05.02.2010 von Das Magazin , 1 Kommentar
Warum sollte ich das tun?
Weil Ihr Chef Mittelmass ist, eine hässliche Topfpflanze auf dem Tisch in dem Bürokäfig steht, in dem Sie zwar arbeiten, wo Sie aber nicht mal die Kaffeequalität aus dem Selecta-Automaten und schon gar nicht Ihre völlig entfremdete Lohnarbeit für ein total anonymes Grossunternehmen kontrollieren.
Ist es nicht sicherer, sein Leben lang eine Ameise zu sein, als das Risiko zur Selbstständigkeit einzugehen?Genau wie das florierende Klein-Unternehmen jenes oben abgebildeten Berners namens Adrian Iten wurden erfolgreiche Firmen der Geschichte nicht einfach irgendwann gegründet. Natürlich braucht es Kreativität, Verstand, Courage. Natürlich bleibt es weiterhinein gefährlicher Schritt, sich aus der Nestwärme des Ameisenhügels auf den kalten Markt hinauszuwagen. Und beim Konkurs wird der Wert verantwortungsvoller Unternehmerpersönlichkeiten für lokale Gemeinschaften kein Trost für Überschuldung auf Jahrzehnte hinaus sein. Aber risikoloser als jetzt liessen sich die Lohnsklavenfesseln schon lange nicht mehr abwerfen.
Aber wir haben doch die gefühlte Rezession noch immer nicht hinter uns!
Ja, aber die meisten innovativen Dienstleistungen und Produkte wurden nicht dann erfunden, wenn der Kunde gut gelaunt oder be¬sonders experimentierfreudig war, sondern in ökonomisch schwierigen Phasen wie dieser oder kurz danach. Wenn nämlich die viel zu unbeweglichen Wirtschaftsdinosaurier nicht in der Lage zum Erkennen oder Reagieren auf die in Rezessionen besonders heftigen sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen und die dabei entstehenden neuen Bedürfnisse waren.
Basiswissen
1 — Vielleicht ist die Ära des Massenprodukts noch nicht zu Ende. Dennoch haben Menschen heute vor allem Sehnsucht nach Seele in einem Produkt. Das sollte Ihr Ausgangspunkt sein.
2 — Nachdem Sie also das Beste Ihrer Persönlichkeit in das Produkt oder die Dienstleistung der von Ihnen gefundenen Nische gesteckt haben, nutzen Sie alle Möglichkeiten der ersten fast kostenlosen Infrastruktur der Geschichte, des Internets. Aber stecken Sie dennoch viel mehr Geld als geplant in Ihre Webseite.
3 — Seien Sie ab jetzt nicht einfach nur nett, Sie sind jetzt fast Unternehmer, seien Sie ein Monomaniac — viel Glück!
Selbstständigkeit ist eine gute Sache. Aber manchmal fehlt etwas Geld oder eine Beratung und ein Coaching wäre nötig. Der Verein GO!Ziel selbstständig bietet seit einem Jahr beides an. Unterstützt von der Stadt Zürich, dem Migros Kulturprozent und der Zürcher Kantonalbank erhalten Personen, die eine konkrete Idee haben Beratung und Unterstützung und bei Bedarf einen Mikrokredit bis Fr. 40′000.– sowie eine Mentorin oder einen Mentor nach dem Start bis der Kredit zurückbezahlt ist. Informationen unter http://www.gozielselbststaenig.ch.
Ruedi Winkler, Präsident GO! Ziel selbstständig