11.04.2008 von Anuschka Roshani , 1 Kommentar
Alle lieben Sie: Publikum, Kritiker, Kollegen. Dabei ist Ihr Programm so böse.
Es gibt schon Leute, die rausgehen.
Nehmen Sie das dann als Kompliment?
Nein, es tut weh. Oft sitzen die in der ersten Reihe und glauben, es kommt klassisches Kabarett. Dann versucht man alles und hofft, dass sie durchhalten und dass nach der Pause die Plätze nicht leer sind.
Schmerzt es Sie wirklich?
Sehr. Es ist diese Schizophrenie, dass ich einerseits als Autor gern ein wilder Hund sein und ganz was Arges schreiben möchte, aber dann auf der Bühne die Konfrontation nicht aushalte. Die Leute sollen mich am Schluss lieben. Das ist nicht sehr konsequent. Eher so, als würde man extra eine besonders steile Bergstrasse suchen und dann mit einem gefederten Geländewagen drüber fahren. Andererseits: Es ist zumindest ein wahrhaftiger Ausdruck von mir, weil: Ich bin so.
So harmoniebedürftig?
Ja, ich möchte was anstellen und trotzdem geliebt werden. Etwas machen, was das Publikum im Moment noch nicht begreift, aber letztlich sollten alle überzeugt sein, dass es sinnvoll war, was da passiert ist.
Worüber lacht Ihr Publikum?
Über mich, aber auch über sich selber. Was schon passiert, und das ist schön: Dass man einzelne Lacher hat, wo du das Gefühl hast, jetzt erkennt sich grad wer.
Was nehmen Sie als Gradmesser für Zuneigung? Applaus?
Man spürt einfach, was vorgeht. Ich weiss immer, ob eine Stille eine Stille der Langeweile ist oder eine angespannte Stille.
Und wenns eine Stille der Langeweile ist?
Dann: Gas geben! Aber auch Ruhe bewahren und bestimmte Dinge ein bisschen deutlicher spielen – man versucht jeden Abend, das Publikum zu führen und sich auch von ihm führen zu lassen.
Ist Ihr Schweizer Publikum anders?
In Deutschland und Österreich hat jede Region ihren speziellen Humor, in der Schweiz weiss ich es gar nicht. Als Kabarettist bekommt man zwar als ersten Rat von Kollegen, man soll in Bern langsamer spielen als in Zürich, aber mir ist vor allem das Weltoffene des Schweizers aufgefallen. Allein am Zürcher Hauptbahnhof, was da international abläuft! Wenn wir das in Wien hätten, hätten wir eine FPÖ-Mehrheit.
Nicht wenige Schweizer fühlen sich unwohl im Hochdeutschen, kennen Sie das?
Der Österreicher bleibt stur und stolz bei seinem Dialekt. Dafür hat der Schweizer ein höheres nationales Selbstbewusstsein. Wir haben durch unsere Geschichte da einen Minderwertigkeitskomplex, bis in die Sechzigerjahre waren sich nicht alle sicher, ob Österreich alleine als Staat überlebensfähig ist. Es ist kein Land, das sich wie die Schweiz aus selbstständigen Bürgern und Bauern zusammengeschlossen hat, es ist über Jahrhunderte ein Herrschaftsstaat mit Lakaien und Adligen gewesen. Drum sind wir auch Untertanen.
Und wo bleibt da der berühmte Schmäh?
Wir haben eine Schlawinermentalität, und die verbindet uns stark mit den Völkern im Osten. Deshalb sind wir wirtschaftlich dort auch so erfolgreich. Zu Zeiten, wo der Schweizer und der Deutsche noch gesagt haben, man kann dort keine Geschäfte machen, weil man bekommt alles erst fünf Monate später bezahlt, man muss die Polizei schmieren, die Behörden – das war dem Österreicher nix Fremdes, der kannte sich aus damit.
Wie setzen Sie Ihr Wienerisch ein?
In meinen Programmen spreche ich ein Österreichisch, das jeder versteht, weil – und das verbindet mich mit allen andern Schlawinern, die Geschäfte machen wollen – man kann in einer weichen Sprache viel Ungeheuerlicheres sagen. Wenn ich dasselbe Programm kantig auf Hochdeutsch spielte, das wär fast nicht zum Aushalten.
Josef Hader, 46, ist Österreichs berühmtester und bester Kabarettist. Kultstatus erreichte er auch als Schauspieler, etwa als der Ex-Polizist Brenner in den Verfilmungen der Krimis von Wolf Haas
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Bild: Edgar Herbst
[...] Josef Hader, Kabarettist, Das Magazin, 11.04.2008 [...]