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Wer damit prahlt, keinen Fernseher zu haben, hat vor allem zu wenig Arroganz.

29.02.2008 von Michèle Roten , 23 Kommentare

Eigentlich dachte ich ja, dieser Pseudobildungsbürgersnobismus sei seit den frühen Neunzigern gelaufen. Aber in letzter Zeit gerate ich plötzlich wieder und dazu erstaunlich oft an Menschen, die früher oder später sagen: Ich habe eben keinen Fernseher. Vielleicht liegts ja einfach an mir, aber nein, ich glaube eigentlich nicht, dass es nur an mir liegt. Ich kann diesen Satz nämlich nicht neutral wahrnehmen. Geht nicht. Keine Chance. Dieser Satz bedeutet nicht einfach: Ich habe einen Mixer, ein Bügelbrett, eine Klobürste, keinen Fernseher, keinen Ionen-Fön, keine Vorhänge und kein Brotmesser. Dieser Satz ist ein Euphemismus für: Während du «Ich bin ein Star – holt mich hier raus» oder sonst irgendeinen Blödsinn guckst, beschäftige ich mich eben mit dem byzantinischen Bilderstreit. Beziehungsweise: Ich bin eben nicht so ein Prolet wie du. Beziehungsweise: Ich bin eben viel gebildeter als du. Beziehungsweise: Du bist doof, und ich bin voll schlau.
Dieser Satz wird ja bemerkenswerterweise nur in Zusammenhängen geäussert, wo es um Populärkultur geht, wenn also zum Beispiel der Name Heidi Klum fällt oder Thomas Gottschalk, dann kommt zuerst stolze Ignoranz, besserwisserisches Nichtwissen sozusagen, und dann: Ich habe eben keinen Fernseher. Nicht: Bürgerkrieg in Afrika? Ich habe eben keinen Fernseher. Oh, und er hat noch eine andere Bedeutung: Während du allein zu Hause sitzt und fernsiehst, bin ich eben draussen mit meinen tausend Millionen Freunden und hab so viel Spass, dass ich nicht mehr weiss, wo oben und unten ist! Ganz grossartig.
Abgesehen davon, dass ich mich der Diskussion über Pro/Kontra Fernsehen verweigere, genauso wie ich mich der Diskussion Pro/Kontra Musikhören und Pro/Kontra Lesen verweigern würde, falls es sie gäbe, weil alles eine Frage der guten Wahl ist, ergo nur sehr dumme Menschen sich kategorisch entscheiden, macht mich diese getarnte Arroganz ziemlich wuschig. Ich werde auch wuschig, wenn jemand sagt: Ich wohne in Berlin Kreuzberg (eigentlich: Hahaa, Prenzlauer Berg ist out, alle, die im Prenzlauer Berg wohnen, sind total uncool, ich habs gecheckt, ich bin cool, juhee!). Oder: Ich war eben schon eeewig nicht mehr bei H&M (eigentlich: H&M mag für dich reichen, wird aber meiner Individualität nicht gerecht, ausserdem hab ich genug Geld für teure Kleider). Oder: Mensch, meine Wohnung sieht aus… ich bin momentan nur noch zum Schlafen da (eigentlich: Ich bin eben irrsinnig beschäftigt, weil ich so wichtig bin, ohne mich geht gar nichts).
Arroganz an sich ist nichts Schlimmes. Aber nicht arrogant genug zu sein, um zu seiner Arroganz stehen zu können, das ist schon ziemlich schäbig.
Neulich schickte mir übrigens so einer, der keinen Fernseher hat, ein Youtube-Video von einem «Deutschland sucht den Superstar»-Bewerber, der beim Vorsingen einen ganz zauberhaften Nervenzusammenbruch inszeniert. Da ging mir etwas auf – das neue «Ich habe eben keinen Fernseher» wäre eigentlich: «Ich habe eben kein Internet.»

Die Diskussion

23 Reaktionen

  1. Fuchs Ulrike

    Im Artikel fehlt die Begründung, warum man einen Fernseher haben sollte. Die Parallele zum Verbindungsnetz ist grundfalsch: Das Verbindungsnetz und das darauf errichtete Web sind interaktiv und schließen z.B. Post ein. Wer wollte darauf verzichten?

    Ich hatte mal 1 Jahre einen Fernseher und kann 1- bis 2mal pro Jahr auf (erzwungener) Geschäftsreise im Hotel einen Fernseher benutzen. Aber wozu? Trotz mehr als 64 Kanälen zur Auswahl, ist es mir beim letzten Versuch nicht gelungen, innerhalb vernünftiger Zeit ein sinnvolles Angebot zu finden.

    Fernsehen ist eben eine Fehlkonstruktion rsp. das angemessene Format wurde noch nicht gefunden oder entwickelt. Genauso wenig, wie ich mir die "Mona Lisa" auf einer Briefmarke ansehen würde, sehe ich mir einen Film im Fernsehen an. Schnarchrichten im Fernsehen anzusehen, ist bekanntlich Zeitverschwendung, wie man in der Lernforschung erfahren kann.

    Wer nichts sinnvolles mit seiner Zeit anfangen kann, statt die sogenannte Unterhaltung zu konsumieren, tut mir fast leid. Mehr ärgert mich aber, dass hier eine Art elektronische Droge wesentliches Potential lahmlegt.

    Gibt es keine Probleme mehr zu lösen? Wär es nicht gescheiter, statt fernzusehen, eine Fremdsprache zu lernen oder sich politisch zu engagieren?

  2. Oliver Reichenstein

    Arroganz als Reaktion auf Schlimmes ist schlimm und soll schlimm sein. Arroganz als primaere Lebenshaltung ist nur widerlich und niedrig. Ausser bei Falco. Aber der "war in Wien, war in Vienna, wo er alles tat, er war ein Virtuose, war ein Rockidol" und ein Oesterreichischer Grossmeister der Selbstironie. (Arroganz ohne Selbstironie verdient bloss Ohrfeigen).

    Mein Verbesserungsvorschlag: "Arroganz ist fuer schlimme Buben und Maedchen. Wer nicht schlimm genug ist, um zu seiner Arroganz stehen zu können, soll verdammt nochmal den Latz halten."

    Ps: Ich wuesste allzugerne, was Finn von Falcos Lederkrawatte haelt:

    Direktlink zum Video auf Youtube

  3. Wäis Kiani

    Seien Sie doch einfach mal still und halten Sie Ihr blödes, lustfeindliches Maul, wenn Sie nichts verstanden haben. Miss Roten spricht mir mit jedem Wort aus der Seele und wenn ich glotzen will, will ich glotzen und keine Fremdsprache lernen und mich schon gar nicht politisch engagieren. Wahrscheinlich schicken Sie Ihren Mann auch zum Unkrautjäten in den Garten, wenn er ein Bier trinken will. Dieses kein-Fernseher-haben in der Schweiz bedeutet mal wieder nur Ignoranz und sieben Zwerge Mentalität.

  4. Pat Rik

    Fernsehen ist wie Zigaretten rauchen. Entweder man tut es nicht, oder man tut es oft. Weil beides im Übermass etwa gleich schädlich ist, ist es für manche besser es kategorisch abzulehnen.

  5. Fuchs Ulrike

    Offenbar fängt das Problem mit dem Bekenntnis zur Fernseh(er)losigkeit schon damit an, dass es als Prahlerei empfunden werden kann. Aber wie soll man denn, bitte schön, seinen noch uneingeweihten Gesprächspartner davon in Kenntnis setzen, dass eben diesbezüglich keine, meist stillschweigend vorausgesetzte, gemeinsame Erfahrungsbasis existiert?

    Natürlich kommt das nur bei Themata zum Vorschein, die speziell fernsehlastig sind, denn über die Unruhen in Kenia kann ich mich auch mittels Zeitung oder Web informieren. Sozusagen allgemein relevante Themata kann man mit jedem wachen Zeitgenossen besprechen, Fernsehkonsum ist dazu keine Voraussetzung.

    Mir scheint auch, dass es ein Widerspruch ist, sich einerseits prinzipiell einer Diskussion der Vor- und Nachteile verschiedener Medien zu verweigern, andererseits aber eine als sehr dumm zu bezeichnen, die sich kategoriell entschieden hat, nachdem sie beispielsweise so eine Diskussion geführt hat und zum Ergebnis gelangt ist, dass Fernsehen in der heutigen Form trotz dem seit Jahren vergrößerten Angebot Zeitverschwendung ist.

    Es ist ja nicht so, dass man unendlich viel Zeit hat, sondern eine Entscheidung fürs Fernsehen ist eine Entscheidung gegen etwas anderes. Deshalb würde mich tatsächlich brennend interessieren, in welcher Situation Fernsehen die beste Alternative ist, denn ich bin überzeugt, dass ich mich noch nie in einer derartigen Situation befand. Zudem hab ich kürzlich im Radio Berichte von Leuten gehört, die ihren Fernseher abgeschafft haben, weil sie die Erfahrung machten, dass sie nach dem Fernsehen unzufrieden waren.

    Aber muss man nicht auch die persönlichen Interessen berücksichtigen? Da ich mich weder für Autorennen und Fußball noch für Serien, Shows, Schnarchrichten und Werbung interessiere, fallen schon mal die Teile weg, die den Löwenanteil des Programms
    bestreiten.

    Ist eigentlich "Eufemismus" in diesem Zusammenhang das richtige Wort? Mir kommt es falsch vor, aber mir fällt momentan der Begriff nicht ein, mit dem man diese Art Chiffre präzise bezeichnen könnte. "Chiffre" wär allerdings ein Kandidat, denn es geht hier um eine versteckte Botschaft, wie die Autorin immerhin meint.

    Übrigens: Ich war sicher schon mehr als 8 Jahre nicht mehr in der Migros …

  6. Revilo

    tv gucken ist proll,
    migros ist proll
    und ulrike fuchs ist kult!!!

    irgendwie kann ich auch nicht glauben, dass sie das ernst meint. ulrike ist ein richtig gut gemachter fake, oder?

  7. Jost Gwerder

    "Nicht: Bürgerkrieg in Afrika? Ich habe eben keinen Fernseher."

    Hier liegt doch genau der Hund begraben, Frau Roten! Von sogenannt wesentlichen Ereignissen erfahre ich auch am nächsten Tag noch durch meine geschätzte Tageszeitung aus gutbürgerlichem Verlagshaus. Noch wichtigeres entnehme ich dann einem Wochenblatt, dem ebenfalls geschätzten TA-Magazin. (Hoppla, der letzte Satz war ein Scherz, aber ein guter, gellen Sie!)

    Hingegen bringt mich diese besagte Zeitung nicht in Versuchung, nur mal so beim Durchzappen der Seiten zwei Stunden bei irgendeinem gottschälkischen Schund hängenzubleiben, bloss weil mein Gehirn mir bekanntermassen zu bequem für Unbequemes ist.

    Keine Flimmerkiste zu haben ist in meinem Fall also nur ein Selbstschutz und hat mit Arroganz nichts zu tun. Natürlich würde ich diese Schwäche nie zugeben, soviel Arroganz muss dann schon sein.

    In einem Punkt gebe ich Ihnen aber recht: Televisionäre Informationssendungen sind in der Tat eine Zumutung, die so manch anderen Schund auch gerade noch vergessen machen.

  8. Jennifer Bebie

    Und es gibt sie doch! – Die Fersehprogramme, die zu sehen es sich lohnt, meine ich und wer hier etwas anderes behauptet hat offensichtlich schon länger nicht mehr Ferngesehen (und ist darauf sogar noch stolz). Für mich klingt das etwa so differenziert wie, wenn einer sagt:" Nein, in die Oper geh ich nicht, das ist doch nur Gejaule für ein Publikum mit Mindestaltersdurchschnitt 65!" Dieser eine war noch nie auch nur in der Nähe einer Oper, wird aber auch nicht hingehen um allenfalls seine Meinung ein wenig revidieren zu lassen, denn er ist überzeugt und fühlt sich vor allem gut dabei. Nun kommt vielleicht auch noch bei anderen die Frage auf, wie man darauf stolz sein kann über etwas nicht im geringsten Bescheid zu wissen und es dann so radikal zu verurteilen? – Man weiss es halt einfach. Man weiss das Oper saumässig langweilig und Fernsehen noch viel saumässiger blöd ist. Man weiss es von all denen, die gleicher Meinung sind wie man selbst. Das funktionniert ähnlich wie beim Telefonspiel in der Primarschule oder am Kindergeburtstag: Einer fängt an flüstert dem nächsten ein (noch sinnvoll existierendes) Wort zu, dieser dann dem nächsten undsoweiter. Hier ist es so, dass das Wort meist schon beim dritten etwas verändert ankommt, bis es dann bis zur Unkenntlichkeit entstellt am Ende des Spiels laut gesagt wird. So ist es doch mit manchen Sachen. Einer sagt es vor, es wird immer weiter gegeben, doch kaum einer kennt noch den Ursprung der ganzen Geschichte.
    Wenn man vor zehn oder zwanzig Jahren das letze Mal ferngeschaut hat, hat man wohl kaum mehr ein Bild über das heutige Fernsehprogramm, denn dieses sollte man schon benützen um zu erfahren, was es sich zu sehen lohnt. Wer dann halt einfach so um drei Uhr Nachmittags wahllos durch alle Kanäle, seien das jetzt fünf oder fünfhundert, wird nicht viel sehenswertes abgekommen. Das ist nämlich ein weiterer Punkt, man kann es sich natürlich einfach machen um zu einem bestimmten Ergebnis zu kommen. (Drei p.m., zappen, Programm nicht gut, also Fernsehen schlecht!)
    So, einfach sollte das aber nicht gehen, weil wenn man im Fernsehprogramm blättert und sich informiert findet man vielleicht genau den Film den man nie im Kino geschaut hat und immer schon auf DVD kaufen wollte, es dann aber aus irgendwelchen Gründen doch nicht getan hat, und kann ihn sich nun endlich anschauen. Daneben gibt es auch einige Dokumentationen, die rein vom Bildmaterial her und meist auch vom aufwendig recherchierten Detailwissen her, anzusehen sich durchaus lohnen. Solche Highlights muss man sich halt zusammen suchen und dann gezielt ansehen. In diesem Fall ist Fernsehen kein purer Schwachsinn, sondern kann sogar manchmal ganz interessant, lustig, bereichernd sein.
    Es ist aber klar, dass keiner in die Oper gehen wird nur weil man ihm deren Vorzüge aufzählt. Er fühlt sich wohl in seinem Umfeld (auch Opernhasser). Er ist mit seiner Meinung voll intgriert und kann sich zudem moderner, jünger, besser fühlen als all jene, die von Zeit zu Zeit nichts gegen klassische Musik einzuwenden haben.
    Und genau das ist doch der Punkt. Man versucht sich besser zu fühlen als andere. Wer also nicht fernsieht, weil es ihm nicht gefällt, muss das ja gar niemandem unter die Nase binden, oder andere verdammen bzw. bekeheren wollen, die es doch tun. Denn sobald er dies tut wird seine offensichtlich zur Schau getragene Selbstgefälligkeit anecken. In seiner Gruppe mag diese gar nicht mehr auffallen, doch sobald er einem jener begnet, auf deren Verhalten er, selbst wenn nur unbewusst, doch leicht (verständnislos) herunterschaut, dann kommt es zum Vorschein und wer hat schon gerne das Gefühl das andere auf ihn hinunterblicken.
    Als ziemlich typische Angehörige jener Freitagtaschetragender, mit obligatem Taschenbuch und iPod bestückten, einmal im Monat die Süd.- bzw. Muttenzerkurve frequentierenden Bildungsbürgertumsbünzlis, weiss ich (leider) ziemlich genau wovon ich rede, denn auch unsere "Gruppe" neigt zu dieser Selbstgefälligkeit, welche sie bei anderen so sehr verurteilt.
    Was jetzt aber das Fernsehen betrifft, kann man die ganze Sache (wie jede andere auch) keinesfalls nur in gescheit und blöd, gut und böse, schwarz und weiss einteilen. Vor allem dann nicht, wenn man nicht einmal weiss, was man in dieser Teufelskiste alles zu sehen bekommen kann.

    Und hier noch eine kurze Frage an Frau Ulrike Fuchs: Was ist an Nachrichten im Fernsehen schlechter als an Nachrichten im Radio oder der Zeitung? Was genau macht sie zu den von Ihnen so genannten (hahaha…das sollte ein sarkastisches und nicht im geringsten ein amüsiertes Lachen sein!) "Schnarchrichten"?

  9. Fuchs Ulrike

    Liebe Jennifer, Ihre kurze Frage ist lkurz eider nicht adäquat zu beantworten, ich beschränke mich deshalb auf drei knappe Hinweise.

    Man konnte experimentell zeigen, dass nur ein verschwindend kleiner Prozentsatz des Inhalts von Fernsehschnarchrichten behalten wird. Das gilt übrigens auch für Lehr- und Dokumentarfilme. Ich vermute, dass es an der vom Medium bestimmten Transfergeschwindigkeit liegt, so dass eine, die etwas nicht versteht, eben keine Chance hat, das zu klären, bevor es weitergeht. Das führt vielleicht dazu, dass sie noch ein wenig über das nachdenkt, was sie nicht verstanden hat, und dadurch sogar den Anschluss verpassen kann. Falls das Folgende auf dem Vorhergehenden aufbaut, ist natürlich auch das Verstehen des Folgenden gefährdet.

    Prinzipiell sind unter diesem Aspekt Radioschnarchrichten genauso problematisch wie diejenigen am Fernsehen. Es gibt aber inzwischen diverse theoretische Schriften, die sich mit der Problematik der Vermittelung von Wissen durch Bilder beschäftigen. Tenor ist meinem Verständnis nach, dass Bilder keine eindeutigen Inhalte transportieren. Hochproblematisch ist auch der Zusammenhang zwischen dinglichem Bild und einem Abstraktum wie beispielsweise einer Information oder einem Risiko. Früher hatte man dafür die Allegorie.
    Ein typisches Beispiel konnte am Samstag letzter Woche im Tagi beobachtet werden, als zum Datendiebstahlsskandal in Liechtenstein ein eindrückliches Bild mit Blick von unten auf die imposant hoch am Hang gelegende Trutzburg des Fürsten zu sehen war, denn: Was sagt uns dieses Bild wirklich und was hat es in unserer modernen Welt, in der Wesentliches a-fysisch abgewickelt wird, mit dem Thema wirklich zu tun?

    Die Lernforschung zeigt, dass es sehr schwierig ist, Bilder, Töne und schriftliche, also begriffliche Informationen so in Einklang zu bringen, dass sie das Lernen erleichtern; in den meisten Fällen schadet das Kombinieren. Viele Untersuchungen zum Medienverstehen und Wissensaufbauen zeigen, dass es unerlässlich ist, mit Begriffen zu arbeiten; deshalb ist das Radio auch in einer soviel besseren Position als das Fernsehen, denn dort wird explizit erklärt und geschildert, so dass die Hörerin sich selbst ein (inneres) Bild erschafft, welches sie selbst vollständig kontrolliert und versteht. Ich höre aber trotzdem auch keine Schnarchrichten am Radio. Auch der moderne, gebildete Mensch versteht alle Medien vor allem mit Hilfe von Begriffen; das liegt vielleicht daran, dass wir so sozialisiert wurden, sicher aber auch daran, dass die menschliche Sprache für die meisten von uns der Einstieg ins Versehen ist, und somit selbst das Paradebeispiel für diese Verständnismechanismusthese liefert.

  10. Wäis Kiani

    Ulrike Fuchs nervt so stark. Maul. Halten. Bitte. Sofort.

  11. Revilo

    Ich habe das ganze Wochenende überlegt woher ich das Wort "Schnarchrichten" kenne. Jetzt weiss ich es wieder, es kommt aus den 80er (hätte mir eigentlich schon beim Stichwort "Falco" einfallen können) und wurden von den selben Leuten verwendet, die immer nur von "Mc Würg", "Blöd-Zeitung" und vom "Palituch" redeten. Die waren mir schon damals unsympathisch.
    Naja, zumindest wissen wir nun, dass Ulrike zwar nicht stundenlang vor dem Fernseher vor sich hindämmert, aber dafür genügend Zeit hat stundenlang im Internet wichtige Dinge kundzutun.

    Danke an Michèle für das mit sehr viel Emotionen beladene Thema. Das nächste Buch von Dir werde ich daher daher nicht mehr im "les Halles" klauen, sondern ehrlich kaufen. Versprochen!

  12. AL Magnussen

    Vorweg, Michele rocks, sie hat eine gute Beobachtungsgabe, ein Auge fuer die Schwaechen ihrer Mitmenschen und bringst diese auf den Punkt. Ich denke es geht ja auch gar nicht darum ob Fernsehen (H&M, Migros etc.) gut oder schlecht ist, sondern um das ‘holier than thou"- Getue der neuen selbsternannten Mittelschichtskulturschickeria!Ich wette Ulrike ist Deutsche (Jemand der Ulrike heisst muss einfach aus Deutschland kommen, was auch fuer Frauke, Wiebke, Heike, etc. gilt) und beweisst mit ihren langatmigen Kommentaren mal wieder das deutsche Totalerklaerungsbeduerfniss. Ich darf das sagen, als fellow expatriot.

  13. Pascal Witzig

    Einverstanden. Bloss: Haben sie, Fräulein Roten, auch den Mut, ihr Gegenüber auf seine Schein-Arroganz aufmerksam zu machen? Es ist nämlich das Eine, den Kopf über ein Verhalten eines anderen menschen zu schütteln und eine lässige Kolumne darüber zu schreiben. Das Andere ist es, genug Mut dafür aufzubringen und zu sagen, was man über die Aussage seines Gegenübers denkt.

  14. Christian Althaus

    Crazy, was hier abgeht. Da muss ich der Frau Roten doch tatsaechlich mal ein Kraenzchen winden. Schreibt sie doch in gewohnt saloppem Stil ueber ein Thema, dass mich nicht sonderlich enerviert. Ich schau auch kaum TV. Weil nur Mist kommt. Dafuer hab ich ein schickes Fahrrad. Und verbringe viel zu viel Zeit mit dem Magazin. Na und? Die Welt ist doch fuer alle da. Was man aber in den Kommentaren findet, ist beste Unterhaltung! Da gehts um Mona Lisa auf Briefmarken (herrlich, sie sind die Ulrike, Frau Roten, geben sies zu!), Falco kriegt rechtzeitig zum Jubilaeum ein Revival und schlussendlich diffamieren sich die Cliche-Deutschen gegenseitig. Kolumne 2.0 nennt man das dann wohl wenn die Kommentare die Geschichte machen und zu dieser Leistung gratuliere ich ihnen ganz herzlich.

  15. Claudio

    Wie sagte der Schweizer Jörg Kachelmann so schön pseudobildungsbürgerlich? "Ich habe keinen Fernseher, ich sehe ARTE bei Freunden." Dieser Satz faßt die Kritik des Artikels in sämtlichen Punkten zusammen.

    Allerdings gebe ich zu, daß ich selbst auch keinen Fernseher besitze. Selbstverständlich gibt es sehr viele gute Fernsehsendungen und -sender. Damit meine nicht nur 3sat, Arte und andere öffentlich-rechtliche. Auch auf privaten Sendern laufen bisweilen großartige Filme und gute Dokumentationen.
    Aber trotzdem bleibt man in der Tat beim Fernsehen regelmäßig auf anderen schlimmen Sendungen ("Ich bin ein Star, holt mich hier raus", "Bauer sucht Frau", "Das perfekte Dinner" …) hängen.

    Wenn man sich seines Fernsehers entledigt, hat man deutlich mehr Zeit, sich mal wieder seinem Weinkeller, einem guten Buch oder ähnlichem zu widmen.

  16. Thomas H.

    Ich habe eben beschlossen, zum Silvester des kommenden Jahres den Vorsatz zu fassen, weniger zu reden. Der Hintergrund meines Vorsatzes ist eindeutig und unmissverständlich höchstarrogant und gerade darauf bin ich jetzt stolz. Die Conclusio meines bisherigen Diskussionslebens besteht ohnehin zusammenfassend darin, dass am Ende meine Gesprächspartner mehrheitlich meiner Meinung waren. Wozu also noch lange rumlabern?

    Zusätzlich leiste ich damit meinen Beitrag zur zukünftigen Verminderung des verbalen Umweltverschmutzungsaufkommens. Wie nötig das geworden ist, kann man exemplarisch einigen Kommentaren hier entnehmen.

    Aber bis zur Silvesternacht dauert es ja noch ein Weilchen. Bis dahin hilft mir der Fernsehapparat sicher dabei, das alles wieder zu vergessen. Mal abgesehen davon: was für eine Ausrede soll die Menschheit über die fortschreitende Verblödung post-televisionszeitlich noch haben? Obwohl…..stimmt. Das Velofahren bleibt.

    Ach ja: wer keinen Fernseher hat, hat Al Bundy verpasst und wer Al Bundy verpasst hat, weiss nichts vom Leben. Schön blöd!

  17. Nico Valsangiacomo

    Mal eine andere Frage. Gute Sendungen hin oder her, aber wonach soll ich denn meine ganze Wohnzimmereinrichtung ausrichten, wenn ich keinen Fernseher haette? Schonmal daran gedacht?

  18. Gabriela domeisen

    hat recht :) stimme ihr aus vollstem herzen zu und frau fuchs empfehle ich ein wenig mehr entspanntheit. den fernseher zu geniessen ist ein freiwilliges vergnügen und meines bescheidenen wissens nach wurde noch niemand jemals gezwungen dsds zu gucken. also braucht es keinen fernseher. ergo entfällt auch die begründung. da frau fuchs sich ja entschlossen hat niemals nachrichten, filme, shows, serien, disskusionen und dokumentationen in bewegten bildern anzuschauen und noch stolz darauf ist sollte sie sich mit ihrem daraus resultierendem bescheidenen allgemeinwissen doch bitte nicht in eine disskusionen stürzen wo ihr das fachwissen offensichtlich fehlt. und ja, lese lieber in meinen spannenden krimi’s statt meine grammatik zu verbessern. danke michèle, deine kolumnen sind nicht nur mein samstags-highlite :) )))

  19. Tanja Eggenberger

    Mir gefallen die Kommentare von Ulrike Fuchs, denn sie begründet ihre Haltung wenigstens gut, anstelle anderer hier.

    Wir haben seit einigen Wochen auch keinen TV mehr – aber wir erwähnen es nun nicht mehr oft (zu Beginn schon einige Male, aber eher weil man sich ‘mutiger’ fühlt statt klüger). :) Denn ohne TV könnte man sich in der heutigen Gesellschaft wie jemand fühlen, der freiwillig einen technologischen Rückschritt macht, ohne zu wissen was ihn erwartet. (vorallem bei den Kommentaren, die man hier liest…)

    Ich möchte eigentlich die Diskussion nur noch ergänzen, dass man wirklich ohne TV auskommen kann, ohne auch nur etwas zu vermissen! :-) )

  20. Constantin Tannenbaum

    http://stuffwhitepeoplelike.wordpress.com/2008/01/26/28-not-having-a-tv/

    “It is effective in making other white people feel bad, and making themselves feel good about their life and life choices.”

    triffts genau auch wenn ich selbst keinen Fernseher habe

  21. Marc Deschamps

    Erfrischend ehrlich und ehrlich erfrischend, diese Diskussion!
    Was mir vor allem gefällt ist, dass im Plenum einmal mehr das “entweder – oder” oder das “schwarz – weiss” über das “sowohl als auch” oder “das Meiste ist Grau” dominiert.
    Ich bekenne mich offen dazu, sowohl die Radikalität einer Ulrike Fuchs wie auch die ihrer kurzsilbigen Kontrahenden zu tolerieren als die EINseitige Sicht von Extremen, die eine Diskussion normalerweise bereichern. Dies ist nötig, damit wir, die grosse Mehrheit, die wir uns in der VIELseitigen Mitte des Grau bewegen, weiterhin zusammen mit Michèle Roten multimedial und auf breite Erfahrung stützend, am belebenden Getümmel der menschlichen Erfahrungen und Eindrücke, die uns die verschiedensten Plattformen zur Verfügung stellen, erfreuen dürfen.
    Vielen Dank Michèle, vielen Dank an Euch alle und weiterhin viel Spass beim verbalen Schlagabtausch… – auf dass auch weiterhin keiner gewinnen kann… :-)

  22. Mischa Baehler

    Was hier anscheinend vielfach vergessen wird, ist, dass man heutzutage mit einem aktuellen Fernseher weit mehr anfangen kann, als einfach nur an unzähligen Talkshows zu verblöden. An meine HD-Glotze lassen sich DVD Player, Spielkonsole, PC und Digicam anschliessen (ja, Fotos kommen dank schnell erstellten Präsentationen mit Musikuntermalung um ein vielfaches besser rüber als auf einem schnöden Print), das reguläre TV-Programm nutze ich höchstens noch ab und zum kurzen Zappen oder für die Ausstrahlung eines Fussballmatches. Wenn man heutzutage einen TV kauft, nur um regulär fernzusehen, ist das in etwa so, als würde man einen PC nur für die Textverarbeitung benutzen.

  23. Andreas Künzi

    Richtig spannend wird diese Diskussion in Anbetracht der eigentlich nur konsequent arroganten Steigerung von „Ich habe eben keinen Fernseher.“ zu „Ich habe eben kein Internet.“ zu „Ich lese eben die Kolumne von Michèle Roten nicht.“.

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