10.03.2007 von Miklós Gimes
Auf der DVD, die mir sein Manager Marcin am Ende unseres Gespräches im menschenleeren Restaurant des Warschauer Flughafens gegeben hatte, sieht man einen kleinen Jungen in einer roten Windjacke. Er sitzt auf einem Gokart und lächelt, wie eben Buben lächeln, die wissen, dass sie in einer Sache gut sind, sich aber beinahe schämen dafür.
Robert Kubica mag damals zehn Jahre alt gewesen sein, es war der Anfang seines unglaublichen Aufstiegs von einer schäbigen Kart-Piste in Polen bis aufs Podest in Monza, und dies schon in seinem dritten Rennen in der Formel 1, eine Leistung, die vor ihm nur wenige Fahrer geschafft haben.
Auf der DVD sieht man Kubicas erste Kart-Rennen in der Bubenkategorie, Robert ist immer der Kleinste auf dem Podium. Er reckt die Arme in die Höhe, auf eine verschämte Art, als getraue er sich nicht, vor den grösseren Jungs, die er eben besiegt hatte, zu jubeln. Es
war nichts Draufgängerisches an ihm, er schien ein intelligenter, liebenswürdiger kleiner Junge zu sein. Aber auf seinem Gefährt fuhr er alle in Grund und Boden, und ich fragte mich, ob er
in den Rennen etwas ausleben konnte, was in seinem Alltag keinen Platz hatte.
Viele Menschen kehren, sobald sie hinter dem Steuerrad sitzen, eine abgründige Seite hervor, aber nur Rennfahrer dürfen diese Seite auch öffentlich zeigen. Ayrton Senna war im Leben freundlich und rücksichtsvoll, doch auf der Rennstrecke galt er als Draufgänger, einer der aggressivsten Fahrer der Formel 1. Kubica schien nicht anders. Rennen für Rennen kann man auf jener DVD verfolgen, wie aus dem schmächtigen Jungen mit dem braven Haarschnitt ein junger Mann wird, und das Erstaunliche ist, dass er sich als besonders angriffiger Fahrer einen Namen gemacht hat.
Als ich nach Warschau flog, kannte ich ungefähr Robert Kubicas Lebenslauf sowie den oft zitierten Satz des früheren Rennfahrers Gerhard Berger: «Der Kubica fährt um sein Leben. Wenn er nämlich keinen Erfolg hat, kann er zurück nach Krakau als Traktorfahrer.» Dass sich Kubica überhaupt in diesem glamourösen Milieu herumtreibt, hat damit zu tun, dass er als vierjähriger Bub beim Einkaufen mit der Mutter ein Auto im Schaufenster erblickt hat. Einen Wagen für Kinder mit einem richtigen Motor und drei Pferdestärken. Robert wollte sich unbedingt ins Auto setzen. Er bettelte, er weinte, er kämpfte. Robert erhielt das Auto. Sein Vater ging mit ihm auf einen Parkplatz und steckte einen Slalom mit Flaschen aus, die er mit Sand gefüllt hatte. Der Junge fuhr die Strecke fehlerfrei. Dabei war der Wagen schwer zu steuern.
Auf diesem Parkplatz in Krakau muss Artur Kubica realisiert haben, dass ihm das Schicksal ein Wunderkind des Motorsports beschert hatte. Jahre später erzählte er in einem Interview, wie er sich beim Autofahren vom kleinen Jungen kritisch beobachtet gefühlt habe. «Robert war völlig besessen von Autos», sagte Artur, «er war elfjährig, als ich ihn das erste Mal auf einem Waldweg ans Steuer liess. Er schleuderte den Wagen herum und liess ihn elegant auf vier Rädern seitwärts rutschen. ‹Bist du sicher, dass du das im Griff hast?›, fragte ich. Er sagte nichts und nickte bloss. Ich erschrak, wie gut er fuhr.»
Artur Kubica brachte den Jungen jede Woche in eine Nachbarstadt zum Gokart, 120 Kilometer hin, 120 zurück, zweimal die Woche. Die Kubicas sind polnischer Mittelstand. Artur ist Geschäftsmann, er gab alles für Roberts Karriere, finanzierte sogar einen eigenen Mechaniker. Mit dreizehn hatte Robert alle polnischen Jugendtitel gewonnen. Er löste eine internationale Rennlizenz. Vater und Sohn machten sich auf nach Italien, wo der Kart-Sport auf höchstem Niveau betrieben wird. Robert erreichte auf Anhieb Spitzenränge. Ein italienischer Kart-Hersteller bot ihm daraufhin einen Vertrag an. Es war höchste Zeit, denn sein Vater war an seine finanziellen Grenzen gestossen.
Mit vierzehn wurde Robert Werkfahrer. Er lebte bei einer italienischen Rennfahrerfamilie und fuhr jedes Wochenende für seinen Rennstall. 1998 schaffte er als erster Ausländer der Kart-Geschichte den Titel eines italienischen Juniorenmeisters. Daniele Morelli, ehemaliger Manager des Formel-1-Piloten Pedro Diniz, begann sich für den Sechzehnjährigen zu interessieren. Pedro Diniz war reich und konnte sich in einen Rennstall einkaufen. Kubica war mittellos. Er konnte nur durch sein fahrerisches Können auf sich aufmerksam machen. «Der Junge haute mich um», sagte mir Morelli am Telefon. «Er kam mit seinem Vater, der aus Polen angereist war, nach Monaco in mein Büro. Der Vater sagte kein Wort, Robert führte die Verhandlungen. Ich war erstaunt, wie erwachsen er war. Ich hatte noch nie mit Gokart-Fahrern einen Vertrag abgeschlossen, weil man ja nicht weiss, wie sie sich in einem Rennwagen machen würden. Aber ein Gefühl sagte mir: Den musst du nehmen.»
In den nächsten Jahren beteiligte sich Robert an verschiedenen Nachwuchsmeisterschaften für Rennfahrer. Er war immer unter den besten drei.
Ende 2005 stand er kurz vor einem Vertrag mit Renault, als ihm BMW Sauber ein Angebot machte, als Testfahrer einzusteigen hinter Nick Heidfeld und Jacques Villeneuve, dem Weltmeister von 1997. Robert war in der Formel 1 angelangt. Er war 21 Jahre alt. Nach ein paar Rennen war klar, dass Villeneuve die Erwartungen nicht erfüllte. Ein paar Tage vor dem grossen Preis von Ungarn erhielt Kubica einen Anruf von seinem Teamchef: «In Budapest bist du dran.» Auf der Fahrt von Krakau nach Ungarn erreichte ihn Mediensprecher Hans-Peter Brack auf dem Natel: «Robert, bist du nervös?»
«Nein, warum sollte ich?», sagte er.
Auf dem Hungaroring regnete es, Kubica wurde Achter. Drei Wochen später war er in Monza auf dem Podest. Robert Kubica war der Aufsteiger der letzten Saison und drängte Jacques Villeneuve aus dem Team. «Im nächsten Jahr zahlt BMW Robert Kubica 2,4 Millionen Dollar», schrieben polnische Zeitungen. Ein beachtlicher Lohn für polnische Verhältnisse, allerdings hat Ayrton Senna zehnmal so viel verdient.
In der Gokart-Halle von Krakau
In Kazimierz, dem früheren Judenviertel von Krakau, gibt es eine gedeckte Gokart-Halle. Das Motodrom steht in einer alten Giesserei in einem Arbeiterquartier. Die Strassenbeleuchtung ist schlecht, und die Mädchen tragen bei minus fünf Grad kurze Röcke, während die Jungs mit Bierbüchsen herumlungern. Das Motodrom ist einer der Orte im Osten, die man unter Denkmalschutz stellen sollte, weil sie von einer Welt erzählen, die es bald nicht mehr gibt. Robert Kubica wohnt noch in der Nähe. Als Junge kam er oft vorbei, er hält immer noch den Rundenrekord.
Im kleinen Büro, wo die Plakate mit seinem Foto hängen, hat er Tischfussball gespielt und Autorennen im Fernsehen geschaut. Ein polnischer Fahrer in der Formel 1 sei damals unvorstellbar gewesen, sagte Pawel. Der Motorsport habe in Polen keine Tradition. Im ganzen Land habe es zwei Kart-Pisten gegeben, und Formel-1-Rennen schauten vielleicht hun-derttausend Menschen. «Heute sind es Millionen», sagte Pawel.
Die Halle gehört einem Kloster im Quartier. Pawel Miskiewicz hat sie vor elf Jahren gemietet und das Motodrom daraus gemacht. «Der Laden läuft gut, seit Robert Erfolg hat», sagt er.
«Pawel, was muss man können, um als Kart-Fahrer Erfolg zu haben?»
«Man muss psychisch sehr stark sein. Viele Rennfahrer sind schnell, aber wenn sie technische Probleme haben, fluchen sie und schmeissen den Helm weg. Robert beisst die Zähne zusammen. Er kämpft weiter. Er will immer gewinnen.»
«Welche Rolle spielten die Eltern?»
«Ohne seine Eltern hätte ers nie geschafft. Um im Kart-Sport hochzukommen, braucht es einen gewissen finanziellen Hintergrund. Als Robert elf Jahre alt war, hat sein Vater mit ihm ein erns-tes Gespräch geführt. ‹Ist es wirklich das, was du im Leben machen willst?›, hat er ihn gefragt. Und dann haben sie alles auf diese Karte gesetzt.»
Ich versuchte, mir das Wunderkind und seinen Vater im Polen der späten Achtzigerjahre vorzustellen. Die Gesellschaft hatte damals, zur Zeit der Wende, andere Sorgen. Roberts ausgefallenes Hobby hatte etwas Einsames, fast Eigenbrötlerisches. Vielleicht war er ein seltsamer Aussenseiter, aber Pawel meinte, er sei ein völlig normaler Junge gewesen. «Im Gegenteil», sagte er, «seine Kameraden waren stolz auf ihn.»
«Und heute?»
«Heute zieht er die Kappe tief ins Gesicht, wenn er aus dem Haus geht. Die Leute sind verrückt nach ihm. Aber er ist noch der Alte. Wenn er in Krakau ist, dann spielen wir Tischfussball wie früher.»
«Aber er ist jetzt reich.»
«Er lässt es uns nie spüren. Nur einmal, bei einer Sponsorenveranstaltung, als er plötzlich von Bodyguards abgeschirmt war und die Leute uns die Halle einrannten, merkten wir, dass Robert im Grunde in einer ganz anderen Welt lebt.»
In der Welt des Gokarts muss der Fahrer dauernd auf den Motor hören, weil er das Luft-Benzin-Gemisch verändern kann. Robert habe ein hervorragendes Gespür für den Motor gehabt und dauernd am Gemisch herumgeschraubt, um das Maximum aus seiner Kiste zu holen, sagt Pawel.
Der amerikanische Traum
Roberts Vater redet nicht mit den Medien. Schlechte Erfahrungen. So nehme ich den Frühzug nach Warschau, wo ich mit Marcin Czachorski verabredet bin, Roberts polnischem Manager. Er hat den kleinen Robert schon als Bub gekannt. «Ich bewundere Artur», sagt Marcin, «er war für Robert ein gutes Vorbild. Er ist sehr direkt, er weiss, was er vom Leben will. Und all diese
Eigenschaften, die ich an ihm bewundere, sehe ich gespiegelt in Roberts Persönlichkeit.»
«Was macht Robert neben der Rennstrecke? Hat er Hobbys?»
«Robert liebt alles, was mit Adrenalin zu tun hat. Um ihn herum ist die reinste Kubicamania. Robert ist der beliebteste Sportler Polens. Alle Politiker wollen mit ihm fotografiert werden, alle Unternehmen wollen mit ihm zusammenarbeiten. Dabei haben sie früher keinen Finger gerührt für ihn.» Ich frage Marcin, wie er sich Roberts Popularität erklärt, in einem Sport, den sich
nur die Arrivierten leisten könnten. «Die Menschen sind hungrig nach Erfolg», sagt er. «Robert hat es mit seinem blossen Talent geschafft, in einer Welt Erfolg zu haben, wo in erster Linie das Geld zählt. Das macht den Menschen Eindruck. Für sie ist Robert einer von ihnen. Ein Sohn des Volkes. Ein Selfmademan, fleissig und begabt. Der amerikanische Traum in Polen. Er ist ein Vorbild. Er trinkt nicht, er raucht nicht, er geht nicht in Discos.»
«Klingt nach einem Saubermann. Ist er den Polen nicht zu brav?»
«Nein», sagt Marcin. «Die Austrahlung seines Erfolges ist grösser als alle Zweifel. Vergessen Sie nicht, er ist kein Streber. Er ist einer von ihnen.»
Die Verrückten am Computer
Im Frühling 1994 krachte Ayrton Senna in Imola gegen eine Betonmauer. Er war sofort tot. Michael Schumacher gewann das Rennen, er wurde in der Folge siebenmal Weltmeister. Schumacher war ein neuer Fahrertyp. Ein technischer Perfektionist, der in der Rennvorbereitung nichts dem Zufall überliess. Er war der ideale Fahrer für die heranbrechende Ära der Elektronik. In den letzten zehn Jahren ist die Faszination der Formel 1 von den Wahnsinnigen am Steuer übergegangen zu den Verrückten am Computer. Es geht zunächst einmal um Millimeter auf dem Reissbrett der Ingenieure. Wenn Senna wieder auferstehen würde, wüsste er gar nicht mehr, wie man einen Boliden von 2007 fahren müsste.
Sennas Unfall war das Ende einer wilden Epoche. Er ist der letzte Autorennfahrer, der in der Formel 1 gestorben ist. Seither wurde Sicherheit gross geschrieben. Die Formel 1 wurde zivilisiert, der Tod vor laufenden Kameras war einfach nicht mehr zeitgemäss, die Sponsoren drohten auszusteigen. Ein unzerstörbares Cockpit aus Kohlefasern schützt heute die Piloten. Auch die Strecken sind entschärft worden.
Aerodynamik heisst jetzt das neue Geheimnis des Automobilsports. Die Kunst liegt darin, einen Wagen zu bauen, der windschlüpfrig ist und gleichzeitig vom Luftwiderstand auf dem Boden gehalten wird. Zwei Tonnen Anpressdruck halten ein gut konstruiertes Rennauto auf der Piste. Je grösser der Druck auf den Boden, desto schneller kann der Fahrer in die Kurven. Daran
arbeiten die Mechaniker und Ingenieure Tag und Nacht, schrauben und pröbeln, testen und werten aus. Bei Sauber in Hinwil ist der Windkanal 24 Stunden in Betrieb. Die Formel 1 ist eine Materialschlacht. Eine Mannschaft wie BMW Sauber kostet etwa 500 Millionen Franken pro Jahr und beschäftigt 700 Leute.
Die Autofirmen folgen den Spuren der Motorisierung nach China, in die Türkei und die arabischen Länder, wo neuerdings Formel-1-Rennen stattfinden. Deshalb wunderte sich niemand, als BMW Sauber einen unbekannten jungen polnischen Rennfahrer einstellte. Robert Kubica war zwar in den Nachwuchsrennen als vielversprechendes Talent aufgefallen, und auch Renault war an ihm interessiert. Aber es passte einfach zu gut zusammen: die Globalisierung, der polnische Fahrer, die Expansion der Formel 1. Der erste Rennfahrer aus Polen in der Formel 1, das war ein Zeichen, dass wir in einer neuen Welt leben. Kubicas Manager bestreitet allerdings, dass marketingstrategische Überlegungen bei der Anstellung seines Schützlings eine Rolle gespielt hätten. «Wenn ein guter Fahrer aus China auf dem Markt gewesen wäre, hät-
ten sie ihm vielleicht den Vorzug gegeben. Aber grundsätzlich wollen sie den besten Piloten. Damit sie eines Tages Weltmeister werden können», sagte Daniele Morelli.
Beim Training in Spanien
Jerez de la Frontera, 6. Februar 2007. Die Leute lassen ihre Autos am Strassenrand stehen, junge Männer und ihre Freundinnen, Rentner in Freizeitkleidung, Väter mit ihren Söhnen an der Hand. Tausende, ein unaufhörlicher Strom, angelockt vom Sirren hinter der Tribüne, ein nervöses Heulen, das sich ins Ohr frisst wie die Kettensäge, wie der Zahnarztbohrer, mal näher, mal weiter. Dabei findet heute gar kein Rennen statt, nicht einmal ein Training. Bloss Testfahrten. Ab und zu rast einer vorbei, 300 auf dem Tacho, bremst vor der Kurve ab, gibt Gas und verschwindet hinter dem Grashügel.
Was sich in den Boxen abspielt, ist geheim. Wenn die Autos auseinandergenommen und neu zusammengesetzt werden, darf nur die eigene Mannschaft in die Garage. Alle tragen einheitliche Overalls und sind arbeitsteilig organisiert – ein Mann, ein Handgriff –, eine Choreografie von Händen und Schraubenschlüsseln. Sie tragen einen Ohrenschutz wie die Fluglotsen, den sie selbst zum Essen im eleganten Restaurantzelt der Mannschaft nicht abnehmen.
Robert Kubica bewegt sich in dieser Welt mit der Gewandtheit eines Menschen, der von jung auf gelernt hat, für sich selber zu sorgen. Er hat für alle ein Lächeln übrig, einen lustigen Spruch, einen Klaps auf die Schultern. Dabei wirkt er natürlich, glaubwürdig, ein aufgeweckter grosser Junge, mit einem breiten Gang. Aber wirklich bei sich selber ist er nur, wenn er mit dem Wagen aus den Boxen prescht und mit den Ingenieuren seine Runden auswertet. Dann kneift er die Augen zusammen, und seine bubenhaften Züge werden angespannt.
Am Vormittag hatten ihn Spieler der polnischen Fussballnationalmannschaft besucht, die in der Nähe trainierten.
«Es ist immer schön, Polen zu treffen», sagt Robert Kubica, nachdem die Fussballstars gegangen sind. Sie hatten sich alles von ihm zeigen lassen, aufgeregt
wie Kinder. Jeder wollte mit ihm fotografiert werden.
«Für wen fahren Sie?», frage ich, für sich oder für ihr Land?»
«Für mich», sagt Robert, erstaunt über die Frage.
«Aber in Polen sind Sie bereits ein Idol.»
«Ach, hören Sie auf. Ich habe ein paar Menschen gezeigt, was im Leben möglich ist, wenn man hart arbeitet. Das ist alles. Ich kam aus dem Nichts.»
«Woher kommt diese Anziehungskraft des Autorennsports?»
«Ich weiss es nicht. Das Leben ist ein Puzzle, und wenn man Glück hat, passen die Teile zusammen. Wenn meine Eltern damals mir dieses Kinderauto nicht gekauft hätten, wäre ich jetzt nicht hier.»
«Welche Rolle hat Ihr Vater gespielt?»
«Mein Vater war sehr wichtig. Er sagte immer, ‹was wir machen, machen wir richtig, oder wir lassen es bleiben›. Ich glaube nicht, dass er mich benutzt hat, um seine eigene verborgene Pas-sion für den Rennsport auszuleben, wie das andere Väter tun. Aber als ich mit Vierzehn meinen Vertrag als Werkfahrer unterzeichnete, war es schon hart für ihn, ins zweite Glied zurückzutreten.»
«Sie haben einen weiten Weg gemacht, von Polen in die glitzernde Formel 1. Wie bringen Sie diese Welten zusammen?»
«Das sind nicht zwei Welten für mich. Wenn ich in Polen bin, lebe ich wie früher mit meiner Familie in unserer 47-Quadratmeter-Wohnung. Ich bin ein ziemlich einfacher Mensch. Ich brauche keinen Glamour. Alles, was mich interessiert, ist ein gutes Auto und ein gutes Team.»
«Worin liegt der Unterschied zwischen Kart-Fahren und der Formel 1?»
«Kart-Fahren, das war eine schöne Zeit. Damals war ich noch unbeschwert. Das war reines Vergnügen. Jetzt arbeite ich.»
«Und der Rausch der Geschwindigkeit?»
«Ach, das Tempo spürt man nur in den Kurven, wenn man verlangsamt, aber nicht auf der Geraden, wo man aufdrehen kann.»
«Sie spüren keinen Kick bei 300 Stundenkilometern?»
«Geschwindigkeit ist anstrengend. Sie spüren es im Rücken, in den Knien, überall.»
Wenn ich Robert Kubica im ersten Rennen der Saison sehen werde, werde ich zurückdenken an den kleinen Jungen im roten Overall, der sich schämt, seinen Gegnern um die Ohren zu fahren. Die Lehrerin habe in der Schule einmal gefragt, welche Musik ihm am besten gefalle, erzählte er später einmal in einem polnischen Interview. «‹Die Musik der Motoren›, habe ich gesagt. Doch ich weiss heute noch nicht, ob sie begriffen hat, dass es für mich wirklich nichts Schöneres gibt als den Klang der Motoren.»

Saubermann und Draufgänger zugleich: Rennfahrer Robert Kubica | Immo Klink

Der Fahrer ist der Körper, die Betreuer das Hirn: Kubica und Mannschaft beim Training in Jerez de la Frontera, Spanien | Immo Klink

Beruf: Reifenbetreuer In der Formel 1 gibt es für alles Experten. | Immo Klink

Die Boxengasse in Jerez de la Frontera mit den Signalposten aller Teams | Immo Klink