Es dreht sich alles nur ums Geld

Das war schon immer so. Der grosse britische Historiker Niall Ferguson hat eine Geschichte der Geldwirtschaft geschrieben. Wer die heutige Krise verstehen will, muss zurückblicken: Wie kam es zu Spaniens Bankrott im 17. Jahrhundert, wie zur Börsenblase der Bourbonen-Monarchie? Wir haben Ferguson in Oxford besucht.

06.02.2009 von Daniel Binswanger , 9 Kommentare

Der Lauf der Weltgeschichte hängt oft am seidenen Faden. Was wäre geworden, wenn Napoleon bei Waterloo nicht niedergekämpft worden wäre im letzten Moment? Warum waren die Engländer schliesslich stärker als die französischen Heere? Oder: Wie würde Europa aussehen, wenn die Vereinigten Niederlande im 17. Jahrhundert nicht zur Grossmacht aufgestiegen wären und das katholische Habsburgerreich in die Schranken gewiesen hätten? Wie konnten die Amsterdamer Handelshäuser zu ihrer frühen Vormachtstellung kommen? Oder, auf die heutige Zeit angewendet: Wie wird es das 21. Jahrhundert beeinflussen, dass die USA zum grössten Schuldnerland aller Zeiten, die Volksrepublik China aber zum grössten Gläubiger geworden sind?
Alles ist eine schlichte Frage des Geldes, sagt der englische Historiker Niall Ferguson. Es kommt jedoch nicht nur darauf an, wer mehr davon hat. Genauso wichtig ist, wie die Geldwirtschaft eines Landes organisiert ist, auf welcher Grundlage zum Beispiel der Wert von Münzen oder Scheinen beruht. Entscheidend ist, wie das Kredit- und das Bankenwesen gestaltet sind. Welche Organisationsformen für Wirtschaftsbetriebe eine bestimmte Epoche entwickelt hat. Entscheidend ist das Finanzsystem.
So waren die napoleonischen Heere den Engländern nicht unterlegen, aber die Briten, die auf die Dienste der Rothschilds zählen konnten, verfügten über eine bessere Kriegsfinanzierung. So waren die Holländer nicht unbedingt die besseren Seefahrer als ihre Rivalen, aber zur Kolonisierung Südostasiens erfanden sie eine neue Wirtschaftsform, die Aktiengesellschaft, die sich jeder anderen Betriebsorganisation als überlegen erweisen sollte. So sind die Vereinigten Staaten von Amerika auch heute noch die bei weitem stärkste Militärmacht und das reichste Land der Welt.
Das US-Bankensystem erweist sich aber – wie wir so unsanft entdeckt haben – als vollkommen marode. Das Kreditwesen ist ausser Rand und Band. Sowohl der Staat als auch die Firmen als auch die Privathaushalte sind viel zu hoch verschuldet. Was dies langfristig für Konsequenzen habe, darüber könne man vorerst nur spekulieren, meint Ferguson. Doch die Möglichkeit bestehe längerfristig durchaus, dass sich das Zentrum der Welt von Nordamerika nach Asien verlagere. Auch im 21. Jahrhundert wäre es die Struktur des Weltfinanzsystems, die einen Epochenwechsel herbeiführt.
Niall Ferguson ist der Star unter Englands Historikern. Obwohl erst Mitte vierzig, hat er bereits acht Monografien veröffentlicht, darunter eine mehrbändige Geschichte der Rothschild-Dynastie und eine Geschichte der Finanzpolitik moderner Staaten. Regelmässig ist er als Kommentator der Wirtschaftslage in der «Financial Times» präsent. Für BBC produziert er Dokumentarfilme. Jetzt legt Ferguson eine voluminöse Studie zu einem aktuellen Thema vor: «Der Aufstieg des Geldes. Die harte Währung der Geschichte».
Ferguson ist Professor an der Harvard University, aber zum Interview bittet der so britisch wirkende Historiker in einem Teesalon gleich bei der Bodleian Library, im Stadtzentrum von Oxford. «Meine Familie lebt immer noch in Oxford», erklärt Ferguson, der seine Dozentenkarriere am Jesus College begann. «Ich pendle zwischen Harvard und hier.»
Einer der entscheidenden Gründe für den Hyperpower-Status der USA sei das überlegene amerikanische Universitätssystem, meint Ferguson. «Aber», fügt er hinzu, «die Stiftungsgelder, aus denen sich Harvard finanziert, haben gerade 30 Prozent an Wert verloren, und den meisten US-Unis geht es nicht besser. Besonders gute Aussichten für die Dynamik des amerikanischen Forschungsstandortes sind das nicht.»

Jede Krise hat ein Geheimnis
Niall Fergusons neues Buch geht von einer schlichten Arbeitshypothese aus: Dass «hinter jedem entscheidenden Ereignis der Weltgeschichte ein finanzielles Geheimnis steckt». Er betrachtet die Geschichte des Abendlandes, und insbesondere die Geschichte der westlichen Welt seit der Renaissance als einen Evolutionsprozess der Finanzsysteme. Über Jahrtausende vollzog sich der Aufstieg des Menschen als Denker, meint Ferguson. Nicht minder wichtig sei aber der Aufstieg des Menschen als Banker, jedenfalls in der heutigen Zeit. «Das Weltfinanzsystem ist so explosionsartig gewachsen in den letzten Jahrzehnten, dass es die Realwirtschaft im Verhältnis fast auf zwerghafte Dimensionen hat schrumpfen lassen.»
Hastig rasselt der Historiker die Zahlen herunter, die das schwindelerregende Missverhältnis zwischen Finanzwirtschaft und Realwirtschaft belegen. Im Jahr 2006 betrug das Weltbruttosozialprodukt – der Output der gesamten Weltwirtschaft – geschätzte 47 Billionen Dollar. Der Börsenwert aller weltweit gehandelten Aktien betrug allerdings 51 Billionen, also rund 3 Prozent mehr. Der Gesamtwert aller gezeichneten Obligationen betrug 68 Billionen, also rund 40 Prozent mehr. Und der Nominalwert aller Ende 2006 ausstehenden Finanzderivate – Termingeschäfte, Kreditausfallversicherungen und dergleichen – betrug über 400 Billionen Dollar, das sind über 700 Prozent mehr. Der Reichtum, den die Welt wirklich erwirtschaftet, ist nur noch ein Bruchteil dessen, was sie auf die eine oder andere Weise in ihren Büchern stehen hat.
Entsprechend hat sich auch die institutionelle Struktur der Finanzwelt verändert: Im Jahr 1990 gab es weltweit 610 Hedge Funds. Ende 2006 betrug ihre Zahl schon knapp 10 000. Auch die Personalbestände sind dorthin gewandert, wo sich das Kapital so gewaltig konzentriert hat. 1970 gingen 5 Prozent aller männlichen Harvard-Abgänger in die Finanzindustrie. Im Jahr 2007 lag die Zahl bei 20 Prozent. Ein immer substanziellerer Teil der akademischen Eliten verschreibt sich der Finanzwissenschaft. Wer die bisherigen Verdienstmöglichkeiten in der Bankenwelt mit den Gehältern in irgendeinem anderen Wirtschaftszweig vergleicht, der weiss weshalb. Aber ist es sinnvoll, wenn die besten Köpfe eines Landes sich nicht mehr damit befassen, wie man Computer baut, sondern nur noch damit, wie man den Bau von Computern finanziert?
Heute wissen wir, wie die Sache ausgegangen ist. «Als Historiker ist mir bewusst, dass man die Dinge immer nur retrospektiv verstehen kann», sagt Ferguson. «Zu den faszinierenden Aspekten der heutigen Krise gehört ja, dass eigentlich niemand sie vorausgesehen hat, auch nicht so hochintelligente, hochkritische Ökonomen wie etwa Paul Krugman. Es gab vielleicht Nassim Taleb und Nouriel Roubini. Aber Taleb ist kein Ökonom, sondern ein ehemaliger Trader und egozentrischer Querdenker. Roubini ist ein völliger Aussenseiter in der Riege der akademischen Volkswirtschaftler. Wir alle wurden kalt erwischt.»
Weshalb hat praktisch niemand das heute so zwangsläufig erscheinende Desaster kommen sehen? War es nicht offensichtlich, dass irgendwann der amerikanische Immobilienmarkt seine permanente Hausse beenden musste? Hätte nicht jeder Analyst mit gesundem Menschenverstand darauf kommen müssen, dass Investmentbanken mit riesigen Bilanzen und bescheidenem Eigenkapital schnell ins Trudeln kommen würden? Musste man wirklich ein Hellseher sein, um vorauszuahnen, dass der hohe Refinanzierungsbedarf heutiger Banken und die Ausbreitung von Kreditderivaten unweigerlich zu einer starken wechselseitigen Abhängigkeit der Finanzinstitute und damit zu exorbitanten systemischen Risiken führen würden?
«Die heutige Wirtschaftswissenschaft trägt viele Scheuklappen», meint Ferguson. «Man kann es auf eine einfache Formel bringen: zu viel Mathematik, zu wenig Geschichte. Das Problem besteht nicht nur darin, dass zunehmend mit komplexen, mathematischen Modellen hantiert wird, die keine Menschenseele mehr versteht. Das Problem ist, dass niemand mehr bereit scheint, aus historischer Erfahrung zu lernen. Nicht einmal aus der eigenen.»
An Beispielen fehlt es Ferguson nicht. Erst im Jahr 2001 erlitten die USA den Schock der Enron-Pleite – ein Debakel, das durch Bilanzschönungen ermöglicht wurde, die mithilfe von speziellen Investmentvehikeln vollzogen wurden. Ist es in der Folge gelungen, solche Bilanzschönungen zu unterbinden? Ganz im Gegenteil: Die Investmentvehikel wurden benutzt, um die Bilanzen der Investmentbanken zu schönen. Im Jahr 1999 ging mit LTCM ein grosser Hedge Fund pleite, der mit so viel Fremdkapital arbeitete, dass eine Katastrophe für das ganze Finanzsystem drohte. Hat man danach versucht, Hedge Funds strenger zu kontrollieren oder ihre Verbreitung eingeschränkt? Ganz im Gegenteil: Die Risiko-Funds breiteten sich aus mit exponenzieller Geschwindigkeit. Wer aus der Geschichte nichts lernt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen. Wenn dieses Diktum je auf eine eigentlich vermeidbare Katastrophe zutraf, dann auf die Finanzkrise.
Deshalb ist Ferguson überzeugt, dass jetzt die Stunde schlagen müsste für die grosse historische Rückbesinnung, nicht nur in den ökonomischen Wissenschaften, sondern auch in der öffentlichen Debatte. Auf der Suche nach Vorboten des heutigen Desasters kann Ferguson weit zurückgehen zu den Anfängen des modernen Europa.
«Die heutige Lage ist bizarr», sagt der Historiker. «Die Banken werden teilverstaatlicht – und in der Folge dazu gezwungen, über Obligationenaufkäufe staatliche Schulden zu finanzieren. Das geschieht jetzt gerade in England. Das letzte Mal hatten wir so etwas hier während des Zweiten Weltkriegs. Auf diesem Weg werden öffentliche Schulden durch privates Kapital übernommen. Wir steuern auf eine Kriegswirtschaft ohne Krieg zu. Eine verrückte Situation.»

Kriegswirtschaftbei den Medici
Finanzpolitik als Fortsetzung des Kriegs mit anderen Mitteln: Das ist ein Motiv, das sich wie ein roter Faden durch das neue Werk von Ferguson durchzieht. So zeichnet er in einem langen Kapitel nach, wie während der Renaissance die Strukturen des modernen europäischen Staates erst aus der Kriegsfinanzierung entstanden, und zwar am prägnantesten im Florenz der Medici. Die Medici waren nämlich nicht nur die glanzvollste Adelsfamilie ihrer Epoche, die Königinnen, Fürsten und Päpste hervorbrachte und mit ihrem Mäzenatentum Jahrhundertgenies wie Galileo, Michelangelo und Machiavelli zum Blühen brachten. Es ist weniger bekannt, aber ursprünglich waren die Medici etwas sehr viel Prosaischeres als Kriegsherren, Prälaten und Kunstförderer: Sie waren Florenz’ erfolgreichste Banker.
Genau genommen waren die Medici Devisenhändler, die im Dickicht der italienischen Territorialstaaten, die eine hohe Dichte verschiedener Währungen produzierten, die Konvertibilität verschiedener Münzeinheiten garantierten. Mit ihrer Spezialisierung auf den Devisenhandel umschiffte die Familie das Hindernis, das über lange Jahrhunderte verhindert hatte, dass das Geldgeschäft der Wirtschaft Flügel verlieh: das christliche Verbot des Kreditwesens. Das Erheben von Zinsen auf ausgeliehene Beträge war durch die katholische Morallehre streng untersagt. Noch bei Dante müssen die «Wucherer» unter schrecklichen Qualen im siebten Kreis der Hölle schmoren. Neben den Folter-Fantasien der «Göttlichen Komödie» nehmen sich selbst die heftigsten Wutausbrüche gegen die Abzocker der heutigen Finanzindustrie ziemlich handzahm aus.
Das Zinsverbot war der Grund, weshalb das mit dem sich ausdehnenden Seehandel unverzichtbar gewordene Kreditgeschäft an Nicht-Christen ausgesourct wurde: an Juden nämlich. Bald siedelte die aufstrebende Seemacht Venedig zu diesem Zweck eine grössere jüdische Gemeinde in einem eigenen, durch eine Mauer abgetrennten Viertel ihres Stadtgebietes an. Das ambivalente Verhältnis von Abhängigkeit und Verachtung gegenüber den unverzichtbaren Kreditgebern überdauert die Epochen. Im 17. Jahrhundert hat ihm Shakespeare im «Kaufmann von Venedig» ein Denkmal gesetzt. Bis heute tritt das Phänomen des Antisemitismus in Krisenzeiten immer wieder zutage.
Mit der Medici-Dynastie hingegen wurde der Aufstieg des Bankiers zum entscheidenden Macht- und Wirtschaftsfaktor der modernen Welt offiziell. Das Bankensystem breitete sich in den italienischen Stadtrepubliken aus und wurde von da nach Nordeuropa getragen, nach London, Amsterdam und Stockholm. Doch die italienischen Republiken brachten eine weitere finanztechnische Innovation hervor, die das Gesicht der Welt verändern sollte: die Staatsanleihe zur Kriegsfinanzierung.
Nicht nur lagen die rivalisierenden toscanischen Städte permanent miteinander im Krieg, sondern sie führten ihre Fehden zudem auf kostspielige Weise, nämlich durch das Anwerben ausländischer Söldnerheere. Das Kapital zur Finanzierung der Feldzüge beschafften sich zum Beispiel die Florentiner durch die Ausgabe von Staatsanleihen, welche die reichen Patrizier der Stadt zwangsweise erstehen mussten. Steuern wurden damals kaum erhoben, aber vermögende Bürger waren gezwungen, zu Gläubigern für die Staatsschulden zu werden. Die Staatsanleihen waren handelbar. Ihr Kurs hing stark vom jeweiligen Kriegsglück ab. Öffentliche Schulden wurden durch private Investitionen finanziert – das Rezept war gefunden, mit dem ein Staat in Krisenzeiten an frische Ressourcen gelangte.
Funktionieren konnte dieses System aber nur in den aristokratisch organisierten Stadtrepubliken und nicht in einer Monarchie. In den italienischen Städten waren die grossen Familien nicht nur die Gläubiger, sie kontrollierten auch die politische Macht und hatten ein unmittelbares Interesse daran, die Politik so zu gestalten, dass das Geld eines Tages auch zurückgezahlt werden konnte. Für absolute Erbmonarchien hingegen war es ein Leichtes, den Staatsbankrott zu erklären und aufgelaufene Schulden nicht zu tilgen. Das Königreich Spanien zum Beispiel musste trotz dem unermesslichen Edelmetallreichtum aus seinen südamerikanischen Kolonien in der Periode von der Mitte des 16. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts gleich neunmal den Staatsbankrott erklären. Der Monarch von Gottes Gnaden war gewissermassen in der Position des heutigen Investmentbank-CEOs: Er verzockte nicht sein eigenes Geld.
Dass die spanische Monarchie durch ihre Silberressourcen nicht vor Insolvenzproblemen bewahrt wurde, bezeugt die Gefährlichkeit von Geldüberschüssen. «Das Problem ist, dass man Blasen häufig nur durch neue Blasen bekämpfen kann», meint Ferguson. «Nehmen Sie die heutige Krise: Zur Abfederung der harten Landung nach dem Platzen der Immobilien- und Kreditblase wird in den USA jetzt die Staatsverschuldung hochgefahren, das heisst, es wird eine Staatsanleihenblase erzeugt. Vorderhand klappt das: Die amerikanischen Staatsschulden explodieren, aber die Zinssätze auf den Staatsanleihen bleiben weiterhin tief. Wie lange wird das gut gehen? Ich habe keine Ahnung, obwohl das zum heutigen Zeitpunkt die wichtigste Wirtschaftsfrage überhaupt ist. Verrückterweise kennt kein Mensch die Antwort.»
Auch das Phänomen der spekulativen Blasen verfolgt Ferguson in die europäische Geschichte zurück. So sieht er etwa im wichtigsten Epochenbruch des modernen Europa, der Französischen Revolution, nicht zuletzt das späte Nachbeben der ersten Aktienmarktblase, welche die europäische Wirtschaft erschütterte. Der unfreiwillige Zauberlehrling dieses finanztechnischen Pionierexperiments war John Law, ein schottischer Spieler, Abenteurer und verurteilter Mörder, der aus seinem Heimatland fliehen musste, sich in Amsterdam mit der Funktionsweise der Aktiengesellschaft und des holländischen Bankwesens vertraut machte und dann, zum grossen Unglück der Grande Nation, in Paris das Ohr des hoffnungslos überschuldeten Königs fand. Er schlug einen Generalplan zur Sanierung der maroden französischen Staatsfinanzen vor – und erzeugte eine Börsenblase, von der sich die Bourbonen-Monarchie nie mehr erholen sollte.

Als Frankreich am Mississippi Bankrott ging
Laws erster Streich bestand darin, dass er 1716 eine Bank gründete, die Papiergeld emittierte, wodurch die Staatsschulden konsolidiert und der Handel belebt werden sollten. Zusätzlich rief Law die Mississippi-Kompanie ins Leben, eine Aktiengesellschaft, deren Geschäftsziel es war, die unendlichen Sumpfgebiete von Louisiana, den französischen Überseegebieten in Nordamerika, in fruchtbares Land zu verwandeln. Damit waren die beiden Treibelemente einer Börsenblase gegeben: billiges Geld und das Versprechen eines ökonomischen Booms durch die Ausbeutung völlig neuer Wertschöpfungsressourcen. Innert kürzester Zeit stieg der Wert der Mississippi-Aktien um das Zwanzigfache – obschon Law immer neue Aktien ausgab und so das Kapital verwässerte. Die Machtmittel des Absolutismus erlaubten es, die Kursrally nach Belieben anzutreiben – etwa indem ein lästiges Konkurrenzunternehmen ganz einfach per Dekret verboten wurde. Die ganze Pariser Hautevolée stand Schlange vor den Büros der Mississippi-Gesellschaft, um sich ihren Teil am sagenhaften Gewinn zu sichern.
Schliesslich geschah, was geschehen musste: Die massive Vermehrung der Geldmenge führte zu einem Inflationsschub, das Vertrauen ins Papiergeld schwand, und die Mississippi-Aktien stürzten ins Bodenlose. Law wurde mittellos ausser Landes gejagt, Investoren aus ganz Europa waren ruiniert, und die französische Monarchie blieb bis zu ihrer endgültigen Enthauptung durch die Sansculotte ausserstande, ein funktionierendes Finanzsystem auf die Beine zu stellen. Die Hinterlassenschaft Louis XIV., des glanzvollsten Monarchen aller Zeiten, wurde von einem skrupellosen Börsenspekulanten liquidiert.
«Das Hinterhältige an der modernen Geldwirtschaft liegt eben darin», sagt Ferguson, «dass die scheinbar solidesten Werte sich plötzlich in volatile Risikoanlagen verwandeln können. Das ist der Kern der Tragödie, die hinter der amerikanischen Hypothekenkrise steht.»
Das vielleicht spannendste Kapitel von «Der Aufstieg des Geldes» ist dem amerikanischen Immobilienmarkt gewidmet. Ferguson zeigt nicht nur auf, dass die Wurzeln der tödlichen Subprime-Blase bis in die Dreissigerjahre zurückreichen. Er legt auch dar, dass der Hauptgrund für das amerikanische Immobiliendebakel in einer ideologischen Verblendung lag, die quer durch das Parteienspektrum die politischen Entscheidungsträger zu irrwitzigem Verhalten anstiftete: die ideologische Utopie der Hausbesitzerdemokratie.
Das Unheil hatte seine ersten Wurzeln in Roosevelts New Deal. Die Wirtschaftskrise der Dreissigerjahre führte in den USA nicht weniger als in Europa zu schweren Spannungen. Bei Streiks in Detroit wurden Fabrikarbeiter erschossen, die kommunistische Partei bekam starken Zulauf. Roosevelts Politik entschärfte die Konflikte, aber im Gegensatz zu den europäischen Ländern geschah dies nicht primär über den Ausbau der Sozialversicherungen. Das wichtigste amerikanische Hilfsprogramm galt der staatlichen Subventionierung günstiger Hypotheken. Die Originalität der Eigenheimförderung bestand dabei darin, dass die US-Regierung nicht die Hypothekarschuldner, sondern durch Einlagenversicherungen für Bausparkassen – die sogenannten Savings & Loans – die Gläubigerseite absicherte. So konnten Hypothekarzinsen niedrig gehalten werden.
Die Bausparförderung war sagenhaft erfolgreich: Von Kriegsende bis 1960 stieg die amerikanische Eigenheimquote von 40 auf 60 Prozent. Zusätzlich zu den Depotgarantien und zur strikten staatlichen Aufsicht über die Bausparkassen wurde die Federal National Mortgage Association ins Leben gerufen – die sogenannte Fannie Mae –, welche die staatlich garantierten Hypothekarschulden von den Bausparkassen übernahm und als Pfandbriefe weiterverkaufte. Auf diesem Wege wurden weitere Kapitalreserven erschlossen. Die Pfandbriefe waren eine nicht sehr rentable, aber risikofreie Investition. Der Kreis der amerikanischen Hausbesitzer erweiterte sich stetig. Der Siegeszug der Eigentümer-Demokratie schien unaufhaltsam. Heute wissen wir, dass er direkt in die Katastrophe führte.
Was ging schief? Zum einen gerieten die Bausparkassen in den Siebzigern in eine Krise, weil die Inflation ihre Kapitalverzinsung wegfrass und weil die in der Folge von der US-Notenbank eingeleitete Hochzinspolitik viel attraktivere Anlagemöglichkeiten schuf als ertragsschwache Bauspareinlagen. Um die Sparkassen zu retten, griffen die Carter- wie auch die Reagan-Administration zu einem abenteuerlichen Mittel: Sie schritten zur Deregulierung des Bausparkassenwesens. Plötzlich konnten die Banken mit ihren Depots anstellen, was immer sie wollten, behielten aber die staatliche Einlagengarantie. Sie waren frei, durch immer risikofreudigere Strategien ihre Kapitalrendite hochzuschrauben, blieben aber weiterhin abgesichert gegen Kapitalverlust. Es entstand eine perfekte Versuchsanordnung für den sogenannten Moral Hazard, die Verantwortungslosigkeit, die aus einer Vollkaskogarantie gegen Verluste resultiert.

Arm, schwarz, Hausbesitzer
Die Bausparkassenderegulierung erzeugte eine Immobilienblase, die Mitte der Achtzigerjahre platzte und das amerikanische System der Hypothekenfinanzierung in die Krise stürzte. Zwischen 1986 und 1995 musste der US-Steuerzahler 124 Milliarden Dollar zur Rettung der Bausparer aufbringen, etwa 3 Prozent des BIP. Die «Savings & Loan»-Pleite war die kostspieligste amerikanische Finanzkrise seit der Grossen Depression – bis man nur gut zehn Jahre nach ihrer Bewältigung in ein Immobiliendesaster gelaufen ist, dessen strukturelle Gründe identisch, dessen Dimensionen aber um ein X-faches grösser sind.
Die Gründe für die Subprime-Krise sind eben nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch politischer Natur. Mit den Bürgerrechtsbewegungen der Sechzigerjahre wurde ein Defizit der US-Eigenheimförderung immer anstössiger: Angehörige ethnischer Minderheiten, das heisst Schwarze und Latinos, profitierten viel seltener von abgesicherten Hypotheken als weisse Amerikaner. Noch im Jahr 2003 unterzeichnete Präsident Bush deshalb den «American Dream Downpayment Act», ein Subventionsprogramm zur Förderung von Hauskäufen in den unteren Einkommensschichten. Unter Bush hat sich der Subprime-Markt explosionsartig entwickelt, und die überwiegende Mehrzahl der hochriskanten Hypotheken wurde von Schwarzen oder Latinos aufgenommen. Das politische Ziel, die ethnischen Minderheiten am amerikanischen Traum des Hauseigentums partizipieren zu lassen, hätte legitimer nicht sein können. Doch das Ergebnis davon war, dass Hypotheken in Billionenhöhe an Leute ausgegeben wurden, die niemals imstande sein konnten, diese Kredite langfristig zu bedienen. «In Amerika darf man so etwas öffentlich nicht sagen», meint Ferguson, «aber wenn man durch die Suburbs von Detroit fährt, in denen die Subprime-Krise ihren Anfang nahm, dann fragt man sich, ob ‹Subprime› ein finanztechnischer Euphemismus ist für ‹Schwarz›.»
Und was wird jetzt geschehen? «Die Immobilienkrise war ein amerikanisches Problem, aber die Finanzkrise betrifft die ganze Welt», sagt Ferguson. «Die europäischen Banken waren genauso unsolid wie die amerikanischen. Im Moment veranstalten wir ein makroökonomisches Echtzeitexperiment: Einerseits wird der Weltwirtschaft eine monetaristische Radikalkur verschrieben, die Notenbanken stellen massiv Liquidität zur Verfügung. Andererseits greift man zum keynesianischen Mittel der Konjunkturbelebung durch öffentliche Investitionen. Ob die Kombination dieser beiden heterogenen Strategien erfolgreich sein kann, ist offen. So etwas wurde noch nie versucht.»
Die USA steckten zwar tiefer im Schlamassel als Europa, aber er mache sich dennoch grössere Sorgen um den alten Kontinent. Amerika habe immer wieder bewiesen, dass es in Notsituationen entschlossen handeln und Krisen überwinden könne. Den Europäern hingegen mangle es an politischer Einigkeit, an schonungsloser Selbstkritik, an der Fähigkeit zu harten Schnitten. Er halte ein japanisches Szenario – das heisst eine Wachstumskrise von mindestens fünf Jahren – in Europa für wahrscheinlich. Aber quantitative Konjunkturprognosen seien in der heutigen Lage mit grösster Vorsicht zu geniessen. «Je weiter die Wirtschaftsdaten von der Normalverteilung abweichen, desto weniger aussagekräftig werden unsere Prognosemodelle. Wir sind in einem Ausnahmezustand, den niemand vorausgesehen hat. Jetzt zuverlässige Wachstumsprognosen für die kommenden Jahre machen zu wollen, ist völlig lächerlich.»
Muss man aus der Geschichte der Finanzsysteme nicht den Schluss ziehen, dass die moderne Geldwirtschaft mehr Schaden angerichtet als Nutzen gebracht hat, dass sie die moderne Wirtschaft zu krisenanfällig macht? «Die modernen Finanzsysteme sind insgesamt eine grosse Zivilisationsleistung», sagt Ferguson. «Aber Geld hält der Menschheit einen gnadenlosen Vergrösserungsspiegel vor. Alle menschlichen Fähigkeiten werden durch Geldwirtschaft potenziert. Aber mit allen menschlichen Fehlern – der Gier, der Kurzsicht, der Verantwortungslosigkeit – ist es leider genauso.»

Niall Ferguson: «Der Aufstieg des Geldes – die harte Währung der Geschichte», Econ-Verlag, ab März 2009

Die Diskussion

9 Reaktionen

  1. Thomas Albrecht

    Insgesamt ein guter Artikel. Ein Schlüsselsatz für mich: … ‘Man kann es auf eine einfache Formel bringen: zu viel Mathematik, zu wenig Geschichte …’. Diese Kritik ist sicher berechtigt, jedoch weniger in Bezug auf die gelehrten Wirtschaftswissenschaften allgemein, als auf die in den Finanzmärkten operierenden Ökonomen und Betriebswirtschaftler.

    Allerdings gilt diese vereinfachte Formel auch umgekehrt: … zu viel Geschichte und zu wenig Mathematik! Dieser Eindruck drängt sich bei Betrachtung des im achten Paragraphen angeführten Zahlensalats auf. In der Darstellung der Zusammenhänge outet sich der Nicht-Ökonom, denn es werden mindestens vier Fehler in der Ableitung gemacht:

    Erstens werden hier Stromgrössen (nämlich das JÄHRLICH erzielte Welt-BSP) mit Bestandsgrössen(Börsenwert der Aktien = abdiskontierter Wert oder Barwert ALLER ZUKÜNFTIG erwarterter Zahlungsströme) in einer in dieser Einfachheit unzulässigen Weise verglichen.

    Zweitens ist der Börsenwert aller weltweit gehandelten Aktien in keiner Weise repräsentativ für den Wert all der Unternehmen, die an der Entstehung des Welt-BSP beteiligt waren. An der Börse ist nur ein kleiner Teil des Welt-Unternehmensuniversums notiert.

    Drittens werden die Werte von Aktien und Obligationen den Nominalwerten (immerhin richtig als solche bezeichnet) von Derivaten gegenübergestellt und damit missverständlich im Risiko gleichgesetzt, obwohl nur die Prämien bzw. Margins auf solche Kontrakte wirklich im Risiko stehen.

    Viertens schliesslich fehlt vollständig eine Erwähnung und Betrachtung des Welt-Kapitalstocks, der die eigentliche Basis für die Erwirtschaftung des BSP ist und der – neben vielen anderen Finanzierungsquellen – auch mit den börsennotierten Instrumenten Aktien und Obligationen finanziert ist.

    Sollte also der von mir durchaus geschätzte Historiker gewichtige Teile seiner Schlussfolgerungen auf die im Artikel dargelegten Zahlen und Zusammenhänge legen, sollte er dringendst über die Bücher gehen – und zwar die mit der (Finanz)Mathematik!

    Mit freundlichem Gruss
    Thomas Albrecht

  2. Gian Snozzi

    Wer sich für eine Einführung in das Thema “Geld und Finanzwesen” interessiert, schaue sich die Doku “Money as Dept” auf Youtube an (ich glaube, die gibts auch in Deutscher Übersetzung).

    Teil 1/5: http://www.youtube.com/watch?v=mIIAvdJvCes

    Vor allem der explikative Teil des Films ist sehr anschaulich. Über die normativen Aspekte kann man streiten.

  3. Profile Pic
    Tobias Michael Frey

    @ thomas albrecht: ach wie schön, dass sich hier ein ‘wahrer’ oekonom auch als solcher outen resp. mit mathematischen formeln – die uns schlussendlich an den rand des abgrundes geführt haben – in szene setzen kann ;-) !
    tatsache ist: ein SEHR guter artikel über einen SEHR interessanten mann mit tiefgang und durchblick.
    mein vater – ingenieur und somit ‘dummer’ nicht-oekonom – sagte immer: “stell’ dir vor, der gesamte reichtum auf unserem globus – rohstoff, arbeitsleistung, etc. – ist eine schale voller sand aus der sich alle gemäss ihren verdiensten bedienen dürfen. wenn aber eine hand hineingreift und sich mehr herausnimmt als ihr wirklich zusteht, dann fehlt diese menge halt andernorts.”
    vielleicht wäre die wiedereinführung des fegefeuers resp. die verbannung der ach-so-gescheiten finanzgenies mit schimpf und schande gar keine so schlechte lösung!?!

  4. Colin Robert Metzger

    In diesem konkreten Fall frage ich mich beispielsweise wie ein Wissenschaftler, der es besser wissen müsste, behaupten kann, man habe die heutige Weltfinanzkrise nicht voraussehen können bzw. vorausgesehen. Sie schreiben ja nicht, dass er gesagt habe man habe den Zeitpunkt nicht voraussehen können, sondern – verstehe ich Sie richtig? – er behauptet allen ernstes, dass man nicht vorausgesehen habe dass sie irgendwann in irgend einer Form ausbrechen werde! Das obwohl er selbst klar die Instabilität des Systems mit den Zahlen beschreibt, die Sie im Abschnitt über das schwindelerregende Missverhältinis zwischen Finanzwirtschaft und Realwirtschaft erwähnen. Zudem hat er ja gerade ein Buch geschrieben das die immer wieder auftretenden Finanzkrisen beschreibt. Trotzdem behauptet er, er selbst – und die gesamte auf diesem Gebiet ernstzunehmende Wissenschaft – habe sie nicht kommen sehen. Wie erklären Sie sich diesen Widerspruch? Welche apolegetische Richtung könnte dahinter stecken? Liegt Verblendung, Betriebsblindheit seiner Universität, Dummheit oder taktische Absicht vor? Ist er eher einer politischen Richtung als der Wissenschaft verpflichtet?
    http://www.oekonomiefueralle.blogspot.com

  5. Martin Schmid

    Ich bin schockiert, in welch krasser Weise das umfangreiche Fachwissen von Niall Ferguson zur Anprangerung von falschen Schuldigen und zur Balsamierung falscher Leistungsträger eingesetzt wird! Die Schwarzen und Latinos mit niedrigem Einkommen haben die Subprimekrise nicht oder höchstens geringstenteils verursacht, sondern die obersten Promille der “wissenden” Eliten, welche eben doch ahnten, dass die meisten Börsenwerte massiv überbewertet waren und deshalb als Notanker in etwas “reales”, nämlich “Real-Estates” umzuschwenken versuchten um ihre Guthaben abzusichern, wie übrigens in Europa die Pensionskassen: Deshalb wurden ja auch Millionen Wohnungen gebaut, die nie jemand bewohnte! D.h. das Übel waren nicht die Leute, die mit schwacher Finanzlage günstig zum Eigenheim kamen, sondern jene, die sich ganze Siedlungen und Shoppingmalls aus dem Erdboden stampfen liessen, als reines Anlagevehikel. Leider wurde dies so massiv überbordet, dass nachher keine Käufer / Mieter für die Objekte zu finden waren! Und bekanntlich hat auf dem Markt nur etwas einen Wert, wenn es jemand kaufen möchte. Und wie ist das mit den 1.2 Millionen leerstehenden Wohnungen mit “Golfplatz in Fussdistanz” an der spanischen Costa del Sol, welche unsere Pensionskassen als “Vermögen” aufführen?
    Ferner: Einer der entscheidenden Gründe für den Hyperpower-Status der USA sei das überlegende amerik. Universitätssystem. BITTE!? Wohl in der Entwicklung möglichst undurchschaubarer Raubzüge? In Tat und Wahrheit ist doch der Siegeszug der USA über den Rest der Welt mit Kissingers Ölbindung des Dollars zustande gekommen, nachdem zwischen 1933 und 1974 eine immer stärker gelockerte Goldbildung definitv aufgelöst wurde. Weil die Fed auf Kosten der ganzen Welt beinahe ungeschoren Dollars drucken kann, ohne eine Hyperinflation auszulösen! Weil die ganze restliche Welt jedes Jahr seit 35 Jahren die gigantischen Aussenhandels-bilanzdefizite mit Warenlieferungen finanziert! Das ist, wie wenn ich eine Falschgeldpresse im Keller hätte, mir jeden Luxus leisten könnte und mit dem Hinweis auf meine guten Schulnoten begründen! Und dann kommt noch das “gewaltsame Eröffnen von neuen Märkten” mittels “Economic Hit Men” oder Krieg. An einer Kriegsdemo las ich den Spruch: “you cannot bomb democrazy into a country” – Nein, natürlich nicht, aber man kann ein sicheres Geschäft namens Wideraufbau und gleichzeitige Verschuldung ( = Kreditzinsfluss auf ewig) in ein Land bomben. Was ich mit meinem bescheidenen Geschichtswissen weiss: Kolonialmachten scheiterten immer an ihrer eigenen faulen Haut – sie konnten am Schluss nichts mehr selber machen. Der grösste Fehler der letzten Jahrzehnte war jedoch, sich zwar Keynesianisten zu loben, aber diesen US-Ökonomen aus den 30ern nur unvollständig zu zitieren: Dieser lernte nämlich in einer österreichischen Kleinstadt namens Wörgl, dass der Staat in Krisenzeiten antizyklisch investieren solle UND dass er in Zeiten fehlender Steuereinnahmen dies via eine Geldhortungstaxe finanzieren solle, welche je nach Konjunktur die Kapitalzinsen überschreiten könne. Die zweite Hälfte seines Vorschlags an den damaligen US-Präsidenten Roosevelt wird hartnäckig verschwiegen oder als Kapitalismuskritik abgeschmettert. Und zu guter letzt: Niemand hat es kommen sehen?! Ich bin Ingenieur und nicht Banker, aber Alan Greenspans Rede von 2005, “dass bei der US-Dollar bis zum Frühling 2007 keine grösseren Korrekturen nötig seien”, liessen meine Alarmglocken schrillen. Meine Frau und ich legten unsere Ersparnisse darauf als Solaranlage auf das Dach unserer Mietwohnung. Mit 5% Rendite, mit Staatsgarantie und wirklich REAL!

  6. Elsbeth Saegesser

    ******************************************************************** Das Märchen von den Seifenblasen ***

    Es war einmal …

    … ein grosses weites Land – vielleicht war es auch ein kleines feines Land ,

    - so genau weiss das niemand mehr … .

    Jedenfalls lebten da überaus kluge und fortschrittliche Menschen,

    - brave und anständige Bürger – .

    Sie hatten nur eine kleine Schwäche ,

    - sie liebten Seifenblasen über alles … … .

    Riesige schillernde Seifenblasen wurden produziert,

    und alle tanzten drum herum,

    und jeder wollte eine haben,

    denn sie glänzten so schön in allen Farben… .

    Die Menschen haschten danach, doch da zerplatzten sie

    und herunter fiel ein kleines Tröpfchen Seifenlauge,

    - ein bisschen Schmiermittel.

    Die Enttäuschung war riesig…

    …und sie beschimpften die Gaukler,

    und das Geschrei war gross.

    Doch da kam Väterchen Etat,

    brachte mehr Lauge und wies die Gaukler an,

    mehr Seifenblasen hervorzubringen,

    denn er wollte sich den Lärm nicht anhören.

    Die Gaukler taten wie ihnen geheissen,

    doch sie waren schlau,

    sie bliesen nun die schillernden Kugeln höher hinauf

    in die Luft,

    so dass die Kleinen sie nicht erreichen konnten

    und nur sahen,

    wie sie davonschwebten,

    aber kaum bemerkten, wie sie platzten.

    Und die Gaukler bliesen mit heissem Atem hastig fortwährend neue Blasen,

    denn sie wollten, dass sich alle daran ergötzten

    und glücklich und zufrieden wären ob des Schauspiels,

    das hier geboten wurde.

    Die Leute brachten den fingerfertigen Illusionisten

    alles, was sie hatten,

    denn ihre Kunst wurde höher geschätzt als alles andere.

    Manche eilten und holten das Wasser aus den Brunnen

    der Gärtner und Bauern,

    damit mehr Seifenlauge hergestellt werden konnte

    für die Gaukler.

    Die Bauern und Gärtner protestierten,

    doch die Leute lachten nur,

    sie verprügelten sie und stiessen sie in die Gräben hinunter.

    Die Gaukler aber wohnten in Palästen

    und wurden verehrt wie Götter,

    denn was sie konnten, das vermochte sonst niemand.

    Jeder Wunsch wurde von ihren Lippen gelesen.

    Doch die Kleinen wurden des Spiels überdrüssig,

    denn sie erkannten,

    dass sie der Blasen nicht habhaft werden konnten,

    und wenn sie einmal eine erwischten,

    so zerplatzte sie und die ganze Herrlichkeit war vorbei.

    Die Menschen waren müde und hungrig,

    sie wollten essen.

    Doch die Gärten und Felder waren verdorrt,

    denn die Brunnen waren leer.

    Da hob ein grosses Heulen und Wehklagen an.

    Die Leute rannten zu den Gauklern, um sich das Wasser zurückzuholen,

    doch diese waren verschwunden

    und mit ihnen all die Schätze,

    die man vor ihnen aufgehäuft hatte.

    Sie wurden nie wieder gesehen.

    Die Geschichte aber,

    die wird weitererzählt,

    an kalten Winterabenden,

    wenn es draussen schneit.

    Und wenn die Luft kalt ist

    und glitzernde Eiskristalle tanzen,

    mag wohl manch einer von schillernden Seifenblasen träumen…

    aber die Gaukler wünscht sich trotzdem keiner zurück.

    Und so lebten sie friedlich bis ans Ende ihre Tage,

    - vielleicht mit einer Illusion weniger – ,

    und wenn sie nicht gestorben sind,

    so leben sie noch heute.

    ****************************************************

  7. Hans Wasner

    Der US-Ökonom Roubini ist nicht der einzige, der vor der Finanzkrise gewarnt hat. Auch Fredmund Malik von der UNI St. Gallen hat eindrücklich davor gewarnt und er hat auch deshalb Mercedes von einer Fusion mit Chrysler abgeraten. Wie die jüngere Geschichte zeigt, haben die seriösen Mahner Recht behalten.

  8. ute schebitz

    Wie funktioniert Geld können Sie hier lernen.

    http://video.google.de/videoplay?docid=-8368239920596130207

    Was lernen wir daraus? Wer keinen 3-Satz-Rechnen kann, kommt als normal denkender Mensch nicht mal im Traum darauf bei nur 6,8 % Eigenkapital ein Geld-Schneeballsystem aufzubauen, welches zum größten Teil auf heisse Luft gebaut ist. Wenn jemand darauf kommt und der “Chef” das erfährt, macht der Mitarbeiter entweder stillschweigend mit oder ist seinen Job los. Das ist die Realität, weswegen es “so viele” angeblich nicht GESEHEN HABEN WOLLEN. Und wenn es da schon eine geniale Möglichkeit gibt sich legal die Taschen voll Geld zu stopfen, dann machen doch alle mit. Einer weiss wies geht, alle machen mit … so geht das ganze System. Dazu noch einige angebliche Mathematiker die Algrorythmen füllen – den 3-Satz allerdings ausser acht lassen.

  9. ute schebitz

    Da es also so ist, dass unser Geld verschwendet wurde und wird, dann schlage ich vor, dass die Nominalwerte vorübergehend bis zur Tilgung der Kredite und nicht wiederbringbaren Zahlungen an IKB, HRE, Lehmann, Landesbanken etc… zu 98 % als Einnahmen versteuert werden müssen oder gleich die Gesamtgewinne an die Bundesregierung und in Verbindung mit einer UST-Steuersenkung sowie Einkommensteuersenkung und Vereinfachung und Erleichterung der Erbschaftsteuer usw. umgehend zurückgeführt wird. Bei Managergehältern über 1. Mio sollte für die kommenden 10 Jahre das gleiche gelten und rückwirkend bis 1998. Da hat das Schlamassel wohl so richtig angefangen.

    Die Finanzminister inklusive derzeitiger und letzter Kanzler sowie alle Parteien waren bei der Agenda 2010 ja auch nicht gerade zimperlich mit Rentenformel-Nullrechner, Lebensversicherungsverwertung bei Arbeitslosen etc… Übrigens, die Renten von Beamten und Politikern sollten ab einem Freibetrag von – seien wir großzügig – Euro 2.000 mit 95 % besteuert werden. Vielleicht merken Sie dann mal, was sie mit dem Volk tun?

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