Werner Spitteler, 66

Werner Spitteler, 66, Alt-SVP-Regierungsrat aus Baselland, ist nach Tansania ausgewandert. Er glaubt an die Wunderkraft der Artemisia-Pflanze

11.05.2007 von Markus Rohner

Ich bin vor zwölf Jahren nach Afrika ausgewandert. Kein Kontinent, der uns Schweizer als Erster anzieht. Wer will schon in einer Umgebung von Armut und Elend seinen Lebensabend verbringen? Ich habe in Tansania eine neue Lebensaufgabe und eine neue Frau gefunden. Beide nehmen mich Tag für Tag in Anspruch, und ich werde zusehends glücklicher dabei.

In den Bergen von Kipengere, unweit des Lake Nyasa, pflanze ich die Artemisia an, eine alte Pflanze, die über wahre Wunderkräfte verfügt. Sie stärkt das Immunsystem des Menschen und ist in Afrika zu einem beliebten Anti-Malariamittel geworden. Wenn ich am Morgen beim Aufstehen ein paar Uwemba-Pastillen im Mund zerkaue, weiss ich, dass ich meinem Körper wertvolle Mineralien zuführe. Selbstverständlich hat die Pharmaindustrie keine Freude an diesem Heilmittel der Natur. Die will lieber ihre überteuerten Medikamente verkaufen. Auch die meisten ärzte und Wissenschaftler reagieren skeptisch bis ablehnend, wenn sie auf meine Pastillen angesprochen werden. Was versteht denn dieser Bauer davon? Dabei kommt echtes Wissen immer aus der Erfahrung, und die kann man an keiner Schule oder Universität lernen.

Vielleicht war es das Schicksal, eine glückliche Fügung oder eine höhere Macht, die mich 1995 hierhergeführt hat. Nach zwölf Jahren in der Baselbieter Regierung suchte ich eine neue Herausforderung. Die Tropen haben mich immer magisch angezogen. Dort staunte ich, wie fruchtbar die Böden sind und wie schnell die Pflanzen wachsen. In Tansania kehrte ich zu meinem alten Beruf zurück. Statt Schweine sind es jetzt Heilpflanzen, die mich vom Morgen bis am Abend auf Trab halten. Wir Bauern müssen wieder lernen, mehr auf die Natur zu hören und Nahrungsmittel herstellen, die dem Menschen in erster Linie Nutzen bringen. Das ist heute leider keine Selbstverständlichkeit mehr. Hypokrates hat einmal gesagt: Eure Nahrung soll eure Medizin sein.

Meine tägliche Arbeit findet nicht nur auf dem Feld statt. Ich bin auch damit beschäftigt, Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Weltfremde Bürokraten und Forscher können einem das Leben schwer machen. Regelmässig reise ich in die Schweiz, um hier Produktion und Vertrieb der Uwemba-Pastillen zu überwachen. Eine Pflanzenmischung mit Eigenschaften, die selbst mich immer wieder überraschen. Wer den Spitteler als Regierungsrat erlebt hat, der weiss, dass er hartnäckig sein kann und sich so schnell nicht geschlagen gibt. Menschen im Tierkreiszeichen des Fisches sind zwar Chaoten, aber sie verstehen es auch, ein Ziel konsequent zu verfolgen. Ich will den Menschen helfen. Die Pillen sind meine persönliche Entwicklungshilfe für Afrika. Doch auch uns Europäern tun sie gut. Das Rezept ist einfach: Helfe dem Körper, sich selbst zu helfen.

Natürlich weiss heute keiner, ob ich mit meinen Plänen reüssieren werde. Ich selbst mache mir darüber wenig Gedanken. Vor dem Scheitern habe ich keine Angst. Statt von Risiko spreche ich lieber von Wagnis. Als ich heute Morgen in mein Auto gestiegen bin, bin ich auch ein Wagnis eingegangen. Wir tun dies laufend, ohne uns bewusst zu sein, dass etwas schiefgehen könnte. Soll ich deshalb in der sicheren Schweiz das Leben eines wohlbestallten Herrn Alt-Regierungsrates führen? Sicher nicht! Wir Schweizer müssen wieder lernen, positive geistige Kräfte freizumachen und die wirklichen Probleme dieser Welt anzupacken.

Wenn ich in Afrika täglich Not und Elend begegne und mit den Sörgeli der Schweiz vergleiche, dann ärgere ich mich. Beispielsweise über die sogenannten ethischen Kommissionen, die als Feigenblätter der Wissenschaft missbraucht werden. Dabei sind diese nichts anderes als ein Alibi für die weitere Zerstörung der Umwelt, die Bevormundung des Menschen und die Festigung von Dogmen und Macht. Leider spielen solche Mechanismen auch in Afrika. Trotz-dem ist es für mich jeden Tag faszinierend, meine Ideen im ostafrikanischen Rift Valley umzusetzen. Hier hat die Menschheit schliesslich ihre Wurzeln.

Werner Spitteler auf seiner Plantage. | Bild: Daniel Ammann
Werner Spitteler auf seiner Plantage. | Bild: Daniel Ammann

Kommentar Schreiben

Nur angemeldete Benutzer können Kommentare schreiben.