Sind Zeitungen tot?

Unsinn! Sie müssen nur ganz anders werden. Drei Beispiele aus Portugal, Holland und Schweden.

04.09.2009 von Sacha Batthyany und Martin Beglinger und Finn Canonica , 13 Kommentare

Schön, dass Sie diesen Text lesen. Denn es gibt immer mehr Leute, die dies nicht mehr tun, zumindest nicht auf Papier. Und es mehren sich die Stimmen, die der traditionellen Tageszeitung den baldigen Tod voraussagen. Es ist, leider, alles andere als grundloses Gejammer. Insbesondere in den USA vergeht kaum ein Monat, ohne dass dort eine Zeitung eingeht, jeweils protokolliert vom inoffiziellen Totenregister der Branche, der Website «Newspaper Death Watch». Für manche Verleger ist das deshalb doppelt bitter, weil sie das Internet für den zentralen Auslöser der grossen Krise halten. Wie das Netz die Presse revolutioniert und mit welchen Langzeitfolgen, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Nichts zu deuteln gibt es hingegen am Leser- und Inserateschwund der letzten zehn Jahre, und der lässt die Zeitungen sowohl um ihr (junges) Publikum als auch um ihre wichtigste Einnahmequelle fürchten.
Auch im Zeitungsland Schweiz stehen viele Titel unter grossem Druck. In den letzten zwölf Monaten wurden viele Stellen gestrichen. Und dieses Jahr bringt einen Herbst, in dem die führenden Blätter ihre alten Hüllen (und ein paar alte Zöpfe) fallen lassen. Ein neu konzipierter «Tages-Anzeiger», der mehr sein will als nur «Protokollführer der Zeitgeschichte», wie Chefredaktor Res Strehle sagt, erscheint am 29. September 2009. Ein paar Tage zuvor kommt die NZZ ebenfalls in einem neuen Gewand. «Bund» und «Blick» folgen im Oktober.
Offensichtlich ist: Die traditionelle Zeitung wurde von der Zeit überholt.Was aber noch lange nicht heisst, dass die Bloggerkakophonie und der Suchmaschinendschungel ein valabler Ersatz wären für die gedruckte Zeitung. Das Bedürfnis nach Texten, die «verlässlicheOrientierung» (Frank Schirrmacher) bieten, ist in einer immer beschleunigteren Welt grösser denn je. Gerade die Langsamkeit der Qualitätszeitung — von den Internet-Apologeten belächelt — ist doch ihre Stärke. Eine Zeitung bietet, im Vergleich zum Angebot im Netz, nicht mehr Informationen und schon gar nicht aktuellere. Aber gewiss die relevanteren. Wie also sieht sie aus, die Qualitätszeitung von morgen? Wer «Informação» aus Portugal, «nrc.next» aus Holland und das schwedische «Svenska Dagbladet» in den Händen hält, weiss es.

Martim Figueiredo, der 38-jährige Chefredaktor der gerade mal drei Monate alten portugiesischen Tageszeitung «Informação», sitzt in seinem Büro in einem blauen Blechpavillon auf einem Industriegelände, eine 15-Euro-Taxifahrt von Lissabon entfernt. Er wundert sich über die Verzagtheit, ja Angst in den Chefetagen der Medienkonzerne. «Eine Armada von Internetluftköpfen propagiert den Tod der Zeitung, und fast die ganze Branche kapituliert vor dieser Drohkulisse», sagt er. Das erinnere ihn an den Dot.com-Hype vor zehn Jahren. Panisch hätten sich Manager über Nacht von bewährten Businessmodellen verabschieden wollen, bloss weil ein paar junge Leute angeblich die Wirtschaft neu erfunden hatten.
«Wie das geendet hat, wissen wir ja», sagt Figueiredo. Schon möglich, dass der feingliedrige Mann entweder verrückt ist oder so grössenwahnsinnig wie Cristiano Ronaldo, um guten Gewissens die zehn Millionen Euro des Industriekonzerns Lena in den Sand zu setzen, mit denen «Informação» an den Start geschoben wurde. Man denke mal darüber nach: ein Zeitungsstart mitten in einer Medien- und Finanzkrise. Mitten in einer Zeit, in der höhere Ansprüche rasch als «elitär» taxiert werden und jeder längere Artikel als Zumutung.
Aber nein, Martim, wie ihn alle Kollegen nennen, ist normal. Richtig rational sogar in seinen Argumenten. Nur ein wenig mutiger, ein wenig visionärer vielleicht als die durchschnittlichen Vertreter seiner Branche.
Jahrelang leitete er das Wirtschaftsblatt «Económico», eine Art portugiesische «Financial Times». Als die neuen Investoren (die Besitzer von acht portugiesischen Lokalzeitungen) bei ihm anklopften, hatte er das Konzept für «Informação» bereits im Kopf. Seit drei Monaten liegt das Blatt an den portugiesischen Kiosken, und wer es in die Hand nimmt, muss nicht mal Portugiesisch können, um auf den ersten Blick zu verstehen, wie anders diese Zeitung funktioniert. «Informação» geht, wie die Zeitung «nrc.next» aus Rotterdam, konsequent davon aus, dass ihre Leser das faktische Weltgeschehen längst aus anderen Kanälen kennen. Wer sich also die Mühe macht, «Informação» für 1.40 Euro zu kaufen, erwirbt sich mit dem Blatt einen Mehrwert, den andere nicht liefern.
«Ich glaube, die Leser schätzen es sehr, nicht mit den Geschichten von gestern belästigt zu werden», sagt Martim. Unverzichtbar aber sei, die intelligenteste Meinung zu den Ereignissen vom Vortag im Blatt zu haben. Praktisch heisst das, die Redaktion eröffnet die Zeitung unkonventionell mit zwei vollen Seiten «Opiniones», also mindestens fünf Meinungsstücken der klügsten Köpfe portugiesischer Sprache. Einzige Konzession an die traditionellen Zeitungsleser sind die vier «Radar» genannten Seiten im vorderen Teil des Blattes, wo das Weltgeschehen im Stil einer BBC-Nachrichtensendung nochmals kurz zusammengefasst wird. Ansonsten wird konsequenterweise auf die altbekannten Themenressorts Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur verzichtet. «Ich halte nichts von diesem traditionellen Denken in Ressorts», sagt der Chefredaktor. «Die Lebensbereiche lassen sich doch auch nicht trennen.»
Figueiredo wühlt auf seinem Schreibtisch und greift sich eine Ausgabe mit einer mehrseitigen Geschichte über die Generation der 40-Jährigen in Portugal. Stehen sie besser da als noch ihre Eltern? Wie leben, lieben und wählen sie? «Gehört die Geschichte in den Wirtschaftsteil? In den Lifestyle-Bund? Zur Politik oder doch in die Wissenschaft?» Alles rhetorische Fragen. Die Antwort darauf hat Martim Figueiredo schon lange gegeben. Sie heisst «Zoom» und bildet sozusagen den Kern von «Informação», täglich sechs bis acht Seiten Reportagen oder Hintergrundgeschichten.

Wissen, das bleibt
Tatsächlich hat die 74-köpfige Redaktion es in der kurzen Zeit geschafft, auf den «Zoom»-Seiten Themen zu setzen, die dann landesweit Beachtung gefunden haben. Ob Qualität der Schulen oder Probleme der Tourismusindustrie — «wir setzen auf ein Thema und handeln es so gründlich ab, dass das erworbene Wissen hoffentlich länger als 24 Stunden nützlich ist». Im Idealfall, sagt der Chefredaktor, bestimmten die «Zoom»-Seiten von «Informação», worüber nach der Arbeit in den Bars, Restaurants oder am Familientisch geredet werde. Zusätzlich liefern die einmal wöchentlich beigelegten «Reportagem»-Seiten längere Geschichten aus der ganzen Welt.
Nicht alle Reportagen sind hausgemacht, viele von der «New York Times» oder aus «Vanity Fair» übernommen. Und wer darauf keine Lust hat, der findet auf den letzten Seiten immer noch eine Auswahl von kürzeren Texten. Pflichtstoff gibt es keinen, die Redaktion entscheidet nach dem Massstab ihres Geschmacks. So kann es also sein, dass mal kein einziger Sportartikel im Blatt ist.
«Das ist immer noch besser, als wenn wir einen Text über die portugiesischen Tischtennis-Meisterschaften veröffentlichen müssen», sagt Miguel Pacheco, einer der verantwortlichen Redaktoren.
Mit einer Auflage von 100 000 ist «Informação» gestartet, im Schnitt werden täglich knapp 48 000 Exemplare verkauft. Ein kleiner Erfolg, das darf man jetzt bereits sagen. Und das in einem Land, in dem noch immer erst ein kleiner Teil der Bevölkerung eine höhere Schulbildung hat. Das beweise doch, sagt Martim Figueiredo, dass alle Diskussionen über Klugheit oder Dummheit des Durchschnittslesers absurd seien. «Das Publikum ist exakt so klug oder dumm wie die Inhalte, die man ihm bietet.»
Vor einem Monat hat die Zeitung, den gegenwärtigen portugiesischen Wahlkampf im Fadenkreuz, einen Essay über Michael Oakeshott publiziert, den exzentrischen politischen Philosophen. «Das war sicher hart an der Grenze», kommentiert Martim Figueiredo seinen Entscheid. Aber Qualität sei der einzige Tabubruch, den man in den Medien heute noch begehen könne. «Gegen den Oakeshott-Essay sind Geschichten über dicke Hintern von Prominenten richtig bieder», sagt er und grinst.
Dieses radikale Bekenntnis zur Substanz findet seine Entsprechung in der Optik des Blattes. Das Layout mit seinen exzellenten Fotos gleicht eher einem smarten Magazin als einer Tageszeitung. Tatsächlich, gesteht Martim freimütig, hat man einige grafische Elemente von «Monocle» abgeschaut, dem erfolgreichen britischen Monatsmagazin von Tyler Brûlé. «Eine Zeitung ist letztlich eben auch ein Objekt mit dem Charakter eines Accessoires», sagt er. Darum müsse sie, ganz banal, eben auch schön sein.

Mehr Optimismus
«Ich weiss nicht, wie es im Norden ist, aber in einem südlichen Land ist es eben nicht egal, was man mit sich rumträgt.» Die Frage, woher seine Liebe zur gedruckten Zeitung stamme, beantwortet er dagegen sehr rational. «Relevanz kann heute nach wie vor nur in Print erzeugt werden.» Den Vorwurf, etwas gar antimodern zu argumentieren, lässt er nicht gelten. «Nur was gedruckt auf Papier steht, ist wirklich wichtig. Dieses Gefühl ist irgendwo tief in unserer Lesekultur verankert.»
Noch ist es viel zu früh, um über Erfolg oder Misserfolg von «Informação» zu spekulieren. Das weiss natürlich auch Martim Figueiredo. Bis zum Jahr 2013 soll die Zeitung in den schwarzen Zahlen sein. Und wenn es nicht klappt? Ist das ein weiteres Zeichen für den Untergang des Qualitätsjournalismus? «Hören Sie», sagt er zum Abschied, «der beste Weg, um Ihren Job zu behalten, ist es, mehr Optimismus zu verbreiten. Kein Mensch glaubt doch im Ernst daran, dass es mal keine Bücher mehr gibt. Warum sollen wir also an das Ende der Zeitung glauben?»

Es ist 16 Uhr. Redaktionskonferenz bei «nrc.next» in Rotterdam. Rund zwanzig Journalisten, alle unter 30, sitzen auf Sofas und farbigen Picknickstühlen in der Mitte des Grossraumbüros und sprechen über die Themen der kommenden Tage. Ein wenig erinnert die Atmosphäre an Google, die Wände sind grün, der Teppich ultramarin wie die Flipflops der Mitarbeiter, doch es fallen Wörter wie Michail Saakaschwili und Kaukasus-Konflikt, wie Bootsflüchtlinge, Schweinegrippe, Finanzkrise und Woodstock-Jubiläum. «Ist das alles?», fragt Titia Ketelaar, die Chefredaktorin, sie ist die Einzige, die steht. «Was liegt sonst in der Luft?»
Titia Ketelaar ist zwar erst 34, aber doch schon ein paar Jahre älter als die Hauptzielgruppe ihrer Tageszeitung. Sie hat womöglich eine Antwort auf jene Fragen gefunden, welche die Zeitungsbranche mit wachsender Verzweiflung umtreiben: Wie lockt man die Generation Internet zurück zum Papier? Wie kann man diese Menschen dazu bringen, sich gemütlich mit einer leicht zerknitterten Zeitung aufs Sofa zu setzen anstatt mit ihren eleganten Laptops, auf denen sie sich durch die «New York Times» oder «spiegel.de» klicken, während sie gleichzeitig einen neuen Film downloaden und Musik übers iPhone hören? Kann man diese Menschen umpolen und dazu verleiten, etwas so «Altmodisches» zu tun, wie eine Zeitung zu abonnieren, die man am Ende des Monats mit billiger Packschnur bündeln und vor den Hauseingang stellen muss?
Das Rezept gegen den Leserschwund, auf das sich die meisten Zeitungsmacher einigten, lautete bisher: mehr News und Kurzfutter, mehr Bilder und Charts und Info-Boxen und vor allem mehr Britney Spears und Ex-Missen, mehr In-Bars und It-Bags und Listen mit den beliebtesten Bungee-Jumping-Brücken Europas — und alles erst noch gratis im Netz. «Das ist mit Sicherheit der falsche Weg», sagt Titia Ketelaar. «Nur weil junge Menschen weniger Zeitungen kaufen, heisst das nicht, dass sie dumm sind und faul und sich nur für Lifestyle, Busen und Kurzmeldungen interessieren.»

Weniger Britney Spears
Sie muss es wissen. Denn in den wenigen Jahren seit dem Bestehen von «nrc.next» hat die Zeitung ihre Auflage (90 000) beinahe verdoppelt. 78 153 neue Abonnenten in dreieinhalb Jahren — das ist schätzungsweise Europarekord.
Das Auffälligste an «nrc.next» ist nicht das sogenannte Tabloid-Format, wie in der Schweiz der «Blick» oder die Gratisblätter. Auch nicht die grossen Bilder in der Mitte, das machen heute viele. Das Auffälligste ist der bewusste Verzicht auf sogenannte News, auf die Aktualität des Tages, des vermeintlichen Kerngeschäfts einer Zeitung. Sportresultate, Anzahl Tote bei einem Wirbelsturm, Verkehrsstreik in Paris — sucht man hier vergeblich. «Printmedien sind nicht mehr schnell genug», sagt Ketelaar, «unsere Leser wissen das alles bereits übers Internet. Stattdessen bieten wir Hintergründe zu den Schlagzeilen. Wir verpacken Ereignisse in Geschichten und wollen Emotionen wecken.» Reportagen, Analysen und Meinungen, viel Überraschendes und eine klare Haltung, das sei das Rezept gegen den Leserschwund. Das Wetter? Kommt nur ganz beiläufig, links unten. Wozu gibt es iPhones?
Täglich werden in Holland fünfeinhalb Millionen Zeitungen gedruckt. Diese Zahl, noch immer beachtlich für ein so kleines Land, sinkt jedes Quartal um 2,5 Prozent. Die beiden auflagenstärksten Kaufzeitungen «De Telegraaf» und das «Algemeen Dagblad» verlieren ebenso wie die Gratisblätter «metro» und «Sp!ts». Nur «nrc.next», 1.10 Euro am Kiosk, gewinnt und wirft einen bescheidenen Gewinn von 1,5 Millionen Euro ab.
«Die Generation nach 1982 nennt man ‹digital natives›, sie sind mit dem Internet aufgewachsen, Zeitungen auf Papier passen nicht mehr in ihr System», sagt José van Dijck, Professorin für Medien und Kommunikation an der Universität Amsterdam. «Wir Älteren sind die ‹digital immigrants›, wir kommen aus einer anderen Welt.» Dass es den Machern von «nrc.next» dennoch gelang, ein jüngeres Publikum zu binden, liege einerseits am Konzept, andererseits am Namen: «Sie profitieren von der Marke ‹NRC›. Der ‹Brand› ist heutzutage alles entscheidend.»
«nrc.next» ist ein Spin-off der liberalen Tageszeitung «NRC Handelsblad», die ebenfalls von einer Frau geleitet wird, Birgit Donker. Das Traditionsblatt erscheint am Abend, ist von der Auflage (240 000) her die Nummer vier im Land, bekannt für seine Wirtschafts- und Auslandsberichterstattung, seriös, zurückhaltend, edel. Jeder noch so altgediente «NRC Handelsblad»-Redaktor schreibt auch für die junge «nrc.next», was anfänglich zu Generationenkonflikten führte, mittlerweile aber sehr gut funktioniert. «Der NRC-Korrespondent im Mittleren Osten schreibt für uns einfach mit anderem Fokus über Themen, die unsere Zielgruppe interessieren», sagt Titia Ketelaar. Entscheidend sei, «dass nur jemand über den Mittleren Osten schreibt, der auch wirklich dort war und sich auskennt».

Nur keine Routine
Sowohl das «NRC Handelsblad» als auch «nrc.next» sind im Besitz des grössten niederländischen Verlagskonzerns PCM Uitgevers, zu dem drei weitere nationale Tageszeitungen gehören, mehrere Gratisblätter wie auch «Het Parool», Amsterdams wichtigste Stadtzeitung. Zu viel Macht in einer Hand, entschied die niederländische Wettbewerbskommission, ein Titel müsse aus dem Verlag ausgelöst werden — es traf «NRC» und «nrc.next». «Wir sind auf der Suche nach einem Investor», sagt Titia Ketelaar so gelassen, wie es nur Holländer tun.
Wie wenn die Zürcher Kronenhalle am Bellevue einen Imbiss eröffnen würde, gleiche Qualität, gleiche Zutaten, aber billiger, jünger, unkomplizierter: Das ist «nrc.next». Es ist die globalisierte Welt, wie sie die unter 35-Jährigen sehen, zukünftige Väter und Mütter, CEOs und Politiker, die sich für das Leben von Putzfrauen in New York genauso interessieren wie für den Finanzplatz Mumbai. Deshalb gibt es mindestens eine lange Auslandsreportage pro Ausgabe, deshalb ist «nrc.next», ähnlich wie «Informação» aus Portugal, nicht in starre Ressorts gegliedert, wo jeden Tag alles immer auf derselben Seite erscheint: Routine ist nicht gefragt.
Von den Klagen über den Untergang des Qualitätsjournalismus, den viele ältere Kollegen prophezeien, distanziert sich Titia Ketelaar vehement. «In den Neunzigern hatten wir goldene Jahre und wussten nicht, wohin mit dem Geld. Jetzt müssen wir nach neuen Lösungen suchen.» Ketelaar, begeisterte Leserin des britischen «Guardian», sagt: «Ich glaube daran, dass da draussen genug junge Menschen sind, die für gut recherchierte Artikel Geld bezahlen.» Deshalb gebe es auch keine klassische «nrc.next»-Webseite, auf der dieselben Texte gratis zu lesen sind, sondern «nur» einen Weblog, in dem Leser über die Artikel diskutieren.
Am nächsten Tag, Flughafenkiosk Schipol, Amsterdam. Die gesamte Weltpresse steckt in sechs Zeitungsständern, von «Hürriyet» bis zur «Times of India». Die «International Herald Tribune» titelt: «Asia awash in storms», die FAZ schreibt: «Sturm über Asien» und der britische «Independent»: «Typhoons batter Asia». Die «Financial Times», die NZZ und «La Repubblica» berichten auf der Frontseite über eine Serie von Bombenanschlägen im Irak, «El País» und die «Süddeutsche Zeitung» und der ganze Rest konzentrieren sich auf Obamas Anstandsbesuch in Mexiko, und «Le Figaro» steckt im Sommerloch und kennt «10 Signale für ein Ende der Krise». Nur Titia Ketelaars «nrc.next» sticht hervor.
«Und wo sind die Bootsflüchtlinge?», steht in grossen Buchstaben auf einem Bild mit ausgemergelten Schwarzafrikanern, die im Mittelmeer auf einem kaputten Kahn treiben. Jeden Sommer, so der Artikel, sah man Bilder von halb erfrorenen Afrikanern vor der italienischen Küste, nur dieses Jahr nicht — warum? Es ist eine Titelgeschichte nach Ketelaars Geschmack. Aktuell? Nein. Relevant? Wer weiss. Sicher aber überraschend und eigen. Darum gehts.

Vor zehn Jahren war die schwedische Tageszeitung «Svenska Dagbladet» (SvD) knapp vor dem Koma. Heute sitzt Ann Axelsson, 43, stellvertretende Chefredaktorin, an ihrem überladenen Redaktionspültchen und erzählt die Geschichte einer erfolgreichen Reformation. Das tut sie gerne, doch ohne die geringste Überheblichkeit, auch wenn sie allen Grund zu Stolz hat. 52 000 neue Leserinnen und Leser oder sensationelle zehn Prozent hat die Zeitung im ersten Halbjahr 2009 hinzugewonnen. Seit sieben Jahren geht es nunmehr aufwärts, Auflage (200 000) und Leserschaft (538 000) im Zwei-Millionen-Grossraum Stockholm sind höher denn je, während die Konkurrenz stetig verliert. Mittlerweile ist SvD die zweitgrösste Qualitätszeitung in Stockholm und die drittgrösste im Land.
Wie das möglich war? Ann Axelsson lächelt. Ein gutes Jahrhundert lang war das «Svenska Dagbladet» das bürgerliche Leibblatt der schwedischen Industrie, «eine Zeitung für ältere Männer mit ziemlich selbstgerechter Attitüde», wie Axelsson sagt. Zu lange suhlte man sich in fataler Überheblichkeit. Als das SvD 1998 vom norwegischen Verlag Schibsted übernommen wurde und die Rechner sich über das Blatt beugten, hiess die Alternative bald: Wandel oder Tod. Der Veränderungsdruck war also hoch, aber ebenso hoch war der redaktionelle Überlebenswille.
Die Umstellung begann 2001 mit dem radikalen Wechsel von einer Mehrbund-Zeitung (wie es «Tages-Anzeiger», BaZ oder BZ sind) auf das Tabloid-Format, das aber markant grösser ist als etwa «20 Minuten» in der Schweiz. Die Schweden zählten zu den Ersten in Europa, die diesen Schritt mit dem Mut der Verzweiflung riskierten, denn das Tabloid galt damals noch als Inbegriff des Unseriösen, weil es das traditionelle Format der Boulevardblätter ist. Doch das «Svenska Dagbladet» widerlegte dieses dünkelhafte Vorurteil undbewies, dass man schön werden und trotzdem seriös bleiben kann. Mit seiner eleganten Grafik und prägnanten Bildsprache wirkt das Blatt heute weit grosszügiger, pointierter, frischer — und vor allem sinnlicher. Kein Wunder, dass das SvD einen Preis nach dem anderen für die beste Gestaltung gewinnt.

Wandel oder Tod
Etliche der alten Herren nörgelten anfangs zwar an der neuen Aufmachung herum, doch solange sie das Fernsehprogramm fanden und vor allem die Seele ihrer Zeitung, hielten sie dem «Dagbladet» die Stange. An der bürgerlichkonservativen Ausrichtung wurde nie gerüttelt, wofür eine Reihe von langjährigen politischen Kolumnisten und Hausautorinnen sorgen, die der Zeitung ihre Stimme geben und für Kontinuität sorgen. Der politische Kurs ist klar, aber ohne besserwisserischen Ton, der andersdenkende Leser verscheucht.
Vor allem bei den Frauen stösst die neue Form auf grossen Anklang. Das bemerkte auch das grosse Konkurrenzblatt des «Svenska Dagbladet», die linksliberale «Dagens Nyheter», die den Formatwechsel bald hemmungslos kopierte. Doch dort blieb der Erfolg aus, weil sich eben nur das Format verändert hatte, nicht aber das Denken der Journalisten, wie Ann Axelsson vermutet. Im eigenen Haus hingegen habe sich auch vieles in den Köpfen geändert, wobei es seit 2001 auch bedeutend weniger Köpfe sind. Während der finanziellen Rosskur nach 2001 wurde jede dritte Redaktionsstelle gestrichen. Heute sind es noch 200, und eigene Auslandskorrespondenten hat das SvD gerade mal fünf.
Das Wichtigste am neuen Geist im einstigen Altherrenhaus war nichts Geringeres als «die Entdeckung des Lesers — und der Leserin». Hundert Jahre lang habe man bloss behauptet, seine Leser zu kennen. Das neue «Svenska Dagbladet» wollte es genauer wissen und machte mit sechzehn seiner typischen Leserinnen und Leser lange Interviews über Gott und die Welt und ihr Leben. Das Resultat wurde unter dem Titel «The secret lives of our readers» als Sonderzeitung gedruckt und auf der Redaktion verteilt, damit diese ein besseres Bild davon erhielt, wer ihre Leser wirklich sind und wie sie ticken. Das bedeute nicht, Journalismus durch Meinungsumfragen zu ersetzen, sagt Axelsson. Es heisst nur, die Themen bewusster zu setzen für eine gebildete, moderne, städtische Leserschaft, die mehrheitlich bürgerlich denkt.

Meisterhaft beherrscht das SvD mittlerweile die Balance zwischen News und Hintergrund, denn seine Leserschaft verlangt beides (wie auch einen munteren Internetauftritt). Das «Svenska Dagbladet» ist nicht nur eine aktuelle Tageszeitung, sondern es besteht auch aus zwei täglichen Magazinen, die der Zeitung beiliegen, das eine zu Themen aus der Wirtschaft, das andere zu solchen aus Kultur und Gesellschaft. Die Resonanz darauf ist dermassen gut, dass diese Perlen im Blatt weiter ausgebaut werden.
Der Erfolg des «Svenska Dagbladet» hat ein Geschlecht: Es ist weiblich. Ann Axelsson würde das zwar vehement bestreiten. Allein den Gedanken, nach der Rolle von Mann und Frau zu fragen, hält sie für ziemlich rückständig. Dass die Chefredaktion von zwei Frauen geführt wird (ähnlich wie übrigens auch bei «nrc.next») und die Redaktion seit etlichen Jahren zur Hälfte aus Frauen besteht, ist für Axelsson nichts als normal. «Es geht um Kompetenz, nicht ums Geschlecht.» Doch auch sie räumt ein, dass Frauen andere Perspektiven einbringen, zum Beispiel in den Wirtschaftsteil, der nicht mehr nur von Managermännern handelt und heute von wesentlich mehr Frauen gelesen wird.

Zehn Millionen vom Staat
Ob das alles reicht, um auch die nächsten zehn oder zwanzig Jahre zu überleben? Ann Axelsson zuckt mit den Schultern. «Die einzige Sicherheit in unserem Metier ist die Unsicherheit.» Wie in den USA wird man auch in Europa mehr über völlig neue Modelle nachdenken müssen, wie der Qualitätsjournalismus der Zukunft finanzierbar ist, ob von Mäzenen, Stiftungen — oder allenfalls vom Staat, was in Schweden schon heute der Fall ist und nicht zu knapp. So fliessen jedes Jahr 10 Millionen Franken Staatsgelder direkt ins Redaktionsbudget des «Svenska Dagbladet», ein erklecklicher, wenn auch nicht entscheidender Anteil am Budget, wie Ann Axelsson sagt, auf jeden Fall aber mehr als bei jeder anderen der hundert schwedischen Tageszeitungen. Auch davon träumt so mancher Schweizer Verleger.
Die staatliche Presseförderung in Schweden begann in den Siebzigerjahren zu sprudeln, als reihenweise sozialdemokratische Zeitungen das Zeitliche segneten, wie Håkan Lindhoff erklärt, Professor für Journalismus an der Universität Stockholm. Zu den Merkwürdigkeiten dieses Subventionssystems gehört, dass nur der kleinere Qualitätstitel in einem Medienraum Geld erhält, damit er — im Interesse der Demokratie — als zweite Stimme am Leben bleibt. Das hiesse, auf Schweizer Verhältnisse gemünzt: Die «Neue Zürcher Zeitung» kriegt zehn Millionen, der «Tages-Anzeiger» nichts (mit Ausnahme der Subventionen für den Vertrieb, doch die bekommen alle). Dem «Svenska Dagbladet» ist es zwar eher peinlich, dass ausgerechnet sie, die liberale und vor allem erfolgreichste Zeitung des Landes, zugleich die meisten Subventionen kriegt. Doch das wird noch lange so bleiben, denn selbst die grössten Optimisten beim SvD glauben nicht daran, dass sie «Dagens Nyheter», die Nummer eins, irgendwann einholen und dadurch ihre Subventionsberechtigung verlieren werden.

Zeitungsstart mitten in einer Medien- und Finanzkrise. Titelseite der jungen portugiesischen Tageszeitung «Informação». | Adrian Sonderegger und Jojakim Cortis
Zeitungsstart mitten in einer Medien- und Finanzkrise. Titelseite der jungen portugiesischen Tageszeitung «Informação». | Adrian Sonderegger und Jojakim Cortis


Der Kern von «Informação» heisst «Zoom» (oben links), täglich vier bis sechs Seiten Reportagen, die entscheiden, worüber in den Bars und zu Hause am Familientisch in Portugal gesprochen wird. Martin Figueiredo, 38, Chefredaktor: «Nur was gedruckt auf Papier steht, ist wirklich wichtig.» | Adrian Sonderegger und Jojakim Cortis
Der Kern von «Informação» heisst «Zoom» (oben links), täglich vier bis sechs Seiten Reportagen, die entscheiden, worüber in den Bars und zu Hause am Familientisch in Portugal gesprochen wird. Martin Figueiredo, 38, Chefredaktor: «Nur was gedruckt auf Papier steht, ist wirklich wichtig.» | Adrian Sonderegger und Jojakim Cortis
52 000 neue Leser im Jahr 2009. Ann Axelsson, 43, stellvertretende Chefredaktorin des «Svenska Dagbladet». | ZVG
52 000 neue Leser im Jahr 2009. Ann Axelsson, 43, stellvertretende Chefredaktorin des «Svenska Dagbladet». | ZVG



Wandel oder Tod? Wandel! Früher war es «eine Zeitung für ältere Männer mit ziemlich selbstgerechter Attitüde.» Vor acht Jahren wurde die zweitgrösste Qualitätszeitung in Stockholm entstaubt und neu konzipiert und hat seitdem Erfolg. Täglich erscheint ein Wirtschafts- und Kulturmagazin. | Adrian Sonderegger und Jojakim Cortis
Wandel oder Tod? Wandel! Früher war es «eine Zeitung für ältere Männer mit ziemlich selbstgerechter Attitüde.» Vor acht Jahren wurde die zweitgrösste Qualitätszeitung in Stockholm entstaubt und neu konzipiert und hat seitdem Erfolg. Täglich erscheint ein Wirtschafts- und Kulturmagazin. | Adrian Sonderegger und Jojakim Cortis

Wie lockt man die Generation Internet zurück zum Papier? So! Reportagen, Analysen, viel Überraschendes und eine klare Haltung. Das Wetter? Kommt nur beiläufig, links unten. Wozu gibt es iPhones? | Adrian Sonderegger und Jojakim Cortis
Wie lockt man die Generation Internet zurück zum Papier? So! Reportagen, Analysen, viel Überraschendes und eine klare Haltung. Das Wetter? Kommt nur beiläufig, links unten. Wozu gibt es iPhones? | Adrian Sonderegger und Jojakim Cortis

Die Diskussion

13 Reaktionen

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    Ronnie Grob

    Ich weiss nicht recht. Auf das Titelblatt “Warum Print gewinnt” schreiben und dann jemanden ins Zentrum rücken, der den (meines Erachtens furchtbar dummen) Satz “Relevanz kann heute nach wie vor nur in Print erzeugt werden” sagt? Dass Relevanz nur von Print erzeugt wird, das ist weder “heute” so, noch wird es “morgen” so sein, noch war es irgendwann schon mal so. Aus dem Satz spricht eine Haltung, die von einer eigenen, lächerlich wirkenden Wichtigkeit überzeugt ist. Ich finde einen so zur Schau gestellten Elitismus anmassend.

    Ich glaube, das in Zukunft vor allem ein Wert den Ausschlag geben wird, ob jemand Geld für Journalismus ausgeben mag: Der Wert heisst Glaubwürdigkeit. Und ja, ich kann mir durchaus vorstellen, dass Print gewinnen kann. Mit solchen Leuten an den Schalthebeln aber definitiv nicht.

  2. cjwalther

    Informação: Ja, Zeitungen müssen sich im Print von der News-Berichterstattung entkoppeln. Das führt zu weitgehend neuen Produkten mit entsprechend anderen Produktionsmethoden als bei herkömmlichen Zeitungen – mehr Re- denn E-volution.

    nrc.next: Ja, für unterschiedliche Zielgruppen braucht es entsprechende Produkte. Keinesfalls sollte die weitgehend ältere Leserschaft traditioneller Zeitungen mit Experimenten für eine jüngere Zielgruppe vergrault werden. Es ist schon kurios genug, dass eine immer ältere Leserschaft von immer jüngeren (da billigeren) Redaktionen bedient wird.

    Dennoch wird der seit langem anhaltende Abwärtstrend bei der Tagespresse insgesamt nicht zu stoppen sein. Deshalb wird die Frage zu diskutieren sein, ob und inwiefern die Qualitätspresse staatlich zu fördern ist, Svenska Dagbladet ist da ein Beispiel für ein mögliches Vorgehen. Keinesfalls sollte es dazu kommen, einen Qualitätsjournalimus am Leben zu erhalten, der vielfach als Erhalt des Status Quo verstanden wird. Dass hier der Wurm drin ist, hat ja der Vor-Kommentator schon auf den Punkt gebracht.

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    Christian Röthlisberger

    bloggerkakophonie? gar nicht nett. gehört euer hauseigenes mamablog auch dazu?

    suchmaschinendschungel? 90% des marktes teilen sich google, yahoo und bing. machen drei bäume bei euch schon einen dschungel?

    relevanz gibts nur im print allein? da schliess ich mich meinem vorredner an: anmassend. und ich ergänze: unwissend auch noch.

    print gewinnt? mit diesem satz habt ihr am deutlichsten gezeigt, dass ihr nichts begriffen habt: es gibt zwischen print und online keinen gewinner, sondern nur ein gut verzahntes miteinander von online und print.

    kurz und gut: den bloggern beleidigend an den karren fahren und selber keine ahnung haben – supi. wie lange glaubt ihr, dass ihr das durchziehen könnt?

  4. Finn Canonica

    Wir müssen ja gar nichts durchziehen – Mit Kommentaren wie dem Ihren erledigen Sie sich ja von selbst. Weiter so. Uns freuts.

  5. Roman

    Ich finde, dass dieser Artikel viele interessante Aspekte behandelt, auch wenn man sich über einige Formulierungen streiten könnte. (siehe oben…)

    Was ich jedoch noch viel, viel besser fände, wenn ihr nicht nur darüber schreibt sondern es gerade umsetzt! Wäre es nicht toll, in jedem Tages-Anzeiger ein TagiMagi zu finden? Diese Vorstellung ist ein Traum!

  6. MatthiasG

    Schreibt man «verlässliche Orientierung» nicht getrennt?

  7. Wolfgang

    Die Zeitung ist nicht tot. Jedoch stirbt das Papier als Gefäss für Informationen mittelfristig aus. Vertrieb und Zustellung unterliegen einem gnadenlosen Kostendruck, neue Medienträger und Anbieter werden diese Entwicklung beschleunigen. Chancen besitzt echter Journalismus, kritisch hinterfragende, aufdeckende und nicht beeinflussbare Berichterstattung. Dann greift der Kunde auch gerne zur Zeitung (in welcher Form auch immer) und wird dafür auch löhnen.
    Wirtschaftliche, politische und machtorientierte Zensur der wahren Begebenheiten förderten in der Vergangenheit die schlecht geschriebenen oberflächlichen Gratisblätter. Für den schnellen Konsum eignen Sie sich allemal, ist ihr DIN A4 Format doch förderlich für die Pendlerkultur Bahn.
    Die Strategie unbequeme Informationen zu Gunsten von Werbung und Inseraten zurückzuhalten mag sich in einer wirtschaftlichen Hochzeit rechnen, guter Journalismus rechnet sich jedoch auch in schlechten Zeiten.

  8. Profile Pic
    Kurt Steuble

    Ich habe langsam aber sicher die Nase gestrichen voll, mich als Blogger von Medien-Handwerkern beleidigen zu lassen, die selber mit den eigenen Internet-Formaten immer weiter beweisen, wie sich der eigene Informationsgehalt ständig verdünnt.

    Die Klage-Litaneien sind langsam bemühend. In diesem Zusammenhang bin ich dankbar für die Wortschöpfung “Internetluftköpfe”. Sie weist darauf hin, dass man sich nicht über ein Blog netzwertig zu äussern braucht, um sich als Luftverwedler zu outen. Wir sollten uns doch, verd… nochmal, darum kümmern, dass Leser finden, was sie lesen wollen, wenn sie es auf dem Sofa in den Fingern halten können.

    Ich sehne mich tatsächlich nach einem mutigen Wurf im Stil der portugiesischen Kollegen – DAS scheint mir die Zukunft zu sein. Eine Zeitung sollte nicht länger uninteressant sein, nur weil sie von gestern ist. Der alte Spruch ist zu widerlegen – denn heute ist sie, in den gehabten Formaten und in deren Information, schon alt wenn sie erscheint. Eine “Zeit” kann ich wochenlang neben dem Bett liegen haben. Ich werde sie auch dann noch durchblättern, weil grundsätzlichere Themen darin Platz haben – und auch noch entsprechend vertieft behandelt werden.
    Diese Ansprüche auf eine Tageszeitung in der Schweiz anzuwenden – DAS wäre mal wirklich eine journalistische Leistung.

    Und auf dem Weg dahin sollten sich auch die Verfasser dieses Beitrages daran halten, dass nicht zuletzt viele Blogger wohl zu den aktivsten Lesern der Tagespresse gehören – oder gehören möchten. Wir würden uns nämlich nicht von Ihnen los sagen, wenn Sie uns Inhalte und Formate bieten würden, die wir im Netz nicht schon gelesen haben.

    Thinkabout

  9. qualiflyer

    ich muss dringend holländisch oder portugiesisch lernen. bis dieser traum einer zeitung in der schweiz wirklichkeit wird, bleibt mir immerhin jeden samstag dasmagazin als kleines trostpflaster…
    pascal

  10. Hans

    Entweder habe ich hier etwas nicht begriffen, oder die Autoren, oder beides…

    Das TagiMagi, eines der meiner Meinung (leider) wenigen wirklich lesenswerten ch- ‘Zeitschriften’ wundert sich in einem Artikel über kometenhafte Aufstiege in fernen Medienhimmeln. Dies online nachzulesen unter dasmagazin.ch.

    Ich weiss ja nicht, wie die Autoren das sehen, aber ich persönlich möchte für meine konkrete Arbeit bezahlt, und nicht aus irgendwelchen Töpfen quersubventioniert werden. Dafür aber über die ach-so böse Welt und das Journalistensterben zu klagen.
    Und sich dauernd selbst das Wasser abzugraben…Selten so gelacht! Ironie oder Absicht??

    Nur soviel: Ich war jahrzentelang ein TagiMagi-Käufer, bis das Ganze online erschien…

    Ansonsten beste Grüsse und alles Gute für die Zukunft wünscht
    …ein treuer Leser

  11. Saabista

    Süper Artikel! Was mir auch gut gefällt, ist die Aufmache der drei genannten Titel. Tiefgang schön verpackt. Von denen könnte das Tagimagi ganz fest viel lernen…

  12. makemake

    Interessant, dass die vorgestellten Zeitungen alle mit grossflächigen Bildern und Typo arbeiten… Sehen alle sehr schön aus, mitunter aber mit sehr plakative Wirkung.

    Irgendwie befürchte ich auch, dass es sich bei den Blättern, ein mal mehr, um Varianten des Lifestyle-Luxus-Besorgter-Bürger-Wir-Retten-Afrika-Und-Trinken-Prosecco-Scheiss’ handelt.

    Das Magazin geht auch in diese Richtung… plakative Lifestylethemen und provokative Kolumnen verdrängen ernsthaftere Themen…

    Ich empfehle mal einen bösen Blogger:

    http://www.salon.com/opinion/greenwald/

    Da gibts inzwischen Blogger, welche sich dem Thema

  13. makemake

    Text-Copy-Paste-Konfusion… my bad…

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