21.11.2008 von Philipp Loepfe , 10 Kommentare
Hans-Werner Sinn macht wieder einmal von sich reden. Der Volkswirt und Leiter des Ifo-Instituts in München hat kürzlich in einem Interview erklärt, die Jagd auf die Manager in der aktuellen Finanzkrise sei vergleichbar mit der Hatz auf die Juden im Dritten Reich, eine peinliche Entgleisung. Noch vor wenigen Jahren war Sinn Dauergast bei Sabine Christiansen und ein gefeierter Vordenker. Die «Bild»-Zeitung bezeichnete ihn als «klügsten Professor Deutschlands», sein Buch «Ist Deutschland noch zu retten?» war Bestseller und Trendsetter-Werk zugleich.
Sinn war bis vor Kurzem ein Muster-Intellektueller der Moderne. Er ist weder Soziologe, Philosoph oder gar Psychologe, sondern Ökonom. Er verspricht weder eine gerechtere Gesellschaft noch fordert er die Gleichstellung der Frauen. Sinn ist ein Sado-Monetarist: Äusserlich erinnert er an einen Mönch, der Inhalt seiner Schriften ist asketisch. Er fordert mehr Disziplin, mehr Arbeit, mehr Wettbewerb, aber weniger Gewerkschaften, weniger Sozialstaat und vor allem weniger Lohn. Sinn ist kein alter Linker, sondern ein neuer Rechter.
Ein rechter Intellektueller? Das war in der Nachkriegszeit im deutschen Sprachraum ein Widerspruch in sich. Richtige Intellektuelle waren links, träumten von einem besseren Leben und lasen französische Existenzialisten oder deutsche Soziologen. Im Laufe der Neunzigerjahre wurde es jedoch immer stiller um die Sartres, Foucaults und Adornos. Mit dem Fall der Mauer stürzten auch der linke Intellektuelle und seine Utopie einer gerechteren Gesellschaft.
Der neue Intellektuelle ist Realist, Ökonom und von den USA beeinflusst. Nicht mehr die Sorbonne oder die Freie Universität Berlin bestimmen den Diskurs. Tonangebend sind die Heritage Foundation oder das American Enterprise Institute, von der Wirtschaft und reichen Privatleuten finanzierte Thinktanks. Sie verstehen sich als Gegengewichte gegen die vermeintlich linken Universitäten. In diesem Ökosystem gedeiht der neue Intellektuelle, wie die beiden «Economist»-Journalisten John Micklethwait und Adrian Wolldridge in ihrem Buch «The Right Nation» schildern. Nur die Form erinnert noch an alte Zeiten. «Die Bewegung, die am ehesten der neuen Rechten in Amerika gleicht, ist die alte Linke in Europa», stellen Micklethwait und Wolldridge fest.
Intellektuelle Industrie
Thomas Held ist der lebende Beweis dieser These. Einst war er der prominenteste Kopf der Schweizer 68er-Bewegung. Als Leiter des wirtschaftsnahen Thinktanks Avenir Suisse wurde er zum Schweizer Prototypen des Sado-Monetaristen. Wie Sinn hat er das gesamte neoliberale Reformprogramm auf Lager. Als Konvertit ist Held in guter Gesellschaft. Beat Kappeler war Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, bevor er zum freien Publizisten mutierte, der vor der Macht der Gewerkschaften warnt. Der Banker Kurt Schildknecht gab sein SP-Parteibuch selbst dann nicht ab, als er mit Martin Ebner für den Shareholder Value und mit Christoph Blocher gegen die EU kämpfte.
In den USA ist inzwischen eine Art intellektuelle Industrie der neuen Rechten entstanden. Nicht nur in den Denkfabriken, auch an den öffentlichen Universitäten, ist der Einfluss der Konservativen stetig gewachsen. Die vom Erzkapitalisten Rockefeller gegründete Chicago University ist seit jeher eine Hochburg neoliberalen Denkens. Die Schüler von Milton Friedman sind inzwischen aber auch an anderen Elite-Universitäten prominent vertreten. Die gleiche Entwicklung lässt sich auch in den Medien beobachten. Die Konservativen decken das gesamte Spektrum der Publikumsbedürfnisse ab: Magazine wie «The Weekly Standard» oder «National Review» wenden sich an Intellektuelle. Blogger wie Matt Drudge finden im Internet ein Millionenpublikum. Joe Sixpack, der Durchschnittsamerikaner, kann seine Vorurteile bei den Radio-Talkshows von Rush Limbaugh oder bei Fox News bestätigen.
Von einer Industrie konservativen Denkens in der Schweiz zu sprechen, wäre übertrieben. Aber eine Art KMU hat sich in den letzten Jahren ebenfalls herausgebildet. Im Windschatten von Avenir Suisse ist auch das Liberale Institut und sein Leiter Robert Nef ins Bewusstsein der politisch denkenden Schweizer gerückt. Der Börsenbrief des Privatbankiers und NZZ-Verwaltungsrats Konrad Hummler hat Kultstatus, genauso wie die Leitartikel des NZZ-Wirtschaftschefs Gerhard Schwarz. Der Basler Ökonomieprofessor Silvio Borner verkündet standhaft die reine Lehre des Marktes im Sinne von Milton Friedman. Die «Weltwoche» schliesslich hat sich vom verschlafenen Intelligenzblatt für den Bildungsbürger zu einem rechtskonservativen Kampfblatt gewandelt.
In der Zeitmaschine
Das Übergewicht an Ökonomen im politischen Diskurs ist kein Zufall. Wirtschaftskompetenz ist ein entscheidendes Merkmal des konservativen Intellektuellen. Sein Charme besteht darin, dass er sein ökonomisches Wissen mit dem Hedonismus der sexuellen Revolution verbindet und das Ganze mit einer kräftigen Dosis Staatsverdrossenheit würzt. Der Sado-Monetarist ist kein verbohrter Blut-und-Boden-Ideologe. Er ist weltgewandt und gebildet. Er lässt seine Vorgänger im wahrsten Sinn des Wortes alt aussehen. Was ist verstaubter als ein in die Jahre gekommener 68er, der von seiner Aktivzeit an den Demos erzählt?
Nun erwischt es aber auch den Sado-Monetaristen in der Midlife-Krise. Das Beben an den Finanzmärkten erschüttert die Basis seines Denkens: Banken werden verstaatlicht, als ob es das Normalste der Welt wäre. Konjunktur-Ankurbelungsprogramme werden gefordert, als ob es Milton Friedman nie gegeben hätte. Die intellektuellen Klassiker werden neu aufgelegt, John Maynard Keynes ist allgegenwärtig. Kein Magazin, das ihm nicht einen Schwerpunkt-Beitrag gewidmet, keine Sonntagszeitung, die nicht die Grundsätze seiner Nachfragetheorie in Erinnerung gerufen hätte. Selbst das Komitee des Nobelpreises macht mit: Es hat soeben den Neo-Keynesianer Paul Krugman mit dem begehrten Preis ausgezeichnet. Es ist, als ob wir mit einer Zeitmaschine in die Dreissigerjahre zurückkatapultiert worden wären.
Für Sado-Monetaristen ist das ein garstiges Ökosystem. Selbst die Gewerkschaften, diese ewiggestrigen Reformverhinderer, sind wieder angesagt. Der ehemalige Finanzminister und Harvard-Professor Lawrence Summers war einst eine der treibenden Kräfte der Globalisierung in der Clinton-Ära. Jetzt wirbt er nicht mehr für tiefere Zölle, sondern für hö-here Löhne. «Es ist entscheidend, dass die nächste Regierung den Fokus auf strukturelle Gründe richtet, die verhindern, dass die Löhne steigen», sagte er in der «Financial Times». «Das bedeutet, dass die perversen Steuerkürzungen von Bush wieder rückgängig gemacht werden, dass die Arbeiterbewegung gestärkt wird und dass vermehrt in das Gesundheitswesen, Bildung und Infrastruktur investiert wird.»
Häutungsprozess
Die intellektuelle Szene häutet sich wieder einmal. Asketische Sado-Monetaristen wie Hans-Werner Sinn haben ausgedient, die reine Marktlehre lässt sich angesichts des Desasters der realen Wirtschaft nicht mehr aufrecht-erhalten. Schwer im Trend sind dafür Denker wie Nassim Nicholas Taleb. Sein soeben auch auf Deutsch erschienener Bestseller «Der Schwarze Schwan» ist eine Absage an die klassische Ökonomie. Was als vermeintlich rationales Erklärungsmodell gilt, entlarvt Taleb als wackliges Theoriegebäude unserer angesammelten Vorurteile, das beim kleinsten Zufalls-Windstoss einzustürzen droht.
In Verruf gerät auch der reine Egoismus. Es gebe keine Gesellschaft, nur Individuen, pflegte Margaret Thatcher zu sagen. Jetzt wird dieser Neoliberalismus ersetzt durch einen liberalen Paternalismus. Derzeit bekannteste Vertreter dieser Richtung sind Richard Thaler und Cass Sunstein. Sie wollen dem freien Willen mit sanften Schubsern ein bisschen unter die Arme greifen. In ihrem Bestseller «Nudge» trösten sie uns mit den Worten: «Liberale Paternalisten wollen es den Menschen leichter machen, ihren eigenen Weg zu finden, sie wollen nicht diejenigen bestrafen, die ihre Freiheit ausleben wollen.» Immerhin: Die Wirtschaft ist im Begriff, in eine bittere Rezession zu fallen. Wenigstens weht in der intellektuellen Sphäre ein wärmerer Wind.
Nun ist diese Erkenntnis nicht gerade neu, doch wahrscheinlich ist erst jetzt die Zeit reif mit ihr einen potentiellen Bestseller zu schreiben. Schon in Jahr 2001 schrieb z.B. F.H. Hodgson: „Ökonomik, unabhängig davon wie Ökonomen das methodisch ansehen, ist eine historische Wissenschaft“ (zit. Birger P. Priddat, 2002, Einl.).
Es wäre wohl langsam an der Zeit, dass auch die Ökonomie einen postmodernen Quantensprung macht und die wundersame Selbstvermehrung des Geldes in ein System transferiert wird, dass modernen systemtheoretischen Grundsätzen entspricht. Und nicht zu vergessen nicht nach dem monetären Prinzip funktioniert “Wer hat dem wird gegeben”.
Nun ist diese Erkenntnis nicht gerade neu, doch wahrscheinlich ist erst jetzt die Zeit reif mit ihr einen potentiellen Bestseller zu schreiben. Schon in Jahr 2001 schrieb z.B. F.H. Hodgson: „Ökonomik, unabhängig davon wie Ökonomen das methodisch ansehen, ist eine historische Wissenschaft“ (zit. Birger P. Priddat, 2002, Einl.).
Es wäre wohl langsam an der Zeit, dass auch die Ökonomie einen postmodernen Quantensprung macht und die wundersame Selbstvermehrung des Geldes in ein System transferiert wird, dass modernen systemtheoretischen Grundsätzen entspricht. Und nicht zu vergessen nicht nach dem monetären “Wer hat dem wird gegeben” Prinzip funktioniert .
Undifferenzierter Neoliberalismus ist leider auch an Schweizer Universtitäten weit verbreitet. Mit fast religiösem Eifer werden Theorien als Naturgesetze verkauft und soziale Realitäten ignoriert.
Dies ist schade, da dies die gesamte ökonomische Wissenschaft in Verruf bringt.
Dass Neoliberalismus den Wohlstand der Massen nicht hebt, ist auch vielen Neoliberalen in der Zwischenzeit klar geworden. Deshalb haben sie sich zu Neokonservativen “weiterentwickelt”. Man überlässt den Markt sich selbst und überdeckt die sozialen Spannungen mit viel Polizei, Militär und drakonischen Strafen.
Was heute alt ist, war gestern neu. Darüber lohnt es sich nicht, viele Worte zu verlieren. Es gibt aber ein fundamentales Problem der Ökonomie. Weil ihr Gegenstand nicht eine deterministischen Gesetzmässigkeiten unterworfene Sache ist, sondern das Resultat komplexen menschlichen Verhaltens, welches nicht determiniert, sondern motiviert ist, kann sie alles im besten Falle immer nur hinterher verstehen, aber niemals sicher vorhersagen. Darin ist sie anderen Disziplinen nicht unähnlich, wie etwa der Philosophie oder der Psychoanalyse. Das ist kein Makel, sondern das Merkmal aller sog. Geisteswissenschaften, die sich mit dem spezifisch Menschlichen beschäftigen und zu denen die Ökonomie entgegen dem Selbstverständnis der meisten ihrer Vertreter viel eher gehört, als zu den exakten Wissenschaften. Aber das bedeutet, dass man sich, um ökonomisch vernünftig zu handeln, niemals auf die (alten und neuen) Vorhersagen der Ökonomen stützen kann, sondern einzig und allein auf eine Ethik des Handelns, die man nicht von irgendetwas ableiten kann, sondern setzen muss. Die wirtschaftliche Entwicklung folgt keinen Naturgesetzen, sondern den bewussten und leider auch den unbewussten Absichten derer, die sie durch ihr Verhalten konstituieren. Ihre periodisch wiederkehrenden Einbrüche und Katastrophen sind nichts anderes als die verleugneten und ignorierten Seiten der sie treibenden Hoffnungen und Ängste. Wären die Akteure auf allen Ebenen sich dessen auch nur andeutungsweise bewusst, und misstrauten sie ihrer Gier, ihrem blinden Optimismus und den sich darauf abstützenden Pseudotheorien, wäre schon sehr viel gewonnen.
Hallo! Wär hätte das Gedacht? Es gibt Grenzen! Auch für den Kapitalismus. Obwohl alle im Moment noch so tun als könne der Staat mit Finanzsspritzen das Ganze retten und so weitermachen wie bisher. Das ich nicht lache. Der grenzenlose Egoismus hat ausgedient. Wir werden uns wohl oder übel zusammenraufen und neue soziale Lösungen finden müssen. Global denken und lokal handeln. Aber dafür brauchen wir neue Politiker, welche nicht nur bewahren sondern auch handeln können.
Schubumkehr zu was?
Zu einem neuen Gesellschaftsmodell, zu einer nachhaltigen Kultur?
Oder munter weiter zu mehr Hierarchien, Dominanzen, Konkurrenz, Indoktrination, Kontrollen,… in der Gesellschaft, in der Arbeitswelt, in der Schule, im Privaten?
Es braucht eine neue Kultur, einen neuen Vertrag, die nicht in die gleiche Katastrophe führt, wie sie uns die Wachstumsgesellschaft vormacht.
Dank der Finanzkrise eine Schubumkehr? Nein, ausser wir tun es.
Es ist Zeit, dass alle direkt Betroffenen den Lauf der Dingen wieder selber steuern, damit eine lebendige Kultur im Dienst einer nachhaltigen Gesellschaft stattfindet.
Ich lade euch ein, diese Wende und diesen Traum mit mir zu initiieren.
gepitt@bluewin.ch
Ich habe diesen Artikel mit Neugier gelesen.
Mein Titel: Mit Vernunft zur Mitte.
Staunte aber auch darüber, als dass es selbstverständlich auf allen Ebenen der Gesellschaft Warner, nicht nostalgische, gegeben hat gegenüber diesem entfesselten Neokapitalismus, diesem Casinokapitalismus, disem Schneeballkapitalismus. Ich befürchte, dass nun ein gigantisches Flickwerk aufgebaut wird, ohne sich viel grundsätzlichere Frage nach dem Sinn unserer materialistischen Welt zu stellen. Es reicht nicht für alle. Das ist so. Wir müssen herausfinden, was für alle reicht und die Folge wird eine Harmonisiierung zwischen Mensch und Natur sein und dadurch eine Gesundung der Umwelt und eine neue Verantwortung zum wir, die genauso faszinierend ist, wie der Ich-Kult, ja zu ganz neuen allumfassenden, erfüllenden Liebesverhältnissen führen wird. Trend ist im wir, nicht im ich.
Der Titel unter dem Holzschnitt ‘De Humanis Corpus Fabrica‘: Rechtsdenker sind nicht mehr gefragt (auch wenn sie es mit der linken Hirnhälfte tun) verleitet zur Annahme, Linksdenker täten dies mit der rechten Hirnhälfte. Das zu vereinfachende Schema von linker und rechter Hemisphäre gehört so gut der Verganenheit an, wie der dem ‘Entweder-Oder-Reflex‘ entspringende Neoliberalismus, dessem Denken die Finanzkrise zur Last gelegt werden muss.
Immerhin beginnt Herr Löepfe – zaghaft, aber immerhin – über das Denken nachzudenken, welches ja des Handelns Ursprung ist. Und dies ist schon mal ein vielversprechender Ansatz. Von welcher Dringlichkeit dieser ist, hat Einstein schon anlässlich der Wirtschaftskrise 1929 formuliert: Die Probleme die es in dieser Welt gibt, sind nicht mit derselben Denkweise zu lösen, welche sie verursacht hat. Leider hat uns Einstein keine vertiefenden Hinweise mitgeliefert zu seiner Erkenntnis. Unabhängig davon, wem wir es zuordnen oder zu verdanken haben – dem Zufall oder der Vorsehung – erschien eben eine hilfreiche und vertiefte Analyse über die Problematik unserer Denkweise auf dem Buchmarkt. Es brandmarkt unser verbreitetes Denksystem als höchst problematisch und sei darum allen empfohlen, in welcher Rolle sie sich auch immer mit der aktuellen Krise beschäftigen:
- ob bei der Suche nach Erklärungen, wie es soweit kommen konnte
- ob beim Wandel des Wandels in sein nachhaltiges Gegenteil
-oder aber beim kritischen Hinterfragen und Reflektieren des Geschehens
Hat nicht C.G. Jung eine wichtige Botschaft hinterlassen, welche Einstein bekräftigt?
…das womit wir uns nicht auseinandersetzen, begegnet uns als Schicksal!
Das Buch: GEIST – GESELLSCHAFT -DROGE von Benjamin Fässler
Die heutige Krise der freien Marktwirtschaft hat sich ergeben aus einem Staatsversagen: Die Zentralbanken haben die Marktteilnehmer über viele Jahre mit zu viel Geld, das sie gedruckt und verteilt haben, und zu tiefen Schuldzinsen versorgt. Dies verführte die Menschen, ob Banker oder Hauskäufer, zu einem sorglosen Umgang mit Risiken und Geld, was unweigerlich über die Zeit zu einem Kollaps führen musste. Es ist also nicht die Marktwirtschaft, die versagt hat, sondern die Eingriffe des Staates in den Markt haben die Krise ausgelöst. Interventionen des Staates in den Markt führen immer zu einer Marktverzerrung, wie dies auch jetzt zu beobachten ist. Grundsätzlich: Bisher gibt es nur zwei Modelle des Wirtschaftens: Marktwirtschaft oder Planwirtschaft. Die Planwirtschaft wurde im 20. Jahrhundert in den kommunistischen Ländern, der Sowjetunion, China und anderen kleineren Staaten ausprobiert. Nach 70 Jahren kam es zum endgültigen Kollaps dieser Systeme. Die Marktwirtschaft dauert schon Jahrhunderte. Sie hat in den etwa letzten 150 Jahren der Welt einen bis dahin unvorstellbaren Wohlstand ermöglicht, was für die Menschen, die unter dieser Wirtschaftsform leben, eine bessere Gesundheit, eine Lebenserwartung, die sich in 100 Jahren verdoppelt hat, mehr Wahlmöglichkeiten in ihrem Leben und bessere Bildung gebracht hat. Seit Jahrhunderten werden Handel und freie Marktwirtschaft kritisiert; aber, allen Unkenrufen zum Trotz: Es wurde noch nie ein erfolgreicherer und nachhaltigerer Weg gefunden, um den Menschen Freiheit und Wohlstand zu ermöglichen.
@Frau Meierhofer: Ich frage mich, wieviel Freiheit und Wohlstand eine Fabrikarbeiterin in China oder ein Hartz IV-Empfänger in Deutschland hat. Auch bei uns in der Schweiz gibt es viel Armut und über 300′000 Working pur, also Menschen, deren Lohn nicht einmal zum Leben reicht. Bei der Finanzkrise handelt es sich durchaus um eine Krise der freien neoliberalen Marktwirtschaft, die den Massen keinen Wohlstand bringt, sondern sie immer mehr in die Armut treibt. Die Hauptursache dieser Krise ist die Massenarmut in den USA, wo Leute sich nicht einmal ein bescheidenes Wohneigentum leisten können, obwohl sie hart arbeiten, bisweilen zwei Jobs brauchen, um die Familie durchzubringen. Im Übrigen will niemand die Marktwirtschaft durch Planwirtschaft ersetzen, Sie können offenbar nicht zwischen sozialer und neoliberaler Marktwirtschaft unterscheiden.