Patrizia Laeri / SF-Moderatorin

20.03.2009 von Finn Canonica , 16 Kommentare

Es war ein grosser Fernsehmoment, danach wusste das ganze Land, dass UBS-Boss Peter Kurer die Bodenhaftung endgültig verloren hat. Die Frage lautete, ob es zutreffe, dass bei der UBS die Fixlöhne im Durchschnitt 180 000 Franken betrügen. Kurer zögerte, wand sich, als leide er an Obstipation. Schliesslich sagte er. «Das ist wahrscheinlich richtig, ja.» Darauf die Interviewerin, freundlich, bestimmt: «Das ist doch hoch genug.» Das Interview dauerte danach noch knappe neunzig Sekunden, Kurer wurde regelrecht demontiert.
«Ich glaube, Herr Kurer hat mich etwas unterschätzt», sagt Patrizia Laeri. Es klingt, als ob sie das nicht zum ersten Mal erlebt hat. Sie weiss, sie hat nur ihren Job gut gemacht, weshalb sie das Lob von allen Seiten etwas absurd findet. Schade sei nur, wenn ihr darauf Spitzenmanager keine Interviews mehr gewähren wollen. Aus Furcht. «Das gehört eben zum Berufsrisiko», sagt sie und streicht ihr langes Haar mit einer leichten Handbewegung aus dem Gesicht. Man kennt die Geste von sehr schönen Frauen oder von sehr unsicheren. Laeri gehört zur ersten Gruppe. Was nicht immer nur von Vorteil ist in ihrem Beruf. Würde Patrizia Laeri beim französischen Fernsehen die Börsennews präsentieren, die Einschaltquoten verhielten sich umgekehrt proportional zum Verlauf des Dow Jones. Aber hier ist die Schweiz, hier mag man die Originellen lieber als die Schönen. Ausserdem könnten Äusserlichkeiten die Zuschauer vom gesprochenen Wort ablenken — dieses Argument hat Laeri während ihrer Journalistenausbildung auch schon hören müssen. In Blogs, wo ja immer nur Zukurzgekommene diejenigen verbal missbrauchen, die sie gerne sein würden, wurde Laeri auch schon als Barbie-Puppe bezeichnet. «Inzwischen lese ich den Quatsch gar nicht mehr», sagt sie.
Seit sechs Jahren arbeitet sie nun schon im Leutschenbach. Nach einem Praktikum in der «Kassensturz»-Redaktion wurde sie vor vier Jahren «Tagesschau»-Redaktorin. Danach wechselte Sie in die «10vor10»-Redaktion, wo sie unter anderem die Serie «Transsib, von Moskau nach Wladiwostok» produzierte, bevor sie 2007 Moderatorin der Sendung «SF-Börse» wurde.
In einer Zeit, in der viele junge Menschen aus Angst vor Langeweile und Stillstand von Party zu Party geflohen sind, hat Laeri an der Universität Zürich Betriebswirtschaft studiert. «Damit ich auch mal Excel-Tabellen lesen kann», sagt sie. Es ist natürlich eine souveräne Anspielung auf ein typisches Klischee in der männerdominierten Finanzwelt. Der Titel ihrer Abschlussarbeit (magna cum laude) lautete: «Das Verhalten der UBS im Fall Swissair». Wie man aus einem Gespräch das Maximum holt, das hat Laeri schon früh gelernt. Am Familientisch. Ihr Vater war forensischer Psychiater in der Klinik Rheinau. «Er machte mit meiner Schwester und mir ständig so kleine Tests», erzählt sie, «Fragespiele, Rorschachtests, das ganze psychologische Spektrum.» Die Lektionen waren erfolgreich. Kurer war nicht der erste Mächtige, der vor Patrizia Laeri ins Schwitzen kam. Nationalrat Felix Gutzwiller machte als Gutachter im Auftrag von Novartis nicht die beste Figur, als sie ihn mit Fragen zu einem überteuerten Medikament quälte. Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder versuchte sich aus der Laeri-Brechzange mit einem Flirtversuch zu retten — chancenlos.
Die Liste ihrer Opfer wird hoffentlich länger werden.

Bild Anja Schori
Bild Anja Schori

Die Diskussion

16 Reaktionen

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    Ronnie Grob

    Patrizia Laeri wurde in Blogs als “Barbie-Puppe” bezeichnet? Also Google findet dazu keine Quelle: http://www.google.ch/search?hl=de&q=%22Barbie-Puppe%22+%22Patrizia+Laeri%22&btnG=Google-Suche&meta=

    Persönlich verfasst habe ich allerdings einen Blogeintrag, in dem ich (neben teilweise undeutlichem Sprechen) den von ihr portierten Inhalt der Sendung “SF Börse” kritisiere. Dafür ist allerdings nicht sie, sondern die Redaktionsleitung der Sendung verantwortlich.

  2. Dean Hanson

    Als ich diese Dame vor Monaten das erste Mal am TV sah, war ich felsenfest überzeugt, dass es sich um einen satirischen Beitrag handeln müsste. Der Augenaufschlag und Körpersprache waren entsprechend. Viel wichtiger sind aber die journalistischen Werte; es wurde Zeit, dass jemand hart nachfragt. Das ist doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit!

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    Alexis de Laurentis

    Tja, den schönen gehört die Welt!
    Also steht einer steilen Karriere kaum was im Wege..

  4. Rebecca B.

    Ich verstehe den ganzen Hype um Frau Laeri auch nicht ganz. Sooo sehr hat sie Herr Ospel dann auch wieder nicht in die Zange genommen. Da beeindruckt mich die NZZ Journalistin und Nahostkorrespondentin Karin Wenger viel mehr.

  5. Rotcod Levi

    “«Das gehört eben zum Berufsrisiko», sagt sie und streicht ihr langes Haar mit einer leichten Handbewegung aus dem Gesicht. Man kennt die Geste von sehr schönen Frauen oder von sehr unsicheren. Laeri gehört zur ersten Gruppe.”

    Also die Groschenromanheftli am Kiosk kriegen das nicht besser hin. Chapeau, Magazin.

  6. Finn Canonica

    Lustig, wie Patrizia Laeri polarisiert. In meinem Kurzportrait stehen noch weitere Beispiele toller Recherche- und Interviewtechnik. Mehr davon kann man übrigens im 10v10-Archiv online sehen. Die Reaktionen auf meinen Text zeigen ja nur, dass ich mit meiner These richtig liege: Laeri ist einfach zu viel des Guten für die meisten Zuschauer. Smart und gut aussehend, das mag der Schweizer nicht.

  7. Marlise Herrmann

    Lieber Finn Canonica
    Es mag zutreffen, dass einige Schweizer und Schweizerinnen Leute nicht mögen, die smart und gut aussehend sind. Sicherlich nicht mehr oder weniger als dies in anderen Ländern vorkommt. Sie unterschätzen meiner Ansicht nach die Leute dieses Landes und überschätzen Patrizia Laeri. Nehmen Sie sie vom Sockel, auf den Sie sie gesetzt haben und erhöhen sie die Landsleute in ihrem Urteilsvermögen, dann stimmt die Waage. Für mich persönlich hat Frau Laeri einfach ihren Job gemacht, wie sie es selber ja auch so sieht.

  8. Marlise Herrmann

    Und übrigens, lieber Finn Canonica, dass die Einschaltquote beim Börsenbericht nicht sprunghaft in die Höhe schnellt, nur weil die attraktive Patrizia Laeri ihn verliest, spricht doch eindeutig für die gesunde Urteilskraft der hiesigen Fernsehzuschauerschaft. Was sind das für jämmerliche Medienschaffende, die ihr Publikum durch so armselige und billige Tricks suchen müssen. Hingegen finde ich es lobenswert, dass Sie die Qualitäten einer Frau würdigen – ich hoffe aber, und es spräche für Sie, dass Sie dies nicht nur bei schönen Frauen tun.

  9. Philippe Welti

    Herr Canonica, sind Sie eigentlich single?

  10. Redder Red

    naja, sie ist frech, scharf und jung. könnte da der verdacht aufkommen, dass es nicht um journalistische bewunderung geht?

    sie ist ein mal aus der menge der journalisten herausgestochen, und das auch nur, weil man sie vorher aufgrund ihres geschlechtes verniedlicht hat und dann überrascht war, dass sie journalistisch solide arbeitet.

    ist diese kleine homage nicht schon wieder eine abwertung, da man(n) ihre arbeit als speziell betrachtet, obwohl sie eigentlich nur gutes handwerk ist?

  11. Stefan Rudin

    ich hab mir nun dieses interwiew angeschaut und bin der meinung, dass frau laeri nur ihre arbeit erledigt hat.
    ich finde die reaktionen von herr kurer sind nicht auf die journalistischen leistungen von fr. l zurückzuführen, sondern auf die allgemein sehr schwierige lage als “chef” dieser institution.

    dass “wir” in diesem land “lieber” die “aussergewöhnlichen” als die “schönen” mögen, finde ich hat nicht sehr viel mit fr. l zu tun. zudem ist diese eine subjektive aussage.

    ich kenne genügend menschen in der schweiz, welche sich innerer schönheit verweigern und sich blenden lassen von aussen.
    und das sind nicht nur ausländischstammende mitbürgerinnen…

  12. Roman Heggli

    Ich glaube, viele nehmen diese Porträts zu ernst. Ich glaube aber auch, Herr Canonica macht es sich zu einfach, wenn er einfach den schweizerischen Neid für alles verantwortlich macht.

    Ich finde Frau Laeri eine starke Frau, die gleichzeitig noch gut aussieht. Für das Fernsehen ist sie der reinste Glücksfall und für die Zuschauer erst recht! Endlich muss man nicht mehr nur Stuss sehen (hübsche ModeratorIn) oder guten Inhalt hören (hässliche ModeratorIn), sondern man hat gleich beides zusammen. Und dafür hat Frau Laeri diese Porträt verdient!

  13. Marlise Herrmann

    P.L. ist eine gute Frau! Was mich belustigt, ist, wie einige männlichen Zuschauer, Leser und Journalisten sie für sich vereinnahmen, wie mir scheint, weil sie sich auch auf der sexuellen Ebene angesprochen fühlen. Lasst sie doch einfach Frau sein, ohne nach ihr zu greifen!

  14. Rotcod Levi

    Das wird ja immer lustiger.

    “Die Reaktionen auf meinen Text zeigen ja nur, dass ich mit meiner These richtig liege: Laeri ist einfach zu viel des Guten für die meisten Zuschauer.”

    Nur weil der Autor in Frau Laeri sehr viel des Guten sieht, heisst das noch lange nicht, dass seine These stimmt.

  15. Jean Bon

    Journalisten schreiben ueber Journalisten, in einer abgeschotteten Journalistenwelt, weit weg von der Realitaet
    auf der Journalisteninsel. Schlecht recherchiert, schlecht informiert, stuerzen sie sich auf Themen, welche sie von der Komplexitaet her kaum begreiffen. Ob die Dame huebsch ist oder nicht ist absolut irrelevant, da es sich hier nicht um die Miss-CH Wahl handelt. Aber das die Bonuszahlungen zu hoch sind, versteht jeder 3. Klaessler, darum schreiben und berichten Journis ja so gerne darueber…

    Journalisten stuerzen sich unermuedlich auf dieses absolut irrelevante Bonusthema, waehrend dem die wahren Fehler der Bankenmanager unerkannt bleiben, gerade weil die Journalisten von den komplexen Finanzmaerkten von tutten und blasen keine Ahnung haben, und gerne ueber einfache Hergaenge berichten.

    Die Bankmanager sind froh, dass sich die Diskussion staendig um die Bonuszahlungen drehen, damit ihre wahren, absolut kriminellen Taten der letzten Jahre, welche zum Kolaps des Finanz System gefuehrt haben, und sie eigentlich ins Gefaengnis fuehren wuerden, im Verborgenen bleiben.

    Dass sich bei SFDRS jeden Abend die peinlichste aller Boersensendungen abspielt, welche es rund um den Globus gibt, erstaunt nicht. Dass sich kein einziger Journalist darueber aufregt erstaunt auch nicht. Dass Herr Journalist Canonica diese unglaubliche Inkompetenz noch zelebriert, rundet das ganze super ab. Die Desinformation nimmt ihren Lauf, jeden Abend kurz vor der Tagesschau, zwischen endlosen Werbungen um den Rest des inkompetenten Programms zu verknuepfen… irgendwie..oder, natuerlich auch ab und zu im Tagi…

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