Die Schweiz in fünfzig Jahren

Japan ist, was Dienstleistungen betrifft, so etwas wie das Zukunftslabor der Welt. Besuch in einem Land, in dem fast alles ein bisschen besser funktioniert als bei uns

27.03.2010 von Finn Canonica und David Iselin , 32 Kommentare

Der schlechteste Verkäufer der Schweiz arbeitet in einer Boutique nahe der Zürcher Bahnhofstrasse. Einmal stauchte er eine Angestellte vor mir zusammen wie ein SS-Offizier sein polnisches Dienstmädchen. Vor Weihnachten wollte ich in dem Laden einen Pullover kaufen. Ich faltete einen auf, plötzlich stand der Typ neben mir, riss ihn mir aus den Händen und schrie: «Wissen Sie nicht, wie ein Pullover aussieht?»
Ein paar Tage später, diesmal im Szeneladen: Da war dieser Jüngling, der Dries van Noten und Helmut Lang verkauft, und das anscheinend so gut, dass er sich nicht besonders bemühen muss. Ein Freund wollte einen Mantel probieren. Er fragte, ob es ihn auch eine Nummer grösser gäbe. Der Verkäufer massierte gemächlich sein Oberlippen-Schnäuzchen, schaute uns dann verächtlich an und sagte: «Grösse L führen wir leider nicht.»
Man kann solche Geschichten sportlich nehmen, als soziale Herausforderungen im Alltag. Man kann diese kleinen Demütigungen im Serviceland Schweiz aber auch ganz einfach nur anstrengend finden:
Die Kioskfrau, welche minutenlang Münzen sortiert, bevor sie den Kopf in Richtung Kunde hebt.
Der Bankangestellte, der, obwohl versprochen, nie zurückruft.
Die Serviceangestellte im Restaurant, die dauernd im Al-Pacino-Modus operiert: «Ask me once again and I kill you.»
Überhaupt all die Kellner und Verkäufer, die nichts von ihrem Beruf verstehen, weil es für sie gar kein Beruf ist (im Gegensatz zu Künstler oder Yogalehrer), und die schlechte Laune mit Coolness verwechseln.
All die Läden, in denen sich das Mass an Arroganz umgekehrt proportional verhält zur Qualität und dem Preis ihres Angebotes.
Die Pendlerzüge, in denen man sich fühlt wie auf dem Ho-Chi-Minh-Pfad.
Der Handwerksbetrieb, welcher fünfWochen braucht, um einen Stuhl zu reparieren.
Und dann erinnert man sich an Japan.

Lost in Luxus
Es ist ein weiter Weg bis nach Japan, aber bereits nach wenigen Augenblicken dort fällt auf: Alles vollzieht sich in dem Land wie in einem Traum. Mit unaufdringlicher Eleganz serviert die Zugbegleiterin auf der Fahrt vom Flughafen nach Tokio Tee und Gebäck. Kein Mensch telefoniert im Waggon, alle unterhalten sich mit gedämpfter Stimme. Tausende von Fahrgästen bewegen sich berührungslos durch Tokios Hauptbahnhof. Niemand drängelt, niemand hetzt. Nirgends sind Fressbuden mit nach Fett stinkenden Produkten, es gibt keine «Events» für Debile, wie in unseren Bahnhofshallen. In dem kleinen Coffee Shop entschuldigt sich der Kellner fürs Wartenlassen — es war keine Minute. Die Taxitür öffnet sich von selbst, ein weiss behandschuhter Fahrer bittet höflich darum, auf seinem Rücksitz Platz zu nehmen. Man wundert sich über die Ruhe in der 34-Millionen-Metropolitan-Region. Kein Auto beansprucht mit wütendem Hupen Platz. Velofahrer zirkeln mit der allergrössten Rücksicht um die Fussgänger auf dem Trottoir. Irgendein japanischer Gott hat sogar den Himmel gewaschen, die Wellen in den Teichen der Pärke geharkt. Es bleibt kaum mehr Zeit, seine Armbanduhr umzustellen, schon versinkt man, von vielen Verbeugungen begleitet, im Hotelbett.
Ein Gefühl des totalen Umhülltseins macht sich in einem breit, wie in Sofia Coppolas «Lost in Translation». Nur besser.
Zum Glück fällt einem die Warnung eines alten japanischen Freundes ein: «Es ist wahrscheinlich besser, über Japan nichts zu wissen, als nur wenig zu wissen.»

Omotenashi
Es ist nicht leicht, einem Japaner zu erklären, was man will. Und wahrscheinlich gehört es dazu, dass man erst mal den westlichen Fehler der übertriebenen Direktheit macht.
Nein, Herr Hitoshi Yoshida muss diese Frage nicht beantworten. Er würde nie und nimmer erklären wollen, was die Schweiz von Japan in Sachen Qualität von Service und Dienstleistungen lernen kann. Er ist ein Mensch, der sich lieber die Zunge abbeisst, als frech und frei darüber zu urteilen, was richtig oder falsch ist.
Herr Yoshida ist einer der Vizedirektoren des Kosmetikriesen Shiseido, 41 000 Angestellte, 7 Milliarden Franken Umsatz. Er empfängt im Hauptquartier in Tokios Shinbashi-Bezirk. Dreissig Sekunden nach Betreten des Shiseido-Hochhauses sitzt der Besucher in einem Fauteuil, vor der Nase ein Schälchen Grüntee. Herr Yoshida, schwarzer Anzug, die Haare so präzis gescheitelt wie Messerschneiden, hört sich die Fragen regungslos an. Europa und die Schweiz kennt er gut.
In Japan wurde eine Untersuchung veröffentlicht, in der Japaner die Höflichkeit und den Service in anderen Ländern beurteilen: Die Schweiz hat einen Platz am unteren Ende der Liste. Es darf deshalb vermutet werden, dass Herr Yoshida das Leben bei uns wie vielen Japanern rau vorgekommen ist: ein ständiges Hinnehmenmüssen von kleinen Unverschämtheiten in Läden und Restaurants.
Deshalb: «Yoshidasan, wenn Sie erlauben, warum wird man in Japan als Kunde immer so perfekt behandelt?»
Herr Yoshidas Gesicht arbeitet immer noch nicht. Schliesslich sagt er: «Darf ich Ihnen die Geschichte von Shiseido erzählen? Dann werden Sie verstehen.»
Es ist die Geschichte von Arinobu Fukuhara, einem Apotheker, der vor 110 Jahren ein Schiff in Richtung Europa bestieg. Sein Ziel war die Pariser Weltausstellung, um die technische Überlegenheit des Westens gegenüber Japan zu studieren. Es war die Zeit der Öffnung während der Meiji-Restauration, als Japan aus seinem langen, feudalistischen Schlaf erwachte. «Für das Heil des Reiches überall Wissen suchen», unter dieser Devise sandte der junge Kaiser Mutsuhito Kundschafter in alle Welt, um die besten ausländischen Erfindungen nach Japan zu importieren. Die Meiji-Ära war für das Land ein gewaltiger Sprung in die Moderne. Seinen Sohn Shinzo schickte Fukuhara später zum Studium der Pharmazie nach Harvard. Nach seiner Rückkehr eröffnete er das erste Shiseido-Geschäft in Tokios Ginza-Quartier.
«Sie müssen wissen», sagt Herr Yoshida, «dass wir Japaner dem Westen sehr viel verdanken.» War das ironisch gemeint?
Wenn Japan nichts anderes gemacht hat, als vom Westen zu lernen, weshalb ist dann die Qualität der Serviceleistungen so viel höher als im Westen?
«Omotenashi», gibt Herr Yoshida zur Antwort und schiebt ein rotes Büchlein über den Tisch.
«Omotenashi», steht darin, sei das japanische Konzept von Perfektion und Freundlichkeit. Gleichzeitig bedeute Omotenashi «willkommen» und «zuhö­ren mit einem offenen Geist».
Eine Verbeugung, noch eine Verbeugung und noch eine Verbeugung, und wir stehen wieder unter dem quittengelben Abendhimmel Tokios. Später fragen wir noch an die zwanzig Leute nach der Bedeutung von «Omotenashi». Jeder sagt etwas anderes. Japaner sind Meister des Verwirrspiels.

Wie es dir gefällt
In einer totalen Dienstleistungsgesellschaft, wie Japan eine ist, wird alles getan, um dir dein Alltagsleben so einfach wie möglich zu machen:
Der kleine Lebensmittelladen in der Nachbarschaft hat 24 Stunden offen, du kannst dort auch Einzahlungen und Postgeschäfte tätigen, Reisen buchen, deine Hemden abgeben, deinen Umzug organisieren.
Mit deiner U-Bahn-Karte kannst du in den meisten Geschäften und Restaurants in Bahnhofsnähe bezahlen.
Was immer du kaufst, es wird, auf Wunsch, für wenig Geld nach Hause geliefert.
Wenn du mal was liegen lässt, in einem Zug oder Taxi, kannst du absolut sicher sein, dass du es zurückbekommst.
Du brauchst nirgendwo Trinkgeld zu bezahlen.
Du brauchst dein Rückgeld nie zu zählen, es stimmt immer.
Noten werden stets mit dem Bild nach oben überreicht.
Alle Züge sind auf die Sekunde pünktlich. Wenn einmal nicht, dann bebt gerade die Erde oder es ist Krieg.
Du kannst an jedem Kiosk sämtliche Magazine quer lesen, ohne dass ein Verkäufer meckert.
In gewissen Läden werden deine Kinder für wenig Geld zwei Stunden lang betreut. Kann ja sein, dass du in der Gegend noch andere Besorgungen machen musst.
Toilettensitze sind immer geheizt, peinliche Geräusche können mit Musik überspielt werden.
Wenn es regnet, kannst du im nächsten Polizeirevier einen Schirm ausleihen.
Du kannst den Polizisten auch gleich nach dem Weg fragen.
Der Schalterbeamte holt dir im Laufschritt ein verlangtes Dokument, er weiss, dass deine Zeit kostbar ist.
Du darfst dich über die Blumentöpfe auf der Strasse freuen, die niemand zerstört oder stiehlt.
Dein Velo kannst du überall unabgeschlossen stehen lassen.
Wenn du den Berg Fuji besteigen willst, aber keine Lust hast, dein Zelt auf den Gipfel hochzutragen, übernimmt das die Firma Yamato-Transport für dich. Yamato befördert günstig alles, wirklich alles überallhin.
Die Millionen von Getränkeautomaten im ganzen Land wechseln saisongerecht auf warme oder gekühlte Getränke, selbst auf dem Fuji.
Es gibt salzige Zahnpasta.
Und sogar blutgruppenspezifische Kaugummis.

Immer nur das Beste
«Wir Japaner sind manchmal wie kleine Kinder», sagt Saeko Okano, eine 24-jährige Ökonomin, die bei Daiwa Securities arbeitet. Saeko hat ein Gesicht wie eine Oblate, einen scharfen Verstand und einen gänzlich unsentimentalen Blick auf ihr Land. «Wie Kinder sind wir überzeugt, dass wir immer nur das Beste verdient haben», sagt sie.
«Und dann muss es immer schnell gehen», ergänzt ihr Freund Hirotsugu.
Die beiden schlendern wie jeden Samstagmorgen durch die lebkuchenhausgrossen Luxusboutiquen von Daikanyama. Hirotsugu ist ein feingliedriger Mann mit Pianistenfrisur und ein paar Eigenschaften, die aneinandergereiht irgendwie bizarr wirken: Er hat in Karlsruhe Maschineningenieur studiert. Er lebt von Proteindrinks. Sein Hobby sind Klimmzüge an einem Finger. Er liebt Daniel Craigs James Bond über alles.
Die Begeisterung der Ausländer für die hohe Qualität japanischer Dienstleistungen erwidert Saeko mit einem gehauchten «Thank you» und einer 15-Grad-Verbeugung. Ihre Analyse allerdings ist ein doppelter Dolchstoss in bester Samurai-Tradition: «Alles, was Ihnen als Ausländer in Japan so gefällt, ist eine Folge der enormen Wettbewerbs.»
Die Gewerkschaften hätten in Japan fast keine Bedeutung. «Die Firmen können von ihren Angestellten alles verlangen», fügt sie hinzu. Allerdings nicht einmal im Ton moralischer Empörung. Jetzt mischt sich Hirotsugu ein: «Wir können uns zum Beispiel unter der Woche nie verabreden, weil man nie weiss, ob nicht plötzlich ein Kunde noch etwas verlangt.»
Vulgärmarxistisch gesprochen: Nicht die Kultur hat die japanische Gesellschaft definiert, sondern die Produktionsbedingungen.
Aber Saeko und Hirotsugu sind keine Marxisten. Die beiden glauben, wie die meisten Japaner, ans Privateigentum, an die Familie und an einen Staat, der nur die Rahmenbedingungen setzt. Und wie viele, sind Saeko und Hirotsugu stolz auf ihr Land. Die japanische Wirtschaft, sagt Hirotsugu, habe es geschafft, trotz guter Verankerung in der Welt einheimische Traditionen beizubehalten.
Meint er damit den wirtschaftlichen Protektionismus seines Landes?
Das Gespräch droht, schwierig zu werden. Saeko wechselt taktvoll das Thema. Ob wir schon mal bei Mitsukoshi gewesen sind? «Japans best store», sagt sie.
«Irasshaimaseeeeee!» brüllt es bei Mitsukoshi aus den Kehlen der Angestellten, die den Kunden entdeckt haben. «Irasshaimase» ist ein Willkommensgruss, eine Antwort wird nicht erwartet. Vorbei an halben Muschelbänken und Tiefseegetier mit tausend Augen und Armen, stösst man von unten her kommend direkt aus der gleichnamigen U-Bahn-Station (Mitsukoshi-Mae) bis in den Bauch des Warenhauses vor und hört den Gruss hundertfach gemurmelt. Mantel und Tasche werden einem schon beim Eingang von einer der zahlreichen Wohlfühlangestellten abgenommen, die in Japan in allen grossen Warenhäusern Kunden empfangen. Während man in der Schweiz schon fast einen Dankesbrief an die Direktion schreibt, sollte man mal einen freien Verkäufer finden, ist Personal hier allgegenwärtig. Noch bevor man seinen Geldbeutel geöffnet hat, liegt das Hello-Kitty-Stempelchen schon in einer Folie, die wiederum in einem Beutel mit rosa Schleife steckt.
«Europäische und amerikanische Firmen sparen in einer Wirtschaftskrise immer gleich beim Personal», sagt Saeko, viele japanische Firmen reagierten genau umgekehrt: «Wenn es schlecht läuft, muss man den Kunden doch noch mehr Luxus bieten, oder?»
Natürlich schlägt der Personalaufwand auf die Kosten durch, Japan ist kein billiges Land. Dennoch: Klagen über die hohen Preise hört man selten — weil Klagen das Gegenteil von Japanisch ist.
«Bei Mitsukoshi kaufe ich ja nicht einfach ein, ich erlebe dabei etwas, das darf ruhig etwas kosten», sagt Saeko.
Zum Schluss demonstriert sie «the coolest thing». Sie geht zu einem Regal mit Strümpfen und wählt, japanisch höflich, ein Modell des Schweizer Herstellers Fogal aus, weiss, mit Spitzenbordüre. Die Frau an der Kasse nimmt die grosse Note mit einer Verbeugung entgegen. Und gibt sie gleich nach hinten weiter. Man hört Automatenrattern, mit beiden Händen wird das Rückgeld gereicht, selbstverständlich mit Bild nach oben: Es sind noch jungfräuliche Noten, direkt ab der Notenpresse der japanischen Zentralbank. Ein zusätzlicher Service von Mitsukoshi. Saeko legt uns die frischen Noten in die Hand: «Sind die nicht hübsch?»
«Omotenashi?», fragen wir zurück.
In der Art vieler Japanerinnen hält sie sich die Hand vor den Mund, um ihr Lachen zu verbergen.
Die Langnasen werden es nie begreifen.

Handbuch-Menschen
So, wie die Fähigkeit der Japaner zur totalen Körperlosigkeit: Das Glas im Restaurant ist immer voll, die Gerichte werden wie von Geisterhand auf- und abgetragen, es gibt spezielle Schuhe für den Toilettenbesuch — Japan ist ein weicher Kokon, der einen sanft umschliesst.
Am Tisch eines Izakayas (einer japanischen Beiz) im Tokioter Stadtteil Roppongi sitzen Minori, Mami und Yoshitake. Drei Freunde um die dreissig, alle mit Universitätsabschluss und fester Anstellung. Tadellose Kleidung ist selbstverständlich, in der vorgeblich klassenlosen Gesellschaft stiften die kleinsten Details Identität.
Minori, mit grossen Augen wie eine Manga-Figur, hat den kleinen Clash of Civilizations zwischen Ost und West organisiert.
Warum seid ihr Japaner so perfekt?
Wieder führt die direkte Frage nicht zum Ziel. Niemand fragt einen Delfin, warum er so gut schwimmen kann.
«Ein Ausländer, der über Japan schreiben soll, kann einem nur leid tun», sagt Yoshitake.
«Es ist eigentlich unmöglich», ergänzt Minori.
«Selbst wenn man Japanisch spricht», behauptet Mami. Gegessen wird in Socken, das soll ein häusliches Gefühl vermitteln. Allerdings kann sich nur Japan «Schuhlosigkeit» leisten. Weil in Japan alle geruchlos sind — abgesehen von den Gaijin, den Ausländern.
Japaner beten den Konsens an, hört man immer wieder. Die meisten Japaner, denen man begegnet, sind jedoch Abweichler.
Mami arbeitet bei Red Bull, das gerade versucht, sich auf dem japanischen Markt zu etablieren. Ihre deutliche Kritik überrascht: «Der Konsument hat in Japan zu viel Macht, diktatorische Macht», fast poltert sie jetzt — und verschüttet dabei ihren Grapefruitsaft.
«Mit seinen hohen Ansprüchen terrorisiert er eine ganze Gesellschaft.» Sie entschuldigt sich so wortreich beim Kellner für das Malheur, als ob sie soeben das Lokal angezündet hätte. Auch der mächtige Kunde kann sich in Japan nicht benehmen, wie er will.
«Also doch keine Kunden-Diktatur, sondern nur stete Wertschätzung für die Arbeit der anderen?»
Das war als Scherz gemeint.
«Ja, doch auch», sagt sie. Japanische Widersprüche.
Der Kellner bringt Mami ein neues Glas, nicht, ohne sich wiederum für die fünfzehn Sekunden Wartenlassen zu entschuldigen.
Auf Japanisch könne man sich eben in unzähligen Nuancen entschuldigen, erklärt Manga-Minori. Japanisch verlange je nach Gesprächspartner eine andere Wortwahl. Diese schaffe sofort Klarheit über den Charakter der Beziehung: zwischen Kunde und Dienstleister, zwischen Vorgesetzten und Untergebenen, zwischen Älteren und Jüngeren. Über Sprache lässt sich ein System herstellen, in dem jeder seinen Platz innehat.
Das weiss auch Yoshitake, den alle «Yoshi» nennen. Yoshi ist in der Schweiz aufgewachsen, jetzt ist er Banker in Tokio, aber noch immer spricht er reineres Baseldeutsch als Marcel Ospel.
«Mit Kunden musst du immer im sogenannten Keigo sprechen, der sittlichen Sprache», sagt er.
Trotz japanischen Eltern und für fremde Ohren perfektem Japanisch kommt bei ihm zweimal die Woche ein Sprachlehrer im Büro vorbei, um seinem Japanisch den letzten Schliff zu geben. Lange liessen ihn seine Vorgesetzten wegen seines «unkonventionellen» Japanisch nicht an Kunden heran.
«In Japan will man auf jede Situation vorbereitet sein», sagt Yoshi und zerlegt mit Stäbchen eine Makrele. «Man ist überzeugt, dass man durch eine gute Organisation viele Probleme vermeiden kann.» Also wirkt nicht in jedem Japaner sozusagen genetisch eine Art höhere Vernunft? Oder geht es hier um eine Form von «Omotenashi»?
Minori versteckt ihr Kichern hinter der Hand.
Mami hebt unmerklich die Brauen.
Yoshi verrät das kleine Staatsgeheimnis: «Es ist die Handbuch-Kultur», sagt er. Für jede erdenkliche Situation gibt es für japanische Angestellte eine genaue Anleitung. «Das ist mit ein Grund, weshalb alles so perfekt funktioniert.» Damit werde unangenehmen Situationen vorgebeugt. Wenn Fall A eintritt, sei gemäss Handbuch Benehmen B verlangt und so weiter. Alles habe seine Ordnung.
«Du kannst jetzt aufstehen und den Kellner auf Schweizerdeutsch vollquatschen», sagt Yoshi, «ich schwöre dir, irgendwo in dem Handbuch für Kellner steht, wie man mit einem quasselnden Gaijin aus der Schweiz umgehen muss.»

Unsere Zukunft?
Wer sich ein paar Tage in Japan aufhält, verfällt unweigerlich einem Phänomen, das man als eine Art japanische Variante des Stendhal-Syndroms bezeichnen könnte. Das nach dem französischen Schriftsteller benannte Syndrom beschreibt einen Wahn, hervorgerufen durch eine Überflutung mit schönen Reizen. Stendhal hatte dieses Erlebnis 1817 in Florenz. Die Tokio-2010-Version dieses Wahns äussert sich zum Beispiel darin, dass man selbst einen trivialen Besuch in einer japanischen McDonalds-Filiale als ein kulturell überragendes Ereignis in Erinnerung behält.
Dieser «Japonismus», die stürmische Verklärung von allem Japanischen, hat einen ersten Höhepunkt im späten 19. Jahrhundert in Europa. Japan wurde von vielen Schriftstellern und Künstlern (unter den Bewunderern waren die Maler Van Gogh, Renoir oder Monet) als ein sagenhaftes Mikado-Reich besungen, ein Gesamtkunstwerk von einem Land, in dem sanftmütige Menschen ganzjährlich unter Kirschblüten wandeln. Etwas von diesem Geist ist noch in Sofia Coppolas «Lost in Translation» erhalten geblieben.
«Ein schöner Film», sagt Dr. Heinrich Reinfried, «aber wenig erhellend, was Japan betrifft.» Reinfried ist Japanologe, es gibt nicht viele Nichtjapaner, die das Land so gut kennen wie er. Die Überhöhung Japans nervt ihn schon lange. «Beschreiben Sie mich darum bitte nicht als Japan-Fan.» Was aber auch nicht das Gegenteil bedeutet. Den Respekt für diese «totale Dienstleistungsgesellschaft» teilt er, allerdings müsse man die Ursachen genau analysieren. Es folgt ein Exkurs in die Wirtschaftsgeschichte: Im Kalten Krieg sei die japanische Wirtschaft mit Unterstützung der USA als Gegenmodell zur sozialistischen Welt aufgebaut worden. Der Beweis dafür, dass ein Land auch kapitalistisch sein könne, ohne dabei Ungleichheit zu erzeugen. «Und dieser Mythos hält leider bis heute an», sagt Reinfried. Die japanische Form des Kapitalismus stünde dem amerikanischen in nichts nach. Dagegen erscheine die Schweiz den Japanern beinahe als sozialistisches Land. «Das rohstoffarme Japan hat auf den Ruinen des Zweiten Weltkrieges eine ungeheuer potente Industrie aufgebaut.» Und das habe nur funktioniert, weil die Japaner dabei wie kein anderes Volk zuvor in der Wirtschaftsgeschichte Produktionsabläufe standardisiert haben. Für Reinfried immer noch einer der Hauptgründe für die hohe Qualität der Dienstleistungen.
Und warum wird in der Schweiz nicht stärker standardisiert?
«Die Schweiz hat gar keine andere Wahl», davon ist Reinfried überzeugt. Solange das Primat der Wirtschaftlichkeit gelte, sei das die logische Entwicklung.
«Ich bin sicher, dass die Schweiz in fünfzig Jahren ähnlich wie Japan funktionieren wird.»
Man kann das auch als Schreckensszenario verstehen: Abends zwischen zehn und elf Uhr ist die Tokioter U-Bahn noch so voll wie die Netze der japanischen Fischer in den Fünfzigerjahren. Ellbogen an Ellbogen pendeln die Salarymen, diese modernen Samurais der Büroarbeit, von ihrem emotional überbewerteten Job nach Hause zu ihren emotional unterversorgten Familien.
Warum tun die sich das an?

Honne und Tatemae
«Weil die meisten Japaner sehr stolz sind auf ihre Arbeit und immer ihr Bestes geben wollen», sagt Martin Fluck.
Wie er auch. Der Schweizer General Manager des Oakwood Premier Tokyo Midtown ist eine Atombombe der guten Laune. Fluck, Sohn eines Sulzer-Ingenieurs, ist im japanischen Kobe geboren und aufgewachsen. Er tänzelt vor Lebensfreude über die Flure seines Luxusapartmenthotels in Tokio und erzählt seine Geschichte. 24 Jahre arbeitet der Absolvent der Hotelfachschule Lausanne schon in Japan.
«Wissen Sie», sagt er, und setzt sich gleichzeitig auf ein Bett seiner 500 000-Yen-pro-Monat-Suite (knapp 6000 Franken), «wer die japanische Arbeitsmentalität kennt, kann sich kaum mehr an europäische Verhältnisse gewöhnen.»
Und wie nimmt der Hotelier die Schweiz diesbezüglich wahr?
Er bleibt Patriot. «Nicht so optimal», lautet seine knappe Antwort. «In der Schweiz gestattet man sich viel zu häufig, seine privaten Launen am Arbeitsplatz offen zu zeigen.» Dieses «Hey sorry, ha nöd dä beschti Tag hüt», das bei uns noch fast sympathisch sein mag, weil ehrlich, funktioniere in Japan niemals. Öffentliches und Privates werden radikal getrennt. Der Alltag sei ein Kabuki-Theater, die Japaner ein Volk von Oscar-würdigen Schauspielern. Die Rolle, in die jeder Japaner täglich schlüpft, schreibt ihm vor, zu unterscheiden zwischen Empfinden und Denken, dem sogenannten Honne, und der äusseren, formellen Struktur einer sozialen Beziehung, dem sogenannten Tatemae. Das Verhältnis von Honne und Tatemae bringt zum Ausdruck, dass die Japaner in den meisten Fällen die sozialen Normen und die Harmonie in zwischenmenschlichen Beziehungen über ihre individuellen Absichten und Bedürfnisse stellen. Honne und Tatemae sind theoretische Begriffe, sie helfen vor allem dem Fremden, das Land zu verstehen. Kein Japaner würde seine Seele derart sezieren wollen. Der beschriebene Rollenwechsel wird vielmehr ganz automatisch vollzogen, ohne Nachdenken.
Zum Beispiel bei Yusuke Nonoyama.
Bindet er am Montagmorgen seine Krawatte und besteigt den Zug Richtung Akihabara, bleibt sein Honne zu Hause. Er weiss, unter der Woche gehört er in seiner Funktion als Verkäufer von Halbleitern seinem Arbeitgeber. Das bedeutet für ihn: «Ich bleibe so lange im Büro, bis der Chef nach Hause geht, auch wenn ich nichts mehr zu tun habe.» Das bedeute auch, sagt der 28-Jährige, «dass ich in allem, was ich tue, Perfektion anstrebe.»
Es beginnt bereits bei seiner Kleidung: schmaler, haigrauer Anzug, Chelsea-Boots, gestreifte Socken, eine Krawattennadel aus Sterlingsilber. In Japan liegt die ganze ästhetische Kraft in den Details, wie bei einem Bau von Tadao Ando oder den Texten von Inoue.
Yusuke setzt die Sonnenbrille trotz der Dunkelheit auf und schreitet durch Ginza im Mondlicht. Er erzählt aus seinem Leben vor seinem ersten «richtigen» Job, und man fragt sich, ob dieses Perfektum-jeden-Preis-sein-Wollen nicht einfach eine Form von Individualismus ist in einer Gesellschaft mit hohem Anpassungsdruck. Während seines Studiums, sagt Yusuke, sei er wie ein Hiphop-Gangster durch die Uni spaziert. Am ersten Arbeitstag jedoch war der Anzug Gesetz. Die neue Rolle verlangte es von ihm. Er akzeptierte das.
So wie die Japaner auch die totale Niederlage gegen die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg akzeptierten. Die Amerikaner waren schlicht besser im Kriegführen, also musste das anerkannt werden. Es gibt im Japanischen einen Ausdruck für diesen pragmatischen Fatalismus, «shôganai», «da ist nichts zu machen». Nach der Meiji-Restauration machte sich das Land 1945 zum zweiten Mal daran, vom Westen zu lernen; lernen, wie man es besser machen kann, besser als alle anderen. Japan importierte und verbesserte die importierten Güter und Konzepte zugleich. Das war der Weg, um wieder eine eigene Identität zu gewinnen. Und erst noch eine erfolgreiche. Japan entwickelte sich im Schatten der USA nach dem Krieg zur zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt.
«Perfektion ist tatsächlich so etwas wie unser Nationalcharakter», sagt Yusuke. Er steht jetzt vor der Star-Bar Ginza. Hier-hin und genau hierhin wollte er uns führen. Wo das Gesichtwahren so viel zählt, ist Improvisation riskant. Ein Lämplein weist den Weg in den Untergrund.
Es folgt der Tatbeweis zum japanischen Nationalcharakter: Der Barkeeper mit Fliege legt einen halbmeterbreiten Block aus glasklarem Eis auf den Tresen und beginnt mit einem Walmesser sein Schnitzwerk. Nach ein paar Minuten lässt er einen scharfkantigen Eisdiamanten ins Cocktailglas gleiten. Der persönliche Eiswürfel, «made in Japan». Yusuke grinst. Die Überraschung ist geglückt, wir sind seine Kunden in der allumfassenden Dienstleistungsgesellschaft namens Japan.
Er erzählt aus seinem Arbeitsleben, mit Spass hat das nicht viel zu tun. Der Ausdruck «Viel Spass» existiert in der japanischen Arbeitswelt gar nicht. Man sagt «ganbatte» («streng dich an»); die Antwort ist immer «hai, ganbari masu» («ja, ich strenge mich an»). Und das heisst im Falle von Yusuke, den Fehler immer bei sich selbst zu suchen, wenn ein Kunde mal unzufrieden ist. Denn ein anderer Anbieter ist in Japan schnell gefunden. Mit Yusukes Geschichten könnte man einen Schweizer Gewerkschafter bis zur Weissglut reizen. Selbstverständlich müsse er 24 Stunden erreichbar sein — auch wenn offiziell vertraglich festgelegte Arbeitszeiten gelten.
Sein persönlich grösster Horror sind die Besuche mit Kunden in Hostessenbars. Mit alten geilen Männern einen Abend lang rumstehen, junge Mädchen ansabbern und Sake trinken?
Natürlich würde Yusuke das niemals so sagen. Die drastische Rhetorik nimmt er aber kopfnickend entgegen.
Die bedingungslose Hingabe an die Arbeit hat ihren Preis. Die Selbstmordraten sind hoch, Magengeschwüre bedingt durch Stress weit verbreitet. Ein soziales Netz gibt es nicht, wer durch die Maschen fällt, bleibt liegen. Wie viele in der Japan GmbH durchdrehen wegen des Drucks, ist unter japanischen Psychiatern umstritten. Yusuke weiss natürlich um diese Kollateralschäden. Auch er träumt gelegentlich vom vermeintlich weniger stressigen Leben im Ausland. Aber dann schlägt wieder der Fatalist durch: «Ich liefere meinen Kunden doch nur den Service, den ich selbst geboten haben möchte», sagt er. Diesem kantschen kategorischen Imperativ sind offenbar alle Japaner verfallen. Mr. Eisblockmann begleitet die Gäste bis auf die Strasse, ein harter Regen fällt auf die Stadt. Der Eisblockmann zaubert zwei Schirme hinter dem Rücken hervor und schenkt sie den Gästen.
Omotenashi?
Eindeutig, bestätigt Yusuke.

Endlich Wochenende
Japaner sind durchwegs Wochenendspiesser. Der Alltag hat sie so sobanudelweichgekocht, dass am Wochenende ausgiebig dem gefrönt wird, was man als das Schönste im Leben empfindet. Im Falle von Saeko und Hirotsugu ist es Shoppen und Sekksu suru (wörtlich: Sex machen).
Die beiden sitzen am Sonntagmorgen im Gucci-Café in Ginza und reden über das, was die Zukunft vielleicht bringt.
Heiraten?
Saeko errötet. «Yes, maybe.»
Hirotsugu möchte auf jeden Fall Kinder, «more than just one», sagte er. Im vergangenen Jahr war er «Mitarbeiter des Jahres». Keine Minute zu spät, nie krank. Die Urkunde hängt über seinem Bett. Wenn er vor ihr steht, denkt er: Das bin ich.
Und doch machen sich, wie bei vielen jungen Japanern, auch bei ihm kleine Zweifel an dem ganzen System bemerkbar. Auf jeden Fall möchte er keinesfalls denselben Weg gehen wie die ältere Generation, sagt er. Gemeint ist: sein ganzes Leben der Arbeit unterordnen, um dann einer dieser Männer zu werden, die abends ausgebrannt in Bonsai-Bars mit Bier und Busen ihre angeknacksten Seelen reparieren.
Am frühen Abend schlendern Saeko und Hirotsugu an den Hermès-Gucci-Prada-Rolex-Schaufenstern der Chuo-Strasse entlang zu ihrem Luxushotel, das sie sich jedes Wochenende leisten. Hirotsugu wird vermutlich noch ein paar einfingrige Klimmzüge in dem Hotelzimmer mit Blick auf den Fuji machen, bevor er sich zu Saeko in den weissen Fogal-Strümpfen ins Bett legt. Am Montagmorgen dann wird er mit der U-Bahn nach Yokohama fahren, um in seiner Koje bei National Instruments seinen Kunden seine eigene Lebenszeit wie auf einem Silbertablett zu präsentieren. Zum Abschied zieht Hirotsugu das Notizbuch zu sich und sagt, diesen Ausdruck gäbe es nur im Japanischen; er offenbare die ganze Haltung der Japaner zur Arbeit. Er schreibt: Karôshi — Tod durch Überarbeitung.

David Iselin ist freier Autor. Er hat in Japan gearbeitet und spricht Japanisch.

Andri Pols wunderbares Buch «Where is Japan», erscheint nächste Woche im Steidl-Verlag.
«Magazin»-Leser können ein signiertes Buch zum Vorzugspreis von 85 Franken (inkl. Versand) erwerben.
Mail an: anja.buehlmann@dasmagazin.ch

Hier steht der Boss: Hitoshi Yoshida, Shiseido General Manager, rechts. | Andri Pol
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Gekämmte und frisierte Natur gibt es in Japan überall. | Andri Pol
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Die Verbeugung ist in Japan keine Demutsgeste, sondern eine Respektsbezeugung. | Andri Pol
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Die Chuo-Strasse in Tokios noblem Stadtteil Ginza wird von Rentnern in Weiss permanent von jedem Stäubchen befreit. | Andri Pol
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Japaner sind Automatenmenschen, im doppelten Sinne. | Andri Pol
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Maximal 15 Grad soll die Verbeugung sein: Selbst die Hipsterjugend beherrscht die Geste. | Andri Pol
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Mr. Eisblockmann zaubert in der Star-Bar Ginza. | Andri Pol
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Ein Zelt auf den Berg Fuji tragen? No Problem für Yamato-Transport | Andri Pol
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Ein Leben für die Firma: Yusuke Nonoyama auf seinem Nachhauseweg (rechts und auf dem Titelbild) | Andri Pol
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Ein Ausschnitt aus dem Firmengelände (Tokios Shibuya-Bezirk) der Japan GmbH | Andri Pol
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Motoya-Espresso-Express wurde von einem ehemaligen Finanzmanager gegründet, inzwischen stehen die Motoya-Busse an vielen Ecken Tokios. Der Kaffee schlägt praktisch alles, was man heute in Italien serviert bekommt. | Andri Pol
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Karôshi — Tod durch Überarbeitung. | Andri Pol
Karôshi — Tod durch Überarbeitung. | Andri Pol
Andri Pols «Where is Japan»
Andri Pols «Where is Japan»

Die Diskussion

32 Reaktionen

  1. Tweets that mention Das Magazin » Die Schweiz in fünfzig Jahren -- Topsy.com

    [...] This post was mentioned on Twitter by Alimente Schweiz, Media Wettbewerbe. Media Wettbewerbe said: Das Magazin » Die Schweiz in fünfzig Jahren: Ihre Analyse allerdings ist ein doppelter Dolchstoss in bester Samura… http://bit.ly/9wvYDz [...]

  2. Flashback

    “So wie die Japaner auch die totale Niederlage gegen die Amerikaner im zweiten Weltkrieg akzeptierten. Die Amerikaner waren schlicht besser im Kriegführen, also musste das anerkannt werden.”
    Ich frage mich ob die Schlussfolgerung, “dass die Amerikaner im Kriegführen schlicht besser waren und das anerkannt werden musste”, in Anbetracht von zwei abgeworfenen Atombomben, deren Folge hunderttausende Tote und weitere x tausend verbrannte und verletzte Menschen waren, tatsächlich die richtige ist. Erstens frage ich mich, inwiefern das eine gute Kriegführung sein soll, mal eben schnell per Flieger ohne Vorwarnung (ich weiss, dass dieser Punkt umstritten ist) zwei Atombomben auf schutzlose Zivilisten abzuwerfen – und ich würde behaupten, dass Japan damals ausser der Kapitulation so viele andere Möglichkeiten nicht zur Wahl standen, zumindest in Anbetracht des Interesses, dass es in Zukunft überhaupt noch ein Land namens Japan geben wird.

  3. arpasgaus

    Den Bückling beherrscht der Schweizer Bundesrat vor den EU Staaten schon. Da sind wir gut vorbereitet. Was uns fehlt ist eine Bürgerfreundliche Justitz,diese ist gegen das Volk gerichtet und es fällt schwer gute Dienstleisungen unter eine Diktatorischen nicht kontrolierten Judikative zu entfalten. Die Schweiz ist ein Land mit Filz und Korruption dies wird im Ausland immer mehr Wahrgenommen. Es wäre wirklich wichtig, dass sich in der Schweiz die unzufriedenen und korrekten Bürger zu wehren beginnen. Am besten mit einer eigenen Partei des Widerstandes.

  4. LukasK

    Es ist sicher nicht ganz falsch dass man in der Schweiz gute Chancen hat von einem Bediensteten unangemessen unfreundlich behandelt zu werden. Jedoch würde ich sagen dass der durchschnittliche Schweizer kunde in der Schweiz etwa das kriegt was der durchschnittliche Schweizer Kunde verdient. Der schweizer Dienstleister ist im Vergleich zum japanischen unanständig aber das trifft ganz genau so auch auf den schweizer Kunden zu.

  5. beajo

    Wir müssen im Vergleich gar nicht so weit schauen. Ein Blick über die Grenzen z.B. nach Deutschland zeigt schon einen besseren Umgang der Verkäufer mit dem Kunden. Wie man hier bei uns im Geschäft oder vor allem in der Gastronomie behandelt wird, ist schon unglaublich.

  6. Scrambler

    Dieser Bericht spiegelt die Wahrheit. Und es ist der Grund weil ich aus der Schweiz ausgewandert bin. Mittlerweile wohne ich seit über 2 Jahren in Brasilien wo die Menschen nett und freundlich sind. Wir Schweizer haben eines der schönsten, besten und funktionierenden Ländern der Welt. Keine Kriminalität, offene Natur und wir können uns kaufen was wir wollen zu guten Preisen. Doch auf der Kehrseite ist unsere Kultur versaut durch unfreundliche Menschen. An jeder Ecke wird man verbal angerempelt. Wenn man sich freundlich verhält kann es vorkommen dass jemand mit einer verachtenden Äusserung einem direkt in die Offenheit fährt. Das ist auch der Grund weil wir Schweizer sehr kalt, verstumpft und immer logisch und neutral handeln als besser unsere Nachbarn wie Deutschland, Österreich und Frankreich mit einer Mischung aus Herz und Verstand. Jetzt nach 2 Jahren vermisse ich zwar die Schweiz aber nicht die Menschen. Doch in Brasilien fühle ich mich auch nicht wohl weil ich mich nicht mit dieser Kultur identifizieren kann. Hier denken die Leute keine 2 Zentimeter. Alles wird nur aus dem Gefühl gemacht. Das ist mir dann schon zu animalisch und deshalb denke ich darüber nach weiter zu ziehen. Die Schweiz kommt für mich längerfristig nicht mehr in die Frage aus diesen Gründen. Es gibt bessere Länder als die Schweiz. Wo die Mischung aus physikalischer Freiheit (keine 4m Mauer um das eigene Heim wie hier in Brasilien) und geistiger Freiheit (seinen Gefühlen freien Lauf geben können ohne “angemacht” zu werden) stimmt.

  7. heinzstoecklin

    Die Schweiz war und ist immer noch Spitze und so ist Japan. Doch beide wissen, es ist schlecht, sich auf den Lorbeeren auzuruhen. Um die Lage der Schweiz zu relativieren: Japan ist nie so international und so multi-kulti wie die Schweiz. Daher ist es leicht zu sagen, die Japaner sind so oder so. Die Schweizer wie es sie vor 30 Jahren noch gab, gibt es heute immer weniger. Es ist ein multi-kulti Land, das nur logisch ist in Europa. Und, betreffend schlechtem Service, ja den gibt es in der Schweiz, doch das gibt es in jedem Land. Schlechten Service on a daily basis findet man aber noch in China, oje. Japan, so weitentwickelt und zukunftsorientiert, doch so nah bei China… ein Raetsel wie das so weit auseinandergehen konnte bei diesen beiden Laendern.

  8. a200000

    Japan, welch ein Wunderland, ich wundere mich wieso die Autoren noch in der Schweiz sind, höchste Zeit die Koffer packen. Besser als Japan würde dem Land der Name Land der Heuchler anstehen, die meiste Zeit verbringt der Japaner mit Bücklingen und sich Sorgen machen ob er nicht sein Gesicht verlieren könnte, Kinder werden zu willenlosen Maschinen gedrillt, nicht selten in den Selbstmord getrieben. Der Staat wird jahrzehntelang durch Mafia ähnliche Parteien beherrscht und an den Rand des Bankrotts gebracht. Wahrlich ein Grund neidisch zu werden.

  9. david

    Es nur wenigen guten Schilderungen von Japan in Westliche Sprachen, und diese ist nicht schlecht. Obwohl ich in Japan gelebt habe und Japanisch spreche würde ich es mich neu treuen über Japan zu schreiben, und ich finde es immer schwierig von Japan zu erzählen ohne Klischees zu bedienen.

    Als Nicht-Schweizer und Nicht-Japaner der in beiden Ländern gewohnt habe find ich übrigens dass beide Ländern sind, in welchem “alles funktioniert”. Der Konstrast mit meinen Ehrfarungen in England ist sehr gross. Von den unhöfflichen Schweizer Verkäufer habe ich glücklicherweise noch nichts bekommen, gehe ich zu wenig shoppen?

    Letzlich will ich nur sagen dass ich glaube dass es ein Kehrseite der Japanischen Dienstleistungskultur gibt. Leider habe ich keine Kellen dabei, aber ich glaude dass die Dienstleistungwirtschaft (im Gegensatz zu Erzeugern wie Toyota, Sony, etc) ziemlich ineffizient ist, und die japanische Wirtschaft zurückhielt. Japans BIP pro Kopf ist zum Beispiel nicht extrem hoch. (http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Bruttoinlandsprodukt_pro_Kopf)

    Flashback:
    Wie du sagst war der Krieg eigentlich schon vorüber als die Atombomben abgeworfen geworden sind. Ganz abgesehen davon ob die Verwendung von Atomwaffen moralisch sei oder nicht, ist es also klar dass die Amerikaner die bessere Kriegsführer waren. Zur Zeit war das BIP Japans 10% von Amerikas. Der Krieg überhaupt zu starten war strategischer Unsinn und es weist auf die Inkompetenz den damaligen Führern Japans. Bezüglich dies gab vor ein paar Jahre es eine sehr gute Artikelreihe in konservativen japanischen Magazin “Bungei shunju”. Die Behauptung im Artikel dass viele Japaner es auch so sehe scheint also Korrekt zu sein.

  10. Skeptiker

    Die unglaublichen Beispiele für rüpelhaftes, inkompetentes und arrogantem Verhalten von Personal an der Bahnhoftrasse muss ich leider bestätigen. Ebenso, dass damit in kleineren Städten der Schweiz, vor allem aber im Europäischen Ausland sehr viel besser steht, auch in den USA.
    Es ist offenbar so, dass hier viele Versager glauben, ihre Mitmenschen zur Sau machen zu müssen, nur weil sie es selbst zu nichts gebracht haben.
    Meine Frage an solche Rüpel wird in Zukunft lauten: Was sind Sie von Beruf? … Dann sind Sie offenbar sehr unglücklich darüber, und ich kann wirklich gar nichts dafür. Wissen Sie, ich habe als Soldat, als Lagerarbeiter, als Magaziner, als Nachtwächter gearbeitet, später als Ingenieur und Abteilungsleiter. Lustig war das gewiss nicht immer. Aber dennoch habe ich mich immer bemüht, meine Arbeit recht zu machen, fair und freundlich zu bleiben, und halt jeweils die Fehler von innen her zu suchen…
    @A20000: Wenn Sie das Ende des Artikels auch gelesen hätten, würden Sie erkennen können, dass Japan keineswegs naiv verherrlicht wird.
    Bei uns verstehen allzu viele Leute nicht, dass man durch Dienen, in irgend einer Position unserer Gesellschaft(!), seine Würde gewinnt und nicht verliert, ganz einfach, indem man seine Arbeit gut macht.

  11. Markus Schmidli

    Die Schweiz wird in 1000 Jahren kein Japan werden, denn Japan ist nach wie vor eine Feudalgesellschaft mit allem was dazugehört, während in der Schweiz die Feudalherren zum Teufel gejagt wurden.

    Ich habe keine Lust mich allerorten zu verbeugen und anderen in den Hintern kriechen zu müssen (weil’s “im Handbuch” steht). Und mich widern die Kellner an, die um mich herumschwarwenzeln und ständig das Glas nachfüllen. Ebenso Verkäufer, die angetanzt kommen, kaum betrete ich einen Laden. Und es ist gut, dass man Dicken sagt, wenn sie im falschen Laden sind.

    Dienstleistung klingt zwar gut – aber in Wirklichkeit sind Berufe wie Kellner oder Verkäufer doch einfach Sklavenjobs, wo eine Person für die Dauer der Arbeitstzeit verpflichtet wird, auf Kommando zu lächeln und a…zukriechen. Zum Glück gelingt das den Schweizern nicht so gut wie den Japanern. Der Kunde ist in der Schweiz nur schon deshalb nicht König, weil wir Könige aus dem Land gejagt haben und das ist gut so.

    Nur scheint’s, dass sich einige Möchtegernkönige und ihre Diener zurückgeschlichen haben und sich wieder eifrigst im Bücken und Lecken üben.

  12. Skeptiker

    @Markus Schmidli:
    Das sehe ich nicht so. Möchtegernkönig? Das ist doch primitiv, sorry.
    Nein, auch ein Kellner bewahrt und gewinnt sogar erst seine Würde, indem er ganz einfach seine Job recht macht. Es gibt auch in der totalitären Demokratie oben und unten. Oben sind Leute, die mit dieser Tatsache intelligent umgehen können, auch wenn sie Klofrauen sind. Freundlichkeit und Respekt gegenüber Mitmenschen macht gewiss keinen zum Kriecher.
    Gerade, weil Sie das nicht kapieren, bezeichnen Sie einen Kellnerjob als Sklavenjob. DAS ist eine skandalöse Auffassung.
    Was Sie gemeint haben mit “Und es ist gut, dass man Dicken sagt, wenn sie im falschen Laden sind.” bleibt mir schleierhaft.

  13. Ask me once again and I kill you. « now | worldwidewestern

    [...] Finn Canonica und David Iselin – Die Schweiz in fünfzig Jahren [...]

  14. Markus Schmidli

    @Skeptiker: Meiner Meinung nach gibt es nun mal Berufe mit weniger Würde und solche mit mehr Würde und das empfindet auch der Grossteil Bevölkerung so, es schlägt sich unter anderem – aber nicht nur – in der Bezahlung nieder, ob Ihnen das nun passt oder nicht. Sowenig wie die Menschen in sonstiger Hinsicht gleich sind, sowenig besitzen alle dasselbe Mass an Würde. Das ist schon allein an der Tätigkeit zu sehen, die jemand ausübt. Dass jemand für seinen Lebensunterhalt sorgt ist das eine. Wie er das tut ist das andere.

    Den Job recht machen heisst eben nicht, den Kunden nur als Geldesel zu sehen, den man sofort abmelken kann, kaum ist er im Laden. Und auch nicht ungefragt fremde Leute anzurufen, um ihnen irgendwelchen Mist anzudrehen, das ist würdelos.

  15. Skeptiker

    @Markus Schmidli: Das mit der Würde ist halt so ein Ding. In der Tat ist unsere Gesellschaft oft sozial ungerecht. Als sie gewisse Berufsgruppen a priori als Sklavenjobs bezeichneten, meinten Sie wohl so etwas. Aber die Begriffe und Konzepte liegen vor :
    Die Würde des Menschen ist unantastbar (Deutsche BV). Da ist die individuelle, sozusagen private Würde gemeint. Heisst, ich soll jeden, Bettler oder Papst, Untergebenen oder Chef, Käufer oder Verkäufer mit Respekt behandeln, einfach weil er ein Mensch ist. Höflichkeit, sogar Freundlichkeit tut da keinem weh, hat also genau nichts mit Kriechen zu tun. Da können wir von Japan, aber auch schon im Elsass viel lernen!
    Dann kommt die Würde eines Amtes. Die verpflichtet und belohnt einen Würdenträger. Belohnt wird er mit Geld, Ehrung, Macht, mehr Respekt, ja, abhängig von der Stufe! Wie ein Leistungslohn, der dann gerecht ist, falls der Würdenträger eben den Verpflichtungen seines Amtes nachkommt: Fähigkeit, Fachkenntnisse, Gemeinschaftssinn: Dass er halt seine Arbeit recht macht. Ihm wurde ja auch Macht anvertraut! Damit ist klar und nicht ungerecht, dass die Klofrau weniger verdient als der Bundesrat oder als der CEO – vorausgesetzt, jeder mache seinen Job recht.
    Die Würde des Amtes wird gewiss oft verletzt, missbraucht!
    Der Anlageberater, der nichts gelernt hat, nichts kann, und nur weil er seinen Kunden im Umfang von 100Mio. zweifelhafte Produkte seiner Firma andreht, dafür 1% = 1 Mio. pro Jahr einsackt.
    Der BR der dauernd versagt, sein Amt lächerlich macht und dennoch nicht zurücktritt.
    Oder sein Kollege, der noch nach seinem Rücktritt seinen privaten Machtverlust rächen will.
    Der Papst, der unfähig ist, die Opfer seines Unternehmens öffentlich in die Arme zu schliessen und dabei zuerst an die Opfer und die Sühne der Täter denkt.
    Der Verkäufer oder Kellner, der im Massanzug (vom Arbeitgeber als Uniform spendiert) herumlümmelt und Kunden vergrault. Seine Arroganz ist Amtsmissbrauch.
    Die Verletzungen der Amtswürde durch die Inhaber selbst (wiederum von der Klofrau bis zum hl. Vater) machen uns stinkig. Jene vom Alltag fallen uns zuerst auf. Wir merken dies öfter und deutlicher auf der Auslandsreise. Also stimmt hier etwas nicht.

  16. Lesetipp: DAS MAGAZIN über Japan « pyrrhussieg

    [...] 3sat der Nation Japan bereits im Januar eine wunderbare Themenwoche gewidmet hat, ist die aktuelle MAGAZIN-Titelgeschichte ebenfalls sehr aufschlussreich. Die Autoren Finn Canonica und David Iselin starten mit Beispielen [...]

  17. Markus Schmidli

    @Skeptiker: Wir scheinen eine nur teilweise konvergente Ansicht über den Begriff Würde zu besitzen. Aber immerhin.

    Der angesprochene “Kollege, der noch nach seinem Rücktritt seinen privaten Machtverlust rächen will” ist definitiv nicht zurückgetreten. Das wider besseres Wissen zu behaupten zeugt auch nicht von Respekt der Person gegenüber. Ob er sich persönlich zu rächen versucht ist mir eigentlich recht gleichgültig. Auf jeden Fall schätze ich seine aufrechte Art und mit mir tun das viele viele andere. Es ist also einfach nur ein Irrtum zu glauben, der “Kollege” führe einen Privatkrieg. Er tut es für uns. Und wir stehen dabei hinter ihm.

  18. RogerL

    Aus eigener Erfahrung darf ich sagen, der Artikel beschreibt die japanische Gesellschaft sehr treffend und mit keiner Silbe übertrieben. Im Kontrast zur Schweiz werden einem auf wunderbar einfache und alltägliche Weise Schwächen und Stärken unserer eigenen Kultur verdeutlicht.

  19. fabile

    Tja als Hotelier hätte ich gerne Zustände wie in Japan. Zusätzlich zu den 8 Stunden (und 12 Minuten) pro Tag würden meine Mitarbeiter gratis Ueberstunden bis zum geht nicht mehr schieben. So (und mit der entsprechnden Einstellung) lässt sich ja schon eine tolle Dienstleistung hinbekommen, jedenfalls deutlich einfacher als wenn man jede Ueberstunde aufgeschrieben bekommt und sie teuer blechen oder kompensieren darf.

    Man sollte das japanische Wunder auch einmal in Hinblick auf Produktivität beurteilen und die effektiven geleisteten Stunden in Franken und Yen berechnen. Würde man diese Stunden bezahlen müssen, dann sähe das Ganze schon ein wenig anderst aus.

  20. Yannick

    Endlich ein Artikel der mit dem Klischee, die Schweizer Gesellschaft mit der Japanischen gleich setzen zu müssen, aufräumt. Die Schweiz in fünfzig Jahren? Ich weiss nicht. Unser Land hat sich unlängst die Habsucht auf die Initialen geschrieben. Die Leute verbarikadieren sich in ihren Luxuswohnungen. Dazwischen autarke Parks. Wüsten der Einsamkeit. Ohne Menschen. Auf Habsucht folgt Neid. Das weiss man.

  21. Flashback

    @ MK: Wahnsinn, wie kommen sie zu einer derart ignoranten Einstellung?
    Es gibt also Menschen mit mehr und solche mit weniger Würde und grundsätzlich ist es so, dass Menschen wie Strassenputzer, Kellner oder Verkäufer würdelosere Menschen sind? Schon mal jemanden aus dem weissichwo kennengelernt, der sein Land aufgrund unmenschlichen Lebensbedingungen verlassen musste, dort einen Uniabschluss und Doktortitel hatte – und dann schlussendlich in der Schweiz so einen tollen Job “ohne Würde” machen musste? Ich kenne einige solche Leute und tatsächlich ist es so, dass diejenigen, die effektiv solche geistige Ressourcen besitzen, es dann oftmals auch schaffen, sich in einem Zweitland nach oben zu arbeiten und sich ein gutes Leben aufzubauen – aber davor standen sie viele Jahre am “unteren Ende” der gesellschaftlichen Hierarchie. Beurteile niemals jemanden nach seinem Job! Wie viele Idioten gibt es in den oberen Rängen dieser Welt, wie viele Unqualifizierte, die einzig in ihrem Stuhl sitzen dank Vitamin B oder weil Papi Herr soundso ist? Und wie viele Menschen gibt es im Gegenzug, die Tag für Tag einer einfachen Arbeit nachgehen, selber auch gerne das Gymnasium besucht und zur Uni gegangen wären – deren Lebensweg jedoch einfach so steinig war, dass sie diese Möglichkeit nicht hatten? Klar kann man immer und wenn man wirklich will, etc. – und viele machen das dann auch irgendwann, konkret gesagt, kann man mit Dreissig noch die KME machen, danach Medizin studieren und später mal Oberarzt werden. Aber bis dahin wird dieser jemand vielleicht derjenige sein, der ihnen als würdeloser Kellner den Kaffe serviert. Ich finde ihre Schlussfolgerung, dass Menschen, die “einfachere” Arbeiten verrichten (Was heisst denn schon einfacher? Selber mal neun Stunden am Stück an einer Migros Kasse gearbeitet?), grundsätzlich Leute mit weniger Würde seien – und auch zu Recht geringer entlohnt werden, höchst suspekt.
    Im Übrigen: Selber schon mal für längere Zeit hospitalisiert gewesen? Ans Bett gefesselt, unfähig, selber auch nur zur Toilette zu gehen? Und dabei vielleicht erlebt, dass ihnen eine komplett unterbezahlte Pflegehilfe den Hintern abgewischt hat – dies jedoch in einer solche kompetenten und guten Art, dass sie sich nicht entwürdigt vorkamen? Sie werden zutiefst dankbar dafür sein, dass es Menschen gibt auf dieser Welt, die ihre “Würde” (nach ihrem Begriff) zurückstecken, damit sie die ihre behalten können…
    Oder was ist mit dem paradoxen Beispiel der Prostitution, der – gemeinhin gesellschaftlich betrachteten – “unwürdigsten” Tätigkeit, welche es gibt? Eine durchschnittliche Prostituierte hat einen Stundenlohn von fünfhundert Franken – macht einen Monatslohn, ders mit jedem Professorengehalt aufnehmen kann. Wie passt das denn zusammen? Oder wird dieser Beruf eben gerade so hoch entlöhnt, weil man dafür seine Würde hergibt? Aber dann müsste ja die Klofrau ebenfalls so viel verdienen.
    Einfach so ihre Denkweise, dass sich Würde irgendwie mit Geld in Verbindung bringen oder an einem jeweiligen Berufsstand festmachen lässt, das finde ich komplett absurd.
    Wie bereits geschrieben: Die Würde des Menschen ist unantastbar, natürlich nur ein schöner Satz, der, mit der harten Realität konfrontiert, zumindest auf eine extreme Probe gestellt wird – aber tatsächlich kenne ich Putzfrauen mit mehr Würde als Oberärzte.
    Und Würde hat doch auch – gerade in unserem Zeitalter, in unserem heutigen Alltag – auch sehr viel mit Schein und Sein zu tun. Leicht verwechseln wir den Typen mit einem gewisses Auftreten, guten Kleider (oder einem weissen Kittel) und den akademischen Titeln vor dem Namen als “würdevoll” und die Putzfrau auf der Toilette, in unvorteilhaften Kleidern und mit der Klobürste in der Hand, als “würdelos”. Doch ist es das wirklich, was Würde bedingt?
    Und wie gut ist es möglich, dass der Herr Dr. med. lic. jur. Abends nach der Arbeit den Druck seiner würdevollen Arbeit im Puff wegsäuft und danach Zuhause die Aggressionen seiner Überarbeitung an seiner Frau auslässt – während die Putzfrau noch ihre ganze Familie versorgt und dann schnell vier Stunden schläft, um noch mit einem zweiten “würdelosen” Job diese irgendwie versorgen zu können.
    Klischee – aber genau so ist es die ihre Denkweise.
    Das Leben ist nie einfach schwarz weiss.
    Und hinter dem vermeintlich so würdevollen Reformpädagogen steckt vielleicht ein sehr unwürdiger Pädophiler – während hinter der Toilettenputzerin eine aufrechte Frau steht, die trotz ihren widrigen Lebensumständen täglich um ihre Würde kämpft und genau darum noch viel mehr unseren Respekt verdient hat.

  22. Hugo Reichmuth

    @ Flashback: Danke für diesen wertvollen Beitrag. Ich teile Ihre Ansicht zu 100%.

  23. Peter Aufenast

    Wenn ich so die verschiedenen Kommentare konsumiere, irgend etwas mache ich falsch. Im Großverteiler erhalte ich von den umherschwirrenden gestellauffüllenden Geistern ein Lächeln und werde umgehend zu den suchenden Produkten geführt, an der Kasse werde ich freundlich begrüßt und man wünscht mir einen schönen Tag, im kleinen Quartierladen, beim Bäcker, beim Käser, beim Metzger, beim Bauern — hervorragende Beratung und hin und wieder ein gemütlicher Schwatz. Dieselbe Erfahrung in unzähligen Gaststätten. Freundliches Personal serviert mir meine obligaten Apéros und herrlich zubereitete Speisen aus nah und fern. Im Kleidergeschäft prüfen aufmerksame Verkäufer meine Dimensionen und sind offensichtlich zufrieden, wenn mein, zugegeben etwas rundlicher Bauch in einem zu mir passenden Anzug nicht mehr auf den ersten Blick zu erkennen ist. Kein Problem auch, wenn ich mal einen Handwerker benötige. Ein Telefonanruf und innerhalb akzeptabler Zeit ist ein Spezialist vor Ort. Lediglich wenn ich bei Discountern und Großverteilern technische Fragen zu einem Gerät aus der Unterhaltungselektronik stelle, kann ich manchmal ein Schmunzeln nicht ganz verkneifen. Was mir da alles für einen Unsinn aufgetischt wird ist unglaublich. Aber immer begleitet mit einem freundlichen Lächeln und alles ohne Zeitzwang. Was soll’s. Die Antworten finde ich dann zu Hause beim meinem Universalexperten, einem gewissen Herrn Google.

    Kann es vielleicht daran liegen, dass ich aus einer provinziellen Kleinstadt Namens Bern stamme, noble In-Boutiquen, In-Restaurants und Szenelokalitäten meide. Also ein kleiner Hinterwäldler der noch nie den Duft der berühmten Bahnhofstrasse in Zürich geschnuppert, geschweige denn die Nase über die Grenzen unseres “Alpenländlis” rausgestreckt hat? Nein, daran kann es nicht liegen. Obwohl auch ich “nur” ein Verkäufer bin, respektive war. Gut, ein heute pensionierter Verkäufer, der rund um die Kugel komplexe Kommunikationsprojekte verkauft hat. Unzählige Länder beruflich bereist und vielleicht deshalb alles aus einem etwas anderen Gesichtswinkel betrachtet. Und wenn man die Landessprachen etwas beherrscht und versteht was die permanent freundlich lächelnden Verkäufer, Kellner & Co untereinander so alles von sich geben, oh, la, la!! Zugegeben nach Japan hat es mich nie verschlagen. In Südamerika ist mir vor Jahren lediglich aufgefallen, dass die an den gleichen Projekten beteiligten Japanischen Unternehmen ihren Ingenieuren lediglich unterklassige Hotels zugestanden, während wir immer in den besten und teuersten Herbergen logierten.

    An was liegt es also, wenn ich finde, in der Schweiz funktioniert alles gar nicht so schlecht. Liegt es vielleicht daran, dass ich meine Mitmenschen, egal ob Professor oder Putzfrau gleich behandle wie ich auch von ihnen behandelt werden will. So oder so, wie die Schweiz in 50 Jahren aussehen wird, weiß ich nicht. Mir gefällt mein “Ländli” wie es sich heute trotz vielen Mängeln präsentiert. So Gott will, verschlägt es mich auch noch mal als “Touri” nach Japan. Dann werden wir mal sehen. Das muss aber in den nächsten Jahren erfolgen. In 50 Jahren werde ich schon lange im hölzernen Pyjama die Radieschen von unten ansehen. Und das ist vielleicht gut so!

  24. Profile Pic
    Max Dauch

    Toller Artikel, wenn es auch ein wenig einseitig gedacht ist, die Kultur nur über die Wirtschaft erklären zu wollen.

  25. fabile

    @peter

    Danke für das Statement. Auch in Zürich und überhaupt sehr selten muss ich mich über eine “lausige” Servicekultur aufregen. Auch im hochgelobten Oesterreich kann ich mich auf die Schnelle mehr aufregen, da ist auch lange nicht alles Gold was glänzt.

    Nochmals zum Arktikel: Man sollte sich fragen, ob bei einer korrekten Entlöhnung (nach Stunden), Japan immer noch zu solchen Dienstleistungen fähig ist. Oder sollen wir in 50 Jahren ebenso kaum mit Freizeit Tag und Nacht zum gleichen Lohn buckeln? Ist das das Ziel? Sogar als Untenehmer wünsche ich mir sowas nicht.

    Und die japanischen Produkte müssten ja um klassen besser sein, als vom Rest der Welt. Toyota ? Sony ? Toshiba ?

    Toyota hat seine Probleme, Sony ebenfalls und wird im Handymarkt gnadenloss von Apple, Samsung & Co gejagt, Toshiba z.B als Notebook von HP oder Asus abgehängt. Vielleicht leidet mit der japanischen Mentalität die Kreativität und Innovation!!!

  26. Claudia Meier

    Ein spannender Bericht über die japanische Gesellschaft! Nur der Vergleich des Zürcher Verkäufers mit einem SS-Offizier finde ich ziemlich daneben, wie so oft, wenn man die Nazis bemüht. Ebenfalls den Ausdruck „eine Atombombe der guten Laune“ – gerade wenn man über Japan schreibt.

    Ich hoffe, dass die Schweiz niemals wie Japan wird, eine nach Handbuch disziplinierte Gesellschaft, in der jedem vorgeschrieben wird, wie er/sie sich in jeder erdenklichen Situation zu verhalten hat. Und diese aufgesetzte, übertriebene Höflichkeit/Unterwürfigkeit, muss doch bisweilen anstrengend sein, für beide Seiten. Man vermisst jegliche Spontaneität und ehrliche Auseinandersetzungen. Solch eine erzwungene, künstliche Harmonie wäre mir persönlich ein Grauen. Da sind mir die „sozialen Herausforderungen“ bei uns schon lieber.

    Und zum Glück ist man hier nicht so weit, dass man am Arbeitsplatz bis spät am Abend ausharren muss, bis der Chef zuerst nach Hause geht, sogar dann, wenn man nichts zu tun hat. Bei der totalen Selbstaufgabe im Dienst für den Kunden, die Firma und die Wirtschaft, ist den Japanern offenbar der gesunde Menschenverstand abhanden gekommen. Und statt die Arbeitszeit zu verkürzen, um die Menschen zu entlasten und sinnvole Arbeit besser zu verteilen bzw. möglichst vielen Menschen echte Herausforderungen zu verschaffen, verlangt man von den Angestellten Überstunden und 24h Verfügbarkeit, und erfindet solch intelligente Jobs wie den einer/s Wohlfühlangestellten. Ein perverses System. Ich glaube, dass viele Japaner frustriert sind, nur wagt kaum jemand Kritik zu üben, noch richten sie ihre Frustrationen und Aggressionen gegen sich und begehen lieber Selbstmord. Mami hat es immerhin schon gewagt…

  27. ziko2mi

    Wie geil findet sich denn der Autor bei der völlig deplatzierten Bildsprache “eine Autombombe der guten Laune”? Er schreibt über Japan! und es fällt ihm nichts besseres ein. Blamabel. Albern. Dumm.

  28. schweizweit.net | Wochenrückblick

    [...] Die Schweiz in fünfzig Jahren <– Vorsicht, langer Artikel! :) [...]

  29. sibil

    Komplimente. Ich bin seit Kindheit mit der japanischen Kultur konfrontiert und dachte diese gut zu kennen, bis ich für einen Job nach Tokyo zog. Dort musste ich feststellen, dass das soziale Gefüge viel komplexer als vermutet, und für uns Europäer nur schwer zu verstehen ist. Ich bin der Meinung, die Autoren haben in diesem Artikel die japanische Gesellschaft sehr treffen beschrieben ohne diese zu bewerten. Dies zeugt von Einfühlsamkeit und Neugierde; deshalb meine Komplimente an die Autoren.

  30. Claudia Meier

    @Flashback: Ich bin mit Ihren Ausführungen einverstanden. Tatsache ist aber auch, dass körperliche Arbeit, bzw. Menschen, die solche verrichten, in der Gesellschaft keinen hohen Stellenwert haben. Dies obwohl die Gesellschaft auf diese Menschen mehr angewiesen als auf viele Akademiker. Ich denke, das wird auch politisch so gewollt, denn von der gesellschaftlichen und damit verbunden finanziellen Geringschätzung körperlicher Arbeit profitieren die Arbeitgeber. Bei Arbeiter, Putzfrauen, Kellnern, Altenpfleger oder Kassiererinnen spricht man denn auch von der „Unterschicht.“ Das Wort hat ganz klar eine pejorative Wertung. Ich habe auf jeden Fall noch nie einen Arbeiter von sich selbst sagen hören, er gehöre zur „Unterschicht.“ Meiner Meinung nach müsste man es endlich zum Unwort erklären und körperliche Arbeit generell aufwerten, z.B. durch einen staatlich festgesetzten, anständigen Mindestlohn. Niemand ist unersätzlich, jeder soll seine Arbeit recht machen, ob Putzfrau oder CEO, ohne dass man die Menschen in irgendwelche (diskriminierenden) Schichten einteilen muss. Dass ein CEO mehr verdient als eine Putzfrau, weiss man ja sowieso. Dieses Schichten-Konstrukt dient vor allem Leuten mit krankem Ego dazu, andere klein und sich selbst wichtig zu machen.

  31. Peter MacCormick

    vor 5 monaten war ich zum ersten mal in japan, als buddhist in einem selbstversorgenden kloster. ich habe auf der reise stark den perfekten service der japaner gespürt. und geschätzt. wenn jemand in der schweiz unterwegs ist, z.b. in einem gastrobetrieb, kann er oder sie tatsächlich das gefühl haben, das auftreten des servicepersonals sei generell bedenklich bis skandalös. dazu meine bemerkungen und erfahrungen: japan ist ein buddhistisches land. eine der zentralsten lehren im buddhismus ist die wechselseitige abhängigkeit aller dinge. in japan wird dies stark gelebt. im alltag begegnen sich die leute deshalb so freundlich und zuvorkommend, weil sie begriffen haben, dass meine unbedeutende kaffeebestellung für den kellner einen teil seines alltag darstellt wie auch für den gast selbst. japaner wollen mit ihrem verhalten ein konstruktives klima in der gemeinschaft hochhalten, weil sie wissen, dass auch sie selbst von diesem klima abhängen.
    in der schweiz gibt es das bewusstsein der wechselseitigen abhängigkeit nicht: der gast beherrscht sich nicht, wenn er unter zeitdruck ist und setzt den kellner unter druck. eine negativspirale. der kellner ist unfreundlich zum gast, weil er selbst oft unfreundlich behalndelt wird. die zweite negativspirale.
    deshalb kann man japan und die schweiz nicht vergleichen, niemand sollte sich über den zwischenmenschlichen umgang in der schweiz beschweren. wer das tut begreift das gesetz der wechselseitigen abhängigkeit nicht.
    ich bin selbst kellner. es kränkt mich, wenn jemand jammert, dass servicepersonal in der schweiz sei ein desaster. es gibt zusammenhänge die dazu führen. gäste tragen hier mitverantwortung zum klima: statt zu fordern vom dienstleister, wie es in der schweiz so oft gemacht wird, könnte man von den japanern lernen. man muss sich gegenseitig umeinander kümmern im alltag. egal ob ich etwas kaufe und damit zum lohn dieses mitarbeiters beitrage. wer meint er könne einfordern, liegt falsch und verursacht viel dieser so oft gefühlten unzufriedenheit in der schweiz. auch wenn ich einen 100′000 ranken teuren luxusschlitten kaufe. wenn ich meine, deshalb den big boss spielen zu können, der andere rumkommandiert, dann ist es schon zu spät… deshalb zurück zur demut, bescheidenheit, sich erst um die andern kümmern, dann um sich selbst. so entsteht eine wahre gesellschaft.

  32. paul

    It is interesting to read Swiss people’s comments.As far as I saw, Switzerland has more reasonable political system than that in Japan. It looks international, but Swiss people force others to speak their languages and have less mutual understanding to different cultures, however people are much more talented to master other languages than Japanese. Rich people prefer to come to Switzerland to Japan to save tax expense. It is a smarter system to make the country wealthy. Swiss Social welfare is better than Japanese, but the Japanese health care system is better than Swiss. Swiss children have longer holidays and less effort to have good jobs than Japanese children for less competition and more practical educational system, but Japanese Mothers don’t need to wait children at home for their lunch time. There are beautiful lakes but no ocean. I met a lot of stubborn people and they looked unhappy. People are more money oriented and negative mind.Japanese love new things and to improve. Swiss people are afraid and take time to accept new things, but accept. Less diverse for many products in Switzerland, but more practical and less effort to complete works. Population is spread in the country in Switzerland, but not in Japan. Too many people are living in big cities, like Tokyo, but more entertainment and excitement; however, Operas and concerts are cheaper in Switzerland. Foods are better in Japan with varieties. Swiss foods are salty, but better bread. Japanese people have good image to Switzerland and people love its nature, and Heidi Manga was made in Japan. Japanese people like Swiss watches. Everyone knows that Switzerland is a neutral country, though people also know that Swiss company produce parts of atomic stations, have an atomic shelter at home and protect Vatican. A Swiss who worked in an “international” Swiss firm told me, ” We Swiss think that Switzerland is the best in the world. Don’t talk about your country!”. It still has strong impact. Every Swiss Reads 20 Minuten everyday. Migros and Coops seem monopolized like in socialism. Which one do you like? Is a Swiss joke something like this?

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