07.11.2008 von Das Magazin , 12 Kommentare
«Überhaupt nicht»
Die aus Somalia stammende Frauenrechtlerin Ayaan Hirsi Ali wurde mit ihrer Islamkritik weltberühmt.
Es gibt wenig Konsens darüber, was Moral ist. Ein Gläubiger misst das Wesen der Moral an jemandes Fähigkeit, den Forderungen seines Gottes treu zu bleiben. Ein Sozialist mag das Mass für Moral am Engagement für eine Neuverteilung des Vermögens festzumachen. Ein Liberaler sieht wohl die Vorzüge einer Einkommensgleichheit, aber die persönliche Freiheit wird ihm immer wichtiger sein. Das ist auch der moralische Rahmen, dem ich mich immer verpflichtet fühlen werde.
Innerhalb dieses Gedankengebäudes zeigt sich die ultimative Bewährung eines menschlichen Charakters darin, inwieweit er im Leben seine selbst gesetzten Ziele verfolgt, ohne dabei die Freiheit anderer bei der Verfolgung ihrer Ziele zu verletzen. Aus dieser Perspektive fördert der freie Handel zwischen Individuen, Unternehmen und Nationen so erstrebenswerte Tugenden wie Vertrauen, Ehrlichkeit und harte Arbeit. Firmen sind gezwungen, ihre Güter und Dienstleistungen fortwährend zu verbessern. Der freie Markt etabliert eine Meritokratie und schafft bessere Jobchancen für jene Studenten, die in der Schule hart arbeiten. Derselbe Mechanismus drängt Eltern, mehr Zeit und Geld in die Erziehung ihrer Kinder zu stecken. Und er zwingt Firmen in Forschung und Innovation zu investieren, um ihre Konkurrenten auf dem Markt zu schlagen.
Um wertzuschätzen, wie effektiv der freie Markt den Menschen als moralisches Wesen stärkt, ist es hilfreich, auf jene Wirtschaftssysteme einen Blick zu werfen, die ihn unterlaufen oder ganz offen verweigern.
Wo immer der Kommunismus versucht wurde, endete es nicht nur bei Korruption und schlechten Produkten, sondern auch in Furcht, Apathie, Ignoranz, Unterdrückung und einem Grundmangel an Vertrauen. Die Sowjetunion und das China vor der Reform waren moralisch wie wirtschaftlich bankrott. Oder man schaue sich die Feudalordnung in Ländern wie zum Beispiel Saudiarabien an. In Saudiarabien regiert ein absoluter Monarch, eine religiöse Hierarchie stützt die Macht der Regierungsfamilie, und es gibt verschiedene Klassen von Sklaven.
Freie Märkte haben ihre moralischen Makel, sind nicht perfekt. Ich begreife, warum Kritiker es schwer finden, Moralität in einem Marktsystem zu erkennen, das jungen Mädchen erlaubt, ein riesiges Vermögen mit Tanzen und Trillern im Fernsehen zu verdienen. Berechtigt ist auch die Debatte zwischen Befürwortern der gänzlich freien Märkte und denen, die vorschlagen, dass Lebensbereiche wie Gesundheitsfürsorge und Erziehung eine gewisse staatliche Aufsicht verlangen.
Für mein Verständnis ist das Ausmass von staatlichen Fürsorgeeinrichtungen in Westeuropa ausufernd und kontraproduktiv. Es lähmt wirtschaftliche Innovation und belohnt Abhängigkeit. Ein stark ausgebauter Sozialstaat kann Menschen geradezu ermutigen, vom Staat abhängig zu werden. In einer freien Marktwirtschaft dagegen, in der die Freiheit das oberste Gut ist, neigen die Leute dazu, kreativer und innovativer zu sein; in Sozialstaaten, deren Priorität bei der Gleichheit liegt, wird das natürliche Potenzial von Menschen pervertiert. Um erfolgreich zu werden, musst du eher lernen, «das System zu melken», als ein besseres Produkt zu entwickeln. Risiken werden vermieden, und der Verantwortung des Einzelnen wird entgegengearbeitet. Obwohl das System oberflächlich gerecht erscheinen mag, fördert es am Ende die Mittelmässigkeit und eine gewisse Opferhaltung.
Freie Marktwirtschaften werden oft von Umweltschützern kritisiert. Doch paradoxerweise sind es nur freie Gesellschaften, die solche leidenschaftlichen, öffentlichen Diskussionen überhaupt zulassen. Mehr noch, während Regierungen darüber diskutieren, ob die Klimaerwärmung wirklich vom Menschen verantwortet wird, arbeiten viele Industrien längst an Lösungen.
Sind reiche Menschen automatisch auch geldgierige Menschen? Unter den Reichen gibt es tatsächlich sehr viele hohle und dekadente Menschen. Aber es gibt auch viele sehr aktive Philanthropen, und dank den Spenden von einigen der vermögendsten Leuten der Welt gibt es eine deutlich bessere Aufklärung im Kampf gegen verschiedene Epidemien. Zum Beispiel könnte die Malaria dank der Hilfe von privaten Investoren in vielen Ländern schnell ausgerottet werden. Ein Problem, an dem staatliche oder Uno-Bürokratien immer wieder gescheitert sind.
Gewiss, für Menschen auf der Suche nach moralischer Vollkommenheit oder der Utopie einer perfekten Gesellschaft ist der freie Markt nicht die Antwort. Im Laufe der Geschichte endete die Suche nach der perfekten Gesellschaft fast immer in der ein oder anderen Form von Theokratie, autoritärem Regime oder gewalttätiger Anarchie, weil man die menschliche Unvollkommenheit nicht akzeptieren wollte. Aber für jene, die danach streben, mit menschlichen Makeln jeder Art umzugehen, und welche die Summe des individuellen Glücks steigern wollen, bleibt der freie Markt, zusammen mit politischer Freiheit, der beste Weg.
Die Somalierin Ayaan Hirsi Ali emigrierte 1992 in die Niederlande, wo sie von 2003 bis 2006 im Parlament sass. Sie schrieb den Bestseller «Infidel» und ist Research Fellow am amerikanischen Enterprise Institute.
«Wir wissen es wohl nicht»
Robert B. Reich, Politikprofessor und Wirtschaftswissenschaftler
Die meisten Menschen sind Konsumenten, die auf den bestmöglichen Deal aus sind. Die meisten von uns sind aber auch moralische Wesen, die sich einigermassen anständig in der Gesellschaft verhalten möchten. Dumm nur, dass der Markt oft in Konflikt mit der Moral gerät. Ein Beispiel: Wenn wir ein Produkt möglichst billig haben wollen und es deshalb aus Übersee beziehen, dann geht dies oft auf Kosten der Arbeitsplätze und der Löhne unserer Nachbarn. Als moralische Wesen sorgen wir uns um den Lebensstandard unserer Nachbarn, doch als Konsumenten gefährden wir ihn, wenn wir einfach nur Schnäppchen jagen wollen.
Ganz ähnlich geben wir uns im Zeichen der Moral gerne umweltfreundlich und besorgt um das Wohlergehen von künftigen Generationen. Doch als Konsumenten lassen wir diese Ansprüche oft links liegen und kaufen stattdessen Autos, die reine Dreckschleudern sind. Oder wir kaufen billige Güter aus armen Ländern, deren Industrien Böden und Luft vergiften. Auch hier vermeiden wir den Konflikt nur allzu oft, indem wir bloss als Konsumenten entscheiden und so keine unangenehme Wahl zwischen Produkten und Idealen zu treffen brauchen.
Unsere Entscheidungen als Marktteilnehmer haben alle möglichen moralischen Konsequenzen, von denen wir allerdings lieber gar nichts wissen möchten. Wir machen zu Hause als Konsumenten ein Schnäppchen, weil ein Produzent im billigen Ausland die Kosten in seiner Fabrik gesenkt hat, indem er noch ein paar Kinder mehr ausbeutet oder in den USA die Löhne und Sozialleistungen seiner Belegschaft zusammenstreicht. Als moralisch handelnde Menschen beabsichtigen wir dies zwar nicht. Doch wenn uns diese Zusammenhänge bewusst werden, neigen wir dazu, die Verantwortung auf Produzenten und Händler abzuschieben. Gleichwohl sind letztlich wir Konsumenten für diese Folgen verantwortlich. Wir glauben zum Beispiel, die grossen Autohändler seien für die miserablen Löhne in der Branche und die Autobauer für den grossen CO2-Ausstoss ihrer Modelle verantwortlich. Doch diese Logik stimmt nicht. Produzenten und Händler haben im Allgemeinen gar keine andere Möglichkeit, als die Kosten herunterzufahren. Unsere unablässige Gier nach guten Deals zwingt sie dazu. Tun sie es nicht, wandern die Konsumenten zur Konkurrenz ab.
Wir verschliessen unsere Augen vor diesen Konflikten, indem wir sozusagen unser eigenes Geld auf dem Markt waschen. Wir schützen uns vor moralischer Verantwortung, indem wir ein Produkt von einem lokalen Händler kaufen, der es wiederum von einem grösseren und dieser vom grössten Zwischenhändler gekauft hat. Genau das Gleiche geschieht auf der Seite des Produzenten, der Unterlieferanten an allen möglichen Orten der Welt beschäftigt und dabei die Übersicht verliert. Die Folge davon ist, dass die sozialen Konsequenzen unseres Verhaltens als Konsumenten immer weiter verdrängt werden, bis wir am Ende die Zusammenhänge zwischen Kaufentscheid und Produktionsbedingungen überhaupt nicht mehr erkennen.
Es ist aber nicht so, dass der Markt unseren Charakter zerstört. Eher beschützt er uns vor einem wirklichen Charaktertest. Wären die Mechanismen des Marktes so transparent, dass man die moralischen Effekte unserer Kaufentscheide nicht so leicht ausblenden könnte, dann stünden wir vor einem echten Test: Wie viel ist uns die eigene Moral wert? Wie viele materielle Vorteile sind wir zu opfern bereit zugunsten unserer Ideale?
Ohne solche Transparenz können wir hingegen weiterhin auch ohne moralische Skrupel nach Schnäppchen jagen.
Robert B. Reich ist Professor für Public Policy an der University of California in Berkeley. Sein letztes Buch «Superkapitalismus» ist 2008 im Campus-Verlag erschienen.
«Ja, aber…»
Garry Kasparow, ehemaliger Schachweltmeister
…alle anderen denkbaren Systeme verderben die Moral noch mehr. Der freie Markt ist ein Schmelztiegel des Wettbewerbs, auf dessen Boden manchmal das Niedrigste im Menschen zum Vorschein kommt. Aber der freie Markt ist besser als alles sonst.
Auf den ersten Blick scheint es, dass ein System, das fast vollständig auf dem Eigeninteresse des Menschen basiert, zu völligem moralischen Verfall des Individuums führt. Jeder, der sich aus moralischen Gründen auch nur einen Augenblick nicht am harten Wettbewerb beteiligt, wird von jemandem ohne solche Skrupel besiegt. Wie in aller Welt kann man in so einem System auch nur einen Augenblick an das Gute im Menschen glauben?
Trotz der anscheinend grausamen Natur unregulierter Marktkräfte nützen sie auf zwei Arten dem Wohlergehen der Menschen. Erstens: Wenn eine Gesellschaft moralisches Verhalten wirklich als etwas Erstrebenswertes betrachtet, kann es im Eigeninteresse eines jeden sein, sich moralisch zu verhalten. Wenn ein Unternehmen einen Teil seiner Gewinne für wohltätige Zwecke spendet, mag das auf den ersten Blick zwar seltsam erscheinen – könnte es dieses Geld doch mit Vorteil für sich selbst behalten und die eigene Wettbewerbsposition damit verbessern. Doch jeder weiss, wie sehr solche grosszügigen Spenden einer Firma deren Ruf und so eben auch seine Position verbessern können. Denn in der Marktwirtschaft basiert der Ruf jedes Marktteilnehmers auf öffentlicher Meinung. Ist sie positiv, ist das von Nutzen.
Zweitens: Gute Taten leisten vor allem jene, die es sich leisten können. Der freie Markt schafft für viele Wohlstand, sodass ihr eigenes Überleben nicht mehr infrage steht. Kaum jemand füttert das Kind eines anderen statt seines eigenen hungrigen Kindes. Dies tut er erst, wenn er mehr angehäuft hat, als seine eigene Familie brauchen kann. Wie aber sieht es mit guten Taten der Reichen in Ländern aus, in denen es keinen wirklich freien Markt gibt?
Man muss sich nur das habgierige Verhalten jener staatlich geförderten Oligarchie ansehen, die heute über Russland herrscht. In so einem System muss die herrschende Clique sich nicht um ihren Ruf kümmern. Rohstoffreiche Länder wie Russland oder auch Saudiarabien generieren extremen Reichtum – ohne Rechenschaftspflicht gegenüber Mitarbeitern, Aktionären, Verbrauchern oder Wählern. Fast alle Nationen, die von den heutigen Rekord-Energiepreisen profitieren, nutzen ihren unverdient erworbenen Reichtum einzig, um ihre repressiven Regimes zu finanzieren.
Diesen Nationen fehlen Anreize für moralisches Verhalten. Natürlich kann die unnachgiebige Verfolgung von Eigeninteresse im freien Markt auch Schaden anrichten – doch er schafft viel mehr solcher Anreize als alle anderen, von wenigen Mächtigen gelenkten Systeme.
Die utopischen Denker des 19. Jahrhunderts waren sicher, ein globales sozialistisches Paradies wäre unvermeidbar. Sie träumten von einer Alternative zu den grausamen Exzessen der industriellen Revolution. Von einer Zukunft, in der Harmonie und selbstlose Zusammenarbeit an die Stelle von brutalem Wettbewerb treten würden. Eine verständliche Reaktion auf das Leid, das die ungezügelten Kräfte des freien Marktes hervorgebracht hatten. Diese Männer und Frauen dachten, es gebe einen besseren Weg in eine aufgeklärte Zukunft. Ihr Traum gründete nur zum Teil in der Unzufriedenheit mit dem kapitalistischen Status quo. Er gründete auch im Glauben an die im Grunde moralische Natur des Menschen. Wenn man ihm nur die Möglichkeit und ausreichend Bildung gäbe, so glaubten diese Idealisten, würde der Mensch sein unmittelbares Eigeninteresse für etwas Grösseres opfern. Und dies würde ausreichend Wohlstand für alle schaffen, dem menschlichen Leid ein Ende bereiten.
Und es gäbe tatsächlich weniger Leid auf der Welt, wenn wir Menschen so wären, wie diese Männer und Frauen dachten. Wenn wir uns mehr nach Harmonie und Zufriedenheit sehnen würden als nach Wettbewerb. Aber das tun wir nicht. Weil wir das Produkt unseres uralten Kampfes ums Überleben sind. Nicht umsonst zeigt die Geschichte, dass die Fürsprecher von mehr Gleichheit immer sehr bald das Gefühl hatten, zu Zwangsmitteln greifen zu müssen, um diese Gleichheit durchzusetzen. Die Geschichte zeigt, dass sie immer sehr bald den Knüppel statt des Zuckerbrots verwendeten.
Ich habe die Hälfte meines Lebens unter einem solchen Regime verbracht. Damals in der Sowjetunion wurden die Wünsche jedes Einzelnen unterdrückt, aufgelöst im Schicksal der Nation. Doch wirklich moralisches Verhalten kann nur auf freiem Willen beruhen. Die Sowjetunion versank schnell in Totalitarismus und Terror, genau wie die anderen kommunistischen Staaten.
Die Alternative zum Sozialismus ist nicht die Rechtlosigkeit. Eine Gesellschaft ohne Recht und Gesetz, ohne den Schutz politischer, religiöser und wirtschaftlicher Minderheiten ist nicht lebenswert. Die wirkliche, bessere Alternative zum Sozialismus ist ein System, das individuelle Freiheiten mit Anreizen zu moralischem Handeln kombiniert. Die freie Marktwirtschaft und die Demokratie (also der freie Markt der Ideen) sind das System, mit dem wir diesem Ziel am nächsten gekommen sind.
Um also auf die Frage zurückzukommen: Ja, der freie Markt kann den moralischen Charakter des Menschen beschädigen. Es liegt in unserer Natur, immer mehr zu wollen – und der freie Markt unterstützt dies. Er kümmert sich kaum um jene, die nicht mithalten können. Aber der Versuch zur Eindämmung dieser menschlichen Bedürfnisse und Wünsche führt zu noch grösseren Übeln. Die Beweise dafür finden sich alle im Russland des gesamten letzten Jahrhunderts – während der Herrschaft der Zaren, der Sowjets, während Putins oligarchischem Regime.
Der frühere Schachweltmeister Garry Kasparow ist einer der führenden Politiker des oppositionellen Bündnisses «Das andere Russland» und Autor zahlreicher Bücher. Er lebt in Moskau.
«Es kommt drauf an»
John Gray, Politikwissenschaftler, London School of Economics
Freie Märkte untergraben einige Aspekte von Charakter, während sie andere fördern. Ob das Resultat gut ist, hängt davon ab, wie man sich ein gutes Leben vorstellt. Ausserdem hängt viel davon ab, ob jemand glaubt, ein anderes ökonomisches System sei besser. Die Frage kann nur beantwortet werden, indem realistische Alternativen verglichen werden und wenn verstanden wird, inwiefern verschiedene Systeme unterschiedliche Arten von Charakter begünstigen.
Es ist wichtig, nicht in Idealen zu denken. Während der letzten Jahre gab es eine Tendenz zu glauben, dass sich freie Märkte von selber herausbilden, sobald sich der Staat gänzlich aus der Ökonomie raushält. Aber das stimmt nicht. Märkte beruhen auf Rechtssystemen, die entscheiden, was als Gut gehandelt werden darf und was nicht. Sklaverei ist verboten in modernen Marktwirtschaften, ebenso Erpressung und Kinderpornografie. Freie Märkte sind immer mit moralischen Bedingungen verbunden, die vom Staat definiert werden. Ausserdem unterliegen freie Märkte Eigentumsrechten, die ebenfalls staatlich kontrolliert sind.
Der freie Markt, wie er im mittviktorianischen England existierte, entstand nicht, weil sich der Staat aus der Wirtschaft zurückzog, sondern vielmehr, weil er sich einmischte, um Land zu privatisieren. Die Laissez-faire-Wirtschaft der Dekaden im 19. Jahrhundert wurde ermöglicht durch die Enclosure Acts. Diese Gesetze verlagerte Arbeiter vom Land in die Stadt und schufen so die industrielle Arbeiterklasse, die das Humankapital des freien Markts darstellt. Aber mit der Erweiterung der demokratischen Wahlrechte im späten 19., frühen 20. Jahrhundert begannen diese Arbeiter, nach einer Regulierung ökonomischer Aktivitäten zu verlangen. Das Ergebnis war die regulierte Marktwirtschaft, die heute in England und vielen anderen Ländern existiert.
Man sieht: Wirtschaftssysteme sind lebende Dinge. In der Realität funktionieren freie Märkte selten so wie die Modelle von Ökonomen. Es gibt Booms und Blasen, Pleiten und Crashs. Freie Märkte sind nur in ökonomischen Lehrbüchern selbstregulierend. Auf diesem Hintergrund wird der Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Ethik deutlicher: Die Charaktereigenschaften, die vom freien Markt am höchsten belohnt werden, sind unternehmerischer Mut, die Bereitschaft zu spekulieren und die Fähigkeit, Gelegenheiten zu ergreifen oder zu erschaffen. Es ist festzuhalten, dass das nicht die Eigenschaften sind, die konservative Moralisten am höchsten schätzen. Besonnenheit, Sparsamkeit und der Willen, in festgefahrenen Mustern weiterzumachen, mögen bewundernswerte Qualitäten sein, aber sie führen normalerweise nicht zu Erfolg im freien Markt. Tatsächlich können genau solche Eigenschaften bei volatilen Märkten den Ruin bedeuten.
Die eigenen Fertigkeiten aufrüsten, den Standort wechseln, Karrieren tauschen – solche riskanten Aktionen helfen den Leuten, in freien Märkten zu überleben und voranzukommen. Aber risikofreudiges Verhalten ist nicht zwingend kompatibel mit traditionellen Werten, welche die Wichtigkeit von dauerhaften zwischenmenschlichen Bindungen unterstreichen.
Adam Smith, einer der Begründer der freien Martkwirtschaft, war auch ein scharfer Kritiker der kommerziellen Gesellschaft. Smith fürchtete, die Marktwirtschaft, die sich zu seiner Zeit herausbildete, würde die Arbeiter in Städten ohne zusammenhängende Gemeinschaften zurücklassen. In seiner Wahrnehmung kann sich die subversive Dynamik des Markts nicht nur auf den Marktplatz beschränken. Freie Märkte verlangen ein hohes Mass an Mobilität und eine innere Bereitschaft, Beziehungen, die nicht mehr profitabel sind, zu verlassen. Eine Gesellschaft, in der Menschen ständig unterwegs sind, ist kaum eine der stabilen Familien oder der besonderen Gesetzestreue.
Noch einmal: Schlussendlich liegt die Antwort auf diese Frage darin, was man sich unter einem guten Leben vorstellt. Was ein traditioneller Moralist als den Zusammenbruch der Familie wahrnimmt, ist für den Liberalen das Exerzieren persönlicher Unabhängigkeit. Für den Liberalen ist die freie Wahl zentraler Bestandteil des guten Lebens, während der Konservative es als wichtiger erachtet, dass Institutionen bewahrt werden. In Bezug auf moderne westliche Gesellschaften tendiere ich zu einer liberalen Position. Aber der wichtige Punkt ist nicht so sehr, welche Haltung man einnimmt. Sondern vielmehr dieser – freie Märkte belohnen gewisse moralische Eigenschaften, aber sie untergraben auch andere. Während sie die freie Wahl befördern, greifen sie einige traditionelle Werte an. Man kann nicht alles haben.
Freie Marktwirtschaft birgt moralische Gefahren. Das heisst aber nicht, dass andere Wirtschaftssysteme besser sind. Zentral geplante Systeme untergraben die Moral sehr viel verheerender und mit weniger Erfolg in Bezug auf Effizienz und Produktivität. Die Planwirtschaft der früheren Sowjetunion funktionierte nur – wenn denn überhaupt –, weil sie durchsetzt war mit Schwarz- und Graumärkten. Korruption war allgegenwärtig.
Im marxistischen Modell wird die giergetriebene Anarchie des Markts ersetzt mit Planarbeit, basierend auf Altruismus. Das tatsächliche Leben in der Sowjetunion war allerdings eher eine extreme Karikatur von Laissez-faire-Kapitalismus, ein chaotisches und gefährliches Umfeld, in dem jeder Mensch darum kämpfen musste, den Kopf über Wasser zu halten.
Homo homini lupus – der Mensch ist des Menschen Wolf – war die Regel und Altruismus die Ausnahme. Unter diesen Bedingungen ging es den Menschen mit dem am meisten ausgeprägten Überlebenswillen und den wenigsten moralischen Skrupeln am besten.
Kein wirtschaftliches System kann jeden Aspekt moralischen Charakters fördern. Alle basieren zu einem gewissen Ausmass auf Motiven, die moralisch fragwürdig sind. Geiz und Neid mögen Laster sein, aber sie sind auch wirtschaftliche Stimulanzien. Ein wirtschaftliches System ist gut in dem Ausmass, in dem es sich menschliche Schwächen zugunsten des allgemeinen Wohlergehens zunutze macht. Es geht nicht um eine Wahl zwischen abstrakten Modellen wie die freier Marktwirtschaft oder Planwirtschaft. In der realen Geschichte der Welt hat keine von beiden je so existiert, wie es sich ihre Advokaten vorgestellt haben. Nein, die wahre Wahl wird getroffen werden müssen zwischen Systemen, die Markt und Regulierung ganz unterschiedlich mischen. Und keines dieser Systeme wird je moralisch absolut einwandfrei sein. Eine vernünftige Mischung kann nicht erreicht werden, indem schlicht ein ideales Modell davon, wie die Wirtschaft funktionieren sollte, übernommen wird. Verschiedene Mischungen werden das Beste sein in verschiedenen Kontexten. Aber eines ist sicher: Eine moderne Marktwirtschaft ohne einen gewissen Grad an moralischem Zerfall ist nicht möglich.
John Gray ist emeritierter Professor an der London School of Economics. Eine seiner neuesten Veröffentlichung ist «Die falsche Verheissung: Der globale Kapitalismus und seine Folgen» (Fischer-Verlag).
«Ganz sicher. oder vielleicht doch nicht?»
Bernard-Henri Lévy, Philosoph und Autor französischer Philosoph und Autor
Es besteht kein Zweifel, dass der entfesselte Kampf von Eigeninteressen und Leidenschaften, das Wahnsinnsgesetz des Geldes, der Materialismus als Mass aller Dinge – dass also der freie Markt, sofern er von allen Regeln entbunden und nur von der Gier des Stärkeren regiert wird, unsere Seelen einem fatalen Zersetzungsprozess aussetzen. So sah es der grosse Alexander Solschenizyn in den letzten Jahren seines Lebens.
Dies war auch die Ansicht einer Schule von französischen Intellektuellen der Dreissigerjahre, die man die «Nonkonformisten» nannte und zu denen unter anderen Charles Péguy gehörte. Sie betrachteten Warenhandel als die Quelle der Entmenschlichung. Die These wurde ebenfalls geteilt von einer Gruppe christlicher (oder einfacher spiritualistischer) Denker, die im Ideal des «freien Marktes» den Tod der moralischen Werte und das Ende des menschlichen Glaubens und Strebens nach dem Absoluten erblickten.
Allerdings – und das sollte uns misstrauisch machen – war dieses Thema auch zentral für den Faschismus und einer der Gründe, weshalb die Massen von ihm verführt wurden. «Stoppt den Materialismus», lautete sein Schlagwort. «Überwindet den zerstörerischen Individualismus und die gesellschaftliche Atomisierung. Der Faschismus setzt dem Markt die gute, sichere, organische, natürliche Gemeinschaftlichkeit entgegen!» Hütet euch, so könnte man diese Parolen verkürzen, vor dem Gesetz der «generalisierten Äquivalenz» (das heisst dem «Markt») der menschlichen Werte. Hierin hat der Faschismus zu allen Epochen das Verwerfliche schlechthin erblick
Und was folgt jetzt daraus?
Das Problem ist etwas komplizierter, als es zunächst erscheint. Wir können uns nicht, ja wir dürfen uns nicht damit begnügen, die Märkte schlicht und einfach für korrupt zu erklären, als ob dies eine letztgültige Wahrheit wäre. Mindestens in dreifacher Hinsicht muss die scheinbar so offensichtliche Commonsense-Behauptung relativiert werden. Erstens: Wenn der Markt korrumpiert, so korrumpieren die vielfältigen Verneinungen des Marktes noch viel radikaler. Man betrachte nur den Faschismus. Und man betrachte auch die andere Schule des Hasses gegen den Markt, die dem Faschismus sowohl vorausging als auch nachfolgte: den Kommunismus. Ich zweifle stark daran, dass man den Kommunismus als die Vollendung von Seele und Charakter seiner Verfechter oder Opfer würde bezeichnen können.
Zweitens: Wenn wir wählen, wenn wir eine Rangliste der Korruption erstellen müssen, dann liegt unzweifelbar auf der Hand, dass die kommunistische oder die faschistische Korruption, die in der Verwerfung des Marktes liegt, bedeutend tiefer, tödlicher und irreparabler ist als die marktwirtschaftliche. Beim Faschismus war das von Anfang an offensichtlich, und beim Kommunismus wurde es schliesslich nicht weniger evident. Ich muss zurückdenken an meine langen Reisen durch Mittel- und Osteuropa nach dem Fall der Berliner Mauer. Ich habe noch meine tschechischen, polnischen, bulgarischen, ungarischen und ostdeutschen Freunde in den Ohren, die mir erklärten, dass die kommunistische Ära, die Jahrzehnte, die sie in einer ganz und gar vom Gesetz des Marktes befreiten Gesellschaft lebten, in ihren Herzen und Seelen gewisse Laster und Defizite spriessen liessen – und dass sie sich nicht sicher seien, wie lange es dauern würde, bis sie diese loswerden.
Man nehme nur die Angewohnheit, verantwortungslos zu handeln, das heisst letztlich, die Unfähigkeit, Risiken auf sich zu nehmen oder Entscheidungen zu fällen. Ich erinnere mich an eineostdeutsche Ingenieurin, eine überzeugte Demokratin und langjährige Dissidentin, die völlig normal wirkte, aber plötzlich in Tränen ausbrach, als ich sie bat, das Programm des Tages zu planen, den wir zusammen verbringen sollten. «Die haben mich gelehrt, wie man nicht entscheidet», meinte sie schluchzend. «Es ist wie eine Amputation, eine Beschneidung. Es ist, als ob sie einen physischen Eingriff vorgenommen und einen Teil meines Gehirnes ausgehöhlt hätten.» Man denke an einen abgründigen Egois-mus, der weder Zwischentöne noch Gegenmittel kennt und viel radikaler ist als das Eigeninteresse der Marktgesellschaft. Aus dem Blickwinkel der Überlebenden liegt hierin die wahre Bilanz des Kommunismus. Sie ist der Beweis einer Korruption und Zerstörung des Charakters, die durch das Fehlen eines freien Marktes hervorgerufen wurden.
Schliesslich gibt es einen dritten Punkt: Weil er das Ergreifen von Initiative und das Treffen von Entscheidungen fördert, weil er Individuen zueinander in Bezug setzt, weil er nur dann Sinn macht, wenn seine Subjekte gemeinsame Beziehungen unterhalten – aus all diesen Gründen bleibt der freie Markt letztlich ein Faktor der Sozialisierung, ein Mittel, Menschen in Verbindung zu bringen, vielleicht sogar um Brüderlichkeit oder wenigstens gegenseitige Anerkennung zu erzeugen.
Also ist er das Gegenteil von Korruption. Wir sollten Hegels Texte über die Dialektik der Anerkennung und die Entwicklung des modernen Bewusstseins lesen. Wir sollten den Philosophen Emmanuel Lévinas über die Frage des Geldes lesen. Lévinas machte geltend, dass Geld die Individuen nicht isoliert und atomisiert, sondern vielmehr ein Austauschmedium ist. Wir kommen letztlich nicht umhin, den Schluss zu ziehen, dass der freie Markt gut ist, weil er eines der Mittel ist, das der Mensch gefunden hat, um den erst von Hobbes und später von Freud befürchteten totalen Krieg aller gegen alle zu vermeiden.
Zerstört der freie Markt den moralischen Charakter? Zweifelsohne nein. Er stärkt vielmehr unsere moralische Standfestigkeit, weil er uns die Fähigkeit gibt, Nein zu sagen und nicht einverstanden zu sein. Natürlich gilt dies nur unter der Voraussetzung, dass wir uns bereitwillig den Spielregeln unterwerfen und den Verführungen des Dschungels und der völligen Entfesselung des Kapitalismus widerstehen. Der Markt, um Winston Churchills berühmtes Bonmot über die Demokratie zu paraphrasieren, ist die schlechteste Lösung – abgesehen von allen anderen.
Der Pariser Philosoph Bernard-Henri Lévy ist Autor von mehr als dreissig Büchern. Auf Deutsch ist zuletzt «American Vertigo: auf der Suche nach der Seele Amerikas» erschienen.
* Die amerikanische John Templeton Foundation unterstützt die Forschung an Topuniversitäten in den Gebieten Theoretische Physik, Evolutionsbio-
logie, kognitive und Geisteswissenschaften mit dem Schwerpunkt auf der Frage, welche Erkenntnisse sich aus diesen Gebieten ableiten lassen
bezüglich menschlicher Kreativität, Gefühlen wie Liebe und Vergebung sowie die Natur von religiösem Glauben. Die Stiftung beschäftigt sich auch
mit Entwicklungshilfe und der Erziehung. Mehr Antworten auf die oben gestellte und weitere grosse Fragen finden Sie hier.
Professor Robert B. Reich, „Wir wissen es wohl nicht“.
Es ist unglaublich mit welchem ökonomischen Unverstand Berkley-Professor Robert Reich argumentiert. Die Unmoral der kapitalistischen Marktwirtschaft sieht er beim Konsumenten, der mit seiner „Gier nach dem Schnäppchen“ die unmoralischen Folgen seines Kaufverhaltens verdrängt. Dagegen gibt es zwei offensichtliche Einwände: Erstens, ist es – von wenigen extremen (Offroader-) Ausnahmen abgesehen – für den gewöhnlichen Konsumenten völlig unmöglich, das soziale oder ökologischen Unheil, das in einem Produkt steckt, erkennen zu können. Zweitens, jeder Konsument ist sich bewusst, dass der Einfluss seines individuellen Kaufentscheides auf das sozial oder ökologisch schädliche Verhalten der Produzentenfirma praktisch gleich Null ist. Sein Schnäppchen-Jagen ist deshalb völlig rational – die Markwirtschaft funktioniert ja auf der Signalfunktion der Preise – und hat mit Unmoral nichts zu tun. Die Moral die Professor Reich predigt, ist die bigotte Moral des Gesinnungsethikers, der sein gutes Gewissen öffentlich zur Schau trägt und verkündet: „Wenn alle so wären wie ich, wäre die Welt schon in Ordnung.“ Aber es sind eben nicht alle wie er.
Wie können denn unmoralische Konsequenzen der kapitalistischen Marktwirtschaft tatsächlich bekämpft werden? Ich möchte es an einem Beispiel erläutern: Anfangs der Sechzigerjahre spitzte sich in der Schweiz das Problem der Gewässerverschmutzung zu. Jeder, auch wenn er die Dringlichkeit des Gewässerschutzes durchaus eingesehen hat, kippte seinen Dreck ungeniert in den nächsten Bach, weil er sich zu Recht gesagt hat: Bei dieser Kloake kommt’s jetzt auf meinen Dreck auch nicht mehr an. Schliesslich haben die Medien das Problem aufgegriffen und in breiten Bevölkerungskreisen als politisches Problem verständlich gemacht. Es wurde, gegen den Widerstand starker Wirtschaftskreise, ein scharfes Gewässerschutzgesetzt durchgesetzt und siehe da – nach wenigen Jahren waren die Gewässer in der Schweiz so sauber wie in keinem anderen Industrieland der Welt. Das Beispiel zeigt exemplarisch: Den unmoralischen Konsequenzen der Marktwirtschaft muss kollektiv begegnet werden, durch organisierte Boykottbewegungen, durch steuerliche Anreize, Normen, Regulierungen und Gesetze welche die Verhaltensweise der Produzenten und Konsumenten in sozial erwünschte Bahnen lenken. Wer weiss, dass die billigsten Joggingschuhe mit Kinderarbeit produziert werden, der soll diese Schuhe ruhig weiter kaufen, es nützt nämlich den Kinder in Pakistan gar nichts, wenn er individuell auf den Kauf der Schuhe verzichtet. Aber er soll sich für einen möglichst weltweit organisierten Boykott dieser Schuhe einsetzen. Dann bringt auch sein eigener kleiner Verzicht etwas. Und er soll sich politisch dafür einsetzen, dass soziale Standards in die WTO-Verhandlungen eingebracht werden und den verbrecherischen Produktionsfirmen das Handwerk auf juristischem Weg gelegt wird.
Der Zusammenbruch des globalen Kasino-Kapitalismus hat den günstigen Nebeneffekt, dass die weltweite Mobilisierung der Menschen für eine sozial und ökologisch regulierte Marktwirtschaft wie nie zuvor anwächst. „Wo das Unheil zunimmt, wächst auch das Rettende schon“, könnte man in Anlehnung an Hölderlin sagen.
Alexander Böckli
Ausgerechnet Ayaan Hirsi Ali zieht über den Sozialstaat her. Die Frau, die keine Mühe damit hat, dass sie den Steuerzahler (zuerst den niederländischen und jetzt den amerikanischen) jeden Monat eine Stange Geld kostet, da sie nach plumpen und gezielten Provokationen gegen Muslime, nun Leibwächter braucht. So plump und nutzlos wie ihr anti-islamischer Aktionismus, so oberflächlich und realitätsfern die Analyse des Kapitalismus als das System, das angeblich nur sinnvolle und gute Produkte sowie Eigenschaften wie Vertrauen und Ehrlichkeit fördert und harte Arbeit immer belohnt. Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger – Schmarotzer, die es nur darauf abgesehen haben, vom Staat abhängig zu sein. Schickt die Frau doch für eine Weile zum Arbeiten, am besten in eine Fabrik oder auf eine Baustelle, damit sie ihre Horizonten erweitert und weiss, was harte Arbeit heisst.
@Claudia Meier..sehr guter Beitrag,dem kann ich nur zustimmen
)
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Überhaupt muß man sagen,daß sämtliche Apologeten des Kapitalsmus mitunter gar nicht wissen,wovon sie reden.
Kasparov,der ewig beleidigte Schachweltmeister,dem sie in der UdSSR Zucker tonnenweise in den A…geblasen haben,regt sich nun auf,daß ihn keiner mehr ernst nimmt,obwohl gerade in Rußland ein Kapitalismus existiert,der den Namen wirklich verdient..der das Volk gnadenlos,tagtäglich entreicht..
Die anderen,gelangweilten,satten & zufriedenen Gesellen,wohl wissend,daß sie das Elend der breiten Masse,die auf ihre Atitüden sch…,wenn sie dafür nur halbwegs zufrieden leben könnten (..denn erst kommt das Fressen und zweitens die Moral
Also,von welcher Moral reden diese Leute ?
Von der Moral der übergroßen Mehrheit der Menschen,die gezwungen werden tagtäglich auf der ganzen Welt für ihren Lebensunterhalt zu sorgen,der ihnen durch willkürliche Globalisierungszwänge geschmälert wird..die hilflos mitansehen müssen,wie korrupte Politiker,eben diesem Turbokapitalismus das Volksvermögen opfern,für das ihre Vorfahren lange Jahre gekämpft & geblutet ..und auch gehungert haben…oder der Moral der Miiliardärin Frau Klatten,die einem Schweizer auf den Leim gegangen ist und nun um einige Millionen fürchtet,die ihr verlustig gegangen sind ?
Wird nun das Magazin unterwandert? Es hat mich verblüfft, diese Auftragsarbeiten der John Templeton Foundation ohne weiteren Kommentar im redaktionellen Teil des Magazins zu lesen. Gerade von dieser Publikation mit mitunter hervorragenden eigenständigen Artikeln erhoffe ich mir doch mehr kritische Distanz und Hintergrundinformation. Unerfindlich, weshalb sich die Angaben zur Artikellieferantin so lesen, als stammten sie direkt von der PR-Stelle der Templeton-Stiftung. Das Wirken dieser Einrichtung ist durchaus geeignet, Fragen aufzuwerfen. Christian Schüle hat dazu in der ‘Zeit’ vom 4. April 2006 einen lesenswerten Artikel veröffentlicht ( http://www.zeit.de/2006/19/templeton1_xml?page=1 ).
@Gorgioff Lienert
Gut, dass Sie dies erwaehnt haben. Ich war gerade dabei den Artikel in die Tagi Magi Redation zu schicken, aber Ihren Link tut es auch.
Lösungsansatz für einen humaneren Kapitalismus: Der Egoismus und dessen übersteigerte Form, die Gier, wird vom heutigen Establishment im Gegensatz zum Urmenschen für das Überleben des Familienclan nicht mehr benötigt. Egoismus ist aber immer noch eine treibende (triebhafte) Kraft des modernen Menschen. Die Gesellschaftsform des Kapitalismus wird von der freien Welt überwiegend als die beste Lösung (vor dem Kommunismus) betrachtet. Mit dem Vorbehalt, des nicht vom Menschen zu trennenden und zur Gier neigenden Egoismus. Es gilt also, diese menschlichen Triebe zu kanalisieren beziehungsweise zu dämpfen. Ein Lösungsansatz dazu wäre die Begrenzung von Erbschaften. Wenn kein Erbe mehr Vermögen als das Äquivalent von zum Beispiel 100 Millionen Dollar pro Erblasser bekommen dürfte, wäre die Familie des Erben trotzdem bis mindestens in die 3. Generation wirtschaftlich kaum mehr gefährdet. Aber es würden zum Einen riesige Summen frei für die weltweite Reduktion von Armut. Zum Anderen würde die Gier der Reichsten gedämpft und gleichzeitig das Philanthropentum gefördert. Letzteres, weil sich die Superreichen anstelle wie bisher mit einem möglichst grossen Vermögen, neu mit möglichst PR-trächtigem Mäzenentum ins beste Licht rücken könnten. Ein ähnlicher Mechanismus könnte auch den Willen der Politiker zur humanistischen Veränderung der heutigen Gesellschaftsformen entfachen.
In den Beiträgen zur Frage „Macht der Kapitalismus unsere Moral kaputt“, werden die Grenzen des Wachstums überhaupt nicht berücksichtigt. Die selbstverständlich gewordene sinnlose Verschwendung von Ressourcen sollte der Bevölkerung nicht erst durch grosse Not bewusst werden. Dass diese vielerorts akut ist, könnten wir ja wissen. Der Zwang zu mehr Produktion und die dafür nötige Reklame, muss in einer neuen Wirtschaftsordnung wegfallen. Vielleicht könnten statt die Arbeit die Ressourcen besteuert werden? für die Erwerbslosen könnte eine Rente oder Teilrente eingeführt werden wie für IV und AHV. Als Gegenleistung wäre ein Zivildienst für wichtige allgemeine Aufgaben, eventuell auch in der Biolandwirtschaft möglich. Eine total neue Balance zwischen Markt- und Planwirtschaft, zwischen Freiheit und Regulierung muss gesucht werden. Neue Erkenntnisse, die sich aus den Fehlern der Vergangenheit ergeben, sollten es ermöglichen, demokratisch vernünftige Wirtschaftsregeln zu finden. Zum Glück ist die junge Generation offener für Veränderung in Richtung vernünftigere, gerechtere Welt. Amerika lässt hoffen.
„Die Kampfzonen des Fundamentalismus entstehen durch zivilisatorische Verödung“ – womit der Bogen geschlagen wäre zur Fragestellung „Macht der Kapitalismus unsere Moral kaputt?“ Den Kapitalismus an diesem Kriterium zu messen greift natürlich viel zu kurz. Ist der Kapitalismus in seiner aktuellen Form antizivilisatorisch? Birgt er totalitäre Tendenzen? Ist er geeignet den sich abnehmenden Streit um die Ressourcen auf diesem Planet zu bewältigen? Ist er geeignet die Klimakatastrophe die sich abzeichnet abzuwenden? Ist er dazu fähig die Armut zu eliminieren?
Diese Fragen stellen sich schon lange, aber das Zeitfenster, das sich jetzt durch die umfassende Finanzkrise aufgetan hat, ist sehr geeignet à fonds zu diskutieren, was wir wollen. Und das ist eine politische Frage.
Ist es wahr? DAS Tagi Magazin schafft es tatsächlich im November 2008, 8 Autoren (kommentarlos)zu veröffentlichen, die die freie Marktwirtschaft lobpreisen. Kann man dieses Heft irgendwo abonnieren? WNTsüri
“Macht der Kapitalismus unsere Moral kaputt?” war die Frage – und die 5 Antwortenden lassen sich prompt über die Vor- und Nachteile der freien Marktwirtschaft im Vergleich zur Planwirtschaft aus. Die freie Marktwirtschaft braucht aber keinen Kapitalismus, bzw. der Kapitalismus ist mit seinen Monopol-fördernden Eigenschaften einer der Hauptgründe für die sog. “Imperfektionen des Marktes”. Obwohl der Ertrag eines Eichenwaldes pro Jahr höher wäre als der eines Tannenwaldes, aber erst Jahrzehnte später abgeerntet werden kann, darf im Kapitalismus niemand einen Eichenwald pflanzen, weil die Exponentialkurve der Kapitalrenditeberechnung dies nicht zulässt. Und so geht es auch mit Solaranlagen, mit Windkraftanlagen und der thermischen Sanierung von Häusern. Doch gerade der in den letzten Jahren wieder öfters, aber leider unvollständig zitierte John Maynard Keynes hatte schon in den 1930er Jahren einen Vorschlag zur Lösung: Er schlug nämlich nicht nur vor, der Staat solle antizyklisch investieren, sondern auch: dieser solle in Krisenzeiten, wenn die Firmen eh keine Gewinnsteuer abliefern, diese Anstrengungen finanzieren, indem auf das Geld und die Guthaben eine Anti-Hortungs-Taxe erhoben wird. Dadurch könne konjunkturabhängig und je nach Anlageform die Summe aus Zins-Ertrag und Taxe auch mal negativ ausfallen, sodass dem Geld gehörig Beine gemacht würde. Achtung: bitte nicht verwechseln mit Inflation: Das Geld hat noch die gleiche Kaufkraft, es lohnt sich nur nicht mehr, den nächsten Handwechsel auszuschieben. Dieses Geldsystem hätte auch im Dauerzustand eine Menge Vorteile: Der Zinseszins-Effekt und somit das unaufhaltbare Wachsen von grossen Guthaben würde mindestens zeitweise gestoppt. Dadurch würde auch auf der Schuldenseite der Wachstumszwang reduziert. Realwirtschaftliche Renditeobjekte müssten nicht mehr mit exorbitanten Finanzmarkt-Renditen konkurrieren und wären plötzlich machbar. Die Einkommenssteuern könnten stark reduziert werden, weil ja die Geldsteuer an ihre Stelle tritt und sogar die Nationalbank hätte plötzlich weniger Mühe die Inflation zu bändigen. Vom Wachstumszwang erlöst könnten wir sogar an Nachhaltigkeit denken! Das Geld würde den Menschen wieder Dienen, anstatt umgekehrt. In der Tat und am eigen Sinnen getestet beeinflusst der Kapitalismus unsere “Handlungszwänge” stark – und wir würden uns freier und grosszügiger verhalten, hätten wir ein umlaufgesichertes Geld. Yes we could…!
Martin Schmid, Mitglied der Initiative für eine Nachhaltige Wirtschafts Ordnung
Vor 500 Jahren war im “Magazin” die Frage zu lesen: “Schadet der Feudalismus unserer Moral?” Die Antwort kann man erfahren, wenn man die gesammelten Banalitäten der Damen und Herren Ali, Kasparow, Reich, Grey und Lévy nachliest. Natürlich ist der Feudalismus das schlechteste Gesellschaftssystem – mit Ausnahme aller übrigen! Diese Antwort bekommt man immer, wenn man die Privilegierten fragt. Aber fragt doch einmal das Volk und dessen Philosophen! Der Kapitalismus ist überfällig, genauso zum Untergang verurteilt, wie es einmal der Feudalismus war. Mit der gegenwärtigen Weltkrise als Vehikel für Veränderungen geht es vielleicht schneller als wir uns das vorstellen können. Wer weiss, vielleicht erleben wir 68er das sogar noch. Privateigentum an Produktionsmitteln? Privateigentum an Grund und Boden? Lohnarbeit? Umweltzerstörung? Ressourcenverschwendung? Die Konsumgier? Der Zwang zum Wachstum? Das war einmal…Heute sind wir vernünftig organisiert, jedem nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Wünschen….Das Gesamtwohl im Auge behaltend.
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