Paella-Urs & seine fröhliche Bande

oder Wie Schweizer Rentner an der Costa Blanca ihren Lebensabend geniessen

30.10.2009 von Thomas Zaugg , 11 Kommentare

Dies Paradies hier könnte die Hölle sein. Doch es ist unklar, und der Teufel steckt oft im Detail. Fridolin Schai fährt seinen Renault um einen der vielen Kreisel in Dénia, Costa Blanca, Spanien. Herr Schai ist Schweizer. Er sagt, er sei am 11. Mai 1932 in Winterthur geboren.
Aber Achtung, dort vorn kommt gleich der nächste Kreisel, und ich sollte ihm jetzt keine weitere Frage stellen, denn das bringt ihn jedes Mal aus dem Verkehrskonzept. Also, jetzt bitte noch nicht zu viel fragen, sondern zuschauen, zuhören, den Dingen ihren Lauf lassen. Anders lässt sich die Costa Blanca, diese Küste südlich Valencias, wo Deutsche, Briten, Franzosen, Italiener, Holländer — über neunzig Nationalitäten — und auch viele Schweizer Senioren leben und sterben, überhaupt nicht verstehen.
Ich habe hier die Wahrheit gesucht, glaubte zuerst, die Hölle auf Erden gefunden zu haben, doch am Ende war es bloss die Schweiz. Und dann habe ich hier die Schweiz in der EU gesehen. Und ich habe bei diesen alten Schweizern die Goldküste und das Ghetto entdeckt, und dazwischen liegen nur etwa 150 Kilometer. Vor der Abreise las ich von Aribert Heim, dem Nazi-Arzt, der sich hier einige Zeit versteckt haben soll. Ich las von Urs Hans von Aesch, dem mutmasslichen Mörder der 5-jährigen Ylenia, der in dieser Gegend mit seiner Frau lebte. Die Witwe sagt: «Die Gegend machte ihn noch depressiver.»
Ich sprach mit Schweizern in der Schweiz. Die meinten, die Schweizer Senioren in Spanien würden saufen, den ganzen Tag nur saufen. Jemand sagte, die Schweizer an dieser Küste seien «alles Arschlöcher». All dies liess auf einen Kontinent des Grauens schliessen — dabei ist es doch nur eine Küste. Ich wusste bald nicht mehr, was ich denken sollte.

Fridolin
10 Uhr morgens in Dénia, Fridolin Schai kauft bei Aldi ein, weil der die besten Wienerli hat. Und eine Butter, die ihm ein Schweizer Kollege empfohlen hat, will er auch ausprobieren.
Fridolin hat ein auffälliges Gesicht, eine markante Nase, die wenigen Haare sehen aus wie Wolken am Himmel. An der Costa Blanca darf man fast jeden älteren Menschen nach kurzer Zeit duzen, und sie duzen sich auch untereinander alle. Man wird ja zusammen älter, bleibt deshalb immer ähnlich jung.
Fridolin nimmt einen Fertigsalat. Er sagt, jetzt müsse er ja mehr Salat nehmen, weil «wir» jetzt «drei Leute» seien.
Meint er mit «wir» sich selbst, seinen Sohn Urs, der ihn gerade besucht, zusammen mit der «Thai», wie es Fridolin mit kritischem Unterton sagt, zusammen also mit der thailändischen Lebenspartnerin seines Sohnes?
Oder meint Fridolin mit «wir» eben doch das Naheliegendere: sich selbst, seine verstorbene Lebenspartnerin und mich? Manchmal nämlich sagt Fridolin «wir», als würde seine Romy noch leben. Doch er spricht kaum darüber.
Weiter deshalb zum Mercadona, einem spanischen Supermarkt. Leider kann Fridolin, vor zwölf Jahren mit seiner Lebenspartnerin hierhergezogen, noch immer nicht Spanisch. Am Telefon hat er sich selber ein wenig ausgelacht deswegen. Ich nehme einen der futuristischen UFO-Einkaufswagen, und Fridolin legt als Erstes zwei Tetrapack Wein hinein. «Jaja, dasch billig da, de Alkohol», sagt Fridolin. Aber er sei auch schon billiger gewesen, früher. Und dann trifft Fridolin einen alten Bekannten. Auch ein Schweizer natürlich und auch ein Senior natürlich. Seit den Siebzigern des letzten Jahrhunderts gilt die Costa Blanca als Paradies für ausländische Alte, wobei die Schweizer zu den Allerersten zählten.
Und die beiden Schweizer sprechen über Kaffeerahm. Den gibt es hier im Mercadona leider plötzlich nicht mehr. Machen die Spanier oft, nehmen einfach etwas aus dem Sortiment, ohne darauf hinzuweisen. Das passt ins Bild, am «Spanier» stört Fridolin sowieso, dass dieser einem nie in die Augen schaue. Es waren diese Kaffeerahmkübelchen, die mit den Sammeldeckeli. Eine «Sauerei» sei das, ärgert sich vor allem Fridolins alter Bekannter, dass es die jetzt nicht mehr gibt.
Fridolin, gelernter Bäcker-Konditor beim seinerzeit sehr berühmten Kafi Kränzlin in Winterthur, erklärt dem alten Bekannten mehrmals, dass man Kaffeerahm nicht mit Milch vergleichen, aber ersetzen kann, wenn man will. «Aber Milch bleibt Milch», sagt Fridolin.
Dann verabschieden sie sich voneinander.
Fridolin sagt anschliessend, sie hätten einander seit bestimmt zwei Jahren nicht mehr gesehen. Und jetzt haben sie halt über Kaffeerahm und Milch gesprochen statt über den Tod seiner Romy vor einem Vierteljahr.
Romy kümmerte sich um alles, an die Küste zu ziehen, das war Romys Idee, und sie war es auch, die im hiesigen Klub der Schweizer aktiv mitwirkte. Jetzt sorgen sich alle um Fridolin und fragen, was man tun soll, damit zum Beispiel seine Wohnung sauber wird oder er seine Gitarre wieder einmal in die Hand nimmt.

Kurt
Während Fridolin nach Hause fährt, zu seinem Sohn und dessen «Thai», laufen an einem Restauranttisch in der Altstadt die Fäden zusammen. Kurt Matter trägt sein Hemd wie ein Kanarienvogel sein Federkleid, alle Regenbogenfarben greifen wild ineinander. Er trinkt fünf Liter Wasser am Tag, das wirke Wunder für die Haut. Er raucht eine Zigarette, aber braun gebrannt ist er nicht. Das sei ungesund, sagt er. Kurt, der Paradiesvogel, sitzt im Sandra y Thomas, geführt von einem Berner Ehepaar, er isst das sehr gute Stroganoff. Er ist der vermutlich jüngste Schweizer Rentner an der Weissen Küste, 65-jährig, bekommt seit Juni die AHV, und er ist schwul. Derart unverblümt sagt Kurt das immer. Er, Gruppenleiter des Club Suizo Costa Blanca, sagte es auch den älteren Damen und Herren im Klub, als er die verliebten beziehungsweise neidischen Blicke zu spüren begann: «Also, Herrschaften, lasst mich jetzt eines von Anfang an klarstellen: Ich bin schwul!»
Und spätestens nach seiner Travestie-Show als Zarah Leander hatten die Senioren des Klubs verstanden, dass dieser Kurt Matter ein spezieller Mensch ist. Er würde «jamais!» in die Schweiz zurück. «Zersch mach ich, was mier passt!»
Zum Beispiel geht Kurt immer samstags nach Benidorm, die Metropole der Küste, Jagd nach schönen Erlebnissen. In der Schweiz, sagt Kurt, sei man als alter Schwuler unter Schwulen ein Opa, ein faltiger Knacker, man habe keinen Stich mehr.
Neben Kurt sitzt Philipp Novak, 44, jüngstes Mitglied und Präsident des Club Suizo Costa Blanca, und obwohl sie die sexuelle Orientierung miteinander teilen, können Kurt und Philipp auf diesem Gebiet nichts anfangen miteinander. Stattdessen tratschen sie ein wenig über die Senioren. Wie zwei Pfleger, die ihre Patienten zu gut kennen, klingt es oft ein wenig direkt. Zum Beispiel: Neinein, der Fridolin, der werde wahrscheinlich schon nicht zum Alkoholiker, der habe ja noch seine Gitarre.
Und im Klub gibt es ja noch die «Weinfreunde», es gibt Jassabende, eine Singgruppe und ein «Treffen für Alleinstehende» und vieles, vieles mehr.
Der Klub: Unter den Alten gibt keiner an, «aktiv» dabei zu sein. Und dennoch sind sie alle dabei, im Klub, müssen es auch. Denn was, wenn plötzlich alles um einen herum einnachtet, wenn gar nichts mehr geht, man also wirklich alt ist und krank oder zwei Lebenspartner nicht zufällig gleichzeitig von dieser Paradieswelt abdanken? Dann soll sich der Klub um einen kümmern, nicht das Satellitenfernsehen und auch nicht der Alkohol.
Der Klubpräsident sagt: «Ich muss das so ausdrücken: Es gibt hier einige Alkoholiker, die einen Entzug machen. Und dann gibt es noch sehr viele, die nicht wissen, dass sie einen Entzug machen sollten.»
Nach dem Essen gibt es für einmal keine Siesta, in der man den Alkohol «rausschwitzen» könnte, wie Präsident Philipp scherzt. Kurt kurvt mit dem Auto über den Berg nach Jávea hinüber, wo er wohnt und heute in der Singgruppe mitsingen wird.
So schnell, wie er hochrast, genauso rasant erzählt Kurt aus seinem Leben.
Wie er bei der UBS arbeitete, nicht ganz, aber weit oben. Und wie er auch dort von Anfang an klarmachte, dass er ein Paradiesvogel sei. Oder wie er das Militär-FDP-UBS-Weltbild der Sekretärin durcheinanderbrachte, indem er angab, nicht im Militär, sondern im Zivilschutz «Gruppenchef Spital und Pflege» zu sein.
Oder wie sein Vater fortging. Der habe seine Mutter, als Kurt fünf war, wegen eines anderen Mannes verlassen, und Jahre später sahen sich Vater und Sohn in einem Schwulenlokal wieder, und da gefiel der junge Kurt dem Vater sehr. Kurt sagt, er habe noch nie einen Menschen so schnell so bleich werden sehen, nachdem er sich dem Vater mit dem Namen im Pass als Sohn zu erkennen gegeben hatte.

Terence und Sonja
Die Zeit drängt. Die andern Senioren singen schon, man sitzt im Garten, den Blick auf Dirigentin Ruth Hablützel, vorn mit dem Keyboard. Kurt setzt sich neben Pius Fleischer zu den Bass-Männern, Fridolin sitzt auch hier, und auch die exotisch geschminkte Sonja mit dem lila Hemd und Terence mit dem Kommissär-Bärlach-Gesicht und der Jean-Ziegler-Brille sitzen hier.
Terence sagt, er habe mit Frank A. Meyer die Schulbank gedrückt. Zusammen hätten sie im Jugendklub «on cherche» über Jazz und Lyrik diskutiert.
Man muss ihn um seinen computer-geschriebenen Lebenslauf bitten, Terence spricht perfekt Spanisch und tausend andere Sprachen, war unterwegs in Skandinavien, Italien, Spanien, Ägypten, Indien, Pakistan, und in der Schweiz war er unter anderem Fremdenpolizist.
Terence, sagten mir ein paar Senioren, habe seine Sonja zwar sehr lieb, aber manchmal behandle er sie schroffer als schroff. Vielleicht ist das nur eine jener Geschichten, von denen die Menschen hier leben. Der Klub ist auch dafür ein Ort, ein Ort der lebensverlängernden Neugier.
Sonjas und Terences Haus steht ausserhalb Dénias an einem Berg, es versinkt fast in Sonjas Pflanzendschungel. Pflaumen, Bananen, Zitronen, Aprikosen, Orangen und Mandarinen hat Sonja hier, Mango, Feigen, Trauben, Elefantenbaum, Königspalme, Philodendron, Maracuja und so weiter.
Die Ärztin, so Sonja, habe ihr gesagt, sie müsse lernen, Nein zu sagen. Auch anderen Menschen gegenüber. Im Haus drin sammelt Sonja Töpfe und Puppen und Decken, und sie hat einen Hund, eine Katze, Vögel, Vögel und wieder Vögel.
«Museum», sagt Terence zu mir und lächelt, aber Sonja hat es schon gehört.
Terence arbeitet am Gericht in Dénia. Er trägt eine weisse Hose, ein weisses Hemd, als er mir das Gebäude von innen zeigt. Hier herrscht Ordnung. Hier übersetzt Terence für fremdsprachige Delinquenten. Einmal, als ein Franzose anhand einer Puppe zeigen musste, wie er sein schreiendes Baby erschlagen hatte, musste Terence weinen.

Karin und Ernesto
Alles, damit man nicht abgibt. Alles, damit das Alter einen nicht zu schnell einholt. Sonja und Terence sind alternde Workaholics. Und so sitzen sie jetzt in einem Garten in Jávea, der Chor singt Schuberts «Forelle» in der Mozart-, Beethoven- sowie der Anton-Webern-Variation. Eigentlich zählt der Chor etwa vierzig Leute, anwesend sind gut zwanzig. Der Rest ist krank oder noch im Ausland, weil es hier im Hochsommer einfach zu heiss wird für Menschen ihres Alters.
Und letzthin hatte der Chor zwei Todesfälle zu beklagen. Einmal erst kam es vor, dass sie jemanden bitten mussten, den Chor zu verlassen, die alte Stimme war so unerträglich falsch geworden, und die Betreffende merkte das nicht.
Im Moment singen sie unter anderem «Wir kamen einst von Piemont» oder das schwierige «Pepito», bei dem Kurt wieder einmal etwas zu sehr aufdreht und einen Fehler macht. «Tschuldigung, ich bis gsiii!» Einige lachen. Manchmal lachen sie über Kurts witzige Art, manchmal nicht. «Bi z schnäll gsi», entschuldigt sich Kurt abermals, «d Berner si immer scho z schnäll gsi.» Sie verfügen über ein Repertoire von über hundert Liedern, «Trinkt, trinkt», «Es ist für uns eine Zeit angekommen», «Luegit vo Bärg u Tal», «When I get older», «Bongo Bongo», «Thula Baba», «So ein Tag, so wunderschön wie heute».
Wunderschön ist heute auch die Aussicht aufs Meer von Karins Villa aus, sie zieht an ihrer Zigarette, Marke Fortuna, früher rauchte sie Marlboro. Karin sagt, sie sei glücklich. Zufrieden. «Es gefällt mir.»
Das Gegenteil würde sie sich nie zu sagen erlauben, denn Karin Ehrmann, 71 Jahre alt, ist ein Kind alter Schule, sie ist streng zu sich selbst. 11 Uhr morgens in Dénia, Karin Ehrmann sitzt in ihrem grossen Haus und legt Patience. Sie ist allein. Ihr Mann verkaufte Bridgestone-Flugzeugreifen, er nahm seine Karin überallhin mit, die Welt lag ihr zu Füssen. Ihr Mann Hermann, der selbst im Ruhestand an der Küste nie zur Ruhe gekommen war, starb vor vier Jahren.
Tränen schiessen Karin jetzt ins Gesicht, aber sie bleibt streng zu sich selbst, die Tränen versickern langsam in den Augenhöhlen, während wir sprechen.
Karins Haus kennt keinen Staub. Es steht unterhalb des Montgó, auf dessen linker Flanke. Hier beginnt Dénias Goldküste, wobei mir Karin von hier aus auch die Platinküste zeigen kann, dort unten, rechts.
Dreimal im Jahr kommt bei Karin der Gärtner, einmal die Woche der Pool- Reiniger und alle vierzehn Tage die Putzfrau. Die Sonne brennt auf das Haus nieder, es ist September, Karin trägt eine dieser riesigen Sonnenbrillen, die in Mode sind.
Was macht sie den ganzen Tag?
«Ja, was mach ich denn, du?»
Philipp Novak, der Klubpräsident, riet, die Leute zu fragen, was sie tun, den lieben langen Tag. Mit der Antwort auf diese Frage werde sich einiges klären.
«Jaaa, also du, ich han gnueg z tue», sagt Karin und schaut nach links. Und dann nach rechts. «Blueme güsse», sagt sie. Und dann schaut sie nach links. «Ebe, Blueme güsse, und — ja also, ich han gnueg z tue da, das isch nöd s Problem.»
Ihre Fingernägel sind rot lackiert, die Brille sitzt auf der Frisur, ihr Parfüm duftet unaufdringlich gut.
Einmal die Woche trifft sich Karin Ehrmann mit ihrem «Füdlibürger» Erwin Deppeler zum Mittagessen im Zum Ferdl. Es gebe an dieser Küste einige «Füdlibürger», sagt Karin. Was sind «Füdlibürger»? Nette Schweizer. Leute, die nichts Böses tun. Leute jedoch, die an die Costa Blanca gezogen sind, um Schweizer Fernsehen zu sehen.
Das Satellitenfernsehen, in den Achtzigerjahren aufgekommen, sei ein Bruch gewesen, sagt Thomas Liebelt, Chefredaktor der deutschsprachigen «Costa Blanca Nachrichten». Durch das Fernsehen habe die Plaza, der Dorfplatz, als sozialer Brennpunkt plötzlich ausgedient, so Liebelt. Jeder habe mit der Satellitenschüssel auf dem Dach den Draht zur Heimat gesucht. Und die kleinen Läden, wo es Zeitungen, Gerüchte und Begegnungen mit den Spaniern gegeben hatte, verschwanden.
Das Schweizer Fernsehen ist mit ein Grund, weshalb viele Schweizer hier nicht Spanisch sprechen. Wenn an der Costa Blanca Sven Epiney, Daniela Lager und Kurt Aeschbacher im Bildschirm erscheinen, dann wird Heimat greifbar, und Spanien und die höllische Hitze draussen gehen vergessen.
Und dann sitzen die Schweizer in Spanien in ihren gekühlten Wohnungen und schauen die «Tagesschau» oder die «Arena» oder den «Club» und fragen sich, wie viel komplizierter und kleinkarierter die Schweizer in der Schweiz wohl noch werden können?
Karin zeigt ihr Haus. Im Schlafzimmer, das sie nicht zeigt, stehe die Urne ihres Mannes, sagt sie, leider hat er ihr nie gesagt, was geschehen soll mit seinen Überresten. Am Anfang habe sie noch gesprochen und «ein bisschen geschimpft» mit der Urne ihres Mannes, aber das sei jetzt vorbei. Von der Terrasse aus sieht man Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Im Parterre ist der grosse Pool.
Dort steht immer auch eine Wohnung für Karins Kinder frei, wenn sie einmal auf Besuch kommen, dieses Jahr zu Weihnachten.
Dann zeigt Karin den Weinkeller ihres Mannes. Jetzt liegen da nur noch fünf, sechs Flaschen, denn Karin trinkt wenig.
Karin Ehrmann sieht ihr Leben hier ganz grausam klar. Hoch oben über Dénia sitzt sie, nennt viele ihrer Kollegen an der Costa Blanca «Füdlibürger», und sie spricht nicht von «Freunden», Freunde habe sie hier keine.
Sie bleibt aber hier. «Bekannte» hat sie «en Huufe», die sich um sie kümmern werden, sollte sie gebrechlich werden. Und die Spitäler hier, sagt sie, seien längst nicht mehr so schlimm, wie das früher vielleicht gewesen sei.
Tage später, in Jávea, über den Berg fahren, eine Viertelstunde von Dénia entfernt, ist der Tod kein Thema. Nicht heute. Heute steigt eine Party. Sie tanzen und trinken und lachen und sind ein bisschen unanständig, die Rentner von der Freiwilligen Feuerwehr («Bomberos Voluntarios») aus über fünfzehn Nationen.
Und wer hat diese erfunden? Ein Schweizer wars! Der hochreligiöse Vater des Immunologieprofessors Beda M. Stadler, der in der «Arena» und in vielen anderen Diskussionssendungen insbesondere gegen die Religion zu Felde zieht. Und hier sind jetzt alle ein wenig betrunken. Schlagermusik läuft, ein alter Schweizer DJ lässt sie vom Synthesizer abspielen. Und vor mir stehen die Schweizer und Feuerwehrmänner Urs, Jakob und Ernesto.

Urs, Jakob und Sepp
Es ist schwierig, ihren Ausführungen zu folgen, bei dem Lärm.
Während vor allem der klein gewachsene Urs redet und redet und redet, steht Ernesto schweigend da. Er hat ein langes, flaches Gesicht, Brille und Rossschwanz. Urs sagt mir, Ernesto sei, jaja, kein richtiger Schweizer Feuerwehrmann, bei Ernesto sei es komplizierter — und deshalb wohl kommt Ernesto jetzt nicht zu Wort, zumindest bei Urs.
Ernestos Vater kämpfte gegen den spanischen General Franco im Bürgerkrieg. Der Vater verlor, Ernestos Jugend in Franco-Spanien stand deshalb unter einem schlechten Stern, der Vater immer im Gefängnis, Ernesto systematisch von Studium, Arbeit und Erfolg abgehalten.
Ernesto kam in die Schweiz. Er spricht perfektes Schweizerdeutsch, ist mit einer Schweizerin verheiratet. Sie leben jetzt hier in Jávea. Ernesto weiss, dass es in Jávea einige Franco-Anhänger mehr gibt als drüben in Dénia.
Urs redet immer noch über die freiwillige Feuerwehr und ihre etwa neunzehn Einsätze im Jahr, die ihm viel Spass machen. Ernesto schweigt weiter, aber er sagt mir später noch etwas, was die Party in einem anderen Licht erscheinen lässt.
Doch zuerst haben Urs und Jakob und zwei andere ihren grossen Auftritt. Plötzlich Musik und eine Schlagersängerin, und dann erscheinen die vier Männer mit ihren Sonnenbrillen und Sombreros.
Unter der Decke, mit der sie sich noch verhüllen, sind sie fast nackt.
«Wenn die Glocken hell erklingen…», singt die Schlagersängerin, und dann wird der Schleier gelüftet, und während die Sängerin mit «…und der Sommer geht ins Land» fortfährt, lassen die nackten Männer die Kochkelle, mit Gummibändern um ihre Oberschenkel gebunden, an die grosse Paellapfanne um ihre Lenden hochklatschen.
Die Gemächte der vier Männer bleiben natürlich verschont, und nur die Glocken erklingen hell.
Alle strahlen. Alles lacht. Überall diese furchigen Kindsgesichter.
Diese blitzenden, trunkenen Augen. Dieses Lachen, obwohl es ja jedes Jahr wieder zu diesem Höhepunkt kommt, sie finden es jedes Jahr wieder lustig, wollen es jedes Jahr wieder sehen, sagt mir Kurt.
Aus irgendeinem Grund ist auch Kurt hier. Er zieht an seiner Zigarette, etwas aufgeheitert, aber immer noch stilvoll, er ist überall und organisiert mit, wo bei den Schweizer Alten etwas läuft.
«Lueg! Lueg! Funktioniert widr nid bim Letztsche. Bliibt dobe!» Er meint die Kochkelle. «Lueg, jetzt het em eine d Pfanne wegzoge!»
Und später ruft Kurt in die tanzende Menge, auf Hochdeutsch: «Ach Gott, sind wir ne verrückte Gesellschaft!»
Ich werde von einem gewissen Sepp wiederholt angehauen, Sepp ist hier nur in den Ferien, und zwar bei Urs. Sepp aus Opfikon-Glattbrugg sagt, so verrückt wäre er nie, sich hier zur Ruhe zu setzen, aber der Alkohol sei wirklich billig, jaja, haha!
Natürlich ist auch Sepp jetzt ziemlich blau. Aber das geht in Ordnung, denn Sepp macht hier ja nur zwei Wochen Ferien, und danach geht es zurück in den grauen Opfikon-Glattbrugger Alltag. Sepp sagt in seinem Suff etwas Interessantes über seine Landsleute an der Costa Blanca: «Weisch, ich wür nie da anezieh, wirsch da nume zum Alkoholiker. Am Morge stasch uf, dänn gasch zum Zmorge, und dänn gasch grad zum Apéro übere. Dänn ässeds öppis Chliises, und dänn gönds zum Schtamm, aber eigentlich isch das s Gliiche wie de Apéro, sie nenneds nur andersch!»
Also tatsächlich: eine völlig verrückte Gesellschaft? Oder haben junge Menschen die Angewohnheit, den Alten jeglichen Spass zu missgönnen?
Plötzlich Ernestos Stimme an meinem Ohr. Im Nachhinein erscheint es mir bemerkenswert, dass Ernesto einer der wenigen nahezu trocken Gebliebenen an diesem Abend gewesen war. «Das musst du auch aufschreiben», sagt Ernesto, und ich setze die Kugelschreiberspitze auf meinen Notizblock. «Das hier, dieses Fest, das ist doch der beste Beweis dafür, dass wir Schweizer uns problemlos in die EU integrieren könnten. Ja, und überhaupt, dass die Europäische Union doch eine wunderbare Idee ist! Schau dir an, wie gut die Alten aus allen EU-Ländern sich hier verstehen können. Gerade wir als Nachkriegsgeneration.»
Ein, zwei Tage später verlassen der Fotograf und ich etwas verwirrt den Norden der Costa Blanca. Wir fahren weiter, wir fahren der Schweizer Hölle entgegen, die Ciudad Quesada heisst.

Carlo
Selbst die Schweizer Senioren in Dénia sagten nur Schlechtes über Ciudad Quesada. Karin sagte, man sei «versorgt» dort, Häuserzelle an Häuserzelle, und von «Meersicht» könne man dort nicht reden. «Da hocksch denn im Chueche ine!» Urs, freiwilliger Feuerwehrmann, sagte, dort würde er nicht leben wollen, «isch Gschmacksach», und schaute vielsagend zu Jakob. Der meinte, «dasch nüt». Von «Ghettoisierung», einem Wrackort, der vor sich hinleckt, sprach der Chefredaktor der «Costa Blanca Nachrichten». Und Sonja und Terence kennen diesen Ort nicht einmal. Ein Nicht-Ort?
Eine Schweizerin aus Ciudad Quesada dagegen sagte am Telefon, die Schweizer in Dénia, nun, das seien, «sägemers mal so», Bessergestellte.
Wir werden erwartet. Carlos und Alices Haus, sieben aufrechte Schweizer sitzen um den grossen Tisch. Man ist enttäuscht. Man ist misstrauisch gegenüber Journalisten, denn die vom Schweizer Fernsehen hätten sie einst in die Pfanne gehauen. Die Journalisten kämen hierher und würden ein wenig «umegusle» und nur Negatives notieren — und doch werde ich hier und jetzt empfangen. Sie mussten zwei Stunden auf uns warten.
Am Telefon: «Gut, dann sind Sie jetzt also gleich vor dem Eingangstor? Weil die Leute, die warten jetzt, und das sind Schweizer, und die warten nicht zwei Stunden.»
Man habe nur immer Einzelnes herausgepickt, sagt Carlo mit dem goldigen Zahn, einzelne Schweizer, die hier halt rumsaufen würden.
Dabei gebe es hier gar keine Alkoholiker unter den Schweizern. Bei den Engländern, bei denen sollten die Journalisten einmal genauer hinschauen! Die hätten ja auch das wahnsinnige Benidorm aufgezogen, Carlo meint die Grossstadt aus Wolkenkratzern und Sandstrand, die zwischen Dénia und Ciudad Quesada die Waage hält.
Ich dürfe über sie schreiben, sagt Gaudenz mit dem weissen Stoppelbart, aber «nur positiv». Da wäre zum Beispiel seine liebste Beschäftigung, die Miniatureisenbahn. Sogar im Hochsommer verschanzt sich Gaudenz im Keller seines Hauses, schaltet den Airconditioner ein, jede Stunde mache der einen kleinen Kübel mit Wasser voll! Und dann fahren die Tschutschu-Bähnli ihre Runden, Kandersteg, Stadt Brig und viele andere Schweizer Orte, es ist eine Riesengaudi das ganze Jahr hindurch.
Ein anderer am Tisch sagt, ich solle doch auch über den Unterschied zwischen «dem Spanier» und «dem Schweizer» schreiben, das würde ihn sehr interessieren. Der Spanier habe ja eine wahnsinnige Mentalität. Lebe gern in den Tag hinein. Komme manchmal Stunden, Stunden zu spät. Sei aber nicht geldgierig! Der Spanier habe zudem einen Minderwertigkeitskomplex entwickelt, zu erklären mit dem Leben unter dem Diktator Franco.
Leider eilt die Zeit davon, und der Schweizer kommt nicht mehr auf die Mentalität der Schweizer zu sprechen.
Was nun folgt, ist eine Führung durchs Grauen. Auch unser Führer erschrickt manchmal, Carlo mit dem goldigen Zahn und dem lieben Lächeln, über seinen eigenen Wohnort. Aber für Carlo ist es auch eine merkwürdige Lust am Gigantischen, am Schrecklichen. Der spanische Stadtgründer habe dieses Land seinerzeit für 50 Peseten gekauft, und irgendwann habe dessen eine Tochter einen Financier geheiratet, und von da an sei nur noch gebaut und gebaut und gebaut und gebaut worden.
Heute steht auf den meisten Häusern «VENDO» oder «SE VENDE», es steht alles zum Verkauf, und zwar billig. Die Immobilienkrise ist auch in Spanien angekommen. Wie eine Geisterstadt, die aber nicht zerfallen will, wie eine Speerspitze der unsterblichen Spassgesellschaft steht Ciudad Quesada nun da, und wer wegwill, kann nicht, aus finanziellen Gründen.
Aus finanziellen Gründen sind sie ja auch hierhergezogen. Ciudad Quesada, das sind Schweizer Schrebergärten, mit Sonne und Pool und Palmen obendrauf. Eine weit entfernte Agglomeration.
Zurück in die Heimat? Im Norden der Weissen Küste gehen oder könnten viele zurück, in Ciudad Quesada wollen oder müssen viele bleiben. Hier liegt nicht nur ein Grossteil ihres Geldes, sondern ihres Herzens begraben. Solange das Haus steht und die Fahne weht, lebt der Traum.
In Dénia und auch in Jávea sah ich keine einzige Schweizer Fahne, hier hingegen flattert sie überall im Wind.
Aber die Hölle ist das nicht.

Chicco und Boonma
Die Hölle, das sind die andern. Die Hölle, das ist ein Journalist, der diesen Leuten hier sagt, sie hätten das Paradies nicht gefunden.
Warum hören sie nicht auf, mit Journalisten aus der Schweiz zu reden?
Die Hölle, das ist, wenn Schweizer in der Schweiz Schweizer in Spanien kritisieren und umgekehrt oder wenn Schweizer in Dénia Schweizer in Ciudad Quesada geringschätzen — und umgekehrt.
Liegt darin das spezifisch Schweizerische und eben auch Auslandschweizerische, diese ewige, zermürbende Selbstkritik in kleinen und kleinsten Dingen?
Kurt Matter lässt die Senioren hier leben, und er wird noch viele von ihnen sterben sehen. Kurt könnte bald der neue Klubpräsident werden, Philipp Novak wird das Amt aufgeben. Aber Kurt ziert sich noch. Er will weiterziehen ins grosse Valencia. Er sagt: «Ich werde mich dreimal bitten lassen und dreimal Nein sagen.» Wenn er Präsident werde, dann gebe es bald keinen Klub mehr, alle Leute würden ihm davonlaufen.
Auch wenn Kurt das vielleicht gar nicht so falsch sieht, glaube ich, dass er hier sein Glück gefunden hat und vielleicht, vielleicht auch seinen Frieden mit der Generation seines Vaters.
«Kurt», sagt sein Klubpräsident, «ist weder allein noch einsam.» Kurt sei «alleins». Und Fridolin?
Dénia, 12 Uhr mittags, Fridolin Schai steht am Strand, die Alten sieht man hier sonst kaum, sie haben ja ihre Pools. Aber immer samstags kamen Romy und Fridolin hierher, und Fridolin will auch in Zukunft jeden Samstag hierherkommen, sein Bier trinken, ins Meer gehen. Im Restaurant sitzen sein Sohn Urs und Boonma, dessen thailändische Freundin. Obwohl im Restaurant viele Kanarienvögel zu bestaunen sind, ist Chicco zu Hause geblieben. Chicco, mit achtzehn Jahren noch ein «Teenager», so Fridolin, ist ein Papagei, und erst als Chicco eines Tages ein Ei legte, merkte Fridolin, dass Chicco eine Papageiin ist.
Boonma freut sich, dass Fridolin bei seinem Gang ins Meer fotografiert wird. Leider, und das findet Fridolin schon etwas merkwürdig, spricht Boonma genauso gut Deutsch wie Chicco. «Gruusige Schiisser», sagt Chicco manchmal oder «Chum go luege» oder «Lumpevogl» oder «Liebe Chicco sii».
Nächste Woche wird sich Fridolin mit Philipp treffen, dem Klubpräsidenten und Juristen, um sein Erbe zu regeln.
Fridolin faltet sein Valser-Frottiertuch zusammen, während dreissig Jahren war er selbstständiger Valser-Wasser-Spediteur, hat Klinke um Klinke geputzt. Er wollte Sänger werden, das war sein grosser Traum. Er zieht die Sandalen aus, legt das Frottiertuch sorgfältig über die Sandalen, im 90-Grad-Winkel zum Meer.
Er sagt etwas ungehalten zum Fotografen: «So, jetzt hör emol uf!» Weil es ihm peinlich ist, die vielen Leute und der alte Mann im Zentrum.
Dann kein Zögern mehr. Kein Nachdenken. Jetzt geht Fridolin ins Meer.

Und dann hats «boing» gemacht. | Gunnar Knechtel
Und dann hats «boing» gemacht. | Gunnar Knechtel
Benidorm | Gunnar Knechtel
Benidorm | Gunnar Knechtel
Das ist Kurt. | Gunnar Knechtel
Das ist Kurt. | Gunnar Knechtel
Das ist auch Kurt. | Gunnar Knechtel
Das ist auch Kurt. | Gunnar Knechtel
Karin und ihr grosser Pool: An Weihnachten kommen die Kinder zu Besuch! | Gunnar Knechtel
Karin und ihr grosser Pool: An Weihnachten kommen die Kinder zu Besuch! | Gunnar Knechtel
Karins Balkon | Gunnar Knechtel
Karins Balkon | Gunnar Knechtel
Sonja und... | Gunnar Knechtel
Sonja und... | Gunnar Knechtel
...ihr Terence | Gunnar Knechtel
...ihr Terence | Gunnar Knechtel
Fridolin spaziert ins Meer. | Gunnar Knechtel
Fridolin spaziert ins Meer. | Gunnar Knechtel

Die Diskussion

11 Reaktionen

  1. sturmkopf

    Sehr unterhaltsamer Lage Bericht. Dazu das perfekte
    Bildmaterial. Herrlich. So muss die Hölle sein.

  2. Clina

    Was macht ein erfülltes Rentnerleben in der Schweiz aus? Über lange Zeit gewachsene Freundschaften, Familientreffen, Teilhabe am Leben der Kindern und Enkelkinder, ein vielfältiges Kurs- und Hobbyangebot, Klassentreffen: ein soziales Netz. Wer nach der Pensionierung auswandert, findet zwar ein angenehmes Klima vor, aber dieses soziale Netz fehlt. Die anderen Rentner werden zur Ersatzfamilie und ausser Einkaufen und Trinken bleibt kaum etwas zu tun. Häufig kann man dann nicht mehr nach vorn, aber auch nicht mehr zurück. Das trifft nicht nur auf Schweizer zu, sondern auf alle Mitteleuropäer. Schade, dass sich die Auswanderungswilligen nicht vorher damit auseinandersetzen.

  3. Peter Aufenast

    Schmunzelnd habe ich den herrlich geschriebenen Artikel von Thomas Zaugg konsumiert. Diese treffend beschriebenen “Rentner-Spezies” findet man rund um die Kugel. Einigen geht es finanziell und gesundheitlich sehr gut, anderen nur gut und nicht wenigen eher mehr weniger gut. Mit Staunen realisiert man, dass auch im Gastland nicht alles Gold ist was glänzt. Egal ob an der Costa Blanca oder an einem Wässerchen irgendwo in Südamerika oder in Asien. Alle diese Auswanderer haben aber etwas gemeinsam: Nie mehr zurück in das kleinkarierte “Alpenländli” Schweiz, höre ich immer wieder. Interessant, manchmal zu später bis sehr später Nachtstunde nach der zweiten oder dritten Flasche Wein, höre ich dann plötzlich, ja wir würden noch so gerne wieder in die Schweiz zurückkehren, aber unser Haus oder unsere Eigentumswohnung müssten wir mit großem Verlust verkaufen und in der teuren Schweiz den gewohnten Lebensstandard nach unten anpassen. Also bleibt man hier, führt ein ehrbares “Bünzli” Leben mit Besuchen der Schweizer Klubs mit Jass, Jodel, Rösti, Handorgel & Co und und macht sich mehr oder weniger etwas vor.

    Und was halte ich nun, als ebenfalls in Ehren ergrauter Rentner, der unseren (noch) schönen Planeten auf allen Kontinenten während Jahren geschäftlich und privat bereist hat und auch jetzt im Rentenalter immer wieder bis in die hintersten Winkel auf manchmal etwas abenteuerliche Weise auf eigene Faust bereist, von der, alles andere als perfekten Schweiz, mit Vorschriften bis zum geht nicht mehr und das nicht nur im Straßenverkehr, einer Regierung die auch nicht über alle Zweifel erhaben ist, einem Gesundheitssystem das immer teurer wird (aber immer noch eine Perle, verglichen mit dem Wunderland USA), der Bankenkrise mit dem ins NIRWANA abgetauchten Bankgeheimnis und nicht zuletzt den Parteien mit ihren Promis von links bis rechts, mit den ich mich auch nicht anfreunden kann.

    Was ist es nun aber, was mir an der Schweiz so gefällt und nach jeder Rückkehr aus der prodelnden Fremde immer wieder in den Bann zieht: Sind es die traumhaften Landschaften in den unterschiedlichen Jahreszeiten, die vier Landessprachen mit ihren urchigen Dialekten, die hervorragenden Restaurants mit lokaler und internationaler Küche, die unzähligen gemütlichen “Beizlis“, die nur Insidern bekannten Kleinkunstszenen in vielen Städten, das vielseitige Kultur-, Konzert- und Theaterangebot für jeden Geschmack und nicht zuletzt einer demokratischen Ordnung, die trotz Mängeln einigermaßen funktioniert. Ich weiß es nicht. Oder ist es vielleicht gerade die provinzielle Durchschnittlichkeit, die unser “Ländli” und unsere “Städtchen” so wohltuend von den großen Staaten mit ihren Weltmetropolen unterscheidet und die Schweiz in jeder Beziehung zu einem wirklich lebenswerten Land macht!

  4. Dr. Sagtwas

    Warum so wertend?

    “Paella Urs und seine fröhliche Bande”.

    Unterschätzen Sie nicht Ihre Leserschaft?
    Schildern genügt, werten können wir selbst.

    Wenn ich mich manipulieren lassen möchte, lese ich den “Blick am Abend”.

    Trotzdem, interessanter Artikel.

  5. camille

    Ich hatte die Gelegenheit mich an der Costa Blanca aufzuhalten und habe es ganz anders erlebt. Leben in einem Haus mit Meeressicht und einen schönen Garten zu haben macht das Leben sehr angenehm. Es ist aber das Leben und nicht das Paradies. Herr Zaugg, warum haben Sie nur das Negative geschildert? Ihr Bericht kommt mir vor wie ein Racheakt. Haben Sie etwas abzurechnen mit den Leuten die sie uns vorgestellt haben?

  6. telaquana@hotmail.com

    Wie kommen Sie darauf so etwas heraus zu lassen?
    Ist ja alles gelogen.
    Geben Sie mir den Namen des Reporters, der hat ja absolut keine Kinderstube.
    Bitte nehmen Sie zu dem Schreiben Stellung.
    Mit freundlichen Grüssen
    R.Siess

  7. telaquana@hotmail.com

    Herr Zaugg

    Nehmen Sie Stellung dazu oder haben Sie keine Eier in den Hosen?????????

  8. telaquana@hotmail.com

    Urs Beck
    Hast Du alle dem Zaug alle Infos Gegeben?

  9. Berthe

    Negativ sein ist eine Sache, böse und kleinlich ist schlimmer und gar nicht akzeptabel. Was haben Sie erlebt, um so verbittert zu sein !
    Die Leute hier in La Costa Blanca leben wie überall mit kleinen Problemen, eventuell Depression, aber sie haben diese Probleme ganz sicher mitgebracht.
    Andere sind ganz « normal ». Wie leben die Rentner in der Schweiz ? Sie sind auch froh, wenn sie einen Garten haben, wenn sie ein Glas zusammen trinken können, usw.
    Als mein Mann krank wurde, habe ich hier viele Unterstützungen erhalten, was ich sicher in der Schweiz nicht bekommen hätte.
    Es ist hier nicht so negativ, es gibt überall Alkoholiker, nicht nur in Spanien.

    Was ich nicht vertragen kann, ist so eine Bösartigkeit wie ich in Ihrem Artikel spüre. Sie verletzen alle Schweizer, Auslandschweizer und ihre Angehörigen, die in der Heimat geblieben sind. Dazu geben Sie im Ausland einen miserablen Spiegel der Schweiz und der Schweizer. Berthe 11.11.2009

  10. Nocheineleserin

    Wir sind weit entfernt vom Rentenalter und waren bisher noch nicht an der Costa Blanca, aber dieser Beitrag hat uns schockiert. Es ist unfassbar, dass Herr Zaugg so respektlos und despektierlich über das Leben anderer wertet. Diese subjektive, einseitige und bösartige Berichterstattung hat mit seriösem Journalismus nichts zu tun. Dass “Das Magazin” solche Beiträge unterstützt und publiziert ist enttäuschend und eine Abwertung dieser Plattform.
    20.11.2009/SKFB

  11. LOCAL WARMING « subergwest

    [...] Die Ernten werden karger, die Schlammlawinen grösser und der dereinstige Lebensabend an der Costa Blanca fällt wohl auch ins [...]

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