Schwanger kommt von schwierig

12.06.2010 von Michèle Roten , 5 Kommentare

(Dieser Text ist zu lesen unter der Prämisse, dass der Partner die klassische «Nicht unbedingt; aber auch nicht nicht»-Haltung zur Kinderfrage vertritt. Sie scheint ehrlich zu sein — in einer Umfrage unter Paaren, die momentan keinen Nachwuchs wollten, gaben fast doppelt so viele Männer wie Frauen an, sie würden sich bei einer ungewollten Schwangerschaft «doch ein bisschen freuen». Also:)
Kann mir mal jemand sagen, wie das gehen soll mit dem Kindermachen? Im Ernst. Wenn man nicht schon immer davon geträumt hat, Mutter zu werden, sprich keine fixe Vorstellung vom Glück hat, dann steht einem Leben voller Arbeit, Selbstsuche und kinderlosem Hedonismus wirklich gar nichts mehr im Wege. Einem Leben mit Kindern dafür ganz vieles: Arbeit, Selbstsuche und kinderloser Hedonismus nämlich. Man kann sich heute wirklich sehr, sehr lange und gut vor diesem Thema drücken. (Und mit regelmässigem Alkoholkonsum lässt sich die Menopause übrigens noch ein bisschen rauszögern. Super, oder? Prost!) Zu lange, zu gut, scheint mir. Denn es ist ja so: Je älter die Mutter, desto krampfiger wird alles. Es gibt natürlich Ausnahmen, entschuldigen Sie also die totalitäre Formulierung, aber generell, tendenziell, muss man schon sagen, krampfen alte Mütter eher als junge. Alte Mütter sind (generell, tendenziell!) die, die «ihr Ding gemacht haben», eigenständig, selbstbestimmt, eigentliche Heldinnen der Emanzipation, die, die ständig von «Karriere» reden und damit nur ganz normales «Arbeiten» bezeichnen, und auf den letzten Drücker muss dann aber doch noch unbedingt ein Kind her, und wenn die last Eizelle standing sich widerwillig dreingeschickt hat, ist Schwangerschaft und Aufzucht ein minutiös durchorganisiertes Bootcamp. Alte Mütter sind einfach unentspannt. Unflexibel, empfindlich, stier. Und es ist ja verständlich: Je mehr man schon in seinem Leben installiert war, desto schwieriger ist es, das so grundlegend zu ändern. Je definitiver man weiss, dass das die letzte Chance ist, desto mehr stilisiert man die Sache hoch. Und letztlich wird man halt in allen Belangen unbeweglicher und ängstlicher mit dem Alter. Kann ich nachvollziehen. Eine alte Mutter zu werden, scheint mir also nicht erstrebenswert. Aber eine junge Mutter kann ich ja auch nicht mehr werden!
Jetzt, im Nachhinein hätte ich mir gewünscht, es wäre mit 25 einfach à la hoppla, schwanger, jänu, irgendwie gehts ja immer, Angelegenheit erledigt gelaufen. Aber wie denn, wenn der Wunsch nicht da ist und dafür Verhütungsmöglichkeiten? Und nun sitz ich da als mittelalte Nichtmutter und bin so klug als wie zuvor und befinde mich in der spiessigsten Lage überhaupt: Soll ich jetzt etwa präventiv noch schnell eins machen, bloss um keine alte Mutter, um noch eine möglichst junge Mutter zu werden? Denn der Wunsch ist noch nicht da, aber er kommt, so wie ich mich kenne, zu spät, aber umso heftiger — wie beim Vintage-Valentino-Mantel, den man stundenlang anprobiert hat und erst dann richtig will, wenn ihn eine andere zur Kasse trägt. Also: Ist zu einer tollen rationalen Küchentisch-Sache geworden, das mit den Kindern. Hurra. Aber gibt es denn auch rationale Gründe? Mir leuchten genau drei ein: erstens als Unterhaltungsprogramm fürs Alter, zweitens um wenigstens mal ein paar Jahre lang klar zu wissen, was ich zu tun habe, und drittens, weil alle anderen auch eins haben und trotzdem oft sehr cool geblieben sind.
Reicht das? So klug als wie zuvor. Ich trink mal eins auf die Menopause.

Fotografiert von Serge Hoeltschi
Fotografiert von Serge Hoeltschi

Die Diskussion

5 Reaktionen

  1. Tweets that mention Das Magazin » Schwanger kommt von schwierig -- Topsy.com

    [...] This post was mentioned on Twitter by Sandra Mücke, kankuna. kankuna said: Das Magazin » Schwanger kommt von schwierig: Sie scheint ehrlich zu sein — in einer Umfrage unter Paaren, die mome… http://bit.ly/bShmvT [...]

  2. paua

    Bob in Lost in Translation: “Your life, as you know it… is gone. Never to return. But they learn how to walk, and they learn how to talk… and you want to be with them. And they turn out to be the most delightful people you will ever meet in your life.”
    Genauso ist es. Und was die Selbstsuche betrifft, wer findet sich denn schon? Mit Kind lernt man sich selbst erst richtig kennen (zum reflektieren über das Neuentdeckte bleibt dann aber schon wenig Zeit…).

  3. Markus Schmidli

    Gähn.

  4. TyNa

    Dieser Artikel scheitert daran, dass der krampfhaften Versuch, unspiessig zu wirken, so durchschaubar ist.

    Braucht rationale Gründe, um ein Kind zu bekommen? Ein Kind ist doch kein “Luxusartikel”, den man sich anschafft, nur weil’s die anderen auch haben. Kinder zu kriegen ist normal. Dafür braucht man keine Gründe. Gründe braucht man, wenn man keine Kinder kriegen will. Was natürlich ebenso legitim ist.

    Und bitte was ist eine alte Mutter? Früher waren Frauen mit 28 bereits alte Mütter, heute erregt es kein Aufsehen mehr, wenn eine Frau mit 40 das erste Kind kriegt. Dass ältere Mütter verkrampftere Mütter seien, das ist sowas von überholt! Aufgrund ihrer grösseren Lebenserfahrung sind sie oft sogar die wesentlich entspannteren.

  5. Küchentisch « now | worldwidewestern

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