31.08.2007 von Thomas Zaugg , 1 Kommentar
Die Fernsehzukunft ist noch ziemlich unscharf. Es herrscht der Kampf der Systeme. HDTV, IPTV und VoD – darüber weiss man vor allem, dass man darüber wenig weiss.
Alle reden immer von HDTV. Alle achten beim Kauf eines Fernsehers darauf, dass er High Definition TV unterstützt, hochauflösendes Fernsehen, das viel schärfer, viel besser ist als das alte. Aber HDTV hat mit der Zukunft wenig zu tun. Ende des letzten Jahrtausends schrieb der Zukunftsforscher Nicholas Negroponte: «Auf den Quadratzentimeter berechnet, ist Ihr heutiger Fernsehapparat wahrscheinlich das dümmste Elektrogerät im Haushalt. Selbst die Mikrowelle enthält mehr Mikroprozessoren. Anstatt erhöhte Bildauflösung, bessere Farben oder mehr Programme als nächsten Entwicklungsschritt anzusehen, sollten Sie sich diesen Schritt lieber als einen Wechsel in der Verteilung der Intelligenz vorstellen – oder genauer: als die Verschiebung der Intelligenz vom Sender zum Empfänger.»
Damit meint Negroponte: Der Fernseher muss ein Computer werden – oder umgekehrt. Fernsehgeräte sollen nicht mehr länger bloss empfangen, was ihnen gesendet wird, sondern uns ermöglichen, die Inhalte selbst zu bestimmen. Die Inhalte des Zukunftsfernsehers sollen auf den Benutzer individuell zugeschnitten sein, der Benutzer soll jederzeit Filme bestellen, jederzeit News-Sendungen abrufen können.
Vieles davon ist schon verwirklicht worden. Die Frage ist, über welche Systeme das Fernsehen der Zukunft laufen wird. Wird es so etwas wie eine einheitliche Fernsehsoftware geben? Werden es Systeme von Computerherstellern sein? Vielleicht das Media Center, Microsofts Wohnzimmersystem? Oder Apples tv, das noch reichlich ausbaufähig scheint und von Apple-Chef Steve Jobs nur als «Hobby» bezeichnet wird? Oder werden wir bald den Kabelanschluss kündigen können, weil wir digitales Fernsehen über IPTV-Anbieter (Internet Protocol TV) wie Bluewin TV empfangen?
Jedenfalls, der Kampf um die Zukunft des Fernsehens hat begonnen. Wir nehmen ihn noch nicht so ganz wahr, weil das gute alte Fernsehen einen unserer konservativsten Werte darstellt. Aber irgendwann müssen wir ja einen neuen Fernseher kaufen. Dann werden wir uns fragen, mit welchem System er ausgestattet sein soll. Wahrscheinlich werden wir lange Zeit aus vielen Systemen wählen müssen, aus schlechten und guten. Und bis sich das wahre Fernsehsystem der Zukunft scharf abzeichnet, werden wir sehr viele halbgare Geräte und schlechte Systeme gekauft haben.
Und bestimmt hat der russische Philosoph Alexander Herzen auch an uns gedacht, als er irgendwann im 19. Jahrhundert schrieb: «Die menschliche Entwicklung ist eine chronische Ungerechtigkeit, da die Späteren von den Anstrengungen ihrer Vorgänger profitieren können, ohne denselben Preis zu zahlen.»
Lesen Sie «TV der Zukunft, Teil 2» in der wöchentlichen Online-Technik-Kolumne «Zauggomat».
… ist sicherlich eine Frage der Gewohnheit. Das muss man nicht cool finden, sondern praktisch.
Trotzdem habe ich den Artikel mit Genuss und einem Schmuntzeln auf den Lippen gelesen. Danke!!