16.01.2009 von Thomas Zaugg
Ich skypte mit jemandem in Afrika. Gleichzeitig skypte ich mit jemandem in Zürich, aber jener Jemand in Afrika fehlte mir. Ich sagte: «Haaalloo!» Und winkte durch den Computer nach Afrika hinaus. Mein Gesicht lächelte jetzt auf einem Bildschirm an einem Ort auf einem anderen Kontinent. Dies aber wurde der Verbindung bald zu bunt. Das Bild ruckelte, die Stimmen schepperten, und ich wusste wieder, warum ich Skypen, dieses Chatten in Bild und Ton, überhaupt nicht mochte.
Skypen heisst leiden. Skypen ist, als sässe man in einem Flugzeug und würde bei geschätzten 5,2 G einen Salto machen, mit dem iPhone seinen Facebook-Account updaten und ein Beziehungsgespräch führen. Man muss die Mimik des Gegenübers im Auge behalten. Will er sprechen? Oder lächeln? Man muss schauen, in einem Nebenfenster, ob man selber gut ausschaut. Und man muss seine Nase in Ruhe lassen. Nein, ich mag Skype nicht, vor allem dann nicht, wenn es abstürzt. Selbst wenn Skype nur wackelte, gingen schon Fernbeziehungen in die Brüche.
Alte Menschen hingegen mag ich sehr. Es war an der Elektronikmesse in Berlin, ich stand vor dem Volksempfänger und überlegte gerade, ob es weise sei, davon ein Foto zu schiessen. Da kam ein alter Deutscher. Und mit ihm kamen die Erzählungen, wie das war, damals, mit Hitler. Und dass man den Volksempfänger, also den ersten Radio, der in alle Haushalte gekommen sei, auch «Goebbelsschnauze» genannt habe. Und dann schien sich der alte Herr aller technischen Raffinesse des Volksempfängers zu gewärtigen, bis ins kleinste Elektroding setzte er mir das Nazi-Gerät auseinander. Ich vergass alles wieder. Vergass alles in dem Moment, als das Wissen des alten Mannes durch mein linkes Ohr hineinströmte, mein Hirn kitzelte und auf Nimmerwiedersehen zu meinem rechten Ohr sagte. Steht ja alles auf Wikipedia, sage ich immer.
Nach einer Dreiviertelstunde schüttelte mir der alte Mann die Hand. Als er davonging, erschien er mir wie ein Zauberer, eine seltsame Gestalt mit völlig anderem Blick auf die Welt. Sein technisches Allwissen war mir fremd. Faszinierend aber war: dass er es hatte.

Früher war alles besser. | Julia Marti