06.03.2009 von Birgit Schmid , 53 Kommentare
Halla Tómasdóttir hatte gewarnt. Die isländische Bankerin wandte sich einige Monate, bevor das Finanzsystem letzten Herbst in ihrem Land kollabierte, an Ministerpräsident Gerd Haarde, sagte ihm in einem persönlichen Gespräch: Dieses Finanzmodell, das von einer jungen, männlichen, testosterongetriebenen Elite verkörpert wird, dürfte auf längere Sicht nicht tragbar sein. Dem Bonus-fixierten Verhalten, sagte sie, fehlt jegliches Risikobewusstsein. Halla Tómasdóttir prophezeite: Der Aufschwung, den Island seiner aggressiven Expansion ins Ausland verdankt, wird nicht ewig dauern.
Vielleicht hat der Premier an sie gedacht, als er am 6. Oktober 2008 in einer öffentlichen Rede den Kollaps der drei grössten Banken Islands bekannt gab und vom drohenden Staatsbankrott sprach.
Halla Tómasdóttir und ihre Geschäftspartnerin Kristin Pétursdóttir sitzen im schlichten Konferenzzimmer ihrer Investmentfirma Audur Capital im Zentrum von Reykjavik und sagen: «Dass es so schlimm kommen könnte, das hätten auch wir nicht gedacht.» Ihre Skepsis verknüpften die beiden damals mit einer Ankündigung. Sie standen kurz vor der Gründung einer Kapitalgesellschaft, die sich einer gänzlich anderen Geschäftsphilosophie verschrieb. Halla – man spricht sich in Island mit Vornamen an – wiederholt, was sie antreibt: «Wir wollen der Finanzwelt weibliche Werte einverleiben.» Heute, eineinhalb Jahre später, schreibt Audur Capital schwarze Zahlen. Die anfangs ausschliesslich von Frauen geführte Firma hat bisher als eines der wenigen Finanzunternehmen der Insel die Krise unbeschadet überstanden. Noch immer stellt man neue Leute ein, während die Arbeitslosigkeit im Land rasant steigt. «Die Geschäfte haben sich seit Oktober verdreifacht», sagt Kristin.
Drei Stockwerke weiter oben, im selben Gebäude, gibt die isländische Börse ein Trauerspiel. Seit die Landsbanki, Glitnir und Kaupthing verstaatlicht wurden und vom Handel ausgeschlossen sind, tendieren die Kurse gegen null. Die Aktien spielen hier keine Rolle mehr. Sie sind verloren. Wertlos.
Kein Land hat es so stark erwischt. Am Beispiel der kleinen Insel im Nordatlantik zeigen sich die Folgen der liberalisierten Geldmärkte dramatisch. Noch empfängt einen die Hauptstadt nicht in Lumpen. Ein wolkenloser Himmel spiegelt sich im Glas der modernen Geschäftsbauten, die hingewürfelten bunten Häuschen blicken einladend, in der Ferne glitzert der Schnee auf dem Bergmassiv Esja.
Woran das globale Finanzsystem krankt, wurde inzwischen ausreichend diskutiert. Was selten gesagt wird: Die Protagonisten des Kollapses waren männlich, ob die Unternehmen Fannie Mae oder Freddie Mac hiessen, UBS oder AIG, HypoBank oder Lehman Brothers. Fast ausschliesslich Männer trieben den fatalen Kreislauf der Geldvermehrung an. Könnte es sein, dass sich jetzt bemerkbar macht, wie sehr Frauen in diesem System fehlen? Dass es das sogenannt schwache Geschlecht wie zur Stärkung der Immunabwehr gebraucht hätte? Wären die Hypothekenkrise und der daraus resultierende Wirtschaftseinbruch zu verhindern gewesen, wenn mehr Frauen Banken führen und im Topmanagement von Firmen sitzen würden?
Der Kollaps hätte nie dieses Ausmass erreicht, sind die beiden blonden, schwarz gekleideten Frauen überzeugt, die ihre Firma nach der Wikinger-Heldin «Audur, die Weise» benannt haben. Halla: «Frauen sind risikobewusster, denken langfristiger und achten auf schuldenfreie Geschäfte.» Nach diesen Grundsätzen operiert Audur Capital, eine Investmentgesellschaft, die Vermögensverwaltung macht, in Privatunternehmen investiert – sich beteiligt, jedoch keine Kredite vergibt – und Firmen in Finanzgeschäften berät. Halla und Kristin beschreiben ihre Karrieren als typisch weiblich: Fast ganz oben angekommen, hatten sie genug. Halla, heute 40 Jahre alt, war damals Generaldirektorin der isländischen Handelskammer. Kristin, 43, arbeitete als Investmentbankerin für Kaupthing Singer & Friedlander in London, der britischen Niederlassung einer der kollabierten Banken. «Ich war die einzige Frau unter Männern», erzählt sie. «Irgendwann merkte ich, dass da etwas falsch ist. Wenn alle gleich denken und handeln, bleibt dir als Frau nichts anderes übrig, als dich anzupassen. Ich konnte mich mit einer Kultur, in der man Risiken einging, allein getrieben vom Gedanken an eine hohe Rendite, immer den nächsten gewinnträchtigen Deal im Blick, immer weniger identifizieren. Meine feminine Seite blieb auf der Strecke.» Was nach Selbstfindungsphase einer Frau beim Übergang in die zweite Lebenshälfte tönt, klingt bei ihr weder empört noch anklagend. Kristin war anfangs sogar ziemlich desinteressiert, als Halla mit ihrer Vision eines weiblicheren Kapitalismus auf sie zukam. «Ich hatte mir über dieses Geschlechterding nie Gedanken gemacht», sagt sie. Tatsächlich wirken die beiden nicht wie die Vorkämpferinnen eines neuen Feminismus, antworten gelassen, lächeln entspannt. Wollen auch nicht als das missverstanden werden: «Wir vertreten keine Weltanschauung», sagt Halla, «sondern tun das, was für uns natürlich ist.»
Die Balance fehlt
Wichtiger, als Unterschiede zwischen Frauen und Männern zu betonen, sind ihnen «ein neues Wertesystem», das die Finanzwelt brauche. Die Gier, die blind dafür macht, wem man Geld gibt, nur weil fette Provisionen locken, das würden Halla und Kristin zwar als «typisch männlich» bezeichnen. Trotzdem verallgemeinern sie nicht. In den Büros von Audur Capital sitzen heute auch Männer. Mehr als die Hälfte ihrer Kunden sind Männer. Die Zahl der Investmentbanker, sagen sie, die Island in den Abgrund trieben, sei überschaubar. Halla: «Das Problem sind nicht die Männer, sondern zu wenige Frauen in diesem System. Es fehlt an Ausgeglichenheit. Männliche und weibliche Eigenschaften müssten ausbalanciert werden.» Finanzieller Profit und sozialer Nutzen seien kein Widerspruch, sondern auf das «Wie» komme es an, und da liege in Frauen ein grosses Potenzial.
Zum Beispiel: Frauen wollen wissen. Informieren sich vorab über ein Produkt, in das sie Geld stecken. Halla und Kristin haben sich den Leitsatz «Wir investieren in nichts, das wir nicht verstehen» zu eigen gemacht. Es ist auch jener von Warren Buffett, dem erfolgreichsten Investor der Welt, der für seine Sissihafte, sprich unmännliche Vorsicht bis spätestens letzten Herbst gelegentlich belächelt wurde. Dann sprechen die zwei Frauen von «emotionalem Kapital», meinen die Menschen hinter einem Geschäft, dass man die auf ihre Werte prüfe. Eine weitere Bedingung, sagt Kristin: Unabhängigkeit. «Als Vermögensverwalter sollte man unabhängig sein und nicht für eine Bank arbeiten und nur deren Produkte verkaufen. Nur so berät man unbefangen. Nur so kann man die Investmentprodukte unabhängig prüfen. Viele Finanzdienstleister kümmerten sich nicht mehr um die Interessen der Kunden, sondern wollten ihnen vor allem die eigenen Produkte andrehen.» Und schliesslich, ein letzter Grundsatz: Klartext reden, eine Sprache brauchen, «die zugänglich und nicht Teil einer abschreckenden Bankenkultur ist».
Soziale Verantwortung und das Engagement für die Umwelt stehen heute jeder Bank gut an, für Audur Capital steht sie zuoberst. Nachhaltigkeit. Man hat einen Fonds gegründet, der nur in Firmen investiert, die von Frauen geleitet werden. Soeben entsteht ein Beteiligungsfonds, den Björk mitinitiiert hat und der für Investitionen in grüne Zukunftstechnologien genutzt werden soll. Die isländische Sängerin hat sich an Halla und Kristin gewandt, besorgt um den Zustand ihres Landes, dem einst noch die höchste Lebensqualität nachgesagt wurde und das heute auf einem Schuldenberg von 75 Milliarden Dollar sitzt. Im Fonds «Björk» sollen bis Ende März 13 Millionen Dollar zusammenkommen. Halla, wie Kristin zweifache Mutter, sagt: «Der neue Kapitalismus wird Profit nachhaltiger verstehen. Das ist die weibliche Art, über Dinge nachzudenken: Wie überlassen wir diese Welt eines Tages unseren Kindern?»
Man mag die Absichten der Frauen als Idealismus verspotten. Nur haben die Männer nicht den Beweis erbracht, dass ihr Handeln «the hard way» besser funktioniert, wie es Hafdis Karlsdóttir, eine langjährige isländische Investmentbankerin und heutige Staatsangestellte, ausdrückt. Die 54-Jährige sitzt in der gähnend leeren Bar von Reykjaviks trendigster Adresse, dem Hotel 101. Erst am Abend wird der Alkoholdunst bis in die oberen Stockwerke dringen, wenn Businessfrauen im Hosenanzug, wankend auf Pumps, das Vergessen suchen. Hier feierten die Jungbanker einst ihre Erfolge, während Hafdis ihnen die Verträge bereinigte, die sie ohne genügend Sicherheiten ausgehandelt hatten.
Herablassung gegenüber der weiblichen Aufbruchstimmung ist unangebracht, da es inzwischen genügend Untersuchungen über den geschlechtsspezifischen Umgang mit Geld gibt – nähme man sie ernst, würde man Frauen mit Gewalt an die Macht zwingen. Es sind nicht einzelne Studien, welche durch eine Gegenstudie gleich wieder entkräftet werden. Sondern sie häufen sich mit demselben Befund. Noch immer finden sie wenig Beachtung, da man bei diesem Thema schnell unter Ideologieverdacht gerät.
Weibliche Werte
Frauen investieren besser, das zeigt die Praxis, das zeigen wissenschaftliche Forschungen. Sie sind defensiver: legen ihr Geld seltener in Einzelaktien und Optionen an dafür in Aktienfonds und festverzinsliche Obligationen, bei denen das Verlustrisiko kleiner ist. Sie diversifizieren stärker, verteilen das Geld auf verschiedene Anlagen und lassen es dort länger liegen und für sie «arbeiten». Männer erzielen kurzfristig zwar die höheren Gewinne, weil sie risikofreudiger sind. In Baissezeiten wie jetzt wirkt sich das nachteilig aus. Vor allem tendieren Männer zu häufigeren Transaktionen, sie traden mehr, schichten ihre Anlagen um und zahlen jedes Mal wieder Gebühren. Auch professionelle Anlegerinnen, die Fondsmanagerinnen, die in den Banken Portfolios verwalten, tun dies nachhaltiger als ihre Kollegen. So hat die Münchner DAB Bank AG im Jahr 2001, als die Börse ebenfalls am Trudeln war, 350 000 Kundendepots untersucht und festgestellt, dass die von Frauen gemanagten Depots eine 9,5 Prozentpunkte bessere Performance erzielten. Einen ähnlichen Befund zeigt die aktuelle Analyse von 43 000 Depots einer Schweizer Bank, die der Basler Finanzprofessor Heinz Zimmermann und der Vermögensverwalter Daniel Höchle gemacht haben.
Frauen investieren zudem seltener in Bereiche, die zu weit weg sind von ihrer Lebensrealität, etwa Nanotechnologie oder Internetfirmen. Auch Bergbau, Öl- oder Gasindustrie, wo die Kurse stark schwanken, interessieren sie nicht. Stattdessen wählen sie, wie die Finanzwebsite Digital Look bei der Analyse von 100 000 Portfolios herausfand, Nahrungskonzerne oder Energieversorgungsfirmen, die zwar einen kleineren, aber beständigeren Gewinn abwerfen.
Zu denkwürdigen Ergebnissen kommt auch Renate Schubert, Professorin am Institut für Wirtschaftsforschung der ETH Zürich, die das Entscheidungsverhalten von Frauen und Männern bei Geldanlagen empirisch untersucht. In einem Experiment verfügten männliche und weibliche Probanden über gleiches Einkommen, Vermögen und Wissen. Standen die Versuchspersonen vor einer unsicheren Finanzmarktentscheidung, fühlten sich die Männer trotzdem besser informiert als die Frauen. Je mehr Informationen die Männer aber erhielten, desto risikoscheuer wurden sie und verloren sogar ganz das Interesse. Die Frauen waren skeptischer, was das eigene Wissen betrifft, und wünschten sich mehr Informationen, bevor sie sich entschieden. Im Gegensatz dazu zeigten sich Männer ohne objektive Gründe optimistisch. Sogar Gerüchte und Tipps motivierten sie zu hohen Einsätzen: Je irrationaler die Wissensgrundlage, desto sicherer fühlten sie sich. Männer, so das Fazit, bevorzugen Entscheidungssituationen, die Spielcharakter haben und einen Nervenkitzel versprechen, während dieses Gambling-Gen Frauen fehlt. Schubert: «Männer überschätzen ihre Fähigkeiten und Kenntnisse, wenn es um Finanzmärkte und Unternehmen geht.» Die Selbstüberschätzung, gepaart mit männlicher Spielneigung, macht die explosive Mischung.
Eine im «Quarterly Journal of Economics» publizierte Studie mit dem Titel «Boys will be Boys» kam schon 2001 zum Schluss: «Es gibt eine einfache, aber schlagkräftige Erklärung für den hohen Grad kontraproduktiven Tradens an den Finanzmärkten: übermässiges Selbstvertrauen.»
Die Vorstellung, dass Banker, die mit fremden Wertpapieren handeln, so tun, als sässen sie am Pokertisch, hat nichts Beruhigendes. Zu sehen, dass es im Börsenring zu und her geht wie in einem Stall kampflustiger Stiere, bringt das Blut erst recht in Wallung. Hier kommt das männliche Sexualhormon ins Spiel, das Vertrauen erzeugt und risikohungrig macht. Trader, die am Morgen ein hohes Testosteronlevel zeigten – so eine Untersuchung der Universität Cambridge –, erzielten im Verlauf des Tages höhere Gewinne. Umgekehrt birgt das impulsive, aggressive, euphorische Verhalten das Risiko, irrational zu handeln, vor allem, wenn es, wie oft beim Traden, mit dem «Stresshormon» Cortisol ausgeschüttet wird. «Testosteron erzeugt keine spekulativen Blasen, aber es bauscht sie auf», sagt J. M. Coates, einer der beteiligten Wissenschaftler der Studie: «Gut möglich, dass Börsenblasen ein männliches Phänomen sind.»
Neues Prestige
Kreditgeber und Investoren versuchten in diesen Zeiten gar nicht zu verstehen. Fragten nicht nach, wie Leute zu Häusern kamen, obwohl sie weder Einkommen noch Vermögen hatten. Schauten kein bisschen voraus. Das Wissen hätte den Siegeshunger und Gamblingfuror nur gebremst. Bei Audur Capital haften alle zwanzig Mitarbeiter, wenn sich die Firma übernimmt, da jeder auch Eigentümer ist. Eine Voraussetzung, sagen die Gründerinnen, damit der Einzelne das Unternehmen mitgestalten will. Alle geben ein Tagesgehalt an eine gemeinnützige Organisation und arbeiten während eines Tages für sie. So standen die Audur-Banker kürzlich in den Secondhandläden des Roten Kreuzes in Reykjavik und verkauften gebrauchte Kleider. Ein Bast-und-Birkenstock-Finanzinstitut ist man trotzdem nicht, erachtet Boni etwa als sinnvollen Leistungsanreiz, wenn sie «vorsichtig und auf konservative Weise» vergeben werden. Die nun fast wertlose isländische Währung, die Krona, erschwert zwar auch manch ihrer Geschäfte. Trotzdem ist die Firma so gut gepolstert, dass man über eine Expansion nachdenkt: vielleicht neu auch Sparguthaben verwaltet, vielleicht in ausländische Märkte. Jedoch nicht wachsen um der Grösse wegen. Die Frauen sind kostenbewusst. Wo sich die Masters of the Universe Designpapierkörbe für 2000 Franken leisteten, kaufen die isländischen Bankerinnen ihre Büromöbel bei Ikea. Prestige verleiht ihnen ihr preisgekröntes Geschäftsmodell, das in Island jeder Taxifahrer kennt, da braucht es keine Statussymbole.
Auch wenn bis heute wenige Frauen am globalen Finanzmarkt eine zentrale Rolle spielen, in einem Bereich beweisen sie seit Jahrhunderten, dass sie mit Geld wirtschaften können: als Haushaltsmanagerinnen. Beim Umgang mit dem «kleinen Geld» nützen ihnen Eigenschaften, die das Geschäft mit dem «grossen Geld» auch brauchen könnte: Voraussicht, Verantwortungsgefühl, Pragmatismus, Verstand. Frauen waren bis in die Neuzeit von ihren Vätern und Ehemännern wirtschaftlich abhängig, es dauerte, bis sie frei über ihr eigenes Vermögen verfügen oder ein Sparkonto eröffnen durften. Eine der ältesten Wertpapierbörsen der Welt wurde 1771 in Wien von Kaiserin Maria Theresia gegründet. Tiere, Behinderte und Frauen – in dieser Reihenfolge – waren vom Handel ausgeschlossen. Die Frauen bis 1986. Auch in der Schweiz waren sie erst seit den Siebzigerjahren als Händlerinnen zugelassen. Schon immer aber kontrollierten Frauen das gemeinsame Portemonnaie, teilten die Ausgaben ein, machten das Haushaltsbudget, in vielen Familien bis heute. Über 70 Prozent der Ausgabeentscheide für Küche, Bad und Garten treffen Frauen, oft haben sie auch das letzte Wort beim Autokauf.
Von Reykjavik nach Rudolfstetten im Aargau. Denise Duriska, 33, Mutter von zwei kleinen Mädchen und Haushaltmanagerin, hat eine Minute Zeit. Als ihr Mann vor fünf Jahren sein eigenes Computergeschäft eröffnete, sprach sich seine Frau gegen ein teures Auto aus: Warum muss es so riesig sein, sagte sie, ein kleineres, billigeres tut es doch auch. Heute fährt Herr Duriska mit einem Mitsubishi zu seinen Kunden. Wenn das Paar einkaufen geht, weiss die Familienfrau, wohin: zum Beispiel zu Aldi, da die Windeln dort fünf Franken billiger sind, wie sie der Zeitungsreklame entnommen hat. Ihr Mann hätte sie irgendwo gekauft, zumal er nicht nach Angeboten Ausschau hält. Wenn die Kinder schlafen, macht Denise Duriska die Buchhaltung für den Haushalt und das Geschäft: zahlt online Rechnungen ein, kontrolliert die Zahlungseingänge der Kunden, stellt die Unterlagen für die Steuerrechnung zusammen, kümmert sich um die kleine Geldanlage, «sicher angelegt, nichts Riskantes». Im Gegensatz zu ihrem Mann weiss sie genau Bescheid, wie viel auf dem gemeinsamen Konto liegt, weiss, wie viel die Familie im Monat ungefähr zur Verfügung hat. Manchmal mahnt sie ihn, etwa wenn er die Stereoanlage wieder mit einem Zubehör aufrüsten will, dass man «schon etwas aufs Geld schauen» sollte. «Ich bin sicher die Sparsamere», sagt sie, die sich erinnert, wie sie jeweils mit ihrer Mutter auf die Bank Einzahlungen machen ging. Sie leben gut und «nicht über den Tag hinaus», sagt Denise Duriska: «Man rechnet immer etwas.» Trotzdem habe sie das Gefühl, «wenn ich meinen Mann machen lasse, könnte es ausarten».
Weil sie die Haltung hat «Man soll nur das Geld ausgeben, das man besitzt», würde sie nie einen Kredit aufnehmen, Leasing nur fürs Geschäft. Noch immer borgen sich Frauen weniger gern fremdes Geld. Und, man kann bei jeder Schuldberatung nachfragen, sie verschulden sich auch seltener. Sechs von zehn Klienten sind Männer, die sich beim Spielen im Kasino, beim Pokern im Internet, mit Autokäufen übernehmen. Manchmal verschulden sich die Frauen für ihre Männer, da nur sie noch kreditfähig sind. Es gibt Frauen, die kommen allein, wenn sich ein Paar verschuldet. Sie konfrontieren sich in der Regel stärker, deklarieren die Situation, gestehen sich Fehler ein, wollen die Dinge bereinigen. Obwohl Frauen mit zunehmender finanzieller Unabhängigkeit auch auf den Geschmack kommen, über ihre Verhältnisse zu leben, werden sie häufig zu Finanzministerinnen, sobald sie für andere Verantwortung tragen.
Dass das nicht nur überholte Rollenklischees sind, zeigt das Beispiel der Mikrokredite, die in Entwicklungsländern zu 97 Prozent an Frauen vergeben werden. Der Ökonomieprofessor und Nobelpreisträger Yunus Muhammad hat bald gemerkt, dass die weibliche Bevölkerung im ländlichen Bangladesh besser mit Geld umzugehen weiss: Korbflechterinnen, Köchinnen, Bäuerinnen, die dank den Darlehen unternehmerisch tätig werden und einen Weg aus der Armut finden. Nicht nur ist die Rückzahlungsmoral der Frauen grösser: Sie zahlen die Kredite inklusive Zinsen termingerecht zurück, Beträge, die oft nur 50 Dollar betragen und ohne vertragliche Absicherung vergeben werden, alles basiert auf Vertrauen. Der Gründer der Grameen-Bank hat zudem auch die Erfahrung gemacht, dass Familien von den Frauen stärker profitieren. «Frauen denken zuletzt an sich», sagt er in Interviews. «Sie sind so veranlagt, dass sie andere Leute glücklich machen wollen. Männer setzen sich zuoberst auf die Liste. Sie geben mit dem geborgten Geld vor ihren Freunden an. Sie geben es aus, um Spass zu haben.» Während Kreditnehmer es im schlimmsten Fall vertrinken und verspielen, investieren es die Frauen in die Ausbildung ihrer Kinder oder den Haushalt – und, was in patriarchalen Gesellschaften dazukommt: werten als «Hüterinnen des Geldes» ihre Stellung auf.
Als würde man sich dieser Vorzüge besinnen, wurden in Island nach der Stunde null im letzten Herbst zwei Frauen an die Spitze der kollabierten Banken Landsbanki und Glitnir gesetzt, damit sie deren marodes Finanzsystem neu aufbauen. Das löste nicht nur Freude aus. Es liege nun an den Frauen, den von den Männern angerichteten Schlamassel aufzuräumen, war oft zu hören. Man sah es als verspäteten Versuch zu signalisieren, dass nun eine neue Kultur in den Banken Einzug halte. Auch Halla, CEO von Audur Capital, sagt: «Es ärgert mich enorm, dass Frauen nur dann eine Chance erhalten, wenn das Chaos herrscht. Wären sie zu einer Zeit berufen worden, in der alles rund lief, hätte es eine positive Wirkung gehabt im Sinn: Eine Frau leitet eine erfolgreiche Bank. In der öffentlichen Wahrnehmung aber wird man jetzt ‹Frau› automatisch mit ‹Krise› verknüpfen. Man setzt Frauen in leitende Stellungen von Unternehmen, die so heruntergewirtschaftet sind, dass es fast unmöglich wird, etwas zu bewirken. Alles, was passieren kann, ist, dass das Eis unter ihren Füssen einbricht.» Tatsächlich werden Elín Sigfúsdóttir und Birna Einarsdóttir, die neuen Bankchefinnen, nicht im Amt bleiben. Sie finden wenig Rückhalt in der Bevölkerung, da beide aus den Reihen des bestehenden Managements gewählt wurden.
Gut im Aufräumen
Ins Bild von der für Ordnung sorgenden Mutter passt, dass in der Regierungskrise, die der Bankencrash in Island nach sich gezogen hat, eine Frau zur Ministerpräsidentin ad interim gewählt wurde. Die Sozialdemokratin Johanna Sigurdardóttir ersetzt Gerd Haarde. «Wir sind wirklich sehr gut im Aufräumen», kommentiert Halla. «Man müsste Banker und Politiker für ihre Fehler viel stärker in die Verantwortung ziehen.» Obwohl an der neuen Regierungschefin anfangs vor allem interessierte, dass sie eine ehemalige Flight Attendant und bekennende Lesbe ist, traut man ihr zu, «das Vertrauen in unser Finanzsystem wieder herzustellen», wie sie verspricht. Auf eine, die als erste Handlung den ausharrenden Notenbankchef aus dem Amt jagen will, kann man setzen. Die Politjournalistin Arna Schram, 40, einzige Frau unter sechs Männern in der zusammengesparten Zeitung «Fréttabladid», glaubt nicht, dass es den Leuten so wichtig ist, ob nun eine Frau das Land führt, sondern auf deren Politik lege man wert. Man trifft sich im Café Sólon nahe des Hafens, wo der Bau des riesigen Kulturzentrums aus Geldmangel vorübergehend gestoppt wurde. Überall da, wo in Reykjavik Kräne in den Himmel ragen, herrscht geisterhafte Stille. «Johanna Sigurdardóttir denkt sehr sozial», sagt Arna über die neue Ministerpräsidentin, die nun die unfertigen Prestigebauten erbt. «Sie setzt sich für Benachteiligte ein: Behinderte, Alte, arme Leute. Jemand, der sich mit ‹weichen Themen› beschäftigt, und das sind halt häufig Frauen, erhält in der gegenwärtigen Krise alle Sympathien.» Das letzte Mal habe sich eine weiblichere Politik in den Neunzigerjahren durchgesetzt, als es in Island eine reine Frauenpartei gab. Diese wurde überflüssig, als die andern Parteien, unter Druck gesetzt, ebenfalls mehr Frauen in führende Positionen hievten. Eine Folge davon ist der gemeinsame Elternschaftsurlaub, der 2001 gesetzlich verankert wurde: drei Monate für Mütter, drei Monate für Väter, drei Monate für beide.
In Island sind 90 Prozent der Frauen erwerbstätig. Sie haben früh Kinder, durchschnittlich zwei. Wie überall wird der Bildungsbereich zusehends feminisiert. Den zwei grössten Universitäten stehen zwei Frauen vor, die gerühmt dafür werden, die Hochschulen finanziell auf Kurs gebracht zu haben. Erklärungsgrund: Die Rektorinnen holen mehr Frauen ins Kader, durchmischen die Aufsichtsgremien, zahlen gleiche Löhne. Und doch: Trotz fortschrittlicher Geschlechterpolitik fehlen Frauen auch an der Spitze der isländischen Privatwirtschaft. Der weibliche Anteil in Verwaltungsräten beträgt 19 Prozent. 13 Prozent der CEOs der hundert grössten Firmen sind Frauen. Politjournalistin Arna ist deshalb skeptisch, dass dank der Krise die Finanzmacht weiblicher wird. Die Netzwerke in Island, aus denen in den Boomjahren auch die neuen, oft unerfahrenen Besitzer der Banken kamen, seien männlich und politisch eng geflochten. Das ändere sich kaum: «Männer wählen lieber Männer.»
Das Bewusstsein ist vorhanden, dass es Frauen in der Finanzwelt braucht, bevor es brennt. Und nicht mehr nur die Wirtschaftsfrauen der Schweiz fordern es in einem irgendwann ermüdenden Lamento. Klaus Schwab, der Gründer der Männerveranstaltung WEF in Davos, sagt, es sei dringend notwendig, Frauen an Spitzenpositionen in Unternehmen zu setzen, nicht nur, um Lösungen für die gegenwärtige Krise zu finden, sondern auch, um zukünftige Desaster zu vermeiden. Schon vor drei Jahren titelte der «Economist»: «Vergessen Sie China, Indien und das Internet: Das wirtschaftliche Wachstum ist von Frauen gesteuert.» Die Arbeitskraft von Frauen steigert nicht nur das globale Bruttosozialprodukt. Sondern in den obersten Gremien eingesetzt, verhelfen sie der einzelnen Firma zum Erfolg. Heute sprechen auch jene von «Gender Diversity», die nicht gerade unter Feminismusverdacht stehen.
Die Berater von McKinsey haben in ihrer Studie «Women Matter» ausgerechnet, dass Unternehmen mit einem höheren Frauenanteil im Topmanagement eine 10 Prozent höhere Rendite erzielen als ihre Konkurrenten. Auch die Fortune-500-Analyse der umsatzstärksten Unternehmen der Welt im Jahr 2008 ergab, dass der Umsatz von Firmen mit dem höchsten Frauenanteil im Verwaltungsrat 42 Prozent über jenem mit der niedrigsten Frauenquote liegt. Eine Studie der CERAM Business School France belegt, dass von den Firmen, die dem französischen Börsenindex CAC 40 angehören, jene den Crash am besten überstanden, deren Führung weiblicher ist. Zum Vergleich: Die Aktien der Bank BNP-Paribas fielen bis Oktober 2008 um 20 Prozent, Frauenanteil 39 Prozent. Credit Agricole mit 16 Prozent Managerinnen stürzte um 50 Prozent. Titel der Studie: «Globale Finanzkrise: Sind Frauen das Gegengift?»
Was wirkt so antitoxisch, wenn es darum geht, den Macho-Exzess zu zähmen? Während Männer individualistisch und kompetitiver arbeiten, gewichten Frauen die Beziehungsebene stärker. Sie legen Wert auf Kooperation und ziehen mehr Leute zu Entscheidungen bei. Oder weniger stereotyp gesagt: Bei zu viel von Gleichem verselbstständigt sich eine blind machende Dynamik. Die Theorie vom Herdentrieb wurde im Zusammenhang mit der Finanzkrise oft genannt: Gleich zu denken, reden, handeln täuscht ein Gefühl von Sicherheit vor und führt zu irrationalen Entscheiden. Fährt ein Manager im Schlauchboot die Stromschnelle runter, folgen ihm die neun andern, weil sie sich sagen, wenn er es macht, kann ich es auch; weil sie glauben, das Risiko verteile sich. Die Managerin in der Runde sagt eher: Halt mal, ist das nicht zu gefährlich?
«Weil Frauen andere Gedanken in ein Plenum bringen, dauert die Sitzung halt länger. Manche Männer schauen dann bereits auf die Uhr», sagt Antoinette Hunziker-Ebneter, CEO der Vermögensverwaltungsfirma Forma Futura Invest in Zürich, in deren Büchergestell «The Party Is Over» von Richard Heinberg steht, und zwar nicht erst seit gestern. Die 47-Jährige, die 1990 als eine der ersten Frauen die Lizenz als Händlerin an der Zürcher Börse erhielt und 1997 Chefin der Börse Schweiz wurde, schreibt Frauen ein «integriertes Denken» zu. Sie argumentiert mit neuroökonomischen Erkenntnissen: «Frauen wägen ab, denken vernetzter und kommen zu ganzheitlicheren Schlüssen. Natürlich können auch Männer, und ich kenne viele, diese weiblichere Seite fördern. Auch habe ich in meiner Karriere Frauen gesehen, die das rücksichtslose Gewinnstreben, das auf eindimensionalem Denken beruht, kopierten und keinen Deut besser waren.» Neben dem Geschlechtermix von fifty-fifty solle auch das Wissen in Aufsichtsgremien heterogen sein, dieser bestückt mit der Agraringenieurin neben dem Informatiker, der Historiker neben der Betriebswirtschafterin. Tatsächlich ist erwiesen, dass der Laie, da keinem selbstgewissen Expertenrudel zugehörig, nicht nur Börsenkurse besser prognostiziert, sondern vor allem: die nötigen Fragen stellt. Bezeichnend, dass sich auch Hunziker von der Welt der schnellen Geldvermehrung abwandte, bevor sie 50 war, «weil ich mehr Sinn in die Finanzwelt bringen will». Egal, dass eine Frau dann weniger verdient, Zufriedenheit geht vor. «Ich habe Geld sehr gern», stellt sie klar, verknüpft diese Liebe aber mit einer anderen. Wenn sie über «Vermögensverwaltung für nachhaltige Lebensqualität» spricht, über die strengen Kriterien von Umweltbewusstsein, Frauenanteil bis Finanzen, nach denen man Firmen prüfe, verknüpft sie: «Mein Sohn und die nächste Generation sollen ein gutes Leben haben. Das ist für mich der Antrieb, am Morgen arbeiten zu gehen.»
Hat sich denn die langfristige Sicht in der Krise bewährt? Die Verluste von Forma Futura, so Hunziker, lägen im Risikoprofil, das man mit den Kunden erstellt habe. Und man sei rechtzeitig aus den schlitternden Investmentbanken ausgestiegen, wie Audur Capital übrigens auch. Anders als die Isländerinnen, für die das zu erzwungen wäre, plädiert Hunziker heute für Quoten. «Hie und da ein Pseudo-Frauenförderungsprogramm hat bisher nicht mehr Frauen in Geschäftsleitungen gebracht», sagt sie und verweist auf Norwegen, das Musterland in Sachen Gleichstellung. Seit 2008 gilt dort für eine Firma an der Börse, dass in ihrem Verwaltungsrat mindestens 40 Prozent Frauen sitzen müssen. «Und plötzlich gibt es diese Frauen.» Warum nicht die Utopie denken – wann, wenn nicht jetzt? Die Bankerin glaubt nicht nur, dass es in einer von Frauen regierten Welt weniger Krieg geben würde, sondern: «Wenn die Finanzwelt weiblicher wäre, wäre es nicht zu dieser Erschütterung gekommen.»
In Island, der Insel des blauen Lichts und der kleinen beleuchteten Fenster, die schon von vielen Erdbeben und Vulkanausbrüchen erschüttert wurde, wird man auch diese Krise überstehen. Gemeinsam, denn es trifft alle hart, Frauen und Männer. Es ist nicht mehr die männerfeindliche Position eines unterdrückten Geschlechts, von der aus man ein Umdenken fordert. Sondern die Frauen sagen sich nun einfach: Was gewisse Herren zustande gebracht haben, nämlich ein ganzes System an die Wand zu fahren, das können wir allemal. Und beginnen damit, die Erklärung der Finanzkatastrophe nicht wieder nur den Männern zu überlassen.

Das Gegenmodell zu den isländischen Testosteronbankern: Halla Tómasdóttir, hier in ihrer Investmentfirma in Reykjavik | Ruggero Maramotti

Spiegelfassade täuscht: Islands Börse gibt heute ein Trauerspiel. | Ruggero Maramotti

Die Kräne in der Hauptstadt stehen nicht nur nachts still. | Ruggero Maramotti

Kommt kein Schiff von Irgendwo. | Ruggero Maramotti

Frauen kommen erst an die Macht, wenn Männer eine Schweinerei angerichtet haben: Journalistin Arna Schram. | Ruggero Maramotti

War viele Jahre allein unter Männern, bis es ihr reichte: Hafdis Karlsdóttir, frühere Investmentbankerin. | Ruggero Maramotti

Nicht nur durch Islands Landschaft ziehen sich tiefe Gräben. | Ruggero Maramotti

«Mit Männern kann es ausarten»: Haushaltmanagerin Duriska. | Vera Hartmann

«Frauen denken integrierter»: Ex-Börsenchefin Hunziker-Ebneter. | Vera Hartmann
Da scheine ich und meine Frau also eine Ausnahme zu sein…
Und überhaupt halte ich das für ein Gerücht, dass die Frauen die besseren Menschen sein sollen. Ein Beispiel ist da bestimmt z.B. die ehemalige englische Premierministerin Maggie Thatcher, wenn es um angeblich bessere Politik geht (und die war, im Gegensatz z.B. von ein paar SVP-Politikerinnen sogar äusserst intelligent…). Und falls jemand behauptet, Frauen seien die besseren ManagerInnen als Männer: Maria-Elisabeth Schaeffler hat die Kriese auch nicht besser im Griff, als ihre männlichen Kollegen.
Man(n) könnte also durchaus auch genügend Beispiele finden, die belegen, dass Frauen eventuell nicht die besseren, sondern die schlechtern ManagerInnen, PolitikerInnen, Finanzfachfrauen etc. sind…
Und überhaupt: “Es ist erwiesen”. Wodurch? Und an was liegt es? Am XY- resp. XX-Chromosom oder etwas nur an der gesellschaftlichen Geschlechterprägung?
Und ich behaupte, solange es noch solche Artikel gibt, die behaupten, die Frauen (oder auch die Männer je nach dem), seien besser in dem, oder könnten das besser oder wären dort erfolgreicher, etc. scheint die Gleichwertigkeit der Geschlechter immer noch nicht in den Köpfen der Menschen angekommen zu sein.
Ich hoffe, dass diese ewige und sinnlose Diskussion darüber, wer jetzt besser sei meinen Töchtern erspart bleiben wird und sie einfach das sein werden können, was sie sind: Menschen mit individuellen Stärken und Schwächen, die weder weiblich noch männlich sind, sondern einfach menschlich. Und dass sie sich dann keine Gedanken darüber machen müssen/wollen, ob das jetzt normal sei, dass sie auf einem angeblich männlichen Feld äusserst begabt und erfolgreich sind und auf einem angeblich weiblichen Feld völlig unterdurchschnittlich. Ja, dass sie nicht einmal mehr wissen werden, welche Fähigkeiten denn angeblich männlich oder weiblich sind.
Ein höchst fragwürdiger Artikel, denn anekdotische Beweise sind unbrauchbar und grosse Studien fehlen. Aussagen wie “Es ist erwiesen [...]” ohne Referenzen auf wissenschaftliche Studien ist oft eine Art eine eigene Meinung als Fakt zu verkaufen.
Nichtsdestotrotz, es gibt in der Tat Studien, die Frauen in Finanz- und Management-Fragen besser dastehen lassen. Soweit ich weiss, hängen die aber mit Vorsicht zusammen. Frauen entscheiden weniger schnell, gehen im Schnitt weniger Risiken ein und lassen heikle Entscheide gerne durch andere machen. Diese psychologisch nachvollziehbare Argument erklärt meiner Meinung nach gut, dass in schlechten Zeiten, ein von einer Frau geführtes Geschäft/Fonds weniger schlecht abschneiden wird (also besser), während ein Mann vermutlich in besseren Zeiten weniger zurückhaltend (also besser) abschneidet. Wieviel das gesamthaft ausmacht ist schwer zu bewerten, denn es fehlt schlicht die kritische Masse an Managerinnen, um repräsentativ zu studieren.
Nun, zurück zum Artikel: das Beispiel der warnenden Isländerin, ist äusserst banal:
- Je grösser die Krise, desto mehr Leute warnen. Die Aussage “Mehrere Monate vor dem Kollaps im Herbst” klingt nach Anfang 2008. Bis dahin hatte die UBS bereits die erste 20 Milliarden abgeschrieben, viele amerikanische Banken war schon illiquid, der Häusermarkt war schon seit 1.5 Jahren am einbrechen, und und und. Eine Kunst, die Krise dann aufzubeschwören ist es nicht.
- Warner gibt es immer, männlich wie weiblich. In guten Zeiten werden sie ignoriert, in schlechten Zeiten zu Propheten erkoren. Alan Greenspan warnte z.B. frühzeitig vor der Technologieblase, Warren Buffet mied den Bereich sogar ganz, verpasste dadurch fünf Jahre toller Performance.
Alles in allem: Frauen haben als Managerinnen und Politikerinnen verglichen mit Männern sicher ihre Vorzüge, aber auch Nachteile. Beispiele sind einfach zu finden:
- Nelly Wenger hat sich bei Nestlé mit vielen verkracht. Fast alle Frauen in höheren Etagen wurden vertrieben, gar gemobbt. Viele Männer, die Frau Wenger widersprochen hatte wurden kurzerhand auf die Strasse gesetzt.
- Carly Fiorina, eine der wenigen Frauen, die eine der ganz grossen Firmen leitete. Sie hat bei HP massiv auf Akquisition gesetzt und musste die Firma im 2006 verlassen. (IMHO hatte sie sehr “männlich” agiert)
Beispiele aus der Politik, wo Männer auch als schlimm gelten:
- Zürcher Regierungsrat: Frau Diener (GLP) hat es sich mit den Aerzten verscherzt und das Zürcher Unispital verliert laufend Ränge in der Spitzenmedizin. Frau Fierz (FDP) und Frau Fuhrer (SVP) waren sich spinnefeind und habe es in der Oeffentlichkeit ausgetragen.
- Bundesrat: Calmy-Rey (SP) macht auf Aktivismus, Frau Widmer-Schlumpf (BDP) krallt sich möglichst viele Kompetenzen aus Departementen anderer Bundesräte, sogar die allseits beliebte Frau Leuthard (CVP) hat regelmässig Konflikte mit den beiden Damen. Und vor ein paar Jahren wurde Frau Metzler (CVP) abgewählt, vor allem deshalb, weil die SP-Frauen lieber einen linkeren Mann (Deiss) als eine rechtere Frau wollten.
In keinem dieser Fälle möchte ich urteilen, sondern nur aufzeigen, dass Frauen keineswegs “besser” sind, lediglich “anders”.
Aussagen wie: “Frauen sind besser in ….” ziehen oft sehr fadenscheinige und wissenschaftlich unbegründete Argumente nach sich. Sie fördern ein Schubladendenken und sind diskriminierend. Immer noch werden Unterschiede gesucht, anstatt menschliche Andersartigkeiten akzeptiert. Nicht einmal die Natur- und Geisteswissenschaften sind wirklich fähig, Frau und Mann einleuchtend zu ergründen. Stattdessen versuchen wir komplexe und vielschichtige Probleme zu vereinfachen, indem auf das alte Frau vs. Mann-Muster zurückgreifen. Schade, dass ich vom Tagi einen solchen Artikel zum Frühstück serviert bekomme.
Was soll dieser Artikel, Frauen und Männer unterscheiden sich, doch daraus zu schliessen, dass Frauen die besseren Managerinnen sind ist doch an den Haaren herbeigezogen. Das einzige, das mir meine Lebenserfahrung gezeigt hat ist, dass sich Frauen und Männer hauptsächlich durch ihr Risikobewusstsein unterscheiden. In der Folge dieses Unterschieds lassen sich eine ganze Menge anderer Unterschiede erkenne, die sich aber alle auf das Risikobewusstsein zurückführen lassen – that’s it.
Frauen an die Macht – aber nicht jene Frauen in Hosenanzügen, die für ihren Aufstieg eben dieses männliche Verhalten kopieren, das uns in den Untergang führt. Es ist völlig klar, dass für die Welt in jeder Beziehung nur Rettung möglich ist, wenn das von Besitzdenken und kurzfristiger Profitoptimierung geprägte Patriarchat zugunsten einer eher matristisch orientierten Konsen-Gesellschaft abgelöst wird. Nur so kann die Menschheit als Spezie überleben. Allerdings ob dieser Paradigmenwechsel angesicht der männlichaggressiven “Herr”schaftsbehauptung überhaupt möglich sein wird, ist mehr als fraglich. Siehe auch http://www.comeros.net
Dass gewisse Frauen aus der globalen Finanzkrise auch noch ein feministisches Manifest basteln wollen, ist mindestens ebenso verfehlt, wie der (mittlerweile vollständig verdampfte) Glaube an die Selbstheilungskräfte des freien Marktes, der uns in diese Krise geführt hat. Mann schlecht, Frau gut- nein, so einfach ist die Welt nun einmal nicht- auch wenn es in den Augen vieler Feministinnen noch so schön wäre. Solange 2/3 aller geleisteten Arbeitsstunden (bezahlte Arbeit) noch von Männern geleistet werden, muten solche Wünsche sowieso ziemlich utopisch an. Dem Feminismus stünde eine Revision seines doch recht einfach gestrickten Weltbildes gut an!
Irgendwie amüsant, die Empörung der Kommentatoren: Birgit Schmid hat doch überhaupt nicht geschrieben, dass Frauen die besseren Menschen sind. Im Text steht doch nur, dass Frauen besser mit Geld umgehen können. Weshalb die von Herrn Wolf aufgelisteten Fällen weiblichen Versagens als Manager vollkommen absurd sind.
Thesenjournalismus, der bei einer derart gewagten These einfach schiefgehen MUSS.
Danke für den interessanten Artikel!
“Thesenjournalismus” ist das Lieblingswort der Argumentlosen, Der Text ist schliesslich reich an Beispielen.
Dieser Artikel war so absehbar wie das Amen in der Kirche und so überflüssig wie Schnee im März. Aber es kommt ja bald der Sommer….
warum gibt es maenner? weil ein penis allein nicht den rasen maehen kann …
maenner schlagen die frauen, fuehren kriege, sind saeufer und versager, elende nichs-nutzige machos und faule schweine, denken nur an ihr eigenes vergnuegen, hinterlassen unbefriedigte und frustrierte frauen im schlafgemach, tragen die verantwortung der heutigen finanzkrise, etc., etc., etc., … nur vergessen sie dabei allzugerne: wer ist in immer noch ca. 80% der faelle verantwortlich fuer die erziehung dieser ‘missgeburten’?
ich kann dieses ewige frauen-sind-die-besseren-menschen-gelaber seitens ueber-emanzipierter, frustrierter frauen nicht mehr hoeren … ich glaube, haette ich nicht eine so wunderbar, wirklich emanzipierte, d.h. u.a. auch, den mann in seiner eigenschaft als mann akzeptierende frau an meiner seite, ich wuerde in heutiger zeit schwul – was absolut nicht negativ gemeint ist – und/oder frauenhasser.
das wir uns richtig verstehen: ich bin absolut fuer gleichberechtigung (seitenbemerkung: wo bitte bleibt z.bsp. das militaer-/feuerwehrobligatorium fuer alle?!?), gleichen lohn fuer gleiche leistung, fordere mehr frauen in fuehrende positionen fuer ein 50:50-verhaeltnis … aber warum immer dieses kontraproduktive ‘frauen sind heilige, maenner sind schweine’?
ein gegenseitiges, von respekt gepraegtes und die beiden extreme ausgleichendes miteinander gegenueber dem biologisch bedingt physisch als auch mental anderen geschlecht ist die loesung: siehe z.bsp. gemischte polizei-streifen, die ausufernd testosteron-gepraegte uebergriffe nivelieren.
ein rat an (ueber)emanzipierte maenner: wenn du als mann ein allzu netter und frauenversteher bist – am eigenen leib erfahren – kommt der moment, wo dich eine frau nicht mehr attraktiv (sprich: maennlich) findet und moeglicherweise mit einem tritt in die eier verlaesst.
also: miteinander anstelle von gegeneinander! und um gottes willen: liebe frauen, lasst uns maenner maenner bleiben, wie auch wir maenner frauen diese wunderbaren mysthischen geschoepfe frauen bleiben lassen sollten!
weshalb muss eine solche diskussion immer auf die negativ konnotierte emanzen-frage hinauslaufen? sobald irgendwo ein gender-thema aufgegriffen wird, schreit die welt auf und muss auf eine aggressive art und weise festhalten, dass die männer nicht nur schlecht sind und die frauen nicht alle gut.
ich hoffe und glaube, dass fast alle dies inzwischen begriffen haben, also können wir doch beginnen über die themen zu sprechen, um die es auch wirklich geht. und in diesem artikel geht es nicht darum, aufzuzeigen, dass die frauen alles besser machen, sondern, welche positiven eigenschaften sie in einen männlich dominierten arbeitsbereich einbringen können.
es ist schade, dass das thema geschlecht/gleichberechtigung heute nicht thematisiert werden kann, ohne dass man gleich als radikale/r feminist/in behandelt wird.
Gratuliere ganz herzlich zu “Gebt das Geld in Frauenhand”. Zeitgemäss und verständlich geschrieben. Zum Teil zu diplomatisch sanft. Die Erklärung von Quaterly Journal of Economics, “übermässiges Selbstvertrauen” hätten Sie ruhig mit “(Grössen-) Wahnsinn” ergänzen dürfen. Was war es denn sonst: Swissair, ABB (Barnevik), Mercedes (Schrempp) und UBS (Ospel)? Ihr Artikel, verzeihen Sie, bringt ja bloss Alt-Bekanntes, müsste eigentlich den Verantwortlichen der UBS und im Bundesrat längst bekannt sein. Aber eben, kein (frauliches) Umdenken (von einem Appenzeller Bundesrat auch nicht zu erwarten). Anstatt einen echten Neuanfang mit unvoreingenommenen und nicht vorbelasteten Kräften zu suchen, klammert man sich an alte Männer, die Gehilfen der Krise waren. Diese klein karierte Sichtweite schliesst Frauen “natürlich” aus.
Beim Lesen Ihres Artikels kam mir die Frage, ob die Frauen nicht ev. auch so handeln würden wie die Männer, wenn sie wie diese seit Jahrhunderten den gleichen sozialen Status mit der dazugehörenden Privilegierung hätten. Ich denke wohl, dieses Verhalten ist keine Sache des Geschlechts, sondern der Sozialisierung, wie Simone de Beauvoir sagt, “Man wird nicht als Frau geboren”. Und wenn Remo Largo (Interview im TA) sagt, die Schule sei nicht gut für die Knaben, denke ich, dass die Knaben nicht gut sind für die Schule.
Die Männer hinterlassen nicht nur in der Finanzwelt eine grosse Sauerei, sondern die meisten auch täglich zuhause.
Fazit: Es würde sich lohnen für die Frauen, den Männern eine Portion Nacherziehung zu verpassen.
Zu diesem wunderbaren Artikel und Ihrem Editorial zum Internationalen Frauentag möchte ich Ihnen von Herzen Danke sagen!
Dieser Artikel hat mich so begeistert, dass ich ihn an alle Kolleginnen/gen die kein Abo haben zum Lesen weitergegeben habe.
Die Mehrzahl der Artikel des Magazins sind gut bis sehr gut. Dieses Hohelied auf die Frauen als bessere Finanzverwalter strotzt aber von vielen Vorurteilen und Pseudobeweisen. Nur weil einige hundert geld- und machtgierige Kriminelle mehrheitlich Männer waren, die uns in den Abgrund rissen, ist es sehr fragwürdig, daraus zu schliessen, dass es Frauen besser machen würden ist. Geradezu peinlich wird es, wenn aus einzelnen Familienbeispielen verallgemeinert wird, dass Frauen sparsam und Männer verschwenderisch sind. Auf solche Beispiele lassen sich unzählige Gegenbeispiele finden und wenn ich beobachte wie Frauen auf Teufel komm raus auf Einkaufstour gehen und für viele das Streben nach nicht selbst erarbeitetem Luxus der ganze Lebensinhalt ist, denke ich, trifft eher das Gegenteil zu von dem was Frau Schmid postuliert.
Eine sehr wichtge Frage ist auch, warum eigentlich Männer mit viel Testosteron so extrem gierig nach Macht und Geld streben und mit PS Boliden in der Gegend herumrasen. Ich denke, dass auch da Frauen nicht ganz unschuldig sind, denn vor allem für jüngere Frauen sind grosse Macht, extremer Reichtum und Tempobolzerei gleichbedeutend mit viel Sex Appeal. Typisch ist zudem, dass vor allem Frauen diesen Artikel so gut finden im Sinne von „Jetzt haben wir es ihnen mal wieder gezeigt“.
Das ist der beste und objektivste Artikel den ich je im Magazin gelesen habe. Alle Standpunkte und Argumente treffen ohne Umschweife zu. Ich plädiere dafür, dass die Redaktion eine Kopie an die Finanzverantwortlichen der UBS, des Bundesrats, die CS, und als Pflichtlekture an die Universitäten/Fächer Wirtschaft und Finanzen sendet.
Ob Frauen wirklich besser mit Geld umgehen, werden wir wohl erst in ein paar Jahrzehnten wissen. Vorerst interessiert mich vor allem die Frage, wie es herauskäme, wenn sich Frauen und Männer verständigen müssten über Investitions- und Unternehmensentscheide, statt dass die Männer praktisch allein über die Strategien befinden.
Dafür braucht’s (auch) gemischte Gremien an der Spitze.
Es ist kaum ein Zufall, dass sich Frau Schmid zwar auf eine Vielzahl von Studien abstützen kann, sich aber bezüglich der Datenlage auf dünnem Eis bewegen muss. Wenn wir in Zukunft wirklich fundierte Aussagen lesen wollen, muss die Forschung sich auch mit den angeschnittenen Themen intensiver befassen. Auf jeden Fall schon mal danke für den Artikel.
Als Private-Banker habe ich diesen Artikel natürlich mit grossem Interesse gelesen. Ich gratuliere der Autorin zur hervorragenden Analyse und hoffe, dass dieser Artikel die (Finanz)-Gesellschaft aufrütteln wird. Eigentlich ist Ihre Erkenntnis ja nichts Neues, sondern eine Bestätigung dessen, was mann) schon lange weiss.
Ich bin keiner, der Frauen prophylaktisch Vorschusslorbeeren verteilt, aber mit Finanzen umgehen können sie, nebst anderem, meist entschieden besser als wir Männer. In diesem Sinne vielen Dank für den aufschlussreichen und leicht verständlichen Bericht.
Eigentlich kommt der Artikel von Birgit Schmid etwas zu spät, denn das weltweite Finanz- und Wirtschaftsdebakel ist ja schon eingetreten. Dennoch finde ich diesen Text äusserst lesenswert. Schmid arbeitet die Unterschiede zwischen Mann und Frau emotionsfrei, die nun einmal nicht aus der Welt zu schaffen sind, heraus. Vermutlich hat eben die genetische Veranlagung der Unterschiede einen Sinn, der von der Seite der Frau her ganz auf die Fürsorge für die Kinder abgestellt ist. Dieses Element der Fürsorge ist eine spezifisch weibliche Eigenschaft, die notabene nicht nur beim Menschen, sondern ebenso bei den Tieren beobachtet werden kann. Seine äussere Erscheinungsform wird mit der „Mittleren Unzufriedenheit „ (MUZ) umschrieben. Diese MUZ soll allerdings nicht negativ verstanden werden, sondern sie ist eben das entscheidende weibliche Verhalten fürs Ueberleben schlechthin. Umso erstaunlicher, und dennoch nicht überraschend, ist der Umstand, dass dieses Grundverhalten der Frau auch in grossen finanziellen Belangen weiter wirkt und durch die Frauen, wie mit den beschriebenen Isländerinnen, zum Wohle einer funktionierenden Wirtschaft eingesetzt werden kann. Es ist anzunehmen, dass diese besonderen weiblichen Fähigkeiten, pragmatisch und Wert erhaltend zu arbeiten, gestört werden können, wenn Frauen in Führungspositionen den Männern allzu fest nacheifern wollen. Für mich als Mann stellt sich natürlich die spannende Frage, mit welchen genetisch basierten Fähigkeiten der Mann ausgerüstet ist, die letztlich zu einer Sinn gebenden Kombination zwischen Mann und Frau führen. Da könnte man von der Hypothese ausgehen, dass es für eine Gesamtentwicklung ein Pendant zu den werterhaltenden Punkten weiblich bestimmter Tätigkeiten, eine innovative aber risikoreichere Seite gibt, die in den Genen der Männer zu finden ist. Die Schlussfolgerung daraus hiesse dann: Es braucht Beides.
Schmied Birgit schreibt handwerklich immer gut, aber inhaltlich nur, wenn sie etwas von der Sache versteht, was hier leider in mehrerer Hinsicht nicht der Fall ist. Es ist ein fundamentaler Irrtum anzunehmen, dass eine Frau prinzipiell geeignet sei, über Geschlechtsdifferenzen zu schreiben, bloß weil Frauen scheinbar (!) schlechter dran sind. Jedenfalls ist sie auf diesem Gebiet nicht auf akzeptablem Niveau – beispielsweise kennt sie offenbar nicht die jüngste Studie des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie zu den geschlechtsspezifischen Unterschieden, die mit einer seltenen statistischen Deutlichkeit ergeben hat, dass man die Unterschiede zwischen Männern und Frauen vergessen kann (es gab nur 2 vollkommen irrelevante Disziplinen, in denen sich überhaupt Unterschiede manifestierten), denn die Variabilität innerhalb der Gruppen ist viel größer als diejenige zwischen den beiden Gruppen. Aber auch vom Finanzsystem und von der Statistik versteht sie anscheinend viel zuwenig. HypoBank – wer oder was soll das sein? Und was soll da passiert sein? Was ist das eigentliche Problem des Finanzsystems? Und warum sind die filanthropischen Ansätze der beiden isländischen Finanzwalküren nicht der Stein der Weisen? Die anhimmelnde Darstellung dieses keineswegs neuen Konzepts verschleiert den Blick auf die Tatsachen: Auch dieses Konzept ist zum Scheitern verurteilt, denn es unterscheidet sich eben nicht fundamental. Die Grameen-Bank verlangt meines Wissens keine Zinsen, aber vielleicht irre mich hier, ich konnte das bis jetzt nicht zweifelsfrei klären. Ein statistischer Kapitalfehler ist es aber, vom Erfolg der Frauen auf die hohe Qualität weiblicher Entscheidungen zu schließen: Der geringe Frauenanteil erlaubt es nur Spitzenfrauen überhaupt zum Zug zu kommen. Das ist ein statistisch bestens bekanntes Minderheitenfänomen, welches man sich auch mit ein bisschen gesundem Menschenverstand selbst überlegen kann. Schade, dass ein so wichtiges und interessantes Thema derart schludrig verschenkt wurde.
Die gegenwärtige Finanzkrise den Männern als Versagen anzuhängen, ist so richtig nach dem feministischen Zeitgeist. Beim Herbeischaffen von grossen Geldbeträgen stehen doch die Partnerinnen der angeblichen Versager auch nicht in Abwehrstellung. Bitte nicht moderne „endlich-besser-als-der Mann-Märchen“ verbreiten.
Mann bleibt Mann und Frau muss nicht Mannfrau sein, sondern darf respektierte Frau sein (privat und beruflich) und das wäre auch gut so.
Probiert es doch mal mit Fraumann sein. Da seid Ihr wirklich im Nachteil. Wir bekommen das Mannfrau sein schon in der Schule (patriarchalische Maßstäbe) beigebracht.
Oder habe ich da immer noch was nicht verstanden? Kann ein Mann nur Mann sein, wenn das Frausein nur ein Beiwerk ist und nicht einmal von den betroffenen Frauen respektiert wird?
Na, das ist ja witzig, wie sich die Männer gleich auf den Schlips getreten fühlen, wenn sie mal irgendwo nicht gleich als das überlegene Geschlecht dargestellt werden. Selten so gelacht!
@H.-J. Lenzi
Auch wenn’s schwer fällt: FRAUEN SIND DIE BESSEREN MENSCHEN!
Wer sind denn die Zuhälter, die Vergewaltiger, die Einbrecher, die Drogenhändler, die Mörder, die Wirtschaftskriminellen, die korrupten Banker und sonstigen Verbrecher? Der Frauenanteil dürfte da nicht einmal 10% ausmachen. Oder haben Sie schon mal von einer Frau gehört, die einen Mann brutalstens ermordet aus dem einzigen Grund, weil sie wieder zurück ins Gefängnis möchte?
Meiner Ansicht nach sollten Männer hier ebenfalls so solidarisch miteinander sein, wie sie sich sonst immer geben, und endlich einmal eine Gewaltsteuer bezahlen! Wir reden doch immer vom Verursacherprinzip. Wie kommen wir Frauen eigentlich dazu, den ganzen Justiz- und Polizeiapparat samt Gefänissen voller krimineller Männer zur Hälfte mitzufinanzieren?!
Und wenn Sie schon Maggie Thatcher ansprechen:
Im letzten Jahrhundert wurden zwei Kriege von Frauen geführt. Einer von Maggie Thatcher und der zweite von Golda Meir. Das war Rein – Raus, und die Sache war spätestens nach 10 Tagen erledigt. Wenn ich mir da die unendlichen Geschichten der Männer ansehe, wird mir schlecht.
@Marcel Zufferey
Ja, ja, Sie sagen es: 2/3 aller BEZAHLTEN Arbeitsstunden werden von Männern geleistet. Diese Ungerechtigkeit stinkt zum Himmel.
Gemäss einer Studie der Vereinten Nationen sieht es nämlich so aus, dass
- Frauen zwar mehr als 50% der Weltbevölerung ausmachen
- fast 70% (2/3) aller Arbeitsstunden leisten
- 10% des Welteinkommens verdienen
- und weniger als 1% des Weltvermögens besitzen!
Diese Studie ist zwar jetzt schon ein paar Jahre alt, aber allzuviel dürfte sich in den letzten Jahren daran nicht geändert haben. Und selbst wenn ein paar wenige Prozentpunkte zugunsten der Frauen dazugekommen sein sollten, ist das Ganze noch immer skandalös.Von wegen “einfach gestricktes Weltbild”!
@Tobias Michael Frey
Den Schuh betr. Erziehung werden wir Frauen uns nicht länger anziehen. Es sind nämlich die Männer, die protestieren, wenn ihre kleinen Thronfolger mal mit Puppen spielen oder – Gott behüte – sogar stricken oder häkeln wollen. Es ist in erster Linie die männerdominierte Gesellschaft, die für die Macho-Erziehung der Jungs verantwortlich ist. Da kann Frau gegensteuern bis sie schwarz wird: Etwas anderes als die klassische Rollenerziehung wird nicht toleriert!
Wenn es nach ihrer Philosophie ginge, müssten längst alle Frauen nach 4000 Jahren Männerherrschaft lesbisch und Männerhasser geworden sein. Dass dies trotz allem nicht der Fall ist, spricht einmal mehr für die grenzenlose Geduld und Friedfertigkeit der Frauen. Allein daraus beziehen Männer ihre Machtansprüche.
Wir brauchen endlich eine Quotenregelung zugunsten der Frauen. Sobald der Frauenanteil in Politik und Wirtschaft 50% beträgt, kann diese Quotenregelung dann wieder abgeschafft werden. Ohne eine solche wird es nicht gehen, denn freiwillig werden Männer ihre Privilegien nicht hergeben. Wenn das einmal geschafft sein sollte, werden auch keine “Emanzen” und Feministinnen mehr nötig sein. Dann werde auch ich meine Klappe halten. Bis zu jenem fernen Tage aber braucht es weiter mutige Frauen, die sich den Mund nicht verbieten lassen.
Ach liebe @martha kalchofner
Im letzten Jahrhundert wurden zwei Kriege von Frauen geführt,ja dass stimmt. Und dass vor dem Hintergrund dass diese beiden Frauen die EINZIGEN zwei Frauen waren die ein Land regierten.Das heisst für das letzte Jahrhunder:Als Frauen an der Macht waren, gab es 100% Krieg, tolle Frauen-Bilanz!Hoffentlich schneiden die regierenden Frauen in diesem Jahrhundert besser ab!!
Zurück zum Artikel: Wenn ich Sie so %rechnen sehe, liebe Martha, dann zweifle ich ernsthaft, ob wir die Finanzkriese mit Hilfe von Frauen schadlos überstanden hätte.
Zitat Birgid Schmid: „Kreditgeber und Investoren versuchten in diesen Zeiten gar nicht zu verstehen. Fragten nicht nach, wie Leute zu Häusern kamen, obwohl sie weder Einkommen noch Vermögen hatten.“
Das stimmt nicht ganz. Meine vielen Bekannten in den USA sagten mir, dass die betroffenen Hausbesitzer/Kreditnehmer sehr wohl ein Einkommen hatten/haben. Erst nachdem der Zins erhöht wurde, konnten viele die Hypothek nicht mehr zurückzahlen. Dass zahlreiche Familien so ihre Häuser verlieren, war von den Banken wohl einkalkuliert. Die Zwangsräumungen haben schon Ende der 90er Jahre begonnen. Solange die Banken aber diese Häuser mit Profit verkaufen konnten, hat das (abgesehen von den Betroffenen selbst) niemandem den Schlaf geraubt. Erst das Ausmass hat sich schliesslich für die Banken und andere Spekulanten als ein Bumerang erwiesen, da der Immobilienmarkt zusammengebrochen war und die Häuser viel an Wert verloren haben.
Zitat Birgid Schmid: „Die Berater von McKinsey haben in ihrer Studie «Women Matter» ausgerechnet, dass Unternehmen mit einem höheren Frauenanteil im Topmanagement eine 10 Prozent höhere Rendite erzielen als ihre Konkurrenten.“
Sind hohe Rendite mit einer sozialen Marktwirtschaft überhaupt zu vereinbaren? Man muss sich doch fragen, wie hohe Gewinne bzw. Rendite zustande kommen – in der Regel durch Ausbeutung von Arbeitnehmern, durch Abzocken von Konsumenten oder Patienten, oder durch Umstrukturierungen, Rationalisierungen, und wie all die Massnahmen heissen, um auch in gesunden Unternehmen Entlassungen zu rechtfertigen. Das scheint auch den Frauen im Topmanagement egal zu sein, genauso wie den testosterongetriebenen, männlichen Bankern. Solange man sich nur den Anlegern und der eigenen Firma verpflichtet fühlt, werden auch mehr Frauen in Toppositionen nicht viel bewegen, auch wenn sie sich mit IKEA-Möbeln zufrieden geben. Keine der im Artikel zitierten Frauen scheint sich auch Gedanken über den Zusammenhang zwischen der Armut und der Umverteilung von unten nach oben sowie dem bestehenden (Finanz-)System zu machen.
@Raoul Schrott: Vielen Dank für Ihren Kommentar zu meinem Beitrag. Ich kann Ihnen versichern, dass ich wirklich die Claudia Meier, eine Frau bin… Ich habe aber nicht das Gefühl, dass dies eine Rolle spielt, beziehungsweise, dass Männer hier keine Kritik üben dürfen. Fragen Sie doch die Forum-Administration, warum Ihr Beitrag gelöscht wurde.
@Andreas Bauer
Vielleicht möchten Sie mir Ihre Art von %-Rechnung nähger erläutern?
P.S. @Andreas Bauer
Schon mal was von Benazhir Bhutto oder Indira Gandhi gehört? – Da stimmen dann wohl Ihre Prozentrechnungen auch nicht so ganz genau. Wir können das alles ja auch ganz genau ausrechnen. Allerdings zweifle ich, dass das an meiner Kernaussage viel ändern würde.
Gerne erkläre ich, warum wir Herrn Schrott nicht wollen: Der Mann loggt sich immer wieder unter anderem Namen ein und beleidigt Magazin-Redakteure. Kritik an einzelnen Beiträgen ist immer willkommen, egal wie hart sie ausfallen mag, was wir jedoch nicht dulden sind Beschimpfungen (Idioten, Halbgebildete etc). Wir schützen natürlich nicht nur unsere Redakteure, sondern auch alle anderen Kommentatoren vor Beleidigungen.
Pardon, Frau Kalchofner, aber als Studentin, deren frühere Schulzeit auch geprägt war von prügelnden Mädchenbanden im Ausgang, Zickereien und Mobbing, unvernünftigem Umgang mit Geld (Stichwort Shopping und Nachmittage in den Sofas eines überteuerten Kaffeehauses), mädchendominierten Klassen, der Tatsache, dass man ausser in Geografie, Physik und Mathe praktisch nur von Lehrerinnen unterrichtet wurde, unzähligen gescheiterten Beziehungen mit weichgespülten Büebli, die innerhalb von Sekunden ihre Weltanschuung gegen meine tauschten und mir beinahe vollkommen ergeben waren, muss ich doch festhalten, dass Ihr Geschlechterbild noch nicht im neuen Jahrtausend angekommen ist.
Es ist geschmacklos, wenn Sie die schreckliche Tat von Rieden als Beweis dafür anführen, Ihr Männerbild zu bestätigen. Der Täter ist ein kranker Mensch, der Hilfe braucht. Auch hinter Gitter. Bedauerlich, dass das erst erkannt wurde, als ein unschuldiges Menschenleben dran glauben musste. Die vorgeschobene Tatbegründung ist bestenfalls versteckte Reue, aber niemals das wahre Tatmotiv. Ich kann mich übrigens noch gut daran erinnern, als in den 90ern Morde im Parkhaus Urania und im Chinagarten die Bevölkerung aufwühlten. Die Meinung war schnell gemacht: Es muss ein Mann sein, der so etwas Bestialisches tut. Sicher ein Ausländer. Es war kein Ausländer – und auch kein Mann. Grund genug, den Ball flach zu halten.
@Isa Wirth
Ich respektiere durchaus Ihre Erfahrungen und Argumentation. Unsere Gesellschaft jedoch wird nicht von “weichgespülten Büebli” geprägt sondern von knallharten egoistischen Männern. Sehen wir doch der Realität ins Auge: Wieviele Frauen haben sich mit Millionen, ja sogar Milliarden, an unserem Wirtschaftssystem bereichert unter ausgeklügelter und trickreicher Umgehung unserer Gesetzgebung? Das waren ganz bestimmt keine “weichgespülten Büebli”. Wir alle als Gesellschaft aber tragen die bitteren Konsequenzen aus dieser testosterongesteuerten Unverschämtheit. Ich plädiere keineswegs dafür, dass auch Frauen die Gelegenheit zu solch schamlosen Exzessen geboten werden soll. Aber ich bin überzeugt davon, dass gebildete und qualifizierte Frauen mehr Ethik in das Wirtschaftssystem einbrächten. Ich spreche hier nicht von patriarchal deformierten Barbies auf Shoppingtouren. Die sollen bei ihren “weichgespülten Büebli” bleiben. Diesen beiden Kategorien sollte nicht die Verantwortung für unsere Gesellschaft übertragen werden.
Es ist ihr gutes Recht, es als “geschmacklos” zu bezeichnen, wenn ich den Finger auf eine offene Wunde lege. Ich würde hier sogar noch weitergehen: Glauben Sie allen Ernstes daran, dass eine Frau fähig wäre, ihren Sohn während einem Vierteljahrhundert in einem Kellerverliess einzusperren um ihn täglich vergewaltigen zu können?
Wenn Sie hier die Tat einer Frau aus den 90er Jahren anführen bestätigt das wohl ziemlich genau meine Theorie der 10%. Aber auch diese 10% sind natürlich 10% zuviel. Die Zeit ist reif uns zu fragen, in was für einer Gesellschaft wir angekommen sind. Wollen wir so weitermachen?
@ Martha Kalchofner
Ihre Kommentare sprechen für sich: Ihre Probleme scheinen erheblich grösser zu sein, als das von Ihnen beschriebene. Handelte es sich umgekehrt um ein positives Elaborat, dann müsste man von Sublimation sprechen. Braucht nicht weiter kommentiert zu werden. Kleiner Tip: Den statistischen Rahmen auf die ganze Welt auszuweiten, weil Sie innerhalb der schweizer Landesgrenzen nicht mehr weiterkommen, zeugt von ganz bemerkenswerter Inkompetenz.
@Marcel Zufferey
Sie haben Recht: Die von mir beschriebenen Probleme machen durchaus nicht an der Schweizer Grenze Halt, genausowenig wie Luftverschmutzung und Klimaveränderung. Die patriarchale Denkweise ist in viel grösserem Rahmen zu beklagen. Wenn Sie dabei von Sublimierung sprechen wollen, habe ich nichts einzuwenden. Aber glauben Sie nur nicht, dass Ihre Argumentation richtiger wird, wenn sie diese mit Fremdwörtern spicken.
@Marcel Zufferey
Bleibt noch ihr Vorwurf an mich betreffend Inkompetenz, den ich ja beinahe übersehen hätte. Könnten Sie diesen etwas ausführlicher begründen? Mit solch gravierenden verbalen Attacken sollte man vielleicht etwas vorsichtiger um sich schlagen. Was – ausser natürlich, dass Sie ein Mann sind – macht Sie denn so kompetent und mich angeblich so inkompetent?
Meiner Erfahrung nach ist dieser Vorwurf immer der letzte Rettungsanker, wenn die Männer nicht mehr weiter wissen. Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. Konstruktive, berechtigte Kritik nehme ich immer gerne entgegen und bin jederzeit bereit, dazuzulernen.
Lösen Sie Ihre Probleme mit Männern und missbrauchen Sie den Feminismus nicht für Ihre ganz persönlichen Befindlichkeiten- damit nehmen Sie ihm noch den ganzen Rest seiner Glaubwürdigkeit! Frauen wie Sie haben dieser gesellschaftlich eminent wichtigen Bewegung irreparable Schäden zugefügt: Wir leben im 21. Jahrhundert- das Zwanzigste können Sie beruhigt ad acta legen, auch wenn’s noch so schön war. Ich empfehle Ihnen, mit jungen Feministinnen Kontakt aufzunehmen; jungen, frischen undogmatischen Frauen- vieleicht löst das auch ihre Probleme, die Sie ganz offensichtlich mit Männern haben. Sie werden verstehen, dass ich diese Diskussion hier jetzt für beendet halte.
@Marcel Zufferey
Wo denken Sie hin? So werde ich das keinesfalls stehen lassen. Nicht für mich selbst, aber vor allem für die Frauen müssen solche hinterlistigen Attacken und die Absicht dahinter aufgedeckt werden.
1. Meine Probleme mit den Männern habe ich offen dargelegt – GESCHLECHTSSPEZIFISCHE GESELLSCHAFTLICHE UNGERECHTIGKEITEN DIE NICHT ZU AKZEPTIEREN SIND! Mit meinen persönlichen Befindlichkeiten hat das gar nichts zu tun.
2. Die Taktik von Männern wie Ihnen haben die Frauen durchschaut. Der immer wiederkehrende Versuch, die Frauengenerationen zu spalten um die Töchter zu hindern, von den Müttern zu lernen, zieht nicht mehr.
“Vergiss alles, was diese frustrierten Emanzen sagen. Verachte die Frauengeneration vor dir, das ist Schnee von gestern. Wir leben im 21. Jahrhundert. Mach nicht die Fehler deiner emanzipierten Mutter. Orientiere Dich an den jungen Frauen – jungen, frischen, undogmatischen Frauen.” (Die haben die Strategien der Männer noch nicht durchschaut!)
Mit diesen Tricks haben es die Männer jahrezehntelang geschafft, die Frauenbewegungen jeder Generation immer wieder bei Null anfangen zu lassen. Das ist reines Kalkül um Solidarität zwischen den Frauen zu verhindern. Diese kalkulierten Strategien haben ausgedient und diese Strategien haben wir im 20. Jahrhundert endgültig ad acta gelegt. Männer wie Sie sollten solche alten Tricks in der Mottenkiste belassen, wo sie hingehören.
Mädchen sagt: Jungs sind blöd.
Junge sagt: Mädchen sind blöd.
Soweit so gut, bloss dass es sich dabei um KINDER handelt.
Wer als Erwachsener immer noch in diesen Mustern denkt ist keinen Deut “besser” als das Gegenüber.
Richtiggehend lächerlich was hier an Kommentaren von beiderlei Seiten zu lesen ist!
Das ANDERE Geschlecht würde die Dinge wohl ANDERS anpacken, ist es deswegen besser/schlechter? Es ist schlichtweg unmöglich dazu eine OBJEKTIVE Beurteilung abzugeben!
Thjaaa…nur, dass uns Frauen das nicht weiter hilft. Ich gehe davon aus, dass Sie mir beipflichten, dass der Status Quo auf die Dauer so nicht aufrecht erhalten bleiben kann. Was also sollen die Frauen tun? – Wozu würden Sie raten? Sollen die Frauen weiter kuschen und sich gemäss oben genannter UN-Statistik mit ihrem untergeordneten Status zufrieden geben?
Da gebe ich Ihnen absolut Recht – ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und fordere nebst gleichen Rechten auch gleiche Pflichten für alle.
Dies bedeuetet aber auch für die Frauen neue Verpflichtungen.
Meine Empfehlung an die Frauen:
Den Einfluss an der Basis geltend machen, in der kleinsten Zelle der Gesellschaft, der Familie und Freunden.
Ein Umdenken kann nur von unten kommen und nicht “regulatorisch” von oben verordnet werden.
Da dabei natürlicherweise menschliche Aspekte mit ins Spiel kommen (Misstrauen, Ehrgefühl/Stolz, …) sollte die Frau dies unter Verwendung der ihr eigenen, höheren Sozialkompetenz (das ist m.E. DAS EINZIGE worin Frauen – stereotypisch gesprochen – “besser” sind) vorsichtig angehen um sich nicht selbst Steine in den Weg zu legen indem der Mann in Bedrängnis gebracht wird.
Fazit für beide Geschlechter: Offen und ehrlich kommunizieren (und nicht der Reibereien wegen klein beigeben!).
Ich bin ganz Ihrer Meinung: Frauen müssten vermehrt bereit sein, Verpflichtungen zu übernehmen und nicht Erwartungen an die Männer zu stellen (das allerdings wurde den Frauen seit Jahrhunderten eingeflösst). Kluge Männer haben bemerkt, dass sie durch Gleichstellung der Frauen erheblich entlastet würden. Aber in dem Wahn, sich den Frauen “überlegen” fühlen und eine gewisse Macht auf die Frauen ausüben zu können, nehmen die meisten das gar nicht wahr. Es ist leider noch immer weit verbreitet, dass Männer ihre Frauen und Kinder als ihr Eigentum betrachten. Ein bisschen Schützenhilfe und regulatorisches Eingreifen wäre da schon angebracht. Die Frauen strampeln sich seit Jahrzehnten ab und kommen nur schrittchenweise voran, weil sie vom Grossteil der Männer immer wieder ausgebremst werden (siehe oben!). “Wir sollten nicht die Männer angreifen, sondern sie aufgeben” sehe ich nicht als Lösung. Aber die Männer müssen bereit sein, sich auf einer fairen Ebene mit den Frauen zu treffen. Davon sind wir noch Lichtjahre entfernt.
Hinzufügen möchte ich, dass wir nicht von Frauen und Männern sprechen sollten, sondern von weiblichen und männlichen Eigenschaften. Meiner Meinung nach würden wir uns da vom Geschlechterkampf lösen.
@Martha: Traurig aber wahr. Es ist aber leider unrealistisch zu erwarten, dass sich Ideologien innerhalb einer Generation noch grossartig ändern – dafür ist der Mensch zu sehr Gewohnheitstier.
Solche Veränderungen brauchen auch ihre Zeit..
Ich bin auch für entsprechende “Schutz-Gesetze”. Dies auch wieder in beide Richtungen – ich denke hierbei z.B. auch an nahezu rechtslose Väter in Sorgerechtsfragen.
Ich bin aber definitv gegen Quotenregelungen. Wenn das Verlangen nach Gleichheit nicht von der Gesellschaft selbst kommt, sind alle Bestrebungen sinnlos.
@Marlise: Keine schlechte Idee!
@Marlise
Ich weiss, dass Ihr Vorschlag gut gemeint ist. Aber mit “gut gemeint” sind die Frauen seit 200 Jahren auf keinen grünen Zweig gekommen. Wir müssen einfach zu härteren Bandagen greifen, auch wenn das – vor allem in der Männerwelt – nicht so populär ist. Es ist doch keine “männliche Eigenschaft” für die gleiche Arbeit 20% mehr Lohn zu erhalten. Ebensowenig ist es keine “weibliche Eigenschaft” die ganze Hausarbeit und Kindererziehung “gegen Kost + Logis” zu verrichten. Wir sind zwar geboren mit weiblichen Geschlechtsorganen, aber nicht mit dem Staubsauger in der Hand! Da man den Frauen nicht länger einreden konnte, es sei ihr höchstes Glück, Böden zu putzen und Windeln zu wechseln, hat man(n) sie glauben gemacht, sie täten das aus Liebe. Aber auch diese Illusion bzw. Manipulation ist glücklicherweise am Zerbröckeln.
@Fabio
Ich nehme Sie durchaus wahr als Mann, der den Frauen gegenüber aufgeschlossen ist und schätze das auch. Den ersten Absatz ihres letzten Beitrags aber haben wir Frauen nun einfach schon viel zu lange gehört – über Generation hinweg! Damit lassen wir uns nicht mehr vertrösten. Der Ausgangsartikel zu dieser Forumsdiskussion heisst doch “Gebt das Geld in Frauenhand” – wäre das nicht mal einen Versuch wert und ein Schritt in die richtige Richtung? Die Männer haben’s an die Wand gefahren. Jetzt gebt doch mal den Frauen eine Chance. Die Ausgangsposition der Frauen wäre unglich schwieriger als die der Männer, aber wenn man(n) sie lässt, würden sie es schaffen. Davon bin ich überzeugt. Es gibt noch so Einiges zu richten, was die Männer in ihrem grenzenlosen Grössenwahn verbockt haben. Wir können unsere Nahrung nicht mehr essen, unser Wasser nicht mehr trinken, unsere Luft nicht mehr atmen. Ich höre schon den Einwand, daran wären doch nicht die Männer alleine schuld. Aber Frauen sind sich ihres Ausgegrenztsein von der Macht nicht bewusst wenn sie glauben, an den patriarchalen Strukturen des Mannes mitschuldig zu sein. In Wirklichkeit besassen Frauen bis vor wenigen Jahren keinerlei politische Entscheidungsmacht,
- weder bei der Abfassung des Rechts
- noch bei der Verteilung von Besitz
- weder bei der Industrialisierung
- noch bei der Technologisierung unserer Gesellschaft
- weder bei der Ausbeutung der Bodenschätze
- noch bei der Ausbeutung der Dritten Welt
- weder beim Ausbau des Transportwesens
- noch beim Wohnungsbau
- weder bei der gefährlichen Nutzung der Kernenergie
- noch bei der verantwortungslosen Entsorgung giftiger Abfälle
- weder bei der Produktion von Chemikalien
- noch bei dem leichtfertigen Umgang mit ihnen
- weder bei der Gentechnologie
- noch bei der mangelnden von Männern verbotenen Schwangerschaftsverhütung und der daraus resultierenden Ueberbevölkerung
wurden Frauen nach ihren Ansichten gefragt.
Liebe Martha
Ich bin überzeugt, dass die Lösung im Miteinander besteht und nicht im Auswechseln der Männer durch die Frauen. Es geht um die Art zu denken, vernetzt, umsichtig und nachhaltig. Wenn Sie die Männer in die “Oppositon” verdrängen, haben Sie sie als Gegener und das bringt uns nicht weiter. Es gibt sie, die Männer, mit denen man auf Felsen bauen kann und diese schliessen weder die Frauen aus noch wollen sie sie bevormunden. Ich kenne persönlich solche und auch aus den Medien. In Kategorien denken ist oberflächlich heutzutage. Für mich jedenfalls.Ich gebe Ihnen aber recht, dass wo Frauen diskriminiert werden, z.B. lohnmässig, man in der Kategorie Frau/Mann argumentieren muss. Das sind halt die alten Zöpfe, die noch nicht abgeschnitten sind.
Hallo Marlise
Ich bin ja durchaus bereit, auch mal “Gnade vor Recht” ergehen zu lassen. Aber wenn man sich so die Bilanz der Männer anschaut, ist das doch ziemlich ernüchternd. In welchem Konzern würden wohl Leute, die solchen Mist gebaut haben, weiterhin an der Spitze eingesetzt? Da käme wohl die “Hire and Fire”-Methode ganz schnell zum Einsatz. Bei sich selber aber wollen die Männer nichts wissen von den ihnen sonst so heiligen Prinzipien. Können Frauen sich ein so grosszügiges Denken noch leisten, wenn es 5 vor 12 ist?
Ich habe mich inzwischen selbst nocheinmal hinterfragt, ob ich den Männern mit meinem Pauschalurteil vielleicht doch nicht gerecht werde und eine etwas mildere Gangart einlegen sollte. Das Resultat meines “Brainstormings” lautet aber ganz eindeutig: Nein!
Würde eine Management-Beratungsfirma wie Price Waterhouse oder McKinsey eine dermassen katastrophale Erfolgsbilanz aufweisen, hätte sie längst keine Daseinsberechtigung mehr, auch wenn noch so viele Sekretärinnen im Hintergrund gute Arbeit geleistet hätten. Ich bleibe also bei meiner Aussage.
Rundumschläge und Pauschalisierungen à la Martha werden der Realität nicht gerecht und verfehlen den zwischenmenschlich angemessenen Ton. Es gibt nicht „die Männer“, so wenig wie es „die Frauen“ gibt. Unzählige Familienväter, die Tag für Tag ihren Job machen oder die überwiegende Mehrheit der Frauen, die ihre Männer lieben und den hier gelesenen aggressiven Ton nicht unterschreiben würden, sind Beleg genug.
Was wirklich gefragt ist in unserer Zeit – ob von Männern oder Frauen – ist vernetztes, nachhaltiges und partnerschaftliches Denken. Das ist in weiten Kreisen der Finanzindustrie noch nicht Realität, aber erstens arbeiten auch da Frauen und zweitens sitzt hinter fast jedem grossen und kleinen Mann eine Frau, die seine Wertmassstäbe mitprägt und ihn oft auch zu „Höchstleistungen“ antreibt: Macht und Geld wirken auf viele Frauen immer noch sehr sexy. Überholte Wertmassstäbe zu erneuern ist die Aufgabe beider Geschlechter, einseitige Schuldzuweisungen bringen uns keinen Schritt weiter. Wir leben in einer komplexen, vernetzten Welt, Schwarz-Weiss-Malereien haben seit langem ausgedient.
Meine Beiträge waren eigentlich weniger als Schuldzuweisungen gedacht sondern als Begründungen, WARUM das Geld in Frauenhand gegeben werden sollte. Das war doch die Ausgangssituation.
Wer glaubt, Sexismus der Sorte A durch Sexismus der Sorte B ausgleichen zu können, irrt. Dieser Artikel ist so nützlich wie eine Warze.
[...] “Gebt das Geld in Frauenhand!” rief ihr “Magazin”-Artikel vom 6. März 2009, denn damit hätte nichts geringeres als die Finanzkrise verhindert werden können: “Wenn die Finanzmacht weiblicher wäre, wäre es nie zu diesem Crash gekommen.” [...]