West-Östliche Diva

Rajaa Alsanea schreibt bloss, was ist. Mit jungen Frauen und so. In ihrer Heimat Saudiarabien hat sie damit sündhaften Erfolg.

23.05.2007 von Michèle Roten

Rajaa Alsanea geht vor dem Fototermin noch einmal auf die Toilette mit einer Freundin, um ihr Make-up aufzufrischen, das frischer kaum sein könnte und dessen zarte Töne lieblichst mit der rosa Bluse unter dem Nadelstreifen-Hosenanzug und dem rosa Louis-Vuitton-Kopftuch harmonieren. Ihre Wangen, ihre Lippen, ihr Gesicht, man muss an das Wort «blühen» denken, alles sehr blütenhaft, mit dem ganzen Rosa und den glänzenden grossen Augen und den glänzenden Lippen.

Bei der Begrüssung war sie noch supernett, hat gelacht und gefrotzelt und geplaudert, und jetzt wirkt sie plötzlich ein bisschen arrogant, wie sie einigermassen ungnädig darauf reagiert, dass es ein paar Probleme gibt mit dem Aufnahmegerät, dass sich das Programm ein bisschen verzögert, kein «kann doch passieren», «ist schon okay», nur ein paar stille und irritierte Blicke, oder sagen wir zumindest: Sehr selbstbewusst scheint sie. Und das ist irgendwie eine reizvolle Mischung, das Kopftuch, das sinnliche und leicht kitschig-perfekt zurechtgemachte Gesicht und diese allürige Attitüde, das kommt gut.

Wir sind im Aufenthaltsraum des Zahnmedizinischen Instituts der University of Illinois in Chicago, hier lebt Rajaa Alsanea seit einem Jahr und macht ihren Master, während in ihrer Heimat, in der saudiarabischen Hauptstadt Riad, der Brand schwelt, den sie gelegt hat. Die 25-Jährige hat ein Buch geschrieben, «Die Girls von Riad», und für europäisch-westliche Verhältnisse liest es sich wie ein sehr unterhaltsamer, aber trotzdem: Groschenroman aus «Tausendundeiner Nacht».

Da geht es um vier junge Frauen und ihre Liebesdinge, sie verlieben sich, sie werden betrogen und enttäuscht, sie wollen Karriere machen und irgendwie doch nicht, es geht um Männer, die, kaum verheiratet, keinen Sex mehr wollen, und um Männer, die vor der Heirat Sex wollen und sich, nachdem sie ihn gekriegt haben, aus dem Staub machen. Nichts Neues also, irgendwie, für uns. Aber für arabische Verhältnisse, für die Verhältnisse in Riad, wo Frauen nicht Auto fahren dürfen und ein grosser Teil der Kultur einzig und allein darauf ausgelegt scheint, zu verhindern, dass Frauen überhaupt je Männer zu Gesicht bekommen, bis sie mit irgendeinem irgendwann verheiratet werden, ist es so neu und so unverschämt, dass Alsanea Morddrohungen kriegte, dass ein paar islamische Fundamentalisten Klage einreichen wollten wegen Blasphemie und Kulturschändung und immer wieder Bücher aus dem Schaufenster der Läden zurück ins hinterste Regal verschwinden. Die Kritiker, sagt Rajaa, fänden, ihre Darstellung vermittle ein falsches Bild von jungen Frauen in Riad.

«Es sehe so aus, als ob wir auf Dates gehen und Männer treffen und Männer kennenlernen, und als ob wir…»

«…Schlampen wären.»

«Genau! Aber ich habe nie behauptet, ALLE Frauen seien wie meine Girls von Riad. Aber es gibt diese Mädchen. Ausserdem wollte ich keine Sozialstudie machen. Ich wollte bloss einen Roman schreiben.»

Wenn Rajaa darin also beschreibt, wie eine Protagonistin mit einem jungen Mann spricht und mit ihm ins Shoppingcenter geht, dann ist das die Unterwanderung eines komplizierten gesellschaftlichen Überbaus zur Verhinderung ebendessen. Jeden Donnerstag ist «family night» in der Mall, junge Männer müssen draussen bleiben. Und genau das tun sie, sie warten in ihren Autos vor dem Eingang, verstopfen die Strassen, versuchen einen Blick zu erhaschen, manchmal ste-cken sie ihre Nummer hinter ihren Scheibenwischer oder werfen sie, auf ein Zet-telchen geschrieben, aus dem Fenster, in der Hoffnung, eine junge Frau ist mutig genug, ihn aufzuheben. Die saudiarabische Gesellschaft nun möchte wirklich sehr gern glauben, dass keiner jungen Frau das überhaupt je in den Sinn kommen würde, aber Rajaa Alsanea stellt sich hin und sagt: Natürlich, und das ist noch gar nichts!

Während das Skandalöse für westliche Leser also sehr chiffriert ist, denn da werden weder despotische Ehemänner kas-triert noch Korane verbrannt, reicht es unter der Scharia für eine Rebellion, einfach mal festzuhalten, dass Frauen durchaus Interesse haben an Männern. «Ich war nur ehrlich und habe darüber geschrieben, wie es in Wirklichkeit abläuft», sagt Rajaa. «Ja, wir verlieben uns. Und wir entlieben uns. Wir feiern den Valentinstag, obwohl das verboten ist. Wir haben Mittel und Wege gefunden, Nummern zu tauschen und zu kommunizieren. Mein Buch zeigt eigentlich nur, wie junge Frauen in Saudiarabien versuchen, ihr Leben zu leben.»

Wurde auch mal Zeit

Rajaa sitzt jetzt da an einem Tisch im Aufenthaltsraum, einem verkritzelten Tisch, er ist ausserdem dreckig und die Fenster sind es auch, sie schaut ein bisschen misstrauisch, ihre Stimme schwankt leicht, wenn sie ihre klugen und konzent-rierten Antworten gibt, und dabei schaut sie meist auf den verkritzelten Tisch oder aus dem dreckigen Fenster. Jetzt scheint sie nervös und das alles zusammen, supernett, arrogant und unsicher, plus streng religiös und total eitel, plus akademisch klug und tiefromantisch, das ist wirklich sympathisch.

Sie also im tadellosen Hosenanzug, mit einwandfreiem Make-up und aufrechter Haltung, und neben ihr schlurfen angehende amerikanische Zahnärzte zum Kaffeeautomaten, zum Süssigkeitenautomaten, zur Mikrowelle, in Jogginghosen, mit fettigen Haaren, mit der typisch unreinen Studentenhaut, vom schlechten Kaffee, von den Süssigkeiten, von Mikrowellenfrass. Bevor Rajaa nach Chicago gezogen ist, hat sie sich vorgestellt, wie sie mit ihrer neuen Gang im Cadillac mit wehendem Kopftuch durch die Strassen braust, aber irgendwie klappe das nicht so recht mit den amerikanischen Freunden, sagt sie bedauernd, die seien alle ständig nur am Lernen oder am Arbeiten.

Jedenfalls: Die, die es sich nicht zur Aufgabe gemacht haben, Exemplare von «Die Girls von Riad» aus dem Schaufens-ter verschwinden zu lassen, die kaufen sich das Buch, zu Hunderttausenden, und feiern Rajaa Alsanea wie, na ja, eine Prophetin. Sie sei die neue weibliche Stimme Arabiens, mutig wie Scheherazade, breche Tabus und öffne Türen, trompeten die Feuilletons. Rajaa erzählt, sie werde auf offener Strasse umarmt, ständig fotografiert, wie ein Star, könne nicht mehr einfach mit Freunden essen gehen, die seien schon langsam ein bisschen genervt, und dabei strahlt sie, und von da an weicht ihre ernste Art der fröhlichen Aufgekratztheit einer jungen Frau, die gerade die aufregendste Zeit ihres Lebens hat.

«Das Krasseste war», erzählt sie, und ihre Stimme rutscht eine Oktave höher, «als mich ein berühmter Schriftsteller, ein Vorbild von mir, ich bin sein grösster Fan, als der mich angerufen hat. Natürlich wollte ich ihn schon immer treffen, aber auf eine Art, die ihn beeindrucken würde, ich wollte herausstechen. Und dann war ich so zu Hause, und mein Handy klingelt, ich geh ran, hallo, und eine Stimme sagt, ‹Rajaa?› – und ich so: ‹Ja?› – ‹Wie gehts?› – ‹Was wie gehts? Wer ist dran?› – ‹Gehts gut?› – ‹WER IST DRAN?›, und dann sagte er seinen Namen, und ich bin fast umgekippt. Ich war sprachlos. Irgendwann brachte ich raus: ‹Können Sie in fünf Minuten noch mal anrufen, ich muss kurz was machen.› Er: ‹Was denn?› Ich: ‹Ähm, schreien?› Dann bin ich ins Zimmer meiner Mutter gerannt, sie hat geschlafen, und bin wie bescheuert kreischend auf ihrem Bett rumgehüpft.»

Rajaas Hände flattern wie aufgeregte Vögelchen durch die Luft bei dieser Beschreibung, ihre Begeisterung ist entzü-ckend und kindlich-ehrlich, sie ist ein bisschen aus dem Atem geraten beim Lachen und Erzählen. Jetzt streicht sie sich über das Kopftuch, mit der gleichen Bewegung, mit der man sich durch die Haare fährt, und sagt ganz ohne Scham: «Alle lieben mich, in Riad. Die Mütter beten für mich, die Töchter wollen sein wie ich, und die Väter sind stolz. Alle sind froh, dass mal jemand so mutig war, über solche Sachen zu schreiben.»

Der Autor, ihr Vorbild, heisst Ghazi al-Gosaibi, ist Arbeitsminister Saudiarabiens und ein enger Vertrauter des Königs. Er hat sogar das Vorwort geschrieben («Dieses Buch verdient es, gelesen zu werden – Ich erwarte noch viel von dieser Autorin»). Diese Tatsache und dass das Buch anstatt eines wirklich ernsthaften Aufstands mehr eine Diskussion gezündet hat, widerspiegelt die momentane Situation in Saudiarabien: Das Land ist eingeklemmt zwischen religiösen Mächten, die lange Zeit freie Hand hatten und eine kulturelle Xenophobie heranzüchteten – und einer Königsfamilie, die seit dem 11. September daran arbeitet, dem Klerus diese Herrschaft langsam zu entziehen und die Gesellschaft zu liberalisieren.

Genauso wie das Land sind seine jungen Frauen zwischen Stühlen und Bänken. Da empfängt man zwar «Sex and The City» im Fernsehen, darf aber nicht allein mit einem Mann in einem Zimmer sein. Man liest die «Vogue», ist körper- und modebewusst, aber darüber kommt die Abaja, eine Art Ganzkörperschleier. Ziemlich jede Frau in Saudiarabien studiert, aber ob der Beruf auch ausgeübt werden darf, entscheidet der Mann. Wer geheiratet wird, das ist ja sowieso Sache der Familie. Glück ist für Frauen nicht vorgesehen, freie Wahl auch nicht, generell kommt vor dem Individuum immer die Familie, und das ist es, was Rajaa am meisten stört: Sie kämpfe um Respekt für eigene Entscheidungen.

Obwohl sie kaum je richtig untendurch musste. Aufgewachsen mit vier Brüdern und einer Schwester, der Vater früh verschieden, die Mutter, die ihr Medizinstudium auf Befehl ihres Vaters abbrechen musste, sehr darauf bedacht, ihren Kindern mehr Wahlmöglichkeiten zuzugestehen. Ein liberales Umfeld, sagt Rajaa, ihre Brüder hätten ihr oder ihrer Schwes-ter nie Vorschriften gemacht, nicht wie in den meisten anderen Familien, wo die Frauen fremdgesteuert seien. Sie fühle sich sehr privilegiert. «Und doch will ich mehr. Ich schätze, das ist einfach ein Naturgesetz.»

Ist das also dein Aufruf an saudische Frauen? Wollt mehr?
Eigentlich schon. Vor allem aber: Stellt alles in Frage! Akzeptiert nichts einfach so, wie es ist. Wollt mehr, solange sich das mit Gottes Wort vereinbaren lässt.

Lässt es sich nicht mit Gott vereinbaren, kein Kopftuch zu tragen? Warum trägst du eins?
Aus freien Stücken. Das ist eigentlich ganz lustig, mit dem Kopftuch, denn meine Brüder sehen es nicht so gern. Sie finden das blöd und antiquiert. Genau umgekehrt, als es in den meisten Familien läuft. Ich habe auch erst vor drei Jahren damit angefangen, davor war es mir vor allem wichtig, stylisch auszusehen, ich habe es geliebt, mich zu frisieren und zu schminken und all das. Ich trug auch Miniröcke und so. Aber dann habe ich realisiert, dass ich Gott ständig um so viele Sachen bitte, alle meine Wünsche und Träume, und ihm selber aber gar nichts zu geben bereit bin. So kam das, seither trage ich ein Kopftuch.

Wie religiös bist du? Wie grossen Einfluss hat der Glaube auf deinen Alltag?
Schon grossen. Aber ich sehe das so: Wenn Religion eine freie Entscheidung wird, dann empfindet man das nicht mehr als Einschränkung. Ich versuche nur, ein guter Mensch zu sein. Da spielen verschiedene Kriterien eine Rolle, darunter sind natürlich auch religiöse. Zum Beispiel versuche ich nicht, hinter dem Rücken anderer über sie zu reden – na ja, ich tus ständig. Ich kauf mir auch all die Gossip-Magazine. Aber ich arbeite an mir. So verstehe ich Religion.

Du hast gesagt, du betest für so viele Sachen. Wofür denn so?
Vor allem dafür, der Mensch zu werden, der ich sein will. Ich war nie zufrieden mit mir, ich wollte mich immer verändern, ich änderte meine Frisur, meinen Stil, mein Make-up, ständig. Ich betete immer für die Chance, ein Mensch zu werden, der Einfluss auf andere hat. Gott hat uns zu Führern und Anhängern gemacht. Das liegt in unserer Natur. Und ich wollte immer ein Führer sein, ich wollte Türen öffnen, die Welt verändern. Und das nicht im Versteckten. Meine Zeit an der Uni hat mir die Augen geöffnet. Ich sah so viele unterschiedliche Lebensstile, hörte von Liebe, plötzlich hatte ich Gesprächspartnerinnen für Frauenangelegenheiten, und mir wurde klar, dass das mein Thema ist.»

Okay ist nicht gut genug

Die Girls von Riad heissen Kamra, Sadim, Lamis und Michelle. Sie machen Diäten, lassen sich heimlich die Nase korrigieren, tauschen noch auf dem Flug ins Ausland die Abaja gegen enge Jeans und T-Shirt, fallen durch Uni-Prüfungen, flirten auf dem Campus, chatten, lernen Lesben kennen, verloben sich, haben vorehelichen Sex, ungewollte Kinder, pompöse Hochzeiten und demütigende Scheidungen, hören auf zu essen vor Liebeskummer. Das alles passiert, aber es passiert zwischen den Zeilen, so diskret wie im realen Leben.

Was dagegen für europäisches Empfinden fast schon schockierend explizit behandelt wird, das sind Gefühle. Da gibt es seitenlange innere Monologe: Warum ist er so? Müsste ich vielleicht? Würde er, wenn ich? Was, wenn ich einfach? Wie kann er nur? Wird er jemals? Da werden Lieder gesungen, Gedichte geschrieben, Gebete gesprochen, ganze Nächte vertelefoniert. Saudiaraber sind total emotionale, empathische Menschen, sagt Rajaa. «Back home», und das sagt sie immer im allerbreitesten Südstaatlerakzent, «back home nehmen Themen wie Gefühle, Liebe und Romantik den grössten Teil unserer Gespräche in Anspruch.»
Deine Girls von Riad sind auf der Suche nach dem perfekten Mann, dem Traumprinzen, der «Number One». Du auch?
Ich bin besessen davon, den Richtigen zu finden. Ich will den Mr. Right. Nicht Mr. Okay.

Bist du verheiratet?
Nein.

Suchst du den Mr. Right noch?
Könnte sein, dass ich ihn gefunden hab.

Oooh! Wow! Heiratet ihr?
Zumindest denke ich das erste Mal in meinem Leben darüber nach.

Uuuh! Hat er einen Antrag gemacht?
Nein, aber vielleicht mach ich das ja.

Und dann gehst du vor ihm auf die Knie und so?
Ja, wenn schon, denn schon.

Das ganze Programm also. Kommt das auch vor in Saudiarabien, dass die Frau den Antrag macht?
Selten. Interessanterweise hat ja auch die Frau unseres Propheten ihm den Antrag gemacht. Aber ich fänds schwierig. Wie reagiere ich, wenn er auf meinen Antrag sagt «Nein, ich will nicht»? Soll ich dann sagen «oh, ähm, okay … nur eine Sekunde, ich geh mich mal schnell umbringen»? (lacht) Wenn schon, dann werde ich ihn dazu bringen, mir einen Antrag zu machen. Aber normalerweise macht die Familie des Mannes der Familie der Frau einen Antrag, und damit wären wir wieder bei dem Hauptpunkt, der mich so stört. Die, die sich lieben, sollten zusammenfinden; die Familie soll sie unterstützen. «Ja, ihr habt uns das Leben geschenkt, danke dafür, aber jetzt ist gut.» So etwa. (lacht)

Wie muss Mr. Right denn sein?
Oh, er muss unglaublich kompatibel sein. Er muss meine Sätze beenden. Wir müssen seelisch verbunden sein. Er muss energisch sein. Gross. Athletisch. Dann … dunkel, ich mag blonde nicht. Ausser, er ist Brad Pitt. Mehr wie George Clooney. Oder Johnny Depp. Und … lustig. Sehr lustig. Und schlau. Und frech. Ich mag keine Männer, die lieb und nett sind. Ich bin eine Diva. Bloss, wo sind die? Wo hast du deinen gefunden?

Das ist eine komplizierte Geschichte.
Siehst du? Ich glaube ja, es MUSS kompliziert sein.

Dürftest du denn eigentlich einen amerikanischen Mann heiraten?
Nein. Nur muslimische Männer kommen in Frage. Allein schon, weil wir den gleichen kulturellen Background haben und uns so besser verstehen.

Du bist ja 25, ist das nicht schon spät dran mit Heiraten bei euch?
Nein, gar nicht. Ich war ehrlich gesagt eher schockiert, als ich hierherkam und erfuhr, dass so viele mit 23, 24 schon verheiratet sind! Bei uns ist das wie bei euch, glaube ich. Gerade wenn man studiert, heiratet man meist erst nach 30.

Du hattest also noch nie einen Freund?
Nein.

Noch nie geküsst? Noch nie Sex gehabt?
Nein. Meine einzigen Romanzen waren Internetchats.

Aber die führten nie zu einem Treffen im richtigen Leben?
Nein. Und übrigens rede ich hier nur von Chats, also keine Webcams und so.

Das gibts aber auch? Und das ist okay?
Nun ja, erfährt ja keiner. Eben: Wir finden schon unsere Hintertürchen.

Die Ehen in deinem Buch gehen alle komplett schief. Ist das pessimistisch oder eine Beobachtung?
Realistisch. Ich kenne wirklich keine glücklichen verheirateten Paare.

Auch nicht die mit Number One und so?
Nein. Hm.

Das müssten ja eigentlich die Glücklichen sein.
Ich weiss nicht. Aber vielleicht hats auch damit zu tun, dass wir uns, wenn wir auf Hindernisse stossen, wenn die Familie sich dagegen sträubt und so, dass wir uns in etwas verrennen und dann nur noch um des Siegens willen heiraten?

Oje.
Ich habe auch eine Freundin, die genau so eine Geschichte hatte, superromantisch, die Familie wollte nicht, sie hat gekämpft, hat sich durchgesetzt, and her life REALLY sucks now, und die sagt mir: Weisst du was? Vergiss alles! Die Familie hat immer recht!

Oje. Wofür also der ganze Kampf um Selbstbestimmung?
Bei mir wird es anders. Ich werde mich verlieben, ich werde entscheiden, ich werde alles richtig machen. Und im Zweifelsfall will ich mein eigenes Unglück.

Und wie sieht das Glück aus für dich? Willst du Karriere machen? Willst du Hausfrau sein?
Oh, ja, Hausfrau! Mein Traum! (Sie schneidet eine Grimasse, kichert.) Nein, ich will einfach alles. Ich will einen tollen Mann, tolle Kinder, mein eigene Zahnarztpraxis und viele Bücher schreiben und unser

Bild: Erika Larsen
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