26.09.2008 von Sven Behrisch , 1 Kommentar
Die Experten wiegeln ab. Nein, zu einer Rezession werde es nicht kommen. Freilich, die Weltkonjunktur, die Kreditkrise, der Immobiliencrash. Aber andererseits, die Schweiz, Schweizer Banken, Schweizer Häuser, solide gebaut, seriös finanziert. «Abschwächung» kommentieren die Kenner. Dann beginnen die Entlassungen, einige Tausend zunächst, verkraftbar. Heisst es. Dann kommen die Wirbelstürme. In den USA geht alles kaputt: Häuser, Autos, iPods, der Schaden geht in die Billionen. Die internationale Solidarität ist gross. Doch nicht mit den Versicherungen. Die Swiss Re meldet Konkurs an. Dem Staat fehlen Steuereinnahmen, doch kann er aus Reserven schöpfen. Noch. Dann passiert die Sache mit dem Iran. Präsident Chomatolla Chalmireia erklärt Israel den Krieg, das Schweizer Aussendepartement wird mit den Worten zitiert, man müsse mit Chomatolla in einen produktiven Dialog treten. Die internationale Gemeinschaft ist empört. Kooperationen werden gekündigt, Schweizer Exporte boykottiert. Sprüngli geht pleite. Die Wirtschaft liegt am Boden. Nach den Serben und den Kroaten verlassen sogar die Deutschen das Land. Die Schweizer sind allein. Die SVP löst sich auf. Die Regierung erklärt ihren Rücktritt. Zuletzt fällt die UBS. Die chinesische Staatsbank zahlt einen symbolischen Franken. Es ist der Letzte. Das Geld ist alle. Es gibt keine Währung mehr. In Zürich landet das letzte Flugzeug, ein afrikanischer Diktator rettet sich im Privatjet vor dem Lynchmord. Der Fluglotse löscht die Kerze im Tower und verlässt ihn für immer. Es wird still über der Goldküste. Hunger muss niemand leiden. Der Nachschub an Käse und Bündnerfleisch ist nicht in Gefahr. In den städtischen Parks zwischen Genf und St. Gallen wird Soja gepflanzt und zu Tofu oder Rivella verarbeitet. Die Menschen pflanzen Kohlrabi und Gurken. Alles Bio, Dünger gibts nicht. Die Volksgesundheit steigt. Das einfache Leben ist herrlich. Die Menschen leben in Häusern, für die sie keine Schlüssel brauchen. Nie haben sie sich so sicher gefühlt, nie so glücklich.
“Die Menschen pflanzen Kohlrabi und Gurken. Alles Bio, Dünger gibts nicht. Die Volksgesundheit steigt. Das einfache Leben ist herrlich. Die Menschen leben in Häusern, für die sie keine Schlüssel brauchen. Nie haben sie sich so sicher gefühlt, nie so glücklich.”
Dieses Bild ist wunderschön! Aber wer glaubt, dass solche Idylle in Frieden entsteht? Niemand spricht vom Krieg, über die Möglichkeit des 3. Weltkriegs. Der Kapitalismus wird nicht friedlich abdanken. Es wurde noch nie so viel Geld für Aufrüstung in den mächtigen Staaten ausgegeben, wie heutzutage. Die grossen Nationen suchen Verbündeten. Den USA kann nur ein Krieg aus der Patsche helfen. Der Kriegsindustrie gibt Arbeit. Amerika wird im Krieg Europa beistehen, die Heldenmythos der befreienden amerikanischen Soldaten wird weiterleben. Der Neuaufbau des kriegsgeschütteten Europas bringt Aufträge für die amerikanische Wirtschaft. Das Monopoly Spiel kann weiter gehen, bis der Kapitalismus die Zivilisation zugrunde reitet.