26.09.2008 von Marco Schmidt
Sie haben sich in den vergangenen Jahren verstärkt der Schriftstellerei gewidmet. Können wir in dieser Hinsicht mehr von Ihnen erwarten?
Das hoffe ich doch sehr. Ich schwitze gerade über dem zweiten Band meiner Autobiografie, brüte einen dritten Roman aus und habe begonnen, ein Theaterstück zu verfassen. Ausserdem habe ich ein Drehbuch über die letzten beiden Jahre im Leben von Oscar Wilde geschrieben. Die meisten Filme über ihn enden damit, dass er ins Gefängnis wandert. Für mich wird es aber mit seiner Freilassung erst richtig interessant: Was passiert mit einem Menschen, der extrem erfolgreich war und plötzlich in der Öffentlichkeit zum Satan abgestempelt wird?
Rupert Everett, 49, spielte an der Seite von Filmstars wie Julia Roberts und Madonna. Der Engländer ist aber auch als Schriftsteller und Gelegenheitsmodel erfolgreich.
Wird dieser Film eher eine Hommage oder eine Demontage?
Ich schätze Oscar Wilde sehr als Schriftsteller und liebe seinen Humor, aber für mich war er weder ein Held noch ein Genie – und schon gar kein Familienmensch, wie uns der blödsinnige Film mit Stephen Fry weismachen wollte.
Sondern? Was war Wilde wirklich?
Eine hoffnungslos hedonistische, selbstzerstörerische, egozentrische Tunte: Er hat jeden Knaben vernascht, den er in die Finger bekam. Und ich habe nicht vor, irgendetwas zu beschönigen.
Das klingt fast so, als gäbe es gewisse Parallelen zwischen Ihnen und Wilde…
Ja, durchaus. Manchen Sinnesfreuden bin ich ebenfalls nicht abgeneigt. Zumindest früher war ich auch so ein Grossmaul wie er. Aber ich bin nicht derart egomanisch veranlagt. Im Übrigen erscheint er mir als der weitaus Klügere von uns beiden.
Wollen Sie ihn in Ihrer Verfilmung selbst spielen?
Ja, und ich träume davon, den Film auch zu inszenieren. Allerdings ist mir klar, dass ich als Debüt-Regisseur schwer zu vermitteln bin.
Haben Sie noch andere Träume?
O ja. Zum Beispiel würde ich gern mal ein aufregendes romantisches Abenteuer mit einem ostdeutschen Skinhead erleben.
Wie bitte? Skinhead? Ostdeutsch? Hatten Sie früher nicht ein Faible für Biergärten, Lederhosen und Ludwig II.?
Stimmt. Aber seit dem Mauerfall bereise ich regelmässig Berlin und Umgebung – und so habe ich meine Leidenschaft für Deutschlands Osten entdeckt. Ich stehe total auf Ex-Kommunisten. Und die Gegend ist wunderschön: Man findet dort noch riesige unberührte Seenlandschaften – ganz anders als in England, wo inzwischen fast jeder Fleck zubetoniert ist. Ich plane, mir ein Haus in Templin zu kaufen: ein idyllisches Städtchen in der Uckermark, in dem es sogar ein Fitnessstudio gibt.
Möchten Sie sich dort auch eines Tages zur Ruhe setzen?
Nein. Wenn alles so gut läuft wie bisher, verbringe ich meinen Lebensabend als Steuerflüchtling am Zürichsee – in einer traumhaften Villa mit knackigen brasilianischen Strichjungen.
Und wenn es schlecht läuft? Wenn Ihre Karriere den Bach runtergeht?
Für den durchaus nicht unwahrscheinlichen Fall, dass ich im Alter tatsächlich arm sein sollte, habe ich glücklicherweise einige steinreiche Freunde, die mich hoffentlich auffangen werden. Ich stelle mir vor, dass man mich dann irgendwo auf einem riesigen Landgut in einer bescheidenen Hütte als Gast duldet. Und jedes Wochenende gehe ich hinauf ins herrschaftliche Haus, werde mit Drogen versorgt und bringe als verrückte alte Tunte ordentlich Pep in die Dinnerpartys.
Im Prinzip unterscheiden sich Ihre beiden Altersperspektiven nur marginal.
Stimmt: Im einen Fall bezahle ich die Stricher, im anderen bin ich selber einer! (lacht)