Personenkult: Anselm Grün

10.02.2008 von Ursula von Arx

Was schafft Zufriedenheit? Geld scheffeln und die Finger davon lassen. So mindestens handelt der Pater und Bestsellerautor Anselm Grün. In seiner Mönchskutte und wallenden Barttracht schreitet er einher wie ein Magier, halb grotesk, halb entspannt. Er sagt, er sei glücklich, wenn er Gott suche und in der Stille einen tiefen inneren Frieden verspüre.
Sehr zufrieden schaut Anselm Grün auch aus, wenn er von Zahlen spricht: 15 Millionen Bücher hat er verkauft und einen Umsatz gemacht von weit über 100 Millionen Euro. Und bienenfleissig schreibt der Pater weiterhin Buch um Buch, die Verlage sind gierig auf «Das Hohelied der Liebe», «Sei getröstet» oder «Quellen innerer Kraft». Grün sieht es gelassen, dass ihm nach zweihundert solchen Titeln nicht mehr viel Neues einfällt. «Natürlich wiederhole ich mich», sagt er, der nach Tantiemen längst Multimillionär ist.
Und doch besitzt er nichts. Als Benediktinermönch gelobte er Armut. All sein Geld geht an sein Kloster. Grün gibt weniger als 50 Euro aus im Monat. Wenn er eine neue Kutte braucht, geht er in die Kleiderkammer der Abtei. Möbel kann er kaum gebrauchen, seine Zelle misst keine 20 Quadratmeter. Sein einziger Luxus sei der gelegentliche Cappuccino in einer Autobahnraststätte, wenn er in seinem alten Golf auf Vortragsreise ist.
Auch als Finanzchef des Klosters geht Grün, ein studierter Betriebsökonom, selbstständige, schnurrige Wege. Er nahm in den Achtzigerjahren gegen den erbitterten Protest seiner Mitbrüder Geld auf. Und erwirtschaftet heute Jahr für Jahr um die zehn Prozent Rendite.
Ja, ja, sagt Pater Grün, das mache ihn zufrieden. Und nein, sagt Pater Grün, eigenes Geld reize ihn nicht. Geld gefährde die innere Freiheit. Im Moment diskutieren die Klosterbrüder in Münsterschwarzach bei Würzburg, ob jeder eine Dusche bekommt auf das Zimmer. «Ich bin auf der Seite der Armut», sagt dazu Pater Anselm Grün. «Wir brauchen keine Dusche im Zimmer. Wir können zur Gemeinschaftsdusche gehen.»

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