unterrichtet bin gelten diese Gesetzt nicht nur für Dänische Staatsbürger sondern für alle in Dänemark lebenden Personen, also auch für solche welche keinen Dänischen Pass haben, sonst würde dieses Gesetz ja absolut nutzlos sein.
Meines Erachtens könnte sich die Schweiz, speziell was die Altersbegrenzung angeht, ein paar Scheiben abschneiden.
Ein adäquateres Mittel gegen arrangierte Ehen oder Zwangsehen kann es eigentlich gar nicht geben.
Wie die Dänen nicht-Dänen draussen halten?
Indem sie die die Mitglieder der Freikorps zu Polizisten gemacht haben. Alles Faschos dort.
Ein hervorragender Bericht der auf viel Insider-Wissen schliessen lässt.
Er deckt sich leider 100% mit den Erfahrungen welche eine Schweizer Kollegin laufend aus Dänemark berichtet. Darunter Geschichten die ich ehrlich gesagt manchmal kaum glauben konnte.
In Dänemark genügt offenbar für eine Ausgrenzung schon mit dunklem Schopf und braunen Augen, statt blauäugig in Einheits-Blond herumzulaufen. Die 10 Gebote führen dazu dass man tunlichst jeglichen Ehrgeiz vermeiden sollte und seinen Arbeitseifer unbedingt dem Durchnitts-Niveau der anderen Mitarbeiter anpassen muss. Sonst sehen nämlich die lieben Arbeitskollegen sofort ihren hygge Lifestyle in Gefahr und beginnen dich zu mobben.
Die unmögliche Art der Konfliktbewältigung wie sie im Film “Festen” gezeigt wurde (totale Verdrängung durch ignorieren selbst von offensichtlichsten Problemen) scheint übrigens in DK tatsächlich an der Tagesordnung zu sein! Kritik zu äussern ist hingegen eine Todsünde…
@die federn:
gehen sie doch zurück in die schweiz, schlürfen ihre flädli suppe und freuen sich, dass sie so überlegen sind. sie teilen anscheinend das svp-denken, dass man überlegen ist und anderen das angebliche überlegenheit oder arroganz gerne unterstellt (bspw. den deutschen).
ich kann mir gut vorstellen, dass sie selten über sich oder sonstwas lachen und sich und ihre flädli suppe mit ihrem ausgereiften intellekt sehr ernst nehmen. machen sie das doch in am besten hierzulande. ich übernehme gerne ihre wohnung und verabschiede mich aus dem nationalen bauernstaat.
der bericht ist nicht so schlecht, denke ich. war mal zwei wochen ferien-halber in jütland unterwegs und kann die gewisse distanziertheit bestätigen.. auch das nicht gerne englisch gesprochen wird. man muss dann in punkto distanziertheit einfach ein bisschen mehr aufwand betreiben und sie etwas “abholen”.. dann geht’s schon. man muss sich ja trotzdem nicht anbiedern, oder. ein gesundes mittelmass einfach. übrigens die idee mit dem migrationsvertrag finde ich äusserst prüfenswert. ich bin ein recht toleranter zeitgenosse, bin aber der überzeugung, dass egal wer, wie oder wo in einem andern land leben will (und sei es nur für ferien) sich anpassen muss und integration läuft einfach hauptsächlich über die sprache.. das ist einfach so und schleckt keine geiss weg.
@pfandkarton: ich find’s erstaunlich wie oft in online-kommentaren “gehen Sie doch” auftaucht – momentan gerade im zusammenhang mit dem minarettverbot, da dürfen die diejenigen, denen es nicht passt, “doch auch gehen”. hab’s vielleicht selber auch schon geschrieben, aber irgendwie ist’s ein bisschen flädli-suppig und und dem friedlichen zusammenleben nicht sonderlich dienlich.
den artikel finde ich gut; bin gespannt wie sich die migrationsdebatte europaweit entwickeln wird.
Hey, Leute, nichts gegen Flädlisuppe! Flädlisuppe ist hier ja gerade im Begriff, Sinnbild für eine gewisse Fadheit zu werden… Tststs
@Gnosis: Es gibt einen entschiedenen Unterschied, ob man jemandem sagt, er sei nichts besseres, oder ob man jemandem Sagt, er sei dumm. Von dumm steht garantiert nichts im dänischen Gesellschaftsvertrag, also bitte genau lesen!
Die Sache mit dem Migrationsvertrag finde ich eine ausgezeichnete Idee. Es wird ja teilweise in Basel-Stadt mit dem “Fördern und Fordern”-Prinzip bereits in ähnlicher Weise umgesetzt. Die Basler haben in der Schweiz eindeutig von allen grösseren Städten die vernünftigste und erfolgreichste Integrationspolitik.
@Pfandkarton: Nichts gegen die Bauern, die produzieren wenigstens noch etwas wirklich nützliches. Was man von vielen anderen nicht sagen kann.
Hej Hej,
I hvilket som helst land oplever man gode og därlige ting i hverdagen.Jeg kan ikke forstä at man som Guido Mingels vil provokere pä den mäde.Jeg bor her i Schweiz pä 17 àr og jeg elsker de Schweiz og jeg kunne aldrig finde pä at skrive sädan noget som ikke passer pä 99,9% af de RIGTIGE Dansker der bor i danmark.
I danmark(Skandinavien)forstär man at hygge med hinanden og hjälpe hvis du har brug for det og det gör at de er sä lykkelige.I skolen er engelsk et hovedfag og de fleste kan tale og forstä og er äben for at lave fejl sä det passer ikke.Hygge betyder ogsä at du när länger ud end du troede du kunne og det giver motivation til at göre mere for hinanden.Jeg tänker pä fodbold EM 92 hvor danmark blev EUROPAMESTER.
Kan i nu have det godt og hygge jer imellem jul og nytär 2009.
Kärlig Hilsen
Danmark64
Als Doppelbürger von CH und DK kann ich wohl am ehesten die Vor-und Nachteile abwägen, die hier von einigen aufgetischt werden. Im Gegensatz zur absolut geldgeilen CH lieben die Dänen ihr Land in einem Masse, wie es der geldversessene Schweizer nicht verstehen kann. Könnte die Schweizer Elite das Matterhorn an die Börse bringen, sie würde es glatt tun und ins Ausland verkaufen und dem Durchschnittschweizer ins Gesicht lügen, dass das schliesslich ein Vorteil für alle sei. Die Schweiz ist zu einem degenerierten seelenlosen zusammengewürfelten Haufen geworden und wo in DK noch von Heimat gesprochen wird sprechen wir hier nur von Wirtschaftsstandort. Die Schweiz im 2009 verursacht in mir einen Brechreiz. Zudem ist nicht zu unterschätzen, dass die Schweizer schlicht keinen Geschmack haben und es immerwieder eine groteske Zumutung ist, wenn man in ein CH Haus eintritt..edles Gebäude, teure Baumaterialien, horrende Mieten garniert mit einem fürchterlichen interior design,das einem der Atem stockt. Die Frauen in DK sind übrigens auch auf eine natürliche Art und Weise emanzipiert und weit entfernt von der verbitterten mitteleuropäischen Gewitterziege, die wir tagtäglich in den CH Medien und auf der Strasse antreffen. Vielleicht wäre hier ein Burkaverbot tatsächlich kontraproduktiv. DK ist auf eine erfrischende Art egalitär und die Eliten nie und nimmer so verfilzt und überheblich wir hier. Das Land hat einen gemeinsamen Nenner und wird noch auf der Landkarte verzeichnet sein, wenn die CH nur noch in Legenden besungen wird. Kurz: DK I LOVE YOU (CH I used to love you but not anymore)
As a Swiss citizen who has lived in Denmark for nine years, I have to say that I think this article is somewhat misleading, particularly the decription of the Jante Law. True enough, Danes are aware of and talk about the Jante Law, but it is certainly not understood as the individual is nothing and the state is everything. As Kathrina writes, it is an understanding that you are no better than anyone else. When a person steps out of this equality – seems arrogant or too ego-driven – Danes will tear him or her down.
That said, there is indeed an underlying racism in Denmark, which seems to be mostly motivated by a lack of cultural compassion or understanding. Denmark tries to be a melting pot by pushing immigrants into the fire and forging them into Danes…not a very effective method.
@flemming
Obwohl zuerst in Dänemark benannt, ist das Jante-Gesetz wohl eher ein allgemein psychologisches Phänomen. Es geht um Sozialisierung, Macht, um sich in bestehende Strukturen bzw Hierarchien hineinfügen zu können, um Stabilität also Vermeidung von Störungen in diesen Strukturen, um dazuzugehören wie im Artikel in anderem Zusammenhang gesagt wird. Dies hat sich wohl im laufe der Evolution als vorteilhaft erwiesen. Wenn man unbedingt nationale Unterschiede sehen möchte, könnte man sich vorstellen : je demokratischer je mehr Jante, ergo stellt man in der Schweiz mehr Jante fest als in Dänemark. Von den vielen Phänomen, die Guido Mingels in seinem Artikel von Schweizer Warte aus beschreibt, was bringt einen dazu das Land zu verlassen ? Vielleicht eher das mit der “Hygge”, die einem erschwert, heikle und damit interessante Themen in die Runde einzubringen ( cheesymogul’s Beitrag ). Dieses Phänomen ist natürlich auch nicht national begrenzt, sondern mindestens gleich viel in der Schweiz vorhanden. Obwohl widersprüchlich treffen die Beiträge von @die Federn und @Kathrina beide voll zu, nach dem Prinzip sowohl als auch. Lustig der Beitrag von “Danmark64″ : Nach 17 Jahren in der Schweiz meint man immer noch, dass man Beiträge in eine deutschsprachige Zeitung in fremdländischem Dialekt bringen kann. Wie wäre es hier mit einem Integrationsvertrag mit Etappenzielen ? ( Das war ein Beispiel, wie das Jante-Gesetz eingesetzt wird )
Na, “DieFedern” bleibt ja ziemlich allein auf weiter Flur. Der hat vermutlich nicht viel Swiss-Appeal verströmt. Dänen, aber auch fast all jene, denen Dänen nahestehen, sind ja trotz alledem positiv eingestellt;)
Zum “Federn- Beitrag” noch: kurz und bündig ist er nicht, aber doch gleich klar wie damals der Report von Lord Arran, der sich darauf beschränkte, zu schreiben, die Schweizer seien eine besonders hässliche Art des Homo Sapiens und reichlich ungewaschen stinkend noch dazu. Die britischen Touristen strömten in der darauf folgenden Saison ins unser Alpenland wie nie zuvor. Ich jedenfalls buche Dänemark für den kommenden Sommer.
Ob der F. doch vom dänischen Tourismusbüro gekauft ist?
Den Essay von Mingels finde ich grossartig. Man sollte einen Dänen beauftragen, so über uns zu schreiben. Rundum und bis ins Mark grässlich sollten wir erscheinen, aber doch irgendwie liebenswert, mindestens für Leute mit minimaler Empathie. Wir könnten gerade jetzt Support gebrauchen. Und Touristen auch.
[...] Nächste Woche beginnt unmittelbar in meiner Nachbarschaft im Kongresszentrum “Bella Center” der Weltklimagipfel. Viele verschiedene Pavillons wurden gebaut und das ganze Gelände mit Betonpfosten und 2 Meter hochen Zäunen abgeriegelt. Wir sind uns ja schon so einiges vom Olympischen Kongress von Anfangs Oktober gewöhnt. Aber diesmal wird alles noch grösser. Mehr als 11′000 Polizisten werden rund um den Kongress im Einsatz sein und Strassen sind gesperrt. Bin ja schön gespannt, wie es wird Im Vorfeld zum Kopenhagener Klimagipfel hat sich die Zeitschrift “Das Magazin” letzte Woche in einem grossen Artikel zum Land Dänemark befasst und ich muss sagen, ich konnte einige Male dem Autor nur zustimmen. Er hat das dänische Leben sehr gut zusammengefasst! Der Artikel ist also sehr lesenswert: http://dasmagazin.ch/index.php/die-danen-und-die-andern [...]
Ich war schon öfters in Kopenhagen zu Besuch und mir wurde durch den Artikel jetzt wirklich Einiges im Nachhinein so richtig klar. JANTE. Danke.
Aufgrund meines schwedischen Erbguts falle ich dort nicht auf und mit englisch ist man voll dabei. Die Dänen erschienen mir auch immer sehr liberal. Freistaat Christiania, kiffen, friedlicher 24-7-Bierkonsum, attraktive und doch sehr umgängliche Frauen usw. Kopenhagen war einfach Amsterdam in hyggelig. Bis ich meine Haare mal einen Sommer lang feuerrot gefärbt und einen krassen Flat Top geschnitten hatte.
Leute, als ich dann, frisch angekommen, das erste Mal als Firestarter in die Stadt ging, starrten mich alle Augen im Umkreis von etwa 100m an! ALLE, ALLE, ALLE! Ohne Scheiss! Vor mir, neben mir, hinter mir. A-L-L-E! So lief das eine ganze Woche und nachts war es nicht mal dunkel genug, um mich vor diesem permanenten “Strafstarren” zu schützen. Und jetzt weiss ich endlich warum! JANTE!
Ehrlich, das war eines der absolut schrägsten Erlebnisse in meinem Leben. Das Längste sowieso.
Trotzdem sind die Dänen in vielem um Einiges liberaler als sonst wo. Allerdings nur so lange man sich an JANTE hält. Falls nicht werden sie zu wahren Taliban.
Heute lache ich drüber und ich hatte mit meinen blonden Haaren tolle Erlebnisse dort. Andererseits kann ich auch mitempfinden, wie sich Fremde hier manchmal fühlen, wenn sie ganz offen ausgegrenzt werden. Aber: When in Rome, do as the Romans do. Damit meine ich natürlich nicht die Haarfarbe.
Aber wer sonst bereit ist, sich anzupassen, dem wird auch entgegengekommen. Das erlebe ich als Deutscher in der Schweiz seit Jahren allen Pressekampagnen zum Trotz. Sogar im Schweizer Militär ist man anständig zu mir. Und wer sich mal richtig fremd fühlen will, der lasse sich einen feuerroten Flat Top schneiden und fliege nach Kopenhagen.
P.S.: Däninnen gehören zu den schönsten Frauen der Welt, vor allem aber auch von innen. Denn sie sind wunderbar entspannt und emanzipiert und selbstbewusst. Kein Wunder sind die dort alle so glücklich. Ich werde euch immer lieben!
Ich stimme im Übrigen mit Ray Winter überein: Der Artikel IST sehr treffend, aber ich verstehe ihn nicht negative. Ja, die Dänen sind nicht perfekt, ja ein bisschen fremdenfeindlich, ja ein bisschen egalitär; aber trotzallem wunderbar liebenswert.
Ich bin auch überrascht, dass sich hier ausgerechnet Schweizer über die dänische Distanziertheit beklagen.. meiner Erfahrung nach sind die Schweizer da kein Deut besser.
Als in Dänemark lebende Schweizerin finde ich, die Ländern und deren Bewohner haben – neben einigen Unterschieden – auch einiges gemeinsam: ein bisschen patriotisch, bisschen misstrauisch gegenüber Fremde, ein bisschen verschlossen – aber im Grunde liebenswerte Zeitgenossen.
Ich wohne seit knapp einem Jahr in Kopenhagen. Das ist zwar noch nicht so lange, dennoch finde ich, dass der Artikel viele Dinge auf den Punkt bringt. In Dänemark gibt es wie auch in allen anderen Ländern positive wie negative Dinge. Alles in allem fühle ich mich hier aber sehr wohl. Ich habe sehr schnell Anschluss an die Dänen gefunden. Ganz im Gegenteil als ich vor ein paar Jahren für längere Zeit nach Luzern zog. Ich finde es deutlich schwieriger in der Schweiz an einem neuen Ort Anschluss zu finden, sofern man als “Auswärtige” reinkommt. (Ich darf Weihnachten zum Beispiel mit der Familie einer Freundin verbringen und das Angebot erhielt ich von mehr als einer Person. Ich frage mich, ob das in der Schweiz auch so wäre?) Die Dänen begegnen mir im Allgemeinen als sehr unkompliziert, humorvoll und offen. Sie regen sich nicht über so viele Details auf wie die Schweizer und ich empfinde die allgemeine Stimmung hier positiver. Und ja, ihre Ausländerpolitik ist sehr diskriminierend. Viele Dänen sehen das selbst auch so und ich frage mich, ob die nächsten Wahlen nicht anders ausfallen. Aber wir als SchweizerInnen sollten nach vergangenem Sonntag wohl besser den Mund nicht zu Weit aufreissen. Ich zumindest fühle mich hier auch nach kurzer Zeit schon zu Hause. Eventuell ändere ich meine Meinung ja nach einiger Zeit, aber mit der momentan Stimmung die in der Schweiz herrscht, bin ich sehr froh, hier zu sein.
[...] Nächste Woche beginnt unmittelbar in meiner Nachbarschaft im Kongresszentrum “Bella Center” der Weltklimagipfel. Viele verschiedene zusätzliche Pavillons wurden gebaut und das ganze Gelände mit Betonpfosten und 2 Meter hohen Zäunen abgeriegelt. Wir sind uns ja schon so einiges vom Olympischen Kongress von Anfangs Oktober her gewöhnt. Aber diesmal wird alles noch viel grösser. Mehr als 11′000 Polizisten werden rund um den Kongress im Einsatz sein, verschiedene Strassen sind gesperrt und sehr sehr viele Staats- und Regierungschefs, Präsidenten, Diplomaten, Forscher, Journalisten, etc. werden sich in unserer Nachbarschaft treffen. Bin ja schön gespannt, wie es wird Im Vorfeld zum Kopenhagener Klimagipfel hat sich die Zeitschrift “Das Magazin” letzte Woche in einem grossen Artikel über das Land Dänemark befasst und ich muss sagen, ich kann dem Autor nur zustimmen. Er hat das dänische Leben sehr gut zusammengefasst! Der Artikel ist also sehr lesenswert: http://dasmagazin.ch/index.php/die-danen-und-die-andern [...]
@die federn ich wollte Dir nur schnell danken. Du hast mit Deinem Kommentar genau mitten in meine Gefühle getroffen. Ich bin seit über 15 Jahren in Dänemark. Die letzten 2 geschieden! Nun kann ich voll miterleben, wie einsam das dänische “hygge” Leben machen kann. Gemeinsame Bekannte sind weg! Die Kinder in der Grossstadt am studieren und die Nachbarn kennt man nicht wirklich.
Bis ich Deine Zeilen gelesen hatte, gab ich mir die Schuld und überlegte mir gar nicht, dass es auch an der Gesellschaft liegen muss. So einsam und deprimiert kann man sich in diesem Land fühlen. Der ganze Weihnachtsrummel verstärkt den wehementen Wunsch, auszureissen und nochmal neu anzufangen. Irgendwo, wo niemand mit seinem Humor bösartige Hiebe austeilt und dann auch noch lacht, wenn man verletzt reagiert.
Manchmal hab ich das Gefühl, die Regierung nimmt mit allen Gesetzen und Vorschriften soviel Selbständigkeit von den Bewohnern Dänemarks, dass sie gar nicht mehr in der Lage sind Mitgefühl zu empfinden. Auch die Erziehung der Kinder wird Fremden überlassen, da man am Ende eines stressigen Arbeitstages nur noch “hygge” haben will.
Ich hoffe, es gelingt uns nochmal raus zu kommen
Im Gericht!
DIE FEDERN und die anderen! Die Dänen und die anderen. Die anderen und die Dänen! Die Dänen und ich!Die Dänen sind… Sie sind dies und jenes. Und was bin ich? BESSER! Scheinbar – wie man hier merken kann- sind die Dänen wirklich wichtig. Aber nicht in Ordnung. Man sollte die Dänen doch mal ganz aufs neue kneten, ganz nach eigenem Wunsch. Also, wer dient denn als Prototyp? Wer hat die schönsten FEDERN?
Meine Güte! Wenn man hier liest wird es einem wirklich schlecht. Ich bin Ausländer – bin Südamerikaner – und fühle mich total glücklich und wohl in Kopenhagen. Zitat: “Die Dänen schlafen unter einer Decke, aus pechschwarzer Nacht.” Und wie HELL ist es denn momentan in der SCHWEIZ?!?!
[...] bis dahin etwas über den Norden lesen möchte, dem sei dieser Artikel des Kollegen Guido Mingels im Schweizer „Das Magazin“ [...]
Ich komme aus Süddeutschland und lebe seit 1,5 Jahren inmitten von Dänen und arbeite auch nur mit Dänen. Ich habe sehr vieles wiedergefunden wo ich sagen muss es stimmt voll und ganz. Da ich auf dem Land lebe ist es als Fremder besonders schwer, in Kopenhagen ist es easy aber wer einmal ausserhalb der Hauptstadt wohnt und lebt erfährt Dänemark wie es wirklich ist. Ich weis man sollte nicht nur schimpfen aber wie soll man Unterschiede ausdrücken wenn es nun mal Unterschiede sind. Ich habe sehr schnell gemerkt, Kritik, egal wie deutlich oder sanft Formuliert, ist nicht erwünscht. Am liebsten alles abnicken und milde lächeln. Nicht dass Dänen nicht kritisieren aber nur hinter vorgehaltener Hand und nie direkt einer Person ins Gesicht die Wahrheit sagen. Ausländer sollten sich zurückhalten oder am besten gar nichts sagen, ich habe zu oft gehört, Du weist immer alles besser, wenn es bei Euch besser ist gehe doch zurück. Eigene Meinung, unerwünscht, man wird sehr schnell als Besserwisser abgestempelt auch wenn man es ´´nur´´ gut meint oder z.B. sagt bei uns ist das so und so….und gar keinen Vergleich ziehen will, das tun dann aber die Dänen. Als ich bei einem Meeting meiner Chefin wagte zu sagen, dass es mit der Komunikation in dem Bereich nicht gut gestellt ist und sie überhauptnicht reagiert hat, habe ich ihr 3 Beispiele genannt wo man deutlich etwas verbessern könnte. Es kam nur ein Nicken und die Zeit würde drängen. Dann hat die Chefin das Resultat der Mitarbeiterumfrage zur Zufriedenheit der Mitarbeiter vorgebracht und meine Chefin hatt 63 % Zufriedenheit erreicht bei den Mitarbeitern. Ich wollte wirklich nichts böses eher Motivieren etwas zu verbessern als ich fragte ob sie mit den 63 % zufrieden sei. Sie antwortete, ja, das könnte natürlich besser sein aber sie hätte die positive Brille auf und ich würde ja aus Deutschland kommen. Ich wusste nicht so recht ob das jetzt schon Kritik an mir war, aber als ich hinterher von meiner Dänischen Kollegin zu hören bekam, mein Gott war die Chefin böse auf Dich, habe ich gelernt, was Kritik auf Dänisch bedeutet. Im Mailverteiler der Firma sind gut 150 Leute, ich habe für mein Auto eine Garage gesucht und eine Mail, wohl gemerkt auf Dänisch, geschrieben und an alle geschickt. 0 Antworten. Auch auf das Bemühen meiner Arbeitskollegin die die Leute persönlich angesprochen hat, keine Reaktion oder immer die gleiche Notlüge, ich habe keinen Platz. Ich habe Dinge erlebt, auch auf den Ämtern und bei der Komune und im Jobcenter, 0 Hilfsbereitschaft. Einfach unfassbar wie einem nicht geholfen wird, wie man sogar ins Gesicht angelogen wir. Wie hier auch mit Ausländern umgegangen wird, ich habe oft gedacht, das sollte man mal in Deutschland machen, da wäre was los. Ich habe den Eindruck Dänen sind verschlossen, Gefühlskalt, sehr höflich aber aber genauso unverbindlich, kritiklos dem Staat gegenüber, egal was der tut, es wird schon notwendig und gut sein und beitzen eine verträumte Naivität die einen staunen und gleichzeitig Entsetzen lässt. Jede Nation hat seinen eigenen Fahrstil, die Franzosen fahren anders als die Belgier die Italiener anders als die Deutschen, aber was man an Rücksichtslosigkeit beim Überholen, Einfädeln auf die Auobahn, eingescheert wir grundsätzlich 3 Meter vor dem eigenen Fahrzeug, es wird aufgefahren dass man die Farbe der Augen des Fahrers im Rückspiegel erkennt, spottet jeder Beschreibung, vor allem wenn man sich (am Anfang noch) mit ausländischem Kennzeichen dort bewegt. In Deutschland wir viel zu agressiv gefahren, ohne Zweifel und wer Vorfahrt hat hält drauf ohne Rücksicht auf Verluste, man hat ja Recht. Es gibt für mich persönlich wenig für und viel wieder. Das Wetter ist wie für mich gemacht, die Natur, das Meer einfach traumhaft, aber ob das ausreicht um hier glücklich zu werden, kann ich noch nicht sagen. Im Moment würde ich wenn es der Arbeitsmark zulässt gehen, ich freue mich für alle die sich hier wohlfühlen und sich heimisch fühlen, ich tue es nicht. Wahrscheinlich auch weil man denkt und hofft wenn man in ein Nachbarland geht von dem man nur gutes hört, dass die Unterschiede so gross nicht sein können.