01.05.2009 von Dieter Bachmann , 12 Kommentare
«Sta benino», sagte der Tierarzt, eine merkwürdige Verquickung von Aufmunterung und ihrer gleichzeitigen Einschränkung. «Es geht ihm ganz gut.» Ganz gut? Der fragile Befund betraf einen Hund, der eine Portion Gift gefressen hatte, die der Veterinär T., dergleichen Unheil eigentlich gewohnt, als «ungeheuerlich» bezeichnete. Die Aufmunterung galt ihnen, der Frau und dem Mann, die den Hund in die Praxis getragen hatten; sie brauchten den Zuspruch. Der Hund, nur ein Hund, ein Schmerz leidendes und Schmerz erzeugendes Stück Elend in einem roten Fell, hatte immerhin die Nacht überlebt, mit Infusion und Gegengift und bei dem Veterinario zu Hause, der den Hund nicht unbeobachtet lassen wollte.
Nun stand dieses Tier mit gesenktem Kopf, den Schwanz zwischen den Hinterläufen, wieder auf dem glatten Boden der Tierklinik. Es stank nach dem Erbrochenen und dem Kot, und dem Gift in dem Erbrochenen, das es herausgewürgt hatte und mit dem es, eine Hündin, die sich immer wie eine Katze sauber leckte, ihr Fell besudelt hatte. Sie war schmal und kraftlos, und sie zitterte.
«Sta benino?» G., T.s Partner in der Clinica Veterinaria, schaute skeptisch vom Hund zu den Haltern, sagte aber nichts.
Das war am Vormittag des ersten Tages im neuen Jahr. Am Abend zuvor, am 31. Dezember nachmittags um vier, es dämmerte, hatte der Hund auf seinem täglichen Spaziergang das Gift abgekriegt. Einer dieser Giftbälle im Unterholz, die es in sich haben — nämlich, wahlweise oder kombiniert, Unkrautvertilger, Insektizide, Schädlingsbekämpfungsmittel, Schneckenkörner, Methaldehyde, gegen die es kein Antidot gibt, Strychnin, etwas schwerer erhältlich, und andere Schweinereien, eingepackt in eine Schicht Fett oder Fleisch.
Der Hund tut, was ihm seine Natur vorschreibt: Er kostet nicht, er schlingt. Nach zwei bis vier Stunden tritt Schaum aus dem Maul, Kot fliesst, unkontrolliert. Muskelkrämpfe, Herzmuskelkrampf. Innere Blutungen. Paralyse. Ein Teil der Gifte geht auf die Lunge, Atemnot, schwarze Zunge, Tod durch Ersticken. Andere wirken aufs Gehirn. Wenn der Hund davonkommt, bleibt er nicht selten geschädigt, hat Nachwirkungen, eine chronische Hepatitis, eine Pankretitis oder neigt zu Epilepsie.
Am zweiten Januar, am frühen Morgen um vier Uhr, wiederum in der Praxis in B., gab T. dem Tier endlich die erlösende Spritze. Das Gift hatte den Hund vor den Augen der Frau umgebracht, in endlosen Nachtstunden, in denen man um sein Leben kämpfte, qualvoll, mit Krämpfen, Atemnot, Angst und Schmerz. Einen Hund, der während den fünf kurzen Jahren seines Lebens nichts als Freude, Liebenswürdigkeit, Aufmerksamkeit, Zuneigung und Zärtlichkeit gewesen war. Die letzte Spritze, dann streckte sich das Tier endlich, legte noch einmal die Vorderpfoten vor sich hin, ganz wie im Leben, und ergab sich.
Ein Hund, nur ein Hund.
Phänomen polpetta
Der tote Hund blieb in der Praxis. Sie hätten ihn nicht begraben dürfen, den Gefährten, der nun zum Giftköder geworden war. Der würde, sagte der Veterinario, wenn sie nach ihm scharrten, weitere Tiere vergiften — den ganzen Boden um sich herum.
Es ist banal zu sagen, es werde nie mehr so sein, wie es war. Es ist banal zu wissen, dass es diesen, diesen einen und also speziellen Hund nie mehr geben wird. Aber es ist sehr bitter, das bis in die verschwiegenste Tiefe zu spüren, dort, wo die Geheimnisse der Zuneigung, der Zärtlichkeit, der nie zu sättigenden Liebe verborgen sind. Eine Hand schneidet in dein Inneres, und die Verletzung wirkt nach, wie das Gift in dem Tier gewirkt hat: Es frisst sich hinein, langsam tiefer.
Zwei Monate später wird das Wetter milder; eine Amsel singt am Abend. Drei Monate später der erste Kuckuck. Der Hund fehlt. Hund, sitz! Hund, bleib! Aber Hund läuft nach. Hund, warum läufst du mir überall nach, nach Siena, nach Zürich, nach Tübingen, ans Meer? Hund muss laufen, war nie in Tübingen, nur einmal am Meer. Hund ist nicht genug gelaufen.
Er zuckt jedes Mal zusammen, wenn er einen Hund sieht, der seinen Halter an der Leine hinter sich herzieht. Warum lebt dieser Hund? Der Mann weiss von nichts, trottet unbeteiligt vorbei, eher mürrisch, als sei ein lebender Hund selbstverständlich.
In Tübingen steht man auf der Brücke und schaut in den Neckar. Tauben fliegen, auch eine Ente. Eine Frau kommt mit einem kleinen Jungen vorbei — hat der beim Anblick der Vögel «Piffpaff» gesagt? Ein Sprachfetzen in der Luft, die Mutter sagt: «Noi, lass des, mer schiesst nit auf Tiere.» Das ist in einem andern Land —
Wie geht es euch?
Stiamo benino.
Die Gedanken kreisen um immer die gleiche, die unergiebige Frage: Was sind das für Menschen?
Am Abend klingelt das Telefon. Die Freunde in V., vierzig Luftlinienkilometer Distanz, Knusperhäuschen im Wald, Jägerland, wie überall hier. N.: Ihr kleiner Hund sei tot.
Wie das?
Einfach gestorben, als sie vom Spaziergang nach Hause kamen. Habe Schaum vor dem Maul gehabt, gekotet, habe gezittert, sich gekrümmt und sei tot gewesen.
Es braucht nicht viel Unkrautvertilger, um einen so kleinen Hund in die Unterwelt zu befördern. Er trifft dort auf ein Heer von Leidensgenossen. Auf eine Menge von Hunden, aber auch Füchsen, Dachsen, Wieseln, Falken, Eulen und Käuzen, die am gleichen Gift verreckt sind. Mag sein, es gesellt sich auch ein Wolf, ein Bär zu ihnen.
N. weint. Sie haben den Hund unter der Mimose begraben.
So machen es die meisten.
E., zu Besuch aus der Schweiz, hat neun Jahre im Piemont gelebt. Es sei dort genau das Gleiche, sagt er.
Hier wiederum, im Dorf haben sie einer Frau die Polpette auf die Gartenterrasse geworfen. Die Terrasse liegt sechs Meter über der Strasse, wohlverstanden. Drei Hunde sind ihr elend verreckt.
Giorgio M. berichtet, auch ihm ein Hund gestorben, ein Jagdhund, der beste.
Wo?
In seinem Zwinger.
Wie war das möglich?
Das Haus war für einen Augenblick unbewacht —
T. und G. sprechen von vierzig bis fünfzig Fällen in ihrer Praxis pro Jahr. Der Kollege in B. zählt «vielleicht zwanzig». Meint er Todesfälle? Denn nun, im April spricht er davon, er habe gegenwärtig «jeden Tag einen vergifteten Hund».
Dabei werden die meisten Tiere nicht dem Veterinär gebracht. Sie sterben einsam und werden einfach verscharrt. Die Dunkelziffer ist gigantisch. Es müssen, allein in Umbrien, Tausende von Fällen sein pro Jahr.
Das Gift ist das, was die Jäger in diesen Breiten einem Hund zuteilen, der sie stört, ärgert oder dem sie, selbst unheilbar stumpf, das Leben neiden. Der Zusammenhang zwischen Jagd und Gift ist ganz direkt. Und das Gift ist die Eiterbeule auf dem Körper der Jagd, der noch ein paar andere Schwären hat, zum Beispiel die wahllose Knallerei auf die Vögel (legal) oder das Verwenden von Lockvögeln bei der Vogeljagd (legal). Ein gesellschaftlich gut verankertes System, in dem der Brauch den Missbrauch immer gleich nach sich zieht: das Schiessen das Liegenlassen der Patronenhülsen; das Feuerchenmachen die Plastikflaschen und den übrigen Abfall; die Vogeljagd das Zurechtsägen- und -schneiden von Busch und Baum auf dem Gelände des anderen; der Neid auf den anderen, der einen guten Baum zum Aufhängen seiner Lockvögel gefunden hat, das frevelhafte nächtliche Fällen der hundertjährigen Eiche.
Revier der Niedertracht
Aber der vergiftete Köder, den sie eine «polpetta» nennen, ausgelegt gegen den Hund des anderen und selbstverständlich strafbar, ist der grosse Skandal — ein Verbrechen, das zugleich eine Gewohnheit ist.
Die fragliche Zone in der näheren Umgebung erstrecke sich über den ganzen Hügelzug zwischen Spoleto und Torgiano, also über ungefähr sechzig Kilometer. In Sansepolcro im oberen Tibertal seien in einer einzigen Saison über hundertzwanzig Hunde vergiftet worden, Trüffelhunde, die ein Truffatore dem andern geneidet hat, sagt T. In seinem Dorf hat er erlebt, dass die Giftbälle im Strassengraben und am Wegrand ausgebracht worden sind. Da helfe es dann auch nichts mehr, den Hund an der Leine zu führen.
«Nach Aussagen von Caccia il cacciatore sterben in Italien jährlich Tausende von Tieren aufgrund illegaler Giftaktionen», schreibt Sabine Middelhaufe auf ihrer Homepage «Hund und Natur», «besonders in der Toscana, in Umbrien, in den Abruzzen, in Lazium, in der Emilia-Romagna, im Veneto und in Kalabrien.»
Wo nicht?
Im engeren Umkreis ist jeder Zweite betroffen.
Was sind das für Menschen? Wie kaputt, wie frustriert muss so einer sein? Ein Mensch genau so wie der Giftball, den er wirft. Aussen Fett und innen pures Gift.
Oh, ihr wohnt halt in einer besonders heissen Ecke, sagt in der Praxis von M. in B. ein Typ, der sich gleich wieder den Vögeln zuwendet, die er, einen nach dem andern, aus einer Schachtel greift, in der es raschelt und flattert. Lockvögel. Dr. M. ist daran, einen nach dem andern mit einer Sonde in den Leib zu stechen, um ihnen durch das Okular in den Bauch zu schauen: männlich oder weiblich? Es geht darum, eine gute Lockvogelzucht einzurichten. Das ist übrigens, so wie es hier vorgenommen wird, legal. Einen Vogel, der einen verkreuzten Schnabel hat, befördert der Typ gleich an die Luft. Vielleicht kommt er ja durch, trotz seiner Deformation. «Wenn er Glück hat», sagt der Typ; der Tierarzt lächelt. Das Einfangen der Vögel, übrigens, ist Sache der Provincia, welche die Vögel beringen lässt und sie so als «offizielle» Lockvögel kenntlich macht, eine Massnahme, die verhindern soll, dass jeder seine eigenen Lockvögel fängt und in den Käfig steckt…
Andere kommen und bieten gleich einen neuen Hund an. Es ist noch ein Pinscher übrig aus dem letzten Wurf. Es spielt für sie keine Rolle, wenn ein Hund stirbt, denkt der Mann.
Und die Polizei? Wir machen lieber Vorbeugung, sagt der Carabiniere, schwammig, dem der Mann den Fall meldet. «Man meint immer, die Polizei jage Tag und Nacht irgendwelchen Tätern hinterher», doziert er, «doch unsere Arbeit ist eine andere, nämlich die, das Verbrechen zu verhindern.»
Und wie das?, denkt der Mann. Wann fangt ihr damit an?
Das war nun ihr dritter toter Hund. Dieser aber hatte schon zum zweiten Mal Gift gefressen. Im vergangenen Mai hatte der Tierarzt ihn noch einmal gerettet. Der Hund würde durch die Vergiftung gewarnt sein, dachten sie, dumm genug. Aber Hund hatte nicht kapiert. Der Mann und die Frau waren zu sorglos geworden. Eine verhängnisvolle Schwäche im Revier der Niedertracht.
Der ballernde Bürger
«Das ganze System der Jagd ist schlecht», sagen G. und T., die Tiermediziner, als wir uns nach Dienstschluss in der Praxis zu einem Gespräch treffen, das helfen soll zu verstehen, was Ausländer so schwer verstehen. «Die Aufsicht der Jagd ist unzureichend. Die Carabinieri rücken nicht aus, weil sie nicht mehr die Mittel dazu haben. Wir sind nach dem neuen Gesetz gezwungen, jeden Fall der Polizei und dem jeweiligen Bürgermeister direkt zu melden. Aber die Kosten der dafür nötigen Analyse gehen zu Lasten des Hundehalters. Welcher Hundehalter nimmt das auf sich? Der Hund ist ja tot. Diese Unkrautvertilger, die Schneckenkörner, andere Gifte wie die Strychnine dürften nur an eingetragene Landwirte (coltivatori diretti) und gegen Unterschrift abgegeben werden. Aber sie sind alle für jedermann leicht zu bekommen.»
Der direkte Zusammenhang der Vergifterei mit der Jagd ist offensichtlich und mehrfach begründet. Die Jäger hassen frei laufende Hunde, weil sie befürchten, die Tiere würden das Wild belästigen, «ihr Wild», oder was davon überhaupt noch übrig ist. Und kaum ist die Jagdsaison zu Ende, setzen sie Jungtiere aus, Hasen, Fasane.
Hunde würden das Wild nicht gefährden, meinen dagegen jene luxemburgischen Parlamentarier, die vor ein paar Jahren dreizehn Forderungen für ein neues Jagdgesetz aufgestellt haben. «Haushunde entfernen sich allenfalls kurzfristig aus dem Sichtbereich ihres Besitzers. Im Gegensatz zu frei laufenden Jagdhunden sind Haushunde nicht dazu ausgebildet, Wildtiere aufzustöbern, sie lang andauernd zu verfolgen oder sie abzuwürgen. Die Todesursache von Reh, Wildschwein, Hase, Fasan, Rebhuhn und so weiter durch Hauskatzen oder Haushunde ist so gering, dass sie in Studien als ernst zu nehmender Todesfaktor gar nicht vorkommen.»
Die Jäger, sagt man hier, schützen im Frühling ihre frisch ausgesetzten Jungtiere — Fasanen, Hasen — mit dem Giftköder vor streunenden Hunden und dem Fuchs, den sie jetzt nicht jagen dürfen. Bloss, die Fachleute halten nichts vom Aussetzen von Jungtieren zwecks Aufstockung des jagdbaren Wildbestands. Im Gegenteil. Wildbiologen definieren nur jene Tiere als «Wildtiere», «die ohne Dazutun des Menschen entstanden sind und über viele Generationen in freier Natur leben, sich in ihr unbegrenzt fortbewegen und ernähren sowie sich frei fortpflanzen». Den ausgesetzten Tieren fehle das Fluchtverhalten. «Der für das Wildtier bedeutsame Funktionskreis der Feindvermeidung existiert nicht mehr.» Und also: «Die Auswilderung gezüchteter Jagdtiere muss als Aussetzen domestizierter Tiere betrachtet werden.»
Zwischen Luxemburg und Italien liegen einige hundert Kilometer, und eine andere Weltanschauung. Jagd ist hier Schützenfest. Enten werden mitunter aus Betonunterständen heraus geschossen, wie Tontauben. Und gezüchtete Fasanen werden im Schiesspark von «Jagdhelfern» um den Kopf gewirbelt und dann vor der Flinte des Jägers freigelassen.
Der Weg Italiens
«Indifferenza», Gleichgültigkeit, Verantwortungslosigkeit nennen G. und T. als Konstante des italienischen Umgangs mit dem Tier, ein anderes Wort für den berühmten Menefregismo. Indifferenza als Abwesenheit jener alten, vielleicht archaischen Beziehung des jagenden Landbewohners zur Jagd, einer Kultur, die, wie Dr. M. in B. bestätigt, «vom Grossvater auf den Enkel weitergegeben wurde».
«Natürlich waren hier immer alle Jäger», sagen G. und T., «man sieht das auf alten Fotos. Jäger mit Verstand. Dann, ab den Sechzigerjahren, wurden die Bedingungen für ein Patent immer einfacher. Es gibt heute nicht nur zu viele Jäger, über 40 000 allein hier in Umbrien — es sind nun viel mehr Junge dabei, die nicht mehr aus den Dörfern kommen, und die zu ihrem Vergnügen jagen gehen. Das hat etwas mit dem Wandel von einer ruralen zu einer industriellen Gesellschaft zu tun. Und mit der Zerstörung des gesellschaftlichen Gewebes durch diese Umwälzung. Die Selbstverantwortlichkeit des Einzelnen geht immer mehr zurück: Das ist der Weg, auf dem die italienische Gesellschaft durch Berlusconi bestärkt worden ist. Jeder schaut für sich selbst. Das heisst auch: Jeder macht was er will.»
In Kleinstädten von 5000 bis 10 000 Einwohnern lebten die meisten Befürworter der Jagd, sagt eine Untersuchung — genau solchen Städtchen, wie sie es hier ringsumher gibt, von denen aus man in zehn Minuten in den Hügeln der Umgebung ist.
Man sieht es ihnen an, denkt der Mann, diesen geschniegelten Typen im Vietnamlook, die Hosen gebügelt, die Jacke makellos, das Gewehr im ledernen Futteral, wenn sie am Wochenende und oft mal schnell zum Abendschüsschen aus ihren silberfarbenen neuen Jeeps und SUVs steigen. Neureiche einer spezifischen italienischen Art. Vielleicht suchen sie Anschluss an eine Vergangenheit, von der nichts übrig ist, denkt der Mann, in einer Landschaft, die zerstört wird von der Gier ihrer Eltern — und wo immer mehr Fremde wohnen, Bauerndarsteller und Ziereremiten, die ihnen die Jagd vermiesen.
Zu reich
Roberto Conticelli ist stellvertretender Chefredaktor der Umbrien-Ausgabe von «La Nazione», neben dem «Corriere dell’Umbria» die zweite grosse Lokalzeitung. Aus Orvieto gebürtig, ein Rand-Umbrer aus dem Tibertal, ehemals Etruskergebiet, schon römisch orientiert, stimmt für die Rechte, wenn auch nicht unbedingt für Berlusconi. Er kenne die hier traditionell regierenden Linken zu gut.
Wie siehst du die Jagd, hier in Umbrien?
Ich denke, man kann nicht grundsätzlich gegen die Jagd sein. Nur müssen ihre Regeln, ihre Normen respektiert werden, und zwar fine in fondo. Ich wünsche mir Kontrollen, die sicherstellen, dass angehalten wird, wer in der Nähe von Häusern schiesst. Wenn die Kontrolle nicht funktioniert, muss der Bürger anzeigen, dass er Opfer von Aggressionen ist.
Du weisst, dass solche Kontrollen nur auf dem Papier existieren?
Das ist leider ein allgemeines Übel in Italien und betrifft nicht nur die Jagd. Reden wir mal von der automobilistischen Praxis hier. Es wäre zum Beispiel auch verboten, mit dem Cellulare zu telefonieren — ich sehe ganze Kolonnen von Automobilisten mit dem Telefonino am Ohr.
Die auf der Autobahn rechts überholen…
…die auf der Autobahn rechts überholen und so weiter. Wenn wir in Italien besser leben sollen, braucht es mehr Kontrollen, schärfere Sanktionen.
Man könnte ja auch auf Erziehung setzen.
Das aber gibt es nicht mehr in den italienischen Schulen, etwas, das einmal Bügerkunde, educazione civica, hiess. Dem Schulkind wurde gelehrt, wie man mit anderen Menschen zusammenlebt. Das wurde abgelöst durch das Fernsehen — welches falsche Signale gibt: die der Macht, des Erfolgs, von Geld. Ich bin mehr als du, denn ich habe ein schöneres Auto als du, ein schnelleres. Ganz falsch. Es müsste gelehrt werden, wie man den anderen respektiert. Aber leider ist das unter den 1500 Schulreformen einfach verschwunden.
Haben die Auswüchse der Jagd in diesem Land etwas zu tun mit dem besonderen Verhältnis zur Natur? Wir aus dem Norden haben ja oft den Eindruck, dass für euch Italiener das Tier eine Sache ist — und nicht ein Lebewesen.
Der Italiener hat, sagen wir, ein spezielles Verhältnis zum Tier. Ich würde aber nicht von Missachtung sprechen, sondern von einem manchmal krankhaften Affekt. Der Italiener hat ein grosses Herz, das bringt ihn dazu, etwas wie seinen persönlichen Besitz zu lieben und umgekehrt die Dinge der anderen gering zu schätzen. Ich kenne Leute, die lieben ihre Hunde über alles — aber ihre eigenen, nicht die der anderen.
Ein Jäger kann also die eigenen Hunde vergöttern und die des anderen vergiften — ganz schön schizophren…
Das ist aber nicht der Jäger, sondern die Person, die ein Problem hat. Ein normaler Jäger braucht seine Hunde und respektiert die des anderen, er schiesst nur auf erlaubte Arten, manchmal schiesst er überhaupt nicht. Wenn aber einer die Tiere nicht mag, schiesst er auf alles. Wenn einer Hunde vergiftet, hat er etwas Krankes in sich, vielleicht tut er es, weil er nicht gut einen Menschen umbringen kann.
Ist der Giftball, die Polpetta, ein archaisches Phänomen?
Ich glaube, es ist ein modernes Phänomen, und ich glaube, in der Vergangenheit hatte man mehr Respekt für die Tiere. Früher hat man sich abends vor dem Kaminfeuer getroffen; der Grossvater erzählte dem Enkel, wie man Oliven pflegt und überhaupt wie man lebt. Heute zählen mehr die Sachen und weniger die Lebewesen. Auch die Lebewesen sind eine Ware geworden. Der Italiener, der es zu Geld gebracht hat — und das ist die ganze Mittelschicht —, langweilt sich mit dem, was er erworben hat. In jedem Haushalt gibt es zwei Autos, drei Fernseher. Man kann sich die Langeweile vertreiben, indem man solche Schandtaten begeht.
Da kommt mir Albert Camus und sein Begriff der «Leere» in den Sinn. Der Mord in «Der Fremde».
Ja, la noia, das ist die existenzielle Erfahrung. Das ist nicht die Langeweile des Siebzigjährigen, denn dieser ist ein Experte, ein Erfahrener. Es sind die Vierzigjährigen. Der Vater hat sich noch anstrengen müssen, der Sohn findet sich vor der pappa fatta. Wir sehen zum Beispiel auch in Brasilien, dass es zwischen dem wachsenden Wohlstand einer bestimmten Bevölkerungsgruppe und ihren zunehmenden Lastern einen Zusammenhang gibt: im Gebrauch von Drogen. Die Droge ist in bestimmter Hinsicht eine Begleiterscheinung des Reichtums.
Das wird mir ein wenig zu allgemein. Ich habe den Eindruck, dass die Hundevergifter keine Jungen und keine Neureichen sind, sondern Alte, die ihr Recht verteidigen, in einer ehemals verlassenen Gegend zu jagen, und dass sie dieses «Recht» verteidigen, indem sie sich benehmen, wie es ihnen passt.
Das würde bedeuten, dass das Phänomen mit dem Heranwachsen einer neuen Generation erledigt wäre. Ich fürchte aber, dass dem nicht so ist.
Die Regierung Berlusconi lebt vor, dass der sich durchsetzt, der sich seine eigenen Regeln macht. Dass jener Erfolg hat, der rücksichtslos ist.
Einverstanden. Aber dazu hätte es die Zeit unter Silvio Berlusconi nicht gebraucht. Das gibt es seit vielen Jahren, dass man anfängt, die Gesetze zu seinen Gunsten zu ändern, sobald man an der Macht ist. Das gilt für die Rechte wie für die Linke.
Ich sehe, dass Italiener immer und überall über Politik debattieren, aber ich glaube, da ist viel Rhetorik. Ich vermute, sie glauben im Grunde an nichts und niemanden mehr und tun genau das, was ihnen persönlich in den Kram passt.
Stimmt. Es gibt ein Bonmot in Italien, es lautet «Piove? Governo ladro!». Es regnet? — Das ist wieder diese Schurkenregierung! Schuld sind immer die andern, im Zweifelsfall die dort in Rom. Umgekehrt, und das wäre eine gute Erklärung für das Phänomen Berlusconi, ist der Italiener immer auf der Seite des Gewinners. So wie Ennio Flaiano einst sagte: L’italiano corre sempre in soccorso del vincitore. Es ist ein Wunder, wenn wir einmal solidarisch sind mit den anderen.
Natur des Menschen
In Rom wird Anfang März im Senat der Entwurf eines neuen Jagdgesetzes eingebracht. Senator Franco Orsi aus Ligurien, Mitglied von Berlusconis «Polo della Libertà», stösst selbst in den eigenen Reihen auf Widerstand. Doch die Vorschläge bleiben auf dem Tisch. Sie entsprechen dem, was der Berlusconismus, eine Ideologie ohne Ideologie, Politik als Politikdarstellung, ohne Inhalt, freilich mit dem leicht erkennbaren Ziel der individuellen Bereicherung, unter «Deregulierung» versteht. Eine Art von Liberalisierung, die Gesetze auf Rechtlosigkeit zurückbaut.
Kernpunkte: Herabsetzung des Alters für das Jagdpatent auf sechzehn Jahre. Jagderlaubnis in Naturparks «für geringe Stückzahlen» und «zur Kontrolle des Wildbestands». Um das Jagdverbot in den Parks aufzuheben, um Hirsche, Wölfe, aber auch Katzen und Hunde als «schädlich» zu klassieren und zum Abschuss freizugeben, würde ein Beschluss des zuständigen Sindaco genügen.
Des Weiteren Aufhebung der Höchstzahl von Lockvögeln, heute vierzig pro Jäger, und Aufhebung der ihrer Identifikation dienenden Beringung. Und wenn die Jagd heute noch an ein Territorium gebunden ist, würde man in Zukunft mit dem Gewehr den Vogelzügen nachreisen können, «gegen Meldung und kleine Gebühr».
Die Tierschützer, eine unbedeutende, kleine Rotte von Kläffern, heulen auf. Es ist in wenigen Jahren der zweite Versuch der Regierung Berlusconi, die Jagd zu «deregulieren». Die Ambientalisten befürchten zum Beispiel, dass die Aufhebung der Beringungspflicht nur ein Trick ist, der es erlauben würde, lebende Vögel in Käfige zu packen, sie als Köder in die Bäume zu hängen, um sie nachher auf den Spiess zu stecken für die «Polenta e osei».
Eine Verlängerung der Jagdsaison von heute fünf auf acht Monate wird erwogen. Und geht es nach Franco Orsi, wird man in den «aziende faunistico-veneratorie», den Vergnügungsparks für Jagdwütige, das ganze Jahr über schiessen können — ohne jede Lizenz oder Ausbildung. Die gefangenen Tiere werden in diesen Lunaparks für ihren Abschuss jeweils freigelassen.
Last not least: Wer die wenigen verbleibenden Regeln verletzt, wird mit Seidenhandschuhen angefasst. «Für Wilderer, die auf frischer Tat ertappt werden, würde es genügen, eine Busse zu bezahlen, um ihre Waffe wieder zu kriegen», schreibt Roberta Carlini im «Espresso». Um unverzüglich weiterzuschiessen.
«Cicogna uccisa da un bracconiere» steht im März im «Corriere della Sera»: Ein Wilderer hat in Correggio, Reggio Emilia, einen brütenden Storch aus dem Nest herausgeballert. Der war so unvorsichtig, den Kopf zu heben. Die fünf bebrüteten Eier sind verloren, eine mehrjährige Aufbauarbeit an diesem Nistplatz ist zerstört. Übrigens ist in der betreffenden Zone die Jagd ohnehin verboten.
«Die Jagdvorschriften zu lockern und die Kontrollen zu vermindern heisst, ein miserables Zeichen zu setzen. Dieses steht im Gegensatz zur Notwendigkeit, die Illegalität im Umgang mit der Umwelt zu bekämpfen und sich mit Natur und Landschaft zu versöhnen», kommentiert Elena D’Andrea, die Direktorin der italienischen Organisation für Vogelschutz — gegen das in Rom neu ausgeheckte Jagdgesetz.
Über den Schützen und eine allfällige Strafverfolgung ist im «Corriere» nichts zu lesen.
Die Versöhnung mit der Natur kommt später, wenn es sie nicht mehr gibt.
Auf Rai Tre, in der Sendung «Che tempo che fa», macht Luciana Littizzetti, ein kleiner, frecher, blonder Kobold, am folgenden Sonntag den Vorschlag, die Jagd endlich auch in den zoologischen Gärten zuzulassen.
Aber diese Regierung braucht keine Komiker. Sie ist immun gegen Satire. Für die Groteske sorgt sie selber. Eine Groteske wie von Dürrenmatt, ein bitter-komisches, jedoch mörderisches Schauspiel.
Oder, wie Gottfried Keller schrieb: «Abermals ein Zeichen von der um sich greifenden Entsittlichung und Verwilderung der Leidenschaften».
Auf dem Land ist es inzwischen Frühling geworden.
Wie geht es euch?
Stiamo benino. Nur, der Hund fehlt.
Da machen sie jetzt ein Feuer.
Sie verbrennen seinen Korb. Die anderen Sachen haben sie längst vernichtet, die Hundedecken, die Matte, die Tücher, alles, was der Hund in seinen letzten Stunden verschmutzt hat. Die beiden Tierärzte in L. waren deutlich gewesen: Alles vernichten! Man kann sich selbst dran vergiften.
Auch Erinnerung kann Strychnin sein —
«Hier gibt es die Lupara nicht», die sizilianische Flinte mit dem abgesägten Lauf, haben G. und T. wütend gesagt, die Tiermediziner, denen man die sterbenden Hunde bringt. «Aber in gewisser Weise sind die Leute hier noch schlimmer.»
Zwei tödliche Wörter standen zuletzt in der Tierpraxis, die nach Desinfektionsmitteln und sprachloser Angst roch: ignoranza und indifferenza.
Einer, ein Nachbar, dem zwei Hunde in dieser Praxis zugrunde gingen, hat ihnen gesagt: «Filmen müsstet ihr das alles — und es in den Schulen zeigen!» Das müsste der Nachbar vielleicht selber tun —
Ein Feuer; ein Mann und eine Frau, ihr Hund fehlt.
Gekläff rings in den Hügeln, von den eingesperrten Jagdhunden her.
Das Feuer knistert, prasselt, lodert, und es gehen ein paar weitere Illusionen über die Natur des Menschen für immer in Rauch auf.

In dieser Landschaft werden Tiere erschossen oder vergiftet, was das Zeug hält. | Stefanie Silber

Lola, die Hündin des Autors. | Stefanie Silber

Ein Arzt gab Lola die erlösende Spritze.Dann streckte sie sich zum letzten Mal und ergab sich. | Stefanie Silber
Dreimal habe ich diesen Bericht gelesen, weinend, wütend und wahrhaftig desillusioniert liess er mich zurück.Ich danke dem Autor für seine Worte die er fand und (zum Glück) öffentlich erzählt hat.
‘Die Droge ist … eine Begleiterscheinung des Reichtums.’
evtl. das teure kokain und andere hippe dröge substanzen der schicki-micki-szene; aber was ist z.bsp. mit den leim schnüffelnden mittellosen ohne zukunftsperspektive aus den favelas der von wenigen grossgrundbesitzern/kolonialisten beherrschten länder? oder sich an gepanschtem vodka zu tode saufenden obdachlosen im land der skrupellosen oligarchen?
ansonsten ein (sack)starker artikel über die fortschreitende verluderung von anstand, sitte und moral der gesellschaft (nicht nur der italienischen)!
Dieser Artikel ist ganz grosse Klasse. Ich habe ihn zuerst links liegengelassen, dann von hinten nach vorne stückweise zu lesen begonnen, bis er mich packte und ich ihn vollständig las. Dachte, da werde einer seinen Frust los wegen seines verstorbenen Hundes (bin kein Hundefreund und dachte, der Schreiber vergesse vor lauter Hundeliebe die Menschen). Wie aber Herr Bachmann den Bogen von einer hässlichen Tat zu einer kranken und degenerierten Gesellschaft spannt – das ist wirklich hervorragend.
Ich kann die italienische Gesellschaft schlecht beurteilen, aber die Entfremdung von der Natur und der damit einhergehende Mangel an Respekt für Flora und Fauna ist zweifellos kein italienisches Problem. Man denke nur an all’ die lebendigen “Weihnachtsgeschenke” hierzulande, die in den Sommerferien ausgesetzt werden. Anderseits: Man ärgert sich heute darüber, weil man es als krank betrachtet…vor Jahrzehnten waren einem Tiere egal…
Trotz der hässlichen Geschichte: Wir dürfen nicht vergessen, dass Tiere hier noch vor wenigen Jahren Sachen waren, Kinder vor 30 Jahren nach Belieben verprügelt werden konnten und Frauen vor 40 Jahren “selber schuld” waren, wenn sie vergewaltigt wurden. Vielleicht kommt ja der Respekt für die stumme Kreatur auf, bevor sie ganz verschwindet. Man darf die Hoffnung nicht aufgeben…auch nicht in Italien.
Von den tausenden vergifteten Hunden in Umbrien, waren zwei von uns, einer von meinem Vater, einer von unserem Nachbar u.s.w., die Liste ist endlos.
Ein ans Herz gewachsenes Tier so leiden zu sehen ist schrecklich und unbegreiflich.
Bei uns im Dorf werden weniger Lockvögel gebraucht, dafür sind im Wald, natürlich illegal, ausgelegte Schlingen um so beliebter.
Letztes Jahr habe ich, ausserhalb der Jagdtzeit, ein Wildschwein, mit einem Bein in der Schlinge gefunden und die Forestale (Forstpolizei) angerufen. Nach Gesetz hätten sie das Tier betäuben und befreien müssen, es war unverletzt, so hätte es überlebt.
Stattdessen haben sie es erschossen und mitgenommen.
Mit diesem Anruf hatte ich es für längere Zeit mit “unseren” Wildschweinjägern verspielt, denn, wenn ich sie, statt die Forestale angerufen hätte, wäre es ein Festessen geworden.
Auf die Forestale ist kein Verlass. Aber, wen soll man denn rufen, wenn die Fasanenjäger mal wieder zu Nahe ans Haus kommen?
Das bisher einzig Wirksame, so kleinlich es tönt, ist, die Vogeljäger gut sichtbar mit dem Feldstecher zu beobachten. Dies als kleine Hemmschwelle.
Das Dilemma: Die Angst vor einem weiteren vergifteten Hund.
Nicht alle Jäger sind in einen Topf zu werfen.
Ungefähr jeder Vierte im Dorf ist Jäger. Die Wildschweine werden ausschliesslich (?) im Verein gejagt, streng geregelt. Einige davon sind auch Vogeljäger und einige nur Vogeljäger.
Mit wenigen kann man vernünftig über die Vogeljagd reden, bei den meisten artet es in reine Heuchelei aus. Das kann lieber Freund Peppi oder Peppo sein, die liebsten Menschen im “normalen” Leben, wenn sie aber ein Gewehr geschultert haben, würden sie für “ihren” Fasan über Leichen gehen.
Gestern Nacht sind hier, bei einem Schafmilchfbauer, zwanzig Schafe im Stall gerissen worden.
Der Jäger sagt, es waren Wölfe.
Der Schafbauer sagt, es waren die zurückgelassenen, sprich ausgesetzten, weil zu alt oder unbrauchbaren, Jagdhunde. Was viel wahrscheinlicher ist.
Einzig erfreulich ist: Die Jäger beklagen sich über mangelden Nachwuchs.
Ich weiss nicht, ob Frau Kellers Kommentar so (ironisch) gemeint ist, aber eine fleischfressende, ledertragende etc. Kultur muss sich schon die Frage nach einer gewissen Willkür stellen lassen… Schwein, Rind etc. töten = in Ordnung, Hund töten = ganz, ganz schlimm? (Jetzt mal abgesehen von mehr und weniger qualvollen “Methoden”.)
Nichtsdestotrotz gefallen auch mir Aspekte der grundlegenden Gesellschaftskritik in dem Artikel.
Ich bin der Meinung von Keller Claudia und Bernet Tobias. Der Autor beherrscht sein Handwerk. Er durfte seinen Standpunkt bereits vor einigen Monaten im TagI publik machen, da ging er noch einigermaßen sachlich zu Werke. Jetzt zieht er alle Register und manipuliert den Leser nach Strich und Faden. Einmal abgesehen von dem fragwürdigen Überhöhen eines einzelnen Hundeschicksals, ist er ein perfektes Beispiel für das Verzerren der Proportionen und die Blindheit von Hündelern. Zitat: “Einen Hund, der während den fünf kurzen Jahren seines Lebens nichts als Freude, Liebenswürdigkeit, Aufmerksamkeit, Zuneigung und Zärtlichkeit gewesen war.” Hier wird geschickt das Leistungsmerkmal “Freude” mit menschlichen Charaktereigenschaften und Gefühlen kombiniert und insgesamt das Tier vermenschlicht. Ein Hund refklektiert nicht, er reagiert auf seine inneren Impulse und erfahrenen äußeren Eindrücke, er ist Spiegel der Haltung. Ich finde es widerlich und unerträglich, wie der Autor von der Tatsache ablenkt, dass die Hündeler ein zentraler Faktor im Zerstören des ökologischen Gleichgewichts und der Umwelt sind. Allein das Hundefutter für Europa und die VSA würde ausreichen, um den Hunger in Afrika zu beseitigen. Für Hundefutter werden immer noch Wale qualvoll gejagt. Um es kurz zu machen: Hundehaltung ist eine moderne Perversion, und jeder Hund weniger ist ein ökologischer Gewinn und menschlicher Fortschritt. Natürlich sind auch die Jäger perverse Parasiten, denen man möglichst rasch die Hände abhacken und die Augen ausstechen sollte – aber natürlich nicht nur in Italien, sondern vor allem auch in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland. Leute, die sich auf Kosten der Gesellschaft mit Hilfe von hochentwickelten Instrumenten aufgeilen, indem sie ein ahnungsloses Tier ermorden, haben in einer modernen Industriegesellschaft keine Existenzberechtigung. Hündeler natürlich auch nicht.
Liebe Frau Keller, Sie scheinen einen wichtigen Punkt übersehen zu haben. Ihre Feststellung, wonach der Autor des Artikels seinen eigenen Hund als Instrument zur Stützung von mehr als zweifelhaften Thesen einsetzt, ist sicher richtig. Hier stellt sich jedoch einmal mehr die Frage nach der Relevanz. Ist die von Ihnen erwähnte Tatsache auch relevant? Wäre diese Instrumentalisierung denn für Sie akzeptabel, wenn es sich um ganz andere, vielleicht sogar von Ihnen selbst vertretene Thesen handeln würde?
@ bucher hans: ?????
du bewegst dich also nur aus eigener muskelkraft und faehrst kein auto (oder benutzt oeffentliche verkehrsmittel: gell, der strom kommt einfach so aus der steckdose?!?), frierst dir im winter lieber den arsch ab als dein/e haus/wohnung mit fossilen brennstoffen zu heizen?
konsumierst weder fleisch (auf-/mastzuchthaltung), fisch (ueberfischung), eier (kaefighaltung) noch milchprodukte?
du lebst also fernab der zivilisation in der freien natur (woher kommt denn bloss dein internet-zugang?), so wie dich gott erschaffen hat und ernaehrst dich nur von (kontaminierter) luft (und liebe
)? denn die haltung von schafen zur gewinnung von wolle – damit du deine eigenen kleider weben/stricken kannst – ist egoistisch und selbst makrobiotisches gemuese/getreide soll ja so etwas wie ’schmerzen’ verspueren!
wir alle, die wir in einer ‘zivilisation’ leben, sitzen im gleichen boot, koennen uns nicht allem entziehen, haben doch in irgendeiner form mehr oder weniger ‘dreck am stecken’ …
… nur du hans, du bist eine ueber alle zweifel erhabene lichtgestalt, ein heiliger!
und unter diesem deckmaentelchen nutzt du die gunst der stunde, die kommentarleser nach strich und faden zu manipulieren und eine hasstirade sowie generalattacke gegen hunde resp. ihre besitzer zu reiten. und invertierst somit genau das, was du dem autor anlastest: wer selber im glashaus sitzt …
das finde ICH widerlich und unertraeglich!
@ Tobias Michael Frey: Danke für diesen überfälligen Kommentar. Dasselbe ging mir auch durch den Kopf. Sie kriegen von mir ein Bier spendiert, wenn Sie mal in Basel sind…
Ich bin weder fürs Augen-Ausstechen oder Hände-Abhacken von Jägern (es wäre übrigens wirklich schade, wenn nun auch noch dieses bisher recht intelligente Internet-Forum, wie so viele andere, von Querulanten überrannt würde… Herr Bucher…) noch für einen “Rückschritt” aus aller Zivilisation.
(Man KANN aber auf viele tierische Produkte, ein eigenes Auto (wenn’s doch mal eins braucht: Carsharing) und wenn man auch nur ein bisschen Geld hat auch auf unökologische Heizungs- und Stromerzeugungsmethoden weitestgehend verzichten, Herr Frey. Und man sollte. Es geht nicht um Fundamental-Rückzug, sondern um das Mass.)
Aber dass es argumentativ sehr schwach ist, auf einem einzelnen Phänomen von Tiermissbrauch eine Gesellschaftskritik aufzubauen, ohne über den allgemeinen, überwiegend von einem reinen Nutzen-Denken geprägten Umgang unserer Gesellschaft mit Tieren auch nur ein Wort zu verlieren, müsste doch einsichtig sein. Ich kann mich nur wiederholen: Hund töten = schlimm, Schwein töten = OK ist schlicht keine rationale Position.
Liebe Frau Keller, da keine These den Missbrauch rechtfertigen könnte, ist zwar nicht der selbst irrelevant, wohl aber Ihre Argumentation, die sich gegen die Thesen des Artikels richtet. Nicht zuletzt liefern Sie damit auch den Ewiggleichen hier einen Vorwand, einmal mehr zu versuchen, eine ihnen nicht genehme Diskussion auf ein Nebengeleise abzuschieben. Zu klären wäre selbstverständlich, wie es kommt, dass ein bis vor kurzem noch allgemein als verabscheuungswürdig eingestuftes Verhalten wie das Ausschlachten des Leidens der Allernächsten praktisch über Nacht salonfähig werden konnte.
Gut gebellt.