Recht Auf Unglück

Ja, Frauen sind tatsächlich weniger glücklich als vor vierzig Jahren. Doch das ist erstens nur logisch und zweitens vollkommen in Ordnung.

12.06.2009 von Michèle Roten , 14 Kommentare

Eine Studie hat ergeben, dass Frauen im Verlauf der letzten vierzig Jahre unglücklicher wurden. Ein bemerkenswerter Befund. Was könnte der Grund dafür sein? Mal überlegen. Sinkt die Stimmung, weil es mit Mutter Erde bachab geht? Moment, das müsste sich ja auch auf Männer auswirken. Hat vielleicht die Pille einen negativen Einfluss auf den Dopaminhaushalt? Dafür gibts keine Belege. Hm. Was hat sich denn verändert für Frauen in den letzten vierzig Jahren? Ach so, na klar! Die Emanzipation! Was Männer schon immer geahnt haben und die starrköpfigen Weiber nicht wahrhaben wollten, jetzt ist es offiziell, schwarz auf weiss: Die Emanzipation macht Frauen unglücklich.
So schnell wird aus Wissenschaft Politik. In ihrer eben erschienenen Studie «The Paradox of Declining Female Happiness» umgehen es die beiden Cambridge-Forscher Betsey Stevenson und Justin Wolfers weitgehend, Vermutungen über die Gründe für das Ergebnis anzustellen. Umso parater stürzen sich die Medien darauf: Ein Kolumnist der «New York Times» sieht das Ergebnis vor allem von all den unglücklichen alleinerziehenden Müttern beeinflusst und ruft dazu auf, «sexuell Unverantwortliche» gesellschaftlich zu stigmatisieren — vom «seriellen Babymacher», der danach die armen Frauen (die ja, obwohl emanzipiert, immer noch zu blöd sind zu verhüten) im Stich lässt, bis zum schwangeren Popsternchen. Blogs posten das Abstract mit dem Kommentar: «Das habt ihr davon!» Christliche Sprachrohre sehen sich darin bestätigt, dass weder mehr Rechte noch Karriere, noch Geld, noch Familie, sondern einzig und allein die Beziehung zu Gott die Frau, ach was, den Menschen überhaupt glücklich machen kann.
Und die wackere «SonntagsZeitung» geht die Sache ganz investigativ an und sucht die glücklichsten Frauen der Schweiz. Und findet sie: im urnerischen Schattdorf. Der Artikel mit dem Titel «Wo viel Schatten ist, ist noch mehr Licht» sollte besser «Wo viel Schatten ist, ist noch mehr schlicht» heissen, denn die Reportage über die Frauen dieses Dorfes entblödet sich keines unhinterfragten Klischees. Quintessenz: In diesem entzückenden Kaff, wo anno 2000 noch gegen die Initiative für eine gerechte Vertretung der Frauen in den Bundesbehörden gestimmt wurde, ist die Welt noch in Ordnung, weil die Gemeinschaft funktioniert. Die Präsidentin der Frauen- und Müttergemeinschaft meint, die Urnerinnen seien «einfach ein bisschen bescheidener» und «bräuchten nicht viele Dinge und tolle Berufe» (sprachs und «schaute hoch zu den Bergen»). Die Präsidentin der Frauenriege gibt sich eine glatte 8,5 auf der Glücksskala und würde es nicht verstehen, «wenn eine Mutter ohne wirtschaftliche Not viel arbeiten würde und die Kinder in die Krippe gäbe». Und für den Schluss des Artikels hat der gute Gott von Schattdorf noch etwas besonders Hübsches inszeniert: «Auf dem Parkplatz vor der Drogerie steht ein Subaru. Eine junge Frau sitzt auf dem Beifahrersitz. Aus dem Radio klingt ‹What a wonderful world›.»
Eine wundervolle Welt, jaja. Jetzt, wo wir abstimmen dürfen, arbeiten dürfen, fast so viel Geld verdienen wie Männer, gute Ausbildungen machen, selber kontrollieren können, ob wir schwanger werden wollen oder nicht. Da müsste doch jeder Tag ein einziges Fest sein für die befreite Frau, nicht wahr? Aber eben, auf die Frage «Über alle Bereiche Ihres Lebens gesehen, würden Sie sagen, Sie sind sehr glücklich, ziemlich glücklich oder nicht so glücklich?» des General Social Survey schlugen 1972 die Frauen die Männer noch in Sachen Glück, während sie 2006 nicht nur absolut weniger glücklich waren als noch 1972, sondern sogar relativ zu den Männern.
Es gibt zwei Arten, mit dieser Studie umzugehen: Sie einfach nicht ernst zu nehmen, sie (erst mal aufs Geratewohl) als nicht valide zu erklären, die Operationalisierung anzuzweifeln — denn, wie bei jeder Untersuchung, würden andere Testverfahren das Gegenteil ergeben. Möglichkeit Nummer zwei: die Ergebnisse als Fakt anzunehmen. Allerdings gibt es dann nur eine einzige Lesart.
Und zwar: Ja, verdammt, Frauen heute sind unglücklicher als vor vierzig Jahren — nicht gleichzusetzen allerdings mit unglücklich schlechthin —, und das ist gut so! Es ist ein Preis, den wir mit Freude zahlen. Ist doch nur logisch: Mit Freiheit, mit Selbstbestimmung kommen Möglichkeiten, mit Möglichkeiten kommen Entscheidungen, mit Entscheidungen kommen Probleme, Stress, Druck und viele unangenehme Sachen mehr. Das ist allerdings vollkommen in Ordnung, denn was zählt ist nur, dass das Unglück selbst gewählt ist. Das ist Freiheit! Das Recht auf Unglück gehört somit einfach zu den vielen Rechten, die wir erst zu spät erhielten. Oder um es mit dem grossen Liberalen John Stuart Mill zu halten: «Es ist besser, ein unzufriedener Mensch zu sein als ein zufriedenes Schwein.» Unter dieser Prämisse sollte man sich folgende Faktoren zur Interpretation der Ergebnisse mal durch den Kopf gehen lassen.
— Natürlich ist eine Frau, die gebildet ist, einen Beruf ausübt, der sie wirklich interessiert, einen Mann will, der ihr wirklich gefällt, sich Freunde sucht, die ihr wirklich was geben, und Kinder macht, wenn sie wirklich bereit ist dafür — sprich sich eine sehr komplexe Situation geschaffen hat —, bei Stichproben unglücklicher als die Hausfrau und Mutter; weil bei ihr die Zufriedenheit auf mehr Ebenen kranken kann als bei der, die ihre ganze Konzentration darauf verwenden kann, dass die Familie gut läuft.
— Mit dem steigenden Bildungsgrad der Frauen und den psychologischen Interpretationsmustern, die uns heute zur Verfügung stehen und mit denen man das eigene Leben hinterfragt, stösst man immer auf Mängel. Besonders Frauen, da die Standards für seelisches Wohlergehen etwas sehr Weibliches sind.
—Verantwortung, die unweigerliche Fortsetzung von Rechten und Pflichten, ist auch nicht primär ein Quell des Glücks.
— Wenn eine Frau arbeitet, bedeutet das also eine Möglichkeit mehr für Unglück, wenn sie nicht arbeitet allerdings auch — muss sie sich doch plötzlich vor sich selber und der Gesellschaft dafür rechtfertigen.
— Über die gesamte Zeitspanne der Untersuchung rapportierten Hausfrauen eine niedrigere Zufriedenheit mit ihrem Job als Frauen im Arbeitsmarkt. Allerdings ist der Trend der Zufriedenheit von Hausfrauen steigend — könnte das damit zu tun haben, dass die, die jetzt zu Hause bleiben, sich aktiv und bewusst dafür entschieden haben und ergo ganz glücklich sind damit?
— Mit der Gleichberechtigung und dem Arbeitsleben vergrössert sich der Pool an Menschen, mit denen sich die Frau vergleichen kann, um den Faktor Mann, also 50 Prozent: Und Konkurrenzdruck macht zwar besser, aber nicht unbedingt entspannter. Dazu kommt noch die stetig steigende Medialisierung und damit verbundene Überrepräsentation von anderen Lebenskonzepten, die ebenfalls dazu verleiten, sich an ihnen zu prüfen.
— Unsere Gesellschaft ist immer noch in patriarchalen Strukturen aufgebaut, Systeme ändern sich nur langsam. Gleichberechtigung bedeutet also momentan noch mehr die An- und Einpassung der Frau an und in eine männliche Welt mit männlichen Normen, das ist weder einfach noch besonders euphorisierend.
— Anders gesagt: Die von der Frauenbewegung geweckten Erwartungen entwickelten sich schneller als die gesellschaftliche Realität — das kann schon mal enttäuschend sein.
— Könnte es eigentlich sein, dass die Frauen 1972 nicht ganz so ehrlich waren? Könnte es sein, dass sie so geantwortet haben, wie es von ihnen erwartet wurde, nämlich, dass eine Frau dann glücklich zu sein hat, wenn sie verheiratet ist, mit erfolgreichem Ehemann und gesunden Kindern?
— Apropos Ehemann, ein ganz hübsches Beispiel dafür, wie verzerrungsanfällig empirische Untersuchungen sind: Man hat herausgefunden, dass verheiratete Menschen glücklicher sind als unverheiratete. Und man hat auch herausgefunden, dass glückliche Menschen einfach öfter verheiratet sind als unglückliche.
— Die Korrelation zwischen Glück und Eheglück ist übrigens tiefer bei Frauen, die arbeiten, als bei Frauen, die Hausfrau sind, und sie sank generell bei allen Frauen.
— Könnte es eigentlich auch sein, dass es Frauen grundsätzlich eher ausdrücken, wenn sie unglücklich sind als Männer, weil die Unglück eher mit Versagen konnotieren?
— Auch legitime Gründe für getrübtes Glück könnten die immer noch aufs schönste blühenden Missstände sein: Von Lohnungleichheit über Sexismus bis hin zum sogenannten Gläserne-Decke-Effekt — hochqualifizierte Frauen stossen auf dem Weg nach oben etwa beim mittleren Management auf eine unsichtbare Barriere.
— Eine These: Je besser es dem Menschen geht, desto mehr braucht es für ihn, um sich als glücklich zu bezeichnen. Ein Hinweis darauf könnte auch sein, dass die Selbstmordrate von Frauen im Sample gesunken ist, obwohl ja das subjektive Wohlbefinden gleichzeitig abgenommen hat.
— Es ist ja nicht so, dass mit den neuen Erwartungen ältere verblasst wären — im Gegenteil: Wie man als Frau auszusehen hat ist ein grösseres Thema und Stresselement denn je. Jetzt arbeiten wir zwar wie die Tiere, so daherkommen wollen wir aber immer noch nicht. Und so ein hingejufelter Lidstrich kann wirklich absolut unglücklich machen.
— Generell stieg die Rate der Hochschulabsolventen im Verlauf der Studie drastisch: 1970 waren es gerade mal ein Viertel der Erwachsenen, 2005 mehr als 50 Prozent. Besonders stark war der Anstieg bei Frauen, sowohl absolut als auch relativ: Bei der Kohorte der nach 1960 Geborenen haben sogar mehr Frauen einen Hochschulabschluss als Männer. Mit steigenden Löhnen für gut ausgebildete und sinkenden oder stagnierenden für den Rest wurden Männer mit Hochschulabschluss glücklicher, während die ohne unglücklicher wurden. Und dann das: Frauen quer durch alle Bildungsschichten wurden tendenziell unglücklicher, am deutlichsten allerdings die mit Hochschulabschluss.
— Wie war das noch mal? Gebildete Frauen haben mehr Probleme, einen Mann zu finden?
— Und für alle Männer, die immer noch nicht glauben wollen, dass Emanzipation eine gute Sache ist: Der andere bemerkenswerte Befund der Studie ist, dass Männer heute glücklicher sind als noch 1972. Und woran könnte das liegen? Hm. Hat vielleicht ja auch mit der Emanzipation zu tun! Vielleicht sind sie glücklicher, weil jetzt, wo die Frau auch arbeitet, nicht mehr die ganze finanzielle Verantwortung für die Familie auf ihren Schultern liegt? Vielleicht, weil der Mann jetzt auch mal gezwungen wird, etwas kürzer zu treten und Zeit mit den Kindern zu verbringen und merkt: macht Spass (der Arbeitsanteil von Männern fiel von 80 auf 73 Prozent)? Vielleicht, weil durch das Rütteln an der weiblichen Geschlechterrolle das ganze Gefüge etwas gelockert wurde und damit auch dem Mann mehr Platz geschaffen wurde? Vielleicht, weil es toller ist, mit einer Frau Sex zu haben, die weiss, was sie will und es auch tut, als mit einer, die «einfach ein bisschen bescheidener ist»?
Bitte. Gern geschehen.

Freiheit | Bild: Nacho Alegre
Freiheit | Bild: Nacho Alegre

Die Diskussion

14 Reaktionen

  1. Thedi Gerber

    Zufriedenheit betrachte ich als das oberste Ziel in meinem Leben – alles andere kann dem untergeordnet werden. Die Aussage der Studie ist also alarmierend. Leider sagt sie nichts mehr aus als das: “die Situation hat sich für viele Frauen verschlechtert, Ursache unbekannt.”

    Zufriedenheit lässt sich nicht organisieren. Sie hängt nicht primär von der Gesellschaftsordung ab sondern eher der inneren Einstellung der Menschen zueinander und zu ihrer Umwelt. Primär kommt es drauf an wie sich ein Individum zu seiner Umgebung stellt, nur sekundär ist wie die Umgebung tatsächlich ist.

    Da unzählige Menschen je verschiedene Idealvorstellung ihrer Umwelt haben – und so jeder die Welt in eine andere Richtung optionieren möchte – ist der einzige gangbare Weg um Zufriendenheit zu erreichen die eigene Einstellung zu ändern – an der Umwelt zu schrauben ist hoffnungslos.

    Vielleicht sind viele Frauen durch die Emanzipation in einen Machbarkeitswahn verfallen. In der Vor-Emanzipationszeit haben sie sich mit ihrem Schicksal abgefunden und sich entsprechend zur Gesellschaftsordnung eingestellt.

    Das wäre immerhin eine plausible Erklärung dieser alarmierenden Studie. Jedermann/frau kann – je nach seiner Veranlagung – seine eigenen Schlüsse für sein Leben daraus zeihen. So könnte die Studie sogar etwas mehr bringen als reines Infotainment.

  2. Profile Pic
    kliby und caroline

    @ thedi gerber,

    lange könnte man(n) jetzt darüber schreiben, dass sie den text wohl nicht richtig verstanden haben oder sie sich erst gar nicht die mühe gemacht haben ihn zu richtig zu lesen. oder aber mann könnte behaupten sie kommen immer noch nicht damit klar was an diesem dunklen 7. februar passiert ist. wir lassen das aber und sagen nur etwas:

    bullshit
    (kleingeschrieben und ohne ausrufezeichen)

  3. Stefan Bisig

    Quelle des Unglücklichseins ist offenbar die Frustration – die Frauen haben heute viel mehr mehr Möglichkeiten, sich zu entwickeln. Dadurch steigt aber auch der Anteil verpasster Chancen; zudem sind auch die (Selbst-)Ansprüche gestiegen: während es früher reichte, eine gute Hausfrau, Ehefrau und Mutter zu sein, kommen heute die Ebenen politisches Interesse, berufliche Karriere, Soziales Umfeld und Engagement hinzu.

    Verwundert es da, dass frau frustriert und unglücklich ist? Da auch eine Frau nicht mehr als 100% geben kann, muss bei vermehrtem Engagement im einen Bereich alles andere leiden.

    Auch unter Männern ist klar: Ein harmonisches Familienleben ist mit Karriere selten vereinbar. Man schaue sich nur mal im Pravatleben erfolgreicher Manager um: Wer von denen hat keine gescheiterte Ehe hinter sich?

    Also bleibt nur, das Unglück wie einen Brillanten zu tragen: mit Fassung!

  4. Hanspeter Bruhin

    Keine Frau ist je glücklich. Am nähesten kommen viele dem Glück dank ihren Kindern. Was mich irritiert: Sie haben Ihren schmissigen Michèle-Stil verlassen, warum?

  5. Mona Wegli

    “Recht auf Unglück”? Logisch und vollkommen in Ordnung? Was soll uns Frauen denn hier wieder weis gemacht werden? Und das von einer Frau…. Ist die Verblendung schon so weit fortgeschritten?

    Logisch ist das Einzige, das zutrifft, denn die zunehmende Unzufriedenheit und das Unglücklichsein vieler Frauen ist die logische Folge einer zunehmenden, ebenso logischen Überforderung der Frauen, da ihr die sogenannte Emanzipation zwar einige Rechte, aber ungleich viel mehr Pflichten eingebracht hat. Kein Wunder unterstützen viele Männer die “Emanzipation” der Frau, denn die Männer können sich nun zurücklehnen, während sich die Frauen beim “Recht auf Arbeit” abrackern…. (was auch erklärt, weshalb Männer offenbar glücklicher werden, während Frauen in der selben Zeit unglücklicher wurden).

    Seit sich der Arbeitsmarkt vermehrt für Frauen geöffnet hat, wird von ihnen erwartet, dass sie dieses Angebot gefälligst auch zu nutzen haben, und insofern ist die Frau nicht frei in ihrer Entscheidung zu arbeiten, sondern steht unter Druck, auch hier Erwartungen zu erfüllen.

    Dass Frauen dabei die bisherigen Erwartungen, die die Gesellschaft an Frauen nun mal so hat, auch weiterhin erfüllen müssen, wird als selbstverständlich angesehen und hingenommen. So muss frau nun perfekt gestylt als “Augenweide” für die männlichen Kollegen zur Arbeit gehen und dort “ihren Mann stehen”. Ein Paradoxon, das nicht funktionieren kann, sondern scheitern muss.

    Dass zudem die anfallende Hausarbeit weiterhin mehrheitlich (oder fast ausschliesslich) an der erwerbstätigen Frau hängenbleibt, wird nicht weiter hinterfragt, sondern als eigentlich unlogisches Relikt aus den ach so verpöhnten früheren Zeiten einfach so hingenommen.

    Gleichzeitig werden die Frauen einer wahren Wahl beraubt, indem die Hausfrauenrolle als valable Alternative sowohl von vielen Frauen, als auch von vielen Männern unisono für minderwertig befunden und die Leistung einer Mutter und Hausfrau viel zu wenig, bzw. so gut wie gar nicht anerkannt wird.
    Sogar Hausfrauen selber beantworten schon seit Jahrzehnten die Frage nach ihrem Beruf mit der verlegenen Antwort: “Ich bin NUR Hausfrau.”

    NUR Hausfrau??? Will denn niemand sehen, welche grosse Leistung und Verantwortung darin steckt, künftige Generationen zu versorgen und zu erziehen und ihnen Werte zu vermitteln, die die Gesellschaft auch in Zukunft noch lebensfähig,-wert und -würdig macht?

    Die Frau ist erst dann richtig frei, wenn sie die wahre Wahl hat zwischen einer Arbeit ausser Haus und der Hausfrauenrolle, und sie sich nicht dafür rechtfertigen oder gar schämen muss, wenn sie sich nicht für einen Konkurrenzkampf im nach wie vor Männer-dominierten Arbeitsmarkt, sondern für Eva’s Rolle entscheidet.

    Solange Frauen jedoch für Letzteres belächelt und nicht für voll genommen werden, werden sie auch weiterhin unglücklich bleiben und noch unglücklicher werden, denn wie soll es anders sein, wenn die Frauen ihrer Ur-Rolle als Hüterin des Hauses und Mutter ihrer Kinder beraubt werden, indem diese Rolle über Jahrzehnte systmatisch schlecht gemacht und den Frauen mit der Emanzipationslüge der Blick für ihre wahre, vom Schöpfer zugedachte Aufgabe getrübt wird.

  6. li raez

    langweiliger artikel. nichts neues. wirklich sauber recherchiert? weil: nicht mal ein lustiger satz zur neuesten studie über die “glücklichen frauen” von winterthur.wenn martin helg so was geschrieben hätte, würde ich es vielleicht verstehen.l.raez

  7. Barbara Zimmermann

    brillianter artikel – mit der genau richtigen prise humor.

  8. Profile Pic
    Tobias Michael Frey

    @kliby und caroline:

    mit einem infantilen und doofen pseudonym andere angreifen – spielst du robin hood, rächer der möchtegern-intellektuellen oder -emanzipierten? – anstatt eier(stöcke) zu haben und mit richtigem namen zu seinem kommentar zu stehen:

    BULLSHIT!
    (GROSSgeschrieben und MIT ausrufezeichen)

    @mona wegli:

    eine bis anhin (scheinbar) emanzipierte und für die einseitige sache der frau einstehende (michèle rothen), die den emanzipierten in den rücken fällt: AUTSCH ;-) !

    das sich der arbeitsmarkt – aus seinem oekologischen selbverständnis heraus logischerweise (warum soll er denn einen unterschied zwischen weiblein oder männlein machen?!?) mit erwartungshaltung und ebensolchem -druck verbunden – geöffnet hat, ist schlussendlich sicher – einmal mehr! – fehler der bösen, bösen männer, oder was?

    und: von mir als mann wird ebenso erwartet – siehe die aufgekommene trägerleibchen-diskussion im ratshaus zürich und unweigerlich nachfolgende kommentare von selbsternannten gralshüterinnen des ‘guten’ stils (notabene immer frauen!) – im einheitlich konformem blau (banker), noch langweiligerem grau (buchhalter) – immer in kombination mit fisch – oder ‘differenziertheit’ signalisierendem, ‘coolem’ schwarz (kreative) – ganz ‘verwegene’ tragen pulli anstatt hemd! – aufzukreuzen. selbverständlich mit babypopo-haut dank 5 klingen sowie stets wohlriechend nach aftershave …

    wenn ihr so emanzipiert seid wie ihr immer tut: warum unterwerft ihr euch ständig diesen diktaten, anstatt eure biologisch bedingte ‘andersartigkeit’ im positiven sinn clever einzusetzen und zu nutzen?

    warum vereint ihr euch – im doppelten sinn – immer noch mit vorsintflutlichen modellen von männern, die sich vor ihrer verantwortung drücken?

    hört endlich mit diesem quatsch auf, die schuld stets bei den männern zu suchen und wischt zuerst einmal vor eurer eigenen haustüre!

    in einem punkt stimme ich dir jedoch voll und ganz zu: dass die rolle und titanen-arbeit einer ‘nur’-hausfrau/-mutter in unserem gesellschaftsystem (leider) – das war aber schon vor der emanzipation so – wirklich nicht die anerkennung verdient, die ihr eigentlich gebühren würde … ich möchte einmal einen dieser finanz- oder oekonomen-genies mit – notabene meist von einer sekretärin organisiert – wohlstrukturiertem und fixem tagesablauf sehen, wie er den chaotischen und auf permanenter flexibilität beruhenden tagesablauf einer oder eines ‘erziehungsbeauftragten’ zu meistern versucht und kläglich dabei scheitert!

  9. Philippe Welti

    Hm, Frauen in der Emanzipationsfalle eben.

  10. sybille baez

    Danke Frau Rothen für die differenzierte und realistische Antwort auf etliche dümmlich-tendenziöse Berichte, die man in letzter Zeit in verschiedenen Medien zu lesen bekam.

    Interessant, wie einige Ewiggestrige das Rad der Zeit zurückdrehen möchten und dazu fragwürdige Statistiken bemühen, in denen sich währschafte und bescheidene Urner Hausmütter um einige Zehntelpunkte (8.65 vs. 8.15!) glücklicher wähnen als die angeblich dauergestresste Städterin mit anspruchsvollem, interessantem Beruf – und wie solche dürftigen Statistiken in den einschlägigen Medien über Gebühr breitgetreten werden zuungunsten von Frauen, die nicht dem traditionellen weiblichen Lebensentwurf folgen.

    Abgesehn von der vermutlich äussert schmalen statistischen Signifikanz des Umfrageresultats frage ich mich, wieso nicht die zunehmende Glückseligkeit der Männer thematisiert wurde – wenn schon! (Ist doch vollkommen ok, wenn die Jungs sich endlich mal ein bisschen zurücklehnen dürfen, oder?)

    Aber nein: einige Herren und Damen überkommt offensichtlich ein reflexartig auftretendes Nörgeln, sobald es um Fragen der Gleichberechtigung und neuzeitlicher, nicht traditioneller weiblicher Lebensgestaltung geht. Für mich stellt sich hier die Frage, worin das Problem dieser habituellen Nörgler und Negativ-Interpretierer liegt. Lebensangst? Angst vor Neuem? zuwenig Spass gehabt im Schatten des Mütter-, Sockenstrick- und Kafivereins von Schattdorf?

    Wie gerne würde ich doch eine Schlagzeile der Art „Männer dank weiblicher Emanzipation glücklicher!“ sehen.

  11. sybille baez

    @Philippe Welti

    Wie gehabt. Der typische Kommentar eines dieser Nörgler. Wie dürfen wir uns diese Falle vorstellen, Herr Welti?

    Mir ist beispielsweise aufgefallen, dass Männer, die in der Umgangssprache etwas salopp als “Looser” bezeichnet werden, im allgemeinen am meisten Mühe haben mit Fragen der Gleichberechtigung und der sog. weiblichen Emanzipation.

    Themenvorschlag: “Wieso hassen Looser selbstständige Frauen?”

  12. Patrick Probst

    Ich versuchs mal damit.

    Falls Frauen heute wirklich unglücklicher sein sollten als 1972, dann vor allem aus den folgenden drei Gründen:

    1. Sex
    1972 waren Frauen zufriedener mit ihrem Sex, weil sie anspruchsloser waren als heute. Durch Medialisierung und Emanzipation ist das weibliche Bewusstsein dafür gewachsen, dass Sex schön sein kann und deshalb auch schön sein soll. Mit der Erwartungshaltung steigt das Frustrationspotenzial.

    2. Hausarbeit
    Es gibt Studien, die besagen, dass Frauen in Beziehungen dann besonders glücklich sind, wenn sie relativ viel Sex haben und relativ wenig Hausarbeit, sprich in letzterer von ihren Männern entlastet werden. Hier harzt es gemäss dieser Studien nach wie vor.

    3. Erwerbsarbeit.
    Frauen sind gut ausgebildet, qualifiziert dafür, anspruchsvolle und gut bezahlte Stellen zu übernehmen, doch sobald sie Kinder haben, wird es schwierig, solche Stellen zu bekommen – weil Teilzeitarbeit für Frauen und Männern in vielen Berufen immer noch schwierig ist, weil Männer oft nicht Teilzeit arbeiten möchten, weil Schwangerschaftspausen die Karriere bremsen.

    Zusammenfassend hätten diese 3 Gründe damit zu tun, dass mit der Emanzipation nicht nur der Spielraum der Frauen grösser geworden ist, sondern auch das Anspruchsniveau – dass zwischen Anspruch und Alltag aber eine erhebliche Lücke klafft. Auch deshalb, weil es die Emanzipation weniger weit gebracht hat, als man ihr gemeinhin unterstellt.

  13. Luciana Cafaro

    Einfach toll Punkt.

  14. Volker Wild

    Die Interpretation, dass Frauen 1972 nicht ganz so ehrlich waren, halte ich auch für sehr wahrscheinlich.

    Ein generelles Mißverständnis bei banalen Erwartungen an die Emanzipation ist sicher, dass sie automatisch glücklicher macht. Ein Versprechen, wie bei der einer Religion, das mächtige Anziehungskraft hat. Das ist aber ein Irrtum, wie Frau Roten kurz und richtig zeigt. Es gibt bei den Unzufriedenen leider noch eine Menge, die meinen mit weiteren Forderungen sei ein paradiesischer Zustand irgendwann doch herzustellen.

    Dass Männer endlich mehrheitlich entdecken, dass sie die finanzielle Verantwortung zur Hälfte abgeben können indem sie sich Haushalt und Kindern widmen, wäre für sie zu hoffen, ob dadurch in der Beziehung einer glücklicher wird aber ebenfalls zu bezweifeln. Aber kein Grund zur Aufregung, das Leben ist kein Wellnessurlaub und Kinder sind keine Vergnügungsgarantie.

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