Mann kann nicht Schluss machen

Der Durchschnittsmann verlässt eine Frau wortlos – weil er nicht weiss, wie er über Gefühle reden soll. Ein Essay zum heutigen Valentinstag von Sibylle Berg.

13.02.2009 von Sibylle Berg , 27 Kommentare

Davor
Es ist nicht einfach, den Beginn der Liebe klar zu bestimmen. Sie tritt für die Beteiligten einer Beziehung oft zu unterschiedlichen Zeitpunkten ein.
Entgegen allen Gerüchten, können sich Männer schnell entscheiden. Sind sie verliebt, wollen sie eine Beziehung. Sind sie es nicht, folgt all das Theater, das Frauen mit «Er leidet noch unter seiner Ex» bezeichnen. Entscheidet sich ein Mann gegen eine neue Beziehung, liegt die Vermutung nahe, dass er nur Sex wollte und es infolge begrüsste, würde sich die Frau in Luft auflösen. Ist er jedoch verliebt, will er ganz. Sofort. Heiraten, zusammenziehen, das volle Programm.
Frauen tun sich schwerer. Sie sind Meister der Projektionen und werden mithin selbst dann, wenn ein reizender Mann vor ihrer Haustür liegt, einen Abwesenden bevorzugen, der nur in ihren Träumen zu Hause ist. Doch sagen wir, bei beiden existierte überraschenderweise ein gegenseitiges Interesse, wann genau begann die Liebe? An dem Abend, als man sich das erste Mal bei den Händen hielt? Oder war es dieser Moment, wo man den anderen ansah und einem schwindelig wurde ob des wunderbaren Lebens, das sein Blick versprach? Vielleicht war es der Valentinstag, von dem keiner sagen kann, was der eigentlich bedeutet, man hat sich das Datum im dümmsten Fall eintätowiert oder irgendwo eingetragen, ein SMS, einen Brief, eine Unterhose aufbewahrt, um den Beginn nie zu vergessen, und wird in den folgenden Jahren eine Kerze anzünden, sich Blumen schenken und traurig oder verwundert nach dem Gefühl zum Datum suchen. Wie Besinnungslosigkeit und Rausch sich anfühlen, das kann man sich nicht mehr vorstellen, nach ein paar Jahren. Oder auch schon Monaten.
Die grossen Gefühle waschen aus, werden unklar wie der Mensch, der verschwimmt. Sind wir keine Dummköpfe, fühlen wir uns wohl in einer unkonturierten Zweisamkeit, angenehm, wie ein alter Pyjama, vertraut und gut riechend.
Das ist Liebe! Und sollte sie einst enden, so ist der Moment viel eindeutiger als der Beginn der Geschichte.
Eine Bemerkung des Partners lässt uns Scham empfinden, das Geräusch, das er macht, wenn er eine Frucht verzehrt, lässt uns angeekelt innehalten. Wir sehen den anderen nicht mehr als Teil von uns, sondern als Angehörigen einer Rasse, die es zu nicht viel Brillantem gebracht hat. Egal, ob man eine Affäre hat, sich andere in unsere Träume schieben, das hat nichts mit der wirklichen Tragödie zu tun: verschwindet der liebevolle Blick, ist die Schlacht verloren.
Mindestens einer von zwei Partnern ahnt nun, dass die Geschichte beendet ist, doch er weiss noch nicht, wie er es dem anderen mitteilen wird. Keine schöne Zeit, die bei manchen Menschen zehn Jahre und mehrere Kinder anhält.

Der Mann geht
Sicher mag es Herren geben, die eine gute Frau ohne Grund nach zwanzig Jahren sitzen lassen, doch das sind Maschinenmänner, die mit Anzügen und einem Max-Headroom-Gesicht geboren wurden.
Dem normalen Mann verleidet eine Beziehung selten und wenn, dann hat es erstens Gründe, auf die wir noch eingehen, und zweitens ist ihm nicht klar, was passiert. Irgendein Unwohlsein, kann aber auch von der Erkältung kommen, er wird fühlen, dass etwas nicht stimmt, sein Gehirn ist aber nicht dafür eingerichtet, dieses Gefühl mit Worten in Verbindung zubringen. Bis ein Mann auf die Idee kommt, seine Beziehung sei beendet, muss Grosses geschehen. Zum einen gebricht es ihm an Fantasie, sich auszumalen, wie sein Leben anders verlaufen könnte, als er es kennt, zum anderen ist er es sich gewohnt, Zeit mit einer Frau zu verbringen, die er nur ab und an liebt. Er hatte eine Mutter.
Ist dem Mann unwohl, liegt es oft daran, dass die Frau ihm zu viele Vorhaltungen macht. Ein bisschen braucht er das Gescholtenwerden, er hat stets ein schlechtes Gewissen, weil er an andere Frauen denkt, oder an gar nichts, oder an Fussball, und ihm ist wohl, wenn er ab und an gesagt bekommt, wo-ran er schuld ist. Aber nicht zu oft. Zu viel Vorwürfe, zu viel Leiden, zu viel Ratlosigkeit, damit kann er nicht umgehen, dann wird er unglücklich, sein Appetit lässt nach, seine Augen werden trübe, und er beginnt nach einer Lösung zu suchen: einer anderen Frau. Ein Mann in einer Beziehung, in der ihm wohl ist, wird zwar nach anderen Frauen sehen, wird sich vielleicht mit der einen oder anderen paaren, doch er wird seine Frau nicht verlassen, denn wozu sollte das gut sein?

Der unglückliche Mann
Er hat etwas gefunden, das ihn sich besser fühlen macht. Eine Frau, die ihm das Gefühl gibt, stark zu sein und jung. Das gefällt ihm. Vielleicht wird nichts aus der neuen Beziehung, aber die Idee ist stärker als das schlechte Gefühl in der alten Geschichte.
Der Mann wird von Angst erfüllt sein, denn er ist nicht dumm und weiss, was es heisst, eine Beziehung zu beenden: Ge-spräche. Noch mehr Vorwürfe. Tränen. Er fürchtet um sein Leben. Denn was ein normaler Mann hasst, ist das Reden über Gefühle. Keine Ahnung, wie man das macht. So macht er besser nichts. Er wird ein SMS schicken. Oder einen Zettel liegen lassen. Ich bin weg, es ist aus, ich bin bei Tina. Er ist nicht böse, er denkt nur nicht über Zustände nach, die nicht ihn betreffen, und was er am meisten will, ist seine Ruhe. Der normale Mann stottert, schweigt, verschwindet. Er denkt sich nichts dabei, und das ist in Ordnung, zum Denken sind die Frauen da.
Unangenehmer fast, wenn der Mann redet. Er ist ein Lügner, er verstellt sich. Seine Mutter hat ihn allein erzogen, sie hat ihn gelehrt, im Sitzen zu urinieren, sein Zimmer aufzuräumen, sie hat ihn zur Erfüllung von Frauen-Erwartungen abgerichtet, und die liefert er. Worthülsen; er spricht von seiner emotionalen Unzulänglichkeit, von inneren Besetztzeichen, von Freiheit und sich fühlen wie tot sein. Dabei fühlt er nichts. Der reden-de Mann ist immer ein Schauspieler. Ein Werber, er rasiert sich die Brust, er geht zur Kosmetikerin, er ist ein Lappen.
Man wird die Gründe für das Ende seiner Liebe auch hinter Bergen von Platitüden nicht finden. Die er beherrscht, denn er hat Eric-Emmanuel Schmitt gelesen, und er hält das für Philosophie. Diese Sorte Mann geht auch, ohne eine neue Frau gefunden zu haben. Ihnen wird schaurig unwohl sein, in ihren fast homosexuell gestalteten Wohnungen.

Die Frau geht
Die Liebe der einfältigen Frau endet mit der Ausschüttung ihrer Hormone, einfachen Gemütes wird sie von Leidenschaft faseln, von Rausch, von Orgasmus, von Sich-Auflösen, was nicht mehr meint, als dass die Frau eine leere Grube da angelegt hat, wo ihr Inneres sein sollte. Es ist die Sorte, die von Romantik redet, Rosen meint und Kerzen, die mit anderen Frauen nicht so gut kann und musizierende Männer sexy findet. Sie wird immer einen neuen Rausch brauchen, wenn nicht Männer, dann Prozac, und wenn sie älter wird, bekommt sie De-pressionen und lernt Fremdsprachen. Spanisch. Was Feuriges.
Die einfältige Frau geht also, weil sie nicht mehr erregt ist. Und sie wird lange kitschige Abschiedsbriefe schreiben, über ihre Gefühle reden und sich darüber beklagen, dass er nie zugehört hat. Dass er unsensibel ist. Dass er sie nicht wahrnimmt. Sie wird das Gespräch suchen, und sie wird all den Dreck erzählen, den sie in Frauenratgebern gelesen hat. Es wird ihr nichts ausmachen, dass sie einen Menschen verletzt, denn was für sie zählt, ist: auf ihre Wahrnehmung zu achten, ihre sensitive Seite. Sie wird den Mann mit einer Flut von Sätzen überhäufen und nicht sehen, was sie tut, falls er sie liebt: Sie wird ihn traumatisieren. Ein Mann, der aus einer für ihn be-haglichen Beziehung geworfen wird, ist vergleichbar mit einem Kind, das seine Eltern verliert. Es wird lange dauern, bis er sich davon erholt hat. Er wird sich betrinken, mit Huren herumhängen, er wird schlecht schlafen und Gewicht ver-lieren. Das ist der einfältigen Frau egal. Sie ist schon wieder unterwegs auf der Suche nach Erfüllung, lassen wir sie ziehen.
Ist eine Frau bei Sinnen, weiss sie, dass ein Mann zwar zuhört, aber nichts zu erwidern hat, weil sein Kommunikationszentrum anders funktioniert als das ihre. Ist die Frau intelligent, hat sie ein Vergnügen an dem Mann, der neben ihr geht, der nicht gut zu reden weiss, aber sie sehr gern hat, und sie beschützen will, im Haus Dinge reparieren kann, und trinken will er, mit seinen Kollegen, weil die so angenehm ruhig sind wie er. Die kluge Frau wird einen Mann nur verlassen, wenn sie auf einen Schauspieler, siehe oben, hereingefallen ist, oder wenn die normale Tendenz des Mannes, sich zu zerstören, überhandgenommen hat, wenn er zu viel isst, trinkt, hascht, fremdgeht und ihr Wohlbefinden erheblich einschränkt. Sie wird wissen, dass es ausser «Ich will mit dir nicht mehr leben» nichts zu sagen gibt und wird vielleicht ein «Es gibt einen anderen» anfügen, weil das die einzige Botschaft ist, die Männer verstehen. Die kluge Frau wird einen klaren Schnitt machen, packen und gehen. Sie wird vielleicht nur einen Zettel hinterlassen, denn sie weiss: Es gibt keinen Weg, gut Schluss zu machen. Egal, in welcher Art wir uns von wem verabschieden: Es wird am Ende völlig egal sein.
Ist eine Verbindung zwischen zwei Sexualpartnern mehr als eine Affäre, überfrachten wir sie fast immer mit Erwartungen. Die simple evolutionäre Bedeutung einer Beziehung für die Brutaufzucht will für uns elegante, enthaarte Geschöpfe nicht mehr gelten, wir träumen von Symbiose, Partner, Freund, Mutter, Vater, das alles soll uns der andere sein, und ist es doch selten. Im guten Fall ist es einer, den wir ertragen, und im schlechten Fall muss man eben Schluss machen und wieder einsam durch die Gassen schleichen. Dazu hat man, mit Verlauf des Lebens, immer weniger Lust, auch hilft fortschreitendes Alter nicht bei einer Partnersuche, die doch meist biologischen Parametern folgt. Wer Schluss macht, erhofft sich eine Verbesserung für sein Leben, und die traurige Nachricht ist: Die findet sehr oft nicht statt. Das Leben wird selten besser, es wird nur weniger.

Susanne, 24, PR-Frau aus Zürich «Er sperrte mich aus seiner Wohnung, obwohl ich quasi bei ihm wohnte. Ich hatte einen Schlüssel, aber er stemmte sich von innen gegen die Tür, rief, er wolle mich nicht sehen, überhaupt nicht mehr. Ich hab gerast vor Wut, dass er mich sogar physisch von seinen Gefühlen aussperrt. Da wusste ich, ‹fertig›, bin heim und schrieb ihm ein SMS ‹Nicht mit mir, du Arsch›.»
Susanne, 24, PR-Frau aus Zürich «Er sperrte mich aus seiner Wohnung, obwohl ich quasi bei ihm wohnte. Ich hatte einen Schlüssel, aber er stemmte sich von innen gegen die Tür, rief, er wolle mich nicht sehen, überhaupt nicht mehr. Ich hab gerast vor Wut, dass er mich sogar physisch von seinen Gefühlen aussperrt. Da wusste ich, ‹fertig›, bin heim und schrieb ihm ein SMS ‹Nicht mit mir, du Arsch›.»
Sabrina, Eventmanagerin aus Zürich: «Ich bin ganz frisch getrennt vom Vater meiner Kinder – nach 21 Jahren Beziehung. Zu frisch, um darüber schon zu reden. Die Komik in der Tragik kann ich bisher nur darin sehen, wie mir plötzlich die Männer meiner Umgebung eindeutige Angebote machen, weil sie denken, ich bin jetzt so allein. Übel in der Beziehung verhielt sich auch der Freund einer Freundin: Er rief mich an, um sich über sie zu beklagen. Zum Schluss bat er mich allen Ernstes, meiner Freundin auszurichten, dass es nach fünf Jahren nun vorbei sei. Ich war stinksauer und sagte ihm, was er ist: ein Weichei.» | Dan Cermak
Sabrina, Eventmanagerin aus Zürich: «Ich bin ganz frisch getrennt vom Vater meiner Kinder – nach 21 Jahren Beziehung. Zu frisch, um darüber schon zu reden. Die Komik in der Tragik kann ich bisher nur darin sehen, wie mir plötzlich die Männer meiner Umgebung eindeutige Angebote machen, weil sie denken, ich bin jetzt so allein. Übel in der Beziehung verhielt sich auch der Freund einer Freundin: Er rief mich an, um sich über sie zu beklagen. Zum Schluss bat er mich allen Ernstes, meiner Freundin auszurichten, dass es nach fünf Jahren nun vorbei sei. Ich war stinksauer und sagte ihm, was er ist: ein Weichei.» | Dan Cermak
Nina, 49, Fotografin aus Zürich: «Nach einem Jahr Beziehung bekam ich von ihm ein SMS, dass er nicht mehr kommt. Ich las es immer wieder, fassungslos – ist das wahr? Mich hat es sehr verletzt. Ein SMS mit so schwerwiegendem Inhalt, das ist extrem feige: seine fehlende Bereitschaft, mit mir zu sprechen. Ich rief ihn an, er sagte, für ihn sei es anders nicht möglich gewesen.» | Dan Cermak
Nina, 49, Fotografin aus Zürich: «Nach einem Jahr Beziehung bekam ich von ihm ein SMS, dass er nicht mehr kommt. Ich las es immer wieder, fassungslos – ist das wahr? Mich hat es sehr verletzt. Ein SMS mit so schwerwiegendem Inhalt, das ist extrem feige: seine fehlende Bereitschaft, mit mir zu sprechen. Ich rief ihn an, er sagte, für ihn sei es anders nicht möglich gewesen.» | Dan Cermak
Conny, 29, TV-Moderatorin aus Freiburg: «Er ging für fünf Wochen allein in die Ferien. Ich freute mich sehr aufs Wiedersehen, aber die Freude war einseitig. Hätte ich ihn nicht drauf angesprochen, ob was nicht stimmt, wäre er weiter ausgewichen. Ich musste den Männern immer sagen, du willst nicht mehr. Die fanden, bin ich doch ein bisschen weniger nett zu ihr, dann merkt sies schon von alleine.» | Dan Cermak
Conny, 29, TV-Moderatorin aus Freiburg: «Er ging für fünf Wochen allein in die Ferien. Ich freute mich sehr aufs Wiedersehen, aber die Freude war einseitig. Hätte ich ihn nicht drauf angesprochen, ob was nicht stimmt, wäre er weiter ausgewichen. Ich musste den Männern immer sagen, du willst nicht mehr. Die fanden, bin ich doch ein bisschen weniger nett zu ihr, dann merkt sies schon von alleine.» | Dan Cermak
Sabrina, 20, Studentin aus Baden: «Er gab mir keine Antworten auf meine Fragen, zum Beispiel auf die, ob ich was falsch gemacht habe. Ging einfach. Nach zwei Monaten Funkstille, in der ich höllisch litt, meldete er sich. Jetzt sind wir wieder zusammen. Heute sagt er: Dafür, was ich dir angetan habe, solltest du mich schlagen. Ich habe ihm aber vergeben, ich liebe ihn ja noch.» | Dan Cermak
Sabrina, 20, Studentin aus Baden: «Er gab mir keine Antworten auf meine Fragen, zum Beispiel auf die, ob ich was falsch gemacht habe. Ging einfach. Nach zwei Monaten Funkstille, in der ich höllisch litt, meldete er sich. Jetzt sind wir wieder zusammen. Heute sagt er: Dafür, was ich dir angetan habe, solltest du mich schlagen. Ich habe ihm aber vergeben, ich liebe ihn ja noch.» | Dan Cermak

Die Diskussion

27 Reaktionen

  1. Maike Fischer

    Es ist doch Unsinn, den Männern immer wieder vorzuwerfen, sie könnten nicht über Gefühle reden.
    Das sinnlose Gequatsche in meinem Freundinnen-Kreis über Gefühle kann ich nicht mehr hören.
    Ich finde die Reaktion von Männern daher konsequent, denn wie kann frau/man sich anmassen, über Dinge reden zu wollen, die frau/man nur “fühlen” kann. Es heisst nicht umsonst “Gefühle”, und alles Gequatsche darüber kann nur ein unzulänglicher Versuch sein, diese Sinneswahrnehmung in Worte zu fassen.
    Können wir mit der Nase hören? Mit den Augen riechen? Mit den Ohren tasten? Also lasst uns aufhören, mit Worten fühlen zu wollen und schlimmer noch, von anderen das zu verlangen.

  2. Rolf Zopfi

    Verstehe leider nur Bahnhof, liegt wahrscheinlich an meinem Kommunikationszentrum. Eigentlich auch nicht so wichtig. Ich kann ja heute Abend bei einem Bier mit meinen Kumpels noch ein wenig darüber schweigen.

  3. Claudio Del Principe

    Wow, Maike Fischer. Grandioses Resümee.

  4. Diego Schratz

    noch so eine frau die meint, sie verstehe uns männer. von wo hat sie überhaupt ihre informationen? kann sie gedanken lesen? oder sind wir männer doch redseliger als sie behauptet. so oder so, es geht nicht auf. unterhaltsam ist der artikel übrigens auch nicht.

  5. marc christen

    ich finde diesen artikel recht freundlich.

    in unserer europäischen kultur steht das individuum vor der gruppe, und das auflösen von verbindungen ist sehr einfach und wird in vielen fällen sogar rege ermutigt. völlig zu recht! wie wir uns natürlich alle einig sind.
    ausserdem sind die meisten europäer sehr mobil und treffen tausende von menschen, und hormonausschüttungen sind halt nicht wortausschüttungen. ich glaube daran muss unsere kultur sich zuerst einmal gewöhnen, und neue rituale finden, und abgebrühter werden gegenüber dieser grossen weiten wahrnehmungswelt. an irgend einem schönen tag wird die dekonstruktion sich selbst dekonstruiert haben. dann wird vielleicht sogar das reden nicht mehr so wichtig sein. und schlussmachen und glücksuchen. hoffe ich jedenfalls.

  6. Hoc Chau

    jaja, Gefüüüühleeeee jesses redet ein Mann nicht über Gefühle ist er ein Macho, tut ers ist er ein Softie oder schwul…wissen denn die Frauen was sie wollen? Im Grunde genommen ob Mann oder Frau mann will das was man nicht hat. Einen über Gefühle redenden Macho gibt es leider nicht..

  7. Profile Pic
    Tobias Michael Frey

    toll wie gewisse frauen zu wissen scheinen, wie wir männer nach schema f funktionieren! es war meine ex die während den 11 jahren permanent fremd ging und alles ‘heimlifeiss’ vertuschte (ich vertrete übrigens die meinung, was männern seit jahrhunderten zusteht, sollen auch frauen dürfen). nur: als sie dann entlarvt war, ergriff sie ‘männlich’ die flucht nach vorne, machte einfach feige schluss, ohne weitere erklärungen. das fand ich dann – bei allem verständnis – nicht so toll … es war die hölle für mich!

    obwohl, im nachhinein müsste ich ihr sogar dafür danken … es ermöglichte mir, mit der für mich wunderbarsten frau auf erden zusammenzuleben.

    und: die berg will ernsthaft über ein thema schreiben. damit sie aber weder von der einen noch anderen seite den zorn der (gerechten?) götter auf sich lädt, versucht sie beide geschlechter möglichst neutral, die wogen eines sturms im wasserglas bereits präventiv glättend, zu beleuchten, ohne den von ihr sonst so gewohnten humor sowie biss mit lust an der offenen provokation.

    sibylle, bleib’ bei deinem genre, du gefällst mir besser so!

  8. Reto Ginsig

    Sorry liebe Sybille
    So geht das nicht.
    Eine so undifferenzierte und klischeehafte Darstellung von Frau und Mann habe ich schon lange nicht mehr gelesen.
    Falls das Deinen Bildern entspricht, empfehle ich Dir ein Update des homo sapiens 2009.
    Da geht die Post um einiges subtiler ab.

  9. Beat Eberhard

    Abschied

    Es ist bekannt seit langer Zeit
    alles verwäscht die Gewohnheit
    man gewöhnt sich an die Schönheit
    man gewöhnt sich an den Stress
    man gewöhnt sich an die Leisheit
    und an Nessie vom Loch Ness
    man gewöhnt sich an die Blödheit
    des ewigen Geschlechterkampfs
    oder an die grobe Schnödheit
    des partnerschaftlichen Trennungskrampfs

    Es ist ein jeder Abschied schwer
    und man bedauert hinterher
    sogar Abschied von einem Leiden
    kann manchmal Sorgen bereiten
    Wer hilft mir jetzt wo ich gesund bin
    zu Hilfe wenn ich auf dem Hund bin
    kommen sehr viele von Beruf
    was unsre soziale Umwelt schuf.
    Wer füllt nun meinen öden Tag
    wenn mich nicht ankeift wen ich mag?

    Die Frauen können wie die Männer
    Partner behandeln wie die Lämmer
    mal schlachten ausnehmen und dann
    tschüß bis vielleicht irgendwann
    Und schuld bist sowieso nur Du
    sonst mach ich jede Türe zu
    man setzt vor fertige Entschlüsse
    und spart sich die Gefühlsergüsse
    wer wollte den noch leiden sehn
    mit dem so manche Stunde schön! (?)

    Es braucht ein wenig den Hau-Ruck
    weil langsam dehnt sich wie Kautschuk
    und nimmt niemals ein wirklich Ende
    warum auch niemals kommt die Wende
    man reißt sich los und meistens dann
    wenn es der andere NICHT kann
    der wollte vielleicht schon viel früher
    doch traf ihn so ein Mitleidsprüher
    und die Absicht versank in Treue
    und der Sumpf bloppt dann aufs Neue
    bis man sich so recht gewöhnt
    dann des andern Abschied krönt.

    Ob privat oder Geschäftlich
    politisch oder familiär
    wiederholt, egal ob´s recht ist
    sich dieses Schauspiel mehr und mehr
    wird dann noch rechtlich eingerichtet
    so dass man besser ganz verzichtet
    denn single ist die Welt so schön
    und was das Singleleben krönt
    ist noch ein Single, der bekannt
    und beide erfahrungsgebrannt
    Zu zweit ist Single sein so toll
    ich kriege des Lobs den Text nicht voll.

    14. Feb. 2009 17h von B. Eberhard
    ©jeder dem es gefällt

  10. Profile Pic
    Alexis de Laurentis

    Genau das Verhalten das von Sibylle Berg den Männern attestiert, habe ich bisher durch Frauen erfahren. Ich habe zugegebenermassen nicht wenige Bekanntschaften seit der Web 2.0 Revolution. Die Mädels haben zwar Lobeshymnen parat und vordergründig scheint alles zu stimmen doch am Ende Melden sie sich dann doch nicht mehr. Einfach nicht mehr melden. Lange habe ich gedacht das man das heute einfach so macht, ich dachte das sei einfach state of the Art. Nun, am Ende geht es wohl Frauen und Männern schlicht einfach am besten so.

  11. golda meier

    witzig, dass nur männer sich zu einem kommentar genötigt fühlen… das könnte man jetzt arg psychologisieren… ich finde, die frauen sind in sibylles text auch nicht gerade fein weggekommen, c est la vie. am coolsten fänd ich, wenn ein mann jetzt denselben artikel schreiben würde, aus männlicher sicht und erfahrung. dann können wir nochmal reden, staunen und vielleicht etwas lernen.:)

  12. Profile Pic
    Peter Bucher

    Konnte herzlich über den Text lachen. Ist doch befreiend über ein so schwieriges Thema lachen zu können. Dass das nicht alles bitter ernst gemeint ist liegt ja wohl auf der Hand. Natürlich sind die Beziehungen zwischen Menschen viel komplexer und schwieriger und von den Männern gibt es tatsächlich mehr als nur zwei Sorten. Wollte man einen ernsten Text über das Thema schreiben würden wohl mehrere Bände im Umfang von Krieg und Frieden entstehen. Trotz der Verkürzung ist es gelungen einige typischen Facetten des Trennugsverhaltens des Homo Sapiens treffend einzufangen. Glückwunsch.

  13. Marie Senn

    ein schöner bericht, danke sibylle! trifft den nagel auf den kopf…

  14. Profile Pic
    Max Dauch

    Der Artikel ist hoffentlich mit viel Ironie gemeint (sonst wär’s tatsächlich sehr platt, Klischee reiht sich an Klischee.
    Der Schlussatz ist in jedem Fall ein klischeefreier Volltreffer.

  15. Dan Kupfer

    Über Gefühle reden ist wie übers Wetter reden: es ist mal besser mal schlechter. Warum also die Mühe machen?

  16. Lea Sophie Burger

    Wenn es eine gute Zeit für Mitarbeitergespräche gibt, dann ist sie im Fall von Frau Berg gekommen. Hier ein Vorschlag – zuhanden des MAGAZIN:

    Liebe Frau Berg
    In Zeiten wie diesen muss das Geben und Nehmen stimmen. Aufwand und Ertrag. Vorschusslorbeeren und Paybackäpfel. Konkret: Wie geben dir Dan Cermak, wir geben dir die Titelstory, wir geben dir den Valentinstag – und du gibst uns einen Text, zu dem der folgende Titel zehnmal besser passen würde: “Abhandlung über die geschlechterspezifischen Schubladisierungstechniken. Ein (müder) Versuch”.
    Würdest du nicht Sibylle Berg heissen, wäre der Durchschnittsleser nicht über die ersten Zeilen deines bemühenden, lebensfremden, pseudohumoristischen und misanthropen textuellen Felsweges geklettert. Wenn er es nun – wie im vorliegenden Fall – doch getan hat, muss er am Ende sagen: Mich reut die Zeit der Schulstunden, in denen mir das Lesen beigebracht wurde.
    Frau Berg – Sie sind unzumutbar!

  17. Karin Blatter

    Durch Blumen hindurch fragt er: Willst du meine Freundin sein? Sie empfindet, wie wenn zwei Puzzleteile sich zusammenstellen, also ergänzen. Gefühle gehen auf und ab bei ihr. Er will an der Beziehung bleiben auch nach dem ersten Krach. Zusammen bereiten sie das gemeinsame Leben vor durch viele gemeinsame Erlebnisse, Reisen und Kennenlernen der je anderen Familie und beider Freundeskreise. Sie wagen den Schritt in die Ehe. Nach einer längeren Arbeitsperiode mit dem üblichen Auf und Ab kündet sich das erste Kind an. Veränderungen machen Angst und rufen aber auch Kräfte für die Bewältigung hervor. Kinder bringen neue Herausforderungen. Die Frau ist eingedeckt mit dem Leben mit drei Kindern, der Mann packt im Haushalt an neben der Berufsarbeit. Es gibt viele verbindende gemeinsame Ausflüge und Unternehmungen in Haus und Garten. Gefühle austauschen bleibt ein schwieriges Unterfangen. Die vielen Beziehungen in Freundschaft und Bekanntschaft tragen den entscheidenden Teil zur Bewältigung der alltäglichen Spannungen, Missverständnisse und falschen Interpretationen bei. Doch mit der Zeit gibt es auch wieder Luft, die Kinder ziehen aus und es bleibt jetzt sogar Zeit für die Gefühle, die neu entfacht und neu entdeckt werden. Mann spürt etwas. Gibt zögerlich aber immer häufiger den Gefühlen Worte. Diese Entdeckung wäre nicht möglich, wenn die beiden vor 5, 10 oder 20 Jahren einander verlassen hätten….

  18. Sven Petersen

    Beim Lesen von Sybille Berg’s Text befällt mich folgendes Gefühl:
    welch abgrundtiefer Hass auf Männer da aus den Poren ihrer Worte trieft, wie Rotz aus einer Kindernase. Sie maßt sich als Frau an über Männer zu schreiben, wie wenn sie wüsste um was es
    eigentlich geht, aburteilen im kollektiv, ei ei ei, gefährliches Terrain. Solange wir die Eigenschaften männlicher und weiblicher Charaktere gegenseitig ausspielen
    in der Hoffnung, dass ich recht habe und der Partner nicht, hört dieses Welt-Theater-
    der Wort-Begattungen nie auf. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass der Versöhnungssex für diejenigen besser wird, die wieder zueinander gefunden und den Anderen eine schöne Reise in ein unbekanntes Land. Wie sagte mal mein Schwager:”Ein Schiff liegt sicher im Hafen, doch dafür wurde es nicht gebaut”. Ja vielleicht ist so ein Beziehungsende das Ende der Hafenzeit?
    Winken wir denen zu, die abreisen. Diejenigen die es bevorzugen im Hafen zu bleiben, die
    gönnen sich einfach mal einen neuen Anstrich oder bauen inwendig mal um, auch das ist gut so.
    Wer könnte da über einen anderen urteilen? Was wissen wir wirklich? UR-TEILEN.

  19. Federico Emanuel Pfaffen

    Mit Neugier habe ich diesen Artikel gelesen und mich beim Lesen immer mehr gewundert. Mich erstaunte, wie gross anscheinend der Graben zwischen der seelischen Konstellation der Frau und der des Mannes ist. Sind wir so weit vonainander entfernt oder ist dieser Artikel wiedermal, wie so viele, aufgebaut auf reiner Projektion ohne wirkliches, unvoreingenommenes Interesse am Gegenüber. Ist Mann und Frau wirklich vorallem nur ein Sündenfall?

  20. Leachim Tiis

    Der Artikel beinhaltet viel Wahres, allerdings auch genauso viel Unwahres. Bzw. eine schwer bekömmliche Mischung aus – zugegebenermassen amüsant zu lesenden – Spekulationen und persönlichen Vor- und teils sicher auch begründbaren -Urteilen.

    Nicht allzuviel halte ich davon; versuche mann dereinst als Mann einen ähnlichen Artikel mit umgekehrten Vorzeichen zu verfassen, man(n) dürfte froh sein, mit heiler Haut davonzukommen.

    Zu viel ist pauschalisiert auf beider Geschlechter Seiten. Nicht, dass ich die Thematik besser angehen könnte, aber, ich wäre mir dessen Gewahr.

    So, nice try, Ziel(e) getroffen (oder, darf man in diesem Kontext “betroffen” sagen?). Dennoch keine Massenvernichtungswaffen gefunden. ;)

    Mit oberflächlich vorgegaukelten Grüssen

    L. T.

  21. Thomas H.

    Da kämpft man sich durch einen Text voller Pauschalisierungen, quält sich Satz für Satz mit der Frage ‘Kann ein Weltbild wirklich dermassen einfältig sein? Und das selbst dann noch, wenn die Verfasserin erwiesenermassen dem Kreissaal ihrer Geburtsstätte entwachsen ist?’ und hofft, endlich die Passage zu finden, in welcher alles als Ironie demaskiert wird. Wäre da nicht der Schlusssatz gewesen, ich hätte glatt ein schlechtes Gewissen wegen wochenendlicher Zeitverschwendung gehabt. Aber zumindest der hat mich dafür entschädigt, dass dieses langweilige alles in einen Topf gewerfe selbst in einer Welt noch exisitert, die den Anspruch auf subjektive Entfaltung für sich in Anspruch nimmt. Auf jeden Fall den Satz zuletzt, den habe ich mir gemerkt. Darüber konnte ich nachdenken. Gelacht habe ich dann aber erst ab dem Kommentar von Rolf Zopfi. Danke Herr Zopfi! Trotz Ihrem defekten Kommunikationszentrum als Folge eines Geschlechtsleidens, Sie haben es geschnallt. Ich jetzt auch.

  22. Christian Kaul

    Getroffene Hunde bellen. Ich habe mich jedenfalls als Mann, dem Sibylle Berg vorher nicht bekannt war, köstlich amüsiert. Den Eindruck, dass Männer in dem Text zu schlecht wegkämen, kann ich nicht teilen.

  23. Martin M.

    Etwas vom Oberflächlichsten und Schlechtesten was ich je im Magazin gelesen habe. Sie kritisieren die leeren Worthülsen von gesprächigen Männern und gleichzeitig besteht ihr Text aus eben diesen Worthülsen. Die wenigen Wahrheiten in ihrem Text (z.B. der letzte Satz, dass wir wahrscheinlich ewig auf der Suche nach dem ‘perfekten’ Partner sind) sind alles Aussagen, die wir doch schon hunderte Male gehört haben. Auch den Typus der Frau, die zu emotional ist und deshalb Depressionen kriegt, ist so stark pauschalisiert, dass einem dieser Artikel im echten Leben einfach rein nix bringt. Ich frage mich (ebenfalls wie Thomas H.) wie ein Weltbild dermassen einfältig sein kann.

  24. Profile Pic
    Peter Bucher

    Wusste als Mann nicht, dass Männer so humorlos sind. Ab den Kommentaren kann Mann und Frau ja nur kichern.

  25. guida kohler

    Behandelt sie wie Helden, und sie werden euch auf Händen tragen: mein Motto, das uns beide glücklich macht. Augenzwinkernd natürlich, denn schliesslich wissen wir beide, was wir tun … Und noch etwas hat mir in der Frau/Mann-Kommunikation sehr geholfen: ein männlicher Freund (nicht sexuell, wohlverstanden!). Der männliche Freund, der den Mann versteht, ihn mir in Ruhe erklärt, über die alltäglichen Missverständnisse mit mir gemeinsam lacht … und nicht wie eine Freundin nur beipflichtend nickt und damit manchmal das ganze Missverständnis zwischen ihr und ihm verhärtet. Aber klar: Es braucht auch sie, denn manchmal will man schliesslich auch nur einfach verstanden werden … Das Ganze gilt übrigens auch für ihn: Nebst Freunden tut wahrscheinlich auch ihm eine Freundin ganz gut, die ihm ruhig erklärt, wie eine Frau eben tickt. Mann-Frau: eine Horizonterweiterung, kein Kampf!

  26. christian vonaesch

    Ein Verhalten analog dem beschriebenen Abgang der Frau noch als klug zu bezeichnen finde ich zynisch und reichlich oberflächlich, unabhängig von Geschlecht und Alter, ungeachtet des Scherbenhaufens, an dem es bekanntlich beide beteiligten Parteien gibt. Einfach nicht zu Ende gedacht, einfach vor der Landung aufgehört mit fliegen. Soll sich dann keiner wundern über den penetranten, schalen Nachgeschmack welcher sich über einer solchen Geschichte niederschlägt. Sogar als Mann finde ich S.Bergs Beitrag zu diesem Thema teils genial und treffend. Trotz unserer kurzlebigen und mit virtuellen Hilfsmitteln verseuchten Zeit sind einige grundlegende Werte hochzuhalten. Oh doch, in der gegen unten offenen Skala des Schlussmachens existiert eine Abstufung, welche von mittel- bis saumässig reicht. Da gibt’s für mich nur eines: Hinstehen, in die Augen schauen, reden – Punto, basta.

  27. #Twitter – Eine Anleitung und eine Bilanz « Ws Blog

    [...] – Sibylle Berg mag ich ohnehin, aber sie twittert auch sensationell. Und hier noch ein toller Text von [...]

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