Verlogener Widerstand

In der Schweiz sollen ruhig Minarette gebaut werden – doch müssten islamische Länder in gleichem Masse den Bau von Kirchen zulassen.

08.02.2008 von Henryk M. Broder , 14 Kommentare

Wenn ich die Auseinandersetzung, die derzeit in der Schweiz geführt wird, richtig verstanden habe, geht es nicht um den Bau von Moscheen an sich, sondern um die dazugehörigen Minarette, die besonders ins Auge fallen. In Deutschland ist die Situation ähnlich. Es gibt in der Bundesrepublik über zweitausend muslimische Gebetshäuser, davon aber nur etwa zweihundert richtige Moscheen. Die übrigen sind Gebetsstuben, die vor allem in Hinterhöfen betrieben wurden. Der Streit in der Bundesrepublik hat sich an einigen «repräsentativen» Grossbauten entzündet, die unter anderem in Köln und Berlin geplant werden.

Dazu gibt es Folgendes zu sagen: Man kann Menschen, die man ins Land geholt hat, weil die wirtschaftliche Situation es entweder erforderte oder möglich machte, nicht die Ausübung ihrer Religion verbieten. Man kann ihnen auch nicht vorschreiben, wie sie ihre Religion ausüben wollen, solange sie dabei nicht gegen geltende Gesetze verstossen, was zum Beispiel der Fall wäre, wenn sie unter Berufung auf ihren Glauben Menschenopfer bringen würden. Das bedeutet: Für den Bau von Moscheen ist, in der Schweiz wie in Deutschland, die jeweilige Bauordnung zuständig. Die bestimmt auch die Regeln, nach denen Kirchen, Synagogen, Parkhäuser und Shoppingmalls gebaut werden.

Während die Schweizer sich an den Minaretten stören, argumentieren die Deutschen mit der schieren Grösse der geplanten Neubauten. Ich halte beide Argumente für vorgeschoben. Solange sich die Muslime in ihren Hinterhofmoscheen versammelten, schien das niemanden zu stören. Sie blieben unter sich, unauffällig und zurückhaltend. Nun aber treten sie auf die Strasse, in das Licht der öffentlichkeit, und sagen: Wir sind da! Das Problem liegt also in der Sichtbarkeit. Wir, die sogenannte Zivilgesellschaft, wollen auch zu Anfang des 21. Jahrhunderts nicht zur Kenntnis nehmen, dass sich die ethnische und demografische Zusammensetzung Europas verändert hat, weil wir sie verändert haben. Wir haben sehr lange vom Gefälle zwischen Osten und Westen sowie Norden und Süden profitiert, ohne uns darüber Gedanken zu machen, auf wessen Kosten unser Wohlstand basierte. Wenn eine vierköpfige deutsche oder Schweizer Familie vier Wochen Urlaub in einer türkischen Ferienanlage machen konnte, zu einem Preis, den ein Wochenende in Gstaad gekostet hätte, dann darf sie sich nicht wundern, wenn der Kellner oder das Zimmermädchen aus Antalya zum Arbeiten in die Schweiz kommt, um hier für die geleistete Arbeit ordentlich entlöhnt zu werden. Das ist nicht nur eine individuelle Reaktion, es ist auch wirtschaftlich konsequent. Der Kellner und das Zimmermädchen möchten von demselben Gefälle profitieren, wie wir es getan haben, nur in der umgekehrten Richtung. Und wenn sie dann ihre Familien nachkommen lassen, dann ist auch dies nur folgerichtig.

Appeasement-Politik

Andersherum sind zahllose deutsche und Schweizer Rentner nach Spanien und in die Türkei gezogen, weil sie dort für ihr Geld das Doppelte bis Dreifache bekommen. Sogar für deutsche Arbeitslose war die türkische Riviera eine preiswerte Alternative zum Leben im Ruhrgebiet. Der Weg zu Wohlstand und Wohlbefinden ist keine gebührenfreie Einbahnstrasse, es muss immer ein Preis bezahlt werden. Und nun regen wir uns über den Wandel auf, den wir angestossen haben, ohne seine Folgen zu bedenken. Das ist nicht nur albern, es ist auch verlogen.

Bei dem Konflikt, der sich am Bau von Moscheen entzündet, gibt es eine lokale und eine globale Perspektive, die man nicht voneinander trennen kann. Der Bürger in Berlin und Bern macht sich natürlich Sorgen um die Ruhe und den Frieden in seiner Nachbarschaft. Das kann man ihm nicht verübeln. Andererseits ist es ihm völlig egal, wessen Ruhe und wessen Frieden durch die Politik des iranischen Präsidenten bedroht wird. Und so setzt sich die Haltung des Bürgers in der jeweiligen Politik seiner Regierung fort. Als Oppositionspolitiker nannte Sarkozy die randalierenden Jugendlichen in den Banlieues «Gesindel», als Präsident empfing er den libyschen Staatschef Ghaddafi mit allen Ehren. Wer das inkonsequent findet, der übersieht, dass die Jugendlichen in den Banlieues nur über wenig Kaufkraft verfügen, während Ghaddafi Atomkraftwerke ordert wie andere Leute eine Pizza beim Take-away-Laden nebenan. Und so treiben alle europäischen Regierungen im Interesse ihrer Handelsbilanzen eine ausgeprägte Appeasement-Politik mit Banditen und Despoten, derweil die Bürger Petitionen gegen den Bau von Moscheen bzw. Minaretten verfassen. So wird Arbeitsteilung betrieben, die der eigenen Beruhigung dient, ohne den Interessen des Landes zu schaden.

Dabei macht die Schweiz natürlich keine Ausnahme.

Der Schweizer Botschafter in Saudi-arabien hat gegenüber der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC), die 57 muslimische Staaten vertritt, erklärt, die Minarett-Initiative sei erstens verfassungswidrig und zweitens mit internationalem Recht nicht vereinbar. Und er versprach, die OIC über die Entwicklung in der Schweiz auf dem Laufenden zu halten. Leider hat es der Schweizer Botschafter in Riad versäumt, bei dieser Gelegenheit die Vertreter der OIC zu fragen, wie es denn um die Rechte der ethnischen, religiösen und sexuellen Minderheiten in der islamischen Welt bestellt sei und wann man damit aufhören werde, in Afghanistan Konvertiten zum Tode zu verurteilen, im Iran Homosexuelle aufzuhängen und in Saudiarabien Ehebrecherinnen zu steinigen. Auch der Schweizer Bundespräsident Couchepin wollte bei einer Reise nach Marokko «kein öl ins Feuer giessen» und hat deswegen alle heiklen Themen gemieden.

Die Gegenseite allerdings gibt sich weniger zuvorkommend. Der Generalsekretär der OIC hat vor Kurzem erklärt, die «Islamophobie» sei derzeit «eine der grössten Bedrohungen für den globalen Frieden». Und kein europäischer Politiker stand auf und stellte diese Behauptung richtig. Nicht die «Islamophobie», was immer das sein mag, ist eine Bedrohung für den globalen Frieden, sondern der islamische Terror, der fast täglich für Blutvergiessen sorgt.

Gegenrecht für Christen

Man kann die Frage der Moscheen und Minarette nicht diskutieren, ohne die globale Komponente zu berücksichtigen. Wenn die Organisation der Islamischen Konferenz, die für 1,4 Milliarden Muslime spricht, keine Bedenken hat, sich in die inneren Angelegenheiten der europäischen Staaten einzumischen, sollten die europäischen Staaten keine Bedenken haben, die inneren Angelegenheiten der islamischen Staaten zu thematisieren. Wie wäre es damit:

Die EU oder der Europarat gibt eine Erklärung ab, dass man den Bau von Moscheen und Minaretten fördern wird, wenn die islamischen Länder im gleichen Mass den Bau von Kirchen und Kirchtürmen zulassen; dass man die Freiheit muslimischer Prediger und Missionare in Europa garantiert, wenn zugleich christliche Prediger und Missionare in muslimischen Ländern zumindest geduldet werden; dass Islam-Unterricht an Schulen in Europa obligatorisch wird, wenn der christliche Glaube an Schulen in muslimischen Ländern unterrichtet wird; dass man das Quid-pro-quo-Prinzip zur Regel macht und auf Gegenrecht besteht. Immerhin: Eine der grössten Moscheen ausserhalb der islamischen Welt steht in Rom, in Sichtweite des Vatikans. Jetzt warten wir ab, bis in Mekka eine Kirche gebaut wird, die man schon von Weitem sehen kann. Und dann erklären wir die Diskussion um Moscheen und Minarette in Europa für beendet und lassen die Bagger anrollen. Das ist die schöne Wunschvorstellung.

Doch was soll Europa tun, wenn die Saudis weiterhin keine christlichen Kirchen in Mekka zulassen? Die Moscheen und Minarette bei uns abreissen? Weitermachen wie bisher? Europa drückt sich um jede Entscheidung, und deshalb führen uns die Muslime langfristig an der Nase herum.

Die Diskussion

14 Reaktionen

  1. M. Erzinger

    Der Artikel von Herrn Broder ist weder provokativ, noch anregend sondern schlicht und einfach unhaltbar dumm.
    Einerseits gibt es auch in arabischen Ländern Versammlungsräume für Christen, zweitens besteht rein von den Zahlen her ein gewisser Unterschied, drittens haben die Krichen für die Christen eine andere Bedeutung als die Minarette für Muslim und schliesslich und endlich sind ja die Kirchen hier derart leer, dass bereits da und dort die Fragen nach Umnutzungen auftauchen…
    Herr Broder darf gerne versuchen zu provozieren, aber doch bitte nicht einfach mit abgedroschenen und haltlosen Argumenten.
    Der Artikel entspricht nicht dem Niveau des Magazins, sondern bewegt sich auf der journalistischen Skala von 1 bis 6 irgendwo bei Minus 1, dort wo auch die Weltwochen-Kolumenen des Herrn Mörgeli zu finden sind.

  2. Cyril Lyner

    Die so genannte „globale“ Sicht des Artikels von Herrn Broder ist lässt ausser Acht, dass im Gegensatz zu heute schon in wenigen Jahrzehnten die meisten Muslime in der Schweiz kaum mehr andere nationale Bindungen haben werden. Diese Schweizer werden einen berechtigten Anspruch auf eine angemessene Präsenz haben, vergleichbar mit dieser welche heute auch die Schweizer jüdischen Glaubens glücklicherweise haben. Zudem ist es aus moralischen Gründen bedenklich und inkonsequent, wenn man sein eigenes Handeln, das Handeln in einem demokratischen, sekulären und liberalen Staat, vom Handeln despotischer, teilweise wahabitisch-fundamentalistischer Staaten abhängig macht. Im Sinne eines pragmatischen Umgangs mit unseren eigenen Mitbürgern sollte man deshalb die „globale“ Dimension besser beiseite lassen.

  3. Adrian Engler

    In Ländern mit muslimischer Mehrheit ist die Situation religiöser Minderheiten sehr unterschiedlich – oft gibt es Diskriminierungen, in vielen Ländern (z.B. Indonesien oder Libanon) haben neben dem Islam aber auch andere Religionsgemeinschaften eine bedeutende Stellung. Die totalitäre Theokratie Saudi-Arabien stellt einen Extremfall dar. Sowohl in islamischen Ländern als auch in Europa gibt es eine Auseinandersetzung zwischen fortschrittlichen Kräften, welche die Religionsfreiheit und den Pluralismus fördern wollen, und einer rückwärtsgewandten Ideologie, gemäss der in jedem Land nur eine Religion vollwertig am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann. Von Henryk M. Broder und den jungen SVP-Radikalen, die ausgerechnet Saudi-Arabien als Messlatte für den Umgang mit religiösen Minderheiten in Europa erkoren haben, wissen wir, auf welcher Seite sie in dieser Auseinandersetzung stehen. Ich bin aber zuversichtlich, dass die grosse Mehrheit der Menschen sowohl in Europa als auch in islamischen Ländern die Vorstellung von Saudi-Arabien als Vorbild ablehnt – unabhängig davon, ob sie aus dem Mund wahabbitischer Prediger oder dem populistischer Autoren wie Broder kommt.

  4. Sacha Hiltebrand

    Auch meines Wissens nach gibt es zb. in Syrien, im Irak oder sogar im Iran christliche Kirchen. Und nun wollen wir, ach so toleranten Schweizer, den Moslemen den Bau authentischer Moscheen, also mit Minarette, verbieten (Das dabei ein Muezzin nicht 5mal am Tag die Gebete mit dem megafon auszurufen hat , werden unsere Moslems wohl noch verstehen…) Aber diese oben erwähnten Umstände irritieren mich doch immer wieder an dieser ganzen Diskusion!
    Und der Terrorismus, welcher zur Zeit doch vorallem in Ihren eigenen Ländern wütet, hat seine Ursache nicht nur in blinder und grundloser Wut gegen Christen, sondern im europäischen Imperialismus der letzten Jahrhunderte und der Hegemonie der Amerikaner im zurzeitigen Jahrhundert, so denke ich…

  5. Alfred Betschart

    Ich teile Broders Haltung nicht. Auch wenn im Zentrum von Mekka eine Kirche stände, würde der Streit um den Islam in Westeuropa weitergehen. Wir sollten aufhören, Symbole zu bekämpfen, seien dies Minarette oder Kopftücher. Wir sollten uns viel mehr für zentrale Werte und Errungenschaften einsetzen wie die Gleichberechtigung der Frau, freie Sexualmoral und die Ablehnung von autoritären patriarchalischen Verhältnissen. Das sind die wahren politischen Themen. Der Kampf um die Symbole lenkt letztlich nur ab – so bedeutungsvoll Symbole in der Kommunikation auch sind.
    Was Erzinger und Co. aber nun an Broder kritisieren, ist Verlogenheit höchsten Grades. In allen islamischen Ländern ist festzustellen, dass der beschränkte Freiraum, den die einheimischen (nicht zugewanderten) Christen haben, weiter beschnitten wird. Neue Kirchen zu bauen, ist mit riesigen Problemen verbunden. Dies gilt selbst für die Kopten in Ägypten. Oft wird sogar die Renovation behindert. Die griechisch-orthodoxe Minderheit in der Türkei mit dem Patriarchen von Konstantinopel wird vom türkischen Staat regelrecht ausgehungert. In fast allen islamischen Ländern hat, wer zum Christentum konvertieren will, ein grosses Problem. Z.T. ist es sogar strafrechtlich verboten. Die Betreuung der christlichen Immigranten ist ein Riesenproblem. Nicht nur in Saudi-Arabien, wo selbst das Mitbringen einer Bibel verboten ist, sondern auch in der Türkei. Der Pfarrer für die evangelische Gemeinde in Istanbul muss immer noch über das deutsche Konsulat angestellt werden, da er sonst keine Arbeitserlaubnis erhält. Wenn Engler von fortschrittlichen Kräften in islamischen Ländern spricht, die für einen politischen Pluralismus eintreten, sollte er auch den Mut haben zuzugestehen, dass diese in den letzten 30 Jahren gewaltig an Einfluss verloren haben.

  6. Martin Widmer

    Der erste Teil des Artikels gibt die Antwort auf den zweiten Teil: Der Weg zu Wohlstand und Wohlbefinden ist keine Einbahnstrasse; "uns" hat selten interessiert, was unsere wirtschaftlichen Interessen in "wirtschaftlichen schwächeren" Ländern für weitere Auswirkungen hat, solange sich der Handel für uns lohnt. Störende Faktoren für unseren Gewinn wurden und werden öfters auch mit nicht demokratischen Mitteln in den Zielmärkten und/oder Ressourcen-Vorrats-Ländern beseitigt.
    Wieso sollten islamische Länder das heute anders handhaben?

  7. Ashiro

    In der Schweiz muss man erkennen, dass sich er Wandel vom Land der Auswanderer zum Ziel vieler Einwanderer auf der politischen Bühne noch nicht vollzogen hat. Mit ca. 20% Ausländern in der Gesamtbevölkerung liegt dieser Wert weit über den Werten von klassischen Einwanderungländern wie den USA und Israel. Wie kann das sein? Wir sollten endlich anerkennen, dass die meisten Ausländer die Schweiz nicht mehr verlassen werden. Es wäre desshalb nur logisch, wenn man diese Menschen nach einigen Jahren zwangseinbürgern würde, damit sie in ihren Rechten und Pflichten gestärkt würden. Damit würde erstmal der Ausländeranteil gesenkt, aber vielmehr können und müssen sich diese Menschen dann an der Lösungsfindung z.B. im Minarettstreit beteiligen und können nicht einfach nur fordern. Ob bei der Zwangseinbürgerung der ursprüngliche Pass abgegeben werden muss, darüber kann man sich streiten. Doch ist man erstmal Schweizer dann kann man sich vor heiklen Diskussion nicht mehr drücken. Schliesslich sind einige unserer Mitbürger andersglaubig und bauen stattliche Gotteshäuser. Dabei denke ich z.B. an die prachtvolle Synagoge in Zürich, mit ihren zwei Türmen. Wesshalb sollten wir muslimischen Schweizern den Bau eines solchen Gotteshauses verwehren? Wir sollten nicht davor Angst haben, dass uns die Ausländer mit ihrer Kultur überfahren. Wir sollten sie willkommen heissen, ihnen von unseren Idealen und Traditionen erzählen und sie als Schweizer daran teilhaben lassen.

  8. Halil

    Es herrscht bei der Diskussion, ob ein Minarett gebaut werden darf oder nicht, eine gegenseitige Doppelmoral. Die türkischen Muslime fordern hier in der Schweiz ein Minarett, weil ihnen die religiöse Freiheit am Herzen liegt und wollen ihre religiösen Rituale frei ausüben. Es lässt sich aber nicht von der Hand weisen, dass es in ihrem Land immer noch verboten ist, in den Schulen in Kurdisch oder in einer anderen Sprache ausser Türkisch unterrichtet zu werden und in den letzten Jahren erlebt der Nationalismus in der Türkei seinen Höhepunkt. (Der Mord an einen armenischen Journalisten, einen Priester und vier Christen, weil sie Missionar gewesen sein sollen). Man duldet den Andersdenkenden und Andersglaubenden in der Türkei nicht.
    Wenn ich an die schweizerische Seite denke, denke ich auch an die Doppelmoral. Man lässt den Juden eine Synagoge (z.B. die Synagoge in Zürich mit zwei Türmen) bauen und anerkennt das Judentum als eine religiöse Gemeinschaft. Wieso dann kein Minarett?
    Aber als ein in der Schweiz lebender Muslim bin ich gegen den Bau eines Minaretts. Weil ich denke, dass niemand eine Mosche, ein Minarett oder eine Kirche braucht, um dem Gott beten zu können oder um den Gott lieben zu können.
    Es muss die gegenseitige Toleranz, Liebe, den Respekt vor Andersdenkenden herrschen statt Hass, Vorurteile und Doppelmoral.

  9. Dominik Stählin

    Der Untertitel dieses Artikels von Herrn Broder erschien mir gefährlich, trotzig und deswegen auch ein wenig unbedacht wenn nicht sogar dumm. Nach diesem Artikel könne man meinen, es sei ein erstrebenswertes Ziel in Mekka eine christliche Kirche zu bauen, der Gerechtigkeit und dem Trotz willen.
    Toleranz wird fehlinterpretiert, wenn sie nur dann zugelassen und praktiziert wird, wenn sie vermeintlich auf Gegenseitigkeit beruht. Alles andere ist das Entschuldigen der eigenen Intoleranz mit Verweis auf andere Regierungen, Menschen, Religionen oder Kulturen welche uns, oder verallgemeinert den Christinnen, ja (auch) nicht mit Toleranz begegnen.
    Dieses Sandkastendenken à la „wenn ich sein Schäufelchen nicht bekomme, dann soll er meins auch nicht bekommen“ ist leider in viel zu vielen Köpfen vorhanden.
    Toleranz ist eine Einstellung und beginnt im Kopf jedes einzelnen.

  10. Adrian Engler

    Wenn Henryk M. Broder verlangt, die Freiheit der Muslime in Europa, Moscheen gemäss ihren Tradition zu bauen, einzuschränken, solange in Mekka keine Kirche gebaut wird, mag er an einigen Stammtischen Zustimmung finden. Wie sähe es aber aus, wenn er seine Ideologie konsequent weiterverfolgen und verlangen würde, dass Schweizer, die aus einer Landeskirche austreten wollen, gesteinigt oder in Umerziehungslager gesteckt werden sollen, solange in einem grossen Teil der muslimischen Länder das Verlassen des Islams nicht gefahrlos möglich ist? Werte wie Religionsfreiheit sind universell und dürfen keinesfalls einem primitiven Stammesdenken (solange in muslimischen Ländern bestimmte Freiheiten fehlen, schaffen wir diese bei uns auch ab) geopfert werden.

  11. Albert Wirth

    So interessant diese Einschätzung auch ist, so absurd ist sie: Die Muslime führen uns nicht nur an der Nase herum, ihre Ansprüche an uns, das Abendland, werden immer dreister. Als besonders zielstrebig militanter Vorkämpfer erweist sich dabei der Türke Recep Tayyip Erdogan. Er macht keinen Hehl daraus, dass die Muslime die Weltherrschaft beanspruchen.
    Hoffen wir, wenn es soweit ist (und Brüssel in Ankara), dass wenigstens das Fraumünster, die Basler und Berner Münster und das Kloster Einsiedeln als kulturelle Baudenkmäler respektiert, zu Museen anstatt zu islamischen Gebetsstuben umfunktioniert werden.

    Eher unbedarft kommen im Artikel die wirtschaftlichen Aspekte daher. Das „Zimmermädchen und der Kellner aus Antalya“ (wie unzählige andere Arbeitnehmer aus muslimischen Gegenden) tragen kaum zum Wohlstand bei. Ihre Leistungsbilanz ist eher mager; sie nehmen dagegen die sozialen Institutionen unverhältnismässig stärker als andere in Anspruch, Krankenhäuser, Mutterschaftsurlaub, Invalidenrente (und sogar die Gefängnisse).
    Nur gut, dass ihr zahlreicher Nachwuchs dereinst als Arbeitnehmer/innen mit den Lohnabzügen die Sozialwerke re-alimentieren.

  12. Joel Weibel

    Mir fällt auf, dass in solchen Artikeln gerne Vergleiche fallen, die logisch klingen aber absurd sind. Zuerst wird die moralische und wirtschaftliche (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge) Leistungsfähigkeit verglichen und zu Gunsten der westlichen Welt entschieden. Die Schweiz und ihre Bewohner sind also höher einzustufen als der Iran und seine Bewohner/Gesellschaft. Gleich darauf folgt die Forderung nach Gegenrecht unter Gleichen.
    Es geht einfach nicht auf. Entweder wir stellen uns selbst auf die gleiche Stufe, wie die "zweite und dritte Welt" (Widerspruch in sich) oder wir sehen uns auf einer höheren, besseren oder zumindest anderen Stufe als den "Rest". Wenn wir uns gleich sehen sind Gegenrechtsforderungen erlaubt, dann ist die Forderung nach islamischen Schulen in der Schweiz oder dem Recht auf Steinigung im Westen erlaubt.
    Wenn wir aber als die moralisch höherwertige Kultur sehen, mit Grundrechten (Religionsfreiheit, Pressefreiheit etc.)dann sollten wir nicht als Rechtfertigung für unsere eigene Intoleranz den Vergleich mit einer moralisch minderwertigen Gesellschaft suchen, sondern darauf pochen die Religionsfreiheit allen Religion zuzugestehn inkl. Bauten und aussenpolitisch alles tun um die Länder dazu zu bewegen die Menschenrechte auch zu achten und durchzusetzen. Alles andere ist unglaubwürdig, scheinheilig und desideratsmoralisch.

  13. Martin Sauser

    Selbst für mich als Nichtjuristen ist die im Artikel vertretene Auffassung von Recht eine der eigenartigsten Ideen, die ich je gehört habe. Der Autor vertritt das Prinzip "Quid pro Quo", oder anders ausgedrückt, ausländischen Personen wird in unserem Staat das zugebilligt, was uns von ihren jeweiligen Heimatstaaten auch zugebilligt wird; wenn wir in Saudi-Arabien keine Kirche bauen dürfen, dürfen Saudis bei uns auch keine Moschee bauen, oder wenn ausländische Frauen in Saudi-Arabien nicht Autofahren dürfen, dürfen das Frauen aus Saudi-Arabien bei uns auch nicht. Mit Verlaub, aber ein solcher Nonsens kommentiert sich von selbst. Was wäre denn z. B. wenn ein islamisches Land X plötzlich den Bau von Kirchen erlauben würde? Düfrten dann die Bürger dieses Landes bei uns Moscheen errichten und die Bürger aller anderen islamischen Länder nicht? Selbstverständlich müssen Personen aus islamischen Ländern, welche bei uns liberale Rechte einfördern und die selben Rechte bei ihnen zu Hause nicht gewähren wollen, auf ihren nicht akzeptablen philosophischen und politischen Widerspruch hingewiesen werden, aber die rechtliche Behandlung ausländischer Bürger in eimem Staat individuell von den Gesetzen ihrer Staaten abhängig zu machen, ist schlicht absurd.

  14. Pascal85

    Einmal mehr bringt des Schweizers Lieblings-Partei eine Initiative vors Volk. Wie beinahe jedes mal geht es darum eine Minderheit einzuschränken. So stellt sich für Herr und Frau Schweizer am 29 November 2009 die Frage ob sie jeglichen Bau von Minaretten auf Schweizer Boden verbieten will.
    Schon Max Frisch stellte sich die Frage warum sich die Schweiz immerzu bedroht fühlt. Leider können wir ihm diese Frage nicht mehr beantworten. Aber wir können uns damit auseinandersetzen. Sich vor etwas fürchten ist die eine Sache. Wie man mit Furcht und Ängsten umgeht die andere.
    Ängste, Neues, Fremdes, Veränderungen…. All das kann möglicherweise Unangenehm sein. Dies ist nichts als Menschlich. Man kann sich diesen Dingen stellen, wachsen, neues Lernen evtl. auch Unangenehmes, oder aber man kann den einfacheren Weg, den des Ausblendens oder des Verbietens wählen. Genau diesen Weg möchte diese Initiative gehen. Sie zielt klar auf eine Minderheit und möchte es dieser Verbieten ihr Religiöses Symbol zu errichten. Verbote treten immer in Einklang mit negativem auf. Durch das Verbot also versucht die Initiative, ob gewollt oder ungewollt, den Islam als negativ darzustellen. Gewiss, es lassen sich Bräuche und Handhabungen im Islam finden die für uns „Westler“ schwer nachvollziehbar oder gar unverständlich sind. Das wird vom Pro-Komitee dieser Initiative schamlos ausgenützt um Ängste zu schüren, Fakten zu verfälschen und – angeblich legitim –über den Islam zu wettern. Ein oft zu beobachtendes Phänomen ist hierbei die Verurteilung von Islamischen Ländern die eine „westlich akzeptierte Religion“, z.B die Christliche nicht zulassen, um dann im gleichen Atemzug Initiativen wie diese zu unterstützen, welche genau die soeben noch geübte Kritik umzusetzen versucht. Daraus ist zu schliessen das offenbar manch ein Schweizer seine Denk und Handelsweise von einem Unrechtsstaat oder gar einer Diktatur beeinflussen lässt. Dies ist nicht nur Pikant, sondern in seiner Form auch sehr merkwürdig.
    Ein grosses Privileg der Schweizerischen Gesellschaft ist ihr seit 160 Jahren andauernder Religionsfrieden. Diesen gilt es zu wahren und zu schützen. Auch garantiert die Schweiz in ihrer Verfassung die Religionsfreiheit. Für jeden. Das heisst dass jeder in der Ausübung seiner Religion frei ist. Es darf nicht passieren dass die Schweiz eine Religionsselektion betreibt!
    Es gibt schlicht kein stichhaltiges Argument zur Annahme dieser Initiative ohne dabei, wenn auch unterbewusst fremdenfeindliche Tendenzen aufzuweisen.
    Die Frage lautet also nicht „Wollen wir Minarette verbieten?“, sondern vielmehr „Wollen wir Minderheiten gezielt ausgrenzen oder gar verbieten“?
    Sie Entscheiden !

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