Mädchen, 15

23.11.2007 von Ursula von Arx

Kann eine 15-Jährige Sex haben wollen mit einer ganzen Fussballmannschaft? Was muss das für ein Mädchen sein, das von sich aus den Kontakt zu den Spielern gesucht und sich dabei «hartnäckig und aufdringlich» verhalten haben soll? Die Reaktionen auf den «Sex-Skandal» beim FC Thun zeigen ein geläufiges Muster: Hure oder Heilige. Das Mädchen sei selbst schuld, sagen einige Thuner. Die Mädchen sähen ja heute alle aus wie 18. Viel Schminke und wenig Stoff – da müsse man sich nicht wundern.
Mit der Distanz ändert sich die Wahrnehmung. Die nationalen Medien nehmen die Spieler ins Visier. Sie verdienten es nicht mehr, Sportler genannt zu werden. In Südafrika berichten die Medien von den «Thuner Sexverbrechen», in Peru von Verhaftungen wegen Pädophilie. Klar, das Mädchen war 15. Also noch ein Kind. Also unschuldig.
Wer sich an seine eigene Pubertät erinnert, weiss, wie verwirrend alles sein kann. Auf einmal betritt man ein Zimmer wie eine Bühne, es gibt abtastende Blicke, ein Raunen geht durch den Raum. Oder bildet man sich das nur ein? Es gibt Mädchen, die kleiden sich jetzt in Sack und Asche. Andere feiern die neu entdeckte Macht und helfen hemmungslos nach, mit Push-up, Piercing, Lipgloss, Lidstrich. Doch keine in diesem Alter weiss wohl wirklich, was sie tut. Da mischen Spiel, Show, Angst, Experiment, Konkurrenzverhalten genauso mit wie eine Idee von Sex oder die Bitte um Aufmerksamkeit. Triumphzüge des Ich werden von tiefschwarzen Selbstzweifeln abgelöst.
Idole geben Halt. Fussballer zum Beispiel, ganze Kerle, die nach Schweiss riechen und wenig Worten. Wobei die meisten Spieler des FC Thun um die 20 sind, einige auch jünger. Das Gesetz kennt da keine Grautöne: Die sind erwachsen. Die 15-Jährige nicht. Ein genauer Blick auf die Ereignisse ist (noch) nicht möglich. Nur so viel, dass hier wohl Möchtegernstars auf eine Möchtegernfrau getroffen sind. In einer Möchtegernwelt, wäre noch anzufügen.

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