Oh, I love your butt!

16.01.2009 von Michèle Roten , 10 Kommentare

Amerikaner sind ja gross im Komplimente machen. So gross! Riesengross. Schuhe, Brille, Pulli, meine Sachen sind AWESOME, das awe mehr gestöhnt als gesprochen. Sie LIEBEN!!! meine Sachen. Mit drei Ausrufezeichen. Ich wusste gar nicht, dass ich einen so exquisiten Geschmack habe. In der Umkleide fürs Yoga dann machte eine, Oh, I LOVE your tattoos!!!, und ich dachte mir, ja Mensch, ist ja eigentlich eine schöne Sache, Unbekannten aus dem Nichts heraus Komplimente machen, vielleicht sollte ich auch damit anfangen, und when in Rome, do as the Romans do, und ich sagte: Oh thanks, and I LOVE your butt! (Ich arbeite noch an den finalen zwei Ausrufezeichen.)
Denn sie hatte wirklich einen wunderschönen Hintern. Rund, gesund und fröhlich. Ein Hintern, der seinen evolutionären Job mustergültig erledigte, Mitarbeiter des Monats, ein Bild von ihm im Büro der Natur. Eine wahre Freude, hinter ihm Yoga zu machen, ganz im Gegenteil zu dem jener Magersüchtigen, ihr Hintern sieht aus wie ein Altmännermund ohne Gebiss drin, eingefallen, unbrauchbar, ihr ganzer Körper ist bedeckt von feinem Flaum, ein letzter, fast rührender Versuch ihres Organismus, den Laden warm zu halten. Ich sah sie in einem Café, wo sie Milchschaum ass. Ein ganzes Glas voll Milchschaum, sie ass ihn konzentriert, es war eine Mahlzeit.
Zurück zum schönen Hintern: Es ist ziemlich schwierig, die Reaktion auf mein Kompliment zu beschreiben, es war eine Mischung aus Zusammenzucken, Versteifen, Fluchtweg suchen, Lächeln aufsetzen und Oh, thank you (ohne Ausrufezeichen! Ganz übel!) sagen und flüchtig Hintern anfassen, jedenfalls mit dem eindeutigen, unmissverständlichen Subtext, dass es total inappropriate ist, so etwas zu sagen.
In dem Moment begriff ich die Regeln des Komplimentierens in diesem Land: Man darf alles beklatschen, was erworben ist. Käufliches. Zugelegtes. Bloss natürliche Dinge, das geht zu weit, das ist privat und intim. Ich glaube, es ging nicht darum, dass ich einer Frau ein Kompliment für ein sexuell konnotiertes Körperteil gemacht habe. Ich bin sogar ziemlich sicher, dass ich in der Yoga-Umkleide zu einer mit operierten Brüsten sagen könnte, Oh, I LOVE your boobs!!!, und sie würde sie packen und drücken und Oh, thank you!!! jubeln.
Wir haben es hier also mit einem seltsam pervertierten Verhältnis zu Konsum zu tun: Erworbenes dient zwar idealerweise auch hier der Darstellung der Persönlichkeit gegen aussen, aber intim ist nur, was naturgegeben ist. Was eigentlich komisch ist, denn mal ernsthaft: Die Tatsache, dass die Frau Uggs und ein Hello-Kitty-T-Shirt trug, ist ja wohl unendlich viel privater als ihr Hintern.

An der Afterparty vom Mos-Def-Konzert im Submercer, Soho: Das Jackett ist von der neuen Calvin-Klein-Kollektion, die jetzt so voll in Neon macht, wurde mir erzählt. Glaube ich. Über den Drink wurde mir auch was erzählt, aber das weiss ich auch nicht mehr genau. | Michèle Roten
An der Afterparty vom Mos-Def-Konzert im Submercer, Soho: Das Jackett ist von der neuen Calvin-Klein-Kollektion, die jetzt so voll in Neon macht, wurde mir erzählt. Glaube ich. Über den Drink wurde mir auch was erzählt, aber das weiss ich auch nicht mehr genau. | Michèle Roten

Die Diskussion

10 Reaktionen

  1. Oliver Flammer

    Ach Michéle, einfach köstlich Dein Humor: “Ich sah sie in einem Café, wo sie Milchschaum ass. Ein ganzes Glas voll Milchschaum, sie ass ihn konzentriert, es war eine Mahlzeit.” Diesen Satz werde ich nun augenzwinkernd mit mir herumtragen beim samstäglichen Bummel durch Zürich… das Wochenende ist gerettet! Danke!

  2. Daniele Meyer

    When in Rome, then are you still long no Roman!!! .. Was ist das? Mit Google Übersetzer gemacht??

  3. Tatjana Fell

    “I shame me for my english”.

  4. Annabelle Hahn

    Liebe Claudia,
    gerne würde ich dir bei der Übersetzung helfen (When in Rome, then are you still long no Roman!!!) wenn ich erstmal wüsste was du mit diesem Satz sagen wolltest.
    Merke! Die Menschen die Englisch sprechen unterscheiden sehr wohl zwischen die Wörter “you” and “your”. Die Aussprache ist komplett anders.
    Ich verstehe das du dies nicht wissen konntest. Ich hoffe ich konnte dir soweit helfen.

  5. Daniele Meyer

    Claudia Keller, sie scheinen hier ein bisschen einen aggressiven Unterton, sofern man das aus Text raushören kann, einzubringen. Daher melde ich mich jetzt doch noch einmal.

    Mit “When in Rome, then are you still long no Roman” wollten Sie vermutlich sagen “wenn man Rom ist, ist man noch lange kein Römer”.

    Also abgesehen davon, dass sich Google wirklich nicht eignet um ganze Sätze zu übersetzen, ist es mit den Redensarten so eine spezielle Sache. Sie sind nämlich meist sprachabhängig. Das heisst, dass nicht jede Redensart oder Sprichwort sich übersetzen lässt, weil die andere Sprach-Kultur dieses nicht kennt.

    Also auch wenn der Satz noch korrekt übersetzt gewesen wäre, hätte er vermutlich keinen Sinn gemacht, weil es diese Redensart so nicht in allen Sprache gibt.

    Aber eben, der Satz war so schrecklich übersetzt, dass man eigentlich hätte grinsen müssen .-)

    Nehmen Sie es locker und lassen Sie die Finger von Übersetzungsmaschinen. Noch eine schöne Woche allen!

  6. Daniele Meyer

    Whatever :-)

  7. Tatjana Fell

    Danke Claudia Keller, dass Sie an mich glauben, Sie geben mir Mut!
    Im Übrigen verstehe ich ebenfalls nicht, worum es Ihnen geht und glaube meinerseits nicht so direkt an Sie, aber daran, dass Sie Anabelle Hahn durchaus richtig verstanden hat und das von Ihnen zur Sprache gebrachte Problem irgendwie einfach gar nicht besteht, es sei denn, jemand spreche ein wirklich ganz übles Englisch – was dann halt vom Empfänger mit einem “Miesverstädnis” quittiert würde.. Gerechterweise! Aber davon wollen wir ja nicht ausgehen, dass jemand “you” und “your” genau gleich ausspricht, und den Fehler gleich wiederholt bei “but” und “butt”..

    Gemessen an den Englischkenntnissen, die Sie – zumindest an dieser Stelle – an den Tag legen, wirken Ihre stark betonten Diskussionbeiträge etwas unauthentisch. Ich persönlich habe nichts gegen aggressive Untertöne, aber bei einer schriftlichen Diskussion läuft man schnell gefahr, nicht ernst genommen zu werden, wenn Aussagen ganz und gar unhaltbar sind.

    Ich finde den Text super und freue ich auf Nachschub! Der Titel ist allerliebst, ich denke insgeheim, er könnte besser nicht gewählt worden sein.

  8. Patrick Heldenman

    Heinomol! Voll der Zickenterror hier…

  9. Roger J. Kuenzli

    Michèle Roten super – genau mein Geschmack. Hoffe bald wieder neues zu Lesen! Und an die Zicken = geht was saufen!

  10. franziska probst

    Das ist lustig hier!!!… hmmpf…

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