06.03.2010 von Ludwig Hasler , 32 Kommentare
Warum stehen unsere Eliten mit dem Rücken zur Wand? So fragt Christoph Blocher und diagnostiziert, nebst anderem: Volksferne, Bodenlosigkeit aus Mangel an gesundem Menschenverstand. Gesunder Menschenverstand ist rar, ja, doch Volksferne? Eher grassiert der populistische Reflex. Kundenservicementalität. Es mangelt an inspiriertem Selbstbewusstsein, an souveräner Weitsicht, brillanter Intelligenz, weltläufiger Eleganz, Charakter, Bildung, Geschmack, Kultur. An Merkmalen, die Eliten aller Zeiten auszeichneten.
Kein Wunder. Schweizer nervt schon das Wort «Elite». Wir träumen Rousseaus Traum, alle Macht gehe nicht nur vom Volk aus, sie werde sozusagen am Jasstisch noch verwaltet. Es ist der Traum von Anarchisten, in einer Gesellschaft ohne Macht leben zu können. Wozu dann Eliten? Es reicht, dass Exekutiven umsetzen, was das Volk diktiert. Weshalb uns regelrecht systemfeindlich vorkommt, wer sich in Intelligenz und Benehmen abhebt von volkstümlichen Gestalten à la Monika Fasnacht.
Nur gelegentlich erwachen wir aus dem Traum. Etwa wenn EU-Staaten uns wegen des Bankgeheimnisses piesacken. Warum rochen Bundesrat und Bankenbosse die Lunte nicht rechtzeitig? Das Volk hat schliesslich zu tun — arbeiten, fernsehen, Kinder erziehen —, es kann nicht auch noch in Berlin sondieren. Was tun die eigentlich da oben? Gouverner c’est prévoir. Voraussicht null. Führung Fehlanzeige. Seit der Schlamassel läuft, katzenbuckeln sie durch Europa, man muss sich ja genieren, kein aufrechter Gang, keine klare Vista, kein Charme.
Vermissen wir also doch Eliten? Wird die Lage brenzlig, erwarten wir grosse Tiere, keine Duckmäuse. Leader- statt Durchschnittstypen. Kriegt man leider nicht urplötzlich im Krisenfall. Ein Glücksfall schon, dass (nach Christoph Blocher) unsere Eliten mit dem Rücken zur Wand stehen. Womit denn sonst? Mit der Stirn? Den Augen? Im Rücken das Volk, das instinktiv allwissende, das ihnen souffliert, wo der Hase läuft? Die Stellung — Rücken zur Wand — wäre perfekt. Blick nach vorn. Zum Fenster hinaus. Die Nase im Freien. Eliten brauchen eine Witterung für das, was in der Luft liegt. Politisch, wirtschaftlich, technologisch, gesellschaftlich, kulturell.
Leider selten der Fall. Eher lehnen sich Eliten an die Wand, wenn draussen der Wind kehrt. Ausnahme: Forschungselite. Die sind frisch innovativ unterwegs — wie Rolf Pfeifer an der Universität Zürich, ein Robotiker, der die Intelligenzforschung auf Hände und Füsse stellt; wie Konrad Osterwalder, der Quantenphysiker, als ETH-Rektor pensioniert, seither Präsident der United Nations University in Tokio. Schon in den Sechzigerjahren hätte die Schweiz das Silicon Valley in Zürich etablieren können, es ¬scheiterte an Querelen unter Professoren, an poli¬tischer Ignoranz. Unlängst verspielten wir auf ähnliche Weise unsere solartechnologische Weltspitzenposition. Es reicht nicht, dass eine Elite die Nase vorn hat. Die politischen, weltanschaulichen, kulturellen müssen mitziehen.
Damit hapert es. Siehe kulturelle Eliten. Verfassen Pamphlete gegen das Internet (das sie nicht kennen), romantisieren die Buchkultur (die jeden Schrott produziert). Nach uraltem Muster: Sie sehen die Felle ihrer Macht wegschwimmen. Eliten sind, vermutlich aus Prinzip, konservativ. Sie können gar nicht wollen, dass der Boden, der sie an die Macht brachte, wegbricht. Dito weltanschauliche Elite. Kurt Koch, als Theologieprofessor kritisch anregend, als Bischof ein unbeweglicher Hierarch. Die Folge: leere Kirchen, spirituelles Vakuum.
Macht, um die Dinge unter Kontrolle zu halten
Eliten als Hierarchien. Mit der alten Priesterklasse teilen sie die konservative Einstellung. Die fällt in allen Branchen auf. Der Chefredaktor, die Spitaldirektorin, der Chefbeamte, der Konzernchef, die Fraktionschefin, der Bundesrat: Sie alle kamen an ihr Stück Macht, um die Dinge unter Kontrolle zu halten, weniger um sie produktiv zu schütteln, sie gar ¬(Joseph Schumpeter zu folgen) schöpferisch zu zerstören. Die meisten beherzigen es nur zu beflissen, sobald die Trägheit, die jeder Organisation innewohnt, bemerkbar wird. Und falls einer das nicht kapiert, wie jüngst der quirlige Postchef, dann ist er weg, bevor er sein Büro eingerichtet hat.
Nun ist der Mensch generell konservativ, nicht erst die Elite. Ein Gewohnheitstier, eingenistet in seinen üblichen Vertrautheiten. Die haben den Vorteil, dass man sie kennt, dass sie sich, grosso modo, bewährt haben; wogegen Neuerungen zunächst das Blaue vom Himmel versprechen. Zur Blauäugigkeit sehen ge¬rade Eliten gar keinen Grund. Fest im Sattel fühlen sie sich unter stabilen Verhältnissen. Oder beim Schein von Stabilität.
Eine riskante Logik. Im Interesse an Machterhalt neigen Eliten dazu, sich mit dem Status quo zu identifizieren — und verlieren die Realität aus den Augen, sobald die kritisch wird. Paradefall UBS-Debakel. Die Riege um Marcel Ospel, benebelt von jahrelangen Milliardengewinnen, sah nicht, was jeder, der das Einmaleins beherrscht, hätte vorhersehen können: dass der Aberwitz, mit Schulden verarmter US-Hausbesitzer endlos tolle Renditen zu machen, auffliegen musste. Ospel stand nicht mit dem Rücken zur Wand, er hielt die Augen auf die Börsenmonitorenwand statt den Blick zum Fenster hinaus. Dort draussen hätte er die verlassenen ¬Häuser sehen, seinen Menschenverstand einschalten können, bevor seine Subprime-Milliarden die Schweiz beinahe ruinierten.
Vergleichbar der hektische Schwank ums Bankgeheimnis. Regie führte wie bei der UBS der gewohnheits- oder machtverblendete Realitätsverlust. In beiden Fällen benahmen sich zuständige Eliten wie Feudalherren, bis sie auf die Nase fielen. Einst, in ruhigeren Zeiten, kamen Eliten — vom Gymnasial¬rektor bis zum Bundesrat — mit voralpiner Sturheit über die Runden. Heute, in turbulenten Zeiten, müssen sie elastischer agieren, listenreicher, angriffiger.
Leicht gesagt. Wie mancher Regierungsrat machte sich, frisch gewählt, energisch im Bildungsdepartement ans Werk; nach drei, vier Jahren verwaltet er nur noch, gebremst von der Schwerkraft des Apparats, ernüchtert durch Parlamentsmehrheiten mit Wahlkampf statt Bildung im Kopf, enttäuscht von Aufbruchsunwilligen im Bildungspersonal.
Wollen wir Verwalter überhaupt zur Elite des Landes zählen? Nein. Zu den Eliten wohl doch. Zu den sogenannten Funktionseliten. Das sind Manager, Regierungsleute, Chefärzte, Gewerkschafts¬chefinnen, Verleger, Anwälte, Rektoren. Führungsleute mit einem Stück Macht, erfüllen in Politik, Wirtschaft, Kultur Leitfunktionen, die für die Gesamtheit unentbehrlich sind. Sie folgen Rationalitätskriterien, die dem jeweiligen Funktionsbereich eigen ist (Profit für Wirtschaft, Mehrheitsbeschaffung für Politik, Aufmerksamkeit für Medien und so weiter). Das heisst: Funktionseliten dienen der eigensinnigen Logik ihres Teilsystems.
Das geht so lange gut, wie die «unsichtbare Hand» das Spiel der Egoismen mysteriös zum Gesamtnutzen lenkt. Wird sie fahrig, können nur Funktionseliten ihren Job übernehmen. Sie müssen über den Tellerrand hinausblicken, ihre Abhängigkeit vom Gelingen anderer Teilsysteme erkennen. Etwa: Finanzbusiness und Realwirtschaft. Schuld an der Finanz-/Wirtschaftskrise war auch der Autismus jener Finanzeliten, die glaubten, Geld in Luftakrobatikprodukten vermehren zu können, ohne den realwirtschaftlichen Boden mühsam pflügen zu müssen. Weiter: Wirtschaft und Bildung. Kultur und Wirtschaft. Die Leader der Wirtschaftsverbände haben das kapiert, sie anerkennen, fördern Bildung und Kultur als Lebenselexier für den Standort Schweiz. Bei Bildungseliten harzt es mit diesem Querverständnis, da gefallen sich manche weiter in ihrer falsch verstandenen Autonomie.
Über den Radius der eigenen Interessen hinaus
Kluge Funktionseliten sehen den Eigensinn ihres Systems nicht so eng. Wie Heinz Karrer, der Axpo-Chef, der den Energiedialog über alle Grenzen der Interessen hinweg etabliert. Was immer daraus wird, Hauptsache, das Engagement wirkt über den Radius der eigenen Geschäfte hinaus. Nur so wandeln sich Funktionseliten zur gesellschaftlichen Elite. Zur einzigen Elite, die den Titel verdient: der Elite, die das gesellschaftliche Ganze im Auge behält.
Es braucht dazu keine höhere Ethik. Reziproker Egoismus reicht: die Einsicht, wie sehr die eigene Prosperität vom Prosperieren der andern lebt. Das gilt geschäftlich wie privat: Ich muss alles tun, damit möglichst alle um mich zu ihrer Glanzform finden, dann laufe auch ich in Hochform auf. Eine Elite, die nicht dieser Maxime folgt, ist keine.
Oder stolpert sie über die zunehmende Spezialisierung? Gibt es noch Ärzte? Es gibt Gelenkchirurgen, Gastroenterologen, Dermatologen, ästhetische, medizinische und so weiter. Dabei gerät leicht «der Mensch» aus dem Blick. Schlechte Aussichten für den Eliteblick aufs Ganze. Gibt es noch Rechtsanwälte? Auf Messingtafeln. Real bieten sich Scheidungsanwälte an, Wirtschaftsanwälte, Tieranwälte, Opferanwälte und so weiter. Das Selbstverständnis verschiebt sich vom traditionell honorigen «Organ der Rechtspflege» zu Rechtsdienstleistern, der Anwalt des Rechts wird leicht zum hochkarätigen Lakaien im Dienste an Spezialinteressen.
Das zeigt: Nicht berufliches Können befähigt zur Elite. Es ist eine bestimmte Haltung. Ein Wille, sich für den Gang der Dinge überhaupt zuständig zu fühlen. Ein Stil, von sich ab- und aufs Allgemeine hinzusehen. Ein Format, nicht bloss auf der Welt zu sein, um «splendid» über die Runden zu kommen, das eigene mickrige Glück zu hätscheln, sondern die gemeinsamen Angelegenheiten in Schwung zu bringen — gegen die Tendenzen des Einfältigen, Engstirnigen, Geschmacklosen.
Noblesse oblige. Es kommt auf mich an. Ich handle, als handle ich stellvertretend für die Menschheit. «Kants Kategorischer Imperativ». So sieht die seelische Verfassung der Elite aus. Kann man die lernen? Teilweise. Bedingung ist, dass wir aufhören, so ein Theater um Fachkompetenzen zu machen. An Hochschulen holt man sich heute ein Kompetenzen-Portfolio. Können können. Als käme es darauf an, Kompetenzen zu haben (die jeder Depp hat). Entscheidend ist, was wir mit ihnen anzufangen wissen.
Charakter, Charme, Selbstvertrauen
Unseren Eliten fehlt es doch nicht an Können. Eher an kultureller Lebhaftigkeit. Auch unsere hoch bezahlten Kicker können das Fussballspiel, nur fällt ihnen in entscheidenden Momenten wenig ein, wie der Ball ins Tor fände. Es fehlt die Inspiration, der Pfiff im Kopf, die Frechheit im Herz. Wohin mit dem Können? Das ist die Frage, auf jedem Feld. Die Antwort gibt keine Ausbildung, da ist die Person mit sich allein, mit ihrer Fantasie, ihrer Gewitztheit. Elite als höchstpersönliche Angelegenheit. Kann man die Person bilden? Hoffentlich. Manches ist Vorgabe, Erziehung: Charakter, Selbstvertrauen, Charme. Leute mit geglückter Herkunft, die wissen, woher sie kommen, wer sie sind, wissen auch schneller, wohin sie steuern wollen.
Üben müssen alle, die zur Elite zählen wollen. Fachkompetenzen ersetzen nicht Exerzitien in personalen Stärken. Gruss an Peter Sloterdijk. Üben macht Meister. Weitblick, Urteilskraft, Demut, Entschlossenheit — alles, was Eliten auszeichnet — lässt sich kaum schulen. Üben durchaus. Daran mangelt es. Wer nichts als Kompetenzen mit sich herumträgt, schwimmt nur mit im Strom des Branchenwissens, wie weit vorn auch immer, ein Fisch, kein Steuermann. Eine Elite, die dem Namen gerecht wird, schwimmt nicht mit noch gegen den Strom. Sie bestimmt die Strömung. Dazu braucht sie den Blick vom Ufer, Augenmass für die Tunlichkeit der Stromrichtung, den Willen, die Richtung zu ändern.
Hat es die politische Elite in dieser Hinsicht leichter? Da jeder ein geborener Politiker ist, braucht sie kein spezifisches Können. Ein Berner Fürsprech-Examen reicht vollkommen. Stimmt sogar. Sofern der Mann, die Frau intus hat, was keine Ausbildung schafft: Commonsense, Pflichtgefühl, Sinn fürs Wesentliche und so weiter. Dann hat es seine Vorteile. Es bildet sich keine arrogante Staatskaste. Der Preis ist auch klar: In der Regel Mittelmass.
Und ein Dilemma. Im Prinzip wollen wir ganz normale Menschen am Ruder — sobald wir in Strudel geraten, erwarten wir Übermenschen. Magistraten, die alles im Auge haben, jedes Übel von Weitem riechen, jeden gordischen Knoten zerhauen, Grossmächte resolut zur Räson bringen; gleichzeitig ministrantenhaft den Hohepriester «Volk» hofieren. Der Mix, als literarische Figur vielleicht interessant, ist real zum Vergessen.
Führen geht nicht ohne eine Dosis Verführen
Seit die Schweiz nicht nur diplomatisch im Konzert der Staaten mitspielt, ist das sympathische Konzept gescheitert, uns von untadeligen Amateuren regieren zu lassen. Es geht in diesem Konzert um Macht, nicht ums sauberste Dossier, nicht um Dossierkenntnis (im Inland das Höchstlob). Macht ist, nach Max Webers klassischer Definition, die Chance, den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen. Das schafft man mit Druck — und Beeindruckung. Wie soll unsere politische Elite das anstellen, wenn sie nicht einmal uns beeindrucken darf? Bevor wir da umdenken, ist es nichts als schlechter Stil, über Bundesrat Merz zu spotten, wie er zum Kollegen Steinbrück aufschaute.
Auch innenpolitisch brauchen wir mehr als reibungslos funktionierende Legislativen und Exekutiven: inspirierte Leitfiguren, an denen sich der Wille der Bürger reiben und formen kann. Manche reden, als wäre es das Schlimmste, wenn Eliten etwas wollen oder nur aussprechen, woran die Mehrheit der Bürger noch nicht denkt. Woher sollen denn überzeugende Zukunftsideen kommen? Vom Stammtisch? Das Schlimmste wäre eine Schweiz, die nichts mehr vorhat.
Die Wirtschaft ist auf dem Quivive. Die politische Schweiz ist muff. Humorlos, rechthaberisch, defensiv. Zukunftsmotto: Es soll werden, was war. Aus dieser gekränkten Senilität helfen nur therapeutisch begnadete Leadertypen. Nicht unbedingt Grosshirne. Eher emotional anziehende Verkörperungen einer möglichen Schweiz von morgen. «Taschendiebe der Herzen» nannte sie Balthasar Gracian. Führen geht nicht ohne eine Dosis Verführen.
Zum Beispiel Roger Federer. Keiner spielt seine Konkurrenten eleganter aus. Jasst gern. Ein Schweizer als Stilist, variantenreich, sprachgewandt. Stets freundlich. Mit gewaltigem Aufschlag. Noch beim Wortgeplänkel mit allen Wassern gewaschen. Australian Open 2010. Ganz nebenbei treibt Federer den Druck auf seinen Rivalen Andy Murray auf die Spitze: «Andy ist ein armer Kerl; die Briten warten seit 150 000 Jahren auf einen Grand-Slam-Titel. Und immer erwarten sie ihn von Andy.» Das klang launig, brachte das Publikum auf seine Seite — und traf den empfindlichsten Nerv seines Widersachers.
Roger Federer als Vorbild für politische und andere Eliten. Was er kann, kann er besser als alle. Die Frucht jahrelanger Grundausbildung auf dem Platz. Nicht bloss ein bisschen Jus-Studium. Er hat Charme und Witz. Ein Mann von Welt. Gentleman mit unbedingtem Siegwillen. Gewieft. Studiert die Schwächen der Gegner, zögert nicht, sie da zu schlagen. Vor allem: Er hat noch allerhand vor.
Trotzdem mögen ihn alle. Obwohl keiner ihm nicht das Wasser reichen kann. Schweizer dulden keine Elite? Roger Federer studieren!
Ludwig Hasler, Publizist und Philosoph, lebt in Zollikon. Sein jüngstes Buch: «Die Erotik der Tapete. Verführung zum Denken», Huber-Verlag, 4. Auflage 2009
Das Kunstkollektiv Körner Union arbeitet und lebt in Lausanne.

Illustration Körner Union & Tatiana Rihs
Eine der wichtigsten und nützlichsten Eliten ist MENSA: die weltweite Verbindung der Menschen mit sehr hohem IQ ist politisch neutral, erhebt keinerlei Machtanspruch und ermöglicht den Ideenaustausch zwischen den führenden Kräften aus unterschiedlichsten Branchen und Ländern. In den USA gibt es Headhunter, die Top-Positionen ausschliesslich mit MENSA-Mitgliedern besetzen. Prominentes Beispiel ist General Norman Schwarzkopf, der den Zweiten Golfkrieg in nur vier Tagen gewann.
Grossartiger, sehr kluger und anregender Text von Ludwig Hasler und Ergänzung zur Definition “Elite” von Max Küng aus dem letzten Heft, die mich so sehr beruhigt hatte, dass ich wieder schrecklich unruhig wurde:
“Es gibt viele dumme Menschen. Ich bin einer von ihnen. Aber so lange es Menschen gibt, die noch dümmer sind, als ich es bin, so lange bin ich so etwas wie beruhigt, denn ich bin einer der Klügsten der Dummen. Ich gehöre zur Elite. Ein gutes Gefühl.”
MENSA?
Demokratie braucht keine MENSA-Genies. Ein hoher IQ ist fast bedeutungslos, misst doch nur eine Dimension der „Intelligenz“. „Engagement über die eigenen Interessen hinaus“ wird gebraucht, eine soziale Intelligenz. Kaum messbar. Schwarzkopf hatte eine simple, eindimensionale Aufgabe. Unsere Probleme sind vernetzt und komplex, nichts für Einzelkämpfer! Eher für Frauen nach der Babypause, die haben gelernt, mehrdimensionale Zielkonflikte pragmatisch zu optimieren.
Demokratie ist im Kern eine Fehlkonstruktion. Die Schlechteste vor allen anderen Staatsformen. Aber eben schlecht! Vorausgesetzt war, dass der Mensch ein rationales Wesen sei. Vernünftig mit Ressourcen, sozial anständig, teilt Wissens und Macht. Gemeinsinn vor Eigennutz. Wir sehen aber: Gier, Hass, Neid. Maximierung für Gruppen statt Optimierung für die Gemeinschaft. Geistige Führung wird gemobbt. Das „Volk“ hat immer recht, auch wenn es populistisch oder von Lobbies verführt oder gar verhetzt worden ist, ja nicht selbstständig zu denken.
Anderswo wurde ich fast gekreuzigt, weil ich glaube, die Meinungsfreiheit sei relativ und verpflichte uns, Meinungen auf Fakten und Verständnis zu basieren. NEIN!, Meinungsfreiheit ist absolut. Also keine Elite, die sich systematisch und umsichtig mit den Problemen auseinandergesetzt hatten. Kommissionen in den Räten suchen nicht Fachwissen. Hauptsache Proporz. Lieber einen proportionalen Hohlkopf und Schwätzer als einen ausgewiesenen Experten reindrücken.
@Zara: Dumme Menschen: Voll ins Schwarze!
Jeder Wissenschaftler weiss, dass er im Grunde nichts endgültig weiss, daher lebenslang lernen muss. Wissenschaftler ist er, weil er genau das will: Lernen, in Bescheidenheit vor dem Unbekannten.
Populistische Demokratie lässt uns denken, jeder habe recht, jeder Rülpser am Biertisch enthalte DIE Wahrheit, oder es gäbe einfache Lösungen! Lösungen gibt es keine, es gibt Optimierungen, mehr nicht. Der Staat ist keine algebraische Gleichung.
Was uns (mich natürlich eingeschlossen!) allzu oft fehlt, ist die Demut (welch altmodisches Wort!) vor der Idee des Staates. Sie stellt ein permanentes Experiment, einen andauernden Lernprozess dar. Der Staat ist eben komplex. Bescheidenheit angesichts unseres Unwissens könnte uns helfen.
Proporz tönt gerecht. Ist aber nicht automatisch klug und zielführend für das Gemeinwohl.
Zuerst meine Definition von «Elite»: Wer zur Elite gehört, hat Expertenwissen. Das stimmt mit den von Hasler genannten Beispielen aus der Wissenschaft überein, ist also nicht aus der Luft gegriffen.
Und jetzt zwei Bemerkungen zum allzu kurzen Absatz über «kulturelle Eliten»:
1. Wenn die Eliten angeblich wegen dem Internet in der Buchkultur ihre Felle wegschwimmen sehen, wo bleiben dann die Eliten im Internet? Sind die Eliten vielleicht im freien Wettbewerb der Suchmaschine gar nicht mehr auszumachen, weil entweder für die oberste Position im Google Geld bezahlt wird (haben Sie das, Herr Hasler?) oder weil es Leute gibt, die lauter schreien, grellere Holzschnitte verfertigen oder den doofsten Gaga-Zeitgeist-Trash feilbieten und damit die seriösen, stillen Schaffer verdrängen?
2. Abgesehen von der leeren Behauptung, die kulturelle Elite hätte vom Internet keine Ahnung und würde die Buchkultur romantisieren, muss man sich fragen, ob heute mehr das Mittel, d.h. die Technik, um seine Worte zu verbreiten, zählt, und darum der Inhalt mehr oder weniger redundant wird. Ja, das hat mit Macht zu tun, Herr Hasler: Macht, die nicht immer zur besten aller möglichen Welten gereicht, wie auch ein Blick in die Redaktionsstuben unserer journalistischen Eliten zeigt! Bei dem erbärmlichen Niveau, das unsere Onlinezeitungen gratis feilbieten, muss man sich schon fragen, ob hier das Konservative nicht doch angemessener wäre. Wenn sich nicht die Printmedien dem Online-Niveau von schlecht recherchierenden Bloggern und mediokren Chat-Runden anpassen würden, sondern umgekehrt, hätten die Printmedien das Label «elitär» wieder verdient.
Und schliesslich folgt zum Dritten ein Korollar aus den beiden Bemerkungen:
3. Wer ist Ludwig Hasler?
4. Wer ist Thomas Laeubli?
Im Gegensatz zu Ihnen erscheine ich immerhin in der Suchmaschine. Das muss doch heute als Beleg für meine Berühmtheit genügen
Okay. Akzeptiert.
Empfehle Ihnen – Sie scheinen kurioserweise von diesem Autor noch keine Notiz genommen zu haben oder geben dies zumindest vor – das Buch von Hasler (Erotik der Tapete). Gewinnbringende Lektüre, höchstes Niveau, unterhaltsam, anspruchsvoll, stilistisch und inhaltlich sehr gelungen.
ist ja ergreifend tiefschuerfend, was der herr hasler da schreibt, jetzt werden tausende manager, direktoesen und sonstiges elitaeres gleich am montag selbstfindungskurse und pschyotherapien buchen. und wohl auch gleich noch liposuctions und schweineblutinjektionen, damit sie so frischfrommfroehlichfrei wirken federer. und dann diese sprache: stammel-stakkato. wie sagte schon goethe: getret’ner quark wird breit, nicht stark.
Schön, dass sich mit dem Statement von Pedro Pampa genau diejenige Meinung unter den Kommentaren befinde, die ich als absolut repräsentativ für die Einstellung des Durchschnittschweizers zu allem, was mit Eliten zu tun hat, erachte. Im übrigen schliesse ich mich Skeptiker und Zara an.
Weshalb sollten wir sie brauchen? Nein, wir brauchen sie eben gerade nicht, die Elite. Eine Elite schadet dem Volk per Definition.
@JGWERDER:
Beehren Sie uns doch bitte noch mit einigen Erläuterungen, damit wir an dieser Ihrer Erkenntnis teilhaben können!
Sehr geehrte Kommentatoren
Ihre Kommentare sind erwünscht – allerdings mit richtigem Vor- und Nachnamen. Verzichten Sie auf alberne Pseudonyme, und man wird sie augenblicklich ernster nehmen. Auch weise ich nochmals darauf hin, dass wir keine Beleidigungen, Beschimpfungen etc. dulden. Weder gegenüber Magazin-Autoren noch gegenüber anderen Kommentatoren auf dieser Seite. Ansonsten sperren wir sämtliche Kommentarfunktionen.
Finn Canonica
Chefredaktor DAS MAGAZIN
@ Finn Canonica
Nach genug schlechten eigenen Erfahrungen muss ich Pseudonyme verteidigen; sie sind legitim zum Schutz der Privatsphäre.
Viel wichtiger finde ich, dass die Regeln des Anstands und der Sachlichkeit eingehalten werden. Klar: Keine Beschimpfungen, auch nicht der Autoren und Redaktoren.
In den Debatten muss zugelassen werden, dass man – anständig und sachlich argumentierend – auch die Redaktion wie die Autoren hinterfrägt; letztlich sollten auch sie dem Volk auf’s Maul schauen.
Das Letztere unterbinden Sie ja keineswegs.
Einen besonders schönen Kodex für die Blogs findet sich bei Ubuntu: http://wiki.ubuntuusers.de/Was_ist_Ubuntu . Gemeint ist, gemeinsam diskutieren, teilen statt trennen.
Sperren Sie bitte die Kommentarfunktion nicht voreilig. Die beste mir bekannte Blogosphäre finde ich in der “Zeit”.
Was den Umgang mit Autoren und Redaktoren betrifft, muss ich leider zurückgeben. Im Hause Tamedia lässt man sich vermehrt auf Weltwochen-Niveau herab: Beleidigen und Kleinmachen unter dem Deckmantel des “intelligenten Provozierens” (Zitat Köppel). Ich weiss nicht, ob die Herren Kall, Supino und Hartmeier diesen Trend im Namen des “Geld Verdienens” (Eigenzitat Tamedia) fördern. Ich persönlich bedauere diese Entwicklung, an der die Classe Populiste nicht unschuldig ist, komme aber nicht umhin, der Classe Journalistique den Spiegel vorzuhalten. Wer sich von scharfen Worten angepinkelt fühlt, sollte sich zuerst einmal fragen, ob er selber nicht auch denselben rüden Umgang pflegt, der vor einigen Jahren noch selbstverständlich durch einen Kodex des Respekts & Anstands geprägt war.
@Skeptiker
Ich teile ihre Meinung nicht. Wie Finn Canonica finde ich alberne Pseudonyme nicht angebracht. Wer nicht mit Vor- und Nachnahmen zu seiner Meinung stehen kann und sich hinter einem Pseudonym verstecken muss, wirkt unglaubwürdig und muss sich nicht wundern, wenn er nicht ernst genommen wird. Wie bei Leserbriefen in den Printmedien üblich, begrüße ich auch die Angabe des Wohnortes.
Bedingt durch meinen etwas unüblichen Namen, erhalte ich nicht selten Reaktionen auf meine Beiträge. Primitive Zuschriften unter der Gürtellinie wandern unbeantwortet in den Rundordner. Alle andern ob positiv oder negativ beantworte ich innerhalb von Tagen, soweit ich mich in unserem “Dörfli” aufhalte und nicht als Globetrotter irgendwo auf unserem (noch) schönen Planeten auf Reisen bin und den dritten Lebensabschnitt genieße.
Etwas peinlich, wie Herr Hasler ausgerechnet Axpo-Chef Karrer über den grünen Klee lobt. Denn der “Publizist, Philosoph und Physiker”, wie er sich gerne dekoriert, ist in der Strombranche immer wieder ein gern gesehener Gast. So durfte er Herr Karrer in seinem Anwesen in Zollikon empfangen, wo es zu einer “ungewöhnlichen Begegnung zwischen Manager und Denker” kam, berührend. Abgedruckt wurde das alles im Axpo-Newsletter “Energiedialog” im Juni 2008, siehe Internet. Falls Herr Hasler dafür auch noch Honorar kassiert haben sollte, kriegte Haslers Satz über Karrer eine ganz neue Bedeutung: “Was immer daraus wird, Hauptsache, das Engagement wirkt über den Radius der eigenen Geschäfte hinaus”. Bitte um Aufklärung, Herr Canonica.
@Peter Aufenast:
Schön für Sie. Meine Erfahrungen waren sehr negativ. Gerne stehe ich immer zu meinem Wort, lasse mir aber nicht so gerne von Narzissten und Profilneurotikern ans Bein pinkeln.
Vielleicht kommt es auf nicht kontrollierbare Faktoren an. Es gibt auch Themen, die immer sehr emotional werden, denken Sie an Religion, gesellschaftliche Normen u.s.w.
Die renommierte Zeitung “DIE ZEIT” leistet sich eine sehr gut ausgebaute und redaktionell kontrollierte Blogosphäre. Dort finden Sie vielleicht 100-mal so viele Blogger wie im Magazin. Das Pseudonym ist freiwillig, man kann auch alles offenlegen. Das geht schon. Blogger können sich gegenseitig auch anonym direkt anschreiben lassen.
Man findet in so grossen Blogs gewiss auch viel Mist. Daneben aber Diskussionen, die jeder TV-Arena samt dem Ziischtigsclub locker das Wasser reichen können, nicht selten sogar gewissen Zeitungsartikeln.
Solche Foren könnten sogar Redaktoren und Journalisten inspirieren, die Blogosphäre ist eben offen, ohne Copyright, dank Pseudonym…
@Adrian Krebs
Kommentieren Sie doch bitte das, was wir alle hier und jetzt lesen können, nämlich Haslers Artikel.
Von mir aus könnte er Mitglied irgend einer Mafia sein, für mich zählt einzig der vorliegende Text.
Interessante Hahnenkämpfe, die hier beobachtet werden können. Sie zeigen unter anderem: Die Grundannahme des Textes ist verifiziert (vgl. Lead). Da reflektiert einer, von dem wir – oh Schreck, oh Graus!- annehmen müssen, er gehöre selbst einer, wie auch immer gearteten, Elite (Pfui! Wir sind doch gopferteckel in der Schweiz!) an, über altmodische aristokratische Tugenden, und das originell, frisch und spritzig, halt auch ein bisschen zu überdurchschnittlich für den hiesigen Gebrauch, und schon gehen sie los, die ad hominem Beschimpfungen, die der helvetischen Neidkultur alle Ehre machen. Lehne zurück und genieße.
Originell, frisch und spritzig? Ich bitte Sie. Das Palaver des Autors mit seinem Gejammer und dem dahinter hervorlugenden Neid könnte genauso gut von einem SVP-Politiker stammen. Und damit sind die Mainstream-Medien schon genug vollgestopft *gähn*
Quod erat demonstrandum, Herr Läubli. Mit den besten Wünschen zur guten Nacht!
@Thomas Laeubli: laut Ihnen könnte Hasler ein SVP-Politiker sein und Prof. Bruno Frey stellen Sie in den rechtskonservativen Ecken. Fühlen Sie sich von Rechtsextremisten verfolgt? Wo stehen Sie politisch?
Dem Essay fehlt es meines Erachtens an Substanz. Liegt es am hilflos wirkenden Aufruf von Federer zu lernen, oder dass ich einen Schreiber, der behauptet, dass nur Querelen unter Professoren und politische Ignoranz in den Sechzigerjahren die Etablierung des Silicon Valley in Zürich verhindert hätten, nicht Ernst nehmen kann? Wie dem auch sei. Etwas Besserwisserei kann ich mr aber nicht verkneifen. Die Riege um Marcel Ospel hat kaum wirklich geglaubt, dass mit Schulden verarmter US-Hausbesitzer endlos tolle Renditen zu machen wären. Sie hat nur den Zeitpunkt zum Ausstieg verpasst. Ein typisches, banales Spekulantenschicksal.
[...] Aber bitte mit Pfiff im Kopf! By thinklanz Im Magazin des Tagesanzeigers vom 6.3.2010 schreibt Ludwig Hasler über die Elite. Er ist sich sicher: [...]
@Pedro Reiser: Bruno Frey gehört ganz klar zu den rechtskonservativen Ideologen, unter denen sich auch das Liberale Institut verortet, wenn es die SVP regelmässig als “die liberalste Partei” rühmt, weil ja die FDP angeblich schon vom Etatismus unterwandert ist. (Man vergisst aber auch gerne, dass die FDP einmal tatsächlich die staatstragende Partei war.)
Zum Rechtsextremismus habe ich nichts gesagt. Den Rechtspopulismus habe ich hingegen auf dem Kerbholz – die ständige Polarisierung und Beschimpfung schadet unserem Land – hier das Volk, dort das Nicht-Volk. Ich stelle Herrn Hasler in diese Ecke, weil er meiner Meinung nach wie die Selbsternannte VolksPartei ausser Polemik und Gejammer nichts zu bieten hat, wie ich an einem Beispiel oben festgemacht habe.
Meine politische Ausrichtung tut eigentlich nichts zur Sache. Smartvote wollte mir mal weismachen, ich würde mich in der EVP am wohlsten fühlen, was wegen einem Detail nicht ganz der Wahrheit entsprechen kann – aber die Ausrichtung Mitte-links dürfte stimmen…
Danke, Herr Hasler, ich habe Sie damals schon in der Weltwoche gern gelesen. Und ja, früher nannte man die Fachgebietexperten einfach Fachidioten. Weil sie den zerstreuten Professor gaben. Weil sie in ihrem Gebiet “alles” wussten, aber sich nichts zu essen machen konnten. Heute braucht man Fachdiplome, um überhaupt eine Anstellung zu finden. So gesehen, bekäme Roger Federer keinen Job als Tennislehrer, weil er ja nicht einmal den J+S-Leiter in Tennis hat. Vernetztes Denken und Handeln ist nicht gefragt. Weit- und Überblick nichts Zählbares. Da nützt nicht einmal die Berechtigung zur MENSA-Mitgliedschaft. Vielleicht haben ja Sie einen Job für mich. Ich lese und schreibe. Unter anderem.
Ich stimme Thomas Läubli grundsätzlich zu. Der Essay – wenn’s denn einer sein soll – ist stilistisch nicht zufriedenstellend. Von einem Philosophen (selbsternannt?) erwarte ich dann doch sprachliche Präzision und stilistische Gewandtheit. An beidem manngelt es dem Haslerschen Essay leider. Inhaltlich kann ich Herrn Hasler teilweise durchaus zustimmen, aber was Wunder: er verbreitet ja auch mehrheitlich Allgemeinplätze, die kaum jemand abzulehnen sich bemüssigt finden wird. Antinomien aufzustellen zwischen dem Auftreten eines Herrn Ospel und eines Herrn Federer zeugt nun nicht gerade von “Pfiff im Kopf” oder aussergewöhnlicher Inspiriertheit. Natürlich ist Federer beliebter als Ospel. Mich stört der esoterische Grundton des Textes. Ein Beispiel? “Frechheit im Herz”. Was bitte wollte Herr Hasler mit dieser schiefen Metapher ausdrücken? Man kann zurecht einwenden, das sei nun aber eine Frage von sprachlichen Vorlieben oder Abneigungen. Stimmt. Gravierender ist die Art, wie Herr Hasler die UBS-Krise zu erklären versucht. Das ist dann doch – mit Verlaub – etwas gar einfältig. Und wenn Hasler dem Verwaltungspolitiker den politischen Verführer gegenüberstellt, sei auf Hitler verwiesen, den vielleicht grössten Volksverführer aller Zeiten, dem auf dem Höhepunkt der Macht die “Herzen der Massen” zuflogen. Natürlich unterstelle ich Hasler nicht, dass er einem Hitler das Wort rede. Nur sollte er seine Wörter und Begriffe vorsichtiger – oder besser durchdacht – verwenden. Verführer gibt’s auch im Kleinen und einen davon nennt Hasler in seinem Essay. Persönlich ziehe ich einen Verwaltungspolitiker, der seine Dossiers kennt, einem Herrn Blocher vor. Aber auch hier mag gelten: Das sind ideologische Vorlieben und keine Argumente gegen das Elitenkonzept des Herrn Hasler. Wobei: Konzept? Auch ich sehe Federer gerne beim Tennisspielen zu, keine Frage. Bloss: Gehört er damit zur Elite der Schweiz? Lässt sich ein herrlicher Lobball oder ein langgezohener Passierschlag oder ein punktgenauer Service vergleichen mit Lösungsvorschlägen zur Krise in der Finanzwirtschaft, zum demographischen Wandel in der Schweiz oder zur auch nur zur Reform des Bildungswesens? Nein, der Essay von Hasler vermag mich weder sprachlich noch inhaltlich zu überzeugen. Wie sagte Marx: “Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern!” Wobei: Ob Hasler als Philosoph durchgeht, muss vorerst noch offen bleiben.
Ich stimme Thomas Läubli grundsätzlich zu. Der Essay – wenn’s denn einer sein soll – ist stilistisch nicht zufriedenstellend. Von einem Philosophen (selbsternannt?) erwarte ich dann doch sprachliche Präzision und stilistische Gewandtheit. An beidem mangelt es dem Haslerschen Essay leider. Inhaltlich kann ich Herrn Hasler teilweise durchaus zustimmen, aber was Wunder: er verbreitet ja auch mehrheitlich Allgemeinplätze, die kaum jemand abzulehnen sich bemüssigt finden wird. Antinomien aufzustellen zwischen dem Auftreten eines Herrn Ospel und eines Herrn Federer zeugt nun nicht gerade von “Pfiff im Kopf” oder aussergewöhnlicher Inspiriertheit. Natürlich ist Federer beliebter als Ospel. Mich stört der esoterische Grundton des Textes. Ein Beispiel? “Frechheit im Herz”. Was bitte wollte Herr Hasler mit dieser schiefen Metapher ausdrücken? Man kann zurecht einwenden, das sei nun aber eine Frage von sprachlichen Vorlieben oder Abneigungen. Stimmt. Gravierender ist die Art, wie Herr Hasler die UBS-Krise zu erklären versucht. Das ist dann doch – mit Verlaub – etwas gar einfältig. Und wenn Hasler dem Verwaltungspolitiker den politischen Verführer gegenüberstellt, sei auf Hitler verwiesen, den vielleicht grössten Volksverführer aller Zeiten, dem auf dem Höhepunkt der Macht die “Herzen der Massen” zuflogen. Natürlich unterstelle ich Hasler nicht, dass er einem Hitler das Wort rede. Nur sollte er seine Wörter und Begriffe vorsichtiger – oder besser durchdacht – verwenden. Verführer gibt’s auch im Kleinen und einen davon nennt Hasler in seinem Essay. Persönlich ziehe ich einen Verwaltungspolitiker, der seine Dossiers kennt, einem Herrn Blocher vor. Aber auch hier mag gelten: Das sind ideologische Vorlieben und keine Argumente gegen das Elitenkonzept des Herrn Hasler. Wobei: Konzept? Auch ich sehe Federer gerne beim Tennisspielen zu, keine Frage. Bloss: Gehört er damit zur Elite der Schweiz? Lässt sich ein herrlicher Lobball oder ein langgezogener Passierschlag oder ein punktgenauer Service vergleichen mit Lösungsvorschlägen zur Krise in der Finanzwirtschaft, zum demographischen Wandel in der Schweiz oder auch nur zur Reform des Bildungswesens? Nein, der Essay von Hasler vermag mich weder sprachlich noch inhaltlich zu überzeugen. Wie sagte Marx: “Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern!” Wobei: Ob Hasler als Philosoph durchgeht, muss vorerst noch offen bleiben.
Wo sind wir denn hier? Ich habe diese Diskussion durchgelesen und frage mich, ob es überhaupt um Haslers Text geht oder nur darum, sich mit möglichst intelligenten, provokanten, besserwisserischen Kommentaren bemerkbar zu machen? Ich finde, dass auch etwas “bescheidener” diskutiert werden kann.
(Es hat aber durchaus auch fachliche und spannende Antworten!)
Das Attribut “besserwisserisch” lässt sich 1 : 1 auf Haslers Text übertragen. Es ist bloss eine Frage des Standpunkts und von Sympathie und Antipathie, ob man jemanden als “besserwisserisch” (oder als “neidisch”) kennzeichnen kann, und zeugt damit nicht gerade von persönlicher Zurücknahme und Bescheidenheit.
Ja, das ist völlig richtig. Doch ich finde es sollte vor allem auf Haslers Text Bezug genommen werden und nicht auf die Kommentare.