Werdet Lehrer!

Wie werden Schulen besser? Vor allem dank guten Lehrern. Doch gerade an den Pädagogischen Hochschulen, wo der Nachwuchs rekrutiert wird, brodelt es gewaltig.

24.04.2009 von Martin Beglinger , 15 Kommentare

Ungefähr jeder Hundertste Mensch in der Schweiz ist Lehrer. Oder vielmehr: Lehrerin. Dass die andern 99 gerne glauben, sie wüssten besser, wie man gut unterrichtet, macht ihre Arbeit nicht einfacher. Jeder hat seine Meinung über diesen Berufsstand, und jede hält diese Meinung auch für wohlbegründet, denn schliesslich sind wir alle mal zur Schule gegangen. Nur eines behauptet niemand: dass es egal sei, wer vor einer Klasse steht.
Die Schweiz streitet zwar ohne Ende über HarmoS und Frühförderung, über Ritalin für die zappeligen und Boni für die guten Schüler, doch eher früher als später endet jede Diskussion mit der Einsicht, dass eine gute Schule vor allem eines braucht: gute Lehrkräfte. Stehen die Falschen vor den Kindern, nützen die besten Strukturen nichts, wie jede Stammtischrunde weiss und alle Bildungsexperten bestätigen. Diese vermeintliche Banalität geht zwar oft vergessen, doch sie wird umso wichtiger, weil in den nächsten zwölf Jahren ein Generationenwechsel in den Schweizer Schulzimmern ansteht. Ein Drittel der Lehrkräfte geht in Pension. Das Land braucht 30 000 neue Lehrerinnen und Lehrer.
Doch wie bringt man die Richtigen in diesen Beruf? Gute Frage, heisst es bei vielen Schulbehörden, doch Antworten kommen kaum. Die Bildungsdirektionen sind schon froh, wenn überhaupt eine Lehrperson vor jeder Klasse steht. Sommer für Sommer holt man die Leute notfallmässig aus der Pension, aus Deutschland oder aus den Primar- an die Sekundarschulen, auch wenn die entsprechende Ausbildung fehlt, wie Beat W. Zemp, Präsident des Lehrerverbandes LCH, sich seit Jahren ärgert. «Alle beteuern, wie wichtig das Thema ist, doch niemand tut etwas dafür», resümiert Kurt Hofacher, der für die Konferenz der Erziehungsdirektoren (EDK) eine Studie über die Zukunft des Lehrberufs mitverfasst hat.
Ganz anders klingt es neuerdings aus Amerika. Dort sagte Barack Obama in seiner ersten bildungspolitischen Grundsatzrede Mitte März: «Ich appelliere heute an eine neue Generation von Amerikanern, unserem Land in unseren Schulzimmern zu dienen. Wenn Sie einen Unterschied machen möchten im Leben unserer Nation, wenn Sie das Beste aus Ihrer Hingabe und Ihren Talenten machen möchten, wenn Sie sich einen Namen machen möchten mit einem Vermächtnis, das von Dauer ist, dann werden Sie Lehrer. Amerika braucht Sie!»
Schöne Worte, gewiss. Aber es sind die richtigen Worte, nämlich der erste Schritt zu einer Aufwertung des Berufes. Denn Obama hat begriffen, dass es dazu eine Imagekorrektur braucht, einen Weckruf. Oder ganz einfach: finnische Verhältnisse. Im Lande des Pisa-Weltmeisters geniessen die Lehrer ein Ansehen wie die Ärzte. Sie verstehen sich auch als Spezialisten für die kindliche Entwicklung. An den Löhnen kann das hohe Prestige nicht liegen, denn die sind in Finnland deutlich tiefer als in der Schweiz. Hervorragend sind hingegen die Rahmenbedingungen — tiefere Unterrichtspensen und mehr Lehrpersonal pro Klasse. Entsprechend begehrt istder Beruf.
In der Schweiz wird man darauf noch lange warten müssen. Hier gibt es nur schon Ärger darüber, wer überhaupt wen wecken sollte. Denn wir haben keinen Bildungsminister im Bundeshaus, sondern nur einen Zuständigen für die Hochschulen (Pascal Couchepin, dem sowieso keiner mehr zuhört), eine Zuständige für die Berufsschulen (Doris Leuthard) und 26 Zuständige für die Volksschule (die kantonalen Bildungsdirektoren). Die EDK behauptet zwar seit Jahren, «die Stärkung des Berufsstandes der Lehrenden» zähle zu ihren «strategischen Prioritäten», doch davon hat die Öffentlichkeit bislang nichts bemerkt. Ohnehin ist die EDK durch die harzigen HarmoS-Abstimmungen gelähmt und seit dem Abgang des wortmächtigen St. Galler Bildungsdirektors Hans-Ulrich Stöckling gegen aussen mehr oder weniger sprach- und kopflos. Die Hausfrau und ehemalige Primarlehrerin Silvia Blocher ist weit präsenter in der Bildungsdebatte als Isabelle Chassot, die neue Präsidentin der EDK. Selbst wenn eine Bildungsdirektion mal Good News, nämlich Lohnerhöhungen für die Lehrerschaft zu verkünden hat wie kürzlich Regine Aeppli in Zürich, dann geschieht dies in geradezu trostloser Technokratenmanier. Kein beherztes Wort zugunsten des Berufsstandes, dessen einzelne Mitglieder mehr als alles andere über die Qualität des Unterrichts entscheiden — und damit auch über die schulischen Leistungen.
Nach einem Absturz in den Sechzigerjahren («Lehrer? Alles Linke!») ist der gesellschaftliche Ruf dieses Standes seit 1990 wieder markant am Steigen. Doch die Betreffenden mögen den Umfragen nicht recht glauben. Bei allem bewundernswerten Elan und Optimismus, mit dem Tausende von Lehrkräften täglich unterrichten, mitunter selbst nach dreissig oder vierzig Dienstjahren, es schleicht sich immer stärker das nagende Gefühl in diesem Metier ein, sie seien im Grunde die Trottel der Nation: Sind die Noten gut, liegt es am gescheiten Kind und am Support der Eltern; gibt es Probleme, sind die (faulen) Lehrer schuld. «Ich mag nicht mehr länger Abfallkübel der Gesellschaft sein», sagte ein desillusionierter Sekundarlehrer letzten Herbst im «Magazin» —und erhielt daraufhin Berge von zustimmender Post aus seinem zutiefst verunsicherten Berufsstand.
Zunehmend unattraktiv erscheint der Lehrberuf auch den Eltern: Der Anteil jener, die ihren Kindern eine Ausbildung als Lehrerin oder Lehrer empfiehlt, ist in den letzten zehn Jahren um fast ein Viertel gesunken, wie es in einer EDK-Analyse über die Zukunft des Lehrberufs heisst. Offensichtlich wirkt es abschreckend, sagt deren Ko-Autor Kurt Hofacher, «wenn die Eltern andauernd von Schulklassen hören und lesen, die wegen Drogen, Gewalt oder sexueller Übergriffe kaum noch führbar sind». Kein Wunder auch, dass gerade an Ober- und Realschulen (respektive Sek C/Sek B) der Lehrkräftemangel am grössten ist. Diese Stufen gelten unter vielen angehenden Lehrkräften bereits heute als «No-Go-Area», wie eine Studentin an der Pädagogischen Hochschule Zürich sagt.

Gesucht: Männer, Mathematiker, Migranten
Die Schweizer Schulen haben nicht nur ein Sek-C-, sondern auch ein 3-M-Problem. In den Lehrerzimmern fehlen insbesondere Männer, Mathematiker und Migranten. An den Primarschulen sind mittlerweile neun von zehn Lehrkräften Frauen, was die Männer endgültig von diesem «Frauenberuf» abschrecken könnte, wie Anton Strittmatter vom Berufsverband LCH befürchtet, «denn es ist sehr schwierig, diesen Trend wieder umzukehren». An den Oberstufen wiederum sind die Mathematiklehrer mittlerweile so rar, dass «wir schlicht jeden von der Strasse holen müssen und auch solche Leute als Mathe-Lehrer ausbilden, die von ihrer Persönlichkeit her völlig ungeeignet sind», wie die ETH-Lernforscherin Elsbeth Stern kürzlich an einer Podiumsdiskussion freimütig erklärte. Ebenso dringend in diesem Metier gefragt wären mehr Migrantensöhne und -töchter, weil gerade sie ein so dringend nötiges (männliches) Vorbild für die Klassen mit einem hohen Ausländeranteil abgeben könnten. Doch von löblichen Ausnahmen abgesehen, verschläft die Schweiz, was in Deutschland seit Jahren mit Erfolg praktiziert wird: Schulkinder aus Migrantenfamilien werden gezielt für den Lehrberuf angeworben.
Die Attraktivität des Lehrberufs unterlag schon immer den Konjunkturzyklen der Wirtschaft. Läuft diese gut, beschleunigt sich die Abwanderung aus den Schulen (von den Männern sehr viel mehr als von den Frauen), weil in der Privatwirtschaft mehr Geld und Karrieren locken. Jetzt, in der grossen Krise, ist alles umgekehrt. «Alle wollen Lehrer werden!», titelte «20 Minuten» im Januar, und die Zeitung «Sonntag» trieb prompt eine Reihe von Bankern auf, die nun zurück in die Schulzimmer kehren. Offenbar ist der Staat als Arbeitgeber wieder gefragt, auch wenn der Beamtenstatus für Lehrer längstens abgeschafft ist.
Doch die entscheidende Frage bleibt: Kommen damit auch die Richtigen? Oder füllen sich die Lehrerzimmer in den Krisenjahren mit Leuten, die im Grunde nie dorthin wollten und nun halt bleiben, weil sie nichts «Besseres» mehr kriegen?
Was eine gute Lehrperson ausmacht, darüber sind schon halbe Bibliotheken geschrieben worden; der Zürcher Pädagogik-Professor Jürgen Oelkers, selber Autor diverser einschlägiger Studien, formuliert es so: «Man muss sich auf sehr heterogene Situationen einstellen, sein Repertoire ständig anpassen können und selber folglich unglaublich lernfähig sein. Dann muss man die kraftzehrende Balance zwischen Fordern und Fördern aushalten. Und man muss sich für Kinder interessieren, was keineswegs so trivial ist, wie es klingt. Ein guter Lehrer hat zudem begriffen, dass die alte Perspektive ‹Ich und meine Klasse› ausgedient hat und die Schule mehr ist als Unterrichten, nämlich eine politische Institution und sein Beruf ein öffentliches Amt.»
Das ist viel verlangt. Mehr als je zuvor. Aber auch zu Recht, wie so ziemlich alle Bildungsexperten beteuern, denn die Ansprüche an den Lehrberuf sind von allen Seiten her enorm gestiegen. Wer ihnen genügen will, braucht zunächst mal einen robusten Charakter. Der Potsdamer Psychologe Uwe Schaarschmidt, der hierzu 20 000 deutsche Lehrkräfte befragt hat, ist zu folgendem Schluss gelangt: Die besten Erfolgschancen in diesem Beruf hat, wer engagiert ist, aber nicht pedantisch-perfektionistisch; wer ausgeglichen und optimistisch ist, aber auch widerstandsfähig gegenüber Alltagsstress.

Wie es die Finnen machen
Die richtige Persönlichkeit ist das eine, die Ausbildung das andere. Zu Letzterem sagt Anton Strittmatter vom Lehrerverband: «Man muss aufräumen mit der Stammtischvorstellung, ein bisschen mit Kindern zu arbeiten, sei eine Art gehobener Pfadiführerjob, für den es keine Matura und erst recht kein Studium brauche.» Eine bessere Ausbildung, unterstreicht auch Lehrer-Präsident Zemp, fördere nicht nur die Unterrichtsqualität, sondern ebenso das Berufsprestige. Auch in dieser Hinsicht wird allseits auf Finnland verwiesen. Dort absolviert jede angehende Lehrperson eine fünfjährige Universitätsausbildung. Die grösste Hürde steht dort am Eingang. Zur Aufnahmeprüfung gehören auch eine Eignungsabklärung und ein halbjähriges Schulpraktikum vor Studienbeginn. In Finnland werden neun von zehn Anwärtern für eine Lehrerausbildung abgelehnt. Es wird gesiebt wie in Harvard, und wer es schafft, darf sich mit Fug zu den Besten zählen. Diese besten zehn Prozent empfinden ihren künftigen Beruf denn auch nicht als Verlegenheitslösung, sondern als erste Wahl.
So, sagen Lehrerverband wie Bildungsdirektoren, sollte es auch in der Schweiz sein.
Schön. Doch gerade an den Pädagogischen Hochschulen, wo die zentralen Weichen für den Beruf gestellt werden, ist die Stimmung schlecht bis miserabel. Das liegt insbesondere an der totalen Umkrempelung der Lehrerbildung, welche in den Neunzigerjahren von der EDK beschlossen wurde und noch lange nicht verdaut ist. Damals hatten die Erziehungsdirektoren noch nicht Finnland vor Augen, sondern Bologna und die dort beschlossene EU-Bildungsreform. Das Ziel hiess: eine Hochschulausbildung für die Lehrkräfte auf möglichst allen Stufen. Die Folge war nichts weniger als eine Revolution, die das Ende der bisherigen kantonalen Lehrerseminare bedeutete. Diese kleinen, mehrheitlich von Praktikern dominierten Königreiche wurden nun geschleift und zu vierzehn Pädagogischen Hochschulen (PH) fusioniert. Allein die grösste des Landes in Zürich zählt 1700 Studierende und besteht seit 2002 aus acht ehemaligen Seminarien.

Das Klima ist vergiftet
Die Opfer dieser Revolution waren vor allem altgediente, begabte Praktiker, welche dem Nachwuchs die Kniffe des Unterrichtens beibrachten — im Nebenamt, doch sehr praxisnah. Das ist nicht mehr zulässig. Als Nichtakademiker wurden sie reihenweise entlassen und durch junge Wissenschaftler ersetzt, welche zwar tolle akademische Diplome haben, aber wenig bis gar keine praktische Schulerfahrung.
Diese Umwälzung hat das Klima nachhaltig vergiftet, namentlich an den Hochschulen in Zürich und Bern. Beklagt werden der «Massenbetrieb», die «Verantwortungslosigkeit gegenüber den Studierenden», die «inflationäre Vergabe von geschenkten Professorentiteln», «universitäre Schnoddrigkeit», «totale Hierarchisierung», die «undurchsichtigen Entscheidungsstrukturen», «fehlende Diskussionskultur» — und «ein erschreckendes Angstklima», weshalb auch keiner der internen Hochschulkritiker mit seinem Namen dazu stehen will. Sie fürchten, offene Kritik würde sie die Stelle kosten.
In den letzten Monaten sind allerdings auch die Stimmen der externen Kritiker deutlich lauter geworden, etwa was die Neigung mancher Dozenten betrifft, sich lieber auf den Prestige versprechenden akademischen Diskurs mit Hochschulen im Ausland zu kaprizieren, anstatt sich um die vielen praktischen Sorgen der Studierenden zu kümmern. Anton Strittmatter, Leiter der pädagogischen Arbeitsstelle beim Lehrerverband LCH, spricht von einem «akademischen Eitelkeitswettbewerb» an den PHs und meint resigniert, der Zürcher Uni-Professor Lucien Criblez habe «leider recht bekommen mit seiner Feststellung, an den PHs werde Mickey-Mouse-Forschung betrieben». Der Jugendpsychologe Allan Guggenbühl, obwohl selber Dozent an der PH Zürich, stört sich ebenfalls an der «Abgehobenheit insbesondere der Erziehungswissenschaftler, die sich vor allem für Theorien anstatt für Kinder und Jugendliche interessieren und zu grossen Einfluss auf die Bildungsdirektionen haben». Guggenbühls Fazit: «Die Akademisierung der Lehrerbildung droht zu scheitern.» In die gleiche Richtung zielt die Kritik des Kinderarztes Remo Largo. Für ihn wurde mit der umgekrempelten Lehrerausbildung das Fach über das Kind gesetzt — mit der Folge, dass auch an Primarschulen immer häufiger fünf oder sechs Fachlehrkräfte eine Klasse unterrichten, «was Lehrer wie Kinder beziehungsmässig überfordert».
Auch die Politik entdeckt langsam die Pädagogischen Hochschulen. Als Erste hat, einmal mehr, die SVP die Brisanz des Themas erkannt und verlangt eine «Stärkung des Klassenlehrers». Grundsätzlicher wird die SP-Bildungspolitikerin und Buchautorin («Schule mit Zukunft») Jacqueline Fehr: «Mir ist unklar, was für ein pädagogisches Konzept und welche grundlegenden Werte man an den Pädagogischen Hochschulen überhaupt vertritt. Offensichtlich ist man dort genauso verunsichert wie die Lehrerschaft selber. Doch umso wichtiger wäre, wenn die Verantwortlichen mehr Mut hätten und die Auseinandersetzung suchen würden.»
Walter Bircher zählt zu jenen, die damit gemeint sind, und der Rektor der Pädagogischen Hochschule Zürich tut sich offensichtlich schwer mit den zunehmend schärferen Attacken auf sein Institut. «Auch ich frage mich seit Jahren, wie man die richtigen Leute in diesen Beruf bringt, doch als Rektor kann ich das nicht steuern.» Gleichwohl versuche seine Institution ihr Bestes, versichert er im Gespräch. Sie wolle nichts anderes, als «engagierte, kompetente, durchaus theoriebewusste, aber ebenso praxisfähige, also beziehungs- und teamorientierte Junglehrkräfte» in die Schulhäuser des Landes schicken; Leute, «die Veränderungen in ihrem Beruf nicht als Belastung betrachten, sondern als Tatsache damit umgehen und sich auch davon abzugrenzen wissen, was nicht zu ihren Aufgaben gehört.» Kurz: Bircher hält die Kritik für falsch. Doch Untersuchungen über die Wirksamkeit der Ausbildung kann der Rektor keine präsentieren. Man zählt zwar jede Kuh in der Schweiz, doch Zahlen über den Verbleib von Lehrern in ihrem Beruf gibt es nicht. Wer sich unter den Studierenden umhört, braucht hingegen nicht lange nach kritischen Tönen zu suchen. Der Tenor: zu viel sinnlose Theorie. «Viele Dozenten und Dozentinnen sprachen über hoch akademische Schulthematiken und Bildungstheorien. Doch das wirkliche Handwerk im Lehrerberuf musste ich mir irgendwie aus den Fingern saugen. Die Schulung der Praxis ging bei der Neukonzeption im Meer der Theorien wohl unter», sagt zum Beispiel der PHZH-Abgänger Manuel Clausen und spricht für viele.
Neu ist der Vorwurf der Praxisferne nicht. Bereits 1978 kritisierte ein junger Zürcher Kantonsrat namens Christoph Blocher die «Verintellektualisierung» der Lehrerbildung. Doch mit der Akademisierung der Ausbildung ist diese Klage noch lauter geworden. Selbst einzelne Dozenten machen im vertraulichen Gespräch grosse Fragezeichen hinter den Akademisierungsschub der letzten Jahre: «Metzger bilden Metzger aus, Schreiner bilden Schreiner aus. Kein Metzger würde einem Lehrling das Zerlegen einer Sau erklären, wenn er das Handwerk nur aus einem anatomischen Atlas kennen würde. Man nähme es ihm nicht ab. Bei uns hingegen bilden sogenannte Erziehungswissenschaftler künftige Lehrer aus. Diese Leute haben ein Legitimationsproblem.» Der besagte Dozent, Lehrer mit langjähriger Berufserfahrung, hat ein Doktorat nachgeholt, weil er dazu gedrängt wurde. «Das bestärkt zwar das eigene Prestige, doch ist man deshalb wirklich auch ein besserer Dozent?» Wie die anderen Kritiker ist auch er für eine bessere Ausbildung. Die Frage ist bloss: Worin besteht sie? Wie viel Theorie ist nötig und wie viel Praxis? Und wie lassen sie sich verknüpfen, damit die Theorie nicht totes Wissen bleibt? Dass es bei dieser Verlinkung des Öftern hapert, räumt auch Rektor Bircher ein. «Das Problem ist erkannt — eine Folge der rasant gewachsenen Hochschule. Wir wollen die Zusammenarbeit mit der Praxis verstärken, und deshalb schicken wir unter anderem Dozierende zur Auffrischung der Unterrichtspraxis in Schulklassen.» Doch bis diese Korrektur wirkt, wird sich noch so manche Studentin verloren fühlen, weil sie «zwar täglich hört, wie wichtig ein individualisierender Unterricht ist, ich aber trotzdem nicht weiss, was das konkret für meine Arbeit heisst», wie eine erzählt, die diesen Sommer in Zürich abschliessen wird.

Lieber nicht zu akademisch
Der Spagat zwischen Theorie und Praxis ist auch deshalb schmerzhafter geworden, weil die Pädagogischen Hochschulen vom Bund zwar den Auftrag zu einer akademischen Lehrerbildung haben — doch mit einer Studentenschaft, die mit Wissenschaft wenig anfangen kann. Der Bildungsforscher Stefan Denzler hat belegt, dass die Mehrheit diese Ausbildung wählt, weil sie eben gerade nicht ein anspruchsvolles wissenschaftliches Studium machen will. Man sucht eine kurze, praxisnahe, nicht allzu fordernde Ausbildung.
Wie für eine Pädagogische Hochschule braucht es zwar eine gymnasiale Matura — aber nur «in der Regel». Und die wird immer häufiger geritzt. Weil diese Hochschulen vom Bund pro Kopf subventioniert werden, kämpfen vor allem die Kleinen folglich um jeden Kopf und betreiben im Überlebenskampf gegen die Grossen «Dumping» bei den Eintrittsanforderungen, wie es Anton Strittmatter nennt. Er kennt PHs, wo weniger als die Hälfte der Studierenden eine gymnasiale Matura gemacht hat. Von den Gymnasiasten, die an eine PH wechseln, hat jeder Zweite eine ungenügende Matura-Note in Mathematik. Auch die Deutschkenntnisse sind so fragil, dass zumindest die PH Zürich alle Studierenden am Ende des ersten Jahres zum Deutschtest aufbietet. In Deutschland ist es nicht besser, weshalb die «Bild»-Zeitung kürzlich auf der Frontseite titelte: «Wer ein schlechtes Abitur hat, wird Lehrer!».
Nun brauchen Matura-Bestnoten noch lange keine Garantie für eine grandiose pädagogische Karriere zu sein. Doch sicher ist, dass die Schweiz noch weit entfernt von Finnland ist. Unsere PHs akzeptieren nicht eine von zehn Bewerbungen, sondern mindestens acht von zehn. Wir nehmen nicht die Besten, sondern die meisten. Es kommt, wen man gerade kriegt, und das bekommt der Qualität nicht.
An einem einzigen Ort ist die Warteschlange ähnlich gross und die Aufnahmequote klein wie in Finnland: beim Institut Unterstrass in Zürich (das der PHZH angegliedert, aber weitgehend selbstständig geblieben ist). Dieses bietet absichtlich nur jährlich vierzig Plätze in der Lehrerausbildung an, setzt konsequent auf Kleinheit, Individualität und engen Praxisbezug. Und es pocht bei seinen Eignungstests vor allem auf Praxiserfahrung mit Kindern. Solche Tests gibt es zwar an allen Pädagogischen Hochschulen, seltsamerweise jedoch nur für die Abgänger von Fach- und Berufsmittelschulen. Wer ein gymnasiales Matura-Zeugnis vorweisen kann, ist hingegen automatisch zugangsberechtigt. «Kunsthochschulen zum Beispiel können ungeeignete Bewerber ablehnen, wir hingegen müssen jeden Psychopathen aufnehmen, sofern er das Gymnasium bestanden hat», ärgert sich ein PH-Dozent. In Zürich scheiden zwar acht Prozent bis zum Ende des ersten Jahres wegen fehlender Eignung wieder mehr oder weniger freiwillig aus. Doch an anderen Hochschulen tendiert diese Quote gegen null; nicht weil man von der Güte aller Studierenden überzeugt wäre, sondern weil man mühselige Rekurse und den Verlust von Subventionen scheut.
Gegen 2000 Personen schliessen jährlich eine Pädagogische Hochschule ab, doch ganze dreissig Prozent, so die Schätzung von Lehrer-Präsident Zemp, geben gar nie Unterricht oder steigen nach kurzer Zeit wieder aus. Wie lässt sich das verhindern? Was macht den Beruf in Zukunft attraktiver? Mehr Lohn? Kaum. Umfragen zeigen, dass sich die Schweizer Lehrer nicht an der Höhe des Lohnes stören, sondern daran, dass ihnen die Politik immer mehr Aufgaben zumutet, aber nicht einmal den Teuerungsausgleich gewährt. Es geht nicht um ein paar Franken mehr, sondern um das Signal: Die Wertschätzung fehlt.
Dann also Leistungslöhne? Solche will etwa die Thurgauer Regierung ab 2011 einführen. Auch der Kanton Zürich will weg vom alten Modell, bei dem der Lohn automatisch mit dem Dienstalter stieg — völlig unbesehen von der Leistung. Doch diese genau zu messen und gerecht zu entlöhnen, ist «mit sehr grossem Aufwand» verbunden, wie der Zürcher Bildungsforscher Urs Moser sagt. Er ist skeptisch gegenüber Leistungslöhnen und hält andere Faktoren für dringlicher, zum Beispiel die beruflichen Perspektiven. Es braucht Aufstiegsmöglichkeiten, zum Beispiel als Schulleiter, aber auch «horizontale Laufbahnperspektiven», wie es die Experten nennen, also etwa von der Unterstufenlehrerin zur Heilpädagogin. Denn auch geborene Lehrer werden künftig nicht mehr vierzig Jahre lang vor derselben Wandtafel unterrichten, sondern sie wollen sich weiterentwickeln. Nur leistungsgerecht wäre allerdings, wenn die Weiterbildung auch konsequent mehr Lohn bedeuten würde.
Für mindestens so attraktivitätsfördernd hält Urs Moser mehr Transparenz, Autonomie und Verantwortung. Die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei. Es braucht offene Schulzimmer und Leistungsvergleiche, sagt der Bildungsforscher, denn nur so offenbaren sich auch die Schwachstellen. Schulen und Lehrkräfte brauchen mehr Gestaltungsfreiheit. Sie, die ihre Kinder kennen, sollen mehr zu sagen und nicht nur auszubaden haben, was fernab der Praxis beschlossen wurde. Denn nichts demotiviert mehr als das Gefühl des Übergangenwerdens wie bei der chaotischen Einführung von Frühenglisch, das gegen verbreitete Bedenken an der Basis politisch durchgedrückt wurde.
Der Schlüssel dazu liegt in den Händen der Schulleitungen — sofern die politischen Behörden bereit sind, einen Teil ihrer Macht abzugeben. Werden die Schulleitungen autonomer, was der eingangs erwähnte Bericht über die Zukunft des Lehrberufes dringend empfiehlt, dann bestimmen sie fortan selber, wer an ihren Schulen unterrichtet. Das bedeutet, dass neue Lehrkräfte aktiver rekrutiert werden und bisherige notfalls rascher entlassen. Mit mehr Lohn darf man die Guten (vorderhand) nicht locken. Doch es gibt andere, mindestens so wirksame Argumente: zum Beispiel ein gutes Klima im Lehrerkollegium. Oder kleine Klassen, in denen sich besser arbeiten lässt. Oder eine innovative pädagogische Ausrichtung.
Noch sind Abwerbungen verpönt, doch diese Hemmungen werden sinken, je grösser der Lehrermangel wird und je härter der schulische Standortwettbewerb unter den Gemeinden. So dürfte mittelfristig doch entstehen, was es bislang noch kaum gab: ein Markt für (gute) Lehrkräfte. Er würde den Schulen gut tun.

Die Diskussion

15 Reaktionen

  1. Hermann Berger

    Wozu sollen sich die Schulbehörden, resp. die Schulen Mühe geben, die besten Lehrer zu finden und an sich zu binden? Die Schüler werden ja zwangsweise der jeweilige Schule zugewiesen, die die Wohngemeinde anbietet. Von daher sind die “Kunden” vorhanden, ob das Angebot jetzt besser oder schlechter ist. Also braucht es dringend Konkurrenz zwischen den einzelnen Schulen. Das bedeutet, dass die freie Schulwahl dringend gefordert ist. Eine echte Wahlmöglichkeit hat man aber nur, wenn man es sich entweder finanziell leisten kann oder wenn – und das muss das absolute Ziel sein – die Bedingungen geschaffen werden, dass sich das auch Normalverdienende Eltern leisten können. Wenn dann der “Geschäftserfolg” der Schulen davon abhängt, dass möglichts viele “Kunden” an der jeweiligen Schule eingeschrieben werden, dann wird es sich dann auch lohnen, das Angebot so gut wie möglich zu gestalten. Und die Qualität einer Schule hängt in erster Linie von der Qualität der Lehrer ab. Der Druck der Schulen, gute (was immer das heissen mag) Lehrer zur Verfügung zu haben, würde von diesen an die PHs weitergegeben und diese währen dann gezwungen, die Lehrer bedürfnisgerecht (was immer das heissen mag) und praxisnah auszubilden.
    Das wird ein langer Weg werden. Meine Kinder (1. Klasse und 6. Klasse) werden es wohl nicht mehr erleben. Aus dem aktuellen Bildungs-Desaster, ja man kann, muss es sogar Katastrophe nennen, sollte man aber die Lehre ziehen (wieder einmal), dass Revolutionen meistens keine Verbesserungen sondern sehr oft nur Aenderungen und zu oft Verschlechterungen bringen. Statt auf Revolution muss im Bildungsbereich endlich auf Evolution gesetzt werden.

  2. Nick Achermann

    Es ist schlimm, dass sich die Dinge wiederholen… Was in Deutschland schon vor 30 Jahren geschah, das widerfährt nun auch der Schweiz. Der “Absturz” der Lehrerschaft ist vor allem ein politisches Problem. Lehrer hatten immer nur in diktatorischen Systemen eine Lobby oder eben in ideologischen Kontexten. Dass es Lehrer braucht für den Fortbestand einer Gesellschaft ist nicht wahrer, als dass es überhaupt Kinder und Nachkommen braucht. Eine Gesellschaft,die nur dem wirtschaftlichen “Wachstum” hinterherhetzt und dabei zugleich das Wachstum der eigenen Nachkommenschaft vergessen hat, ist krank. Mehr als krank.
    Wenn ich die Anzahl der Artikel, die sich als scheinbar lohnende Fortsetzungsgeschichten immer wieder mit den Bankern, dem Bankgeheimnis, einem deutschen Verbal-Rambo usw usw beschäftigen, einmal vergleiche mit der Anzahl der Artikel, die sich mit den eigentlichen Überlebensproblemen der schweizer Gesellschaft befassen, dann wird mir ehrlich gesagt schlecht.
    Einzig, dass angesichts dieses Ungleichgewichts Herr Beglinger einen solch ausführlichen und fundierten Artikel wagt, gibt noch ein wenig Hoffnung zurück. HOffnung, die sonst schon längst gestorben ist….

  3. Martin Willi

    Der Artikel trägt zusammen was schon bekannt ist und endet hilflos.
    Der LehrerInnenberuf krankt an
    - fragwürdigen Anwärtern auf den Beruf
    - mangelndem Prestige
    - mangelnden Entwicklungsmöglichkeiten
    - mangelnder Ausbildung (insbes. Theorie Praxisbezug) und Auswahl der Studentenschaft
    - zu wenig Männer, Migranten
    Die Frage im Lead des Artikels lautet: Wie werden Schulen besser? Die Antwort: Dank guter Lehrer (wohlverstanden im Maskulin).
    Was eine gute Lehrperson auszeichnet ist erkannt (Zitat Oelkers, Schaarschmidt)
    Was eine gute Schule auszeichnet auch.
    Da anscheinend auf keiner Ebene gehandelt wird (S. 31 2. Spalte …wer wen wecken sollte.) soll es nun die Schulleitung nach Prinzipien des freien Marktes richten?
    Die guten LehrerInnen werden sich die einzelnen Schulen abwerben. Die schlechten werden dank Leistungsvergleichen möglichst rasch entlassen und durch Lehrermangel ersetzt.
    Das kann ja wohl nicht sein. Die im Artikel angesprochenen Probleme bedürfen einer Lösung! Man sollte daher die guten Lehrpersonen besser in die Lösungsprozesse an den einzelnen Schwachstellen (Ausbildung, Politik, Medien) einbeziehen, als sie ein bisschen am freien Markt teilhaben zu lassen.
    Was es wirklich braucht:
    Das Bekenntnis zur Volksschule. (Privatschulen sind möglich, nicht mehr)
    Die Erkenntnis, dass Schule keine gesellschaftlichen Probleme löst.
    Die Erkenntnis, dass die Abfallkübelmentalität zwar zu finden ist, dass die meisten LehrerInnen aber kreative Wege finden, den zur Zeit widrigen Umständen im Beruf zu trotzen. Und dies häufig auch mit dem notwendigen Berufsstolz.
    Die Erkenntnis, dass die PraktikerInnen wirklich etwas zu sagen haben. Nur fragen muss man sie.
    Medien, die im Sinne einer obamaschen Kampagne Positives über Schule und LehrerInnenberuf verbreiten.
    Und schon bekanntes: kleinere Klassen, Abschaffung Zweitsprache auf Primarstufe, langfristige Planungen, zeitliche Ressourcen sich mit Entwicklungs- und Veränderungsprozessen wirklich auseinandersetzen zu können.
    Und nochmals an alle Berichterstatter über Schule: Bitte mehr von „I have a Dream“ gemischt mit „Yes we can“. Sucht die LehrerInnen. Ihr werdet sie finden.

  4. Sammy Frey

    Nur ganz kurz zum 3-M-PROBLEM: Was viele Mathematiker (Phil IIer) verscheucht hat, war die Forderung der PHZH ab 2002, dass jedeR StudentIn entweder das Proficiency oder das DALF (Französisch-Diplom) machen musste ungeachtet seiner fachlichen Ausrichtung. Immer noch arbeitet ein Grossteil der PH-Abgänger für 80% Lohn, weil sie neben dem Schulegeben auch noch das (anspruchvollste) Sprachdiplom machen müssten. Soviel zur prestige-behafteten Akademisierung der Ausbildung. Das, lieber Herr Bircher, hätte sich steuren lassen! Diese Leute fehlen nun.

  5. Kurtheiri Kubli

    Zitat Hermann Berger: Statt auf Revolution muss im Bildungsbereich endlich auf Evolution gesetzt werden.

    Verfolgen Sie das schulische Diskussionsforum “Kindgerechte Schule”, worin Thesen von Remo Largo, Allan Guggenbühl und zwei weiteren Schulfachleuten diskutiert werden. (www.kindgerechte-schule.ch)
    In diesem Forum findet Evolution statt. Leute von der Basis sowohl der Schul- als auch der Elternseite machen sich hier Gedanken und streben Lösungen an.

  6. Peter Klaus Affolter

    Auf den Punkt gebracht:
    „Metzger bilden Metzger aus, Schreiner bilden Schreiner aus….“.
    Bergführer demonstrieren und üben Seilknoten, sie lassen ihre Schüler nicht ungesichert in eine Wand einsteigen und …abstürzen. Und was machen sogenannte „wissenschaftliche Pädagogiker“ mit jungen, motivierten Studierenden, die gute Lehrer/-Innen werden möchten ?
    Sie führen unerträglich endlose Diskurse, machen Selbst-Reflexionen, Präsentationen und Publikationen, und beschäftigen sich vor allem mit ihren Status-, Professionen- und Evaluationsproblemen.
    Dem pseudowissenschaftlichen Niveau-Schwulst, dem Prestige-Unfug und „Mickemouse-Forschungen“ (welche notabene mit Steuergeldern finanziert werden) muss ein Ende gemacht werden. Selbstreferenzierenden Bildungsinstitutionen sind Leitplanken zu setzen: betroffene Studierende, Steuerzahler, qualitätsbewusste Bildungs-Fachleute und wache, weitsichtige Politiker wehrt euch!

    Peter Klaus

  7. Olaf Schlied

    Martin Beglingers Texte sprechen mir oft aus der Seele.
    Wenn ich hier Ausschnitte zitiere, soll das nicht als Kritik gelten.

    Zitat aus dem Text
    …Ein guter Lehrer hat zudem begriffen, dass die alte Perspektive ‹Ich und meine Klasse› ausgedient hat und die Schule mehr ist als Unterrichten…

    Das war sie schon immer, auch unter der alten Perspektive.

    Zitat 2 aus dem Text
    …doch eher früher als später endet jede Diskussion mit der Einsicht, dass eine gute Schule vor allem eines braucht: gute Lehrkräfte. Stehen die Falschen vor den Kindern, nützen die besten Strukturen nichts…

    Also doch die Person vor der Klasse!

    Vielleicht war die Schule doch nicht so schlecht, bevor alle alles verändern wollten.
    Die Schule und ihr Umfeld war nicht schlecht, sondern ist schlechter geworden.
    Da hilft das ganze Gerede um geleitete Schulen nichts. Damit ist keine Schule besser geworden. Was aber dabei verloren gegangen ist, ist das “persönliche” Engagement für die Schule, da ja vieles nun fremd”geleitet” ist.
    Das ist mein Fazit aus über 30 Jahren Schule und nun frühzeitiger Pensionierung.

  8. Profile Pic
    Bastian Stalder

    Anzahl “Zürich” im Text: 11
    Anzahl “Bern” im Text: 1

    Andere Kantone werden gar nicht erwähnt. Schwach.

  9. Olaf Schlied

    Das kann man ja auch anders interpretieren ;-)
    Stark!

  10. Profile Pic
    Bastian Stalder

    Ich studiere an der PHBern und würde gerne ab Sommer 2009 ein Teilpensum an der Sekundarstufe 1 im Raum Bern antreten. Ich belege Deutsch, Mathematik und Informatik.

    Anders als der Artikel suggeriert, gestaltet sich die Stellensuche schwierig und harzig. Schulen dürfen sich gerne bei mir melden: bastian@bastianstalder.ch

    ;-)

  11. Juerg Lenzi

    Basiert der berechtigte Vorwurf der Praxisferne nicht zuletzt auch auf der Erkenntnis, dass Bildung in ihrem Kernauftrag – genau wie andere, auf individueller Beziehungsarbeit basierende Berufe (Gesundheit, Pflege, Soziales, Künste) – eben gerade nicht ‚benchmarking-tauglich’ organisiert werden kann?

    Bereits 1986 hat ja der Soziologe und Systemanalytiker Niklas Luhmann in seiner ‚Ökologischen Kommunikation’ auf den Widerspruch des gesellschaftspolitischen Auftrages an die Schule hingewiesen, wonach eine der ganzheitlichen Bildung verpflichtete Schule bei gleichzeitiger Vorgabe einer karriereorientierten Leistungsmessung und Selektion die Lehrkräfte in ein unlösbares Dilemma drängen. Doch unsere Politiker – vom Zeitgeist der Ökonomen dazu gedrängt – schwören bis heute in fast allen Bereichen auf betriebswirtschaftlich messbare Kriterien um ihren ‚Erfolg’ statistisch auszuweisen. Die neuste Hirnforschung bestätigt ja nur, was der gesunde Menschenverstand schon längst erahnte und intuitiv erfasste und die Lehrkräfte beflügelt (vgl. u.a. Neurobiologe und Mo-tivationsforscher Joachim Bauer „Prinzip Menschlichkeit“ Warum wir von Natur aus kooperieren 2006 sowie „Lob der Schule“ über gelingende Beziehungen mit 7 Perspektiven für Schüler, Lehrer und Eltern 2007). Wann werden wir uns endlich von den wider-sprüchlichen Systemzwängen befreien und uns wieder auf den Kernauftrag echter Bildung konzentrieren und so unsere Gesellschaft stärken?

  12. Marcel Schneeberger

    Mich interessiert, wie die Situation an den Mittel- und Berufsschulen aussieht – weiss da jemand mehr?

  13. Johanna Loetscher

    Hanni Lötscher
    Präsidentin MMO PHZ Luzern
    Töpferstr. 10
    6004 Luzern

    hanni.loetscher@phz.ch

    Stellungnahme des Vorstands der Mitarbeiterinnen- und Mitarbeiterorganisation der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz Luzern zum Artikel „Werdet Lehrer“ vom 25. April 2009

    Der Artikel enthält zahlreiche Fehlannahmen zur Ausbildung von Lehrpersonen an Pädagogischen Hochschulen.

    Die Ausbildung zum Lehrberuf an Pädagogischen Hochschulen verlangt nach EDK-Vorgaben einen Praxisausbildungsanteil von 20-30%. Dies bedeutet gegenüber den früheren Ausbildungen an Lehrerseminarien und Universitäten mehr als eine Verdoppelung der praktischen Ausbildungszeit.

    Ein Hochschulabschluss ist für Dozierende an Pädagogischen Hochschulen grundsätzlich obligatorisch. Die grosse Mehrheit unserer Dozierenden hat zudem eine Ausbildung als Volksschullehrperson absolviert und danach während Jahren im Kindergarten, in der Primar- oder Sekundarschule unterrichtet. Sie kennen also das Praxisfeld und die Zielstufen von innen und aussen.

    Lehrpersonen handeln in komplexen Situationen, müssen unterschiedliche Ansprüche erkennen, verschiedene Ebenen und Perspektiven berücksichtigen und wissenschaftlich fundierte Entscheidungen treffen. Den Aufbau des erforderlichen differenzierten fachlichen, didaktischen und pädagogischen Wissens und der entsprechenden methodischen Kompetenzen könnte eine rein praktische Ausbildung in keiner Weise leisten. Mit dem Schimpfwort „Verakademisierung“ werden der Wissenschaftsbezug und das wissenschaftliche Ethos in der Lehrerbildung negiert, und es wird unterstellt, dass akademisch gebildete Menschen mit Kindern und Jugendlichen nicht umgehen können. Wer dies behauptet, weiss es nicht besser – oder will es nicht besser wissen.

    An den Pädagogischen Hochschulen wurde in den vergangenen Jahren viel Aufbauarbeit geleistet. Auch wenn uns klar ist, dass Bestehendes beständig weiterentwickelt werden muss, sind wir grundsätzlich überzeugt von unserem Ausbildungskonzept, das aus einer engen Verschränkung von theoretischer und praktischer Ausbildung besteht. Wir erteilen gerne weitere Auskünfte.

    info@mmo.luzern.phz.ch

    Vorstand MMO der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz Luzern

    Corina Hodel, Reinhard Hölzl, Albert Lötscher, Hanni Lötscher,
    Kurt Messmer, Angelina Rychener, André Sersa, Thomas Zschaber

  14. Peter Klaus Affolter

    Akademisierung-Wissenschaftlichkeit-Niveau-Status und Qualität

    Gegen ein q u a l i t a t i v anspruchsvolles akademisches Niveau und wissenschaftliche Fundierung des Lehrerstudiums wäre nichts einzuwenden, wenn dadurch Bildungsinhalte in grösseren Zusammenhängen sinnvoll und nachvollziehbar vernetzt würden und dadurch das feu sacré für die faszinierenden Lehrerberufe angefacht werden könnte.
    Fatal ist es jedoch, wenn nicht nachhaltig wirkender „nur-Prüfungs-Niveau-Firnis“ gemäss einigen Bologna-Vorgaben und aufgeblasene, eloquent referierte Theorien einen überragenden Stellenwert einnehmen und dadurch ein “höherer” Berufs-Status erwartet wird.
    Es ist erschreckend, in Bewerbungsgesprächen mit jüngeren Master- und Bachelorabsolventen verschiedenster Disziplinen festzustellen, welch elementare und wichtige Erkenntnisse oft weder richtig begriffen noch verstanden wurden, was aber meist nicht im Unvermögen der Studienabsolventen, sondern in abgehobenen oder verfahrenen Bildungskonzepten liegt.

    In Luzern sind gemäss der Stellungnahme des Vorstandes MMO offenbar begreifbare Theorien ausgewogen gepaart mit der Lehr-Praxis, hoffentlich !

  15. Reto Müllers (SP, Langenthal) Replik auf den Uertner « beiz 2.0

    [...] Reto Müller ist Reallehrer: einer der anerkanntenmassen schwierigsten Jobs im derzeitigen [...]

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