Googles Grab schaufeln

Je mehr wir preisgeben, desto besser ist Google. Bis wir irgendwann nichts mehr preisgeben.

13.02.2009 von Thomas Zaugg

Bald werden wir den Suchmaschinen Fragen stellen. Einfach ins Suchfeld tippen: Wie heisse ich? Oder: Warum sollte man sich nie eine Gratiszeitung kaufen? An solchen Fragen könnte Google, Suchmaschinengigant, zugrunde gehen. Denn in der IT-Welt 2009 gibt es nicht nur Google, es gibt auch Idealisten. Google tut alles, um idealistisch zu wirken, ist es aber nicht. Es eröffnet uns das Web als omnipotente Wolke, überall Zugriff auf alles, und nun gar findet «Latitude» per Handy den Aufenthaltsort unserer Freunde.

Dafür will Google: unsere Daten. Persönliche Daten sind das Gold des digitalen Zeitalters. Und Google ist der Flaschengeist, der uns mehr als drei Wünsche erfüllt, aber manchmal zu intim fragt: «Alter? Und wo wohnst du? Und was kaufst du dir so alles? Aha. Ach, nur so.» So wird Google zur ultimativen Antwortmaschine: indem es alles über uns in Erfahrung bringt.

Es ist der alte Traum/Albtraum, Computer könnten uns verstehen, uns wie Butler bedienen, die Gehirne lesen. Von der Antwortmaschine träumen auch die Idealisten – aber frei von Googles Monopol. Sie propagieren eine Programmierung für Webseiten, die es nicht nur Google, ja allen Suchmaschinen ermöglichen soll, unsere Fragen zu beantworten. Seit 1998 träumt Tim-Berners Lee, der Vater des Internets, von diesem neuen Internet: dem semantischen Web.

Dafür verlangen die Idealisten: nichts. Anders als Google wollen sie unsere Daten nicht besitzen – und kriegen sie dennoch. Und zwar aus den Weiten des Internets: aus den neuen semantischen Webseiten sollen die Suchmaschinen etliche Datenfetzen zu Antworten zusammentragen.

Sergej Brin, Google-Mitbegründer, findet diese Idee mühsam und utopisch. Google, zu gierig nach Daten, krankt letztlich wohl an Geldgier. An der Gier nach personalisierter Werbung. Wem also vertrauen wir? Dem semantischen Web! Und mit Google werden wir bald aufhören zu reden. Werden sagen: bis hierhin und nicht weiter kriegt ihr unsere Daten. Und dann kann uns Google keine Träume mehr erfüllen. Entweder man gibt Google irgendwann alles oder es gibt einem bald nichts mehr Neues.

Ein PS zu dieser Kolumne, und zwar zur Frage, wie man in Zeiten von Googles Latitude fremdgeht, gibt es hier.

Eines dieser Netze spinnt gewaltig. | Julia Marti
Eines dieser Netze spinnt gewaltig. | Julia Marti

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