02.01.2009 von Mathias Plüss , 36 Kommentare
Für das Medizinstudium ist er zu faul und zu schwach. Charles Darwin, geboren am 12. Februar 1809 im englischen Shrewsbury, sollte eigentlich Arzt werden wie sein Vater. Doch erträgt er es nicht, bei Operationen anwesend zu sein, und vernachlässigt bald auch andere Fächer. Der Vater befürchtet, der Sohn werde als Nichtsnutz enden, und schickt ihn zur Pfarrerausbildung nach Cambridge. So kommt es, dass der Mann, der später die Evolutionstheorie prägte, ausgerechnet Theologie studiert. Das Studium beendet er diesmal, doch Pfarrer wird er nicht. Von 1842 an bis zu seinem Tod 1882 lebt der kränkelnde Darwin mit seiner kinderreichen Familie als Privatgelehrter zurückgezogen auf dem Land.
Seine Leidenschaft ist von Anfang an die Natur – fast zwanghaft sammelt er Vogeleier, Mineralien, Käfer. Nach dem Studienabschluss 1831 kann Darwin für fünf Jahre an Bord des Vermessungsschiffes «Beagle» um die Welt reisen – er sieht Südamerika, Galapagos mit seiner üppigen Tierwelt, Australien, Südafrika. Die Beobachtungen und Sammlungen, die er nach Hause bringt, beschäftigen ihn für mehr als zwanzig Jahre. Auf ihrer Grundlage entwickelt er seine Evolutionstheorie, die schliesslich 1859 unter dem Titel «Die Entstehung der Arten» erscheint. Das Werk ist klar geschrieben, dennoch ist die Evolutionstheorie bis heute von zahlreichen Missverständnissen umrankt. Auf einige populäre Irrtümer wollen wir hier eingehen.
Erster Irrtum: Darwin ist der Vater der Evolutionstheorie
Darwin war der entscheidende Mann.Aber der erste war er nicht.
Bis zum 19. Jahrhundert verfochten fast alle Forscher das biblische Weltbild: Die Natur ist konstant – alle Tiere und Pflanzen wurden vom Schöpfer in einem Guss erschaffen und können sich nicht verändern. Der Erste, der dieser Sicht eine konsistente wissenschaftliche Theorie entgegensetzte, war der Franzose Jean-Baptiste Lamarck (1744–1829). Er glaubte an die Evolution, also an die Veränderlichkeit der Arten, und in seiner «Philosophie zoologique» (1809) schlug er dafür einen Mechanismus vor, derauf Naturgesetzen und nicht auf Eingriffen von oben beruhte. Wir feiern in diesem Jahr also gleich drei Jubiläen: 200 Jahre Evolutionstheorie (Lamarck, 1809), 200 Jahre Darwin (geboren 1809) und 150 Jahre «Die Entstehung der Arten» (Darwin, 1859).
Lamarck wird heute oft belächelt – zu Unrecht. Seine Theorie war mutig und einleuchtend. Sein Pech war, dass er auf den falschen Mechanismus setzte: auf Training. Tiere könnten ihren Körper durch «tätigen Gebrauch ihrer Organe» verbessern und diese Verbesserungen würden an die Nachkommen vererbt, glaubte Lamarck. Die Giraffe habe einen langen Hals darum, weil sie ihn immer nach noch höheren Blättern recke und er sich unter der unermüdlichen Betätigung allmählich dehne. Ein anstrengendes Geschäft, aber lohnend, weil von jedem errungenen Millimeter Hals auch die Kinder profitierten.
Charles Darwin hat Lamarcks Theorie dann entscheidend verbessert. Seine «Entstehung der Arten» enthält eigentlich ein ganzes Bündel von Theorien. Die wichtigsten sind: 1. Es gibt eine Evolution – das heisst, die Arten verändern sich. 2. Alle Arten stammen von gemeinsamen Vorfahren ab. 3. Der hauptsächliche Mechanismus der Evolution ist die natürliche Selektion.
Die Theorien hatten alle ihre Vorläufer, aber Darwin formulierte sie so überzeugend und unterlegte sie mit derart vielen Fakten, dass sie innerhalb von zehn Jahren von beinahe sämtlichen Naturforschern übernommen wurden. Einzig der Mechanismus der Evolution blieb noch Jahrzehnte umstritten, was daran lag, dass im 19. Jahrhundert die Funktionsweise der Vererbung noch völlig im Dunkeln lag. Heute wissen wir: Die Giraffe kann ihren Hals noch so strecken – die Gene, die sie ihrem Kalb vererbt, werden davon unberührt bleiben. Das eigentlich Erstaunliche an Darwin ist, dass er den Mechanismus der Evolution erriet, obwohl man damals von den mikrobiologischen Grundlagen noch keine Ahnung hatte.
Zweiter Irrtum: der Stärkste überlebt
Die Theorie der natürlichen Selektion ist die einfachste schwierige Theorie der Welt. Im Gegensatz zu den grossen Theorien der Physik, die ein Mathematikstudium erfordern, kann man den Mechanismus der Evolution ohne Vorbildung verstehen. «Wie äusserst dumm von mir, dass ich daran nicht gedacht habe!», rief der Biologe Thomas Huxley (1825–1895), nachdem er «Die Entstehung der Arten» gelesen hatte. Doch die Einfachheit ist eine trügerische.
Die natürliche Selektion beruht auf drei Begebenheiten, die kaum zu bestreiten sind: 1. Die meisten Arten produzieren in jeder Generation mehr Nachkommen, als überleben können, es entsteht Konkurrenz («Kampf ums Dasein»). 2. Alle Individuen sind untereinander verschieden. 3. Die Unterschiede sind zumindest teilweise erblich. – Wenn sich nun sämtliche Individuen unterscheiden, dann wird es solche geben, die im Konkurrenzkampf überlegen sind. Sie können sich besser fortpflanzen, und wegen der Vererbung werden ihre nützlichen Eigenschaften in der nächsten Generation vermehrt vertreten sein und ihren Trägern abermals einen Vorteil bringen. So kann sich eine vorteilhafte Abweichung von selbst verstärken und mit der Zeit über eine ganze Art ausbreiten.
Die Entwicklung des Giraffenhalses darf man sich laut Darwin in etwa so vorstellen: Es gibt von Natur aus Grössen-unterschiede. In Zeiten besonderer Not, etwa bei einer Dürre, haben Giraffen mit einem etwas längeren Hals einen Überlebensvorteil, denn die höchsten Blätter erreichen nur sie. Die Tendenz zum langen Hals werden sie an ihre Nachkommen vererben, während die Kurz-halsigen häufig sterben, bevor sie Nachwuchs haben. So kommt die Evolutionsspirale in Gang.
Der Teufel steckt jedoch im Detail. Verwirrend ist schon der Ausdruck «natürliche Selektion»: Darwin wollte damit die Parallele zur Tierzucht aufzeigen. Individuen mit vorteilhaften Abweichungen würden gewissermassen «von der Natur zur Nachzucht gewählt», schrieb er. Doch während bei der Zucht eben ein Züchter da ist, der gewünschte Eigenschaften bewusst selektionieren kann, fehlt in der Natur eine handelnde Person. Es gehört gerade zum Schwierigsten, zu verstehen und zu akzeptieren, dass die Evolution einfach geschieht, ohne dass da jemand wählt und lenkt – auch wenn es im Rückblick manchmal wie ein klug geplanter Vorgang aussehen mag.
Darwin sah selber ein, dass seine Wortwahl nicht so geschickt war, und benutzte statt «natürliche Selektion» später manchmal den Ausdruck «survival of the fittest». Das birgt ein weiteres Missverständnis: Das englische «fit» bedeutet «geeignet» – «survival of the fittest» also «Überleben der Geeignetsten». Die Geeignetsten können aber je nach Umweltbedingungen auch einmal die Kleinsten oder Dicksten sein. Nach dem Meteoriteneinschlag vor 65 Millionen Jahren war es offenbar besser, ein kleines Säugetier zu sein als ein riesenhafter Dinosaurier. Wer Darwin vorwirft, er habe das Überleben nur den Stärksten und Fittesten zugestehen wollen, hat ihn sprachlich und inhaltlich missverstanden.
Doch auch «Überleben der Geeignetsten» ist kein sehr glücklicher Begriff. Viele Biologen sind der Meinung, dass «Eliminierung der Ungeeigneten» den Evolutionsmechanismus treffender beschreibt: Wer mit seiner Umwelt nicht zurechtkommt, der stirbt – die anderen überleben. Häufig ist die Situation nämlich nicht so eindeutig wie bei der Giraffe während der Dürre; es gibt verschiedene gute Strategien – entsprechend vielfältig ist die Natur. Das erklärt auch, warum die Evolution so wenig deterministisch verläuft und sich manchmal ziemlich abwegige Formen bilden. «Niemals hätten sich die Pfauen mit ihren hinderlichen Schwänzen in der Evolution entwickelt, wenn zum Überleben immer nur die ‹Besten› ausgewählt worden wären», schrieb der Evolutionsbiologe Ernst Mayr (1904–2005).
Dritter Irrtum: Es gibt keine Beweise für die Evolution
Evolution findet statt – dies ist eine Tatsache. Dass sich Arten verändern, wird heute kaum mehr jemand bestreiten. Sie verändern sich hier und jetzt: Mikroorganismen etwa werden zum Leidwesen des Menschen relativ rasch resistent, wenn man sie allzu sorglos mit Antibiotika bekämpft. Der Kabeljau ist im Atlantik infolge des starken Drucks der Fischerei deutlich kleiner und früher geschlechtsreif als noch vor wenigen Jahrzehnten. Der Heilige Pippau, ein gelber Korbblütler, hat laut einer Untersuchung in Montpellier heute auf Stadtgebiet deutlich schwerere Samen als noch vor zwölf Jahren. Hier zeigt sich exemplarisch die Wirkungsweise der natürlichen Selektion: In einer Stadt können vornehmlich schwere Samen keimen, die in der Nähe der Mutterpflanze bleiben. Die leichten, weit fliegenden Samen hingegen landen mit grosser Wahrscheinlichkeit auf dem Asphalt – sie stammen also von einem «ungeeigneten» Pflanzentypus, der auf diese Weise automatisch eliminiert wird. Auf dem Land hingegen gibt es keinen Trend zu schwereren Samen.
Auch neue Arten entstehen hier und jetzt: In den USA ist die Population der Hagebuttenfliege in Spaltung begriffen – es entsteht gerade eine neue Art, die Apfelfruchtfliege, die ihre Eier in Äpfel statt Hagebutten legt. In der Nähe von Bonn spaltet sich derzeit eine Feuersalamander-Population: Die eine Gruppe pflanzt sich in Bächen fort, die andere in stehenden Gewässern. Die genetischen Unterschiede sind bereits deutlich.
Diese Beispiele belegen, dass sich Arten wandeln und dass der von Darwin vorgeschlagene Mechanismus funktioniert. Ein Beweis dafür, dass es in der Geschichte des Lebens immer und ausschliesslich so zugegangen ist, sind sie nicht. Rein logisch kann man nicht ausschliessen, dass an manchen Stellen eine wie auch immer geartete höhere Intel-ligenz nachhelfend eingegriffen hat. Das ist eine These, die unter dem Namen «Intelligent Design» hauptsächlich in den USA verfochten wird.
Vierter Irrtum: die Evolutionstheorie ist nur eine Theorie
Richtig, die Evolutionstheorie ist eine Theorie. Falsch an der Aussage ist jedoch das Wörtchen «nur». Eine wissenschaftliche Theorie ist keine beliebige Mutmassung, sondern, so definiert es die Nationale Wissenschaftsakademie der USA, eine «gut belegte Erklärung für einen Aspekt der Natur, die Tatsachen, Gesetzmässigkeiten, Schlussfolgerungen und überprüfte Hypothesen beinhalten kann». Das gesamte Wissen der Physik steckt in Theorien. Die Gravitationstheorie ist auch «nur» eine Theorie, aber offensichtlich halten sich die Planeten daran.
Wissenschaftliche Theorien sind nie endgültig. Auch die Evolutionstheorie würde sofort aufgegeben, wenn sich ein besserer Ersatz böte. Nur ist weit und breit keiner in Sicht. «Intelligent Design» ist keine wissenschaftliche Theorie, denn mit dem Hinweis auf eine höhere Macht kann man alles und jedes «erklären». Wie soll man sich das Wirken dieses intelligenten Planers genau vorstellen? Wann greift er ein und wann nicht? Sind in diesen Momenten die Naturgesetze ausser Kraft gesetzt?
Wir können nicht in die Vergangenheit reisen, um nachzuprüfen, wie es wirklich war. Die Rekonstruktion der Naturgeschichte gleicht daher einem Indizienprozess. Und Indizien, die etwa für eine gemeinsame Abstammung sprechen, gibt es überwältigend viele. Bereits Darwin hat auf die Verwandtschaft im Bauplan der Wirbeltiere hingewiesen: «Was kann es Sonderbareres geben, als dass die Greifhand des Menschen, der Grabfuss des Maulwurfs, das Rennbein des Pferdes, die Ruderflosse der Seeschildkröte und der Flügel der Fledermaus sämtlich nach demselben Modell gebaut sind und gleiche Knochen in derselben gegenseitigen Lage enthalten?»
Ein weiterer starker Hinweis auf die gemeinsame Abstammung kommt aus der DNA-Analyse. Nicht nur stimmt unser Erbgut zu 95 bis 99 Prozent mit jenem des Schimpansen überein – es gibt rund fünfhundert grundlegende Gene, die sich alle Bakterien-, Pilz-, Pflanzen- und Tierarten teilen.
Verblüffend ist auch, wie sehr sich etwa die Wirbeltiere in der frühen Embryonalphase gleichen. So ist bei allen Arten für einige Zeit eindeutig ein Schwanz zu erkennen – auch beim Menschen. Im Normalfall verschwindet er wieder, doch es sind mehr als hundert Fälle verbürgt, in denen Menschen mit Schwänzen zur Welt gekommen sind, von denen einige sogar beweglich waren.
Fünfter Irrtum: Etwas so Kompliziertes wie das Auge kann nicht durch Zufall entstanden sein
Hinter dieser oft geäusserten Behauptung steckt die falsche Vorstellung, die Evolution sei ein rein zufälliger Prozess. Der Evolutionsmechanismus besteht jedoch aus zwei unabhängigen Stufen: Variation und Selektion. Unter Variation versteht man alle Vorgänge, die dafür sorgen, dass die Individuen genetisch verschieden sind – zum Beispiel Mutationen im Erbgut. Alle an der Variation beteiligten Prozesse geschehen rein zufällig. Bei der anschliessenden Selektion hingegen entscheidet sich im Konkurrenzkampf, welches dieser Individuen sich fortpflanzen kann und welches nicht. Wenn dieser Vorgang auch nicht rein deterministisch ist, so ist er doch keineswegs zufällig. Eine neue Eigenschaft, die echte Überlebensvorteile bietet, wird sich im Normal-fall relativ rasch verbreiten – siehe die schwereren Samen des Pippaus.
Der Evolutionsbiologe Ernst Mayr hat es einmal so formuliert: «Auf die alte Frage: ‹Zufall oder Notwendigkeit?› fand Darwin eine brillante Antwort: Beides trifft zu! Bei der Variation, der Entstehung von Neuem, dominiert der Zufall – bei der Selektion, wo sich entscheidet, wer überlebt, überwiegt die Notwendigkeit.»
Diese Kombination aus Zufälligkeit und Zwangsläufigkeit ist das Geniale am Evolutionsprozess, und zugleich macht sie es so schwierig, ihn zu verstehen. So ist es auch beim Auge. Darwin gab das selber zu: «Die Annahme, dass sogar das Auge mit allen seinen unnachahmlichen Vorrichtungen (…) nur durch natürliche Selektion zu dem geworden sei, was es ist, scheint, ich will es offen gestehen, im höchsten möglichen Grad absurd zu sein.» Und dann erklärte er, dass es eben doch funktioniert. Man darf sich bloss nicht vorstellen, das Auge sei in seiner ganzen Komplexität auf einen Schlag entstanden. «Die Natur macht keine Sprünge», lautet eines der Axiome der Evolution. Die Entwicklung schreitet vielmehr in Kleinstschritten voran, die sich aber, wenn nur genug Zeit zur Verfügung steht, zu etwas Komplexem addieren können. Entscheidend ist dabei, dass jede einzelne dieser kleinen Veränderungen bereits eine Verbesserung mit sich bringen muss – sonst könnte sie sich in der Selektion nicht durchsetzen.
Die Biologen verstehen den Prozess mittlerweile ziemlich genau: Das Ur-Auge bestand aus lediglich zwei Zellen und konnte nur hell und dunkel unterscheiden. Man findet es heute noch, beispielsweise bei bestimmten Ringelwurmlarven. Aus diesen einfachen Anfängen haben sich Schrittchen für Schrittchen ausgereifte Augen entwickelt. Dass jede noch so kleine Verbesserung der Sehfähigkeit einen Selektionsvorteil bedeutete, ist kaum zu bestreiten. Viele Zwischenstufen zwischen dem Ur-Auge und den höchstentwickelten Formen findet man heute noch im Tierreich – das macht die geschilderte Entwicklung besonders glaubhaft.
Der Zufall hat in der Evolution durchaus seinen Platz. Im Detail sind die Augen der Tiere so verschieden konstruiert, vom Linsenauge der Säugetiere bis zum Facettenauge der Insekten, dass niemand den genauen Prozess hätte vor-aussagen können. Umso weniger, als man heute weiss, dass sich Augen mindes-tens vierzigmal unabhängig voneinander entwickelt haben! Diese schier unglaub-liche Zahl lässt auch erahnen, wie gross der Überlebensvorteil ist, den das Sehen bietet. Man muss daher, bei aller Unvor-hersehbarkeit der Details, folgern: Es ist alles andere als ein Zufall, dass in der Evolution potente Augen entstanden sind.
Sechster Irrtum: Die Zeit hat nicht gereicht
Die Natur mit ihrer Vielfalt macht auf den ersten Blick einen stabilen Eindruck, und selbst wenn man ihr kleine Veränderungen zugesteht, mag man daran zweifeln, dass die Zeit für die Entwicklung ausgeklügelter Organe gereicht hat. Der Mensch hat jedoch kein Sinnesorgan für lange Zeiträume. «Der Geist kann die volle Bedeutung des Ausdruckes von einer Million Jahre unmöglich fassen», schrieb Darwin.
Überdies wird oft unterschätzt, wie rasch sich Arten anpassen können. Ein berühmtes Beispiel ist der Birkenspanner – ein Schmetterling, den es in einer hellen und einer dunklen Variante gibt. Als sich im 19. Jahrhundert in Manchester wegen der Luftverschmutzung die Birken verdunkelten, hatten die dunklen Spanner plötzlich eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit. In nur fünfzig Jahren schnellte ihr Anteil an der ganzen Population von unter zehn auf über neunzig Prozent hoch. Genauso rasch ging es mit den dunklen Birkenspannern wieder abwärts, als sich im 20. Jahrhundert die Luft wieder verbesserte.
Wenn eine passende Variante noch nicht existiert, muss sie zunächst durch eine Mutation entstehen. Damit etwa ein Vogel Ultraviolettlicht wahrnehmen kann, braucht es eine Änderung an einer ganz bestimmten Stelle im Erbgut. Wie Sean B. Carroll in seinem Buch «Die Darwin-DNA» vorrechnet, beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass diese Mutation bei der Vererbung per Zufall eintritt, 1 : 750 Millionen. Das tönt hoffnungslos – besonders wenn man weiss, dass das UV-Sehen bei Vögeln mindestens viermal unabhängig entstanden ist.
Aber 1 : 750 Millionen bedeutet: Bei einer Vogelpopulation von einer Million und einer Generationendauer von einem Jahr kommt im Schnitt alle 750 Jahre ein Tier zur Welt, das UV-Licht wahrnehmen und diese Fähigkeit auch vererben kann. 750 Jahre sind ein Klacks, gemessen an den hundert Millionen Jahren, während de-ren Vögel existieren. Und solche Einzelschritte können sich eben addieren. Computersimulationen haben gezeigt, dass die Entwicklung von einfachen Vorstufen zu einem hochdifferenzierten Linsenauge innerhalb von 500 000 Jahren möglich ist. Das tönt nun nicht mehr ganz so hoffnungslos.
Siebter Irrtum: Es gibt unerklärliche Lücken bei den Fossilien
Das Problem der fehlenden Übergangsformen bei den Fossilien hat Darwin sehr geplagt. Man muss jedoch sagen, dass es heute eigentlich nicht mehr besteht. Natürlich klafft zwischen zwei verschieden alten Fossilien einer Abstammungslinie immer eine Lücke. Aber man darf die Sichtweise auch einmal umkehren und sagen: Jede neu gefundene Übergangsform ist ein starker Hinweis auf die Richtigkeit der Evolutionstheorie. So hat ein «Intelligent Design»-Vertreter 1994 moniert, man kenne keine Übergangs-stadien zwischen den Walen und ihren an Land lebenden Vorfahren. Dann wurden jedoch innerhalb eines Jahres die fossi-len Überreste von gleich drei derartigen Mischwesen gefunden. Eines davon ist Ambulocetus («laufender Wal»), der tatsächlich aussah wie ein Wal mit Beinen und sowohl gehen als auch schwimmen konnte. Wie anders könnte man diese Erscheinung erklären als eben mit der Theorie der gemeinsamen Abstammung?
Das wohl eindrücklichste Fossil der letzten Jahre fand die Forschungsgruppe des amerikanischen Paläontologen Neil Shubin 2004 in Nordkanada: Sie stiess auf den Missing Link zwischen Meeres- und Landwirbeltieren. Der Fund beruhte gewissermassen auf einer Vorhersage. Shubin hatte vermutet, dass so ein Tier vor etwa 375 Millionen Jahren in einem urzeitlichen Fluss gelebt haben musste. Als er in entsprechendem Gestein suchte, fand er prompt Überreste eines Fisches mit Hals, Armen und Handgelenken. Auf seinen Handansätzen, schreibt Shubin in seinem Buch «Der Fisch in uns», habe sich dieses Wesen tatsächlich schon an Land bewegen können – es war ein Übergangswesen zwischen Fisch und Amphibium.
Achter Irrtum: Evolution bedeutet Fortschritt«Verwende niemals die Worte ‹höher› oder ‹niedriger› », hatte sich Darwin gemäss einer privaten Notiz einmal vorgenommen. In seiner «Entstehung der Arten» hielt er sich nicht daran – vermutlich als Konzession an die Öffentlichkeit, seine Theorie war ohnehin schon anstössig genug. Dass er in Wahrheit aber nicht an den Fortschritt glaubte, be-zeugt ein Brief von 1872: «Nach langem Nachdenken kann ich mich nicht der Überzeugung entziehen, dass es keine angeborene Neigung zu einer Entwicklung in Richtung des Fortschritts gibt.»
Die Naturgeschichte wird gerne als Pyramide dargestellt, mit «primitiven» Einzellern am Fuss und dem Menschen an der Spitze. Eigentlich, so suggeriert das Bild, ist es doch beständig bergauf gegangen in der Evolution. Dass wir diesem Trugbild so gerne erliegen, liegt daran, dass wir tief in unserem Innern noch immer Lamarckisten sind, die glauben, es wohne der Natur eine Kraft inne, sich ständig zu verbessern. Doch diese Kraft gibt es nicht. Evolution ist Variation und Selektion, that’s it. Generation für Generation werden die Karten wieder neu gemischt, und es gewinnt jener, der das Glück hat, für das gerade aktuelle Spiel das geeignetste Blatt zu haben. So etwas wie ein Ziel, eine Planung oder gar ein Zweck ist nirgendwo in Sicht. Das ist der eigentliche Skandal von Darwins Theorie.
Oft genug läuft die Evolution rückwärts. Mehr als 99 Prozent aller Arten, die jemals existiert haben, sind ausge-storben – die meisten erwischts schon nach wenigen Millionen Jahren. Gewiss, wunderbare Augen haben sich entwickelt, doch sie verkümmern auch wieder (Maulwurf, Grottenolm). Aus mancher einst stolzen Art ist ein simpler Parasit geworden. Libellen haben schon vor 330 Millionen die Flugkunst bis zur Perfektion entwickelt, doch die vergleichsweise simplen Fliegen, die sich hundert Millionen Jahre später von ihnen abspalteten, haben ihnen dennoch den Rang abgelaufen. Unser Geruchssinn ist auf schmerzliche Weise degeneriert; mehr als die Hälfte der dafür zuständigen Gene sind funktionsunfähig – wir machen jetzt alles mit den Augen. Was muss das für ein Riechen gewesen sein, früher!
Dass uns die Evolution trotz allem als aufwärts gerichtet erscheint, liegt daran, dass die komplexesten Wesen tatsächlich immer komplexer geworden sind. Dies hat aber nichts mit einem wie auch immer gearteten Fortschrittstrieb zu tun, sondern ist ein reiner Nebeneffekt der Tendenz zu mehr Vielfalt. Dass sich die Evolution in Richtung mehr Vielfalt bewegt, folgt direkt aus dem Selektionsmechanismus: Wer eine neue Nische besetzt, hat im Konkurrenzkampf bessere Überlebenschancen. Wir folgen hier der Argumentation des Buchs «Illusion Fortschritt» des grossen amerikanischen Evolutionsforschers Stephen Jay Gould (1941–2002). Betrachtet man die Evolution auf einer Skala, bei der die Komplexität von links nach rechts zunimmt, so hat das Leben notwendigerweise ganz am linken Rand angefangen, bei den einfachsten gerade noch lebensfähigen Arten. Wer sich von dieser Position wegbewegen will, kann zunächst nur nach rechts gehen, in Richtung Komplexität. In einem Prozess, der in die Breite geht (weil die Vielfalt zunimmt), wird in der Folge der rechte Rand der komplexesten Arten automatisch immer weiter nach rechts rücken. Wer will, kann natürlich auch diese passive Komplexitätszunahme noch als Fortschritt bezeichnen. Er muss aber erstens wissen, dass gerade die besonders komplexen Arten meistens nicht sehr lange überdauern (das wird auch beim Menschen nicht anders sein). Und zweitens muss er anerkennen, wie dünn dieser rechte Rand ist, wo die Komplexen angesiedelt sind. Unter den heute bekannten Formen befinden sich lediglich viertausend Säugetier-, aber eine Million Insektenarten. Die wahren Herrscher der Erde allerdings sitzen ganz am linken Rand: die Bakterien. Sie tauch-ten als Erste auf, bereits vor dreieinhalb Milliarden Jahren, sie weisen die grösste Vielfalt auf, sie haben die extremsten Lebensräume erobert, und ihre Biomasse ist grösser als die aller anderen Lebewesen zusammen.
Stephen Jay Gould: «Nach allen vernünftigen und fairen Kriterien sind Bakterien die vorherrschende Lebensform auf der Erde – und sie sind es auch immer gewesen.»
Neunter Irrtum: Darwin war ein Sozialdarwinist
Der «Kampf ums Dasein» entspringt keiner Ideologie. Er ist schlicht eine Tatsache. «Wir sehen das Antlitz der Natur in Heiterkeit strahlen», schrieb Darwin, «aber wir sehen nicht oder vergessen, dass die Vögel, welche um uns her müssig und sorglos ihren Gesang erschallen lassen, meistens von Insekten oder Samen leben und mithin beständig Leben zerstören; oder wir vergessen, wie viele dieser Sänger oder ihrer Eier und ihrer Nestlinge unaufhörlich von Raubvögeln und Raubtieren zerstört werden (…)». Wenn jedes Vogelpaar pro Brutsaison auch nur zwei Junge aufzöge, so verdoppelte sich die Anzahl Vögel jedes Jahr – bei gleich bleibendem Futterangebot ein Ding der Unmöglichkeit. Es können nicht alle überleben. Schätzungsweise vier Fünftel aller Vögel, notiert Darwin in der «Entstehung der Arten», seien auf seinem Grundstück allein im Winter 1854–55 umgekommen: «eine furchtbare Zerstörung».
Man kann und soll daraus jedoch keine moralischen Regeln ableiten, und Darwin hat das auch niemals getan. Alles lässt sich in der Natur finden und stets auch gleich das Gegenteil: Monogame und Polygame, ungeheure Massensterben und unglaubliche Vielfalt, tödlicher Konkurrenzkampf und erfolgreiche Zusammenarbeit. Sage und schreibe achtzig Prozent der Landpflanzen leben in Symbiose mit einem Pilz! Aber auch daraus soll man, bitte schön, keine Verhaltensnorm konstruieren.
Charles Darwins Lehre ist wie kaum eine andere politisch missbraucht worden. Am übelsten trieben es die Sozialdarwinisten, welche die Selektion selber in die Hand nehmen und über angeblich «wertes» und «unwertes» menschliches Leben entscheiden wollten. Darwin deswegen aber für Hitlers Ausmerzungsprogramme verantwortlich zu machen, wäre absurd. Umgekehrt haben es viele Theoretiker geschafft, aus der Evolutionstheorie eine humanistische Lehre herauszulesen.
Am verblüffendsten ist vielleicht, dass selbst Karl Marx (1818–1883) in Darwins «Entstehung der Arten» die «naturhistorische Grundlage für unsere Ansicht» erkannte, wie er Friedrich Engels voller Begeisterung schrieb. Da können wir mit dem amerikanischen Evolutionsbiologen Steve Jones nur noch sagen: «Evolution ist ein politisches Sofa, das sich stets an die Hinterbacken der letzten Person anschmiegt, die darauf gesessen hat.»
Darwins eigene Haltung war aus heutiger Sicht ambivalent. Niemals hat er eugenische Programme gefordert oder gar unterstützt. Doch hat er einmal sein Bedauern darüber geäussert, dass «auch die schwächeren Glieder der zivilisierten Gesellschaft ihre Art fortpflanzen». Umgekehrt hat er Zeit seines Lebens gegen die Sklaverei gekämpft («ein monströser Schandfleck auf unserer gerühmten Freiheit»). Es sei bloss eine «künstliche Grenze», schrieb Darwin, die den Menschen davon abhalte, «seine Sympathie auf alle Menschen aller Nationen und Rassen auszudehnen».
Zehnter Irrtum: Der Mensch stammt vom Affen ab
Diese Formulierung ist nicht falsch, aber seltsam. Würden wir denn auch sagen: «Der Schimpanse stammt vom Affen ab»? Biologisch gesehen, sind wir unseren nächsten Verwandten derart ähnlich, dass, wie es der Autor Jared Diamond ein-mal formulierte, «ein Zoologe von einem fremden Stern nicht zögern würde, den Menschen als dritte Schimpansenart zu klassifizieren» – neben Zwerg- und Gewöhnlichem Schimpansen. Namhafte Forscher plädieren aus diesem Grund dafür, den Menschen in die Schimpansen-gattung Pan umzuteilen. Aus dem Homo sapiens würde dann der Pan sapiens, was ja auch nicht schlecht klingt.
Die einzige natürliche Formulierung kann daher nur lauten: «Der Mensch ist ein Affe.» Wer Mühe hat, diesen Satz über die Lippen zu bringen, der hat Darwin letztlich immer noch nicht ganz verdaut.
Elfter Irrtum: Evolution und Religion widersprechen sich
Die Evolutionstheorie kommt ohne über-natürliche Prozesse aus, und vermutlich glauben die meisten ihrer Verfechter nicht an Gott. Dennoch gibt es auch den Typus des gläubigen Evolutionsbiologen. Theodosius Dobzhansky (1900–1975) war der führende amerikanische Evolu-tionist des 20. Jahrhunderts – von ihm stammt der Satz: «Nichts in der Biologie ergibt einen Sinn, wenn man es nicht im Lichte der Evolution betrachtet.» Gleichzeitig war Dobzhansky ein tief religiöser Christ und hat jeden Abend gebetet. «Die Schöpfung», schrieb er, sei «ein an-haltender Prozess, nicht ein Ereignis einer fernen Vergangenheit.»
Wer die Bibel wörtlich auslegt, wird zweifellos Mühe haben mit Darwin. Wer sie hingegen sinnbildlich liest, kann vielleicht sogar eine gewisse Verwandtschaft erkennen zwischen Schöpfungsbericht und Evolution. Gerade weil die Evolutionstheorie keinerlei Aussagen über Sinn und Zweck des Daseins macht, lässt sie Raum für Spirituelles. Die Wissenschaft behandelt nur das Was, Wann, Wie und Wo und berührt den Raum der Warum-Fragen gar nicht, in dem sich die Religion abspielt. Solange man nicht probiert, mit der Religion konkrete Naturvorgänge zu erklären, wird man keinen prinzipiellen Widerspruch erkennen.
So sind auch längst nicht alle Vertreter der Kirchen gegen die Evolution. Schon Frederick Temple (1821–1902), der spätere Erzbischof von Canterbury, konnte in der Vorstellung eines Gottes, der eine Welt gemacht hat, die sich selber macht, etwas Wunderbares erkennen. Und sogar der Vatikan hat sich mittlerweile mit der Evolution versöhnt: «Recht verstandener Schöpfungsglaube und recht verstandene Evolutionslehre stehen sich nicht im Wege», erklärte Papst Johannes Paul II. (1920–2005) an einem Symposium Mitte der Achtzigerjahre.
Charles Darwin, der studierte Theologe, war als junger Mann ein gläubiger Christ. Doch je deutlicher er die Evolution des Lebens erkannte, desto mehr verflüchtigte sich sein Glaube. Trotzdem präsentierte er im allerletzten Satz seiner «Entstehung der Arten» eine religiöse Lesart der Evolution: «Es ist wahrlich eine grossartige Ansicht, dass der Schöpfer den Keim alles Lebens, das uns umgibt, nur wenigen oder nur einer einzigen Form eingehaucht hat und dass, während unser Planet den strengsten Gesetzen der Schwerkraft folgend sich im Kreise bewegte, aus so einfachem Anfang sich eine endlose Reihe der schönsten und wundervollsten Formen entwickelt hat und noch immer entwickelt.»
Doch auch von der Minimalversion eines Urheber-Gottes, der das ganze Weltenspektakel wenigstens in Fahrt brachte, hat sich Darwin später distanziert: «Das Geheimnis des Anfangs aller Dinge ist für uns unlösbar; und ich für meinen Teil muss mich bescheiden, ein Agnostiker zu bleiben.»
Literatur zum Darwin-Jahr
Sean B. Carroll
«Die Darwin-DNA. Wie die neueste Forschung die Evolutionstheorie bestätigt», S. Fischer, 2008
Wer an «Intelligent Design» glaubt, der lese dieses Buch, und er wird zumindest zweifeln.
Jürgen Neffe
«Darwin. Das Abenteuer des Lebens», Bertelsmann, 2008
Der Wissenschaftsjournalist Neffe reist auf Darwins Spuren um die Welt – eine gelungene Mischung aus Reportage und Biografie.
Neil Shubin
«Der Fisch in uns. Eine Reise durch die 3,5 Milliarden Jahre alte Geschichte unseres Körpers», S. Fischer, 2008
Ein witziges und überzeugendes Plädoyer für die Theorie der gemeinsamen Abstammung
Charles Darwin
«Die Entstehung der Arten», Nikol, 2008
Franz M. Wuketits
«Darwin und der Darwinismus», C. H. Beck, 2005
Ernst Mayr
«Das ist Evolution», Goldmann, 2005
Ernst Mayr
«Konzepte der Biologie», Hirzel, 2005
Stephen Jay Gould
«Illusion Fortschritt. Die vielfältigen Wege der Evolution», Fischer Taschenbuch, 2004
Ein gelungener Artikel, der zum Lesen von Darwin anregen sollte – Darwin, den, wie auch so manchen Philosophen, Denker, Wissenschaftler, (fast) jeder zu kennen glaubt, wenige jedoch je wirklich gelesen haben.
Problematisch scheint mir jedoch der(wie heutzutage so vielerorts unternommene) Versuch einer Art Synthese von (Darwins) Evolutionstheorie und Religion unter “Elfter Irrtum”. Warum nicht die (schlussendliche, ultimative) Unvereinbarkeit der beiden Seiten oder Ansichten, von wissenschaftlicher Evolutionstheorie und Religion (NICHT Glaube – Religion und Glaube sind nicht ein und dasselbe) betonen, anstatt die Differenzen zum Wohle einiger wenigen möglichen Bezugspunkten auszublenden, zu verwischen oder auszulöschen?
Problematisch scheint mir dies vor allem deshalb, weil der Religion (genauer: ReligionEN, denn sie sind sich im Sinne der Hegelschen “konkreten Universalität” als partikuläre Ausdrücke oder Umsetzungen eines vermeintlich universellen Begriffes ‘Religion’ für sich selbst stets diese Universalität, wodurch sie untereinander selbst nie gänzlich vereinbar sind) durch das Zulassen oder ein Sich-Einlassen auf solche Diskussionen stets immer auch eine gewisse Autorität, ja sogar (wissenschaftliche) Legitimität verliehen wird; und wie unter “Vierter Irrtum” völlig richtig angedeutet, sind (wissenschaftliche) Theorien (und ihr ‘Glaube’) nicht dasselbe wie Religion (und ihr ‘Glaube’). Kurz: Die Bibel wörtlich oder sinnbildlich auslegen? Warum sollte ich/man die Bibel überhaupt (ob nun in diesem Fall oder generell) auslegen?
Das ‘Warum?’ ist dann übrigens auch die Frage der Philosophie und/oder des kritischen Denkens (So versuchte z.B. Nietzsche mit ganzer Kraft in der Moralphilosophie eine Verschiebung von der Frage ‘Wie?’ zur zentralen Frage ‘Warum?’ zu erwirken – ein ‘warum’, das ein ‘wie’ immer auch schon denkt). Die Religion fragt stets (nur) nach dem ‘Wie?’: “Wie ist das Leben nach dem Tod?”; “Wie glaube ich richtig?”; “Wie will Gott, dass ich mich verhalte?”. Wieso nicht nach dem ‘warum’ fragen? “Warum glaubt jemand (an ein Leben nach dem Tod, an einen bestimmten Gott…und an einen anderen nicht, etc.)?”.
Luca Sciancalepores tiefschürfende Analyse stellt die in jeder Hinsicht ideale Ergänzung zu diesem grossartigen Artikel von Mathias Plüss dar. Ich hoffe deshalb, dass es mir niemand als Erbsenzählerei anrechnen wird, wenn ich mir gestatte, hier eine kleine Ergänzung anzubringen.
Es trifft zu, dass gewisse Religionen stets nur nach dem “Wie” und nicht nach dem “Warum” fragen, wie Luca Sciancalepore ausführt. Unser christlicher Glaube jedoch fragt – ganz wie die erwähnten deutschen Philosophen und andere grosse Denker – in erster und letzter Linie immer nach dem “Warum” und gibt auf diese Frage auch stets sein “Darum”, und dies nicht selten sogar im voraus. “Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden”, spricht Jesus zu den elf Jüngern, “Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker…” (Mt 28, 18-19).
Ein Nachtrag: Die bis jetzt erreichten Ergebnisse der vorliegenden Diskussion enthalten nicht zuletzt auch eine Antwort auf Luca Sciancalepores grundlegende Infragestellung jedes Interpretierens der Bibel: “Warum sollte ich/man die Bibel überhaupt (ob nun in diesem Fall oder generell) auslegen?”. Diese Kernfrage lässt sich nun wie folgt beantworten: “Ich/man sollte die Bibel in diesem Fall und ganz generell lesen und auslegen, um Relevantes über das Christentum (im Gegensatz zu anderen Religionen) zu erfahren und das so Gewonnene einem interessierten Publikum weitergeben zu können.”
Lieber Mathias Plüss,
Sie haben es fertig gebracht, in verständlicher Sprache ohne Abstriche an der Qualität das Wesentliche an der Darwinschen Theorie zu vermitteln. Das ist wirklich ein toller Beitrag zur Bildung für jedermann im Darwin-Gedenkjahr. Es hat mir als interessiertem Laien ausserordentlich wohl getan, Altbekanntes aufzufrischen und ein paar Neuigkeiten zu erfahren.
Zwischendurch erfährt man immer wieder auch etwas über die Persönlichkeit Charles Darwin und seine konsequente Art zu denken. Wenn ein solches Mass an intellektueller Aufrichtigkeit allgemein verbreitet wäre, würden sich die nun wieder unvermeidlichen unsäglichen Dispute über die Anwendbarkeit des Genesis alle erübrigen.
Ich meine zB die tiefschürfende wissenschaftliche Frage ‘warum die Süsswasserfische in der Sintflut keinen Schaden genommen haben’, die von studierten Biologen zur höheren Ehre der Religion allen Ernstes im Internet ventiliert wird. Dergleichen lässt einen fast an der Menschheit verzweifeln. Umso mehr erfreut einen Ihr schöner Artikel.
Ich danke erst einmal Javirer Tobler für seine Be-/Anmerkungen.
Tatsächlich bin ich nicht grundsätzlich gegen das Lesen der Bibel oder irgendeines anderen Textes. So sollte man dann auch die Bibel lesen/gelesen haben, um, wie Javirer Tobler völlig richtig bemerkt, “Relevantes über das Christentum (im Gegensatz zu anderen Religionen) zu erfahren und das so Gewonnene einem interessierten Publikum weitergeben zu können.”
Leicht revidierend möchte ich anmerken, dass ich der Bibel nicht generell jegliche Relevanz abspreche (jedoch stets mit dem Bewusstsein, dass sich die Legitimität und/oder Autorität der Bibel tautologisch aus sich selbst heraus ergibt). Problematisch wird es aber, sobald die Bibel oder andere religiöse Texte als gleichwertige Stimme in wissenschaftlichen Diskursen angesehen oder präsentiert werden. Und ich würde dann auch behaupten, dass der blosse Akt des ‘Einladens’ der Bibel (oder anderer religiöser Texte) an wissenschaftliche Diskussion(en) an sich eben immer schon eine gewisse autoritätsverleihende Wirkung hat.
Um auf das Problem des ‘Warums’ zurückzukommen: Mit dem ‘Warum?’ der Philosophie aber auch der Wissenschaft (kurz: des kritischen Denkens) meine ich eine Frage oder ein Denken, das anders als das ‘Wie?’ versucht jenseits eines/des gegebenen Denk-/Wissenssystems (oder SystemE) zu denken, sprich ein/das gegebenen Denk-/Wissenssystem (auch) zu sprengen – ‘weiterzudenken’ und/oder auch das System selbst zu denken, zu be-/hinterfragen. Unterscheidet sich ein solches ‘Warum’ nicht grundsätzlich von dem von Javirer Tobler vorgebrachten ‘warum’, dem in einem gewissen Sinne tatsächlich ein ‘darum’ vorausgeht, fragt es doch eigentlich “Was sagt die Bibel/Jesus dazu, warum…?”?
Um auf Darwin zurückzukommen: Der revolutionäre, systemsprengende Aspekt seiner Arbeit, seines Denkens lag/liegt, wie auch Philipp Sarasin in der heutigen Sternstunde Philosophie Sendung mehrmals erwähnte, in der Idee einer permanenten Veränderung geprägt von Unregelmässigkeit(en) und Zufall oder Kontingenz und, damit verbunden, wohl auch in (s)einem Denken des Zufalls jenseits einer ‚System/Struktur vs. Zufall/Kontingenz‘ Dichotomie.
Darwin hat Kontingenz radikal gedacht. Tatsächlich scheint, wie das ja auch der hervorragende Artikel von Mathias Plüss erwähnt, oft übersehen zu werden, was für eine zentrale Rolle Zufall und Glück, also Kontingenz, in Darwins Theorien spielen: ein ‘per se/naturgegebenes/gottgegebenes besser’ (wie das Religion und andere metaphysische Denkrichtungen annehmen) gibt es, zumindest hinsichtlich der Evolution, also nicht.
Mathias Plüss hat völlig Recht, wenn es schreibt: “So etwas wie ein Ziel, eine Planung oder gar ein Zweck ist nirgendwo in Sicht. Das ist der eigentliche Skandal von Darwins Theorie.” Hinter den Dingen steckt also nicht irgendeine geheime, mystische, verborgene Bedeutung, ein Design, ein Plan, ein Lenker/Gott, etc….Hier zeigt sich das Revolutionäre/Moderne an Darwins Arbeit und der von Philipp Sarasin (in der bereits erwähnten heutigen Sternstunde Philosophie Sendung als auch in seinem neusten Buch) hervorgehobene Bezugspunkt zu Michel Foucault – aber z.B. auch Jacques Lacan: es gibt keinen grossen Anderen, einen Lenker.
Nachdem es uns nun gelungen ist, die Frage nach der Notwendigkeit des Interpretierens zur allgemeinen Zufriedenheit zu klären, können wir uns einer weiteren wichtigen Frage zuwenden, die Luca Sciancalepore uns hier stellt: Unterscheidet sich das “Warum” der Philosophie, also des Denkens, das versucht, jenseits eines/des gegebenen Denk-/Wissenssystems zu denken, nicht grundsätzlich vom “Warum” der Bibel?
Um eine schlüssige Antwort auf diese Frage zu finden, werden wir nolens volens zuerst das Problem angehen müssen, das Peter Dörfler aufwirft, nämlich was von einer Wissenschaft zu halten ist, die in scholastischer Manier darüber diskutiert, warum die Süsswasserfische in der Sintflut keinen Schaden genommen haben und ob es sinnvoll sei, vom “Überleben der Geeignetsten” zu sprechen oder doch besser von der “Eliminierung der Ungeeigneten”. Mit andern Worten: Was unterscheidet eine Wissenschaft, die unhaltbare Theorien durch Korrekturen am Schulbuchtext zu retten versucht, von einer Religion?
Es ist zu hoffen, dass durch die Aktualität Darwins solch unsinnige Glaubenstheorien wie Kreationismus und “Intelligent Design” keine Chance mehr haben. Wer ihn noch hat, braucht ja deswegen seinen Gottesglauben nicht über Bord zu werfen – intelligenter und besser für die Menschheit wäre es zwar allemal, wie zum Beispiel Richard Dawkins (”Der Gotteswahn”) dargelegt hat.
“Intelligent Design” ist keine wissenschaftliche Theorie, da stimme ich mit Ihnen überein.
Dennoch beruht sowohl die Evolutionstheorie wie auch die von “Intelligent Design”
vertretene Theorie (das Leben sei aufgrund eines intelligenten Planers entstanden) auf Indizien, die gedeutet werden. Ein überzeugendes Indiz, das für eine Intelligenz spricht, sehe ich in nicht-reduzierbar komplexen Systemen, die nur funktionieren, wenn das ganze System fertig und vollständig ist. Fehlt ein Teil, d.h. ist Entwicklung noch in Gang, funktionert das Ganze nicht, und zwar gar nicht, nicht nur halb so gut! Als Beispiel möchte ich die Blutgerinnung nennen. Dieser überlebenswichtige reaktionelle Prozess ist äusserst komplex und kann nur stattfinden, wenn alle Blutgerinnungsfaktoren miteinander fertig entwickelt vorhanden sind. Ein Individuum mit nur der Hälfte der notwendigen Enzyme hat gegenüber solchen ohne Enzyme keinen Selektionsvorteil. Erst das ganz fertige Produkt birgt einen solche Vorteil. Warum also sollte es sich weiterentwickeln? “Weiß” es etwa die Richtung, in welche es sich entwickeln soll? Auch Bakterien sind keineswegs so einfache Wesen, dass man sich vorstellen sollte, sie könnten von alleine entstehen. Manche Arten habe eine Geissel, mit der sie sich fortbewegen. Diese funktioniert wie eine Schiffsschraube, allerdings auf molekularer Ebene. Auch hier: ein Bakterium mit einer (noch!) nicht funktionierenden Geissel hat gegenüber solchen ganz ohne Geissel keinen Vorteil, daher lässt sich eine “Weiterentwicklung” nicht erklären.
Die Begründung zu “Irrtum” 11 liest sich wunderbar, solange man nicht darüber nachdenkt. Es ist schon interessant, welche “intellektuelle” Klimmzüge man machen muss, damit man neben der Evolutionstheorie auch noch an alte Bücher und imaginäre Freunde im Himmel glauben darf. Warum dieser weiche Relativismus, warum nicht die Dinge auf den Punkt bringen?
Der Gedanke, dass der liebe Gott die Evolution in Gang setzt und dann ein paar Milliarden Jahre zuschaut, bis sich der Mensch entwickelt, den er dann mit Religion beschenkt, ist doch reichlich absurd. Aber bei einem Eingreifen durch den lieben Gott ist man eben wieder beim Intelligent Design angelangt. Es gibt keine Vereinbarkeit von Schöpfung einerseits und Mutation/Selektion andrerseits.
Und wenn man “richtig verstandene Evolutionslehre” aus der Feder des Papstes liest, dann ahnt man zumindest schon, dass das “richtig verstandene” sich wohl eher auf ein Zerrbild der Evolutionstheorie bezieht, päpstlich verpacktes Intelligent Design mit dem lieben Gott als Creator Spiritus, bar jedes belastbaren Hinweises auf einen solchen geistigen Schöpfer. Theologischer Hokuspokus.
Ausserdem: Eine Leseliste zur Evolution ohne ein einziges Werk von Richard Dawkins ist schon fast tendenziös. Weil er ein unbequemer Atheist ist?
Ich bin erstaunt, diese Kommentare zu lesen, denn derart entgegengesetzt habe ich mich beim Lesen dieses Artikels gefühlt. Ich bin keine Biologin, habe aber keinen einzigen Gedanken im Artikel finden können, den ich nicht schon tausend Mal gedacht hätte. Ich war wirklich enttäuscht, in meinem absoluten Lieblingsmagazin einen solch belanglosen Artikel lesen zu müssen.
Leserbrief zu “Was Darwin wirklich meinte” von Mathias Plüss
Es ist nicht möglich, das (neo-)darwinistische Glaubensbekenntnis in elf Kapiteln des Mathias Plüss in einem Leserbrief zu kommentieren. Nur soviel: Der “Kampf ums Dasein” entspringt sehr wohl einer Ideologie und erst noch einer ökonomischen. Darwin hatte seine theoretische Erleuchtung nach der Lektüre von Thomas Robert Malthus Buch “Essay on the Principle of Population” (1798), in dem der Ausdruck “struggle for existence” eine wichtige Rolle spielt. Darwin hatte endlich eine Theorie zu seinen präzisen Naturbeobachtungen gefunden wie er selbst schreibt. Dass diese Theorie dann von biologischen Autoritäten wie Konrad Lorenz in der Nazizeit missbraucht werden konnte, hat ja möglicherweise doch etwas mit dieser Theorie zu tun. Darwin selbst war seinen späteren Interpreten wohl weit überlegen, weil er wesentlich differenzierter argumentierte als dies die Neodarwinisten tun. Sein Verdienst bleibt, dass er den Menschen in die grosse Abfolge des Lebens eingebunden und von seiner göttlichen Sonderrolle befreit hat. Heute entdecken viele Verhaltensforscher das kooperative und kreative Element im Verhalten der Tiere, zu denen wir gehören. Hoffentlich gewinnt bald einmal ein Theoretiker an Einfluss, welcher der Ideologie des Egoismus die Idee des Zusammenarbeitens entgegenhält.
Hans-Ulrich Schlumpf
Matthias Plüss hat eine wunderbare Tat vollbracht. Er hat einen Artikel geschrieben, der uns zum Nachdenken anregt. Die interessanten Kommentare zeugen davon.
Als ich vor Jahren einen Vortrag von Sir Carl (Carl Popper) im Zürcher Kongresshaus hörte, war ich erstaunt, als er mit den Worten begann: “Glauben Sie mir nichts, was ich Ihnen heute sagen werde”. Das ruhige Herangehen an eine Frage, “Hat das was?” – “Könnte es auch anders sein?”, das Hypothese-Bilden-Verifizieren-Falsifizieren ist eine menschliche Fähigkeit mit der sich unser Forschergeist die heutigen Errungenschaften erarbeitet hat. Leider wendet die Menschheit diese naturwissenschaftliche Vorgehensweise zur Erkenntnisgewinnung (noch) nicht stringent genug an, sodass wir einerseits auf grandiose Fortschritte blicken, andrerseits aber noch mit sozialem Schwachsinn konfrontiert sind. Wir führen Krieg.
Vielleicht hilft eine faire Diskussion im Darwin-Jahr, den Schöpfungs-Mythos zu überwinden und unseren Fokus auf die SOZIALE Natur des Menschen zu lenken. Der Mensch ist ein Naturprodukt, kein Mysterium, und daher erforschbar, wie Ameisen, Kanarienvögel oder andere Arten. Das wäre der Ansatz.
In seinem herausragenden Werk “Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt” beschreibt Peter Kropotkin den wesentlichen Faktor zum Überleben einer Art in der Evolution. Er widerlegt darin auch den missbrauchten Begriff des “Sozialdarwinismus” (Survival of the Fittest). Die Autoren Leakey und Lewin beschreiben in ihrem Werk “Wie der Mensch zum Menschen wurde” die hohe Kooperationsfähigkeit des Menschen.
Ich kann Hans-Ulrich Schlumpf beipflichten und hoffe, dass es der Menschheit gelingt, das Erziehungsgeschehen des Menschen in den Mittelpunkt aller wissenschaftlichen Bemühungen zu stellen. Denn in der Kindererziehung werden die Weichen gestellt, ob ein Mensch mitmenschlich denken und fühlen kann oder sich durch Gier korrumpieren lässt. Auf meiner Webseite http://www.seniora.org stelle ich wesentliche Beiträge zur sozialen Natur des Menschen und zur Erziehung zur Verfügung. Als ehemaliger Pflegevater von “schwierigen” Kindern lässt mich dieses Thema seit über dreissig Jahren nicht mehr los. Ein Lichtblick und Hoffnungsschimmer ist die Neurobiologie und Hirnforschung, die nun faszinierende Forschungsergebnisse zutage fördert.
Willy H. Wahl
http://www.seniora.org
ERZIEHUNG ETHIK POLITIK
In der Sache selbst haben Sie natürlich recht, liebe Frau Keller. Wenn wir in dieser Diskussion jedoch weiter kommen wollen, werden wir unser Augenmerk nicht so sehr auf die Indoktrinierten als vielmehr auf die Doktrin per se richten müssen. Die Lehre vom Survival of the Fittest ist selbstverständlich keine “Theorie” im wissenschaftlichen Sinn. Sie stellt fest, dass die “Geeignetsten” überleben, und kann die “Geeignetsten” trotz allen Windungen und Wendungen nicht anders charakterisieren, als eben “die, die überleben”. Was wir vor uns haben, ist demnach eine klassische Heilslehre, eine Doktrin – gemäss der treffenden Definition, die Luca Sciancialepore hier gegeben hat – , deren “Legitimität und/oder Autorität sich tautologisch aus sich selbst heraus ergibt”.
Die in meinem vorhergehenden Beitrag gestellte Frage lässt sich somit wie folgt beantworten: Nichts unterscheidet eine Wissenschaft, die sich an naturgemäss unwiderlegbare Heilslehren klammert, von einer Religion.
Lamarck war zwar der Erste, der “eine konsistente wissenschaftliche Theorie” entwickelte und zum wichtigen Vorläufer Darwins wurde, aber evolutionistische Vorstellungen sind viel älter, sie sind in antiken griechischen und lateinischen Texten gut belegt. Eine interessante und erstaunlich “konsistente” Theorie stammt von einem unbekannten frühen griechischen Denker, wohl einem “Vorsokratiker”, dessen mit Beispielen untermauerte Meinung Aristoteles (✝ 322 v. Chr.) in seiner “Physik”-Vorlesung eingehend referiert (hier stark gekürzt): “Was spricht gegen den Gedanken, die Natur arbeite so, dass die natürlichen Gebilde sich deshalb am Leben erhalten konnten, weil sie auf Grund des Zufalls lebenstauglich gebildet waren? Und was nicht in dieser Weise entstanden ist, ging und geht zugrunde.” Aristoteles verwirft anschliessend diese Theorie in ausführlicher, sachlicher Kritik – vielleicht ein Grund, warum sie wissenschaftshistorisch bedeutungslos blieb.
Wie weit hatte Darwin Kenntnis von antiken Vorgängern? In der 6. Auflage von On the Origins of Species (1876) steht vor dem Haupttext des Werks eine kurze historische Studie mit der Bemerkung “previously to the publication of the first edition of this work” (1859); in einer Fussnote zu dieser Studie schreibt Darwin, ein Mr. Clair Grece habe ihn auf die Aristoteles-Stelle hingewiesen, er zitiert sie und kommentiert dann: “We here see the principle of natural selection shadowed forth”. – In der erwähnten vorsokratischen “Evolutionstheorie” findet sich, neben der natürlichen Selektion bzw. der “Eliminierung der Ungeeigneten”, als weiteres evolutives Prinzip also auch das ursachelose “Von selbst” (oben als “Zufall” wiedergegeben), das Grundkonzept der Mutation, “shadowed forth”.
Kehren wir nun zur Frage von Luca Sciancalepore zurück, ob sich das “Warum” der Philosophie oder auch der Wissenschaft nicht grundsätzlich vom “Warum” der Bibel unterscheide. Nun, es kommt darauf an, was wir als Philosophie bzw Wissenschaft gelten lassen wollen. Wenn wir Dinge wie die Lehre vom Survival of the Fittest – in welcher Form auch immer – der Philosophie oder der Wissenschaft zuordnen wollen, so kann angesichts der in dieser Diskussion gewonnenen Erkenntnisse die Frage nur mit einem klaren Nein beantwortet werden.
Der elfte Irrtum ist kein Irrtum. Dieser Punkt wurde wohl nur erwähnt um die Gemüter zu beruhigen. Religionen lassen sich nicht mit der Evolutionstheorie vereinbaren. Ausser wenn „heiligen Schriften“ extrem sinnbildlich ausgelegt werden. Diese seltsamen, völlig willkürlichen Auslegungen sind natürlich für alle Religionen sehr praktisch, weil sie dann nicht zu geben müssen, dass sie im Irrtum sind, was offensichtlich etwas vom Schlimmsten wäre.
Ob das eine “Warum” sich von dem anderen “Warum” grundsätzlich unterscheidet, finde ich nicht besonders spannend. Da müsste man schon zuerst definieren was für wen ein grundsätzlicher Unterschied ist. Der Wissenschaft geht es normalerweise nicht um solche Haarspaltereien.
Mehrfach wurde von Javirer Tobler das Argument vorgebracht, dass bei der Definition der “geeignetsten” Individuen eine Tautologie besteht. Das spielt aber keine Rolle. Die Definition ist widerspruchsfrei, wichtig ist nur dass infolge der Auslese eine bleibende physische Veränderung ergibt in Richtung der Vergrösserung der Überlebensschancen unter den herrschenden eventuell veränderten Bedingungen. Das Wort “geeignet” ist in diesen Zusammenhang zweifellos sinnvoll, wie soll man es denn sonst wohl nennen?
Meine Bemerkung über die blödsinnige Frage, warum die Süsswasserfische keine Schwierigkeiten mit der Sintflut hatten, war nicht so gemeint wie J. Tobler sie verstand. Der Unsinn besteht darin, dass man, wie es die Leute von ‘Wort und Wissen’ tun, im Zusammenhang mit der Evolution überhaupt die Sintflut erwähnt. Um es ganz deutlich zu sagen: Falls die biblische Sintflut einen historischen Kern hat, so war sie ein regionales Ereignis ohne Relevanz für die Entwicklung der Lebewesen. Wenn zünftige Biologen ihr Brot bei einer kreationistischen Organisation damit verdienen, diese Dinge unnötig zu verschleiern, damit ihnen einfache Gemüter auf den Leim gehen, dann ist das sehr ärgerlich.
Liebe Frau Keller, wäre ich ein Marxist (um mit Thomas Zaugg zu sprechen), so wäre ich eventuell der Meinung, die Sie ansprechen. Ich bin jedoch kein Marxist und fühle mich deshalb auch nicht dazu berufen, die Welt oder irgendwelche in ihr agierende Personen bzw deren Handeln zu verändern. Es genügt mir vielmehr, zu beschreiben, was ich sehe.
Lieber Herr Dörfler, es wäre mir sehr unangenehm, wenn ich Sie, wie Sie es ausdrücken, falsch verstanden hätte. Lassen Sie mich deshalb nochmals klarstellen, was ich Ihren Worten entnommen habe und korrigieren Sie mich bitte allenfalls:
Genau wie ich halten Sie die Diskussion über die Süsswasserfische in der Sintflut für blödsinnig.
Im Gegensatz zu mir halten Sie die Diskussion “Überleben der Geeigneten” vs “Ausscheiden der Ungeeigneten” sowie den Gebrauch von Tautologien zur Begründung von Theorien ganz allgemein nicht für blödsinnig.
Nachdem nun klar sein dürfte, dass Peter Dörflers Bemerkungen in Sachen Süsswasserfische und Sintflut entgegen seinen Befürchtungen hier so verstanden worden sind, wie sie gemeint waren, können wir daran gehen, seine Frage zu beantworten: “Das Wort “geeignet” ist in diesen Zusammenhang zweifellos sinnvoll, wie soll man es denn sonst wohl nennen?” Vorauszuschicken ist, dass es nicht, wie Peter Dörfler meint, für die Definition spricht, dass sie widerspruchsfrei ist. Eine Tautologie ist immer widerspruchsfrei. Wäre sie nicht widerspruchsfrei, wäre sie keine Tautologie. Somit lässt sich Peter Dörflers Frage wie folgt beantworten:
Wer den Begriff “geeignet” in diesem Zusammenhang als sinnvoll ansieht, müsste – besonders dann, wenn er nichts gegen eine Tautologie einzuwenden hat – erklären, was ihn denn daran hindert, das umständliche “Überleben tun die Geeigneten, wobei als Geeignete die definiert werden, die überleben” nach den Gesetzen der Logik auf seinen Kern zu reduzieren: “Überleben tun die, die überleben”.
Wenn ich etwas zu dieser stark semantisch geprägten Diskussion beitragen darf: Der Begriff “geeignet” sollte im Kontext der Evolutionstheorie nach meiner Ansicht keinesfalls tautologisch definiert werden (also: geeignet sein heisst, zu überleben). Diese Definition führt nicht sehr weit und ist auch nicht nötig. Der Begriff wird durch naturgegebene Tatsachen (Naturgesetze) zur Genüge bestimmt, d.h. er beinhaltet alle vom Lebensraum auf eine Spezies einwirkenden und von dieser Spezies auf den Lebensraum ausgeübten Mechanismen. Ein Teil dieser Vorgänge existiert also unabhängig von der betrachteten Spezies, und unabhängig von unseren Definitionen. Geeignet sein heisst also, sich diesen Mechanismen anpassen zu können, und/oder sie zu seinen Gunsten zu verändern. Diese Definition ermöglicht nun Fragen wie “Warum war diese Art geeignet?”, deren Antwort in ökologischen, (Verhaltens-,sozio-,) biologischen und biochemischen und -physikalischen Erklärungen liegt, und nicht in der Definition (”diese Art war geeignet, weil sie überlebte”).
In verdankenswerter Weise bringt S. C. Surace in seinem Beitrag das darwinistisch/neodarwinistische Credo einmal mehr auf den Punkt: Der Begriff “geeignet” wird durch naturgegebene Tatsachen und deren Mechanismen bestimmt. Geeignet sein heisst demnach also, sich diesen Mechanismen anpassen zu können. Das “Naturgesetz” wählt die am besten Angepassten aus, und man erkennt sie daran, dass sie überlebt haben. Einen anderen Weg gibt es nicht. Wer immer auch überlebt, und seien es die Blinden und die Lahmen, man wird sie als die Angepassten, die zu Recht Auserwählten, anerkennen. Eine ausgestorbene Art wird sicher niemand als gut angepasst (geeignet) bezeichnen wollen.
Der Kreationismus unterscheidet sich selbstverständlich kaum von diesem Credo. Man fragt sich – wie immer, wenn zwei fundamentalistische Glaubensrichtungen aufeinander prallen -, worüber sich die Parteien eigentlich streiten.
Die Mechanismen der Evolution sind glücklicherweise hier und jetzt beobachtbar. Sehen Sie, eine wissenschaftliche Theorie muss in der Lage sein, Dinge vorauszusagen. Versuchen Sie einmal, mit Kreationismus die Evolution einer Population bei veränderten Umweltbedingungen (oder gar im Labor) vorauszusagen! Wenn Sie sich damit begnügen, festzustellen, dass gewisse Arten überlebt haben, während andere ausgestorben sind, dann haben Sie verständlicherweise nicht viel Freude an der Evolutionstheorie.
Liebe/r S.C. Surace, lassen Sie mich Ihnen versichern: Sie sorgen sich umsonst. Die Evolutionstheorie macht mir genau so, wie sie ist, jede Menge Freude. Es freut mich auch, dass Sie offenbar in der Lage sind, die Mechanismen der Heilsentwicklung hier und jetzt zu erkennen und daraus Voraussagen abzuleiten. Solche Fähigkeiten sind mir leider weder mit noch ohne Kreationismus gegeben.
Etwas allerdings dürfte wohl alle Gesprächsteilnehmer interessieren: die Bedingungen, unter denen Sie bereit wären, Ihren Glauben an das Survival of the Fittest aufzugeben.
Ich kann in mir leider keinen “Glauben” an das “Survival of the Fittest” erkennen. Worin würde so ein Glaube denn bestehen?
Liebe/r S.C. Surace, niemand hat hier behauptet, Sie könnten in sich einen “Glauben” an das Survival of the Fittest erkennen, und es dürfte hier mittlerweile auch niemand mehr annehmen, Sie könnten es. Schauen Sie: Ale Karten sind auf dem Tisch. Eine Lehre, deren Anhänger nicht eine einzige Möglichkeit angeben können, die sie veranlassen würde, ihre Meinung zu ändern, nennt man einen Glauben. Da Sie dies aber nicht sehen k ö n n e n, dürfen Sie ruhig von einer “wissenschaftlichen Theorie” sprechen. Ich wäre der Letzte, Ihnen unter den gegebenen Umständen das Recht dazu streitig machen zu wollen.
Einige unüberwindliche Irrtümer müssten noch hinzugefügt werden. Z.B., dass aus der Mikro- nicht auf die Makroevolution geschlussfolgert werden darf, da das Vererbungsgesetz natürliche Grenzen auferlegt.
Auch die Jahrmillionen dauernde zufällige Aneinanderreihung von Molekülen in einer wässrigen Ursuppe scheitert am Gesetz der Entropie. Darwin kannte den komplizierten Aufbau der Zelle und des genetischen Codes noch nicht.
Das riesige Kapitel der ‚Missing Links’ wird geflissentlich übersprungen. Wo bleiben die beweisenden Übergangsfossilien der ‚Kurzhals-Giraffe’, um die Theorie zu bestätigen? Tatsächlich steckt der Teufel im Detail!
Natürlich schiessen die wörtlichen Kreationisten über das Ziel hinaus und die ID-Leute getrauen sich nicht auszusprechen, dass jede Intelligenz aus einem denkenden Wesen entspringt. Einstein brachte es auf den Punkt: „Gott würfelt nicht!“ Nein, ER ist planmässig, kreativ und ehrfurchtsgebietend vorgegangen. Das ist die plausible Schlussfolgerung aus dem Indizien-Prozess Evolution.
Einverstanden, Herr Tobler, wenn eine Theorie nicht falsifizierbar ist, kommt sie faktisch einem Glauben gleich. Allerdings ist es pragmatisch gesehen nicht nötig, an eine Theorie zu glauben. Man wendet ihre Aussagen einfach an, bis sie nicht mehr funktionieren, bis man einen Widerspruch findet. Dann muss man eine bessere Theorie finden, welche diesen Widerspruch auflöst. Es kann sogar unendlich viele Theorien für ein Phänomen geben (in der Physik kommt dies häufig vor), die sich in den Voraussagen allerdings nicht widersprechen dürfen. Wenn Sie auf dieses “Kriterium” des Glaubens hinauswollen, dann müssen Sie, um einen Anhänger einer Theorie zur Vernunft zu bringen, mindestens eine Tatsache aufzeigen, welche den Aussagen der Theorie logisch widerspricht.
Es ist eine interessante Frage, worin die gedankliche Schwierigkeit (Stichwort Tautologie) eigentlich besteht. Herr Tobler hat die logische Gleichung aufgelöst und, wie erwartet, kommt heraus: ‘Es überleben die, die überleben’. Dies deshalb, weil die ‘fitness’ in allgemeiner Form als die Fähigkeit zum Überleben definiert wurde. Die Tautologie würde verschwinden, wenn man einen konkreten Fall betrachten würde. Es überleben eben nicht, wie oben unterstellt, eventuell die Blinden und Lahmen. Falls deren Gebrechen genetisch verankert sind, dann hat ihre Varietät einen statistisch wirksamen Nachteil im Hinblick auf ihr Überleben und wird eliminiert. So ist also das Wort ‘geeignet’ ein weniger aussagefähiger Überbegriff von ‘untüchtig bei der Nahrungssuche’ oder ähnliches.
Noch eine kurze Anmerkung zur ‘Diskussion über Süsswasserfische und Sintflut’. Eine solche Diskussion gibt es nur in den kreationistischen Websites. Für Naturwissenschaftler gibt es keinen Anreiz, auf so verschrobene Ideen einzugehen.
Zu Herrn (oder Frau) D. Matter möchte ich folgendes anmerken.
Der Schluss von der Mikro- zur Makrevolution ist insofern unnötig, als es zwischen diesen beiden Begriffen nur willkürliche Abgrenzungen gibt. Es gibt sehr wohl das missing link ‚Kurzhals-Giraffe’, es gibt sogar noch eine rezente Art; sie heisst Okapia johnstoni.
Dass Darwin den genauen Aufbau ‘der Zelle’ noch nicht kannte, spielt für seine Theorie keine Rolle; die heutigen Biologen kennen ihn ja schon recht gut.
Liebe/r S. C. Surace, wir drehen uns im Kreise. Eine Tautologie wird naturgemäss nie aufhören zu funktionieren. Niemand wird in ihr je einen Widerspruch finden, da niemand es je schaffen wird, eine Tatsache aufzuzeigen, welche ihren Aussagen logisch widerspricht. Und zu Ihrem letzten Punkt: Ich fühle mich weder bemüssigt noch befähigt, andere Leute “zur Vernunft zu bringen”. Sie nehmen mir das nicht ab? Wie schon gesagt: Wir drehen uns im Kreise.
Ja, leider drehen wir uns im Kreis. Dies vermutlich deshalb, weil Sie von einer Tautologie sprechen, während Herr Dörfler und ich darauf hingewiesen haben, dass diese Tautologie nur auf einer begrifflichen, metasprachlichen Ebene existiert und mit der Evolution, der Natur der Sache selbst gar nichts zu tun hat. Welche Bedeutung hat die von Ihnen in den Raum gestellte Tautologie, oder anders gefragt: worauf wollen Sie eigentlich hinaus?
Darwin formuliert seine Theorie wohlüberlegt ohne dabei eine Tautologie zu produzieren. Reihenfolge seiner Argumente:
(1) Die Lebewesen produzieren viel mehr Nachkommen als die Natur ernähren kann. (2) Zwischen den Nachkommen gibt es kleine vererbbare Unterschiede. (3) Manche Unterschiede verbessern die Überlebenschancen, andere verschlechtern sie. (4) Von den Nachkommen mit verbesserten Eigenschaften überleben mehr als von den anderen (’natural selection’). (5) Dadurch entstehen allmählich neue Arten. Das war’s. Wo ist das Problem?
Das Problem, lieber Herr Dörfler, liegt darin, dass es Leute gibt, die nicht verstehen, nicht verstehen können oder vielleicht auch nicht verstehen wollen, was man ihnen sagt. Und so erhitzen sie sich in einer Diskussion leider auch dann, wenn kein Mensch da ist, der ihnen ihren Glauben nehmen will. Dieses Problem klar herauszuarbeiten, war unsere Aufgabe, und diese Aufgabe, wenn auch sicher nicht das Problem selbst, haben wir zu meiner Zufriedenheit gelöst. Das war´s? Hoffentlich, Herr Dörfler. Und ja, liebe/r S. C. Surace, da will ich hinaus.
Sehr geehrter Herr Plüss,
Als überzeugter Kreationist möchte ich mich bei Ihnen ganz herzlich für Ihren sachlichen Bericht bedanken. Seit nahezu dreissig Jahren beschäftige ich mich z.T. recht intensiv mit den Sachfragen zum Thema Evolution. Einen sachliche Auseinandersetzung mit diesem Thema scheint aber in den Medien nicht sehr attraktiv zu sein. Viel einfacher ist es da, sich über die naiven Kreationisten lustig zu machen (Siehe bspw. den entsprechenden Artikel in der Weltwoche). Dass Sie es geschafft haben, einen solch sachlichen Artikel zu verfassen, der ohne jegliche Polemik auskommt, dafür kann ich Ihnen nur gratulieren!
Ganz ganz herzlichen Dank!
Gratulation, etwas spät, an M. Plüss. Ich möchte nicht arrogant erscheinen, Claudia Keller, aber die Frage, ob man “an die Evolutionstheorie glaubt” oder nicht, hat schlicht und ergreifend mit der spezifischen Bildung auf diesem Gebiet zu tun. Glaube ist dabei das falsche Wort. Es geht um die Frage des Erkennens und Verstehens. Ich teile voll die Ansicht von Peter Meier (9. Kommentar). Es ist übrigens jedermann möglich, Darwin oder Darwin’s Bulldogge (den Oxforder Dawkins) zu widerlegen. Nur hat das eben in 200 Jahren bisher die globale kombinierte und kumulierte Intelligenz des Pan sapiens (danke, Herr Plüss) nicht geschafft. Sowas nennt man “wissenschaftlichen Beweis”. Ich unterstütze und bewundere die Neugier des selbst ernannten Laien (der Herr mit dem Popper-Referat).
Dominique Matter ist einem weit verbreiteten Irrtum aufgesessen, der korrigiert werden sollte. Einstein hat nicht gesagt “Gott würfelt nicht”, im Gegenteil. Er hat gesagt (in 2 Briefen): “Es bereitet mir grosses Unbehagen, mich mit dem Gedanken abzufinden, dass der liebe Gott Würfel spielt”. Einstein war Atheist und hat das Wort “Gott” nur metaphorisch benuetzt. Er war zu sehr Wissenschaftler, um seinen persönlichen Geschmack den Tatsachen vorzuziehen. Dass “Gott wirklich Würfel spielt”, ist die Grundlage der von Einstein mitbegründeten und überaus erfolgreichen Quantentheorie. Diese erklärt unter anderem die Phänomene der Chemie, des Lichts und des Lebens.