Wenn Frauen wollen wollen

Das Wettrennen um ein Viagra für die Frau läuft. Ist die weibliche Lustlosigkeit nur ein Mythos oder behandlungsbedürftig?

19.06.2010 von Birgit Schmid , 17 Kommentare

Das letzte Mal liegt zehn Wochen zurück. Das letzte Mal, dass sie nicht wollte. «Nicht konnte», würde Nora (Namen geändert) korrigieren. Es war wieder diese Spirale, zuerst leichte Abwehr: «Ich bin müde», murmelte sie. Als Patricks Hände weiter wanderten, schraubte sich die Abwehr zur «innerlichen Versteifung» hoch. Das vage Widerstreben wurde zu Ärger, der Ärger steigerte sich zu «Ekel und Hass». «Es tönt schrecklich, wenn ich das so erzähle», sagt die 36-Jährige, die am Küchentisch sitzt und auch an ihrem freien Arbeitstag tadellos aussieht. Sie fügt an, als ob es sich um ein Jahrhunderträtsel handeln würde: «Dabei liebe ich meinen Mann immer noch.»
Zuerst dachte Nora, es liegt an der Pille, die sie nach der Geburt ihres zweiten Kindes vor drei Jahren wieder nahm, und die ihrem Körper eine Schwangerschaft vortäuschte. Bloss nahm sie die Pille, schon bevor sie Mutter wurde, und damals war mit ihrer Lust noch alles in Ordnung. Das heisst, sie hätte sich nie als Nymphomanin bezeichnet. Sex gehörte einfach in eine Beziehung wie samstags der gemeinsame Einkauf im Supermarkt. Manchmal gab es zwar schon damals diese Hürde, nicht hoch, keine Schranke im Kopf wie jetzt oft, sondern die Lustlosigkeit war überwindbar. Und dann konnte es auch ganz schön werden. Vor allem mochte sie das Gefühl danach, «in Patricks Armen zu liegen und eine Nähe zu spüren, die man nur nach dem Sex empfinden kann». Jetzt aber, erzählt Nora, fühle sie sich «wie abgetrennt von der Lust. Da ist nur Wüste».
Eigentlich hat Nora keinen Grund, für sich gleich den Klimawandel zu beanspruchen. Sie hat keinen Krebs, leidet nicht unter Schlafstörungen, ihre Stimmung sackt nie so tief, dass sie dafür Medikamente brauchen würde. Wenn eine Frau mal nicht mit ihrem Mann schlafen will, bedeutet das noch nicht sieben magere Jahre. Was aber, wenn die Lustlosigkeit zum Zustand wird? Wer sich unter Frauen umhört, müsste Freuds Triebtheorie, wonach der Mensch primär ein sexuelles Wesen ist, in Zweifel ziehen. Gäbe es ein Fundbüro für die weibliche Libido, die Schlange davor wäre lang. Nun wird nicht jedes fehlende Verlangen gleich immer als störend erlebt, und wer sich nicht an die lutherische Pflichtvorgabe von zweimal die Woche hält, muss kein schlechtes Gewissen mehr haben. In der Sexualität, so wird man zumindest ständig beruhigt, gibt es keine Normen. Trotzdem leiden Frauen, wenn etwas nicht mehr so ist, wie es mal war oder wie es — sie ahnen es irgendwie, manche ein Leben lang — sein könnte. Da ist etwas abgestorben. Oder irgendwo zugeschüttet.

Die kranke Libido
Die Wissenschaft verwendet dafür den Begriff Female Sexual Dysfunction (FSD) oder etwas genauer: Hypoactive Sexual Desire Disorder (HSDD), vermindertes sexuelles Verlangen mit Leidensdruck. In der Neuausgabe der weltweit genutzten Psychiatriefibel Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM), in der alle psychiatrischen Krankheiten aufgeführt sind und die 2012 erscheinen soll, wird die weibliche Luststörung zum ersten Mal einen eigenen Eintrag erhalten; bis jetzt hat man zwischen Mann und Frau nicht unterschieden. (Das Diagnostikbuch sorgt immer wieder für Diskussionen, bis 1973 etwa galt Homosexualität als Krankheit.) Laut einer viel zitierten Studie von Soziologen der Universität Chicago sollen 43 Prozent aller Frauen unter geringer Libido leiden. Die Zahl ist wohl übertrieben. Gynäkologinnen, Psychiater und Sexualtherapeuten sind sich jedoch einig, dass etwa zehn Prozent aller Frauen unter sexueller Lustlosigkeit leiden, welche ihr Leben beeinträchtigt. Entscheidend ist die subjektive Wahrnehmung. Und die gibt nichts verzerrt wider. Die Zürcher Gynäkologin Susanne Spoerri sagt, dass in ihrer Praxis der Libidomangel das «mit Abstand am häufigsten angesprochene Thema» sei. Die Frauen kommen in die Jahreskontrolle oder zum Ultraschall und fragen im Anschluss an den Untersuch, ob es kein Mittel gegen ihre Lustlosigkeit gäbe.
Vielleicht kann ihnen bald geholfen werden: Verschiedene Pharmafirmen liefern sich im Moment ein Rennen um ein Viagra für die Frau. Zwei Medikamente haben die letzte Testphase hinter sich und stehen vor einer möglichen Zulassung. Flibanserin, ein Psycho-Aphrodisiakum des deutschen Konzerns Boehringer Ingelheim heisst das eine, LibiGel, ein Testosteronpräparat des US-Unternehmens BioSante das andere.

Heiliger Orgasmus-Gral
Die Gleichberechtigung hat eine ihrer letzten Stufen erreicht. Lange galt Sex ja nur für einen Mann als lebensnotwendig. Damit er ihn bekam, musste er können. Konnte er nicht, war das eine Katastrophe mittleren Ausmasses. Dann kam Viagra und gab dem Mann sein Wichtigstes zurück. Inzwischen werden mit der blauen Pille und anderen Potenzmitteln jährlich Milliarden verdient, ein riesiger Markt, den kaum jemand mehr hinterfragt. Einer Frau, so die gängige Meinung, sagt Sex halt einfach weniger. Es geht ja ob sie will oder nicht, die Natur hat es so eingerichtet, dass eine Frau schwanger werden kann, ohne in Ekstase zu geraten. Ihr Mangel bleibt verborgen. Das ändert sich nun: Frauen sagen heute deutlicher, dass sie keine Lust haben oder das Verlangen abnimmt wie der Regen in der Sahelzone. Sie findet sich mit einer toten Libido nicht mehr einfach ab, dies trotz den aufbegehrenden Kritikerinnen, die in der Forschung nach luststeigernden Mitteln vor allem ein Leistungsdiktat sehen. Für sie ist die komplexe weibliche Sexualität die letzte noch nicht von Männern eingenommene Bastion und der Orgasmus der Frau so etwas wie der heilige Gral.
Doch trotz dem Aufschrei, dass mit dem Rumtüfteln an einem «Pink Viagra» der weibliche Körper einmal mehr vereinnahmt und pathologisiert wird: Es ist falsch, anzunehmen, dass Frauen eher auf ein erfüllendes Sexleben verzichten, während die Männer ihre Erektion einfach brauchen. Auch Frauen wollen wollen. Dafür haben sie schon früh alles getan. Prinzessin Marie Bonaparte, die mit Freud befreundet war, liess chirurgisch ihre Klitoris näher zur Vagina versetzen, damit sie endlich einen Orgasmus hatte. Frauen liessen sich Elektroden ins Rückenmark einpflanzen, um durch die leichten Stromstösse in Verzückung zu geraten: eine zufällige Entdeckung bei der Behandlung von chronischen Rückenschmerzen. Allerdings hielt das entsprechende Gerät, der Orgasmatron, nicht, was es versprach. Heute lassen Frauen extremere Eingriffe an ihrem Körper vornehmen. Sie lassen sich die Vagina verengen, spritzen den G-Punkt auf mit dem einzigen Ziel, mehr Lust zu empfinden. Im Vergleich zur weiblichen Selbstverstümmelung muten Lustpille, Lustgel oder -pflaster schon fast homöopathisch an.
Wenn Nora ihr Sexleben als Kurve im Beziehungsverlauf zeichnen müsste wie die Temperatur bei Fieber, so würde sie nach der Geburt des zweiten Kindes radikal abfallen, im ersten Jahr gegen null. Mit dem Unterschied, dass niemand sich darüber freut. Beide haben sie immer gearbeitet. Patrick, ihr 38-jähriger Mann, an einer Hochschule, sie in der Werbung. Natürlich hinterlässt das abends Spuren. Auch lenkt nach acht Jahren Beziehung ein Küchentisch die Gedanken nicht mehr wie ferngesteuert auf das eine; zumal jetzt der Kindersitz daran befestigt ist. An jedem Sexualmedizin-Kongress zeigen Power-Point-Präsentationen schön tabellarisch, wie Alter und Beziehungsdauer sich zur Koitushäufigkeit verhalten. Studien beruhigen: 18- bis 29-Jährige haben durchschnittlich dreimal pro Woche Sex, zwischen 30 und 39 nimmt es auf ein- bis zweimal ab, und 40- bis 49-Jährige tun es noch einmal wöchentlich. Je nachdem beunruhigen solche Zahlen eher.
Nora hat von den letzten Monaten vor allem die gescheiterten Versuche im Kopf. Als sie sich mit Ausreden entzogen oder ihren Mann abgewimmelt hat. Die Frau ist klug genug, um sich nicht von Umfragen von Kondomherstellern unter Druck setzen zu lassen. Es liegt ihr aber auch an ihrer Ehe. Sie fühlt sich schuldig. Irgendwann könnte Patrick ihr «zickiges Verhalten», wie sie es nennt, zu blöd sein. Ihn mehr als frustrieren. Nach einem Streit deswegen schlief er schon auf dem Sofa; manchmal auch, wenn eines der Kinder zu ihnen ins Bett schlüpft, was sie, sie gibt es wieder leicht beschämt zu, erleichtert. Denn dann läuft sowieso nichts.
Wie konnte es soweit kommen? Nora gibt die millionste Variante von dem, wofür man die Kultur verklagen müsste. Im Laufe der Jahre entwickelte sich eine Art Geschwisterliebe. Und wer will schon mit seinem Bruder schlafen? Diese Innigkeit, eigentlich etwas Schönes, törne sie ab, sagt Nora. «Mein Mann ist mein bester Kumpel. Wir haben einen eigenen Humor, lachen über dieselben Dinge. Gerade deswegen gelten wir als das perfekte Paar. Unsere Freunde würden uns nie glauben, dass bei uns im Bett nichts mehr läuft.» Neulich auf einer Party tanzten sie so ausgelassen miteinander, dass jeder neidisch gedacht haben muss: Die werden diese Nacht wilden Sex haben. Es blieb bei den Fantasien der anderen. Nur zweimal in ihrem Leben sei sie «nicht mehr zu halten» gewesen: die zweimal, als sie beschlossen, ein Kind zu machen. Dann durfte es während der «gefährlichen» Zeit ihres Zyklus’ täglich stattfinden. Nora lacht, als erinnere sie sich an etwas Absurdes.

George Clooney verantwortlich?
Frauen mit Kugelbäuchen schlendern durch die Gänge der Frauenklinik in Basel. Sie sind kaum durch koitusfreien Kuschelsex, wie ihn Sextherapeuten bei Blockaden empfehlen, in diesen Zustand geraten. Das wilde Verlangen, ohne langes Vorspiel und romantisches Drumherum — auch Frauen kennen es. Deshalb würde sich Johannes Bitzer, Chefarzt der Frauenklinik am Universitätsspital Basel, gegen Vorwürfe wehren, er reduziere die weibliche Sexualität auf eine anfällige Libido. Bitzer ist an der Entwicklung des Wirkstoffs Flibanserin beteiligt, einem der neuen Medikamente für die Frau. Er entwarf für die Pharmafirma das diagnostische Interview, anhand dessen Frauen mit chronischen Libidoproblemen erkannt werden: ihr fehlendes Verlangen, keine sexuellen Fantasien, fehlende körperliche Erregbarkeit, keine Reaktion auf erotische Reize. Das fünfte Kriterium ist wieder das A und Big O der Diagnose: Das Auftreten eines der obigen Merkmale muss eine Frau emotional belasten.
Ursprünglich wurde Flibanserin als Antidepressivum entwickelt. Nach ersten Studien sollen die Probandinnen jedoch so begeistert gewesen sein, dass sie das Mittel gar nicht mehr zurückgeben wollten. So jedenfalls geht die Legende. Denn statt dass die Depression ihr Lustzentrum angriff, berichteten sie von — Lust. Flibanserin wirkt direkt aufs Gehirn. Der Wirkstoff beeinflusst die Produktion von Botenstoffen wie Serotonin und Dopamin und löst Hemmungen. Die klinischen Studien mit fünftausend Frauen vor der Menopause sind abgeschlossen. In diesen Tagen gibt ein Beratungsgremium eine Empfehlung an die amerikanische Zulassungsbehörde FDA ab. Falls die Lustpille die letzte Hürde nimmt, könnte sie in den USA noch dieses Jahr auf den Markt kommen. Für Europa braucht es möglicherweise weitere Studien. Bis das Medikament im Nicht-EU-Land Schweiz erhältlich ist, dürften mindestens noch drei bis vier Jahre verstreichen.
Nun verspricht nicht zum ersten Mal eine Potenzpille den Frauen Seligkeit. Nach den Erfolgen mit Viagra, das die Durchblutung im Schwellkörper des Mannes verbessert, nahm sich Pfizer den «Diamanten» in Pink für die Frau vor. Nach acht Jahren Forschung und Tests an dreitausend Frauen gab man 2004 auf, weil man erkannte: Bei Frauen und Männern stehen Erregung und Verlangen in einem völlig anderen Verhältnis. Es reicht nicht, bei Frauen allein den Intimbereich besser zu durchbluten. Ausser einem kurzen Flash, null Bock. Im Team aus Urologen und Kardiologen fehlten bezeichnenderweise die Psychiater, obwohl die Psychologie in der Sexualität der Frau wichtig ist. Bei ihr spielt sich die Lust nicht nur zwischen den Beinen, sondern zwischen den Ohren ab, wusste man spätestens jetzt. Seither fokussieren alle medizinischen Bemühungen auf einen Stimulierungspunkt im weiblichen Gehirn.
In der gynäkologischen Sprechstunde am Universitätsspital Basel klagen Frauen aller Altersgruppen über trübseligen Sex. Am häufigsten tritt der hormonell bedingte Libidoverlust nach der Menopause und nach einer Geburt auf, wenn das Stillhormon Prolaktin die Lust killt und der Säugling alle Liebe, Fürsorge und Aufmerksamkeit absorbiert. Häufiger als früher berichten aber auch junge Frauen im natürlichen Zyklus über ihre Lustlosigkeit. Und während sich Patientinnen mit steigendem Alter weniger daran stören, steigt der Stresspegel, je jünger die Frauen sind. Könnte man sie dereinst alle mit einer Lustpille wie Flibanserin behandeln? Chefarzt Johannes Bitzer antwortet auf solche Fragen zuerst mal bildlich: George Clooney auf der einen Seite, Hormone auf der anderen — wer von beiden ist verantwortlich für die Libido der Frau? Er sagt: «Jede sexuelle Störung muss ganzheitlich betrachtet werden. Erst dann lässt sich sagen, ob eine medikamentöse Therapie Sinn macht. Man muss abklären, ob der Mangel mit dem Partner zu tun hat, mit Hemmungen zusammenhängt, die sich aus der Biografie ergeben, und wie viel biologisch bedingt ist.» Eine Pille allein bewirkt wenig, wenn die Beziehung aus dem Lot ist. Dann wäre eher ein Paartherapeut gefragt.
Aber was kann das Lustmittel im Idealfall bewirken? Allzeitbereitschaft? Multiple Orgasmen? Natürlich nicht. Niemand wird aus der eigenen Haut schlüpfen und sexbesessen werden. Sondern man dürfte zuerst mal positiver auf sexuelle Avancen reagieren und sich lebendiger fühlen. Die Studienergebnisse mit Flibanserin und einem Placebo zeigen zwar «signifikante Unterschiede». Die Zahl der «befriedigenden sexuellen Ereignisse» — was anhand von Tagebüchern gemessen wurde — lag aber nicht viel höher.
Lohnt es sich also wirklich, für ein bisschen mehr Lust und etwas weniger Leiden täglich eine Pille zu schlucken? Und wie lange macht das eine Frau? Man hofft, so Bitzer, dass die medikamentöse Behandlung gleichsam neue Verhaltensweisen fördert, die für sich selbst wieder «Libido erhaltend» sind. Man erinnert sich daran, was für ein Kick es das letzte Mal war, als man den Mann verführte, und wird es genau so wieder tun. Lust und Gedächtnis hängen stärker zusammen, als man lange glaubte. Erstaunlich ist der starke Placeboeffekt, als ob die Aussicht auf guten Sex bereits ein Antrieb wäre.
Sollte Flibanserin die Marktzulassung erhalten, braucht es weitere Studien. Zum Beispiel, ob es auch für Frauen in den Wechseljahren geeignet ist und welche Nebenwirkungen sich auf längere Sicht zeigen. Bitzer dosiert seine Euphorie dann auch, alles andere wäre bei den gescheiterten Versuchen, Frauen zu helfen, fehl am Platz. Allerdings wünscht sich der Arzt, dass man die Sexualmedizin losgelöst von Ideologie betrachtet. Die Sexualität werde gerne veredelt, da sie für viele untrennbar zur Liebe gehört. Aber es sei nicht dasselbe. «Heute weiss man, dass die Sexualität aus medizinischer Sicht für die Gesundheit wichtig ist», sagt Bitzer. «Nicht im Sinn, dass man sie praktizieren muss, sondern weil man darunter leiden kann.» Das sexuelle Wesen eines Menschen hat eine biologische Grundlage. «Jedenfalls hilft es Frauen nicht, wenn man sagt, alles ist Erziehung und Kultur. Auch die Biologie wirkt auf die weibliche Sexualität ein und macht manchmal ein Medikament nötig.»
Tut man sexuelle Funktionsstörungen als reine Erfindung ab, schämen sich betroffene Frauen noch mehr, über ihre Probleme zu sprechen. Auch kann man sich in diesem Fall wieder fragen, warum gewisse Massnahmen, mit denen wir unser Leben optimieren, tolerierter sind als andere. Wir trimmen den Körper schön, rüsten das Gehirn auf. Frauen, die ihr Sexleben verbessern oder erst eines erhalten wollen, haben meistens nachvollziehbare Gründe. Sie vermissen nicht nur ihr Verlangen, sondern ihnen fehlt, was damit verbunden ist. Das Verlustgefühl kann sich auf die Beziehung auswirken. Oder wie es Heike Specht, Biologin und Sprecherin der Pharmafirma Boehringer Ingelheim, ausdrückt: «Für diese Frauen ist es, als ob ein Teil ihrer Weiblichkeit verloren gegangen wäre. Sie haben das Gefühl, nicht mehr zu genügen und fühlen sich zunehmend isoliert. Eine Frau muss keineswegs immer wollen wollen. Aber sie will wieder entscheiden können, wann sie wollen will. Sie will ihre Entscheidungsfreiheit zurück.»
Manche Frauen sagen, sie könnten gut leben ohne Sex. Die Bewegung der Asexuellen wächst. Es soll auch Paare geben, die drei Jahre und länger keinen Sex hatten und das akzeptieren. Sie will niemand bekehren. Nora, 36, attraktiv, durch ihren Beruf mit andern Männern in Kontakt, flirtet gern, aber sie nutzt das in etwa so wie die Komplimente ihrer Freundinnen über ihre hübschen Haare oder ein sexy Kleid: gut für das Ego, keine weiterführenden Gedanken. «Ich habe keine Lust mehr auf die Lust.» Auch als Patrick und sie wieder mal einen Porno schauten: Es törnte sie nicht an, da war eine gleichgültige Distanz. Sie schlief beinahe ein, müde von einem langen Tag. Die Lust als Grundgefühl, das man auf Lager hat wie Angst oder Freude und das sich in bestimmten Situationen zeigt, müsste zurückkommen, um überhaupt erst sexuelle Fantasien zu haben.
Wenn sie die Lust zurückholen könnte, liefe Nora nicht gleich Gefahr, sie einem anderen zu geben. Sie hat ja gewählt. Im Moment erträgt sie aber nicht mal Zärtlichkeiten von Patrick, obwohl sie gerne kuschelt. «Ich denke dann gleich immer, er tut das nur, weil er mehr von mir will.» Erst nach mehreren Gesprächen verrät Nora, dass sie es auch schon einfach über sich ergehen liess, «hinhält». Weil es sie erleichtert, ihn zu befriedigen. «Das klingt jetzt total unemanzipiert», sagt sie. Selbst ihre Mutter würde von «Selbstbefriedigung an der Frau» sprechen. Doch lieber bietet sie sich «als Lustobjekt» an, als sich Patrick onanierend vor dem Computer vorzustellen. Obwohl es Patrick mit einer Frau, die es nur erduldet, auch nicht wirklich Spass machen dürfte. Vor fünfzig Jahren wäre er zu einer Prostituierten gegangen. Heute ist ein Familienvater verantwortungsvoller. Würde es Nora entlasten? Wohl eher wäre es der Anfang eines echten Beziehungsproblems.

Erregung ohne Lust
Was will eine Frau eigentlich?, hat schon Freud gefragt. Wenn Frauen beim Psychologen erzählen, was ihnen beim Sex durch den Kopf geht, klingt das, als ob Borderline-Kranke über ihr Leben reden. Der Geist scheint vom Körper abgetrennt. Sie denken: Ich muss morgen das Paper zu Ende bringen. Babysitter anrufen nicht vergessen. Gott, mein schwabbeliger Bauch! Sie zählen: eins, zwei, drei, vier… Es geht ja trotzdem: Frauen können erregt sein, ohne Lust zu empfinden. Lange nahm man an, dass das Verlangen der Erregung vorausgeht. Das trifft auf die meisten Männer zu. Sie begehren und werden erregt, manchmal so schnell wie Sprungfedern. Bei Frauen sind Verlangen und Erregung nie so eng verlinkt. In einem Experiment reagierten Frauen auf jede Art von Porno körperlich, ob auf Sex zwischen Heteros, Homos oder Bonobos. In der mündlichen Bewertung sagten sie, die Szenen mit Schwulen und Affen hätten sie nicht angetörnt. (Männer reagierten nur auf Pornos ihrer sexuellen Präferenz oder auf Sex zwischen Frauen. Das stimmte auch mit ihrer Wahrnehmung überein.) Ein Medikament wie Viagra, das nur das Blut in Wallung bringt, kann bei Frauen definitiv nichts bewirken.
Wenn so viele Frauen den männlichen Drang nicht kennen, warum haben sie dann überhaupt Sex? Um ihre Beziehung zu bestätigen, ihrem Liebhaber zu gefallen, Nähe zu spüren, dem Frieden zuliebe. Eine alte Weisheit sagt: Männer werden intim, um Sex zu haben. Frauen haben Sex, um intim zu werden. In Befragungen erzählen Frauen, dass sie sich anfangs eher «sexuell neutral» fühlen. Ihr Verlangen zeigt sich erst während des Akts. Wenn der Appetit also erst mit dem Essen kommt, würde man mit einem Libidobooster den Wagen vor das Pferd spannen. Alle Forschung wäre reine Geldverschwendung.
Überhaupt, liegt es nicht bloss am Liebesstil des Mannes, ob das Verlangen geweckt wird? Keine Lustpille kann fehlende Zuneigung erzeugen. Oft bewirkt es schon etwas, wenn man miteinander redet oder ein Blumenstrauss zum richtigen Zeitpunkt, sagen Skeptikerinnen. Und eine Karte der Vagina mit einem Pfeil, der auf die Klitoris, die erogenste Zone der Frau zeigt, was vielen Männern offenbar immer noch verborgen bleibt. Feministinnen spotten, manchmal wäre ein Mann mit einem Staubsauger in der Hand die Lösung des Problems. Es gibt Frauen, die in dreissig Jahren Ehe nie lustvollen Sex hatten und dies erst mit sechzig und einem neuen Mann entdecken.

Reine Symptombekämpfung
Die Gynäkologin Susanne Spoerri gehört zu jenen, die in Medikamenten für mehr Lust vor allem ein Geschäft sehen. Die Notlage erkennt sie durchaus. Wie oft hört sie in ihrer Praxis in Zürich den Satz: «Und jetzt sagen Sie mir noch, was ich gegen meine Lustlosigkeit tun kann.» Darauf antwortet die Frauenärztin, die auch sexualmedizinische Beratung macht: «Wenn es so einfach wäre, sässen wir nicht hier.» Manche fragen direkt nach einem Viagra für die Frau. Bekämen sie das Rezept in die Hand gedrückt, würden sie ungeniert in die Apotheke marschieren und sich das Lustmittel holen, als wäre es Aspirin. So gestresst sind sie, ständig Migräne vorschwindeln zu müssen. «Es ist falsch, wenn man meint, man könne eine Pille schlucken und peng!, ist die Lust wieder da», sagt Spoerri. «Es gibt Lebensphasen, meist Krisenzeiten, in denen die Libido verringert ist. 55 fühlt sich nun mal nicht wie 25 an. Was überhaupt nicht heisst, dass die Lust mit 55 weg ist. Sie ist nur fragiler.»
Das Hormonpräparat LibiGel, das neben der Lustpille Flibanserin möglicherweise bald zugelassen wird, ist auf ältere Frauen zugeschnitten. 43 Prozent der Frauen zwischen 57 und 85 Jahren leiden an Lustlosigkeit, zitiert die amerikanische Pharmafirma BioSante Studien und rechnet vor: Zwei bis vier Milliarden Dollar liessen sich mit deren Behandlung verdienen. LibiGel ist ein Testosterongel, das auf den Oberarm aufgetragen wird und durch die Haut absorbiert direkt ins Blut geht. Libidomangel führt man gern auf einen tiefen Testosteronspiegel zurück. Das Geschlechtshormon sorgt sowohl bei Männern wie Frauen für den sexuellen Antrieb. Schon heute verschreiben Ärzte lustlosen Frauen Testosteron «off-label», ohne dass es dafür zugelassen wäre, vor allem in den USA. Testosteron soll die Knochen stärken, Energie geben und die Stimmung verbessern. Allerdings hat es Nebenwirkungen wie erhöhtes Risiko für Brustkrebs. «Mich ärgert es, dass Frauen suggeriert wird, sie altern schlecht, wenn sie keine Hormone nehmen», sagt Gynäkologin Spoerri. «Hormone sind Medikamente und keine Lifestyleprodukte.»
Für die Ärztin hat Lustlosigkeit mit der Beziehung und den Umständen zu tun. «Man kann Sexualität nicht rausstanzen aus dem Leben.» Das sagt sie auch der 20-jährigen Patientin, deren Libido im Dornröschenschlaf liegt. Verwunderlich? Neben dem Vollzeitjob kümmert sich die Frau noch um ihre kranken Eltern. Weitere Lustbremse: wenn sich eine Frau nach der Geburt hässlich findet und sich der Mann an Hängebusen und dickem Po stört. Auch Männer sind heute lustloser. «Sex ist für Männer nicht wichtiger als für Frauen», sagt Spoerri. «Die Lustlosigkeit des Mannes ist nur akzeptierter. Frauen leiden häufiger unter Libidoverlust, weil für sie immer eine Beziehung da sein muss, um Lust zu empfinden. Es muss stimmig sein.» Sie staune oft, wie wenig gut Frauen ihre Sexualität kennen. Sie passen sich dem Partner an und verlieren zwangsläufig die Lust. Die schwindet auch, wenn der Mann zu schnell kommt, während die Frau noch nicht mal in der Anwärmphase ist.

Tantrisches
«Oh, und tief in ihr taten sich Abgründe auf und rollten auseinander in langen, weit tragenden Wogen. Sie glitt tiefer und tiefer hinab, rührte an neue Gestade, und sie wurde tiefer und tiefer enthüllt, und ihre Wogen rollten noch heftiger von ihr und rollten fort von ihr, liessen sie allein, bis sich plötzlich in weichen, bebenden Zuckungen das Innerste ihres Plasmas regte.» So bescherte D. H. Lawrence «Lady Chatterley» 1928 einen Orgasmus. Wenn Frauen etwas überrollt, dann solche Bilder. Die Bilder kommen heute angeflutet und sind viel expliziter. Vor zweihundert Jahren wurde einem schon beim Anblick eines phallusförmigen Tischbeinchens heiss. Heute setzt die Sichtbarkeit des Sex bereits 14-Jährige unter Druck. Und plötzlich läuft es für ein leistungsorientiertes Akademikerpaar, dies ein Beispiel aus der Praxis, nicht gut im Bett: Sie kommen nicht gleichzeitig zum Höhepunkt, die Frau zudem nur, wenn ihre Klitoris stimuliert wird. Wo liegt das Problem? In den Erwartungen, wie es sein muss. Dabei brauchen siebzig Prozent der Frauen ein Klitoris-Supplement. Eine Lustpille würde das kaum ändern.
Aber auch einfache Ratschläge verwandeln Paare nicht in Kim Basinger und Mickey Rourke im Film «9½ Wochen». Nora und Patrick könnten in Liebesseminare gehen, um zu hören, sie sollten weniger koitusfixiert sein. In tantrischen Übungen würden sie lernen, sich zurückzuhalten und Sinnlichkeit anders zu erleben. Schaut euch öfters mal in die Augen, berührt euch spontan im Alltag. Kauft Erotikspielzeug und erkundet euch gegenseitig. Klar, auch Nora bewahrt in ihrer Schublade einen Dildo auf. Frauen mögen sich im Pornozeitalter der männlichen (Wunsch-)Sexualität ein Stück weit anpassen. Gleichzeitig sind sie aber aufgeklärt und sexuell emanzipierter denn je. Je selbstbewusster eine Frau ist, desto mehr kommt sie auf ihre Kosten. Sie sagt, wie sie es gerne hat oder eben, dass ihr etwas fehlt. Frauen bestimmen über ihr Begehren erst seit fünfzig Jahren. Man kann es als Fortschritt betrachten, wenn jetzt darüber geredet wird, was ein erfülltes Sexleben bedeutet. Ganz egal, ob sich ein Pink Viagra erneut als Flop entpuppt.
Nora sieht es pragmatisch. Sie würde die Lustpille wohl mal ausprobieren, um den ständigen Stress, nicht genügen zu können, zu überbrücken. «Bis so etwas erhältlich ist, stehen Patrick und ich aber wohl ganz woanders. Ich hoffe, dass sich die Situation entspannt, sobald die Kinder grösser sind.»

Die Diskussion

17 Reaktionen

  1. Tweets that mention Das Magazin » Wenn Frauen wollen wollen -- Topsy.com

    [...] This post was mentioned on Twitter by fraeulein_tessa and mh120480, mueslikind. mueslikind said: RT @fraeulein_tessa: Das Wettrennen um Viagra für die Frau läuft. Ist die weibliche Lustlosigkeit nur ein Mythos oder behandlungsbedürftig? http://is.gd/cV7vJ [...]

  2. Marcel Zufferey

    Bald steigen wir voll getunt zueinander ins Bett und haben tollen, leidenschaftliche Sex. Dabei ist völlig unerheblich, wie gut der oder die Partnerin jeweils war. Man war einfach geil auf irgendetwas, punkt. Damit entfällt auch endlich die lästige Frage danach, ob man gut war oder nicht.

    Ist doch prima oder?

  3. malid01

    Das Problem ist dummerweise noch etwas vielschichtiger als es im Artikel dargestellt wurde.
    a) Die Frauen bestimmen nun selbst, wann und was für Sex sie wollen.
    b) Sind alle immer voll im Stress und haben dadurch natürlich auch weniger Lust
    c) Wird einem von überall her suggeriert, dass man doch x-mal pro Woche / Monat Sex haben müsste
    d) Wird aber gleichzeitig suggeriert, dass eine emanzipierte Frau gar keinen Sex haben will/soll/darf/muss
    e) Gibt es dazu noch eine idealisierte Vorstellung von Partnerschaft, in welcher beide Partner (gilt vorallem für den Mann) auf ewig sexuell treu sind.

    Alles entkrampfen würde hier wohl ein Abbau von Stress und Partnerschaften, welche sich nicht an kulturell vorgegebenen Idealen sondern an menschlichen Realitäten ausrichten würden.

  4. Barbara

    1. es mal mit pille wechseln oder absetzen versuchen und
    2. emanzipierte frauen wissen doch nicht nur was und wie sie’s wollen, sondern auch was sie nicht wollen…?

  5. Claudia Meier

    Die Bestimmung des modernen Menschen ist es, zu funktionieren und Wachstum zu generieren. Daneben wird der moderne Mensch auch ständig dazu animiert, möglichst viel und schnell zu konsumieren, denn sonst droht der Weltuntergang oder zumindest Verlust von Arbeitsplätzen. Überall Druck, Stress und Hetze, die Wohnungssuche endet schnell mit einem Nervernzusammenbruch… Kein Wunder, vergeht in unserer “zivilisierten” Welt vielen die Lust auf Sex, manchen sogar aufs Leben. Männer scheinen,was die Sexualität betrifft, immerhin an die moderne Welt besser angepasst zu sein, denn sie können wohl besser abschalten und geniessen, die Blutwallung besorgt notfalls Viagra. Wie die zitierte Ärztin glaube ich auch nicht, dass sich aber die Lust so einfach herbeiführen lässt. Wie auch immer – die Lustpille ist sicher nebenwirkungsreich wie die allermeisten Pillen. So manche Frau wird wohl daran erkranken oder gar sterben, aber schliesslich wird keine dazu gezwungen.

  6. Roland Mühlhaupt

    Die Ambivalenz in den Empfindungen zeigt dieser Artikel eindrücklich. Treffend ist die Erkenntnis: „Ich war nie so „spitz“ darauf, wie als ich schwanger werden wollte“. Sie zeigt die Essenz in sich. Nachdem die Hürde der Partner-Wahl abgeschlossen, die Kinder ersehnt, gemacht und geboren sind, stellt sich die Frage der Libido exemplarisch auf: Soll die körperliche Veränderung akzeptiert werden, oder soll doch lieber Live-Style-Tabletten geschluckt werden, um sich vermeintlich so zu fühlen, wie es einmal war? Es ist wohl eine Frage der persönlichen Philosophie wie mit Veränderungen des Lebens umgegangen wird.

  7. Ria Eugster

    Lust ist die Folge von Freude aneinander und drückt sich im Wunsch nach Nähe aus.
    Mein Tipp als Coach: Die Frage “Was kann ich dazu beitragen, dass mein Partner glücklich ist?” öffnet Türen. Dies ist nicht von einem Orgasmus abhängig!
    Ria Eugster, Stäfa

  8. Marlise Santiago

    Warum sollte sich Lust einstellen, wo ihrer Entfaltung im Tagesablauf kein Raum gelassen wird? Warum muss Sexualität nach einer Geburt gleich sein wie vorher? Warum sollten Verlangen, Erregbarkeit, Fantasien usw. vorhanden sein, wenn das Paar sich nicht mehr daran erinnern mag, wann es zum letzten Mal ein effektives Gespräch geführt oder herzliche Zärtlichkeiten getauscht hat? Warum sollte Sex nach 10 Jahren Beziehung gleich sein wie zu Beginn? Warum sollte der Frauenkörper auf die Dauer mit Lust auf männliche Berührung reagieren, wenn er damit vorwiegend seine Fantasien bedient? Usw. Es braucht kein Medikament, damit sich eine Frau entscheiden kann, ob sie sich auf den Mann einlassen will oder nicht, und auch neue Verhaltensweisen können ohne eingeübt werden. Es braucht vielmehr die Auseinandersetzung mit dem Wesen der Sexualität von Mann und Frau, dazu gehört u.a. auch, das wieder erlernen und beachten des ganzheitlich körperlichen Empfindens. Marlise Santiago Zürich, Körpersexualtherapeutin und Autorin von «Schluss mit Secondhand-Sex» ISBN 978-3-8334-7116-2

  9. Praktiker

    “Die Lustlosigkeit des Mannes ist nur akzeptierter”,schreibt Frau Gynäkologin Spoerri.Das gehört nun devinitiv in die Kategorie Märchen, was jeder Mann bestätigen kann der seinem “brünstigen Weib” mal im Bett den Rücken zugekehrt hat.
    Frauen tragen Creme gegen Falten im Gesicht auf,nehmen bei Kopfschmerzen usw. Pillen ein (und das deutlich heufiger als Männer)warum nicht in einer ruhigen Stunde das Zimmer mit Kerzen ausleuchten und für nette Hintergrundmusik sorgen, danach eine “Scharfmach” Pille “einschmeisen” oder sich bisschen Creme, zärtlich, auf den “Biber” massieren lassen, und warten was passiert;-)

  10. Sebastian

    Nora ist ein lehrbuchmässiges Fallbeispiel, dass sexuelle Lust sich gerade nicht aus tiefster gemeinschaftlicher Nähe nährt. Der gute Wille der Männer, mit ihren Partnerinnen soviele partnerschaftliche und gemeinsame Nenner wie möglich zu haben, beschert ihnen leider einen starken sexuellen Attraktionsverlust. Wenn Mann denkt, dass durch noch mehr Nähe, Vertrauen, Einfühlsamkeit, Geduld, Schuldgefühlen wegen “Ich will ja doch nur das Eine” etc. die weibliche Lust wieder entfacht wird, kann das nicht funktionieren. Es wäre noch mehr Desselben! Es muss also etwas ganz anderes sein, was Männer für die Frauen sexuell attraktiv macht, damit die im Artikel erwähnte “Wüste” wieder zu spriessen und zu leben beginnt. Sie müssen ihre männliche Identität lieben und leben.

  11. salsa_conciero

    Was für langweiliger Müll! Im Artikel und in den Kommentaren erst recht. Sich bitte einfach mal vorstellen, was sich alles ändern würde, wenn geschlechtliche Identität nicht mehr einen so hohen Stellenwert einnehmen würde. Wieso fühlt man sich überhaupt angesprochen?
    Text spezifischer: Pille für die Frau ist ebenfalls ein Lifestyleprodukt und greift genauso in den Hormonhaushalt ein (schafft künstliche Verhältnisse und verzerrt den Vergleich geschlechterspezifischer Hormonhaushalte), wie dies ein Testosteronpräparat tun würde.

  12. Ma-Ri Nevjorker

    Ich habe es satt, mir von geilen Typen sagen zu lassen, dass frau müssen sollte, wenn sie jung bleiben wollte! Ich lasse mir nichts einreden. Wenn ich will, das weiss ich wohl am besten. Guter Sex ist locker und genussvoll, entspannend. Mit Stress und Druck, da braucht es wohl Viagra …

  13. Sebastian

    @SALSA_CONCIERO:Was soll das Argument mit dem “lifestyleprodukt”? Wir sind zu deutlich mehr als 50% immer ein Lifestyleprodukt. Wie leben wir?Wie haben Menschsein vor 30, 50, 100 oder 250 Jahren funktioniert?
    Wenn ich mir vorstelle, dass geschlechtliche Identität keinen hohen Stellenwert darstellt, wäre das Leben um Vieles grauer. Irgendwie so wie im Männer- oder Frauengefängnis.

  14. Giancarlo Bosco

    Mich interessiert eigentlich nur eines: Wer ist das heisse Mädel auf dem Cover?

  15. Starwalker

    In der Wueste braucht es Wasser um eine Oase mit leben sizu fuellen. Ob das Wasser mit einer Pille oder einer creme dafuer hergestellt wird,das sei dahingestellt. Im 21Jhd sind oder sollten wir befreite Menschen sein, die die eigene Sexualitaet leben und geniessen. Freiheit in allem heisst aber auch: Grenzen des anderen anerkennen. Wie ist das mit dieser Spirale der Lustlosigkeit und der Schuldgefuehle und der Wut, sind das nicht alte Muster die wir aufarbeiten sollten und eben alles anerkennen was ist. Sex ist Genuss und kein Hochleistungsakt wo wir uns beweisen. Manchmal fuehrt Leichtigkeit eher zum Ziel als Verbissenheit, in diesem sinne befreite Lust auf beiden seiten helfen. Ah ja, und ab und zu wenn Frau eben doch nicht will oder kann was immer sie entscheidet, darf oder kann sie Ihren Mann eben auch mal nur befriedigen, dass geht ja auch, und dann meistens prombt und immer mit Abschluss, was uns als Maenner ja einfach faellt und dies hilft 100% einen Wasserfall zu generieren in der eigenen Wueste. Wie der TAGI so schoen sagt:wir bleiben daran.

  16. henusode

    Wie sie schreiben, hat ihre Nora verpasst vor dem Kindersegen ausgiebig mit Patrick zu sexperimentieren. Nun fällt der Regen in der Sahelzone ihrer Nora noch seltener und die Pharmabranche soll dies richten.
    Vielleicht kann man das weibliche Bedürfnis auf Sex künftig mit Wirk-, Lockstoffen und sogar Medikamenten beeinflussen. Dringender wäre aber die eigene Suche nach dem Grund wieso dieses Bedürfnis mangelt. Bauen die Frauen mit Mangelerscheinungen nicht selber eine psychische Schutzwand auf? Ansporn sollte es sein, im Regenwald zu leben und sich darin wohl zu fühlen. Mangelnde Bewegung in der Natur tut Wunder, das gibt Lust auf mehr. Der Körper dankt es durch attraktives Aussehen und plötzlich wird das Mauerblümchen wieder begehrenswert. Das wäre doch auch für die Kinder eine schöne Bescherung wenn sie eine intakte Beziehung der Eltern sehen könnten.

  17. Isabelle K.

    Besser als jedes Viagra!
    Liebe Nora und Mitleidende, genauso wie Sie mit Ihren Kindern spielen, mit dem Gewinner jubeln oder den Verlierer mit einem „hei Du, ist doch nicht schlimm, komm wir spielen noch mal“ trösten, genauso fähig sind Sie auch Ihr Liebes-Spiel zu geniessen!
    Trauen Sie sich, wie ein Kind ohne Scham und Wertung, es ist Ihr Spiel, nichts ist verboten, Hauptsache es sind Ihre ganz eigenen Spielregeln, denn Lust ist so individuell wie die Anzahl Menschen auf der Erdkugel . Alleine, zu zweit, unter der Bettdecke, vor dem Spiegel, in der Badewanne, kichernd oder lüstern, egal was, wie und wo, Hauptsache Sie tun es und zwar regelmässig! Die Lustzellen wollen trainiert und mit der ganz eigenen Fantasie gefüttert sein. Sich selbst sein heisst das Codewort! Sie werden erstaunt sein ob der Auswirkung. Was beim ratsuchenden Mann zu offensichtlich harten facts führt bei der Frau zu langersehnten Freuden!
    So, just do it!

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