29.02.2008 von Andreas Dietrich
Polo Hofer, wie gehts?
Ausgezeichnet.
Sie lagen wegen einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse zehn Tage im Koma, vor ein paar Monaten fand man einen gutartigen Tumor an Ihrem Stimmband…
… ich bin durch die Hölle gegangen. Aber jetzt ist gut. Der Arzt sagte nach der letzten Kontrolle: Herr Hofer, der Tumor ist weg, der wird nie mehr kommen. Unterdessen habe ich eine Stimm- und Sprechtherapie begonnen.
Sie müssen auf die alten Tage noch singen lernen?
Die Stimmbänder sind nach sechs Wochen Bestrahlung angeschlagen. Aber stimmlich habe ich mich schon schwer verbessert. Haben Sie übrigens gewusst, dass die ärzte von Stimmlippe reden, nicht von Stimmband? Ich weiss jetzt auch, wieso: Es sieht in der Vergrösserung exakt aus wie eine Vagina.
Derzeit klingt Ihre Stimme…
…fast so rauchig, wie ich sie schon immer gern gehabt hätte. Ich wollte immer mindestens klingen wie Ray Charles…
…wenn nicht wie Joe Cocker…
…Little Richard, Rod Steward, Tom Waits, Zucchero. Ich komme dem jetzt näher.
Die Stimme ist seit vierzig Jahren Ihr Arbeitsinstrument – hatten Sie keine Angst, dass sie nie mehr zurückkommt?
Nur insofern, als im Studio zehn fertige Tracks fürs neue Album lagern, die ich noch nicht besingen konnte. Ich muss warten, bis ich wieder in Form bin.
Wird das Album gut?
Ein Hammer. Mit zwei todsicheren Hits. Eher etwas fürs Tanzbein als eine CD, die man abends bekifft zum Grüntee hört wie die neue von Züri West.
Gefällt sie Ihnen nicht?
Ein Valium, aber bestes Handwerk.
Die Vorstellung, nie mehr singen…
…das würde mir nicht einmal so viel ausmachen. Ich habe es vierzig Jahre lang gemacht, ich habe wieder Lust auf Malen und Zeichnen, auf Ruhigeres.
Das Publikum würden Sie nicht vermissen?
Auch das habe ich gehabt. Und all die Leute, die nach dem Konzert unbedingt mit einem reden wollen…
Mühsam?
Manchmal. Es gibt halt auch Fans, die ein emotionelles oder psychisches Manko haben, und die suchen die Nähe. Ich bin ja nicht wirklich ein unfreundlicher Mensch, aber ich muss mir auch nicht jede Lebensstory anhören.
Sie können nicht aus dem Haus, ohne «Polo national» zu sein.
Das ist manchmal ein Problem. Da bin ich 24 Stunden daheim, grüble irgendetwas, dann gehe ich hinaus – und lande in einer andern Welt. Da heisst es an jeder Ecke «Tschou Polo», «Salü Polo», und Schulklassen rufen mir nach: «Hey, Herr Alperose!». Kinder, die mich nicht von den Simpsons unterscheiden können.
Sollten Sie das Rauchen nicht lassen?
Dank Nikotinpflaster rauche ich immerhin weniger als die Hälfte von früher.
Nach der Entzündung der Bauchspeicheldrüse empfahlen Ihnen die ärzte, nie mehr einen Tropfen Alkohol zu trinken.
Es ist jetzt 15 Uhr, Sie sind beim zweiten Cüpli. Trinken Sie sich zu Tode?
Ein Cüpli! Zu Ihren Ehren! Hören Sie auf zu moralisieren! Wenn ich wegen des Alkohols zehn Jahre weniger lebe, dann ist mir das egal. Lieber lustvoll zu Boden gehen, als langweilig alt werden. Abgesehen davon schaut das Publikum gern zu, wie sich einer angeblich kaputt macht. Amy Winehouse, Pete Doherty…
Prost! Sie machen auf uns jedenfalls keinen lebensmüden Eindruck.
Ich auf mich auch nicht. Sie werden noch viel von mir hören in nächster Zeit.

Polo Hofer | Bild: Herbert Zimmermann