21.03.2008 von Andreas Dietrich
Was haben Sie eigentlich 1968 gemacht?
Das musste ja kommen! Bin halt der einzige Schweizer Rocker mit politischer Vergangenheit. Ja, ich war dabei, als Bern europaweit bekannt wurde mit seiner Kunstszene, als Harald Szeemann hier die legendäre Ausstellung «When Attitudes Become Form» machte, als Warhol und Beuys kamen. Ich habe 68 mehr kulturell als politisch erlebt.
Immerhin haben Sie kurz darauf in Bern eine Partei mitgegründet, die «Härdlütli».
Mindestens sechs von zehn Punkten des damaligen Programms sind heute erfüllt!
Zum Beispiel?
Stimm- und Wahlrecht 18, verlängerte Polizeistunde, verkehrsfreie Innenstadt, den Stadtbach freilegen, solches Zeugs. Nicht erfüllt ist das «Eros-Center für Senioren», das wir forderten.
Und jetzt posieren die Zürcher Grünen füdliblutt, wie Sie es 1971 taten. Ist das nicht langweilig, die ewige Wiederkehr desselben?
Ich finde es spannend. Die Wiederholung ist etwas Wichtiges. Wenn du auf einem Gebiet Erfolg haben willst, musst du deine These immer wiederholen. Ein Pfarrer tut das auch. Es dauert, bis es in den Köpfen ist.
Was wäre denn Ihre Botschaft?
Horizonterweiterung. Gesunder Menschenverstand. Sich eine Sache genauer überlegen, bevor man Stellung nimmt.
Das ist ziemlich schwammig. Wofür steht «Polo Hofer» in der Schweiz?
Für Laisser-faire und Toleranz.
Das sagt jeder Freisinnige. Nicht sehr originell.
Aber nötig. Die Schweiz zeichnet sich dadurch aus, dass sich unterschiedliche Mentalitäten einigen konnten. Ja, wir sind ein Kompromiss. Und Kompromiss verlangt Toleranz.
Sind Sie stolz, Schweizer zu sein?
Die Schweiz ist schön. Dass ich Schweizer bin, ist Zufall.
Wo wären Sie denn am liebsten geboren worden?
Solche Gedanken sind völlig unnötig.
Ach, kommen Sie! Wären Sie mit Ihrem Talent in Memphis oder Nashville zur Welt gekommen…
Bin ich aber nicht. Diese Spekulation ist Zeitverschwendung.
Also war Interlaken ganz okay?
Sogar saugut, dass ich dort geboren wurde. An einem touristischen Ort wirst du schon als Kind mit der Welt konfrontiert. Ich vergesse nie, wie ich auf dem Schulweg dem ersten Inder begegnete, dem ersten Chinesen, dem ersten «Neger». Dann fragst du den Lehrer und die Eltern: «Wieso kommen die zu uns?» – «Weil es bei uns so schön ist.»
Förderte das Heimatliebe oder Weltoffenheit?
Beides. Man fragt sich dann ja auch: «Ist es bei denen nicht so schön, dass sie hierherkommen? Soll ich mal dorthin?» Ich bin viel gereist, ich kenne Amerika besser als Europa.
Ärgerte es Sie, als Ihr kritisches Lied gegen Umweltverschandelung und Bankgeheimnis, «Hopp Schwiiz», plötzlich zur Hymne wurde?
Es wurde völlig missverstanden, weil es einen eingängigen Refrain hat. Mit dem Song protestierte ich ursprünglich gegen Adolf Ogis Plan von Olympischen Winterspielen im Berner Oberland.
Statt sich gegen das Missverständnis zu wehren, sangen Sie den Titel vor der Fussball-WM neu ein – mit einem unkritischen Text. Sind Sie ein Opportunist?
Ich habe in einem Punkt resigniert: Man kann die Welt mit Songs nicht verändern, man kann den Leuten nur einen Floh ins Ohr setzen. Popmusik drückt höchstens den Zeitgeist aus.
Hat 68 Sie denn gar nicht geprägt?
Doch, ich begann 1968, den «Spiegel» zu lesen.
Gespräch Andreas Dietrich und Bänz Friedli

«Die Wiederholung ist etwas Wichtiges»