04.01.2008 von Thomas Zaugg , 1 Kommentar
Eine Datenautobahn ist das Internet, eine weltumspannende, auf Kontinentalbreite ausgebaute Datenautobahn, und bald gehören zu ihrem Alltag Staus, wüste Beschimpfungen und Hupereien: Das Internet wird 2008 langsamer werden, stossend langsamer. Das jedenfalls prophezeit die englische Wochenzeitschrift «The Economist», und zwar «with at least some certainty».
Die Gründe sollen unter anderem auf unserer Hand liegen: Von überallher werden wir mit unseren Handys und Smartphones aufs Netz zugreifen, umfangreiche Daten versenden wollen, Bilder und Videos downloaden, nicht zuletzt ganze Spielfilme und Schwergewichte in HD-Qualität. Die Offroader der Datenautobahn bleiben aber immer noch die Spam-Mails. Im Jahr 2006 ist der Anteil unerwünschter Mails auf etwa 90 Prozent des weltweiten E-Mail-Verkehrs angestiegen. Eine Unmenge, ein Verbrechen, das nicht nur jährlich Milliardenschäden auslöst, sondern auch das Netz zuweilen völlig überlastet.
Früher war das Internet eine einzige Downloadbörse, und ein paar Freaks stellten die Daten online. Heute kann jeder draufladen, ganz leicht und nach dem YouTube-Motto: «Broadcast Yourself!» – Sende dich selbst!
Aber nicht nur soziale Netzwerke wie YouTube tragen Schuld an der überlastung des Internets. Denn ohne Internet ist auch ein Gadget mittlerweile kaum mehr ein Gadget. Fast jeder digitale Bilderrahmen ist mit Fotos aus Online-Datenbanken gespiesen, die meisten Uhrzeiten werden peinlich genau nach Netzuhr gestellt, und woher wohl werden die schönen Bilder aus Google-Earth auf unsere Android-Handys kommen?
Langsames Internet wird eine globale Katastrophe sein. Sollte der «Economist» am Ende Recht behalten mit seiner Surfing-will-slow-These, was sollen wir dann bloss tun?
Sofortmassnahmen ergreifen?
– Gewisse Webseiten verbieten, um das Netz schneller zu machen? Vor allem die mit den superwitzigen Zeitverschwendvideos? hier zum Beispiel?
– Oder die unzähligen privaten Hey-ich-habe-jetzt-auch-eine-eigene-Homepage-Homepages löschen? Diese vielleicht?
– Oder sollte man sogar eine Relevanzschwelle für Webseiten einführen? Und diese wahrscheinlich auch nicht?
Wie auch immer, es ist sowieso zu befürchten, dass in den Geschichtsbüchern der Zukunft geschrieben stehen wird: «Wie die Urvölker an wettermachende Götter glaubten die Menschen Anfang des 21. Jahrhunderts ans Internet. Denn sie benutzten das Internet in völliger Unwissenheit seiner technischen Struktur und Funktionsweise – diese war nur wenigen Auserwählten bekannt. Und so fanden denn die Menschen damals nie einen ökologischen Umgang mit dem Internet: Sie füllten und überlasteten die primitive Netzwerkstruktur mit Abermilliarden Zeugnissen ihrer Kultur. Diese gestatten uns heute äusserst aussagekräftige Einblicke ins 21. Jahrhundert:
12 Prozent aller Webseiten wiesen ‹pornografische› Inhalte auf. Jeder vierte in eine Suchmaschine eingegebene Begriff hatte etwas mit ‹Pornos› zu tun. 35 Prozent aller Internet-Downloads beinhalteten ‹Pornos› (auf ihnen liegt denn auch der Hauptakzent heutiger Internetarchäologie). Und 90 Prozent des E-Mail-Verkehrs machten sogenannte ‹Spams› aus, das waren Nachrichten mit Betreffen dieser Art: ‹oh my godness.. yourPenis is BELOW average size, add 2-3 inches with this jkeisi2rhy2s93v›.»

Dagegen war der Globus nichts. | Bild: Julia Marti
Es ist schon verblüffend, dass Spam noch immer existiert und die Experten hier keine brauchbaren Lösungen finden. 90 Prozent… das ist doch Wahnsinn!
Zudem kann ich mir schlicht nicht vorstellen, dass diese Werbeform auch nur einen Funkten Erfolg verspricht.
Ich habe mittlerweile sehr leistungsfähige Spam- und Virenfilter. Mich erreichen keine Spam-Mails mehr, die nicht zumindest als solche vom Mailserver markiert wurden. Ergo 100% aller an mich adressierten Spam-Mails verstopfen bloss die Leitungen, erreichen ihr Ziel – mein Postfach – nicht. Wann werden die Verursacher dieser Idiotie endlich zur Rechenschaft gezogen?