02.01.2009 von Thomas Zaugg
Hallo, mein Name ist Wolke, Herr oder Frau, das ist einerlei, denn ich komme aus dem Englischen, und da sagt man einfach: the cloud. Viel wichtiger aber ist, dass Apple mich mag, und auch Microsoft und Google mögen mich, ja alle WWW-Welt mag mich. Ja, warum denn? Weil mit mir alles erst so richtig anfängt interessant zu werden.
Alle laden sie jetzt ihre Dienstleistungen auf mich drauf, Apple gerüchteweise bald sein Textverarbeitungsprogramm iWork und wohl vieles andere mehr, und Microsoft wollte sogar ein ganzes Betriebssystem nach mir benennen – taufte es dann aber, typisch Microsoft, weniger treffend: Windows Azur – und entwickelt webbasierte Programme «in the cloud», wie man sie von Google kennt. Und Google ist sowieso schon lange mit dabei. Unter docs.google.com kann man Text-Dokumente, Tabellen und Präsentationen erstellen, alles online, alles kostenlos. «Von jedem Ort aus zugreifen und bearbeiten», heisst es bei Google in dicken Lettern. «Sie benötigen lediglich einen Webbrowser. Ihre Dokumente werden online sicher gespeichert.»
Was daran neu sein soll? Nun, gehen wir ein wenig zurück, in die Computersteinzeit des letzten Jahrtausends. Was gab es da für Monster! Computer, die sich wie Wolkenkratzer potent in die Höhe schraubten, das war ein Geklotze, Mörtel und Baustaub dazwischen. Das Gebot damals war, alles, ALLES in diese Dinger reinzuhämmern, RAM, Speed, Gigabyte, Software, Unmengen an Software. Niemand dachte je daran, ein solches Dinge einmal mit in die Ferien zu nehmen; der Computer war Inbegriff von Arbeit, von Schweiss und Zwang, der Feind auf dem Bürotisch.
Irgendwie haben wir uns aber angefreundet, warum auch immer, und sind in einer digitalen Gegenwart angekommen, in der die Computer seit ein paar Jahren immer kleiner und kleiner werden, Schosshündchen. Und das ist nicht allein der technische Fortschritt. Und auch der Erfolg der Netbooks, dieser ganz winzigen Laptops, die eine ganz, ganz miese Leistung liefern, verdankt sich nicht bloss einem wachsenden Nostalgiegefühl. Netbooks sind auch nicht einfach nur Finanzkrisen-Laptops für schmale Portemonnaies. Nein, es hat alles mit mir zu tun. Netbooks sind Cloud-Computer, allesamt.
Was früher die Festplatten bevölkerte, ist heute alles online. Spiele. Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und PowerPoint, ja bald das ganze Office-Packet? Sogar Speicherplatz wird je länger (iDisk, Apple), je mehr (Eee Storage, Asus) online angeboten, denn Dokumente auf der Festplatte, ja wie unmobil das doch klingt: Festplatte.
Ich bin euch immer noch kein Begriff? Nun, ich bin ja auch ein ziemlich neuer Begriff. Aber ich bin die Zukunft. Gefragt, wo denn dieses Internet sei, werdet ihr von nun an nicht mehr werweisen. Ihr werdet nicht mehr zum Erdboden deuten müssen, nicht mehr über den Atlantik weisen, in die Weltmeere, wo Glasfaserkabel verlaufen.
«Ich hab dir das Dokument in die Wolke geladen», werdet ihr sagen, und ihr werdet in den Himmel zeigen, zu mir hinauf. Dort ist jetzt das Internet.
Jetzt unter http://www.facebook.com/pages/Zauggomat/26153128423 das Techzitat der Woche. Weiterhin und mit neuen Bildern: die Foto-Rubrik «Menschen mit iPhone», fotografiert aus dem Hinterhalt.

Die strahlende Zukunft des Internets. | Bild: Julia Marti