19.06.2009 von Guido Mingels , 8 Kommentare
Alex
Alex Light, selbst ernannter Fitnesstrainer der Arbeitslosen von Dubai, applaudiert, als seine Schützlinge sich am Strand unter Liegestützen quälen, rote Gesichter, schweissüberströmt. Es ist der einzige Applaus, den sie momentan erhalten. «Bad Times Boot Camp», Trainingslager für schlechte Zeiten, so nennt der stachelhaarige Engländer, selber arbeitslos, seine Idee. Dreimal pro Woche trifft sich am Jumeirah Beach, wer keinen Job hat und in Form bleiben will. In der Ferne verschwindet das segelförmige Burj al Arab, lange höchstes Hotel der Welt und Wahrzeichen Dubais, wie eine Fata Morgana im Dunst.
«Los jetzt», treibt Alex die sechs Frauen und Männer an, die heute erschienen sind, «ihr wollt doch gut aussehen beim nächsten Vorstellungsgespräch, oder etwa nicht?» Desmond aus Singapur war Marketingchef eines Luxusausstatters (im April entlassen); Tamar aus der Schweiz rekrutierte Führungskräfte (im Februar entlassen); Wayne aus England war Finanzchef einer Abteilung beim staatlichen Generalunternehmer Nakheel (wegstrukturiert). Nakheel ist jene Firma, die Dubais wahnwitzigste Projekte verantwortet: die drei «Palm Islands» vor der Küste (Weiterbau verschoben); den geplanten, über einen Kilometer hohen «Nakheel Tower» (vorläufig abgesagt); die einer Weltkarte nachempfundene künstliche Inselgruppe «The World» (gestoppt). Ein irischer Investor namens John O’Dolan, der mit seinen Partnern für knapp 40 Millionen Dollar die Insel «Ireland» aus «The World» gekauft hatte, hat sich im März das Leben genommen. Doch Alex ist Fitnesstrainer, Alex ist Optimist. «Das wird schon wieder», sagt er.
Die Arbeit ruht im Übermorgenland. Der Wind treibt Sand über die frisch planierten Autobahnen, Steppenläufer rollen bis an den Rand der Baustellen, als wolle die Wüste zurückfordern, was ihr genommen wurde. Einst war hier jeder dritte Kran der Welt am Werk, noch immer stehen sie zu Hunderten um unvollendete Wolkenkratzer herum, nutzlos, Herden gelangweilter Giraffen. Dubai, auf Pump gebaut, ist abhängig vom globalen Kapitalfluss, von immer neuen Krediten für immer neue Hotel-, Geschäfts- und Wohnkomplexe, abhängig von jenem sich bis vor Kurzem in schwindelerregendem Tempo drehenden Kreislauf aus Investitionen, Renditen und Schulden. Gestern war Glaube, Gier und Hoffnung. Heute ist Krise. Blase geplatzt. Dumm gelaufen. Dubai, Megalopolis am Golf, Hauptstadt der globalisierten Welt, macht Pause.
Tamar
Tamar auch. Joggen am Strand ist anstrengend, ihr Leben sowieso. «Job weg, alles weg», sie lacht, atemlos. «Executive Research Consultant» war die Berufsbezeichnung der 27-jährigen Schweiz-Armenierin, und seit sie die verloren hat, ist auch die von der Firma bezahlte Wohnung gekündigt und das Bankkonto erloschen. Arbeitslose werden zu Rechtlosen in Dubai. Auch um an bezahlbaren Wohnraum zu kommen, muss man das Gesetz brechen. Tamar Iminhokis teilt sich jetzt mit einem Libanesen ein Apartment, obwohl Unverheiratete in Dubai nicht unter dem gleichen Dach leben dürfen. «Es kann reichen, dass sich ein muslimischer Nachbar beschwert, und du bist in Schwierigkeiten», sagt Tamar, die jetzt darauf achtet, dass sie in der Parkgarage oder im Aufzug nicht gemeinsam mit ihrem Wohngenossen gesehen wird. Sie pendelt derzeit an drei Tagen pro Woche ins Nachbaremirat nach Abu Dhabi, wo sie zum halben Lohn etwas Neues gefunden hat, das sich «Business Operations Manager» nennt, «wir machen Geschäfte für die Scheichs». Bald will sie umziehen. Es sei einsam geworden in Dubai, sagt sie, «dauernd rufst du Freunde an und der Anschluss ist nicht mehr in Betrieb».
Diese Stadt hat zur Zeit ihres Booms wie keine zweite die globalen Nomaden angezogen, die Glücksritter, die Heimatlosen, und nun zieht die Karawane weiter. Nur rund 10 Prozent der 1,4 Millionen Bewohner sind Einheimische, weitere 10 Prozent kommen aus umliegenden arabischen Staaten, sie werden bleiben. Die Krise trifft besonders diejenigen ganz unten und ganz oben in der Gesellschaft, die 65 Prozent Wanderarbeiter vom indischen Subkontinent, Fussvolk, humane Schubmasse, und die 15 Prozent hochqualifizierte Fachkräfte aus der ersten Welt, Europäer, Amerikaner, Australier, weisse Südafrikaner, angelockt vom schnellen Geld und einem Steuersatz von null Prozent. In den letzten sechs Monaten hat laut Schätzungen jeder dritte «Expat», wie sich die Westler auf Wüstenbesuch selber nennen, der Stadt den Rücken gekehrt. Bis Ende 2009, so erwarten die Analysten der Investment-Bank EFG-Hermes, werde die Bevölkerung Dubais insgesamt um 17 Prozent schrumpfen.
Cynthia und ihre Familie
«Ausgerechnet jetzt müssen wir weg», sagt Cynthia. Jetzt, da ihr Leben dank der Krise angenehmer geworden ist. Noch vor ein paar Monaten stand sie pro Tag mit ihrem Offroader vier Stunden im Stau, um Sarah und Megan, ihre Töchter, morgens in die internationale Schule zu fahren und nachmittags wieder nach Hause. Dubai heisst leben im Auto, Dubai sind 75 Kilometer Retortenstadt entlang der schnurgeraden Sheikh Zayed Road, zwölf Spuren parallel zur Küste. Heute, da hier der Verkehrsstrom angenehm ausgedünnt wurde, weil die vielen Lastwagen wegfallen, die nicht mehr auf die Baustellen fahren, und weil die vielen Taxis wegfallen, die immer weniger Geschäftsleute zu Terminen chauffieren, braucht Cynthia noch zwanzig Minuten für eine Strecke. Cynthia Weller, Anfang 40, durchtrainiert, ist Kalifornierin, Mutter, Weltbürgerin und vor allem Ehefrau von Jeff, einem Architekten, der schon in Tokio, Florenz und in Indonesien Projekte betreute, die Familie immer dabei, und der seit Ende April keinen Job mehr hat in Dubai. Nicht gefeuert sei er worden, sagt Cynthia mit erhobenem Zeigefinger, nur freigestellt, so wie jeder Zweite in seiner Firma. Ihr Mann war verantwortlich für eine Luxusüberbauung mit Golfplatz für 1,2 Milliarden Dollar, man braucht ihn jetzt nicht mehr, die Investoren wurden klamm, alles ist «on hold».
Wer entlassen wird in dieser Stadt, verliert auch sein Visum, Arbeitslose sind im Geschäftsmodell Dubai nicht vorgesehen. Es bleiben dreissig Tage Zeit, um entweder eine neue Anstellung zu finden oder das Land zu verlassen. «Die Flüge sind gebucht», sagt Cynthia, am 11. Mai fliegen Mutter und Töchter zurück nach San Diego. Jeff fliegt erst mal nach Luanda, Angola, wo er von einer französischen Firma einen Auftrag erhalten hat, wieder ein Villenkomplex, wieder mit Golfplatz. «Bloss kein Mitleid mit uns», sagt Cynthia und schaut sich müde in ihrem mit Umzugskartons voll gestellten Apartment um, «wir wollten dieses Leben». Umzüge ist sie gewohnt — bloss waren sie bisher freiwillig. Auf den Kartons steht das Logo von Allied Pickfords, weltgrösste Umzugsfirma, eines der wenigen Unternehmen, deren Geschäfte derzeit blühen im Emirat. Ein Pakistani mit Handschuhen räumt Spielsachen in einen Karton, Handle With Care.
Abdul, Syed, Borhan, Uzzal — und Seiwar
In Sonapur, einem Ort ohne Adresse, dreissig Minuten Autobahnfahrt vom Zentrum entfernt, wohnen die Ameisenmenschen. Sie bauen die gewaltigen Burgen in diesem Sandkasten namens Dubai, sie richten die himmelhohen Türme auf, asphaltieren die Highways, buddeln den Hafen aus, schütten die Inseln ins Meer. 300 000 Arbeiter lebten allein in diesem Camp bis Anfang des Jahres, jetzt sollen es noch 200 000 sein, die anderen wurden nach Hause geschickt, nach Indien, Pakistan, Sri Lanka, Afghanistan, Bangladesh, Nepal. Bis zum Horizont reiht sich Block an Block, manche mit Stacheldraht umgeben, dazwischen wellige Wege, knöcheltief mit Staub bedeckt. Eine einäugige Katze schläft im Abfall. Vor einer Mauer bietet ein Stör-Friseur seine Dienste an, er hat einen ausrangierten Lastwagensessel neben eine Pfütze gestellt und schnippelt nun am eindrücklichen Bart eines Kollegen herum. Keine Fotos bitte. Was er tut, ist illegal, Nebenjobs dieser Art sind im Camp verboten. Vieles ist verboten hier. Wer von draussen kommt, darf nicht rein, «No Visitors» steht auf zahlreichen Schildern. Und wer drinnen ist, darf nicht raus. Sie werden morgens in Bussen auf die Baustellen gefahren und abends wieder ins Lager.
«Es ist wie ein Gefängnis», sagt Abdul Gaffar, Stahlflechter, wortkarger Wortführer einer Gruppe von Bangladeshi, Leibeigene der indischen Baufirma Pranav Contracting, ohne Pässe und seit sieben Monaten ohne Lohn. Abdul, Syed, Borhan und Uzzal wohnen zu viert in einem 10-Quadratmeter-Zimmer — reichlich Platz jetzt, findet Borhan, Rohrleger, denn bis vor ein paar Wochen waren sie hier zu acht. Schnell ist der Raum überfüllt mit Neugierigen, Uzzal, ein Schweisser, bietet eine warme Dose 7 Up an. An der Decke leiert ein müder Ventilator, ihre Habseligkeiten bewahren die Männer in ihren Reisekoffern unter den Zweistockbetten auf, immer bereit zum Aufbruch. Vierzig von achtzig Bauarbeitern habe die Firma bereits entlassen, die übrigen schlagen im Camp die Zeit tot, denn Arbeit gibt es seit Monaten nicht mehr. «Wir gehen vors Arbeitsgericht», sagt Abdul, er hat ihren Fall eingereicht. Sie wollen ihr Gehalt, 600 Dirham oder 180 Franken pro Monat, versprochen worden war ihnen von den Stellenvermittlern in der Heimat das Doppelte. Die Firma wolle sie nicht entlassen, weil sie dann die Rückflüge bezahlen müsste, erklärt Syed, Elektriker. Sie können in Dubai nichts tun, und nach Hause lässt man sie nicht. «Wir sind wie Geister», übersetzt der Dolmetscher einen Satz von Abdul. Draussen hängt schon seit Wochen ein Schild an ihrer Unterkunft: «Zu vermieten».
Zwei Blocks weiter: Ein Mann namens Seiwar, Bangladeshi auch er, angestellt beim Bauriesen Lang O’Rourke, zeigt auf seinem Handy Fotos seiner Tochter, die nun, wie er erzählt, in Indien eine Fachschule für Pflegekräfte besuche, finanziert durch seinen schmalen Lohn, den er monatlich fast vollständig via Western Union in die Heimat schickt. Deswegen sei er hergekommen, sagt Seiwar, gehüllt in einen Lungi, den bengalischen Männerrock. Deswegen ist er aufgebrochen aus Madaripur, wo es nichts gibt, einfach nichts, nicht einmal Ausbeutung und Sklaverei. Für Männer wie Seiwar, für die Ameisenmenschen, Hunderttausende, ist Ganz-unten-in-Dubai ein gewaltiger Aufstieg.
Plastik Club
Im Plastik Club, einer Openair-Disco mit Strandanschluss, wo die Jeunesse dorée direkt mit Papas Jacht vorfahren kann, bewegen sich spindeldürre Jordanerinnen und Iranerinnen in Porno-Bikinis zu orientalischem House, sie rühren die Füsse nicht von der Stelle, zu gefährlich, bei den Absätzen. Das Plastik wirbt auf seiner Website mit dem Slogan «Exclusively For The Filthy Rich And Aesthetically Perfect», nur für Stinkreiche und ästhetisch Einwandfreie. In Jacuzzis liegen ganzkörperbehaarte arabische Muskeltypen und schlürfen Drinks durch Strohhalme, schon ein Gin Tonic kostet die Hälfte eines Bauarbeiterlohns. Eine Gruppe Deutscher fläzt auf Sofas um eine Wasserpfeife herum, sie haben eine 9-Liter-Flasche Moët Chandon geköpft, um einen Geschäftsabschluss zu feiern, Heiner aus Passau sagt, man habe heute Morgen ein paar Öl- und Gasfelder in Alaska gekauft. Heiner ist eine grosse Nummer hier, «ich hab vor Jahren für den Michael Schumacher eine Wohnung besorgt in der Stadt». Rasha, einem jungen Kenyaner, der in Dubai «Business Affairs» studiert, fällt auf, dass immer weniger Westler ins Plastik kommen in letzter Zeit, «die meisten von denen hauen ab», Dubai gehöre nun den Asiaten und den Afrikanern. Die Westler seien zu weich, findet Rasha. «Ein bisschen Krise und sie kriegen gleich kalte Füsse.»
Joanna
Bis zu ihrer Entlassung hat die Britin Joanna Brodrick selber Leute entlassen. Von den 250 Angestellten der englischen Unternehmensberatung für Baufirmen, bei der sie Personalchefin war, blieben am Schluss noch dreissig übrig, dann, im Februar, war sie selber dran. Sie blickt aus dem Fenster ihrer Wohnung auf den Burj Dubai, höchster Wolkenkratzer der Welt, 818 Meter, 206 Stockwerke, unvollendet, ein viel zu hohes Versprechen. «Lovely», sagt Joanna, «isn’t it?» Das Ding sieht aus wie eine gewaltige Cruise-Missile. Eine Weile noch hat sich Joanna nach einer neuen Aufgabe umgesehen, fuhr also jeden Monat, weil ihr Visum auslief, mit ein paar arbeitslosen Bekannten im Auto über die Grenze zum Oman und wieder zurück, so kriegt man ein neues 30-Tage-Visum. Dauert nur drei Stunden, machen jetzt viele so. Joanna erstickt ihre Marlboro Ultra Light im Aschenbecher, «das wars dann», sagt sie, «das war mein Dubai Dream». Am 25. Juni geht ihr Flug nach London — one way, und nicht mal mehr Business Class. «Ende Juni gibt es hier einen Massen-Exodus», es ist das Ende des Schuljahres, und Tausende entlassene Expats mit Kindern warten nur noch dieses Datum ab.
Joanna hat nicht viele Freunde gefunden in Dubai, «die Stadt zieht lauter dysfunktionale Leute an», findet sie. Dubais Expatriots, sagt sie, arbeiten hart, leben schnell und promiskuitiv. Die meisten, die sie kennt, seien vor irgendetwas hierher geflohen, vor einer persönlichen Krise, vor einem drohenden Prozess, vor einer Scheidung — bei ihr selbst war es nicht anders. «Niemand schlägt Wurzeln, das Leben ist frei von privater Verantwortung. Das ist schlecht für den Charakter.» Aber arbeiten und Geld verdienen, das können die Expats. Wer wird an ihre Stelle rücken? Joanna beobachtet eine Wachablösung bei den Jobs im mittleren Kader, «man stellt jetzt Inder und Asiaten an», denn die arbeiten für 50 bis 60 Prozent des Gehalts eines Weissen, und Dubais Firmen müssen sparen. «Und diese Leute» — Joanna bittet darum, ihre Aussagen nicht rassistisch zu verstehen, als Human Resources Managerin spreche sie schlicht aus Erfahrung — «…diese Leute haben nicht denselben Ausbildungsstandard wie wir Westler. Sie haben nicht unser Tempo, unsere Genauigkeit. Die packen das nicht.» Dubai, so Joanna, werde nun auf sehr lange Zeit unter einem Brain Drain leiden.
James, auf der Palme
Als Palme im Meer ist sie nur aus der Luft zu erkennen, so wie Dubais Planer überhaupt mehr an die Vogelperspektive gedacht haben als an jene der Bewohner auf dem Boden. Für die, die auf ihr leben, besteht «The Palm Jumeirah» einfach aus kilometerlangen, sanft gebogenen Strassen, die lückenlos von beinah identischen Arabesque-Villen gesäumt sind. Es ist der erste, kleinste und als Einziger vollendete der drei geplanten, palmenförmig angelegten künstlichen Inselkomplexe, mit denen Dubai seine Küstenlinie um mehrere Hundert Kilometer verlängern will. Der Besucher, wenn ihm überhaupt der Zugang gelingt zur «gated community», diesem von Schlagbäumen und Uniformierten bewachten Privatwohnbereich, sieht das Meer vor lauter Häusern nie.
Die Strassen oder Zweige der Palme heissen konsequenterweise «Wedel», und so hat der Immobilienmakler und Regierungsberater James Fox die Adresse «Wedel F, Villa 62». James, ein Hüne mit Bubengesicht, ist Australier, er öffnet die Pforte mit einem Siegerlächeln. Am Privatstrand seiner Residenz stehend, ein Bier in der Hand, nennt er das, was derzeit für Tausende von Hausbesitzern in Dubai den finanziellen Ruin bedeutet, nüchtern eine «notwendige Korrektur des Marktes». Die Preise für Wohneigentum sind in Dubai in diesem Jahr um 40 Prozent eingebrochen. «Gut so», sagt James, denn was hier zuvor passiert ist, sei der blanke Wahnsinn, unvorstellbar, vollkommen lächerlich. «Die Leute kauften Häuser, die erst auf dem Plan existierten, und verkauften sie eine Woche später zum doppelten Preis.» Virtuelle Immobilien wurden zu Spekulationsobjekten. Jeder wurde zum Makler, kein Gesetz hinderte ihn. James erzählt von einem 20-jährigen Backpacker aus Japan, den er kennenlernte, ein Student, der für zwei Wochen ins Land kam, um ein paar inexistente Häuser zu kaufen und wieder zu verkaufen, «als er nach Hause ging, hatte er ein paar Millionen verdient. Schlauer Bursche.» Alles erinnert an die Dotcom-Blase in den Neunzigern, sagt James, an den Zusammenbruch der New Economy. «Ersetze Dotcom durch Real Estate und du hast Dubai im Jahr 2009.»
Scheich Mohammed und Naamat
An der Spitze der Palme steht mitten im Meer das Hotel Atlantis. Um sich dieses Bauwerk vorzustellen, muss man an Ceausescus Regierungspalast denken, diesen durch Aladins Wunderlampe drehen und jeden Rest guten Geschmacks subtrahieren. Die Eröffnungsparty im November 2008 kostete 21 Millionen Dollar, das Feuerwerk dazu, zehnmal so gross wie jenes bei den Olympischen Spielen in Peking, soll auch vom Weltall aus gut zu sehen gewesen sein. Im 11 Millionen Liter starken Aquarium, Herzstück des Hauses, schwimmt neben diversen Mantarochen ein 4 Meter langer Walhai, Sammy genannt, und wer für 10 000 Dollar pro Nacht die verglaste Poseidon-Suite mietet, kann Sammy vom Bett aus gute Nacht sagen.
Im Atlantis ist heute Gelegenheit, Scheich Mohammed bin Rashid al-Maktoum zu sehen, den Herrscher von Dubai und Vize-Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, berühmt für seine Vollblüterzucht und die Geschwindigkeit der von ihm erlassenen Gesetze. Seine Live-Auftritte sind so selten wie seine Macht absolut, zahlreich prangt sein riesenhaftes Konterfei in der Stadt, auf Reklametafeln an der Autobahn, auf Grossbildschirmen in den Shopping-Malls, an Baugerüsten von Wolkenkratzern. Er wird das «Arabian Media Forum» eröffnen, wo sich Dubais Meinungsführer zu einer Jetzt-erst-recht-Konferenz treffen, um sich gegenseitig Mut zu machen.
Naamat Baradhy ist Mediensprecherin der Regierungsorganisation «Brand Dubai», die erst kürzlich ins Leben gerufen wurde, um das gefährdete Ansehen Dubais zu schützen. Sie ist ziemlich aufgeregt. Es sei eine Hexenjagd im Gang, sagt sie, das Dubai-Bashing zum Lieblingssport der internationalen Medien geworden, «die ‹New York Times› schrieb irgendwas von Kakerlaken in den Hotelzimmern, ohne dass der Journalist überhaupt hier war». Sie sieht Schadenfreude und Neid am Werk bei Medien aus Metropolen, die im letzten Jahrzehnt von Dubais Tempo abgehängt wurden, London, New York, Hongkong. Natürlich, es ist Krise, aber die sei überall, und Dubai befinde sich «auf dem Weg der Erholung». Infrastrukturprojekte wie die Metro und der Ausbau der Wasserversorgung seien auf Kurs. Anderswo werde es ein paar Verzögerungen geben, etwa beim im Bau befindlichen «Dubai World Central Al Maktoum International Airport», dem auf 140 Quadratkilometer angelegten, künftig grössten Flughafen der Welt. Aber Dubai werde nicht scheitern. Ausgeschlossen. Dann lacht sie. «Wissen unsere Kritiker denn nicht, dass Manal, die Tochter von Scheich Mohammed, verheiratet ist mit dem Bruder von Scheich Khalifa bin Zayed al-Nahyan, dem Präsidenten der Emirate?» Das Argument bedarf der Erklärung. Niemals, sagt Naamat, würde die Herrscherfamilie in Abu Dhabi ihr Nachbaremirat im Stich lassen. Familienbande. Niemals.
Dann kommt, in weisses Tuch gehüllt, der Scheich, umgeben von in weisse Tücher gehüllten Sicherheitsleuten. Er hält keine Rede, der Scheich spricht selten, er empfängt bloss den minutenlangen Applaus und setzt sich hin. Scheich Mo, wie man ihn zärtlich nennt, ist der CEO der Dubai AG, er hat eine ganze Stadt zum florierenden Business-Modell gemacht, doch eine Krise gehörte nicht zur Versuchsanordnung in diesem grössten Wirtschaftsexperiment aller Zeiten. In der Freizeit schreibt er Gedichte. Auf dem geplanten Inselreich «Palm Jebel Ali», Realisierung verschoben, sollen Hunderte Häuser auf Stelzen so angeordnet werden, dass sie, vom Himmel betrachtet, arabische Schriftzeichen formen, die einen seiner Verse zitieren: «Nimm die Weisheit von den Weisen; es braucht einen Mann mit Visionen, um auf Wasser schreiben zu können; nicht jeder, der ein Pferd reitet, ist ein Jockey.» Dubai hat für seine Visionen 80 Milliarden Dollar Schulden angehäuft. Abu Dhabi, das über 94 Prozent der Ölreserven des Landes verfügt, musste im Februar einen Notfonds von 10 Milliarden bereitstellen, damit der Nachbar fällig werdenden Verpflichtungen nachkommen kann. Das Finanzblatt «Middle East Economic» schätzt, dass in den Emiraten gesamthaft Bauprojekte im Wert von 335 Milliarden Dollar sistiert oder aufgegeben werden mussten, der Löwenanteil entfällt auf Dubai.
Faulschlamm
Vielleicht lief einfach alles etwas zu schnell. Ein Dorf für Perlentaucher, entdeckte Dubai nach der Unabhängigkeit von den Briten 1971 ein paar Ölfelder, und dann ging es in nur drei Dekaden aus dem 18. ins 21. Jahrhundert. In den letzten zehn Jahren lag das durchschnittliche Wirtschaftswachstum bei 13 Prozent. Zuweilen verloren die Stadtplaner den Überblick. Im Villenviertel Jumeirah werden derzeit zahlreiche Luxusneubauten, eben erst errichtet, wieder eingerissen, um Platz zu schaffen für einen künstlichen Meeresarm, kleiner Planungsfehler, die Bewohner erhalten von der Regierung woanders neue Häuser. Auch das Kanalisationssystem konnte nicht Schritt halten mit dem Tempo der Entwicklung, weite Teile der Stadt sind ohne Anschluss. Entsorgt wird hier mit Lastwagen, die das Abwasser aus Hunderten individueller Tanks saugen und es dann in die einzige Kläranlage der Stadt, Al Aweer, bringen. Im Gebiet der Hatta Road, 35 Kilometer landeinwärts, kann man das ganze Jahr über die endlose Kolonne von Faulschlamm-Transportern sehen, deren Fahrer 24 Stunden im Stau verbringen bis zum Ziel, manchmal auch mehr. Manchem Camionneur, pro Fahrt bezahlt, wird das zu lang. Sie schütten ihre Ladungen in irgendwelche Gruben oder in die Regenwasser-Gullys am Strassenrand. Vor Monaten vermeldeten Medien üble Gerüche an Dubais Stränden, Fäkalien trieben im Meer vor Jumeirah, der exklusive Dubai Offshore Sailing Club sagte Segelstunden ab. Schlechte Werbung für das High-End-Ferienparadies Dubai, das 2008 acht Millionen Touristen beherbergte, der «Dubai Strategic Plan» der Regierung kalkuliert für 2015 mit der doppelten Zahl.
Kayla und Hendrick
Der Blick vom Balkon im 10. Stock geht zwischen den Türmen des Marina-Viertels hindurch bis zum Meer, unten im Hof ist ein Swimmingpool, Tochter Jewel guckt die «Simpsons» auf High Definition TV. Schönes Apartment. Kayla und Hendrick Steytler* haben es vor einem Jahr für 2,8 Millionen Dollar gekauft, inzwischen ist es noch gut die Hälfte wert. Eines der Kinderzimmer vermieten sie seit Kurzem an einen Bekannten, um das Budget zu schonen. «Wir haben Schulden, unser Geld reicht noch bis Ende Monat», sagt Kayla. «Dann müssen wir fliehen.» Vor sechs Jahren kamen sie aus Pretoria, zwei von drei Kindern kamen hier zur Welt, sie wollten Dubai zu ihrer Heimat machen, doch jetzt hat das Emirat das Paar aus Südafrika zu Kriminellen gemacht. Beide haben sie kürzlich ihre Kaderstellen verloren, sie war «Head of Business Development», er «Senior Consultant».
Sie können die laufenden Kosten für ihr ganz normales Global-Class-Leben nicht mehr bezahlen. Wer in Dubai ein Auto auf Raten kauft, ein Darlehen aufnimmt oder eine Kreditkarte löst, muss beim Anbieter als Sicherheit einen Check hinterlegen. Kommt der Schuldner seinen Verpflichtungen nicht nach, löst der Gläubiger den Sicherheitscheck ein. Und weil bei Kayla und Hendrick das Konto bald leer ist, werden sie im Gefängnis landen, denn ein ungedeckter Check ist ein Verbrechen in Dubai, die Gefängnisse, melden Hilfsorganisationen, sind voll. Auch das Konzept eines Bankrotts kommt nicht vor in diesem Rechtssystem, finanzielles Scheitern ist ein Straftatbestand. Kayla wird mit den Kindern zuerst fliegen, das Datum steht fest, Hendrick soll später nachfolgen, damit es nicht allzu verdächtig aussieht, denn sie werden als Touristen ausreisen. «Wir lassen alles zurück», sagt Kayla, die Wohnung, die Möbel, das Auto, ihre Träume. «Dubai lässt uns keine andere Wahl.» Sie werden nie mehr zurückkommen können.
Hendrick wird am Schluss mit seinem SUV, mit dem er wochenends gern in der Wüste zum «Dünenprügeln» herumraste, Hauptspass der Expats, zum Flughafen fahren und ihn dort irgendwo stehen lassen, so wie das in den letzten Monaten Hunderte getan haben. Im März machten Meldungen über bis zu dreitausend ausgesetzte Automobile am Dubai International Airport Schlagzeilen, Mercedes, Audis, zahlreiche Offroader, auch Sportwagen, viele davon mit Schlüssel im Zündschloss und einer entschuldigenden Notiz des Besitzers hinter dem Scheibenwischer. Die Regierung hat die Zahlen als übertrieben bezeichnet, aber keine eigenen genannt.
Peter
Peter Harradine wird bleiben. Natürlich. Er ist auch schon seit 32 Jahren da. «Bisschen Geduld jetzt, die Scheichs werden das Problem schon lösen», sagt er mit seiner Marlboro-Mann-Stimme und fährt mit dem Golf-Wägelchen einen der Hügel auf dem Jebel Ali Golf Course hinauf, den er entworfen hat. Das ist sein Metier, Golfplätze bauen. «Etwa 160 Stück» hat der 64-Jährige, in Bern geboren, im Tessin aufgewachsen, bisher designt, in aller Welt. In Dubai stammen ausserdem auch fast alle öffentlichen Parks von ihm, und seine Gartenbaufirma Orient Irrigation Services ist für deren Pflege zuständig. «Tausend Leute waren wir bis vor vier Monaten», sagt Peter, «jetzt noch sechshundert.» Vierhundert Indern und Pakistani hat er den Laufpass gegeben, «was soll ich machen», er zuckt mit den Schultern, «die ganze Welt hat Probleme». Drei seiner Golfplatz-Projekte in der Stadt kommen nicht vom Fleck, zwei davon gehören zur gigantischen Vergnügungsstadt Dubailand, die doppelt so gross werden soll wie Disneyland, von der aber noch fast nichts steht. Vertagt, alles vertagt.
Peter kam Ende der Siebziger auf Anordnung seines Chefs hierher, um für einen Scheich eine Sprinkleranlage zu bauen, damit ordentlich Luzerne wuchs für dessen Rennkamele. «Und seither mache ich hier unten für die Araber den lieben Gott und verwandle Wüste in Parks.» Alle paar Minuten geht sein Handy, er hat das Gitarrenriff aus «I can’t get no satisfaction» als Klingelton eingestellt.
Und er hat die Nase voll. Von der miesen Stimmung. Vom Krisen-Gerede. Von der vielen schlechten Presse. Man müsse die Relationen sehen, sagt er. Was hier geschehen ist in den letzten fünfzehn Jahren, sei nicht weniger als ein Wunder. «Schauen Sie sich doch mal um», weist er über den Rand des Golfplatzes hinaus, wo nackte, öde Wüste liegt. So sah es hier damals überall aus. Dubai, sagt Peter, war nichts. Einfach nichts. Es hatte keine Geschichte, keine Kultur, kaum Öl und kein Geld, ein Beduinen-Kaff im Sand, «und sechs Monate pro Jahr ist das Klima ein Scheissdreck», er wischt sich den Schweiss von der Stirn. Und hier, ausgerechnet hier, bauten sie das Atlantis der Gegenwart.
Aber Atlantis, wenn es je existierte, war nicht von Dauer. «Innerhalb eines einzigen Tages und einer unglückseligen Nacht» wurde es zerstört, sagt Platon. So schlimm wird es nicht kommen. Doch Dubai steht für ein Kapitel, das zu Ende geht. Es ist die absolute, hochaufragende, Stahl und Glas gewordene Metapher für das Zeitalter des Neoliberalismus. Dubai verkörpert alles, was künftig nicht mehr gelten soll: das Anything-goes-Prinzip, die unbegrenzten Renditen, das Primat des Kapitals, die radikale Kluft zwischen Arm und Reich, die Ignoranz gegenüber ökologischem Denken, die Abhängigkeit von Öl, betonharten statt sanften Tourismus, Künstlichkeit statt Authentizität, eine Gesellschaftsform ohne Mitsprache des Bürgers. Dubai, die Stadt von morgen, ist eine Idee von gestern.
Peter schmeisst einen Golfball in einen Teich, er sinkt nicht, das Wasser ist salziger als jenes im Toten Meer. Er schüttelt den Kopf. Dubai werde nicht untergehen, sagt er. No way. Die arabische Welt brauche weiterhin einen Hub, und die Welt ein Drehkreuz zwischen Ost und West. Die Stadt werde sich so schnell an die neuen Zeiten anpassen, wie sie entstanden ist. «Die Welt will ein Öko-Dubai? Kann sie haben. Bauen wir halt um!» Das geht schnell hier. In seinem Heimatdorf Magliaso im Tessin, erzählt Peter, brauchten die Behörden dreieinhalb Jahre, um einen Kreisel zu realisieren, «in dieser Zeit hat Dubai den höchsten Turm der Welt aufgestellt». Für ihn bleibt dieser Ort der beste, um der Zukunft entgegenzugehen.
Die Pause bis zum erhofften Neubeginn vertreibt man sich jetzt am Golf mit Feilschen. Die Preise für die redimensionierten Projekte werden neu verhandelt, Utopia wird gesundgeschrumpft. Peter erhielt kürzlich Besuch von Regierungsvertretern, wegen der bestellten Golfplätze, «und die sagten zu mir, ‹Peter, wir haben kein Geld mehr, aber wir möchten bald weiterbauen, gehts auch für die Hälfte?›». Der Mann, der die Wüste begrünt, lacht schallend. Zum Abschied gibt er flüsternd einen Ratschlag mit: Jetzt, sagt er, jetzt seien die Preise tief wie nie, jetzt müsse man hier investieren! Das, allerdings, klingt ganz nach dem alten Dubai.
* Namen geändert
Schade ist es wohl nicht, Dubai war ja schon immer die Pervertierung der Hoffnungen und vermarktbaren Sehnsüchte von Menschen durch den globalen Kapitalismus. Dubais Bewohner haben im Durchschnitt den höchsten CO2-Footprint der Welt, mehr als doppelt so hoch wie der eines Amerikaners. Das ist schon schwer vorstellbar, angesichts unserer Gesellschaft, die das Ziel hatte, einmal mit 2000 Watt auszukommen.
Auf welche Seite recherchiert wird, hängt auch immer davon ab, welche Story man zu erzählen plant. Und ganz offensichtlich war nicht die Absicht von Guido Mingels, ein ausgewogenes, differenziertes Bild von Dubai zu vermitteln. Vielmehr ging ihm mehr darum, sich mit einer reisserischen Titel-Story à la Roger Köppel zu profilieren. Würde man ausschliesslich arbeitslose “Expats” in Schlieren interviewen, hätte man bestimmt auch reichlich Stoff für eine düstere Story. Es ist richtig, dass die Kreditkrise Dubai hart getroffen hat, viele Krähne stillstehen, die Mieten von sureal auf sehr hoch gesunken sind, viele Leute entlassen wurden und am Flughafen eine beschauliche Anzahl an Autos steht. Aber auch wenn es gerne ausgeblendet wird: es gibt in Dubai immer noch eine multikulturelle, lebendige und junge Gesellschaft (ø 27 Jahre), gute Jobs, ein pulsierendes Nachtleben, viele Freizeitsmöglichkeiten sowie 365 Tage Sonne, Strand und Sonnenschein. Ob man ein Burj Dubai oder ein Atlantis mag, ist Geschmacksache wie der Nouvel-Monolith an der Expo 02. Aber es gibt auch Leute wie mich, welche sich sich für diese architektonischen und technischen Meisterwerke begeistern können. Hätte Guido Mingels ein bischen genauer hingeschaut, so wäre er auf auch positiv denkende und visionäre Menschen getroffen, welche all dies hier vorantreiben und erst ermöglicht haben. Gerne lade ich ihn beim nächsten Besuch auf einen Lemon-Mint in Madinat Jumeirah ein, um meine Sicht der Dinge zu erörtern. Dubai ist nicht tot sondern nun halt wie der Rest einfach ein bischen langsamer geworden. Sowieso wird Dubai ein Bilderbuch-Beispiel: entweder wie man es machen sollte oder wie eben nicht. Doch hier leben wir in der Gegenwart und es macht immer noch Spass, Teil des modernen Wüstenmärchens zu sein.
komisch.. habe in letzten monaten viele kommentare ueber die krise in dubai gelesen. auffallend ist die aehlnickeit der elemente in diesen geschichten: die verlassenen autos, die stillgelegten krahne usw.
es stimmt nicht, dass von seiten der regierung in dubai keine eigene zahlen ueber verlassene autos herausgegeben wurden. ich erinnere mich, dass die von 12 autos geredet haben. dies war in dubai.tv nachrichten auf arabisch. diese zahl scheint mir persoenlich unrealistisch. aber der autor hier kann doch nicht einfach behaupten, dass keine zahlen von seiten der regierung genannt wurden.
zum element: “arbeitslose haben keine rechte in dubai” muss gesagt werden: entweder akzeptieren wir das steuerfreie modell mit all seinen nachteilen oder wir bleiben in europa und klagen weiter ueber die hohen steuern. beides zu machen ist ein fauler kompromiss.
zum co2 footprint im kommentar von herren schmidt: vollbeschaftigung bedeutet mehr co2. klimaanlagen und wasserentsalzung sind auch sehr wichtege faktoren. mann kann dubai nicht mit usa vergleichen. denn wir haben hier ein total anderes klima und eine gesellschaftt mit sehr vielen singels, die durch fastfood sehr viel muell produzieren. zb spielt hier die tourismus-branche eine sehr wichtige rolle in der wirtschaft und gleichzeitig in der muellproduktion.
Dubai ist von Grund auf schlecht. Relativieren lohnt nicht. Danke Guido!
Vielen Dank für den wirklich interessant geschriebenen Artikel.
Ich hätte mir dennoch eine nicht ganz so einseitige Berichterstattung gewünscht. Hier wird fast nur die Schattenseite beschrieben — Dubai hat den Expatriates aber sicherlich auch vieles erst ermöglicht in der Vergangenheit.
Mich hätten noch mehr differenzierte Einblicke interessiert, wie versucht wird mit der Krise umzugehen (ähnlich der Geschichte von Peter Harradine).
Heiri Walker:
“Aber es gibt auch Leute wie mich, welche sich sich für diese architektonischen und technischen Meisterwerke begeistern können. Hätte Guido Mingels ein bischen genauer hingeschaut, so wäre er auf auch positiv denkende und visionäre Menschen getroffen, welche all dies hier vorantreiben und erst ermöglicht haben.”
Ermöglicht wurden diese überdimensionalen Bollwerke des Erzkapitalismus von kriminell wirtschaftenden Baufirmen, die ihren sowieso schon billigen Arbeitern die Pässe und am Ende sogar die Löhne wegnehmen und sie in menschenunwürdige, bewachte (!!) Lager stopfen, während nebenan die “positiv denkenden und visionären Menschen” sich wie eine Herrscherklasse des Mittelalters verwöhnen lassen.
Natürlich sind nicht alle so, natürlich legt der Autor seinen Fokus auf bestimmte Bereiche, aber mich persönlich beruhigt es, dass dieser menschen- und naturverachtende Vorwärtsdrang mit all seinen kapitalistischen Auswüchsen kräftig eins aufs Dach kriegt.
Wie in dem Artikel erwähnt, sind lediglich 10% der Bewohner Einheimische. Die kleinste Minorität bildet die Königsfamilie. Allerdings liegt alle Macht und sämtliche Privilegien bei dieser handvoll Menschen. Dubai ist alles andere als sozial oder demokratisch. Das einzige überhaupt was an Dubai verlocken kann ist das Geld.
Die grössenwahnsinnigen Bauprojekte finde ich persönlich widerlich. Es ist eine Befriedigung zu wissen, dass irgendwann ein grosser Teil dieser Dekadenz in den Fluten des Meeres untergehen wird.
[...] Der Artikel kann vollständig online gelesen werden und ist trotz der recht einseitigen Berichterstattung sehr lesenswert. Artikel die Sie auch interessieren könntenDubai bald mit eigenem Stadtviertel für Künstler [...]