07.09.2007 von Christoph Keller , 12 Kommentare
Im Wartezimmer schauen zwei Frauen besorgt, Kinder werfen Legosteine durch die Luft, das Telefon geht pausenlos. Die Praxishilfe, geduldig, erklärt, wie eine Operation ablaufen wird, dann kommt die Sanität, schiebt eine Bahre durch die Tür der Praxis. An diesem Abend, so sieht es aus, ist Embrach, das zersiedelte Container- und Dienstleistungszentrum am Rand von Zürich, ein einziger Notfall, und alle landen sie hier, im Hochparterre eines Wohnblocks, an dem das Schild «Arzt» hängt – nacheinander eine Hüftluxation, ein entzündeter Bienenstich, eine Herzrhythmusstörung, eine Hodenquetschung.
Sie erscheint, als habe sie nicht einen Achtstundentag mitsamt Notfalldienst hinter sich. Betritt das Nebenzimmer im kurzen, weissen Kleid, der Händedruck ist fest, die Stimme ein wenig rau – Laura Armani, ausgewiesen als ärztin für Allgemeinmedizin, spezialisiert auf chinesische Medizin, und hier in der Embracher Praxis in abwartender Stellung.
Sie trägt einen Stoss Akten unter dem Arm, Zeugnisse eines langen Wegs.
Laura Armani, während 44 Jahren ihres Lebens weder richtig Mann noch richtig Frau, medizinisch ausgedrückt ein Hermaphrodit oder ein Intersex, seit zwei Jahren erst biologisch eine Frau. Noch immer spiegelt sich in ihren Zügen das Glück, dass sie endlich zu ihrem richtigen Geschlecht gefunden hat, und dann wieder gibt es einer Spur von Bitterkeit um ihre Lippen.
Nicht nötig, sie zum Erzählen aufzufordern.
Laura Armani hat Bilder mitgebracht, Fotos aus der Kindheit, sie legt sie aus auf dem Tisch, kommentiert sie rasch, präzis, wie auswendig gelernt. Bezeichnet die Abzüge als Belege für das, was sie als eine frühe Form von Zweigeschlechtlichkeit verstanden haben möchte – das Foto von einem etwas pummeligen, langhaarigen Knaben, ein ernster Junge im Schoss der Familie, links und rechts die zwei Brüder und eine der beiden Schwestern. Das Foto einer Bergwanderung, der Vater selbstsicher lächelnd, die Mutter im Hintergrund. Einige Fotos aus der Adoleszenz, der Junge noch immer rundlich, und Laura Armani macht mich auf die Ansätze einer weiblichen Brust aufmerksam. Fotos von später, nach der Heirat mit Claudia, der Junge jetzt schlank, mager fast, umso schärfer treten die weiblichen Züge hervor. Fotos mit dem jungen Mann im Kreis von Kollegen, aber man möchte meinen, da sitzt eine Frau unter all den Männern, augenfällig schön. Familienfotos dann, aber er steht nicht da wie der Vater, man erkennt runde Hüften, einen deutlichen Brustansatz unter der offenen Bluse, eine Familie mit zwei Müttern, möchte man meinen. Fotos von der Zeit danach, als sie sich Laura Armani nannte, Fotos, die ihre allmähliche Wandlung zur Frau dokumentieren, die Gesichtszüge, noch scharf zuerst, werden weicher, die Haare blond, mehr Schminke und mehr Schmuck.
Irgendwas dazwischen
«Was stand am Anfang, was war die Ursache?», frage ich.
Laura Armani zögert, zeigt sie dann doch – «ich muss sie zeigen, damit Sie mir glauben», sagt sie. Schiebt die beiden Bilder über den Tisch, sie zeigen sie nackt, im Zentrum ihr Geschlechtsteil vor der Operation, dieses seltsame Ding, das sie während 44 Jahren getragen hat. Ein versteckter Stummel, nicht wirklich ein Penis, aber auch keine Klitoris, etwas dazwischen, eine Art Erhöhung zwischen den Beinen, daraus schaut das sehr kurze Ding hervor, der Hodensack darunter leer.
Die mittlere Länge des Penis in der internationalen Nomenklatur variiert von Land zu Land, bewegt sich aber (gemessen in der dreissigsten Woche ab Geburt) zwischen 2,5 Zentimetern in den USA, 2,9 in Japan und für Australien 2,27.
Ein Penis unter 1,9 Zentimeter (gemessen in der dreissigsten Woche ab Geburt) wird als Mikropenis definiert, während es für die Klitoris (im Durchschnitt 19,1 Millimeter für erwachsene Frauen in England und 15,4 für Amerikanerinnen) den Begriff «Mikroklitoris» nicht gibt – auffällig wird die Klitoris erst, wenn sie «makro» ist, übergross. Irgendwo zwischen Mikropenis und übergrosser Klitoris liegen die Fälle sogenannter intersexueller Störungen, die durch hormonelle und genetische Veränderungen hervorgerufen werden. Fehlende Testosteron-Synthese, blockierte Aufnahme der 5alpha-Reduktase, doppeltes XX- und XY-Chromosom – die Möglichkeiten der «Disorders of Sex Development» sind beinahe unendlich; man nimmt an, dass ein Kind auf 1000 oder eines auf 2000 mit einem solchen «Disorder» auf die Welt kommt.
Es sind mehr, als wir meinen.
Primus Mullis, Professor für Endokrinologie und Spezialist für «Sexual Disorders» am Inselspital in Bern, sagt, es gebe Studien, die klar darauf hinwiesen, dass «die Häufigkeit sexueller Abnormitäten eher zunimmt». Das liege möglicherweise daran, dass unser Trinkwasser mit Hormonen durchsetzt ist, «man weiss es nicht. Aber die Zunahme der sogenannt intersexuellen Störungen ist klar belegt.» Umso mehr müsse man sich bemühen, betont Primus Mullis, diesem «Dazwischen», diesen vielen Möglichkeiten genitaler und sexueller Ausprägung, medizinisch und auch gesellschaftlich gerecht zu werden.
Laura Armani, in ihrem selbst verfassten, mehrseitigen Lebenslauf, gibt sich selbst die Diagnose «Pseudohermaphroditismus mit intersexualem hypotrophem äusserem Genitale, Transsexualismus, peri- und postpubertäre Gynäkomastie», so viel wie «äusserer Hermaphrodit mit unbestimmtem Genitale», kombiniert mit einer «sexuellen Orientierung zum Weiblichen hin», dazu kommt eine «vorpubertäre und nachpubertäre Brustbildung». Sie kam als Dominik zur Welt, liess sich 1995 als Dominique ins Zivilstandsregister eintragen, bevor sie zu Laura Tiziana wurde und schrieb, ich bin schon von Geburt an transsexuell mit einem schon immer femininen und grazilen Körperbau, aber mit leider einem äusseren massiv unterentwickelten und nicht funktionellen männlichen Genitale mit Leistenhoden seit der Kindheit. Und weiter, ich war scheu, ruhig und sehr langsam im Schreiben, Kopieren und Rechnen, und vom siebenten Lebensjahr an konnte ich plötzlich nicht mehr lesen, vortragen oder vor der Klasse an der Tafel Probleme erörtern, sie schrieb, seit klein auf fühle ich mich als Mädchen und spiele mit anderen Mädchen.
«Wie hat sich das geäussert, dass Sie sich als Mädchen fühlten?»
«Ich habe ständig mit Puppen gespielt, habe Autos und andere Bubenspielsachen verabscheut, und als meine jüngere Schwester auf die Welt kam – sie ist zwölf Jahre jünger –, da war ich glücklich, konnte eine Mutterrolle spielen, habe sie einmal sogar an meine Brust genommen, daran erinnere ich mich genau.»
«Und Ihre Eltern – sie haben sich nie überlegt, dass es einen Zusammenhang geben könnte mit Ihrem doch etwas speziellen Geschlechtsorgan?»
Da schweigt Laura Armani.
Dominik, der pummelige Junge, wuchs auf in einer gutbürgerlichen Familie, die Mutter Hausfrau und der Vater Physiker, zuerst Professor an der Universität Basel, dann Regierungsrat. Professor Hans Rudolf Striebel bleibt vielen in Erinnerung wegen seiner legendären Weihnachtsvorlesungen, bei denen er es im Physiksaal knallen und funkeln und dampfen liess, Hans Rudolf Striebel mit einem amüsierten, für einige fast schon diabolischen Lächeln im Gesicht. Manche denken an einen Regierungsrat, der als Mitglied der FDP die Gesamtschule in der Stadt Basel eingeführt hat, ein strammer Bürgerlicher, dem Umweltanliegen ebenso am Herz lagen wie die Atomkraft – stets war Hans Rudolf Striebel mit einem schwarzen englischen Fahrrad unterwegs gewesen. Doch den meisten ist Striebel in Erinnerung, weil er an jenem Morgen des 1. November 1986, als die Lagerhalle der Sandoz in Schweizerhalle gebrannt hatte, als der Rhein noch immer rot durch die Stadt floss und sich die giftige Wolke über der Stadt gerade erst verzogen hatte – weil an jenem Morgen Regierungsrat Hans Rudolf Striebel den Befehl ausgab, die Kinder sollten zur Schule gehen, ganz normal.
Auch die Familie nach aussen ganz normal.
Aber Laura Armani notierte: Meine Eltern sagen mir immer wieder, dass ich keinem meiner Geschwister gleiche, dass ich vom Teufelskarren gefallen bin. Man schickt den Jungen ins Judo, man schickt ihn zum Eishockeytraining, meine Eltern tadeln mich immer wieder und sagen: «Du bist doch kein Mädchen.» Dominik, geplagt von der Angst, dass jemand sich wieder lustig macht wegen der Brüste, die ihm während der Pubertät wachsen, ich denke jedoch, wie schön wäre es doch, wenn ich einen BH oder ein Bikini tragen könnte, entwickelte mit etwa 14 Jahren eine Essstörung, auch von meiner Mutter kann ich keine Hilfe erwarten. Er zog sich auf dem Klo um, wenn er mit Freundinnen in die Disco ging, ich habe mich in der Toilette der Diskothek regelmässig geschminkt. Dominik führte schon als Jugendlicher ein aufreibendes Doppelleben, dennoch schaffte er das Gymnasium, entschloss sich, Medizin zu studieren.
Physiologie, Anatomie, Genetik – als wollte er etwas auf den Grund gehen. Doch auf den Gedanken, den Laura Armani jetzt äussert am Tisch in der Praxis, war er damals noch nicht gekommen: «Ich weiss nicht… Ich frage mich, ob meine seltsamen Geschlechtsorgane etwas zu tun haben könnten mit der Arbeit meines Vaters. Denn ich erinnere mich, dass er uns Kindern voller Begeisterung den Atomreaktor im Keller des Instituts für Physik an der Uni Basel zeigte – könnte es sein, frage ich mich heute, dass es bei ihm zu einer Verstrahlung gekommen ist, zu einer Schädigung des Erbguts?»
«Gibt es in der Familie…»
«Ja, eben, weil meine Mutter erlitt zwei Totgeburten, bevor ich zur Welt kam, 1959 und 1960.»
Der Atomreaktor am Physikalischen Institut war seit 1959 in Betrieb und ist es noch immer, ein Versuchsreaktor in einem ehemaligen Kohlekeller. Hans Rudolf Striebel habe gern und oft damit gearbeitet, ist am Institut zu erfahren, zu einer Zeit, als die Sicherheitsmassnahmen «noch nicht so streng waren wie heute».
Wohin gehöre ich?
Dominik ging seinen Weg als Mann, überstand die militärische Musterung. Ich habe nie in meinem Leben stehenderweise Wasser gelöst wie ein Mann. Unvorstellbar, und ein schönes Problem im Militär, aber er hielt die Rekrutenschule durch, wurde zur Sanität eingeteilt und erreichte den Grad des Oberleutnants. Mit 23 Jahren heiratete er, liess sich zur Hochzeit, sehr zur Freude seines Vaters, einen Flaum über den Lippen wachsen. Ein schnauzbärtiger Sohn und eine nette Schwiegertochter, alles ganz normal, aber meine heutige Ex-Frau Claudia, die immer meine Transsexualität anerkannte und akzeptierte, sie war voll orientiert hinsichtlich meiner weiblichen Sexauslebung und natürlich meines weiblichen Charakters, femininen Lebensstils, und in der Tat liebten wir uns wie zwei lesbische Frauen.
Nach aussen mimte Dominik Striebel den tüchtigen Mann, zuerst als Assistenzarzt, dann als Arzt mit eigener Praxis im Tessin. Die Praxis florierte, eine Villa wurde gebaut, in Vernate, an bester Lage, und der junge Arzt mit seinem angenehmen Auftreten war beliebt, während ich zu Hause seit eh weibliche Kleidung trug. Sie kamen daher als ein Paar, das sein Glück nicht zu spielen brauchte, sie schafften es, zwei Kinder zu zeugen, die einzige Lösung waren artifizielle Hilfsmittel, und die Familie im weit entfernten Basel war zufrieden. Keiner wunderte sich, warum der erfolgreiche Arzt, der sich zwischenzeitlich Dominique nannte, nie in Badehosen zu sehen war und nie in engen T-Shirts, niemand wunderte sich über das ausgeprägt weibliche Aussehen von Dominique, schon mit 22 Jahren hatte ich begonnen, weibliche Hormone einzunehmen.
Eine prekäre, brüchige Normalität.
Mag sein, dass sie sich gehalten hätte, wenn bei Dominique nicht diese Frage immer drängender geworden wäre: welchem Geschlecht sie nun wirklich angehört.
Ob Menschen mit zweideutigem Geschlecht auch wirklich ein «wahres Geschlecht» haben, diese Frage stellt Michel Foucault in seinem Buch «über Hermaphrodismus» und betont, die Gesellschaften des Abendlandes hätten sie stets bejaht, «mit einer Beharrlichkeit, die an Starrsinn grenzt».
Allerdings, bemerkt der Philosoph, hätten Hermaphroditen, also Menschen, «in denen die beiden Geschlechter zu variablen Anteilen nebeneinander lagen», im Mittelalter gemäss dem kirchlichen und dem zivilen Recht die Möglichkeit gehabt, sich im Erwachsenenalter frei für das Mannsein oder das Frausein zu entscheiden, je nachdem, welche Seite «die grösste Hitze» hatte. Erst mit dem Aufkommen der modernen Medizin im 18. Jahrhundert, verbunden mit den administrativen Zwängen des Verwaltungsstaates, sei man dazu übergegangen, schreibt Foucault, «die freie Entscheidung der zweifelhaften Individuen zu beschränken. Fortan jedem ein Geschlecht, und nur ein einziges.»
Was dieser Zwang für ein Individuum bedeutete, dokumentierte Michel Foucault am Fall der Herculine Barbin, eines Mädchens, das 1838 mit übergrosser Klitoris auf die Welt gekommen war – eine schwierige, leidvolle Jugend im unbestimmten Geschlecht, gerade noch lebbar, weil Herculine Barbin im Schutz klösterlicher Mauern eine lesbische Beziehung leben konnte. Ein Arzt aber sah sich ihr Geschlechtsorgan an und diagnostizierte, Herculine sei in Wahrheit ein Mann. Sie verzweifelte, ein Gericht gab ihr den Namen Camille, sie wurde gezwungen, als Mann zu leben, sie fand sich nicht zurecht. Im Alter von 30 Jahren nahm sich Herculine Barbin das Leben.
Später, mit dem Aufkommen der plastischen Chirurgie nach 1945, wurde die Geschlechtsbestimmung routinemässig operativ gelöst. Aus einem «unbestimmten» Geschlecht machte man zu 90 Prozent ein Mädchen, und zwar möglichst bald nach der Geburt; und man riet den Eltern, das Kind ganz «normal» grosszuziehen, das Vorgekommene zu verschweigen, trotz oft notwendigen Nachoperationen, trotz hormonellen Behandlungen.
Die Folgen für die meisten Betroffenen aber waren und sind verheerend, vor allem in der Pubertät, wenn die «Abnormalität» des eigenen Geschlechts zuerst spürbar und dann (je nachdem, welche Form von «Sexual Disorder» vorliegt) offenkundig wird; mittlerweile gibt es unzählige Zeugnisse zerworfener Biografien, an den Tag gebracht von Selbsthilfeorganisationen. Sie kämpfen dafür, so etwa der Aufruf auf www.intersex.ch, «dass in Zukunft Genitalverstümmelungen an Intersexuellen aufhören» und dass «Eltern und Patienten selber entscheiden können».
Noch ist man von der Anerkennung eines «dritten Geschlechts» weit entfernt. Aber immerhin, sagt der Endokrinologe Primus Mullis, «wächst unter den ärzten die Bereitschaft, ein unbestimmtes Geschlecht auch einmal sein zu lassen, wenn es sich medizinisch vertreten lässt». Man will die möglichst rasche plastische Herstellung eines Penis oder einer Vagina «nicht mehr als das selig machende Mittel verstehen», sondern den Betroffenen das Recht zur Wahl überlassen, später, in der Adoleszenz.
Das Horrorszenario
Dominique Striebel, mit ihrem unbestimmten Geschlechtsorgan, mein abnormales und unpassendes Geschlechtsteil stösst mich ab, in einer scheinbaren Normalität als Junge und Mann aufgewachsen, später gefangen in einem doppelten Leben zwischen Mann und Frau, sah den Augenblick gekommen, sich zu entscheiden – er plante im Herbst 2004 sein Comingout.
Eine Krise stand am Anfang, ein Zusammenbruch, ein generalisiertes Ekzem am ganzen Körper, zuerst interpretiert als Lupus ermythematodes, schliesslich die Diagnose einer Faktor-VII-bedingten Thrombophilie mit multiplen Thrombosen, das hatte zur Folge, dass ich nicht mehr mit Arbeit und Sport meine transsexuellen Leiden und das ewige ermüdende Doppelspiel Frau/Mann kompensieren konnte. Es musste etwas geschehen – schwierig für Claudia, seine Frau. Sie reagierte mit Unverständnis. Vermutlich, sagt Laura Armani rückblickend, «weil durch meine Geschlechtsumwandlung für alle offensichtlich geworden wäre, was für eine Beziehung wir schon lange lebten», sie lehnte auch meinen Vorschlag ab, mich nach aussen weiterhin als Mann zu verkleiden, und so begann ein Horrorszenario für mich.
Dominique, nunmehr Laura Tiziana Armani, versammelte im Dezember 2004 ihre Geschwister in Basel, setzte sie über die geplante Operation in Kenntnis. Sie sahen mich als Frau gekleidet und geschminkt, machten ihre abschätzigen und diskriminierenden Bemerkungen mir gegenüber, und als Laura Armani ihren Geschwistern sagte, dass sie auch gewillt war, sich mit dem spannungsvollen Verhältnis zu ihrem Vater auseinanderzusetzen, da wollten meine Geschwister sofort das Thema wechseln.
Die Kunde, dass sein Sohn einen Auftritt in Frauenkleidern gehabt hatte, dass er sich nun Laura nannte, dass er Dinge aus seiner Jugend erzählte, das alles erfuhr Hans Rudolf Striebel unmittelbar nach diesem Treffen. Er setzte sich mit der Schwiegertochter in Verbindung, hörte auch von dort Beunruhigendes – Dominique, der für ihn weiterhin Dominik hiess, den er nie mit Laura würde ansprechen können, er sei verwirrt, es gehe ihm gesundheitlich schlecht, und er erwäge in der Tat eine operative Geschlechtsanpassung.
Der Vater, entsetzt, nahm umgehend mit dem «lieben Dominik» Kontakt auf und ermahnte ihn, den aus seiner Sicht «radikalen Bruch» in seinem Leben nochmals zu überdenken, bevor er etwas Unwiderrufliches unternehme. Dass «Dominik», immerhin bald Mitte vierzig, sich die Einmischung der Eltern in seine persönlichen Angelegenheiten verbat – das empörte den Vater abermals.
Hans Rudolf Striebel erfuhr von Schwiegertochter Claudia, dass sich «die Verwirrung» nicht gelegt habe, dass es weitergehe mit «Wahnvorstellungen». Claudia, ihrerseits verstrickt in Streitigkeiten mit demjenigen, der einst als ihr Ehemann gegolten hatte, erzählte am Telefon, Dominique habe einen Waffenschein beantragt, sie wisse nicht, ob er bereits eine Waffe besitze, und irgendwann einmal fiel das Wort «Todesangst».
Laura Armani allerdings hatte sich bereits freiwillig in ärztliche Behandlung begeben, in die Klinik Santa Croce in Orselina – «zu sehr», erzählt sie am Tisch im Nebenzimmer der Praxis in Embrach, «zu sehr haben mich das Comingout und die Auseinandersetzungen mit meiner Frau mitgenommen. Ich konnte nur noch reduziert arbeiten, musste mich extrem schonen.» Drei Monate wollte sie sich Zeit nehmen, sie wusste, dass sie die bevorstehende Operation nur überstehen würde, wenn sie bei Kräften war; sie blieb in Orselina, zuerst stationär, dann ambulant, begann nach und nach wieder zu arbeiten, zur Freude ihrer Patienten, die zu ihr hielten.
Sie ahnte nicht, was der Vater zwischenzeitlich unternahm.
Am 28. Januar 2005 wandte sich Hans Rudolf Striebel in Sachen «Psychiatriefall Dominik Striebel» an den Chefarzt der psychiatrischen Sozialdienste des Kantons Tessin, Jaime Hernan, und warf diesem vor, er habe sich bei seiner Anamnese «fast ausschliesslich» auf die Aussagen seines Patienten gestützt. Diese aber seien «irreführend, da D. S. wegen seiner Erkrankung offensichtlich völlig verwirrt ist», umso mehr, als «D. S. gern und gekonnt Theater spielt». Er selber sei «nach sorgfältigen Recherchen» zum Schluss gekommen, dass sein Sohn Dominik «unter einem schweren Borderline-Syndrom leidet», und er bat, «die Suizidabsichten von Dominik Striebel ernst zu nehmen».
Man liess den Vater zunächst abblitzen.
So nicht, mein Sohn
Aber Hans Rudolf Striebel liess nicht davon ab, seine Warnung vor den Suizidabsichten seines Sohnes Dominik immer wieder bei immer neuen psychiatrischen Diensten im Kanton Tessin vorzubringen, gekoppelt mit seiner selbst gefundenen Diagnose eines «schweren Borderline-Syndroms». Zunächst deutete er an, weitere Massnahmen ergreifen zu wollen; aber in einem Schreiben an den Servizio di psichiatria e di psicologia medica vom 28. Februar 2005 schrieb er, «die Symptome von Dominiks Erkrankung haben sich derart verschärft, dass ich mich frage, ob nicht ein Fürsorgerischer Freiheitsentzug (FFE) angezeigt wäre». Der sei angezeigt, weil Dominik «schnell und rücksichtslos» Auto fahre («Eigengefährdung und Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer!»), weil er zu Hause «unangemessene Zornesausbrüche» gehabt habe («Gefährdung seiner Frau und seiner Kinder!»), weil er «drohte, dass er trotz Aberkennung des Waffenscheins sich eine Faustfeuerwaffe besorgen würde» («Bedrohung seiner selbst, seiner Familie und anderer seiner Bezugspersonen»). Der Vater wiederholte seinen Antrag auf Fürsorgerischen Freiheitsentzug auch gegenüber der Klinikleiterin der Clinica Santa Croce, er beharrte darauf, die «hinterhältige Unwahrheit, dass Dominik eine schwere Jugend erlebt hätte», dürfe niemandem erzählt werden, und man müsse nun «seinen wahnwitzigen Fantasien Grenzen setzen».
Hans Rudolf Striebel, unermüdlich, wandte sich schliesslich direkt an den Tessiner Kantonsarzt, Ignazio Cassis, bat um «dringliche Behandlung» seines Antrags. Es sei Dominik sofort «fürsorgerisch die Freiheit zu entziehen», denn Dominik habe sich vermutlich «eine Schusswaffe gekauft». Am 12. April 2005 war der Vater am Ziel.
Alles ging sehr schnell.
Laura Armani, die am Abend von der Arbeit in die Clinica Santa Croce zurückgekehrt war, wurde mit der Verfügung auf Fürsorgerischen Freiheitsentzug konfrontiert, worin zu lesen war, beim Patienten lägen Anzeichen einer «aktiven suizidalen Gefährdung vor». Man brachte sie in eine andere Klinik, daraufhin wurde ich an Armen und Beinen gefesselt wie eine Delinquentin und mit der Ambulanz in die Clinica Viarnetto nach Pregassona gebracht, und gleichentags entzog ihr Ignazio Cassis, der Kantonsarzt, die Bewilligung zur Führung einer Arztpraxis.
Das Haus der Familie Striebel liegt an einer ruhigen Seitenstrasse im Basler Gellertquartier, gepflegte Fassaden, geschnittene Hecken, die Trottoirs sauber gewischt und die Namensschilder poliert.
Hans Rudolf Striebel und seine Frau Susi empfangen mich freundlich, sie sind erfreut, «dass sich endlich einmal ein Journalist Zeit nimmt, um sich unsere Version der Geschichte anzuhören». Man bittet zum Esszimmertisch, rundherum sauber aufgeräumte Vitrinen, Nippes, ein paar Bücher.
«Wo denken Sie hin»
Auf dem Tisch ein Fotoalbum – Dominik als kleiner Junge, ein «Siiidebolle» sei er gewesen, sagt der Vater, der gegen die 80 geht, «ein Schlingel» aber auch, jedenfalls ein «richtiger Junge». Fotos von gemeinsamen Bergtouren, Dominik beim Fussballspiel, später Dominik mit Motorrad und Schnurrbart. «Ein richtiger Bub», wiederholt der Vater, «keine Spur von femininen Zügen, und auch keine eines unterentwickelten Geschlechtsteils, wo denken Sie hin.» Nichts von Mädchenkleidern, ganz im Gegenteil, er habe sich eine Autorennbahn gewünscht, habe gegen den Rat der Eltern Eishockey gespielt.
Ein «ganz normaler Bub», sagt auch die Mutter, allerdings, wendet jetzt der Vater ein, auch «deutlich ein Narziss. Er konnte sich stundenlang im Badezimmer einschliessen», und es sei ihm aufgefallen, dass sich Dominik die Haare rasiert habe, immer wieder. Aber keine Anzeichen einer femininen Veranlagung sonst, sagt der Vater, «vielmehr ist aus meiner Sicht der behauptete Transsexualismus nichts anderes als der Ausdruck seines übersteigerten, seit Kurzem krankhaften Narzissmus». Seine Diagnose sei ganz eindeutig «maligner Borderline», denn sein Sohn sei bis vor Kurzem noch ganz normal gewesen, «vollkommen normal» – man habe sich noch im Herbst 2004 zu einem Familientreffen im Lötschental getroffen, da sei Dominik freundlich gewesen und zutraulich und habe ihn, den Vater, auch liebevoll geküsst.
Keine Rede von Spannungen, keine Rede von einer «femininen Veranlagung».
Berufliche Probleme, ein Streit mit dem Krankenkassenverband, ein schwerer Wasserschaden in seiner Villa, dann der Tablettenabusus, exzessives Suchtverhalten – das vielmehr seien die Gründe gewesen für den «Kollaps». Und was hätte er anderes tun sollen, als Vater, wenn «nach Dominiks zwei Suizidversuchen» die akute Gefahr bestanden habe, dass er «seine heimlich gekauften Waffen gewalttätig einsetzen würde», gegen sich selber, gegen seine Familie? Tatsächlich habe die Staatsanwaltschaft eine Hausdurchsuchung angeordnet, und dabei seien zwei Pistolen, eine SIG und eine Hämmerli, gefunden worden.
Lange erzählen die Striebels, was sie alles getan hätten für Dominik.
Dass sie ihm das Studium finanzierten, dass der Vater als Professor sogar einmal seine Examina habe ausfallen lassen, um Dominik bei der Vorbereitung zum Propädeutikum zu helfen («mit erheblichen Lohneinbussen», betont der Vater), dass man Dominik den Einkauf in eine Wohngenossenschaft finanziert habe und später die Einrichtung seiner Praxis in Caslano, und nun habe sich dieser Sohn schlagartig von all seinen Angehörigen abgewendet, «ein maligner Borderline», sie wiederholen es immer wieder.
Laura Armani, in der Praxis in Embrach, schüttelt den Kopf.
Sie hält an ihrer Version fest, an der Version, die sie mehrfach erzählt hat, auch in unzähligen Berichten in der Tessiner Presse. Denn dort wurde über die Geschichte des Dottore, der nach der Operation zur Dottoressa wurde, regelmässig berichtet, ohne jede Häme, und der Entzug der Praxisbewilligung blieb wochenlang ein Thema. Laura Armani nutzte die Aufmerksamkeit der Medien, zeigte sich nach ihrer Operation im Frühjahr 2006 erholt und zuversichtlich, und die Fotografen überboten sich mit vorteilhaften Bildern der attraktiven «Medico trans». Sie nahm in einem Selbstzeugnis öffentlich Stellung zum Vorgefallenen und erklärte, der «Transsexualismus» sei eine «für die Betroffenen schmerzhafte Variation der Natur», aber mit Sicherheit «kein Delikt»; sie wünsche nichts weiter, schrieb Laura Armani, als wieder arbeiten zu können in ihrem Beruf als ärztin.
Die Eltern reagierten am 1. März 2006 mit einem ausführlichen Leserbrief, in dem sie «den Arzt Laura Armani (offiziell Dominique Striebel)» jetzt auch öffentlich beschuldigten, er leide unter «einer malignen Persönlichkeitsstörung» und er habe «damit teilweise den Realitätssinn verloren». Die Striebels betonten ausdrücklich, «Dominique hat mit seinen Brüdern und Schwestern eine glückliche Kindheit erlebt». Mit ihrem Leserbrief machten die Eltern das Zerwürfnis in der Familie öffentlich, mit schwerwiegenden Folgen für die Betroffene: Wie hätte Kantonsarzt Ignazio Cassis einer Person, die von den eigenen Eltern in aller öffentlichkeit als psychotisch dargestellt wurde, die Praxisbewilligung wieder erteilen sollen?
Durchziehen, nicht wahr?
Laura Armani wehrte sich auf ihre Art. Sie kandidierte diesen Frühling für einen Sitz im Tessiner Kantonsrat, auf der linksalternativen Liste Ticino pulito. Die «Dottoressa trans», die längere Zeit zuvor schon im Gemeinderat von Vernate gesessen war, sagte in ihren Stellungnahmen, sie wolle insbesondere gegen die «grassierende Behördenwillkür» ankämpfen, und mit dieser Botschaft gewann sie zwar keinen Sitz, aber doch die Sympathien vieler. Sie wurde dank der Kandidatur auch zum Thema im «Blick», in «Le Matin» und in der Fernsehsendung «Quer», sie wurde porträtiert in der «Basler Zeitung», und jeder Bericht zog eine Beschwerde von Hans Rudolf Striebel nach sich. Vor dem Presserat erhebt er den Vorwurf, die Berichte hätten seinem «schwer kranken Sohn» einen «Bärendienst erwiesen, indem sie ihn noch tiefer in seine absurde Welt getrieben und eine Rückkehr auf den Boden der Realität sehr erschwert haben».
Laura Armani, hinter Stapeln von Akten, gibt zu verstehen, dass sie nicht aufgibt.
«Irgendwie muss ich das durchziehen, um einen Strich zu ziehen in meinem Leben, nicht wahr? Was soll ich sagen – ich denke in Etappen, in schmerzlichen Etappen, alles Schritt für Schritt. Da ist die Scheidung, die sich in die Länge zieht, da ist das anstehende Problem mit der Praxisbewilligung im Kanton Tessin.»
Sie wünscht sich eine andere Normalität. Wieder kandidiert sie für ein politisches Amt, diesmal auf der Liste der Humanistischen Partei für den Nationalrat. Der Kanton Zürich hat ihr die Bewilligung zur Ausübung der ärztlichen Tätigkeit erteilt, noch arbeitet sie in der Praxis in Embrach im Angestelltenverhältnis, zur Zufriedenheit ihres Kollegen und ihrer Patienten. Die FMH, die Vereinigung der Schweizer ärzte, setzt sich zu ihren Gunsten ein, versucht Druck zu machen, damit sie ihre Praxisbewilligung im Tessin wieder erhält.
Aber noch mahlen die Mühlen der Gutachter – Laura Armani musste sich von zwei mailändischen Psychiatern begutachten lassen; und sie war gezwungen, sich gegen deren abschätzige Beurteilung mit einem Gegengutachten zur Wehr setzen. Die Psychiater hätten der Explorandin gegenüber eine «ideologisch-christliche und keine psychiatrisch-diagnostische Position vertreten», urteilte Gottfried Waser, Psychiater und Universitätsdozent in Basel, und er betonte, das Verfahren erinnere ihn an eine «mittelalterliche Hexenjagd, durchmischt mit Rechthaberei von Fachleuten und Behörden».
Patrizia, die Lebenspartnerin von Laura Armani, hat sich zu uns gesellt – eine starke, entschlossene Frau, die ihrer Freundin zur Seite steht, seit sie sich im Frühjahr 2004 kennengelernt haben. Sie macht deutlich, dass ruhigere Zeiten noch nicht angesagt sind. Laura Armani und ihr Vater haben sich vor Basler Gerichten gegenseitig wegen Verleumdung angeklagt, mit ständig ergänzten Klagebegehren, mit immer neuen Vorwürfen.
Der Fall ist vor dem Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt hängig, die öffentlichkeit ist von den Verhandlungen ausgeschlossen.

Bild: Rita Palanikumar

Bild: Rita Palanikumar
Der Text hat mich sehr beeindruckt.Ich frage mich allerdings, ob mit der unverschlüsselten Namensnennung nicht eine Grenze der Verletzung überschritten wurde, die man doch – bei allem Verständnis für die Situation – nicht überschreiten sollte. Es besteht durchaus ein Unterschied, ob solch ein Artikel in einer Tessiner Zeitung erscheint, oder ob
er allen Abonnenten der Basler Zeitung zugestellt wird, da hier in Basel doch einige Leute die Familie kennen, über die dargestellte Familientragödie aber nicht informiert waren. Ist es veranwortbar, einen alten Mann so in die Pfanne zu hauen, auch wenn er uneinsichtig ist?
Ich finde es mutig und wichtig mit solchen Tabu Themen an die Oeffentlichkeit zu gelangen und Grenzen zu sprengen. Hatte ich doch selber wenig Kentnisse über dieses Thema und konnte mich durch den sehr persönlichen Bericht tiefer damit beschäftigen. Danke für den Mut. Dass aber der familiäre tiefgreifende Konflikt so an der Oeffentlichkeit ausgetragen werden muss finde ich tragisch. Das Unverständnis auf Seite der Eltern finde ich schockierend – alles Gute Laura!
Der Physiker, Professor, Regierungsrat und selbsternannte Psychiater hätte dringend vorher und vor allem vertieft das äusserts komplexe Thema des schweren Borderline-Syndroms studieren sollen, bevor er dermassen leichtfertig seine unqualifizierte Diagnose stellte! Die sture und menschenverachtende Geisteshaltung dieses Menschen, hat bei mir Gänsehaut erzeugt. Ich musste den Text zweimal lesen um zu glauben was da wirklich geschehen ist. Was die von Walter Frey in Frage gestellte Verantwortbarkeit der Öffentlichmachung betrifft, bin ich der Meinung, dass dies aus Sicht von Laura offenbar der "letzte Weg" war. Es wäre sicher einiges tragischer, wenn Laura heute immer noch im "Fürsorgerischen Freiheitsentzug" stecken würde. Ich persönlich kann weder für diesen "Vater" noch für den Rest seiner Famile auch nur einen Hauch von Bedauern empfinden. Mit aufrichtiger Zuwendung, Verständnis und Toleranz seitens der ganzen Familie wäre es nie zu diesem tragischen Familienkonflikt gekommen. Zu hoffen bleibt, dass Laura einen einigermassen gangbaren Weg finden wird – ich drücke ihr die Daumen.
"Die Frau, die nie ein Mann war", von Christoph Keller, TagiMagi Nr. 36/2007
Es ist unglaublich grotesk, welche Machenschaften und anmassenden Intrigen sich Vater Striebel herausnimmt und wozu sich die tessiner Zulassungsinstanzen und offenbar einige Medien einspannen lassen!
Ein rund 45-jähriger Mensch in unbestrittener geistiger Zurechnungsfähigkeit und in einem verantwortungsvollen Beruf passt seine körperlichen "Disorder" nach jahrzehntelangen Leiden der seelischen Empfindung an. (Dass dies der Vater und die Geschwister nicht verstehen können, muss mit Bedauern akzeptiert werden, ist aber für die betroffene auch nicht mehr junge Frau zusätzlich schmerzlich.) Laura Armani begeht keinerlei Verbrechen oder Vergehen. Aber sie erlaubt sich die Beanspruchung eines heute unbestrittenen Menschenrechtes. Dass dies nicht ohne seelische Verunsicherungen vonstatten geht, ist völlig normal.
Ohne Scham wird die seit langem dauernde Volljährigkeit sträflich missachtet, und die augenblicklichen inneren Anpassungsprozesse zur schweren psychischen Erkrankung dramatisiert. Dies begründe einen FFE, was in vorauseilendem Gehorsam von den dafür scheinbar Zuständigen flugs vollzogen wurde.
In welchem Jahrhundert und mit welchem menschenrechtlichen Verständnis leben wir denn? Laura Armani hat alle persönliche und öffentliche Unterstützung nötig. Sie verdient es, ein eigenes, selbst bestimmtes Leben zu leben. Sie lebt mit ihrer körperlichen Besonderheit. Ihr Umgang damit kann keinen Vorwand für eine faktische Entmündigung begründen. Dem betagten Vater und dem widerstrebenden Umfeld bleibt nichts anderes übrig, als dies möglichst rasch und still zu akzeptieren.
Die Kommentare und Ermutigungen für Laura zeuge ich allen Respekt, aber sind sie als Familie selber betroffen sieht man doch diese Selbstbestimmung der Sexualität des Ehemnannes, Vaters und Sohns in einem anderen Licht. Viele Facetten kommen ans Tageslicht. Den Verlust der geliebten Person, die Kinder dürfen nicht mehr Papa sagen,die Identikfikation des Sohnes mit seinem Vater, die Kinder gehen mit einer aufgetakelten alten Dame im Minirock und Stöckelschuhen durch die Stadt und müssen dieses lächerliche Schauspiel über sich ergehen lassen.Er war ein phantastischer Ehemann und Vater und nun DAS ? Als Betroffene, bleiben die Kinder und ich nur ratlos zurück. Soviel ich weiss, fühlt er (sie) sich sehr einsam.
Ein Vater, der seine Ehre und sein Ruf über alles stellt. Um sein Bild der Normalität zu wahren, zieht er es vor, seinen Sohn / Tochter für verrückt zu erklären und einzusperren (FFE). So muss er sich nicht mit der Realität auseinandersetzen und kann an seiner Meinung und seinem Weltbild festhalten. Er hat sein Leben nach seinen Vorstellungen gelebt, warum lässt er Laura nicht dasselbe tun? Hans Rudolf Striebel, deinen Ruf kannst du nicht mit ins Grab nehmen, der stirbt mit dir. Ein bisschen Verständnis jedoch, das würde in deiner Tochter weiterleben.
Es bleibt zu hoffen,dass der Herr Professor und Atomreaktor-Tüfftler bald den Löffel abgibt,damit sein Kind wieder ein Leben führen kann,das diesen Namen auch verdient.
Alles Gute Laura,es wird schon wieder.
Die Tabuisierung von Intersexualität hat das Leben von uns Betroffenen nachhaltig negativ beeinflusst. Deshalb ist jeder Bericht erfreulich, der darüber informiert und zu einer Enttabuisierung beiträgt.
Ob der Laie nach diesem Artikel den Durchblick haben wird, ist jedoch zu bezweifeln. Er wird sich wohl eher fragen: Was ist jetzt genau Interse-xualität? Muss irgendwie mit Transsexualität zu tun haben, oder?
Ich bezweifle nicht, dass Frau Armani intersexuell ist, und ziehe den Hut vor ihr als Mensch, der so etwas überlebt und gekämpft hat, aber diese Berichterstattung ist verwirrend.
Die problematische Vater-Tochter-Beziehung, der private Streit und die Grenzüberschreitungen eines alten, störrischen Patriarchen werden zu sehr breit geschlagen. Das eigentliche Thema verschwindet dahinter, es kommt zu keiner wirklichen Klärung über Intersexualität. Auch über Frau Armanis Intersexualität erfährt man nichts Konkretes. Was ist deren Ursache? Eine Androgenresistenz oder ein Enzymdefekt? Ist sie chro-mosomal männlich (XY) oder weiblich (XX)? Wieso vermischt Frau Armani in ihren Aussagen ‘transsexuell’ und ‘intersexuell’, zuweilen im selben Satz, beschreibt zwar einen intersexuellen Körper, spricht von sich je-doch als "von Geburt an transsexuell"? Als Medizinerin kennt Frau Armani doch den Unterschied und auch der Autor hat sich "mehrfach mit Fragen der Intersexualität auseinandergesetzt". Warum also diese diffuse Dar-stellung? Immerhin spricht der Titel des Artikels Klartext und bringt den Unterschied zwischen Intersexualität und Transsexualität auf den Punkt: "Die Frau, die nie ein Mann war" – man beachte das ‘nie’.
Die Ärzteschaft kommt auch zu Wort und spricht von einem Umdenken. Aber bitte genau lesen: Von einer Anerkennung eines ‘dritten Ge-schlechts’ sei man weit entfernt, gemäss Prof. Mullis wächst jedoch "un-ter den Ärzten die Bereitschaft, ein unbestimmtes Geschlecht auch ein-mal sein zu lassen, wenn es sich medizinisch vertreten lässt". Glücklich also diejenigen, bei denen die Mediziner grosszügigerweise ein Auge zu-drücken und die "auch einmal" mit einem unoperierten Genital alt werden dürfen! Das ist dann wie ein Sechser im Lotto – und wohl auch entspre-chend selten. Bei diesem Tempo im Umdenken werden noch viele Interse-xuelle ‘daran glauben’ müssen. Dabei wäre es doch so einfach: Geschlechtszuweisende Operationen dürfen nur im Einverständnis der intersexuellen Person durchgeführt werden! Es geht um Menschenrechte, um Kinderrechte: das Recht auf körperliche Unversehrtheit, auf Selbst-bestimmung und Würde. Lauter Dinge, die so nebenbei auch in der Schweizerischen Verfassung enthalten sind.
D. Truffer (www.intersex.ch)
Geh ich die Leserbriefe durch, finde ich drei verschiedene Reaktionen. Es waere interessant, wenn dieses Magazines die umfangreiche Thematik nicht beim vorliegenden Artikel belassen, sondern die einzelnen Themen separat weiter verfolgen wuerde.
Die erste Reaktionsgruppe, mit welcher ich mich solidarisiere sind diejenigen Leserantworten, die sich mit der Auseinandersetzung Vater:Laura beschaeftigen. Vater’s Sturheit scharrt seine Gegner um sich und oeffnet Laura den Weg zur Sympathie. Kann voll mitfuehlen, hatte ich doch selber einen Vater, der aus mir einen richtigen Mann machen wollte, mich zwangsanpassen liess. Es kam der Moment, da ich auf ihn nicht mal mehr zornig war, sondern Mitleid verspuerte. Ich kann nur hoffen, dass Laura in allen Punkten als Siegerin hervorgeht. Soweit es um die Sache mit ihrem Vater geht!
Was mich ein traurig stimmt, ist Elisabeth’s Leserbrief, der von seiner Frau. Dieser geht in der Flut beinahe unter. Schade! Ihr Kommentar ist anklagend und ich frage mich immer wieder, ob und wieweit der transsexuelle Weg beschritten werden kann, ohne dass Scherben zurueckgelassen werden. Ich hab den Eindruck, dass die verantwortlichen Psychiater sich alleine um das Wohl des Transferierenden kuemmern, sich aber einen Deut um die Scherben kuemmern, die dabei hintelassen werden. Ich rede aus eigener Erfahrung … hab Glueck gehabt, dass meine Partnerin und ich eine Loesung fanden, mit welcher wir beide leben koennen. Einen Kompromiss ohne Schmerzen zu finden! Wobei ich der Meinung bin, dass jeder Mensch Anspruch auf Selbstverwirklichung haben darf. Ich bin zu lange den Schweizer Schulen entfernt, um den heutigen Stand der Information in bezug auf Geschlecht und Gesellschaft zu kennen. Auf jeden Fall gehoerte dies heute zur Pflichtlektuere, denn Transsexualismus wird nicht geringer. Und die Intersexuellen, lange Zeit von Eltern und Aerzten unter Verschluss und Schweigen gehalten, beginnen sich endlich zu regen. Damit bin ich bei der dritten Gruppe, den Intersexuellen.
Daniela Truffer hat ausfuehrlich genug erklaert, um was es geht. Selber gehoere ich auch zu dieser Gruppe, wurde ebenfalls im minderjaehrigen Alter zwangspoeriert. Koerperkorrektur gelungen, was danach kam, blieb offen. Es gehen nicht verifizierte Zahlen durch die Reihen, dass bis zu dreissig Prozent der im Kindesalter operierten intersexuellen Kinder Selbstmord begeben. Der Leser muss sich vorstellen, dass unsereiner, zwangsoperiert, in ein Leben gezwungen wird. In ein Leben, das nicht zu einem gehoert; an der eigenen Persoenlichkeit vorbeigeht. Wir wollen nicht mehr, als dass man uns intersexuelle Menschen im Kindesalter leben laesst. Mindestens solange, bis wir bei Vollmuendigkeit selber entscheiden koennen, in welcher Form wir schliesslich leben wollen. Es ist unser Recht als Mensch frei zu leben, wie Frau Meier und Herr Mueller von nebenan auch. Und nicht zuletzt auch nach den Richtlinien de UNICEF: convention on the rights of a Child.
Laura Armani leidet unter malignem Narzissmus
Im September veröffentlichte das Magazin einen Artikel von Christoph Keller über die transsexuelle Laura Armani. Dabei wurde ihr Vater als verständnisloser Patriarch diffamiert und von Laura Armani behauptet, sie sei mit degenerierten Geschlechtsorganen geboren worden. In der Zwischenzeit hat sich aber bei Herrn Keller eine Frau gemeldet, die ihm überdeutlich klar machte, dass Laura Armani durchaus funktionsfähige Organe hatte und auch benützte. Herr Keller versprach der Sache nachzugehen, weigerte sich jedoch Beweise für weitere Unwahrheiten in seinem bericht entgegenzunehmen.
Die Wahrheit über Laura Armani ist nämlich eine völlig andere. Hier ist sie:
Der unglaubliche Absturz unseres Sohnes Dominik
Vorgeschichte
Nach dem Studium und der Assistenzzeit zog unser Sohn Dominik mit seiner Frau C. und ihren Kindern P. und N. in den Kanton Tessin, richtete in C. unter finanzieller Mithilfe von uns Eltern eine Praxis für allgemeine Medizin ein und liess in V. eine sehr schöne Villa bauen. Dominiks Studio Medicale fand von Anfang regen Zuspruch. Um sich vom Militärdienst, der einen hohen Verdienstausfall bedeutet hätte, zu befreien, liess er sich 1996 in der psychiatrischen Poliklinik des Kantonsspitals von B. untersuchen. Seiner und unserer Familie gegenüber behauptete er, an einem Rückenschaden zu leiden, im Spital spielte er dagegen eine psychische Borderline-Erkrankung vor und behauptete, um diese glaubhaft erscheinen zu lassen, sein Vater hätte ihn als Kind „in seinen unkontrollierten Impulsausbrüchen“ geschlagen und erniedrigt und seine „schwache Mutter ihn nicht davor geschützt“. Diese Verleumdung erfuhren wir Eltern nur zufällig und erst im Jahr 2005. Seit 1996 umarmte und küsste Dominik als einziger der erwachsenen Söhne seinen Vater wieder. Ahnungslos schrieben wir diese Zärtlichkeit der Tessiner Sitte zu.
Wachsende Schwierigkeiten mit dem Hausbau und dem Krankenkassenverband
Beim Hausbau stellten sich verschiedene Schwierigkeiten heraus: Die Kosten liefen aus dem Ruder, bei einem Sturm fiel eine hohe Kastanie auf den Rohbau und zerstörte einen Teil davon und nach Fertigstellung trat ein immenser Wasserschaden auf, der bis heute nicht behoben und Streitpunkt zwischen Architekt, Gemeindeverwaltung und Hausbesitzer ist. Schon nach wenigen Jahren warnte der Krankenkassenverband santésuisse unseren Sohn wegen sogen. Überarztung und forderte eine Jahr für Jahr höhere Geldsumme zurück. Anstatt einzulenken, wandte sich Dominik an seine Advokaten. Diese erhoben erfolglos Einspruch, sodass die Rückforderungen immer weiter akkumulierten und 2004 vermutlich 200′000 Fr. oder mehr betrugen.
Sein physischer und psychischer Kollaps
Anlässlich des 70. Geburtstag der Mutter luden wir Ende August 2004 alle Familienangehörigen zu einer Vorfeier nach B. ein – die Kinder in unser Haus, die Erwachsenen ins Hotel Edelweiss. Auch Dominik war mit seiner Familie dabei und liess sich nichts von einer Krise anmerken. Ende Oktober 2004 brachte er seinen Sohn N. zu uns nach B. in die Ferien, umarmte und küsste uns wie gewöhnlich, impfte uns gegen Grippe und übernachtete in unserem Haus. Zu unseren Geburtstagen im November gratulierte er uns jedoch nicht mehr. Dagegen erfuhren wir von seiner Frau, dass Dominik an einer Schilddrüsenentzündung erkrankt sei und nur noch teilzeitlich arbeiten könne. Später meldete sie, Dominik treibe Medikamentenmissbrauch, lasse bei T. P., einer mit ihm befreundeten Kosmetikerin in B., alle seine Körperhaare epilieren und sei an Hodenkrebs erkrankt. Tatsächlich magerte er sichtlich ab und erlitt einen körperlichen und seelischen Kollaps. Im Dezember vernahmen wir, eine Ärztin im Paracelsusspital von Richterswil hätte Dominik einen Hoden entfernt und er einen Suizidversuch unternommen. Im Ospedale Civico, wo Dominik postoperativ behandelt wurde, fand man ihn erneut bewusstlos – im Keller! Hinterher nehmen wir an, dass santésuisse wegen der andauernden Überarztung die Drohung, dass Dominik keine Krankenkassenpatienten mehr behandeln könne, ausgesprochen oder sogar vollzogen hatte.
Ominöse Lügen
Zwischen Weihnachten und Neujahr versammelte Dominik seine Geschwister bei der Freundin T.P., um ihnen in obszönen Frauenkleidern unter dem Siegel der Verschwiegenheit zu verkünden, sein Vater hätte ihn als Kind erniedrigt und missbraucht, und er fühle sich nun als Frau. Niemand schenkte ihm Glauben – trotzdem blieb er dabei. Einen Monat später erfuhren wir weshalb. Vermutlich um bei seiner Freundin Mitleid zu schinden, stellte er im November diese Behauptung auf, worauf diese die Geschichte prompt an die Ehefrau weitergab. Erst anfangs 2005 brach unsere Tochter E. die Verschwiegenheit und orientierte uns Eltern darüber. Wir reagierten nicht mit einem Zornausbruch, sondern rieten der Ehefrau, sich in L. an die Familienberatung zu wenden. Dort riss jedoch Dominik das Wort sofort an sich und beschuldigte seine Frau und seine Eltern aufs heftigste, ohne dass ihn die Psychologinnen gebremst hätten. Deshalb orientierte ich den Leiter der Organizzazione sociopsichiatria cantonale über die Suizidversuche von Dominik und bat, nachdem ich von seiner Ehefrau gehört hatte, Dominik besässe einen Waffenerwerbsschein, man möge diesen Schein einziehen, um ein Blutbad zu verhindern. Man wies Dominik an, den Erwerbsschein auf der Gemeindekanzlei zu deponieren, und er hinterlegte tatsächlich ein Couvert. Einige Wochen danach merkte seine Frau, dass er sich während eines Urlaubs aus der psychiatrischen Klinik, in die er sich freiwillig begeben hatte, im Estrich einschloss und mit etwas hantierte. Dieses Verhalten nährte bei mir den Verdacht, Dominik könnte die Waffe schon gekauft haben. Da er zuvor oft gedroht hatte, seine Frau zu „vernichten“, und uns „Mördereltern den Tod auf dem elektrischen Stuhl“ wünschte, und weil zu jener Zeit im Umkreis der Schweiz drei Väter ihre Familie mit Schusswaffen ausgelöscht hatten, erfüllte ich meine Pflicht und alarmierte als Sofortmassnahme die Staatsanwaltschaft und den Kantonsarzt.
Fürsorglicher Freiheitsentzug
Bei der Nachfrage ergab sich, dass das deponierte Couvert leer war, worauf eine polizeiliche Hausdurchsuchung zwei Pistolen samt Munition zu Tage förderte. Die Polizei konfrontierte Dominik, der sich inzwischen freiwillig in die offene Psychiatrieklinik von Orselina begeben hatte, mit den konfiszierten Waffen. Er verfiel in einen Tobsuchtsanfall, musste von Pflegern überwältigt und gefesselt und von den Psychiatern im Sinne eines fürsorgerischen Freiheitsentzug (FFE) in die geschlossene Klinik von Mendrisio überführt werden. Ein zweites Mal wurde über ihn ein FFE verhängt, nachdem er sich im Badezimmer seiner Villa eingeschlossen und einen Suizid fingiert hatte. Die anwesende Sozialhelferin liess die Türe einrammen, worauf Dominik ins Schlafzimmer flüchtete und sich wieder einschloss. Auch die zweite Türe musste aufgewuchtet werden. Der inzwischen angerückte Notarzt verfügte, nach Verabreichung einer Beruhigungsspritze, wiederum den FFE. Beide fürsorgerischen Freiheitsentzüge wurden also wegen der lebensbedrohenden Ausbrüche meines Sohns zu seinem Schutz und zu Recht durch die zuständigen Psychiater angeordnet und nicht wie er behauptet durch seine Familie. Aufgrund der psychischen Erkrankung entzog ihm hierauf das Tessiner Sanitätsdepartement auf unbestimmte Zeit und mit der Möglichkeit zu rekurrieren die Praxisbewilligung, was mindestens zeitweise einem Berufsverbot gleichkommt. Benutzte Dominik seinerzeit die Behauptung an Hodenkrebs zu leiden, nur um vor den Patienten und Kollegen das Faktum der Überarztung zu vertuschen? Und liess er sich nur deshalb ohne die obligatorische vorgängige Biopsie einen Hoden entfernen, um diese Behauptung zu beweisen? Wir vermuten dies. Denn die beiden nachträglichen histologischen Untersuchungen ergaben, dass der Hoden kerngesund und die Orchektomie nicht indiziert war.
Ich bin eine Frau!
In den psychiatrischen Kliniken kolportierte er die Behauptung, er sei als Kind misshandelt worden, so glaubwürdig, dass diese ihm abnahmen, sich deswegen seither als Frau zu fühlen. Sie forderten seine Frau auf, ihm entsprechende Kleider, Schuhe und Schmuck zu kaufen, was sie widerwillig tat. Sie beantragte jedoch gleichzeitig die Scheidung. Deshalb begann für unsere Schwiegertochter und unsere Enkel ein Psychoterror ohnegleichen. Dominik trat öffentlich als obszön gekleidete Frau auf und gab in bisher 16 Zeitungsartikeln und acht längeren Fernsehsendungen Interviews ab, die sich immer weiter von der Wirklichkeit entfernten. Er hätte mit seiner Frau während zwanzig Jahren eine lesbische Beziehung gepflegt und die Kinder seien nicht normal gezeugt worden. Später behauptet er sogar, dass diese nicht seine leiblichen seien. Er reichte zahlreiche private Strafklagen gegen den Kantonsarzt, Polizisten, Psychiater und Pfleger sowie gegen seine Ehefrau und gegen seinen Vater ein, und steht selbst wegen Verleumdung und anderen Vergehen unter mehrfacher Anklage. Ausser drei vier Entscheiden stehen wohl gegen zwanzig Urteile noch aus. Als Dominik behauptete, ich hätte auch drei weitere unserer Kinder missbraucht, rieten mir diese dringend, diese schwere Verleumdung einzuklagen. Die Tessiner Justiz scheint überfordert zu sein; aber auch die Basler Gerichtsmühlen mahlen langsam. Auf mein Drängen fand im Juli 2007 der eintägige Prozess statt mit dem Ergebnis, dass ich von allen drei Anklagen kostenlos frei gesprochen wurde. Dominik protestierte lauthals und reichte im August 2007 gegen den Strafgerichtspräsidenten und mich beim Appellationsgericht Beschwerde ein. Auch meine Strafklage war erfolglos, da Dominik die bösartige Verleumdung gegenüber einem Psychiater geäussert habe, und das daraus resultierende Dokument wie ein Beichtgeheimnis zu behandeln, also nicht einklagbar sei. Die Namensänderung auf Laura Armani bewilligten die Behörden bisher nicht.
Heimtückischer Rufmord
Bei dieser Flut von Publikationen über Dominik zwischen Oktober 2005 und heute handelt es sich um einen heimtückischen Rufmord an unserer und seiner Familie, der bisher von folgenden Medien inszeniert wurde: il caffé, Corriere del Ticino, Blick, Le Matin, Basler Zeitung, Bund, Berliner Kurier und das Magazin der Tamedia Zürich sowie vom Tessiner Lokalfernsehen, vom Schweizer Fernsehen aller drei Sprachregionen sowie von RTL 1, SAT 1, ORF 1 und Tele Züri. Die Regie in dieser Hetzkampagne lag in den Händen unseres Sohnes und Hauptdarstellers, der unter einer schweren Persönlichkeitsstörung leidet und deshalb wohl nicht ganz zurechnungsfähig ist, die Verantwortung jedoch bei den genannten Medien. Diese liessen sich von seinem gekonnten Theaterspiel einlullen und schlugen alle handfesten Beweise gegen Dominiks Lügen in den Wind. Gegen die Fernsehsendung „Quer“ vom 09.03.07 erliess das Basler Zivilgericht auf unseren Antrag ein vorsorgliches Ausstrahlungsverbot. Dieses blieb aber so lange in einem Büro von TV DRS liegen, bis die halbstündige „Quer“-Sendung ‚Transsexualität’ mit zahlreichen Vorwürfen an Eltern und Ehefrau samt zwei Wiederholungen vorüber war. Als Hauptdarsteller trat Dominik unter dem Namen ‚Laura Tiziana Armani’ auf und spielte die unverstandene bedauernswerte Frau. Zwei Beschwerden beim Presserat der Schweiz und bei der Unabhängigen Beschwerdeinstanz Radio und Fernsehen wurden leider abgelehnt. Bisher hat erst die Basler Zeitung ihren groben Fehler erkannt und halbherzig zugegeben. Der stellvertretende Chefredaktor erklärte am Telefon, er bedaure den Artikel vom 29.03.2007, sei aber ratlos, wie der Fehler zu heilen sei. Im Sept. 2007 erschien im Magazin der Tamedia, Zürich, für mehrere grosse Blätter der Schweiz ein zehnseitiger Artikel, der offensichtlich nur dazu diente, die Angehörigen – in aller erster Linie den Vater – durch den Dreck zu ziehen.
Die leidenden Familien
Seine Frau trug und trägt eine erdrückende Last und ist selbst oft einem Kollaps nahe. Sie fand nach rund zwanzig Jahren Unterbruch und nachdem sie acht Jahre in Dominiks Praxis treu mitgeholfen hatte, wieder eine Arbeitsstelle, und trat diese anfangs April 2007 an. Ihr Sohn N. (16 J.) scheint den Kummer durch frei gewählte Isolation und ohne Schulprobleme zu bewältigen, wogegen ihre Tochter P. (17 1/2 J.) der Belastung kaum mehr standhält und in der Schule wachsende Mühe bekundet. Auch uns Eltern setzt dieser Horror schwer zu und beraubt uns öfters des Schlafes. Inzwischen ist Dominiks Familie auch finanziell völlig ruiniert. Seine Frau erhielt die vom Ehegericht zugesprochenen Alimente nie und das offizielle Vermögen zogen die Banken zur Begleichung der Schulden für die lange leer stehende Arztpraxis ein. Das hoch verschuldete Haus konnte seine Frau nicht verkaufen, weil Dominik bisher dafür die Unterschrift verweigerte. Er hingegen lebt seit anderthalb Jahren mit einer burschikosen Freundin in grossartigem Stil weiter und verprasst dabei das Geld irgendwelcher Konti (private Altersvorsorge?). Um zu beweisen, dass er eine Frau sei, liess er seinen Namen vorerst auf Dominique umschreiben und sich durch verschiedene chirurgische Eingriffe äusserlich in eine solche umbauen – in Deutschland, nachdem die Zürcher Psychiatrische Klinik dies abgelehnt hatte. Unsere Grossfamilie hält solidarisch geschlossen zusammen. Jedoch für Dominik, der nach unserer Meinung unter einem malignen Narzissmus leidet, besteht nur geringe Hoffnung auf wirkliche und nachhaltige Heilung. Die körperlichen Veränderungen sind endgültig und der psychische Fall ist zu tief.
Seine politischen Ambitionen und die Wiederaufnahme seiner ärztlichen Tätigkeit
Schon an seinem ersten Wohnort N. liess sich Dominik in den Gemeinderat wählen und nach dem Bau seiner Villa auch in V. Nach der Trennung der Ehe und der richterlichen Ausweisung aus der Familienwohnung mietete er ein Haus in P. bei L. und verlor damit sein Mandat. Bei den Wahlen 2007 kandidierte er sowohl für den Grossen als auch für den Regierungsrat auf der Liste X – allerdings ohne jegliche Chance, und im Herbst liess er sich von derselbe Partei für den Nationalrat aufstellen und erreichte 784 Stimmen. Zum Vergleich: der gewählte Kantonsarzt Ignazio Cassis erhielt 28′512 Stimmen.
Eine gütliche Einigung mit dem Krankenkassenverband santésuisse scheiterte 2005 an der sturen Haltung von Dominiks Advokaten, und der gegen die Verfügung des Sanitätsdepartements auf Entzug der Praxisbewilligung eingelegten Rekurs wies die Regierung des Kantons Tessin ab. Dagegen scheint er in einer Zürcher Arztpraxis eine Arbeit als Assistenzarzt gefunden zu haben. Trotzdem und entgegen richterlicher Verfügung bezahlt er seit über zwei Jahren für seine beiden Kinder keinerlei Alimente und andere Unterhaltsbeiträge. Weil Dominik bisher seine Unterschrift für den Verkauf der Villa verweigerte, laufen einerseits die horrenden Hypothekarzinsen auf, und andererseits erhielt seine Frau wegen der grossen (blockierten) Vermögenswerte keinerlei Beiträge aus der Alimentenbevorschussung oder der Sozialhilfe. Dominiks Familie wird seither von den beiderseitigen Voreltern unterstützt.
H.R. Striebel
Im Kommentar von H.R. Striebel könnte man jeden einzelnen Punkt richtig stellen, ich will mich aber auf ein paar wichtige Punkte beschränken:
1.Laura Armani bekam am 14.04.1995 rechtmässig ihre Namensänderung von Dominik zu Dominique. Ein offizielles Bekenntnis zu dem von ihr schon immer gefühlten Geschlecht, welches niemand der ihr Nahe stand hätte ignorieren können. Das Outing ging dem offiziellen Skandal also schon um Jahre voraus. Kann sein, dass dies H.R. Striebel entgangen ist, weil er gar keinen Kontakt hatte zu seiner Tochter Laura…
2. Fotos und Operationsberichte bezeugen eindeutig die Intersexualität von Laura Armani und das in einem Ausmass, dass eine Ursache durch Hormonsubstitution ausgeschlossen werden kann.
3. Die Operation wäre durchaus auch in der Schweiz durchgeführt worden. In Europa gibt es aber nur zwei Kliniken die auf geschlechtsangleichende Operationen spezialisiert sind. Eine Klinik in Deutschland, die andere in Italien.
4. Auch H.R. Striebel, sowie dem Rest der Familie kann unmöglich entgangen sein, dass sich bei Laura bereits im Teeangeralter eine weibliche Brust entwickelt hatte. Dies beweisen auch eindeutig Fotos aus dieser Zeit.
5. Bezüglich der erwähnten Waffenscheine, Waffenerwerb und Sicherstellung derselben war alles ordnungsgemäss und reibungslos verlaufen. Ein Ausrasten von Laura Armani, wie von H.R. Striebel beschrieben war gar nicht möglich, da sie zu dieser Zeit – bedingt durch einen von H.R. Striebel inizierten FFE (fürsorglicher Freiheitsentzug)- in einer Klinik einsitzen musste.
6. Laura Armani hat sich nie einem Hausverkauf entgegengestellt, vielmehr ist sie es, die seit einiger Zeit einen Kaufinteressenten hat. Der Verkauf wurde bisher von anderer Seite blockiert.
7. Ihr Lebensstil mit dem Einkommen einer Assistenzärztin ist äusserst bescheiden.
8. Dies ist der wichtigste Punkt: Laura hat nie weder ihre Familie bedroht noch gefährdet, auch Suizidabsichten hegte Sie zu keiner Zeit. Es ist nichts naheliegender, als dass bei einer Bedrohung von Seite der Betroffenen die Polizei gerufen würde und nicht der Kantonsarzt?! Genau dies ist nie geschehen. Es liegen der zuständigen Polizeibehörde keine entsprechenden Meldungen vor.
Hätte man auf das erste Schreiben von H.R. Striebel, welches er an den Parteikollegen und Kantonsarzt, Herrn Cassis, richtete, die Inhalte und Hintergründe genauer recherchiert und auch Laura Armani zu Wort kommen lassen, wäre es bestimmt nicht zu einem FFE und auch nicht zum Entzug der Praxisbewilligung gekommen.
Meine Gedanken zum Kommentar von H.R. Striebel: Wer ein solches Mass an Aufzählungen braucht hat eigentlich nichts zu sagen. Wer eine andere Person dermassen mit Anschuldigungen überhäufen muss, hat meist selber etwas zu verbergen und dort wo ein Familienangehöriges dermassen in den Schmutz gezogen und geschädigt wird, dort gibt es in Wirklichkeit keine Familie.
Ciao Laura
Ich möchte es nicht unterlassen dir für deine Offenheit zu danken. Man löst ja bekanntlich die Probleme erst, wenn man sie primär anerkennt und dann sekundär nach zielorientierten Lösungen sucht. Genau diesen Weg bist du mit dir selbst gegangen und wir wissen beide sehr genau was es heisst, auf diesem Weg die Unvernunft und die Ungeduld zu bezwingen. Auf jeden Fall habe ich vor deiner Offenheit grössten Respekt, zeigt sie doch, dass du diesen Weg erfolgreich gegangen bist. Wie du mich kennst, so weisst du ja auch, dass ich mich eher in einer anderen Schreibform ausdrücken kann und ich schenke dir/euch diesen Zeilen:
Im Menschen gefangen,
im Geiste getragen.
In Gedanken die fliegen
als könnten sie Flügel kriegen.
Ohne Ende, ohne Rast,
niemand der sie hasst.
Niemand der sie meidet,
niemand der sie neidet.
Immer neu in die Weite,
in die Länge, in die Breite.
Den Horizont als Ziel.
Phantasie nie zuviel.
Als Freund Zenit und Nadir,
stetig kommen sie zu dir.
Diese Freiheit wünsch ich dir! (euch)
Guerrino