Polo Hofer, Teil 3

14.03.2008 von Andreas Dietrich , 1 Kommentar

Polo Hofer, Sie werden am Sonntag 63: Happy Birthday!
Merci. Darauf nehmen wir noch einen!

Bald bekommen Sie die AHV-Rente…
Aber ich habe keine Pensionskasse.

Ein Konto in Liechtenstein?
Schön wärs.

Haben Sie Existenzängste?
Nein. Ich bin zwar nicht Millionär, aber ich könnte allein von den Urheberrechtstantiemen leben. Nur schon «Alperose» bringt Hanery Amman und mir jährlich einen stattlichen Batzen ein, weil der Song dauernd am Radio kommt und ihn Blasmusiken, Chöre und Tanzcombos Wochenende für Wochenende aufführen.

Finanziell haben Sie es geschafft – künstlerisch ist bei Ihnen eine gewisse Unzufriedenheit spürbar.
Überhaupt nicht. Es gibt zwei Biografien über mich, ich habe einen Gedichtband und Aphorismen herausgegeben, Kolumnen geschrieben, Radioshows moderiert*, zwei Filmdokus gemacht, in drei Spielfilmen eine Hauptrolle gespielt…

Warum haben Sie es dann nötig, immer wieder öffentlich über andere Musiker herzuziehen wie jüngst über Züri West und Tinu Heiniger?
Ich kann beim besten Willen nicht erkennen, was daran subversiv sein soll, wenn Heiniger «Là-haut, sur la montagne» singt, und erst noch falsch.

Warum nicht mehr Gelassenheit? Sie sind doch der Grösste! Haben Sie nachgelesen, wie bewegt das Land war, als Sie 2006 im Koma lagen?
Es ist ein Unterschied, ob man wegen seines Werks beschrieben wird oder weil es einem gesundheitlich mies geht.

Die Schlagzeile «Polo: Krebs!» haben Sie, nachdem Ruedi Rymanns Erkrankung publik und er mit dem «Schacher Seppli» zum Favoriten geworden war, selber lanciert – einen Tag vor dem Finale um den «Grössten Schweizer Hit».
Ich habe nur mein Arztzeugnis wegen des Stimmbänder-Tumors auf meine Homepage gestellt.

…und dann den «Blick» angerufen.
Wer sagt das?

Ein «Blick»-Redaktor.
Chabis. Bei der Bauchspeicheldrüse hiess es, wir hätten zu wenig informiert. Dann informiere ich über meinen Tumor, und wieder ists nicht recht.

Warum hat das Volk Sie so gern?
Viele Leute empfinden mich halt als ehrlich. Ich bin vermutlich der Einzige, der öffentlich bekennt: Ich kiffe, und ich finde die Gesetzgebung falsch.

Und das verzeihen die gutbürgerlichen Schweizer ihrem Polo…
Nicht alle. Gerade letzthin hat mich wieder ein Bürger wegen dem Kiffen angezeigt.

Auch die Linke hat Ihnen nicht alles verziehen.
Welche Linke? Die mich 1980 in Zürich mit Eiern, Tomaten und Bierflaschen von der Bühne vertrieben hat? Da galt ich als kapitalistisches Kommerzschwein, weil ich ein Lied für Radio 24 gemacht hatte.

Sie wechselten ja früh zur bürgerlichen Sichtweise: «Da chunnt so ne wilde Hippie…» sangen Sie, selber ein Hippie, 1976 in «Kiosk». Haben Sie da gemerkt, dass man mehrheitsfähig wird, wenn man seine Ideale verrät?
Welche bürgerliche Sichtweise? Welche Ideale? He, es war so! Am Tag, als ich den Song schrieb, wurde ich zwischen Zytglogge und Eigerplatz viermal angepumpt. Das war und ist real life.

Würden Sie den Song heute, da die SVP ein Bettelverbot fordert, noch immer schreiben?
Ja. Ich werde mehr angebettelt als andere. Kürzlich wollte eine relativ Verwahrloste im Bahnhof Bern einen Fünfliber. Ich fragte: Verlangst du von jedem so viel? Sie: Nur von denen, die ich vom Fernsehen her kenne.

Gespräch: Andreas Dietrich und Bänz Friedli

Polo Hofer | Bild: Herbert Zimmermann
Polo Hofer | Bild: Herbert Zimmermann

Die Diskussion

Eine Reaktion

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    Christian Röthlisberger

    polo wird 65? ein historischer tag. gratuliere.

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