Die Letzte

15.02.2008 von Eric Baumann

Dies ist die letzte Folge dieser Kolumne. Was vermuten lassen könnte, mein gesundheitlicher Zustand habe sich verschlimmert. Das ist zum Glück nicht der Fall. Im Gegenteil: Auf den letzten Tomografiebildern lassen sich keine Tumorreste mehr ausmachen.
Ich darf also hoffen, dass ich auch künftig gut auf die alle paar Wochen -geschluckten Chemotherapie-Pillen anspreche. Dass mir wie bisher komplementäre Methoden helfen, Nebenwirkungen zu minimieren.
Die Ausgangslage ist vielversprechend. Aber der weisse Schatten auf den Negativaufnahmen von einst verschwindet wohl nie ganz: Krebszellen können selbst ohne sichtbare Spuren weiterhin im Gehirn lauern. Gliobastom multiforme, mein Tumor, rafft neunzig Prozent der Befallenen innert Jahresfrist hin, nach fünf Jahren sind keine zwei Prozent mehr am Leben. Die Operation ist gut drei Jahre her.
Da ich meine Krankheit nicht verheimliche, gelte ich inzwischen als Spezialist in Sachen Krebs. Es passiert mir jedenfalls häufig, dass Leute ungefragt von allen Tumorfällen aus ihrem Umkreis berichten. Das kann ganz schön anstrengend sein. Ich spüre aber, wie es andere erleichtert, ihre Last loszuwerden. Und das zeigt mir, wie tabuisiert Krebs nach wie vor ist. Dabei wird jede zweite Person im Lauf ihres Lebens an Krebs erkranken und jede vierte daran sterben. Fast alle kommen also irgendwann damit in Berührung, direkt oder als Angehörige. Das ist etwa so angenehm zu hören wie das Kratzen eines Fingernagels auf einer Wandtafel, das  ist mir klar. Ich habe selbst früher so -getan, als würde es mich nicht betreffen, bis ich merken musste: Jetzt bin ich an der Reihe. Es lebt sich ja auch besser ohne ständiges Denken an mögliche Bedrohungen. Sich aber einen Moment lang bewusst werden, dass Gesundheit nicht selbstverständlich ist, kann bestimmt nicht schaden.

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