Zumutungen des Alltags: Musik ist doof

Alle hören Musik. Alle finden das schön. Ausser unser Autor. Der kann sie nicht leiden. Nirgends. Nie.

24.10.2008 von Marc Schürmann , 21 Kommentare

«Und, was hörst du so für Musik?» – «Gar keine.» So kurz der Dialog, so lang das Gesicht. Es ist vermutlich das gleiche Gesicht, das ich zu sehen bekäme, wenn ich auf die Frage «In welchem Viertel wohnst du?» antworten würde: «Ich wohne nicht.» Muss ich mal probieren.
Ich kenne Musik. Ich habe früher welche gehört. Von daher spreche ich nicht über Musik wie ein Fisch über Wolken. Doch 1996 kaufte ich eine CD und danach nie wieder. Nicht dass diese CD so grauenvoll gewesen wäre. Ich weiss nicht einmal mehr, welche es war. Es gab auch keinen Autounfall und keine qualvolle Affäre mit einer Sängerin. Ich war zwanzig und verlor jedes Interesse an Musik, so wie andere das Interesse am Gärtnern oder am Milchtrinken verlieren. So einfach war das.
Was ich bis dahin gehört hatte? Nichts Aussergewöhnliches. Es fing mit der Schlagersängerin Nicki an, da war ich neun. Es ging mit Erasure und A-ha weiter, da war ich zwölf. Es mündete in Faith No More, Element Of Crime, Grönemeyer, Jovanotti. Nichts, worauf ich stolz wäre. Nichts, wofür ich mich schämen müsste. Kann die Neigung, eine bestimmte Kombination von Sinneseindrücken als schön zu empfinden, überhaupt beschämend sein? Warum ist es niemandem peinlich, dass er Mangos mag?
Schön, ich höre also keine Musik mehr. Heikel daran ist nur, dass ich ihr ständig ausgesetzt bin. Erstens insofern, als offenbar alle anderen Menschen, die über Steckdosen, Batterien oder Instrumente verfügen, Musik so selbstverständlich einsetzen wie Besteck zum Essen. Man sagt Hallo, und noch bevor man Platz genommen hat, schlürft der CD-Player das erste Dutzend Lieder an. Zweitens muss ich mich jedes Mal detailliert erklären, sobald ich andeute, dass mir Musik jetzt nicht so recht sei. Ich wundere mich, dass ich so selten fahle Neonlampen und Fremde mit Mundschutz über mir sehe, wenn ich aufwache. Eigentlich müsste ich in Forschungslabors sehr begehrt sein. Und auf Jahrmärkten.
Vermutlich hoffe ich vergebens, dass ich mich hier nun für alle Ewigkeit zum letzten Mal rechtfertige. Ich hoffe es trotzdem. Also: Nein, es ist nichts Körperliches. Mein Gehör funktioniert ausgezeichnet. Es liegt auch keine extrem seltene Fehlfunktion des Gehirns vor, die Musik in meinen Ohren anders klingen liesse als in anderleuts Ohren, etwa wie sterbende Katzen. Musik klingt in meinen Ohren wie Musik. Was mein Gehör allerdings in der Tat nicht kann, ist, auf Konzerten oder in lauten Bars ein Wort davon zu verstehen, was ein Mensch mir ins Ohr brüllt. Vom Gesang übrigens auch nicht. Das gesungene Wort verstehe ich kaum. Ob auf Englisch oder Deutsch.

Alle Lieder sind gleich
Ja, mich stört Musik. Immer. Sie stört mich beim Autofahren, zu Hause, bei anderen Leuten zu Hause, in Kneipen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Büro, auf der Strasse, im Park, unter Wasser, in Fussballstadien und im Shoppingcenter. Ich empfinde eine gewisse Solidarität für die Leute von «Pipedown», einer österreichischen «Initiative gegen aufgezwungene Musikberieselung». Ich habe mal eine Fernsehreportage über diese Initiative gesehen. Es sind alte Männer, die in Läden einmarschieren, sich den Geschäftsführer kommen lassen und ihn auffordern, für die Dauer ihres Aufenthalts die Hintergrundmusik auszuschalten. Ich will mit denen nicht shoppen gehen. Aber ich verstehe ihre Aufsässigkeit.
Nein, ich besitze auch keinen iPod.Ja, ich habe Freunde, die Musik hören. Einer von ihnen ist Gitarrenlehrer. Sogar den meisten meiner Freunde ist Musik sehr wichtig. Sie gehören zu denen, die «Musik hören» als Hobby angeben würden. Meine Frau könnte sich, wie sie sagt, ein Leben ohne Musik kaum vorstellen. Ohne mich aber auch nicht, also geht sie den Leidenschaften getrennt voneinander nach.
Nein, ich gehe nicht auf Konzerte. Stundenlanges Stehen und dichtes Gedränge sind auch sonst Dinge, die ich zu vermeiden versuche. Nein, Livemusik ist nicht etwas völlig anderes. Ja, ich habe es in letzter Zeit versucht. Ich besuchte ein Konzert, auf dem man sitzen durfte. Die Eintrittskarten waren ein Geschenk von mir an meine Frau gewesen. Ich fand es schön zu sehen, dass sie einen tollen Abend hatte. Ich hatte auch einen tollen Abend. Nur das Konzert ging mir etwas auf die Nerven.
Nein, ich bin nicht der Meinung, dass Musik mir immer wieder neue Welten eröffnet. Ein Lied fängt damit an, dass die Instrumente viermal den Refrain vorwegnehmen, dann singt der Sänger oder die Sängerin auf den Refrain zu, zögert ihn aber dadurch hinaus, dass sie noch mal von vorn auf ihn zusingt, dann kommt der Refrain, der sich zum Ende des Liedes hin in Tonhöhe und Vehemenz steigert. Ich weiss, dass nicht jedes Lied so funktioniert. Aber sehr viele.
Ja, ich kann zwischen guter und schlechter Musik unterscheiden. Sofern das überhaupt jemand kann. Selbst Musikkritiker schreiben ja in der Regel nicht über Musik, sondern über ihren Musikgeschmack – teils aus Faulheit und teils weil Musik nun einmal Geschmackssache ist. Auch ich habe einen persönlichen Musikgeschmack. Vielleicht gleiche ich darin einem alten Mann, der kein sexuelles Verlangen mehr, aber immer noch einen bestimmten Frauengeschmack hat. Ich mag zum Beispiel Coldplay, ich mag nicht Soul und Rap. Das spielt aber keine Rolle, denn auflegen tue ich nichts davon.
Ja, ich kann sagen, was mich an der ganzen Sache eigentlich ärgert. Ich unterstelle den meisten Menschen, dass sie in dem Augenblick, in dem sie auf «Play» drücken, nicht Musik einschalten. Das ist jedenfalls nicht die Hauptsache. Wichtiger ist, dass sie die Stille ausschalten. Sie ertragen die Stille nicht. Mit Freunden an einem Tisch zu sitzen und neben dem gesprochenen Wort und etwas Serviettengeraschel keine Geräusche zu hören, macht ihnen Angst. Als stünden sie im Schwimmbad ohne Hose da. Musik deckt die kahlen Stellen der Unterhaltung zu, so wie Filmmusik oft über die schlechten Stellen im Drehbuch hinwegtäuscht. Paradoxerweise wird Musik anscheinend noch unentbehrlicher, wenn keine Freunde da sind. Allein plus still geht gar nicht. Womöglich hilft Musik dann zu kaschieren, wie wenig man sich selbst zu sagen hat.
Ich aber rede gern mit mir selbst. Laut wie leise. Dafür brauche ich die Stille. Nur in äusserer Stille bin ich zu innerer fähig. Musik lenkt mich ab. Sie hält mich in Unruhe. Das gilt nicht für jede Art von Geräuschen. Nur für die vermeidbaren. Dazu gehört Musik ebenso wie Presslufthammer, Bohrloch oder Kirchenglocke. Es sind künstliche Geräusche. Sie werden erzeugt, obwohl es andere stört. Gegen Regen habe ich nichts. Nicht einmal gegen Donner und Hagel. Jedenfalls nicht akustisch. Das sind natürliche, unvermeidbare Geräusche. Geräusche ohne Erzeuger. Ich kann dabei gut einschlafen. Sogar besser als in völliger Stille.

Terror vom Nachbarn
Das Thema Schlaf hat zu meiner Musiklosigkeit sicher beigetragen. Ich hatte nacheinander zwei geistesgestörte Nachbarn. Der eine, in seiner Wohnung rechts von meiner, terrorisierte mich, indem er den Radiowecker dicht an die Wand zu meinem Schlafzimmer stellte. Morgens um sechs brüllte «Radio Today» los, in voller Lautstärke, und hörte nicht mehr auf. Mein Nachbar verliess das Haus, ohne den Radiowecker auszuschalten. Er hasste mich, ich weiss nicht wofür. Ich tat ihm zwar vieles an, aber alles nur in meinem Kopf. Der andere Nachbar wohnte unter mir. Seine Zeit waren die Nächte. Die Lautstärke so, dass es zu laut war, um es zu ignorieren, und zu leise, um Hilfe zu rufen. Das Schlimmste aber war, dass er immer wieder dasselbe Lied hörte. Dutzende Male hintereinander. Ich kenne den Titel nicht. Ich möchte ihn auch nicht erfahren.
So viel zu den Gründen, warum ich keine Musik höre. Was das mit Ihnen zu tun hat? Vielleicht bin ich viele. Vielleicht gibt es im Internet bald Foren für Musiklose, worin Menschen einander dazu gratulieren, endlich Gleichgesinnte gefunden zu haben. Vielleicht lebt einer Ihrer engsten Freunde musiklos, oder er würde es gern. Ich für meinen Teil bin zufrieden, wenn Sie ab heute zweierlei tun: Bevor Sie eine CD einlegen, fragen Sie bitte, ob Musik erwünscht ist. Und falls das verneint wird, fragen Sie nicht warum. Singen Sie es! Nein, das tun Sie bitte auch nicht.

Die Diskussion

21 Reaktionen

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    Ronnie Grob

    “Was die Musik betrifft, so sollte sie den höheren Schichten reserviert bleiben. In grossen Quantitäten wirkt sie auf die Masse verblödend. Heute wird sie einem schon in jedem Pissoir serviert. Aber die Kunst muss ein Gnadengeschenk bleiben, nach dem das einfache Volk verlangend aufblickt. Sie darf nicht in die Kloake herabsteigen. Das ist falsch und entsetzlich geschmacklos. Das Herzliche, Anmutige und Vornehme sind für sie unerlässlich. – Was mich angeht, so begehre ich Musik im gewöhnlichen Zustand gar nicht. Ein freundschaftliches Gespräch ist mir lieber. Aber als ich in Bern in zwei Saaltöchter verliebt war, sehnte ich mich nach ihr und rannte ihr nach wie ein Besessener.”

    Robert Walser während einer Wanderung am 21.3.1941, zitiert in Carl Seelig, Wanderungen mit Robert Walser, Bibliothek Suhrkamp, 1977, Seite 30.

  2. Elisabeth Bolliger

    Wie recht ich Ihnen doch gebe! Die Omnipräsenz von Musik, Radiogeplapper aus dem Hintergrund und aus all den Kopfhörern der Bahnreisenden ertrage ich manchmal kaum. Dies war mit ein Grund, warum ich mich zur Musiktherapeutin habe ausbilden lassen. In der Musiktherapie wird es wieder möglich, ausklingenden Tönen zu lauschen, sich von Klängen berühren zu lassen und der “tosenden Stille” nach der Musik Raum zu geben. Hier wird der Unterschied zwischen Musik und Stille wieder erfahrbar.

  3. Armand Pirovino

    Spannend, Marc Schürmann, was Sie hier beschreiben. Ich nehme es Ihnen auch ab. Denn es könnte ja auch die Masche sein, einfach anders sein zu wollen, gegen den (Sound)-Strom zu schwimmen. Ja, es ist fast überall unvermeidlich: “Musik geht um uns herum!” (Strawinsky). Als ausgebildeter Musiker, der aber in anderen Berufen sein Brot verdient, gebe ich Ihnen über weite Strecken Recht. Es ist absolut grässlich, was wir mit “der Stimme der Engel” gemacht haben. Zu Tode geknechtet wurde sie und wird weiter mitgeschleppt, wie wenn sie in Konsumtempeln, Pissoirs oder in Telefonhörern überleben könnte. Bei einem Punkt widerspreche ich Ihnen: Wir hören zu 99% Konservenmusik. Wenn wir soviel Konservenfleisch essen müssten, würden wir uns dauernd übergeben. Ihre “Konzerte” waren wohl auch nicht biologisch vorgetragen, sondern chemisch mit E-Stoffen durchsetzt (verstärkt, elektronisch verfremdet). Und wenn ich mir Ihre Musikernamen anhöre. Na ja: Das mag als Zwischenmahlzeit mal angehen. Aber diese Töne leben nicht wirklich. Vielleicht müssten Sie mal in einer alten Kirche eine einsame Flötistin, einen Violininisten, eine Panflötenspielerin, eine menschliche Stimme erleben, die frei improvisieren und ihre Emotionen nur für Sie servieren. Wenn sie diesen Menschen noch lieben würden, könnten Sie diese „Zerstörung“ der Stille vielleicht als Kommentar zur Stille wahrnehmen.
    Aber Musik erdulden zu müssen, wie man sich als Nichtraucher die Luft zum Atmen ungefragt verpesten lassen muss, ist einer der schlimmsten Rückschritte der „Fortschritts“-Gesellschaft. Wie wollen wir unsere INNERE Stimme wahrnehmen, wenn diese dauernd von Muzak (Schrottmusik) zu Tode geprügelt wird? Und was bieten wir unseren Säuglingen, Kindern, Jugendlichen? Eine fast permanente (auch) akustische Umweltverschmutzung. Vielleicht wäre so ein Forum der Stille ein erster kleiner Schritt gegen diese Vergewaltigung. Tun Sie doch eines auf. Ich mache mit.

    Gute Nacht Stimmen der Engel…
    Ein Mozart würde bei uns wahnsinnig werden.

    Armand Pirovino-Honegger

  4. Claudia Meier

    Kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich würde zwar nicht pauschal behaupten, dass Musik doof ist, empfinde sie einfach nur als künstlichen und störenden Lärm. Ob klassische oder Pop – ich kann keine Musik mehr hören, oder nur ausnahmsweise. Es hat zu der Zeit angefangen als ich einem Burnout nahe war, da habe ich gelernt, die Stille zu schätzen. Später hat sich die Abneigung durch die Meditation verstärkt.

  5. S. C. Surace

    Viele Menschen haben vergessen was Musik ist. Die Aneninanderreihung von Tönen und Klängen ist keine Musik. Musik entsteht aus der Stille und kehrt zur Stille zurück. Bei guter Musik hört man die Stille durch den Klang hindurch, es ist ein transparentes Gebilde, dass die Stille nicht überdeckt, sondern ihr eine tiefere Dimension verleiht. Die Musik wurde nicht von Menschen erfunden, aber Menschen sind in der Lage, grossartige Musik zu machen. Leider tun sie dies zu selten.

  6. Johannes Labusch

    Mich würde mal interessieren, wann diese Journalismus-Masche wieder aus der Mode kommt, irgendeine Alltags-Normalität wortreich abzulehnen. “Atmen ist für Deppen”, “Wasser trinken: Wie primitiv!”, “Wer Schuhe trägt, ist selber schuld”. Gott, wie provokativ!

    Ich musste mich bis fast gegen Ende des Artikels durchkämpfen, bis ich die musikalische Schraube fand, die beim Autoren locker ist: Sie trägt den poetischen Namen “Coldplay”! Wer (und sei es nur in der Theorie) der Meinung ist, dabei handle es sich um wertvolle Musik, wird wohl kaum Je Musikgenuss erlebt haben. Lieber Herr Schürmann, Sie selbst haben den Vergleich vom impotenten alten Mann gebracht. Ich wäre nie so taktlos gewesen, aber da Sie’s schon ansprechen: Wer meint, Coldplay wäre noch am Ehesten erträgliche Musik, ist wie ein lebenslang enthaltsamer Mönch, der sich in seiner sündigsten Stunde Sex als eine Begegnung mit Mutter Theresa vorstellt. Da würde ich dann auch lieber beten!

  7. Flo

    Danke Johannes für den sehr richtigen Kommentar!

    Menschen die Musik hören, weil sie die Stille nicht ertragen – so einen Quatsch habe ich lange nicht gelesen, pardon für die deutlichen Worte. Ebenso der Vergleich mit der Filmmusik, die lediglich dafür da ist, die schlechten Filmszenen (eigentlich müssten also auch fast alle Filmszenen unausstehlich sein, denn Filmmusik kommt gefühlt doch relativ häufig vor) zu kaschieren. Und überhaupt: Musik, die man mag (Sie ja nicht, Herr Schürmann, aber einige andere) mit der Hintergrundmusik im Supermarkt zu vergleichen, ist so dermaßen weit hergeholt und einfach nur falsch.
    Ich kaufe mir Musik, welche ich dann höre, nicht, weil ich die Stille nicht ertragen könnte, sondern weil dies die Kunstform ist, die mich mit Abstand am stärksten anspricht, Gefühle hervorruft, GROßartig ist, Begeisterung wecken kann, gleiches gilt für gute Konzerte.
    Und etwas noch zu Coldplay. Über den Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten (tatsächlich funktioniert es exzellent), aber ihre Vorliebe für Serviettengeraschel, das sie an Tischgesprächen mit Freunden ja vermissen, weil es durch die Hintergrundmusik kaputt gemacht wird und eben Coldplay passt für mich ziemlich gut. Obwohl sie ja nie Coldplay hören würden. Dann frohes Papiergeknistere!

  8. Lukas Maisel

    Ich bewundere Herr Schürmanns Mut, sich so offen gegen Musik zu äussern. Doch seine Argumentation ist alles andere als stichhaltig. So zieht er keine Trennlinie zwischen Musik und Muzak, der sogenannten Fahrstuhlmusik. Muzak hat wirklich nur den alleinigen Zweck, Stille zu stopfen. Menschen, die gegen Muzak vorgehen, erkennen den Wert echter Musik und die Entwertung durch den inflationären Gebrauch von “minderwertigem” Muzak.
    Musikhören ist niemals das reine Ausfüllen von Stille. Oder wollen sie ernsthaft behaupten, jemand höre Beethovens Neunte oder das Weisse Album nur, weil er die Stille nicht erträgt?

    Die Musik als Gesamtes wegen ihrem Aufbau zu kritisieren, zielt völlig an der Sache vorbei. Der Aufbau eines Stückes kann kein Kriterium für seine Qualität sein.
    Ich will Herrn Schürmann nicht dazu überreden, es doch nochmal mit der Musik zu versuchen, da es sich bei ihm wahrscfheinlich um eine irrationale Neigung handelt, die nicht zu erklären ist.

  9. Dame CH

    Danke. Dem gibt es kaum etwas anzufügen. Ausser vielleicht, dass ich diese weissen i-Pod Kopfhörer eine Schande für Apple finde.

  10. Christian Marty

    Dieser anmassende und reisserische Titel ist in erster Linie provokativ und in dieser absolutistischen Einfachheit kaum ernst zu nehmen. Ärgerlich ist diese Art von Journalismus, die auf jegliche Differenziertheiten grosszügig verzichtet. Ärgerlich ist dieser Text, weil Schürmann ein ehemaliger Radiomoderator ist, der sich durch seine ach-so-andere Meinung zu profilieren versucht. Das ist zynisch!
    Bei gewissen Aussagen kann ich ihm beipflichten. Allerdings vermischt er alles ein bisschen miteinander. So spielt er Stille gegen Musik aus. Geht nicht beides? Sind Musikhörer nicht fähig innere Stille zu erlangen? Zudem thematisiert er die Dauerberieselung, was aber meines Erachtens wieder ein anderes Problem ist und nur wenig mit dem grundsätzlichen Erlebnis “Musik hören” zu tun hat. Schürmann holt zum Rundumschlag aus und zieht über eine ganze Kunstform her, die aber zahlreiche Stilrichtungen aufweist. Insofern kann auch die Musik nicht an einem ewig gleichen Schema festgemacht werden.

  11. Framstag Sam

    Der Titel mag ein wenig reisserisch sein, doch inhaltlich schreibt mir der Autor aus dem Herzen. Ich mag Musik! – allerdings nicht den Schrott, der mir täglich beim Einkaufen oder im Café entgegendudelt. (Wohl die wenigsten wissen, dass sie damit auch noch manipuliert werden: http://de.wikipedia.org/wiki/Muzak )

    In einem weiteren Punkt gebe ich dem Autor voll und ganz recht: Viele Leute brauchen auch darum die ständige Musikberieselung, weil sie die Stille nicht mehr aushalten. Oder wie sonst könnte man erklären, dass es Leute gibt, die nach eigener Aussage nur arbeiten können, wenn im Hintergrund Musik läuft…?

  12. Esther Reutimann

    Herzliche Gratulation, Marc Schürmann! Dachte ich doch immer, dass ich der einzige Mensch bin, der Musik nicht mag. Sie schreiben Satz für Satz, was auch ich empfinde. Indem Sie sich geoutet haben, haben Sie bereits eine Verbündete gefunden. Endlich sind wir zu zweit. Wir stillen Selbstredner, wir die sich selber und die Stille aushalten, die auch die schlechten Stellen im Lebensdrehbuch nicht übertönen müssen – was sind wir doch für Gepeinigte in einer so lauten Welt.

  13. Rebekka Rudin

    Herr Schürmann, wir sind verwandt! Obwohl es einige Musikstücke gibt, die mich zu Tränen rühren (Zauberflöte, 80-er Pop, etc.), ist für mich seit Kindheit die Stille meine “Lieblingsmusik.” Erst ein paarmal habe ich absolute Stille erlebt. Ohne Musik kann ich sein, ohne Stille nicht. Mein Mann ist Musiker, und er versteht das gut. Merci für diesen Artikel!

  14. Tobias Weibel

    Der Autor ist stolz anders zu sein als die meisten anderen. M.Schürmann behauptet weder ein organisches noch ein psychisches Problem zu haben. Mir kommt die Erklärung, gesungene Texte nicht zu verstehen jedoch schon sehr merkwürdig vor. Ausserdem fehlt ihm doch ziemlich der Respekt. Ob Musik neue Welten eröffnet, man denke da z.B an Wind of Change von den Scorpions bei dem Fall der Berliner Mauer, You’ll never walk alone von Richard Rodgers (Musik) und Oscar Hammerstein (Text), das mit dem 2. Weltkrieg verband, sowie den verheerenden Aussschreitungen von Heysel beim Fussballspiel von Juventus Turin vs. Liverpool ebenfalls. Um noch ein Verdienst dieser “Lärmproduktionen” zu erläutern, da war u.A auch ein Benefizkonzert Namens Live Aid, das am 13. Juli 1985 parallel im Wembley und im John-F.-Kennedy-Stadion stattfand und weltweit über Fernseh und Radio 1.5 Milliarden Menschen erreichte. Der Erlös von über 100 Millionen Euro kam bekanntlich Afrika zugute… wie doof

  15. Nico Valsangiacomo

    Das es Menschen gibt die Musik doof finden kann ich nicht unbedingt verstehen jedoch akzeptieren. Ich denke für die meisten ist Musik weit wichtiger als nur um die Stille auszuschalten. Ich gehöre zu den Menschen die „Musik hören“ als Hobby angeben würden, dennoch mag ich es auch in der Stille dazusitzen und ein Buch zu lesen, ein Gespräch zu führen, oder einfach den Umgebungsgeräuschen zu lauschen.

    „Musik hören“ mit Fahrstuhl-, Warteschlaufen- und Supermarktmusik zu vergleichen ist so was von ignorant! Nette Randnotiz dass jemand der Musik doof findet, Coldplay mag (werden die nicht oft in Einkaufszentren gespielt?).

    Das Filme auch ohne Musik auskommen und dennoch einen starken Eindruck hinterlassen können beweist zum Beispiel ‚No Country For Old Men‘.
    PS: Gebe Herr Marty vollkommen recht!

  16. Thomas Michael Merkli

    Der Schreiber disqualifiziert sich selbst. Wie kann jemand über Musik schreiben, der ein Lied von einem Song nicht unterscheiden kann, und glaubt, Letzterer sei “die Musik” an sich? Ich bezweifle, dass Herr Schürmann jemals ein Lied gehört hat, geschweige denn, dem Vortrag eines Liedes zugehört hat. Ausserdem scheint er noch nicht damit konfrontiert worden zu sein, dass es ausserhalb der Pop-Musik im weiteren Sinne (also von Nicki bis Jovanotti) noch eine ganze Menge von künstlich erzeugten Tonfolgen und Tonkombinationen gibt, welche auch mit dem Begriff Musik benennt werden, mit einem Song aber wenig gemein haben.
    Es gibt Leute, die finden keinen Zugang zu zeitgenössischer Bildenden Kunst. Herr Schürmann hat findet keinen Zugang zur Kunstform Musik. Erstere würden es nie wagen, im Magazin einen Artikel mit dem Titel “Zeitgenössische Bildende Kunst ist doof” zu schreiben. Warum nur schrieb Herr Schürmann diesen unsäglichen Artikel?

  17. Profile Pic
    Beat Itman

    Lieber Max Küng,
    schreibe mal wieder leidenschaftlich über Musik im Magazin, sonst übernehmen diese toten Langweiler noch das Kommando…..

    Musik ist Leben!!!

    …und damit meine ich nicht, wie oben schon präzise ausgedrückt, die Fahrstuhlberieselung…

  18. Profile Pic
    Eva Messmer

    Danke, danke, danke. Ich fühle mich ja so angesprochen. Nun, ich denke, dass ich einiges älter bin als Sie und dann ist man halt sowieso von vorgestern. Die Berieselung sei Verkaufs fördernd wird behauptet. Ich verlasse den Einkaustempel jeweils fluchtartig. Leider kann ich sozusagen nur noch mit Ohrenstöpseln einkaufen. Ja, ich rede gerne mit mir selber und es ist eine Frechheit, wenn einer daneben auch noch reden will, singt oder gar Trompete bläst. Meine Gedanken benötigen keine Geräuschkulisse, das Bügeln, Malen oder Kochen auch nicht.

  19. Jens Engelhardt

    Eine wahrhaft spannende Diskusion! Beide Seiten kenne ich sehr gut: Meine Lieblingsmusik macht mich “gesund” und fröhlich und die “Muzak-Vergewaltigung” nervt mich. In meinem Coiffeur-Salon gab es bisher keine Hintergrund-Musik. Als mir kürzlich ein Marketing-Berater dazu geraten hat, das zu ändern, fing ich an dieses Thema zu analysieren. Dieser Beitrag UND die Komentare haben dabei sehr geholfen. Jetzt unterscheide ich bewusst zwischen Musik und Muzak.
    Mein Salon bleibt deshalb “Muzak-Frei”.

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